Dry

Dieser Krimi ist das Erstlingswerk einer jungen Australierin und ich sage ???. Aaron Falk, Polizist für Steuervergehen in Melbourne, fährt zu einer Beerdigung ins Outback zu seiner Heimatstadt, wo sein Freund Luke mit seiner Frau und seinem Sohn auf ihrer Farm ermordet wurden. Aaron war viele Jahre nicht dort, denn sein Vater und er wurden aus dem Ort gejagt, weil man Aaron verdächtigte, ein sechzehnjähriges Mädchen ertränkt zu haben. Allein das Alibi seines Freundes Luke rettete ihn damals vor Schlimmerem. Als er nun wieder zurückkehrt, erkennen ihn viele Bewohner wieder und der Hass gegen ihn und die Verdächtigungen kommen erneut hoch. Haben der (Selbst?)mord von damals und der Tod der Drei auf der Farm etwas miteinander zu tun? Oder mussten die Drei wegen der katastrophalen Dürre und Hitze sterben, die seit Monaten herrschen und alle Einwohner von Kiewarra kirre machen? Die Eltern des toten Freundes und Raco, der Polizist vor Ort, bitten Aaron nach der Beerdigung noch etwas zu bleiben und bei der Aufklärung der Morde zu helfen. Aaron geht widerwillig auf die Bitte ein, worauf sich das Städtchen in einen Hexenkessel verwandelt…

Wenn eine Frau zum Morgengebet ruft…

In einem nicht konkret benannten muslimischen Land: Bilqiss soll gesteinigt werden. Sie wird angeklagt, anstatt des Muezzin, der zuhause betrunken unter dem Tisch lag, zum Morgengebet aufgerufen zu haben. Dabei tat sie dann auch gleichzeitig einige Ihrer Meinungen kunt, z.B. dass Allah diejenigen nicht bestraft, die nicht zum Gebet kommen, wenn sie arbeiten und dem Allgemeinwohl dienen. Dieser Anklagepunkt ist aber nur einer von vielen, Bilqiss schminkt sich, besitzt Spitzen-BHs und Stofftiere.
Bei der Gerichtsverhandlung brodelt die Seele der Gläubigen, sie hassen Bilqiss, die dem Richter mit besten Korankenntnissen dessen Auslegungen widerlegt und keine Angst zeigt. Merkwürdigerweise zieht der Richter die Verurteilung in die Länge, lässt Bilqiss „nur“ zwischendurch auspeitschen und besucht sie im Gefängnis mit Heilsalbe und gutem Essen. Zwischen den beiden besteht eine außergewöhnloiche Beziehung, die dann auch zu einem unerwarteten Ende der Geschichte führt.

Der Roman besteht aus Erzählungen von Bilqiss, dem Richter und einer amerikanischen Journalistin, die anfänglich mit dem Berichten über Bilqiss für sich eine Möglichkeit sieht, in New York in Zeitungskreisen zu glänzen, dann aber emotional immer mehr in die Geschichte hineingezogen wird.

Die marokkanische Autorin bedankt sich im Nachwort bei ihrem Vater für seine aufgeklärte, weitgefächerte Erziehung. Dies merkt man dem Buch an, es ist für mich mal wieder ein Buch, das sich in meinen Bucherinnerungen einen festen Platz erobert hat. Ich werde die beiden anderen Romane von Saphia Azzeddine ebenfalls noch lesen.

 

KukB

Eine KukB (=Kurze und knackige Buchbesprechung) zum heutigen Erscheinungstag dieses Buches:

 Nicht kaufen und nicht lesen-das Geld und die Zeit wären zu schade. Oder anders ausgedrückt: 2 von 10 Punkten. Ein wohlwollender Punkt für das Cover, ein zweiter Nettigkeitspunkt für kurze Momente aufkommender Spannung. Doch die Geschichte ist so abwegig, dass man schon bald befürchtet, dass das Ende einen hochgradig frustrieren wird und so ist es dann auch. Nächsten Mittwoch bespreche ich das Buch „Bilqiss“, heben Sie sich Ihre Leselust lieber dafür auf.

Bicycle Diaries

Dieses Buch hat mich sehr überrascht. Ich fing es zu lesen an, um mir, wie schon bei der Lektüre „Lob des Fahrrads“ (Link siehe unten „Welttag des Fahrrads) das Wunderbare am Radfahren noch einmal für die nächsten Radwochen im Sommer bewusst zu machen. Doch das war in den „Diaries“ nur ein Nebenthema.

Wer ist der Autor David Byrne? Bekannt wurde er in den 70er und 80er Jahren als Kopf der Gruppe „Talking Heads“. Damals eine sehr innovative Gruppe, hier ein Videoclip als Erinnerung, bzw. zum Einstieg:

Die Gruppe löste sich dann auf und David Byrne begann eine Solokarriere als Musiker. Er sampelte z.B. als erster Musikstücke und gründete ein Label für Weltmusik. Er veranstaltete Happenings, machte sich einen Namen als Fotograf und wurde auch bekannt als süchtiger Radfahrer, der mit seinem Klapprad durch New York fuhr, als dies noch niemand tat.

In seinem Buch, das er vor ca. 10 Jahren geschrieben hat, erzählt er von Aufenthalten in verschiedenen Städten, sein Klapprad ist immer dabei. Da die Inhalte und deren Qualität der einzelnen Kapitel (Abkürzung= Kap) so unterschiedlich sind, verteile ich Sternchen.

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Kap 1 „Amerikanische Städte“ – Byrne nimmt seine Fahrradausflüge zum Anlass, die infrastruktufelle Entwicklung amerikanischer Landschaften und Städte zu analysieren und diese mit der europäischen zu vergleichen. Spannende Gedanken.

⭐️⭐️⭐️ Kap 2 – Berlin- Die Anzahl der Fahrradwege, deren Zustand und die Tatsache, dass es spezielle Radfahrerampeln gibt, begeistern Byrne. Seine Hauptthemen sind allerdings Berlin vor und nach dem Mauerfall und die Stasivergangenheit.

⭐️⭐️ Kap 3 – Istanbul- Die Schilderung, warum ein Musikfestival, auf dem er auftreten soll, anscheinend so wichtig ist für den EU-Eintritt der Türkei (das hat was Nostalgisches) und warum das Festival dann erst nicht stattfindet und dann doch noch.

⭐️⭐️⭐️⭐️ Kap 4- Buenos Aires- In Argentinien ist die Tatsache, dass man sich mit einem Rad von A nach B bewegen kann, bei der Bevölkerung noch nicht bis zum Bewusstsein durchgedrungen. Was dem Kapitel 4 Sternchen bringt sind die Schilderungen der argentinischen Musikszene. Eine komplett andere Welt, die man aber mit Hilfe von YouTube entdecken kann.

⭐️⭐️⭐️⭐️ Kap 5 – Manila- Schon bei den Schilderungen seiner Radtouren durch New York oder Istanbul kam bei mir öfter die Frage auf: Ist der Mann ein Adrenalinjunkie, ist er lebensmüde oder hat er eine Kompanie Schutzengel in petto? Byrne ist heute Mitte 60, also war er auch nicht mehr ganz so jung, als er die Touren machte. Er schreibt, dass er ein Defensivfahrer, ja ein Fahrradflaneur sei. Da kommt es drauf an, wie jeder für sich das Wort „flanieren“ definiert… Dieses Kapitel hat die meisten Beschreibungen von kleinen Beobachtungen oder Episoden während des Radfahrens. Außerdem  erinnert es an Imelda Marcos. Byrne ist in Manila, um für ein Musikprojekt zu recherchieren, er will eine CD herausbringen mit Liedern, die persönliche Vielschichtigkeit von Imelda schildern. (Später ist daraus dann eine Oper geworden).

⭐️⭐️ ⭐️ Kap 6- Sydney- Diese Stadt ist für Menschen gefährlich, denn hier hat die Natur dank einer Reihe giftiger Tiere und Pflanzen noch ein bisschen das Sagen. Bei uns kaum vorstellbar, deswegen interessant zu lesen. Auch seine Bemerkungen zum heutigen Leben der Aborigines sind lesenswert. Das Radfahren kommt nur am Rande vor.

⭐️ ⭐️ Kap 7- London- Byrne (Er ist übrigens gebürtiger Schotte, der mit den Eltern in die USA auswanderte), erzählt von Restaurant- und Galeriebesuchen und lässt sich über kulturelle Stereotypen aus. Nett.

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Kap 8 und 9 -San Francisco und New York- Seine Gedanken über Outsiderkünstler, als er eine Ausstellung in einer psychatrischen Einrichtung besucht, sind wieder ein Highlight. Und die letzten Seiten widmen sich dann komplett dem Fahrrad, da er in New York eine Tagesveranstaltung zum Thema Radfahren in all seinen Facetten organisiert.

David Byrne ist ein kluger Kopf. Seine Gedanken sind z.T. sehr inspirierend. Auch ist es spannend im Internet nachzulesen, was sich seit dem Erscheinen des Buches 2009 in den einzelnen Städten an Verbesserungen für Radfahrer getan hat. So sind in New York z.B. 600 km Radwege dazugekommen und es gibt ein großes Netz an Leihradstationen. Alles in allem: ⭐️⭐️⭐️⭐️

 

Bitte das Buch von hinten anfangen

 Dieses Buch fand ich in einem meiner „Später mal lesen“- Kartons und entdeckte damit einen kleinen Schatz. Sehr konservativ fing ich vorne zu lesen an, in der Erwartung, dass das Buch eine Art „Best of“ deutscher Lyrikerinnen war. Falsch gedacht! Nachdem mir nur drei Autorennamen überhaupt etwas sagten und ich die ersten Gedichte z.T. auch recht bieder fand, blätterte ich glücklicherweise bis nach hinten durch, wo man Kurzbiografien der Autorinnen aufgelistet hat und ein Nachwort über diese Gedichtsammlung aufklärt. Die Autorinnen wurden zwischen 1880 und 1920 geboren, also in einer Zeit, wo Traditionelles von Modernem abgelöst wurde. ( Man denke z.B. in der Kunst an Expressionismus). So erklären sich bei den Gedichten die sehr unterschiedlichen Stile und Themen ( z.B. Alltagsbewältigung, Naturbeschreibungen, Erotik, Beziehungen zwischen Mann und Frau) und das macht das Büchlein besonders. Viele der 29 Autorinnen waren zu ihren Lebenszeiten sehr bekannt und ihre Romane und Lyrikbände hatten mehrere Auflagen. Heute kennt man ihre Werke kaum noch, zu Unrecht. Hier ein paar Gedichte als Beispiele:

  

So richtig was für Männer- Mein Buchtipp zum bevorstehenden Vatertag

 Wenn Sie den unterstrichenen Teil des Satzes gelesen haben, dann wissen Sie schon zu 80%, um was es in diesem Buch geht:

Irische Männer + ein Engländer, die ihr Leben problematisieren, Männer, die philosophieren, Männer, die gerne Bier trinken und noch lieber einen ordenlichen ?…Und mittendrin die Hauptperson des Romans: Roarty, der Besitzer des Pubs, der seinen Barkeeper mit einem Band der Encyclopädia Britannica umbringt, weil dieser seinem Augapfel, sprich seiner Tochter, zu nahe gekommen ist. Beim Versenken der Leiche im nahegelegenen Moor wird er allerdings gesehen und der erste Erpresserbrief folgt stantepede. Was soll Roarty tun? Zur Beruhigung hört er erst einmal Schumann und dann überlegt er, wer ihm im Dorf Böses will. Leider fällt sein Verdacht auf denjenigen, den er eigenlich gerne zum Freund hätte, ja, das Leben ist nicht einfach…

Eigentlich bin ich entschieden gegen eine Einteilung in Männer- und Frauenromane, aber ich nehme einfach mal an, dass bei diesem Buch Männer einfach mehr Lesespaß haben. Der Pubbesitzer ist eine vielschichtige Persönlichkeit und auch die anderen Dorfbewohner (z.B. verkappter Marxist, knallhart kungelnder Priester und ein Polizist mit exzellenten theoretischen Kenntnissen aber ohne Sinn für die Praxis) sind nicht ohne. Ihnen eine Zeitlang im Buch zu folgen, machte auch mir Spaß. Doch als dann die Probleme mit „dem kleinen Partner“ zu episch tief beschrieben wurden und es nur noch ums Jagen ging, verlor ich die Lust. Natürlich wollte ich wissen, wie die Geschichte endet. Hemingway hat dem Autor über die Schulter geguckt und es endet undramatisch dramatisch.

Der Tunnel

Der Roman, den ich Ihnen heute vorstelle, erschien erstmalig 1913 und war mit einer Auflage von über 100000 Exemplaren einer der ersten Bestseller des 20. Jahrhunderts. Das machte mich neugierig, obwohl ich eigentlich Science Fiction Romane nicht so gerne lese. Aber die Tatsache, dass der Titel jetzt auch wieder neu aufgelegt wurde, erhöhte noch mein Interesse.

Mac Allan kommt aus ärmlichen Verhältnissen. Er hat sich hochgearbeitet vom Pferdejungen im Bergwerk bis zum Ingenieur und verfolgte dabei immer seinem Traum: Er will einen Tunnel von Amerika nach Europa bauen! Dank seiner Kompetenz, seines Ehrgeizes und seiner zupackenden Art gelingt es ihm, die wichtigsten Geldgeber zu überzeugen, sich an dem Tunnelprojekt zu beteiligen. Es beginnt eine Zeit, in der ganz Amerika im Tunnelfieber ist und Allan ist der „Hohepriester“ aller, denn „das Syndikat“ verkauft auch Aktien an das einfache Volk und das Spekulieren nimmt kein Ende. Natürlich gibt es beim Bau immer wieder ein paar Tote, aber das nimmt man hin. Erst als ein Unglück passiert, bei dem über 2000 Menschen sterben, wendet sich das Blatt gegen Allan und der Mob tötet seine Frau und sein Kind. Die amerikanische Wirtschaft fängt zu schwanken an, denn niemand will mehr im Tunnel arbeiten und als dann Allan noch sein finanzielle Handlungsunfähigkeit erklären muss und das Verwaltungsgebäude des Syndikats abbrennt, sind alle am Projekt beteiligten Staaten mehr oder minder ko geschlagen.

Aber es kommt der Tag, in dem der Zug aus New York im Bahnhof von Calais einfährt…

Der Schreibstil des Autors ist purer Expressionismus. Wie er die Maschinen, ja die ganzen Arbeitsbedingungen schildert, wie er beschreibt, wie Allans Finanzexperte das Geld „als kleine Krieger ausschickt, damit jede einzelne Münze für ihn Beute macht“, so etwas habe ich noch nicht gelesen. Schön auch die Beschreibung von Allans Ehefrau, die sich im Laufe des Romans weiter entwickelt, wie auch ihre Widersacherin dues tut. Und dann ist da noch die Beschreibung des Feuers in dem Wolkenkratzer des Syndikats- mir wurde ganz anders, denn Bilder vom 11.9. werden hier sehr plastisch wach gerufen.

Fazit: Ein lohnendes Buch, dessen Erscheinungsdatum immer wieder verblüfft.

Mal so richtig was fürs Herz (Woche des Mondes Nr. 5)

Ich habe gegrübelt, welches Mondbuch ich Ihnen vorstellen könnte. Vor Jahrzehnten habe ich mal von Paul Auster “ Der Mond über Manhattan“ gelesen, es war ein tolles Buch, aber an den Inhalt kann ich mich nur noch vage erinnern und von einer anderen Internetseite abschreiben, das will ich nicht. Dann las ich noch eine Sammlung von Mondmärchen, die waren nett, aber auch nicht mehr. Deshalb spanne ich den Bogen zu diesem Buch- auch sehr schön abends bei Mondschein zu lesen und wohlig zu seufzen…

 

Der Schriftsteller Anthony Perdews verliert den Talisman seiner Verlobten Therese an dem Tag, als Therese tot vor einem Bäcker zusammenbricht. Dies ist über 40 Jahre her, doch Anthony hat diesen Schicksalsschlag nie überwunden. Er beginnt, verlorene Dinge von der Straße mit nach Hause zu nehmen und die Besitzer per Anzeige zu suchen. Zumeist erfolglos, so dass sich in seinem Haus vieles angesammelt hat. Anthony stirbt und in seinem Testament bittet er Laura, seine Haushälterin und Sekretärin, die Suche fortzuführen. Laura entspricht dem Wunsch gerne, denn nach einer sehr unglücklichen Ehe hatte Anthony ihr wieder einen Lebenssinn gegeben und er vererbt ihr sein schönes Haus und sein ganzes Vermögen. Zusammen mit Freddy, dem Hausgärtner und Sunshine, einem jungen Mädchen mit Downsyndrom, die viel Einfühlungsvermögen bei den Fundstücken und den dahinter stehenden Geschichten beweist, schafft es Laura schließlich sogar, den verlorenen Talisman wieder zu finden und damit Therese, die sich nach Anthonys Tod als Hausgeist aufführt, zu besänftigen.

Die Idee der Geschichte ist mal etwas Neues. Es gibt drei Liebesgeschichten und noch ein paar andere mehr, denn in die laufende Handlung sind ein paar Geschichten der Fundstücke eingestreut und diese Geschichten decken die ganze Bandbreite von lustig bis tottraurig ab. Ein Buch, gegen Alltagsgrau und Traurigkeit.

Ungewöhnliche Beschäftigung für einen Rentner

Inspector Chopra, hochangesehner und nicht korrupter Polizist in Mumbai, wird wegen einer Herzerkrankung vorzeitig pensioniert. Am letzten Arbeitstag kommt eine Frau auf das Revier und wirft der Polizei vor, den Tod ihres Sohnes nicht richtig zu untersuchen, weil er zu einer armen Kaste gehört. Chopra will dies nicht gelten lassen und versucht noch, weitere Untersuchungen in Gang zu setzen. Jedoch muss er dabei einsehen, dass die Mutter recht hat, denn sein Nachfolger schließt die Akte sehr schnell, obwohl der Rechtsmediziner Ungereimtheiten bei der Todesursache feststellte. Chopra, jetzt zwar Rentner aber immer noch Polizist, führt weitere Ermittlungen durch. Begleitet wird er dabei zumeist von Ganesh, einem Babyelefanten, den er von seinem Onkel zur Pension geschenkt bekommen hat. Chopra ist über dieses Geschenk nicht begeistert, denn er kennt sich mit Elefanten nicht aus und Ganesh bereitet ihm anfänglich viele Sorgen. Doch im Laufe der Ermittlungen werden beide fast schon ein Team und Ganesh rettet Chopra das Leben, als dieser sich mit hochgefährlichen Verbrechern einlässt. Diese handeln mit Kindern und Politiker sind mit involviert. Aber Chopra lässt nicht locker…

Dieser Krimi bietet alles, was zu einem sogenannten „Wohlfühlkrimi“ gehört. Da sind erst einmal der integre Chopra, den man bewundern kann, dann seine Ehefrau mit eigenwilligen Ansichten und die üble Schwiegermutter. Ganesh ist fast immer niedlich und man lernt zusammen mit Chopra Einiges über Elefanten. Schließlich erhascht man noch einem Blick auf das heutige Indien, das kaum noch exotisch ist, sondern sehr an unsere Lebenswelt erinnert. 

Am Ende des Buches gibt es ein turbulentes Happyend, das den Gedanken an Folgebände aufkommen lässt.

Selten, aber es kommt vor

In meinem Bücherleben habe ich schon viele Bücher gelesen, die ich toll fand und die teilweise immer noch wichtig für mich sind. Sehr selten kam es aber bisher vor, dass ich beim Lesen den Eindruck gewann, dass der Autor/die Autorin eines Buches eine Art Seelenverwandschaft mit mir hat. Nun habe ich einen dritten Autoren gefunden…

Meir Shalev schreibt nicht nur über seinen Wildgarten mit seinen Entdeckungen, Versuchen, Lieblingsblumen, Tierbekanntschaften, traurigen und lustigen Momenten, sondern er spannt immer wieder Bögen zu anderen Themen, wie beispielsweise zur hebräischen Sprache, der in Israel vertretenen Religionen oder zu der aktuellen politischen Lage. Er reflektiert Episoden in seinem Leben und nimmt sich dabei auch manchmal nicht ganz ernst. So ist dies nicht das einhundertachtundfünfzigste Gartentagebuch auf dem Büchermarkt, sondern es ist mehr. (Nicht zu vergessen die zauberhaften Illustrationen im Buch, die zu eine besonderen Stimmung beitragen).

Seine Liebe zur und Demut vor der Natur, seine Neugierde, seine feinen Antennen, auch in kleinsten Dingen etwas Besonderes zu sehen und zu beobachten, machen mir Herrn Shalev sehr sympathisch. Und das alles bietet er in einem Schreibstil, bei dem immer wieder feiner Humor und auch Ironie aufblitzt.

Meir Shalev hat bereits diverse hochgelobte Romane, Kinder- und Sachbücher geschrieben. Ich bekenne, ich habe bisher noch kein anderes Buch von ihm gelesen, werde das jetzt aber nachholen und freue mich darauf „wie Bolle“.