Entdecke….Mein Herta Müller Projekt

Im Oktober stellte ich Ihnen kurz ein Collagebuch der Autorin Herta Müller vor. Herta Müller hat ca. 100000 Wörtern aus verschiedenen Druckerzeugnissen ausgeschnitten und danach die Wörter zu neuen Sätzen zusammengesetzt. Ich versuchte mich in ihrer Wortschnipselcollagenkunst- es machte mir sehr viel Spaß, so dass ich jetzt ein weiteres Buch las:

Auch dieses Buch ist wieder eine Fundgrube für surreale Aussagen, tiefgründige Beobachtungen oder witzige Sätze. Ich wollte es auch noch einmal versuchen, schlug allerdings einen anderen Weg als Frau Müller ein. Anstatt aus Tausenden von Wörtern Sätze zu bilden, beschränkte ich meine Wortauswahl pro Satz aus Überschriftwörtern nur eines Magazins der Süddeutschen Zeitung. Ich hatte noch einige ungelesene Exemplare dieses Magazins und entdeckte beim ersten Durchblättern, dass in jeder Zeitung eine Anzeige geschaltet war, die mit dem Wort „Entdecke“ begann. Das wurde für mich zum roten Faden und hier sehen Sie eine Auswahl meiner Ausbeute von Wortschnipselkompositionen:

Mich erinnert diese Beschäftigung ein bisschen ans Puzzlelegen. Beim Puzzlen gibt es das Glücksgefühl, wenn man ein lang gesuchtes Teil endlich gefunden hat und dieses Glücksgefühl erlebte ich immer dann, wenn mein Bauchgefühl mir sagte, das ist genau das Wort, das an der Stelle passt. Unterbewusstsein lässt grüßen?




Welche Redewendungen kommen aus dem Mittelalter?

Am letzten Samstag gab ich Ihnen ein kleines Rätsel auf. Welche dieser gebräuchlichen Redewendungen stammen aus dem Mittelalter?

Etwas von der Pike auf lernen
Etwas auf die hohe Kante legen
Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird
Einen Zahn zulegen 
Sich etwas hinter die Ohren schreiben
Montags blau machen 
Auf den Hund gekommen

Die Lösung: Alle haben einen mittelalterlichen Kontext. Hier die Erklärungen:

Etwas von der Pike auf lernen 
Im Mittelalter hatten viele Ritter auch Knappen. Diesen brachten sie das Kämpfen mit dem Schwert bei. Am Anfang jedoch nahmen sie kein Schwert, sondern einen Holzstab, die Pike.

Etwas auf die hohe Kante legen
Betten waren oben am Kopf oftmals durch ein dickes Holzbrett begrenzt. Auf der Kante des Holzbrettes oder in einem eingebauten Geheimfach wurden gerne Dokumente oder Geld versteckt.

Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird 
In den Burgen lagen die Küchen im Keller. Wollte man heiße Speisen in den Speisesaal transportieren, musste man oftmals viele Stufen steigen und das Essen war im Speisesaal nicht mehr so warm.

Einen Zahn zulegen

Im Mittelalter hingen in den Burgküchen die großen Töpfe an gezackten Eisenschienen, mit denen man die Höhe der Töpfe über dem Feuer bestimmen konnte. Wenn man also früher einen Zahn zulegte, brachte man den Topf näher ans Feuer heran und die Speisen wurden schneller gar.

Sich etwas hinter die Ohren schreiben
Im Mittelalter konnten die meisten Menschen weder lesen noch schreiben. Verträge mussten sie aber trotzdem schließen. Damit diese mündlichen Verträge später auch vor Gericht Bestand hatten, waren Zeugen nötig. Als “Erinnerungshilfe” wurde diesen Zeugen an den Ohren gezogen oder sie wurden sogar geohrfeigt. Denn was mit Schmerzen verbunden ist, merkt sich der Mensch besonders gut.

Montags blau machen
Ein Ausdruck der Wollfärber: Die an der Luft sich durch Indigo schnell blaufärbende Wolle wurde am Sonntag über im Bad gelassen, um sie montags an der Luft trocknen zu lassen; so konnten die Gesellen an diesem Tage ausruhen.

Auf den Hund gekommen
Im Mittelalter waren die Böden von Geldtruhen oft mit Hundebildern verziert. Wenn man also den Grund der Truhe erreicht hatte, war man “auf den Hund gekommen” und somit pleite.

Die Erklärungen habe ich teilweise selbst geschrieben, teilweise auf dieser Seite gefunden:

https://www.mittelalter-kontor.com/cms/redewendungen-sprichwoerter-redensarten.html

Eine Woche in Österreich

Anfang Oktober machten wir eine kleine Städtetour durch das Nachbarland. Ich werde wieder ein bisschen berichten, doch als Einstieg gibt es dieses Mal ein Rätsel. Ich habe diverse Schilder fotografiert, u.a. auch diese beiden:

Ich fotografierte abends am 5.10., der Ladenbesitzer schien Vertrauen in Wetterprognosen zu haben. Inzwischen ist das Ladenlokal zu, was war im Laden vorher drin?

Hat dieser Ladenbesitzer auch Vertrauen in Wetterprognosen oder was will er mit diesem Schild ausdrücken?

Die Auflösung gibt es nächste Woche am Ende meines ersten Berichts über die Stadt Linz.

Stürmischer Buchtag

Momentan findet in Frankfurt wieder die Buchmesse statt. Vielleicht kam mein Unterbewusstsein deshalb auf die Idee, gestern einen Buchtag einzulegen? Um der alten Zeiten willen?

Gestern gab es Sturm und Regen,
das war für mich ein wahrer Segen.
Konnte mit gutem Gewissen zuhause bleiben
und mir ein paar Bücher einverleiben.

Morgens um sieben fange ich mit Eckengas Gedichten an,
Humor zu Beginn,
das ist für meine noch müde Stimmung ein Gewinn.

Danach widme ich mich dem Buch von Herta Müller,
hier wird es schon etwas anspruchsvoller.
Die Nobelpreisträgerin schneidet Wörter aus
und setzt sie neu zusammen.
Da verdient sie doch Applaus,
denn damit konnte sie mich entflammen.

Schnell selbst ein paar Wörter aus einer Zeitung ausgeschnitten,
darf ich Sie zu meinem Œuvre um Ihre Meinung bitten?

Noch einmal macht die Buchmesse sich in meinem Kopf breit…

Zum zweiten Frühstück sind Tintin und Milou dran,
ihre Abenteuer ziehen mich noch heute in den Bann.
Ich fühle mich wie ein Kind,
das sich vom Schulstress eine kleine Auszeit nimmt.

Kein Mittagessen und die Siesta ist auch nicht lang,
jetzt ist mir nach einem Buch über den musikalischen Klang.

Ein Roman mit einem japanischen Klavierstimmer,
über dieses Instrument zu lesen, das geht bei mir doch immer.

It‘s teatime, dazu noch ein paar Plätzchen,
danach suche ich mir ein neues Bücherschätzchen.
Einen Bildband möchte ich jetzt haben,
denn meine Augen sollen sich auch mal laben.

Bilder von František Kupka

Viele bunte Farben gegen das so graue Wetter,
wie schnell wird das Leben durch ein Buch doch viel netter!
Ich blättere und versinke, fast wie in einem Traum,
vergesse die Zeit und um mich herum den unaufgeräumten Raum.
Plötzlich streift mich das schlechte Gewissen,
ist Putzen und Aufräumen heute ein Müssen?
Nö, beschließe ich und blättere weiter,
meine Stimmung bleibt deshalb auch heiter.
Mein Kater möchte auf meinen Schoß,
da ist der Bildband jetzt doch zu groß.
Schnell nehme ich einen Krimi zur Hand,
dieses Buch ist ein Unterhaltungsgarant.

Wolf Haas, er ist mein Favorit,
denn seine Bücher haben österreichischen Kolorit.
Mein Kater schnurrt laut und ich werde dösig,
ein weiteres Buch zu suchen ist dann wohl müßig.

Um halbzehn habe ich mich hingelegt,
von diesem Tag noch tief bewegt.
Zufrieden schlafe ich schnell ein,
dankbar für mein schönes Bücherheim.

P.S. Morgen habe ich einen zum Wetter passenden Rätselbeitrag für Sie.





Wort kontra Foto

Heute nehme ich Sie mit auf eine kurze Gedankenreise. Vor einiger Zeit sah ich ein schönes Foto mit einem Meermotiv in einem Schaufenster. In dem Moment, als ich es betrachtete, fuhr ein Feuerwehrwagen vorbei und spiegelte sich im Fenster und damit auch auf dem Foto. Plötzlich war die Aussage des Fotos eine ganz andere geworden. Das fand ich bemerkenswert und ich überlegte mir daraufhin zu einigen meiner Fotos Titel, die die Bedeutungen der Fotos so verändern, dass ein kleiner Film im Kopf abläuft, ähnlich wie bei einem Haiku. Ein einfaches Beispiel:

Eine malerische Landschaft am Niederrhein, bestens geeignet, um die Seele baumeln zu lassen. Doch welches Gefühl stellt sich bei Ihnen ein, wenn ich sage, dass der Titel des Bildes „Mückenplage“ lautet?

Ich habe inzwischen auch einige Postkarten gestaltet:

Für Krimifreunde hätte ich noch zwei Zugaben:

GIFTFÄSSERENTSORGUNG
TATORT

Wer hat mehr Macht über uns, das Bild oder das Wort?

Genau hinsehen!

Haben Sie alle „J“-Wörter beim letzten Samstagsrätsel gefunden? Diese Wörter wurden gesucht:
– Ist blau und hat zwei Beine- Jeans
– In seinen Räumen ist es goldig- Juwelier
– Gibt es in rot, schwarz und weiss- Johannisbeeren
– Nicht früher und auch nicht später- jetzt
– Eine besondere Art zu singen- jodeln
– Eine „Nicht Fisch, nicht Fleisch“ Antwort- jein
– Eine Person, die man nicht kennt- jemand
– Bewegt sich auf- und abwärts- Jojo
– Hat vier Beine und vier Räder- Jaguar
– Steht am Anfang einer Ehe- Jawort

Heute habe ich mal wieder ein Fotorätsel im Angebot. Was sehen Sie auf diesem Bild?

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

J wie….

Letzte Woche lautete das Rätsel:

Die Größen welcher Länder würden zusammenaddiert fast der Größe des afrikanischen Kontinents entsprechen? Hier eine Länderauswahl:Portugal, Spanien, Frankreich,Deutschland,Schweiz,Belgien, Niederlande, Italien, Großbritannien, Polen, Republik Moldau, Bundesstaat Russland, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn, Ukraine, Weißrussland, Indien, China, USA

Lösung: Alle genannten Länder passen auf den afrikanischen Kontinent! Wer jetzt auch erstaunt ist wie ich es war, hat dank der Weltkarten, deren erste Entwürfe von Herrn Mercator kamen und die bei uns zumeist benutzt werden, ein völlig falsches Bild von der Größe Afrikas. Die „Gall-Peters-Projektion“ zeigt die richtigen Maßstäbe:

Das heutige Rätsel besteht darin, die passenden Begriffe zu den Beschreibungen zu finden. Alle zehn gesuchten Wörter beginnen mit J.
– Ist blau und hat zwei Beine
– In seinen Räumen ist es goldig
– Gibt es in rot, schwarz und weiss
– Nicht früher und auch nicht später
– Eine besondere Art zu singen
– Eine „Nicht Fisch, nicht Fleisch“ Antwort
– Eine Person, die man nicht kennt
– Bewegt sich auf- und abwärts
– Hat vier Beine und vier Räder
– Steht am Anfang einer Ehe

Was hat Heringssalat mit Gehirnjogging zu tun?

Ganz einfach: Die heute Aufgabe lautet: Bilden Sie mindestens 25 Wörter aus den Buchstaben, die in dem Wort „Heringssalat“ vorkommen. Jedes Wort sollte mindestens aus vier Buchstaben bestehen!

Die Aufgabe vom letzten Samstag bestand darin, mindestens 20 Wörter zu finden, die etwas bezeichnen, das man auf und zu machen kann. Hier meine Vorschläge: Mund, Augen, Grenze, Schrank, Auto, Tür, Schleuse, Koffer, Tasche, Jacke, Hose, Kaffeedose,Portemonnaie, Kettenverschluss, Gurkenglas, Knopf,Reißverschluss, Schuhe, Klappe,Kassette,Tresor, Schloss

Ein lebenslanges Abenteuer

Jhumpa Lahiri verliebt sich 1994 bei ihrem ersten Aufenthalt in Italien in die italienische Sprache. Damit beginnt für sie, wie sie selbst schreibt, ein bis heute andauerndes Abenteuer.

Die Autorin hat indische Wurzeln, ist aber in den USA aufgewachsen. Ihre Muttersprache ist Englisch und doch hat sie das Gefühl, dass die italiensche Sprache in ihr „schlummert“ und nur geweckt werden will. Sie beginnt damit, sich Lehrbücher zu kaufen, doch beim nächsten Aufenthalt in Italien, sechs Jahre später, merkt sie, dass das Wissen aus Büchern sie nicht sehr weit bringt, ihr fehlt die Sprachpraxis. Wieder zurück in der Heimat, engagiert sie in den nächsten Jahren drei Lehrerinnen, die sie wöchentlich trifft. Ihr Italienisch macht enorme Fortschritte, doch das reicht nicht, um Lahiris Streben nach einem perfekten Italienisch zu stillen. Inzwischen ist sie verheiratet, hat zwei Kinder und ist eine erfolgreiche Schriftstellerin. Sie zieht mit ihrer Familie mach Rom. Anfänglich noch immer mit einem Wörterbuch bewaffnet, ist sie nach ein paar Monaten endgültig in die Sprache eingetaucht und schreibt ihre erste Kurzgeschichte auf Italienisch. Diese Geschichte ist in dem Buch abgedruckt und besticht durch einen fokussierteren Schreibstil. Lahiri liest nur noch italienische Zeitungen und Bücher. Noch immer entdeckt sie täglich neue Wörter und Redewendung, reibt sich mit nicht nachlassendem Vergnügen an Wortverwechslungen und Sprachabsurditäten. Englisch wird ihr dabei zunehmend fremd, sie mag eine Zeitlang diese Sprache nicht mehr, was sie als Schriftstellerin immer mehr verunsichert und schon bald fühlt sie sich völlig entwurzelt.
Nach drei Jahren muss sie 2014 Rom verlassen und kehrt in die USA zurück. Wird ihre grande amore überleben oder verblassen?
Dieses Buch erschien 2015 zuerst in Italienisch, ein Jahr später in einer englisch-italienischen Fassung. 2018 kam Lahiris neues Buch „Wo ich mich finde“ heraus, auch dieses hat sie auf Italienisch geschrieben.

Diese Besprechung ordne ich auch in der Kategorie „Französischstunde“ ein, denn das Buch inspirierte mich, meine Versuche, mein Französisch aufzupolieren, auch als ein dauerndes Abenteuer anzusehen, bei dem man auch viel Spaß haben kann, wenn man sich mit der Sprache beschäftigt. Meine neusten französischen Lieblingsredewendungen sind z. Zt.:

Appeler un chat un chat- das Kind beim Namen nennen

étre fleur bleu- naiv sein

voir la vie en rose- optimistisch sein

Lahiris Schilderungen, wie sich das Verhältnis zu ihrer Muttersprache ändert und was das für sie als Schriftstellerin bedeutet, fand ich sehr interessant. Was ich mir noch in dem Buch gewünscht hätte: Ein Kapitel, in dem sie darüber schreibt, wie sie die anderen Familienmitglieder, die kein Italienisch sprachen, überzeugte, nach Rom zu ziehen, damit sie selbst ihre Lust am Italienischen noch mehr ausleben konnte.