Spaziergang früh morgens um 4.30 Uhr

Noch Stille bei den Vögeln,
ein paar Sterne blinken mich an.
In einer Siedlung legen die Bewegungsmelder
eine Extraschicht für mich ein.
Hinter einem hellen Fenster sitzt ein Mann
an einem Küchentisch
und starrt auf den Bildschirm seines Laptops.
Ihm scheint warm zu sein,
in meiner Augenhöhe hat er nichts an.
Eine Amsel meldet sich,
aber sie erhält noch keine Antwort.
Auf der Hauptstraße knattert eine Vespa vorbei
und hinterlässt ihren typischen Benzingeruch.
Ciao Napoli!
Auf dem Rückweg kommt mir eine Frau entgegen.
Meinen Morgengruß erwidert sie nicht,
aber ihr dreibeiniger Hund schaut mich herzig an.
Leere Busse haben es eilig und verzichten auf Geschwindigkeitsbegrenzungen.
Fast wieder zuhause, kreuzt ein Jogger meinen Weg.
Er telefoniert. Um 10 Uhr wird er sich mit Uwe im Konferenzraum treffen.
Der Tag hat begonnen.

.




Spaziergang morgens früh um 5 Uhr

Die frische Morgenluft ist die erste Dusche an diesem Tag.
Gehe los und störe zwei Amseln,
die sich schon angeregt über ihre Träume unterhalten.
Stille.
Ein paar Schritte weiter sitzt ein stattlicher Hase und sieht mich an.
Soll er weglaufen? Er bleibt sitzen.
Stille,
wäre da nicht das Geknirsche unter den Schuhen,
wenn man auf einem Feldweg läuft.
Eine alte gebrechliche Frau kommt aus einem Bauernhaus und
holt die Tageszeitung aus dem Briefkasten, lächelnd wünscht sie einen guten Morgen.
Ein paar Gänse fliegen am Himmel- gen Süden?
Ein Baby weint hinter einem halbhochgezogenen Rolladen, fast wird es überstimmt von Spatzen, deren Geschilpe im Hinterhof widerhallt.
Stille,
bis eine Taube auf einem Schornstein zu gurren anfängt,
einer Alternative zu einem Wecker, wenn das Schlafzimmer in der Nähe ist.
Stille.
Betörender Duft von Lindenblüten-
ich bleibe stehen und genieße den Sommer.
Fast schon wieder Zuhause, lacht mich die erste reife Brombeere an.
Sie ist süß.







Erstaunlich und erstaunlich

Seit Anfang der Woche bietet die Duisburger VHS jeweils um 19 Uhr ein „Webinar“ an. Es wird zu ganz verschiedenen Themen via Internet ein Vortrag von ca. 20 Minuten gehalten, danach kann man an den Moderator und den Referenten Fragen stellen. Ich nahm vorgestern und gestern teil und bin begeistert. Endlich mal eine etwas andere Art von Kulturimput! Vorgestern befasste sich Axel Voss mit dem Bild „Melencolia I“ von Albrecht Dürer, gestern nahm Wolfgang Schwarzer die Besucher mit auf eine Fahrt durch Paris mit der Metro Ligne Nr. 1. Die Endstation war das Château de Vincennes, von dem ich bisher noch nie gehört hatte. Zwei erstaunliche Abende, die sehr viel Lust auf weitere Vorträge machten. (Nächste Woche geht es weiter, am Mittwoch gibt es z.B. einen Rundgang durch Berlin. Jeder kann sich beteiligen, man muss sich vorher nur über die Seite der der VHS Duisburg anmelden.)

Als ganz anders erstaunlich empfand ich folgende Momente:

Erstaunlich…. wenn ein solches Horoskop jetzt erscheint:

Zwillinge 21.5. – 21.6.

Sie verspüren im Augenblick große Reiselust. Setzen Sie diese doch einfach einmal in die Tat um.

oder

…wenn in einer Apotheke eine Kundin zwei Masken kauft und dabei erzählt, dass im Radio gerade verkündet wurde, dass ab Montag in NRW das Tragen von Masken zur Pflicht wird. Eine andere Kundin meint daraufhin: „Das ist aber auch vernünftig!“ Pause „Aber ich werde keine tragen.“

Schade.

Auf einer kleinen Wellenlänge mit Aldi

Letzte Woche war Weihnachten zweimal ein Thema für mich. Beim Schreiben war ich mir schon ein bisschen unsicher, ob das nicht doch ein bisschen zu weit hergeholt ist. Nö!

Gestern entdeckte ich auf der Düsseldorfer Straße in DU-Kaldenhausen auf einem Spaziergang diese Werbung:

Und dann schickte mir eine Leserin diese Geschenkidee für Weihnachten, andere scheint das Thema auch zu bewegen😉

Galgenhumormodus

Wenn Sie schon auf Galgenhumormodus umgeschaltet haben und mit guter Laune und Optimismus nichts mehr anfangen können, hier ein Extrabeitrag für Sie:

In unserer Sprache finden bereits die ersten Veränderungen statt. Wer heute z.B. Klinken putzt, hat jetzt sicherlich ein besseres Ansehen…

Mein Mann und ich waren am gestrigen Morgen im T-Slot. ( „Copyright“ auf das Wort Linda Broszeit). Wir waren just in dem Moment in einem Supermarkt, als eine Toilettenpapierlieferung (meine Rechtschreibprüfung zeigt an, dass sie dieses Wort nicht kennt!) eingeräumt wurde. In Windeseile war das Regal leergeräumt, zumeist von Legasthenikern (es gab einen Hinweis auf knallrotem Papier, nur zwei Packungen mitzunehmen). Die Kassiererinnen machten frustrierte Mine zum bösen Spiel.

Und dieses Fundstück machte ich gestern früh in einem 1-Euro-Laden.

Entweder besitzt die Person, die diesen Laden managt, kein Fingerspitzengefühl oder sie ist eine Verkäuferin am Puls der Zeit und hat den Sensenmann bewusst für ihr Corona-Party-Klientel platziert.

War Ihnen das jetzt doch zu düster?

Gerechterweise muss ich sagen, dass es in diesem Laden auch stimmungsaufhellende Kisten gab.

Die gute Laune fängt im Kleiderschrank an

Wenn Ihre Laune momentan eher bedeckt ist, hilft es vielleicht, mal kurz über Ihre Bekleidung nachzudenken. (Achtung: Wer mit diesem positiven Thema nichts anfangen kann, es gibt heute noch einen zweiten Beitrag für Galgenhumorige).

Ich kam eher zufällig auf diese Schiene. Beim Frühstück hatte ich mir überlegt, meinen alten Wollpullover anzuziehen. Irritiert stellte ich dann fest, dass der Pullover direkt vorne mit drei Mottenlöcher aufwartete. Natürlich hätte ich einfach einen anderen Pullover nehmen können, doch mein Gehirn war diesbezüglich nicht flexibel. Also musste ich etwas finden, das die Löcher wenigstens etwas verdeckte. Mein Blick fiel auf meine Stofftasche, mit der ich Bücher zur Bücherei hin- und hertransportiere. An dieser Tasche hatte ich irgendwann einmal drei Buttons befestigt. Sie wechselten nun den Standort.

Das Tragen der Buttons brachte mir selber schon ein Lächeln, das ist doch schon etwas.

Dieses T-Shirt war meine zweite Wahl:

Ja, Sie sehen richtig, es ist ein Weihnachts-T-Shirt zu einem Konzert, das wir letztes Jahr in Holland besuchten. Schöne Erinnerungen sind damit verbunden, aber noch besser finde ich, dass ich jetzt schon an das nächste Weihnachtsfest denke und zumindest für mich persönlich doch einen gewissen Optimismus ausstrahle.

Als weitere Stimmungsaufheller kramte ich dann noch diese Accessoires heraus, die alle etwas mit vergangenen Urlauben zu tun haben.

Der Schal mit kleinen Muscheln ist ein Mitbringsel aus der Türkei, die Kette mit Lavaperlen bekam ich auf La Palma geschenkt, die mit Perlen versehene Muschel kommt aus der Bretagne.

Und, gibt es bei Ihnen auch Kleidungsstücke, die sie aufmuntern?

Einen Tango im Schwimmbad

…und dann bin ich in der Umkleidekabine und nebenan sind mal wieder eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter. (Midi-Schwimmkurs, ca. 6 Jahre alt). Ja und welches Lied aus dem Jahr 1961 schmettert die Kleine (die ersten vier Zeilen textsicher !) in der Kabine?

Solche Momente liebe ich! Die Mutter fragte übrigens nicht nach, woher ihre Tochter das Lied kennt, also scheint es zum Musikgut der jungen Familie zu gehören. Das finde ich wiederum interessant.

Seifenplatz- Erinnerungsschätze heben Teil 2

Dieses Streichholzheftchen fiel mir am Wochenende aus einem alten Briefmarkenalbum entgegen.

Den Seifenplatz gibt es in Rheinhausen schon sehr lange nicht mehr. Hier kaufte ich meine erste Wimperntusche, den ersten Lippenstift und die erste Dose mit Lidschatten. Mein Lieblingsregal war allerdings das mit den Haarutensilien. Damals noch Besitzerin von langen lockigen Haaren, gab ich mein Taschengeld für eine schwarze Samtschleife, einen Haarreif mit nachtblauem Samt und ein Pferdeschwanzgummi aus. An diesem waren zwei rote Plastikkugeln befestigt, die wie Kirschen aussahen. Apropos zwei Plastikkugeln: Zu dieser Zeit gab es auch ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem jeweils eine pingpongballgroße Kugel an einem Ende einer stabilen Schnur hing. Man musste die Schnur jetzt in der Mitte anfassen und durch Hoch-und Runterbewegungen versuchen, die Kugeln zusammenschlagen zu lassen. Das ergab dann immer ein lautes Klacken. Je schneller man war, desto mehr klackte es und desto mehr nervte man damit die Erwachsenen. Wenn man sich dösig anstellte, konnte es schon mal passieren, dass die Kugeln im Gesicht landeten und blaue Flecken verursachten. Was würden heutige Helicopterelten zu einem solchen Spielzeug sagen? Bei einem anderen Spiel hing an einem Ende einer Kordel ein Ball. Am anderen Ende der Kordel war eine Schlaufe, durch die man eine Fuß durchstecken musste. So hing die Schlaufe um den Fußknöchel herum. Nun musste man versuchen, die Kordel kreisförmig zu bewegen und dabei mit dem Fuß , an dem die Kordel nicht hing, über das Kordelteil mit dem Ball zu springen. (Ich lese diesen Text noch einmal und denke mir, dass ich den Text für alle, die dieses Spiel von früher nicht kennen, auch in chinesischer Sprache hätte schreiben können. Oder können sich alle etwas darunter vorstellen?)

Ja und dann waren da ja noch Seilchenspringen, Federball und Gummitwist. Ich liebte Gummitwist, da ich dank der langen Beine auch bei Gummis, die in Hüfthöhe hingen, noch eine Chance hatte. Allerdings gab es hier auch öfter aufgeschlagene Knie, aber mit Pflaster zugeklebte Knie waren in Kindheit und auch noch Jugend fast schon mein Markenzeichen. Besonders schick wurde das dann beim Tragen von Miniröcken. Wo ich beim Thema Erinnerungen an Kleidungsstücken wäre. Aber die 10 Minuten sind jetzt vorbei, mehr Höckscken auf Stöcksken gibt es nicht.

Wie man Erinnerungsschätze hebt

Mein Langzeitgedächtnis ist nicht gut und ich habe diverse weiße Flecken, was z.B. Erlebnisse in früheren Urlauben angeht. Manchmal ist das erfreulich, denn so vergesse ich auch schneller Nichtschönes, aber manchmal finde ich es auch schade und beneide alle Freunde, bei denen viele Details aus der Vergangenheit vorhanden sind und staune immer, was sie mir erzählen.

Ich machte in den letzten drei Wochen deshalb den Versuch, Erinnerungen zurückzuholen und zwar mit Hilfe dieses Buches:

Doris Dörrie ist nicht nur Filmregisseurin und Autorin, sondern sie gibt in München immer wieder Schreibkurse. In diesem Buch zeigt sie, wie man mit regelmäßigem Schreiben automatisch eigene Erinnerungsschätze hebt. Sie gibt diverse Themen vor, über die man schreiben kann und quasi als Beispiel erzählt sie in jedem Kapitel auch von Begebenheiten in ihrem eigenen Leben. Dabei spielt die Arbeit kaum eine Rolle, für sie wichtige Personen sind die Dreh-und Angelpunkte.

Einfach mit dem Schreiben anfangen – sich vorher kein bestimmtes Thema überlegen-und 10 Minuten dranbleiben. Möglichst täglich. Dörrie verspricht, dass plötzlich Erinnerungen hochkommen, die jahrelang oder sogar jahrzehntelang verschütt waren. Nicht unterkriegen lassen darf man sich dabei von Gedanken wie „Dazu bin ich zu blöd!“, „Das ist nicht originell oder „Ich kann nicht schreiben, das ist peinlich!“ Man schreibt für sich zuerst einmal ganz alleine, da kann nichts peinlich sein. Wenn man später vielleicht Lust verspürt, etwas Geschriebenes vorzulesen, dann kommt die Überzeugung, dass das Geschriebene interessant ist, von ganz alleine.

Ich war sehr skeptisch, was die Wiederbelebung von Erinnerungen angeht, aber ich machte den Versuch und stellte mir den Wecker auf 10 Minuten später. 10 Minuten kamen mir sehr lang vor, aber gut. Ich guckte nach draußen und fing an, über den Regen zu schreiben.

Auf den Blättern links und rechts sehen Sie 4 x 10 Minuten Geschriebenes. Auf dem rechten Blatt habe ich links vom Text Kreuze gemacht. Sie markieren die Erinnerungen, die aus heiterem Himmel sich nach langer Zeit wieder zurückmeldeten. Es funktioniert tatsächlich und es ist ein tolles Gefühl.

Auf dem mittleren Blatt habe ich Themen notiert, über die ich schreiben könnte. Gut die Hälfte dieser Punkte werden auch von Frau Dörrie vorgeschlagen, die anderen Ideen waren plötzlich da.

Ich habe in drei Wochen es zwölfmal geschafft, 10 Minuten zu schreiben. Bisher kam mindestens eine Erinnerung pro Aufzeichnung zurück, meistens sind es mehrere. Wenn ich mich zum Schreiben an den Tisch setze, stellt sich immer ein besonderes Gefühl ein. Ein bisschen ist es zu vergleichen mit dem Moment, bevor man beim Tauchen in die Tiefe hinab gleitet- in eine unbekannte Welt.

Morgen gebe ich Ihnen ein Beispiel von mir, wie ich beim Schreiben von „Höcksken auf Stöcksken“ gekommen bin und 10 Minuten gar nicht ausreichten.