Eigentümliche Wandlung

Gestern erzählte ich Ihnen vom Film „Die Tänzerin“ und erwähnte dabei Isadora Duncan, die im Film keine rühmliche Rolle spielt. Das machte mich neugierig, denn „die Duncan“ wird als Wegbegleiterin des modernen Tanzes von vielen Menschen verehrt. So nahm ich mir ihre Autobiografie vor.

Kurz zu der Lebensgeschichte: Isadora wächst in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Die Eltern haben sich scheiden lassen und die Mutter muss danach als Klavierlehrerin für ihre vier Kinder Geld verdienen. Es ist ein chaotischer Künstlerhaushalt, in dem die Familie oftmals nichts zu essen hat, sich aber mit geistiger Nahrung am Leben erhält und jedes Kind seinen Neigungen nachgehen kann. Bei Isadora ist es der Tanz und im Buch ist zu lesen, dass sie schon im Grundschulalter anderen Kindern Tanzunterricht gegeben hat. Im Gegensatz zum gängigen klassischen Ballett bewegt sie sich auf natürliche Weise und tanzt Figuren zu klassischen Musikstücken. Die Familie ist von Isadoras Talent überzeugt und kämpft dafür, dass man ihren Tanz als Kunst anerkennt. Erst in kleinen Schritten, dann in immer größeren wird Isadora bekannt, nach einigen Jahren ist sie ein Star. ( Zu dieser Zeit kommt sie zu Loïe Fuller-siehe den Beitrag von gestern-irgendetwas stimmt da nicht…). Ihr Bruder Raymond liebt das Theater, beide haben eine Leidenschaft für die griechische Antike und so tritt Isadora nur noch in einer Tunnika gekleidet auf und beide beschließen, in Griechenland einen eigenen Tempel zu bauen, wo sie dann ihre Künste zeigen wollen. Während Raymond in Griechenland bleibt, kehrt Isadora nach Deutschland zurück und eröffnet in Berlin eine Tanzschule für Kinder. Zwanzig Kinder leben und arbeiten mit ihr und Isadoras Schwester Elisabeth.

Um ihre Projekte finanzieren zu können, geht Isadora immer wieder auf Tournee. Heiraten würde sie nie, aber in einem schon etwas reiferen Alter hat sie diverse Liebschaften mit Bewunderern, darunter dann auch die Väter ihrer drei Kinder. Bei jeder Schwangerschaft steht sie vor der Entscheidung: Liebe oder ihre Kunst. Sie entscheidet sich für ihre Kinder, aber es ist immer ein Drahtseilakt, denn ihre Tanzkunst bedeutet ihr alles.

Das Ende der Duncan ist tragisch. Gezeichnet von Alkohol und Krankheit lebt sie in Nizza, wie immer pleite und auf die Hilfe von anderen angewiesen. Bei einer Autofahrt in einem Coupé verfängt sich ihr langer Schal in einem Reifen und stranguliert sie.

Dieses Buch hat Isadora Duncan geschrieben, um ihre leere Kassen aufzufüllen. So muss man ihrer Lebensbeichte mit einiger Skepsis gegenüber treten, denn wie sie selbst schreibt wünschte sich der Verleger weniger Tanztheorie dafür mehr skandalöse Stellen. Ich bewundere sie, weil sie zeitlebens an sich und ihre Tanzkunst geglaubt hat und sich nur sehr wenig um irgendwelche Konventionen geschert hat. Dreiviertel des Buches mochte ich aber nicht, denn ihr Erzählton schwankt zwischen Überheblichkeit, Narzissmus und Naivität und nervte mich. Erst zum Ende hin, als es um ihre Kinder geht, schreibt sie berührend und ich war erstaunt über ihre Wandlung, auch nachdenklich und selbstkritisch schreiben zu können.

Wer nicht lesen, sondern lieber gucken möchte:

Bis morgen!

Zaubertänze

Heute und morgen komme ich noch einmal auf das Thema Ballett zurück. Da habe ich erst einmal einen schönen Film für Sie:

Der Film heißt „Die Tänzerin“ und erzählt die Lebensgeschichte der Amerikanerin Loïe Fuller. Sie ist Amerikanerin und die Tochter eines Goldgräbers. Nach dem Tod ihres Vaters steckt ihre Mutter sie in ein Kloster, da sie für Loïes tänzerische Anwandlungen kein Verständnis zeigt. Doch Loïe kann nach Paris fliehen und schafft es dort, im Nachtclub Folies Bergère aufzutreten. Die Zuschauer sind fasziniert von ihrem Schleiertanz, bei dem sie sich natürlich bewegt (war damals noch nicht normal) und mit Lichteffekten arbeitet. Sie wird berühmt, zahlt dafür aber auch einen hohen Preis an ihre Gesundheit. Schon geschwächt, taucht ein junges Mädchen auf: Isadora Duncan. Loïe ist anfangs naiv, was Isadoras Absichten angeht und merkt zu spät, dass Isadora sie kopiert und zur Rivalin wird.

Soviel zum Film. Schöne Geschichte, sehr schöne Aufnahmen, besonders empfehlenswert für einen gemütlichen Mädelsabend.

Bei mir löste der Film allerdings auch noch den Wunsch aus, mehr über Isadora Duncan zu erfahren, gilt sie doch als eine der Wegbereiterinnen des modernen Tanzes. So las ich ihre Autobiografie und diese stelle ich Ihnen morgen vor.

Zu viel Ehrfurcht

Im Herbst 2014 erhielt Patrick Modiano den Nobelpreis für Literatur. Wie jedes Jahr nach der Vergabe des Preises stürzten sich zahlreiche Kunden meiner Buchhandlung auf die Bücher des aktuellen Preisträgers. Alledings hörte ich dann relativ schnell, dass seine Romane keine leichte Kost seien und manche Käufer lasen die Bücher nicht zuende. Ich hatte von Modiano noch nichts gelesen, die Aussagen der Kunden trugen nicht dazu bei, dies zu ändern.

Dieses Hörbuch nahm ich aus der Bücherei mit nach Hause- jetzt hast du Muße, dich mit Herrn Modiano auseinander zu setzen, dachte ich mir. Und war sehr überrascht. Der Roman umgarnt den Zuhörenden sofort und man wird hineingezogen in diese Geschichte: Der Schriftsteller Jean Daragne, Anfang 60, bekommt von einem jungen Mann namens Gilles einen Anfuf, dass dieser Daragnes Adressbuch wiedergefunden hätte. Sie treffen sich zur Übergabe. Der junge Mann ist in Begleitung von seiner Freundin Chantal, die einen fast ängstlichen Eindruck macht. Gilles hat auch eine merkwürdige Art an sich, so dass Daragne, als Gilles ihn fragt, was er zu dem Namen Guy Torstel in seinem Adressbuch zu sagen hat, sehr irritiert ist. Gilles erklärt, dass Torstel im Zusammenhang mit einem Verbrechen steht, über das er eine Reportage schreiben will. Daragnes kann zunächst mit dem Namen Torstel nichts anfangen, verspricht aber, nachzudenken und sich zu melden. Bevor er Gilles wieder anruft, meldet sich allerdings dessen Freundin Chantal und warnt Dardagne vor Gilles und dessen große Hartnäckigkeit. Dardagne, der sehr zurückgezogen lebt, schwankt zwischen Angst, Ablehnung aber auch Neugierde und trifft sich trotz Warnung erneut mit Gilles. Gilles bedränkt ihn weiter und gibt ihm als Beweis alte Polizeiakten, die Dardagne sich durchlesen soll. Dardagne will nicht, tut es dann aber doch und ganz, ganz langsam schleichen sich Erinnerungen in seinen Kopf, aber noch mehr Fragen kommen hoch.

Wenn man die Ehrfurcht vor dem Werk eines Nobelpreisträgers vergisst, kann man dieses Buch einfach als anspruchsvollen Krimi lesen, bzw. hören. Man kann dieses Buch aber auch so interpretieren:

https://de.wikipedia.org/wiki/Damit_du_dich_im_Viertel_nicht_verirrst

Mir haben die drei CDs spannende Stunden beschert, das Kopflastige habe ich dabei einfach mal ausgeblendet.

Ich mache eine Wochenendpause, am Montag erwarten Sie afrikanische Momente.

Wenn ein Ekelpaket ermordet wird, dann

…gibt es sehr viele Verdächtige. Als da wären:

die Geliebte, der Geliebte seiner Frau, die Angestellten, die Schauspieler, der Regisseur, die Drehbuchautoren oder jemand, der von ihm erpresst wurde. 

Der Pariser Kommissar La Bréa muss den Mord an dem Filmproduzenten Molin aufklären. Dieser ist, nachdem er getötet wurde, noch schrecklich zugerichtet worden, wer hatte einen solchen Hass auf ihn? Die Zahl der Tatverdächtigen, siehe oben, ist groß und La Bréa und sein Team haben viele Fragen. Dabei sticht eine heraus: Wir konnte Jacques Molin noch Filme produzieren, wenn ihm niemand mehr Geld vorstreckte? Molin war früher ein erfolgreicher Regisseur, der Auszeichnungen bekam, doch dann versuchte er, die staatliche Institution für Filmförderung zu betrügen und flog dabei auf. Seitdem ist seine Reputation in der Filmbranche schlechter als schlecht und doch drehte er einen Film nach dem anderen…

An diesem Krimi gefiel mir, dass man auch hinter die Kulissen der Filmbranche sehen durfte. Für mich waren einige Zusammenhänge neu. Was den Ort der Handlung angeht, Paris, so fand ich es gut, wie die Autorin den Alltag „normaler“ Einwohner inmitten von Paris beschreibt. Hört sich vielleicht komisch an, aber für mich ist das Zentrum von Paris so abgehoben, dass ich mir nur schlecht vorstellen kann, dass dort  beispielsweise Kinder zur Schule gehen, es Altenheime gibt oder volle Wartezimmer bei Ärzten.

Morgen gibt es einen Blogferientag, übermorgen stelle ich Ihnen Genussmaka, Spinnplöda und Chatmüden vor.

Ein Museum über das romantische Leben

 

So nennt sich ein Pariser Museum, das in dem ehemaligen Wohnhaus des holländischen Malers Ary Scheffer beherbergt ist. Es liegt auf dem Montmartre versteckt hinter hohen Mauern.

Was stellen Sie sich unter diesem Museum vor? Ich hatte vor meinem inneren Auge Fotos von sich anschmachtenden Paaren, Spitzentaschentücher, die sie bewusst fallen ließ oder Fläschchen mit Riechsalz und Spitzenfächer. Falsch gedacht.

Ausgestellt waren hauptsächlich Bilder damals bekannter Menschen,  gemalt vom Hausherren und anderen Künstlern und Andenken an die längste Besucherin des Hauses, die Schriftstellerin George Sand. 

Oben rechts eine Teilansicht des Raumes, in dem die Salontreffen abgehalten wurden, rechts unten eine Haarlocke der Schriftstellerin

Georg Sand war nicht wie andere Salongastgeberinnen die große Organisatorin und so traf es sich gut, dass Ary Scheffer das Einladen der damaligen Elite in sein Haus übernahm und die Schriftstellerin dann die Vorzüge eines Salons ausnutzen konnte. So trafen dann Berühmtheiten wie beispielsweise Dickens, Delacroix, Chopin oder Rossini mit ihr zusammen.

Wenn man an dem Leben von George Sand, aber auch an der Geschichte Frankreichs und dem dortigen Alltagsleben im 19.Jahrhundert interessiert ist, lohnt es sich, die Erinnerungen von George Sand zu lesen.

Möchten Sie einmal einen Roman von ihr lesen, dann kann ich Ihnen diesen Titel empfehlen.

Eine leichte und heitere Geschichte, in dem ein Mann und eine Frau, Freunde aus Kindertagen, sich sehr schwer damit tun, sich ihre Liebe einzugestehen. Mal salopp gesagt: Die Geschichte von Harry und Sally in der Salonsprache des 19.Jahrhunderts.

Noch eine kurze Bemerkung zum Museum: Es ist wie eine Zeitkapsel im heutigen Paris. Magnifique! Sollten Sie einen Besuch erwägen, beachten Sie nur bitte, dass der Eintritt freiwillig gezahlt wird und im Café zwei Tassen Kaffee und zwei Törtchen 25 Euro kosten.

Morgen habe ich ein Quiz für alle, die noch wissen, was LPs sind.

Auflösung der Parisrätsel (Paris im August Nr. 11)

Frage 1: Die Büste stellt George Bernard Shaw dar. Wir besuchten im Juni eine Ausstellung in Lübeck, wo seine Fotografien gezeigt wurden.

Frage 2: Auf dem Bild sieht man einen Mund. Zu sehen war dieser klein in meinem Bericht über den Palais de Tokyo

Frage 3: Man braucht 60 Tonnen Farbe, um den Eiffelturm einmal neu anzustreichen. Dies wird alle sieben Jahre gemacht.

Frage 4: Die Kuppel gehört zu der Abtei, in der das Pariser Technikmuseum untergebracht ist. Ich erzählte darüber am Mittwoch.

Frage 5: Um zum Port Paris de Arsenal zu kommen, sollte man am besten bei der Metrostation „Bastille“ aussteigen.

Morgen habe ich mal wieder ein Gartenthema.

Fünf Fragen zum Thema Paris (Paris im August Nr. 10)

Wenn Sie meinen Blog relativ regelmäßig lesen, müsste die ein oder andere Frage nicht so schwer sein.

Frage Nr. 1:

 Diese Büste wurde von Rodin angefertigt.    Wen stellt sie dar? Vor einiger Zeit besuchten wir in Deutschland eine Ausstellung von ihm und ich berichtete darüber.

Frage Nr. 2: Was sehen Sie?

Frage Nr. 3

Wieviel Tonnen Farbe braucht man, um den Eiffelturm neu anzustreichen?

Frage Nr. 4:

Wo ist dieses Foto aufgenommen worden?

Frage Nr. 5:

Bei welcher Metrostation muss man aussteigen, um zum Port de Paris Arsenal  zu kommen?

Morgen Abend kommen die Auflösungen und ab nächste Woche gibt es dann wieder Gemischtes. Wobei Paris immer mal wieder auftauchen wird, aber nicht so geballt wie in den letzten zwei Wochen.

Atelier des Lumières (Paris im August Nr. 9)

Wie soll ich das beschreiben? Stellen Sie sich vor, Sie stünden in einer alten leeren Fabrikhalle. Es ist dunkel und plötzlich beginnt ein Film. Aber nicht nur vor Ihrer Nase, sondern ebenso an der Decke, dem Boden, den Seitenwänden. Der erste Film zeigt Bilder von Gustav Klimt, der zweite Bilder von Hundertwasser. Sie befinden sich in einem Rausch von Farben untermalt mit Musik. Am besten sitzt man, denn wenn man umhergeht, was auch möglich ist, kann einem u.U. schummrig werden. Und der dritte Film? Schwarzweiss- technisch, futuristisch, kalt.

In der Nähe der Bastille wurde am 13. April dieses Jahres das Atelier des Lumières eröffnet. 140 Videoprojektoren und eine räumliche Beschallungsanlage auf 3300 qm ermöglichen diese besondere Sinneserfahrung:

Herr Klimt:

Herr Hunderwasser:

Utopia:

Eine innovative Idee, die auch gut als Besuchermagnet nach Duisburg passen würde…

Nur ein Hinweis: Wenn Sie in Paris das Atelier besuchen möchten, tun Sie es nicht mit kleinen Kindern. Einige anwesende reagierten verängstigt und fingen zu weinen an. Ab Schulalter sollte es gehen.

Morgen mache ich eine Pause und dann gibt es zum Abschluss ein kleines Parisquiz am Wochenende.

Roboter im Paris des 18. Jahrhunderts (Paris im August Nr. 7)

Dalessius ist Kalligraph und findet eine Anstellung auf dem Anwesen Voltaires. Dieser schickt ihn allerdings schon bald nach Paris. Dalessius soll sich unters Volk mischen und herausfinden, wie es um den jungen Calas steht, der angeblich gemordet haben soll und der sich vor Gericht verantworten muss. Voltaire vermutet, dass Dominikanermönche dahinter stecken, seine Feinde, die all das verkörpern, was Voltaire als Vertreter der Aufklärung ablehnt. Dalessius lernt merkwürdige und auch gefährliche Leute kennen, kann Calas aber nicht helfen. Nach dessen Hinrichtung kehrt er deshalb zu Voltaire zurück, in der Hoffnung, endlich einer ruhigen Arbeit nachgehen zu können, doch er wird enttäuscht. Er muss ein zweites Mal nach Paris, um Schriftstücke zu überbringen. Dabei gerät er in eine Verschwörung, angezettelt von den Dominikanermönchen, die den Bischof beseitigen wollen. Dalessius bekommt es nicht nur mit Verbrechern zu tun, sondern auch mit lebensechten Puppen, die fast noch gefährlicher sind…

Kathrin Fischer vom Hessischen Rundfunk hat 2005 in einer Rezension zu diesem Buch gesagt: „ Als hätten E.T.A. Hoffmann und Franz Kafka gemeinsam einen Krimi geschrieben.“ Ich kann es nicht besser ausdrücken. Spannend, unheimlich, geschichtlich sehr interessant- großes Kopfkino!

Morgen habe ich zwei Pariser Museumstipps für Sie. In dem einen gab es diese Puppenautomaten zu bewundern.