Home Office mit Home Concert verbinden

Gestern wurde mir mal wieder bewusst, welche großen Vorteile das Internet auch haben kann. Ich hatte in den letzten Tagen Pech, denn gleich zwei Konzerte fielen aus. Mir war aber nicht nach Grämen oder Lamentieren, sondern ich machte mir zuhause zwei eigene Konzertabende. Zig Konzerte kann man sich auf YouTube ansehen und wenn man ein bisschen Glück hat, sind sogar welche dabei, die man selbst besucht hat.

Mein erstes Home Konzert war das jährlich stattfindende Weihnachtskonzert von IQ. (siehe T-Shirt von gestern) im holländischen Zoetermeer. Mein Mann und ich stehen ganz rechts an der Bühne.

Apropos Weihnachten: Man könnte doch jetzt antizyklisch auch mal Plätzchen backen. Was Weihnachten gilt, könnte jetzt ja auch helfen…

Home Konzert Nr. 2: Im Londoner Wembley Stadion mit der Musikgruppe Muse. 10 Jahre ist es her- sehen Sie mich oben links mitwippen? 😉

Einen Tango im Schwimmbad

…und dann bin ich in der Umkleidekabine und nebenan sind mal wieder eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter. (Midi-Schwimmkurs, ca. 6 Jahre alt). Ja und welches Lied aus dem Jahr 1961 schmettert die Kleine (die ersten vier Zeilen textsicher !) in der Kabine?

Solche Momente liebe ich! Die Mutter fragte übrigens nicht nach, woher ihre Tochter das Lied kennt, also scheint es zum Musikgut der jungen Familie zu gehören. Das finde ich wiederum interessant.

Der Dirigent

1940- Leningrad, kurz vor Beginn des Krieges zwischen Sowjetunion und Deutschland. Dmitri Schostakowitsch hat begonnen, seine siebente Symphonie zu komponieren. Der Druck auf den wohl berühmtesten Komponisten Russlands ist hoch, jeder erwartet ein neues Meisterwerk. So ist sein gesundheitlicher und psychischer Zustand bedenklich, denn er muss sich „nebenbei“ noch um seine Familie kümmern und im Konservatorium unterrichten. Allein die Treffen mit seinen Freunden geben ihm noch ein bisschen Halt und neue Kraft.

Zur selben Zeit dirigiert Karl Eliasberg das Rundfunkorchester in Leningrad. Er steht im Schatten der berühmten Dirigenten Mrawinski und ist immer nur die Nummer 2. Der introvertierte Eliasberg verehrt und hasst Schostakowitsch gleichermaßen. Er bewundert dessen Können, kann ihm aber nicht verzeihen, dass Schostakowitsch ihn nicht zu seinem Freundeskreis zählt, obwohl sie beide gemeinsam ins Konservatorium gegangen sind.

Dann beginnt die Belagerung und Bombardierung Leningrads durch die Deutschen. Während viele Berühmtheiten fliehen, bleiben die beiden Männer in Leningrad und versuchen weiterzuarbeiten, trotz immer schwereren Bedingungen. Aber das ist erst der Anfang, im Laufe des Winters werden die Verhältnisse immer menschenverachtender, viele sterben an Hunger, werden bei Bombardierungen getötet oder kommen durch Krankheiten um. Es wird verfügt, dass Schostakowitsch Leningrad verlassen muss, um auf dem Land die „Leningrader Symphonie“ fertig zu schreiben, Eliasberg wird nicht evakuiert. Er ist, wie auch alle anderen übrig gebliebenen Orchestermitglieder, sehr geschwächt und krank, aber er schafft es trotzdem, dass noch eine Konzertübertragung im Radio ausgestrahlt wird. Ist es sein letztes Konzert? Nein, denn Schostakowitsch hat die Symphonie beendet und danach wird befohlen, dass sie zur Stärkung der Moral in Leningrad aufgeführt werden soll. Eliasberg hat nur noch fünfzehn Orchestermitglieder, alle anderen sind tot. Aber er wird durchhalten, denn Schostakowitsch hat ihm geschrieben…

Das Buch lesen und danach die Symphonie hören, das war für mich eine neue, sehr emotionale, Erfahrung. Schreckliche Kriegsbilder aus dem Buch tauchten beim Hören in meinem Kopf auf, aber dann macht die Musik auch zuversichtlich und die Menschlichkeit kommt zurück. Auch in dem Buch liest man erinnerungswürdige Szenen, in denen Menschen, trotz aller Grausamkeiten, Liebe und Güte nicht vergessen. Und es gibt einen Helden: Karl Eliasberg.

Dirigentin gefunden

Hier nun mein letzter Parisbeitrag. Erstmalig besuchten wir die Pariser Philharmonie.

Ein weiteres architektonisches Prunkstück in Frankreichs Hauptstadt, das 2015 erst eröffnet wurde. Es liegt im „Musikerviertel“ direkt neben dem Parc du Villette im Nordosten von Paris. Früher eher eine Gegend, in der die Menschen arm waren, ist das Viertel heute dank der musischen Ausrichtung mit vielen Musikschulen und anderen Gebäuden prosperierend.

Der Besuch hielt zwei sehr positive Überraschungen für uns parat. Für mich war es das erste Konzert mit klassischer Musik, bei dem ich das Gefühl hatte, dass die Menschen wegen der Musik kamen und nicht um gesehen zu werden oder weil ein Besuch in den Kreisen „dazugehört“. Das konnte man an der Kleidung ausmachen, aber auch an den Einkaufstaschen, Rucksäcken oder Aktenkoffer, die in den Konzertsaal mitgebracht wurden. Die Eintrittspreise von 8 Euro bis 50 Euro ermöglichten einer viel größeren Zahl an Musikinteressierten, sich auch ein Ticket leisten zu können.

Wir hörten Musik von Sibelius und Schostakowich, dirigiert von Karina Canellakis, einer knapp vierzig jährigen Amerikanerin. Ihr gefühlvoller Stil des Dirigierens macht Musik sichtbar und noch besser erlebbar- nichts für Anhänger des minimalistischen Dirigierens. Möchten Sie einen Eindruck gewinnen?

Wer sie live erleben möchte, der hat vom 24.-26.Mai in der Kölner Philharmonie die Möglichkeit. Weil wir so begeistert waren, haben wir dann Karten für Sitze hinter dem Orchester, um ihr beim Dirigieren von vorne zusehen zu können.

Ein Tipp für das Klavier-Festival Ruhr

Letzte Woche wurden die Programme für das o.g. Festival verschickt. Sollten Sie auch vorhaben, das ein oder andere Konzert zu besuchen, so habe ich einen Tipp für Sie:

Es fällt schwer, ruhig sitzen zu bleiben und keine Wippbewegungen mit dem Kopf zu machen…

Und das steht über die Künstlerin im Programmheft:

Einen weiteren Tipp finden Sie unter den „Related Posts“. Einfach mal „Vorfreude auf eine Verabredung“ anklicken, dieser Künstler ist auch Gast des Festivals.

Ein Abend mit Meret Becker

Am Donnerstag verbrachten wir in Düsseldorf einen Abend mit Meret Becker. Sie trat mit ihrer Band Tiny Teeth im Capitol Theater auf und zeigte ihre „Le Grand Ordinaire“ Show. Auf You Tube gibt es einen Videoausschnitt der Show, der die Qualität dieses Auftritts allerdings nur unzureichend zeigt, deshalb habe ich drei Lieder ausgewählt, die die Vielfältigkeit von Merets Gesang zumindest andeuten. Ich bin restlos begeistert, denn hier macht eine Frau „Ihr Ding“, hat viel Spaß und schert sich nicht um den Mainstream.

Sie beflügelte mich an dem Abend so sehr, dass ich auf der Rückfahrt nach Hause vom Beifahrersitz aus Regenfotos machte. Und dann kam mir noch die Idee, diese als Doppelbelichtung mit anderen Motiven zusammenzufügen. Das kam dabei heraus:

Dieses Lied passt zu Regentropfen
Man sieht sich! Oder liest sich?

Der schönste „Vogelgesang“ von Gomera

Ich bleibe noch ein bisschen bei dem Thema Vögel und stelle Ihnen heute den „Silbo Gomera“ vor. Aber vielleicht will ich Sie auch nur ein bisschen auf den Arm nehmen?

Hier ein Link zu dem Thema Silbo Gomera, wenn Sie vielleicht neugierig geworden sind:

https://de.wikipedia.org/wiki/El_Silbo