Was braucht man für Garageband (3)

Letzte Woche kündigte ich an, Ihnen meinen „Arbeitsplatz“ für die Musiksoftware Garageband vorzustellen.

Die Schriftfarben haben folgenden Sinn:

Gelb= Ohne dem geht es nicht: PC, IPAD, Laptop oder Handy müssen vorhanden sein. Garageband wurde von der Firma Apple entwickelt und besitzt man ein Gerät dieser Firma, ist diese Software entweder von Anfang an auf dem Gerät installiert oder man kann es kostenlos herunterladen. Hat man Windows 8,9 oder 10 auf dem PC oder dem Laptop, kann man Garageband ebenfalls aufspielen, dann es allerdings nicht kostenlos. Ich mache keine Preisangaben, da diese schwanken, bzw. es auch immer wieder Preisaktionen gibt. Für Androidhandys soll es angeblich seit 2021 ebenfalls eine Möglichkeit geben, Garageband zu installieren, aber die Aussagen in Internet widersprechen sich teilweise. Abgesehen davon ist ein größerer Bildschirm von Vorteil, wenn man Musik mit Garageband machen möchte.
Der Zettelkasten (oder ein Notizbuch): Beherzigen Sie meinen Rat und schreiben Sie von Anfang an auf, wenn Sie Ideen haben, in Garageband eine Tonfolge entdecken, die Sie für später vielleicht benutzen wollen. Notieren Sie sich jeden erfolgreichen Arbeitsschritt. Wenn man nicht täglich mit der Software arbeitet, vergisst man schnell einzelne Programmfolgen und muss neu mit dem Lernen anfangen.

Grün: Kopfhörer und Mikrofon kamen nach zwei Wochen dazu, weil ich auch gerne singen und dies aufnehmen wollte. (Auf dem Mikrofon sitzt ein Popschutz, der Atemgeräusche beim Singen oder Sprechen unterdrückt). Ein Paar Lautsprecher gönnte ich mir, weil die eigene Musik besser klingt, als wenn sie nur aus dem IPAD kommt.

Rot: Mein letzter Neuzugang, den ich geschenkt bekommen habe: Ein Audio Interfacegerät mit vier Ein-bzw.Ausgängen. Wollte ich eigentlich nicht haben, aber jetzt möchte ich es nicht mehr missen.
Wenn Sie nicht nur Musik am Bildschirm machen möchten, sondern auch singen oder ein Instrument, das sie spielen, mit einbinden wollen, sollten Sie sich diese Anschaffung überlegen. Die Tonqualität bei Mikrophonaufnahmen wird so viel besser. Bei meinem E-Piano hatte ich zuvor die Bluetooth Midi Funktion benutzt, um das Spielen in Garageband einzubinden. Jetzt geht ein Midikabel von meinem Klavier in das Interfacegerät und die Tonqualität in Garageband ist voller und klarer.

„Ich bin nicht musikalisch, das ist nichts für mich!“ Vielleicht aber doch…Garageband bietet unzählige Tonfolgen an, die man kreativ kombinieren kann, so dass am Ende ein Lied zu hören ist, das Ihnen gefällt. Das Programm übernimmt dabei auf Wunsch die Angleichung der verschiedenen Tonspuren bezüglich Tonart und Takt. Auch gibt es eine Funktion, die sie anklicken können, so dass das Programm für Sie eine passende Tonfolge zu Ihrer eigenen Auswahl vorschlägt.

Hier ein Beispiel für ein kleines Lied, Erinnerung an einen Tag am Meer:

Benutzt habe ich in Garageband:
Das Grandpiano, die Musicbox,Neon Koto,Kindergarten Bass , Acoustic Guitar, Kontrabass Upright und Femail Choir Morph.
Die Wellengeräusche am Ende des Liedes habe ich von der Seite Freesound.org heruntergeladen. Bei der Auswahl muss man beachten, ob eine Tonfolge frei bearbeitet werden darf oder ob Einschränkungen vorliegen.

Motivation zur Musik

Gestern hörte ich einen Radiobeitrag im Deutschlandfunk. Es geht darum, wie Musik bei jungen und älteren Menschen das Gehirn positiv beeinflusst, beispielsweise bei Gedächtnisleistungen, dem Hören oder der Motorik. Nehmen Sie sich sieben Minuten Zeit, es lohnt sich!

https://www.deutschlandfunkkultur.de/musizieren-singen-hoeren-musik-wirkt-wie-medizin-reihe-neue-kraft-tanken-dlf-kultur-9380fe9c-100.html

Für mich war dieser Beitrag Bestätigung und Motivation, meine Versuche mit Garageband fortzuführen. Am Montag zeige ich Ihnen deshalb, wie mein „Arbeitsplatz“ für Garageband aussieht. Man braucht kein Instrument, um Musik zu machen und viel Spaß zu haben!

Grüße von der Garageband (1)

Im Dezember habe ich angefangen, mich ein bisschen mit „Garageband“ zu beschäftigen. Das ist ein Programm der Firma Apple für den Mac, das IPhone und das IPad, mit dem man Musik aufnehmen und arrangieren kann.Ich wollte es mal ausprobieren, um meine eigenen Klavierstücke ein bisschen aufzupeppen.
Erstes Fazit: Achtung Suchtgefahr! Es mach sehr viel Spaß und ich habe schon mehrmals dabei die Zeit vergessen. Vielleicht ein neues Hobby?
Mein erster Schritt: Ich habe das Handbuch zu Garageband im Internet gelesen und dabei direkt verschiedene Schritte ausprobiert. Da muss ich Apple loben: Das Handbuch ist wirklich so geschrieben, dass selbst Unbedarfte wie ich es verstehen können. (Hatte es früher schon mal mit den Programmen „Music Maker“ und „Audacity“ probiert und war gescheitert). Zur Verfestigung meines frisch erworbenen Wissens belegte ich danach einen dreistündigen Online Kurs bei der Kölner Volkshochschule. Hier lernte ich aber auch noch Neues hinzu. Der Referent, Herr Balzer, erklärte gut und war sehr engagiert, um jede Frage der Zuhörer zu beantworten. (Wer an diesem Kurs teilnehmen möchte oder an Kursen zu anderen IT Themen interessiert ist, hier eine Übersicht der Kurse von Herrn Balzer: https://vhs-koeln.de/Suche?cmxelementid=web4e15b88472a73&seite=&s=balzer&mf_objekt=Homepage&f=&p

Danach sah ich mir noch diverse Videos auf YouTube an. Hier kann ich besonders die Tutorials von „Maxmachtmusik“ empfehlen.

Dies war dann mein erster Versuch, ein Lied zu komponieren. Es trägt den Titel „Nemti“ nach einer ägyptischen Gottheit, über die ich zuvor etwas gelesen hatte. Nemti heißt „Der Reisende“ und wurde oftmals als Vogel dargestellt. Er war gemäß dem ägyptischen Totenglauben der Fährmann des Jenseits, der die Verstorbenen gegen ein kleines Entgelt in seiner „Nachtbarke“ über den Jenseitsfluss übersetzte. Bitte links den Pfeil anklicken:

Für alle, die schon mit Garageband arbeiten: Ich habe folgende vorgegebenen Sounds von Garageband übernommen: Stargazer für Keyboard, Cinematic für Geiger, Bongos, Saxophon, Lead Vocals mit meiner Stimme verfremdet mit Hall und Dreamy, dito bei dem Gesang meines Kanarienvogels Tweety. Bei dem Einsatz von Synthezisern wählte ich Mystic Groove und Modern 808.

Garageband bietet wirklich sehr viele Möglichkeiten, ein Lied zu komponieren. Ich komme mir vor wie in einem Supermarkt, in dem ich vor einem ellenlangen Regal stehe, in dem nur verschiedene Haarshampoos stehen. Welches soll ich nehmen? Deshalb ist es wichtig, sich vorher ein paar Gedanken zu dem Lied zu machen. Welche Stimmung soll es vermitteln? Ist es ein langsames oder schnelles Lied? Wenn ich einen Text habe, welche vorgegebenen Loops passen dazu? Je mehr man vorab über ein Lied nachdenkt, desto eher wird man die passenden Instrumente und vorgegebenen Takte für das eigene Lied finden.

Learning by Doing, das ist hier das Hauptmotto, also eingfach mal anfangen!


Ideen in einem Konzert

“Ich hab da mal eine Idee!“- Diesen Satz hörten wir am Freitag mehrmals, als wir ein Konzert in der Wuppertaler Immanuelskirche besuchten.

Der Pianist und Komponist Martin Kohlstedt war zu Gast. Er kam auf die Bühne und legte sofort los.

Das erste Werk gefiel mir schon sehr gut und ich dachte:“Hoffentlich nennt er gleich den Titel.“ Stattdessen begrüßte er die Zuschauer und merkte an, dass dies ein guter Abend würde. Er hätte gerade mit der ersten Improvisation gerne immer weiter gemacht. Von wegen Titel. Auch die nächsten Musikstücke waren hauptsächlich Improvisationen, an deren Entstehen er sein Publikum teilhaben ließ. Klavier, Fender Rhodes und Loopgerät boten unzählige Möglichkeiten, aus denen Kohlstedt, nach dem er „ da mal eine Idee „ hatte, großartige Musik hervorzauberte.
Zum Ende des Konzerts spielte er dann ein paar „Evergreens“, wie man an der Reaktion des Wiedererkennens beim Publikums erkennen konnte.
Martin Kohlstedt war sichtlich gerührt, dass er vor ausverkaufter Kirche spielte und meinte, dass dies in der heutigen Zeit wie eine Goldmedaille sei. Seine Kommentare im Laufe des Konzerts waren sehr sympathisch, wurden sie doch von leichter Ironie begleitet.
Ich denke, dass wir Glück hatten, Martin Kohlstedt zum ersten Mal in einer Kirche erleben zu dürfen. Die Atmosphäre, die Beleuchtung und die Akustik sorgten für einen ganz besonderen Konzertabend.

Zum Abschluss nun zwei Hörbeispiele. Die Musik auf seinen CDs kann mit der Musik, die wir im Konzert gehört haben, nur bedingt verglichen werden. Auf den CDs hört man zumeist meditative Musik, „KSY“ ist ein Beispiel.
Wenn Sie darunter in die Konzertaufzeichnung „Ströme“ hinein hören, bekommen Sie eher eine Vorstellung von einem Kohlstedt Konzert. Bei uns fehlte der Chor, diesen Part übernahm ein Syntheziser.

Ein Buch über das Singen

In der großen Familie der Autorin wurde und wird immer gesungen. Ob man wandert, feiert, Küchenarbeit verrichtet, im Garten sich beschäftigt, das Singen gehört dazu. Trifft sich die Großfamilie zu einem gemeinsamen Fest, werden Standes-und Altersunterschiede beim Singen aufgehoben. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass Katharina Hagena sich das Singen als Buchthema vornimmt.
Jedes Kapitel leitet sie mit einem Gedicht ein, das Bezug nimmt auf eine Facette des Singens. Das fand ich beim Lesen als Einstimmung sehr schön. Die Gedichte stammen von Autoren aus früheren Jahrhunderten, aber auch moderne Gedichte sind dabei.

Die Welt des Singens ist eine ganz große. Die Geschichte des Singens, das Singen der Vögel, die verschiedenen Singstimmen, unterschiedliche Arten der Lieder, wann, wie und warum wird überhaupt gesungen, wen hat die Mundorgel in der Kindheit begleitet, welche Auswirkungen hat das Singen auf unsere Gesundheit- auf 223 Seiten schreibt die Autorin mit viel Herzblut. Das Lieblingsthema ist dabei das Thema „Frauen und Singen“. Ob es die Sirenen oder die Nymphen sind oder die Geschichte der Lorelei, Hagena weiß interessant zu erzählen.
Ein großes Anliegen ist es für sie, mit ihrem Buch Anstöße zu geben, dass das gemeinsame Singen in der Gesellschaft wieder mehr Anerkennung gewinnt, denn es täte uns allen gut.
Bei mir führte es dazu, mir in der Bücherei ein Buch der Kinderlieder auszuleihen, um endlich mal die zweite, dritte, vierte Strophe von „Eine Seefahrt, die ist lustig“, „Lorelei“ oder „ O Tannenbaum“ kennenzulernen oder aufzufrischen und im stillen Kämmerlein kraftvoll zu schmettern.

Ein Kempener Klosterkonzert

Vorletzte Woche waren wir in Kempen und besuchten im Rahmen der Kempener Klosterkonzerte ein Klavierkonzert mit dem jungen französischen Pianisten Lorenzo Soulès, der in diesem Jahr schon mehrere Preise gewonnen hat. Das Konzert fand in der zum Franziskanerkloster gehörenden Paterskirche statt.

Soulès begann mit zwei Stücken von Domenico Scarlatti. Diese passten wunderbar zum Ort des Konzerts. Auch die Musik des nächsten Komponisten, Isaac Albéniz, gefiel mir gut. Wir hörten musikalischen Impressionen über drei Städte seines Heimatlandes Spanien. Hier ein Beispiel:

Da das Konzert nicht ausverkauft war, setzten wir uns nach der Pause in eine der letzten Reihen. Bei unseren Plätzen vorne saß hinter uns jemand, dem es nicht möglich war, still zu sitzen und damit permanente Raschelgeräusche von sich gab. Dieser Platzwechsel sollte sich als Glücksfall erweisen.
Zuerst präsentierte der Pianist „Zehn leichte Stücke für Soloklavier“ von George Benjamin. Es fing mit „Spell“ (Zauberspruch) an. Ein noch „harmloses“ Stück, bei dem ich aber erfreut feststellte, dass der Klang des Klaviers in der hinteren Reihe besser war als vorne. Spätestens ab dem dritten Stück „In the Mirror“ (Im Spiegel), war es für unsere Ohren gesünder, hinten zu sitzen- es wurde laut. Die zehn Stücke dauern insgesamt ca. 13 Minuten, lassen Sie sich auf eine interessante Hörerfahrung ein?

Der Name des nächsten Komponisten war mir durch die Lobpreisungen des Dirigenten Ken Nagano (Buchbesprechung siehe unten rechts) geläufig. Auch hatte ich mir von Olivier Messiaen auch schon den „Catalogue d’Oiseaux“ angehört, der mir gefiel.
An diesem Abend sollten es nun vier Stücke aus dem Zyklus „Vingt regards sur L‘Enfant-Jésus“ sein -Auszug Wikipedea: Der französische Titel bedeutet übersetzt etwa „Zwanzig Blicke auf das Jesuskind“. Der Werkzyklus wird als eine der wichtigsten Kompositionen des 20. Jahrhunderts für Klavier angesehen und wurde zwischen dem 23. März und 8. September 1944 in Paris komponiert. Die Pianistin Yvonne Loriod spielte die Uraufführung am 26. März 1945 in Paris.

Wie stellen Sie sich die Musik vor, die sich mit des Leben des Jesuskindes befasst? So?

Dieses Stück trägt den Titel „Weihnachten“

Die Musik zerrte an meinen Nerven und ich fühlte mich zunehmend unwohl. Mein Kopf revoltierte: Diese Musik passt nicht in die Umgebung und auch nicht zum Thema.
Die beiden Zugaben des Pianisten versöhnten wieder ein bisschen, aber mich beschäftigte diese Musik in den nächsten Tagen sehr und ich hörte sie mir noch einmal an. Und noch einmal und noch einmal…Stand der Dinge heute: Ich war besonders durch die Umgebung der Kirche, aber auch durch die Titel der Musikstücke voreingenommen. Meine Erwartungen wurden torpediert.
Inzwischen finde ich die Musik an vielen Stellen spannend und entdecke immer wieder neue Varianten. Einen Dank an Herrn Soulès!

Konzert im Kloster Knechtersteden

Heute möchte ich von einem besonderen Konzert in der Kirche der Klosteranlage Knechtersteden berichten. Die Klosteranlage liegt in der Nähe von Dormagen. Das Konzert fing um 20 Uhr an und wir waren früh genug da, um in der Anlage ein bisschen spazieren zu gehen.

Oben rechts die Kirche, in der das Konzert stattfindet, links daneben ein Glas Klosterbier. Unten links das Missionshaus, daneben eine Bücherstube, in der man gebrauchte Bücher für kleines Geld kaufen kann.

Das Konzert fand im Rahmen des Alte Musik-Festivals statt, zu dem das Kloster seit bereits 31 Jahren in jedem September einlädt. Wir hörten das Vokalensemble „Heinavanker“ aus Estland, das gregorianische Gesänge, Werke von Johannes Ockeghem, Hildegard von Bingen und Marbrianus de Orto vortrug. (Datiert zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert in unseren Breitengraden). In dieser Zeit entstanden im nordischen Raum auch sogenannte Runenlieder, eine Art Volkslieder, von denen Heinevanker ebenfalls zwei präsentierte.

Diese Lieder hatten auf mich eine ungemein beruhigende Wirkung und der Untertitel des Festivals „Verborgende Wirklichkeiten“ passte sehr gut. Die vorgetragenen Lieder wurden z.T. schon vor über 900 Jahren gesungen, dieser Gedanke faszinierte mich sehr. Den Stimmen der fünf Sänger und Sängerinnen zuzuhören war ein Genuss.

Ein estnisches Volkslied


Ein typisches Lied des flämischen Kirchenkomponisten Ockeghem. Auf dem Bild von Hieronymus Bosch sieht man übrigens Heinavankar, was übersetzt Heuwagen bedeutet. Während unten bei den Rädern Verderben und Chaos zu erkennen ist, entsteht oben bei den Engeln Musik.

Und noch etwas zum Hören: Das Lied von Hildegard von Bingen einfach nur schön.

Klassische Musik- pfui und hui

In den letzten Wochen habe ich zwei Bücher gelesen, die sich mit der Welt der klassischen Musik beschäftigen. Das erste war:

Der Autor, Journalist des Spiegels und davor jahrelang angestellt bei zwei großen Plattenlabels, rechnet mit dem „Klassikzirkus“ generell und speziell mit einigen der größten Stars in dieser Branche ab.
Sein Fazit: Money, Money, Money ist die Devise, der so gerne zitierte kulturelle Bildungsauftrag ist das Feigenblatt. Die Produktionskosten für Opern schrauben sich in die Höhe und es wird viel Geld verschwendet. Denkt man an die Subventionen, die diese Kultursparte für sich immer wieder beansprucht, darf man sich gerne aufregen. Was die Berühmtheiten der klassischen Musikszene angeht, nimmt sich Umbach die kostspieligen Eigenarten des Herbert von Karajans vor, zwei der drei Tenöre des Jahrhunderts, Luciano Pavarotti und José Carreras, bekommen ihr Fett weg, andere Künstler sind z.B. Anne-Sophie Mutter, Justus Frantz oder Daniel Barenboim. Der Autor verfolgt deren Karriereverlauf. Am Anfang ist er hingerissen von der großen Begabung und weiß das Können der Musiker sehr zu schätzen. Doch mit den Jahren verflüchtigt sich nach seiner Ansicht die Genialität, da das große Geld für die Künstler zur treibenden Kraft bei Auftritten wird.
Als ich das Buch beendet hatte, war mir meine Freude an klassischen Konzerten in großen Häusern vergangen. Wie blauäugig war ich gewesen! Nach meinen Internetrecherchen hat es zu diesem Buch keine einstweiligen Verfügungen gegeben, also ist der Wahrheitsgehalt wohl hoch. Das Buch ist 1990, also vor über 30 Jahren erschienen. Von welchen Geldsummen reden wir dann heute im „Klassikzirkus“?

Die Lektüre eines zweiten Buches relativierte glücklicherweise meine Schwarzweißsicht. Dafür meinen Dank an Kent Nagano:

Als ich den Titel seines neuen Buches zum ersten Mal las, war mir etwas unwohl- ein Dirigent schreibt ein Lebenshilfebuch? Aber schnell merkte ich, dass ich mich getäuscht hatte. Kent Nagano ist ein Menschenfreund. Er ist neugierig auf das, was andere Menschen zu sagen haben und möchte von ihnen lernen. In seiner über fünfzigjährigen Karriere traf er mit vielen Berühmtheiten und Musikspezialisten zusammen und zehn von ihnen stellt er in seinem Buch vor. Er beschreibt kurz ihre Lebensläufe und geht dann darauf ein, was er von diesen Menschen für sein eigenes Leben gelernt hat. Unter den zehn sind bekannte Namen wie Leonard Bernstein, Frank Zappa, Alfred Brendel oder Björk dabei. Das Zappakapitel faszinierte mich sehr, ich wusste nicht, dass Frank Zappa viel mehr der klassischen Musik zugewandt war und die Rockmusik quasi nur zum Brötchenverdienen spielte.
Ebenso begeisterte mich das Kapitel über Sarah Caldwell, die 1957 ihr eigenes Opernhaus in Boston eröffnete und mit ihren Ideen und Können die damalige Opernwelt aufmischte.
Der berühmte Komponist Olivier Messiaen hatte eine Ehefrau, die seine sehr komplexen Kompositionen als erste auf dem Klavier spielte. Ihr gelang dies mühelos, während andere Musiker an diesen Stücken verzweifelten. Yvonne Loriod war ihr Name. Eine begnadete Pianistin, die ihr Leben ganz in den Dienst ihres Mannes stellte und darüber als große Künstlerin vergessen wurde.
Kaum jemand wird Richard Trimborn kennen. Ihm setzte Nagano mit einem Kapitel ein Denkmal. Trimborn nannte sich zeitlebens „Korrepititor“ und bereitete Dirigenten und Sänger mit sehr großer Sorgfalt auf das anstehende Konzert oder Oper vor. Sein unglaubliches Wissen war eine Inspirationsquelle für viele und doch hat er bis zu seinem Tod immer weiter geforscht, um noch tiefer in die Bedeutung eines Werks einzudringen.
Diese zehn Lebensläufe und Naganos Ausführungen zu seinem stetigen Lernen haben mich wieder versöhnt. Sie waren, bzw. sind „die Guten“ im Kulturbetrieb der klassischen Musik mit Idealen, die sie nicht verraten.
Ein tolles Buch!