Schütteln Sie bei Sumo auch den Kopf?

Der Grund, warum wir nach Paris gefahren sind, war ein Schaukampf der besten Sumoringer Japans.

Mein Mann und ich sehen Sumokämpfe seit den 90er Jahren an, erst bei der BBC, jetzt bei dem japanischen Sender „NHK World“. Alle zwei Monate kämpfen an 15 Tagen in der Profi-Liga vierzig Sumoringer gegeneinander und der Sender zeigt täglich in englischer Sprache einem Zusammenschnitt der Kämpfe.
Wir haben schon mehrmals versucht, für die Liga in Japan Eintrittskarten zu bekommen, doch dies ist uns bisher nicht gelungen, da die weltweite Popularität von Sumo immer mehr zunimmt. So waren wir sehr glücklich, als wir in diesem Jahr Karten für Paris bekamen.
Als wir das in unserem Bekanntenkreis erzählten, schüttelte die meisten nur ungläubig den Kopf und fragten nach den Gründen, warum wir dafür Geld ausgeben würden. Vielleicht ist Ihnen der Sumokampf auch fremd und Sie möchten etwas mehr wissen?
Mein Mann war ehemaliger Judokämpfer und am Anfang war er alleine der Fan, da er in den Sumokämpfen auch einige Judotechniken wiederfand. Er konnte das Können der Kämpfer ermessen, während ich anfänglich auch meine Schwierigkeiten hatte, diesen Kämpfen, die manchmal nur wenige Sekunden und fast nie länger als 2 Minuten dauerten, etwas Interessantes abzugewinnen. Doch je mehr ich zusah, desto mehr entdeckte ich die unterschiedlichen Mentalitäten, bzw. Persönlichkeiten der Teilnehmer. Die meisten stammen aus Japan, doch damals war Akabono von Hawaii beispielsweise ein Star und heute sind Kämpfer aus der Mongolei oder der Ukraine mit dabei. Manche versuchen, mit technischen Würfen den Gegner zu besiegen, dann gibt es diejenigen, die den Gürtel des anderen nicht berühren und nur schieben und stoßen, um den Gegner aus dem Ring zu drängen. (Diese Männer gehören nicht zu meinen Lieblingen). Es gibt Kämpfer, die beide Kampfweisen auf intelligente Weise kombinieren, andere haben die abgeklärte Aura eines Buddhas und dann treten dort Männer auf, die wie ein Stier unter Strom im Kampfring stehen. Ja und dann gibt es noch Ura. Das Wort „Ura“ beschreibt auf japanisch die „verborgene, geheime oder nicht sichtbare Seite einer Sache“, d.h. der Kämpfer, der diesen Namen trägt, ist immer für eine Überraschung gut. Sie können sich denken, dass er mein Favorit ist. Hinzu kommt, dass Ura, entgegen des üblichen Verhaltenskodex, keine Emotionen zu zeigen, häufig auch lächelt und mit seinem pinkfarbenen Gürtel aus den sonst eher dunklen Gürteln heraussticht.

Links oben: Kirishima (Mongolei) und der 21 jährige Aonishki (Ukraine), beide Anwärter auf den höchsten Titel im Sumo, dem des Yokozunas. Für mich sind die beiden die geistreichsten Kämpfer.
Beeindruckend ist die Lebensgeschichte des jungen Aonishki, wie er aus der Ukraine flüchtete: https://sumikai.com/nachrichten-aus-japan/sport/sumostar-aonishiki-wird-nach-flucht-aus-ukraine-erster-ozeki-des-landes-370285/

Rechts oben: Links Hoshoryu, einer der beiden derzeitigen Yokozunas und für mich der „Kampfstier“, rechts Kotozakura, im darunter liegenden Rang des Ozekis und einer der beiden „Goliaths-siehe weiter unten im Text- mit ca. 180 Kg bei 1,89 m Größe.
Unten links: Mein „Schätzeken“ Ura, sein Gegner Fujiryoga hat inzwischen bei mir auch eine Sonderstellung, dazu aber später noch mehr.


So viel zu den Kämpfertypen. Was mich aber ebenso fasziniert ist die Tatsache, dass dieser Sport, der ca. 2000 Jahre alt ist, mit all seinen Ritualen bis heute fast 1 zu 1 aufgeführt wird. Der Sumokampf ist dabei nur ein Mosaiksteinchen dieser alten Tradition.
Die Ausbildung der Kämpfer, ihre Aufmachung (Haare und Gürtel), die begleitende Trommelmusik, der Gesang, der Bau des Kampfrings, der während mehrerer Tage aus Lehm, Reisstrohballen und Sand Händen und Füßen errichtet wird, die traditionellen Gewänder der Schiedsrichter- es gibt so viele Details, die zu beachten sind und vieles davon konnten wir uns in Paris ebenfalls ansehen.

Die Veranstaltung fand in der Accor Arena im Stadtteil Bercy statt. In die Halle passen ca. 20000 Zuschauer und sie war an zwei Tagen ausverkauft. Die Veranstaltung sollte um 14 Uhr beginnen, doch wir waren schon früher da, um uns in Stimmung zu bringen. Schnell kam man mit anderen Sumofans ins Gespräch, diverse T-Shirts zeigten, wer von wem Fan war. Bereits draußen begann man mit dem Schlagen einer Trommel, um den bevorstehenden Beginn anzuzeigen.

Rechts: Die Fahnen der Sponsoren, darunter die Halle und der Trommler. Daneben Fans- es gibt keine Altersbeschränkung, die Zuschauer waren aus vielen Ländern angereist.

Vor den Kämpfen wurde gesungen, man zeigte, wie die Haare frisiert werden und demonstrierte das Binden des speziellen Yokozuna- Gürtels „Tsuna“.

Oben rechts: Vor Kampfbeginn werfen beide Männer Salz in die Luft, um den heiligen Ring symbolisch von bösen Geistern zu reinigen, bitten damit die Götter um Schutz vor schweren Verletzungen und beten für einen fairen und sicheren Kampf. 
In der Mitte: Onosato ist der zweite amtierende Yokozuna und ihm wird der 20 Kilo schwere Tsuna umgelegt.
Links unten: Der Gewinner des letzten Kampfes bleibt am Ring und reicht dem nächsten Kämpfer auf seiner Seite Wasser. Er gibt damit symbolisch seine „Siegesenergie“ weiter. Mitte und rechts: Die beiden Kämpfer taxieren sich und schüchtern den jeweiligen Gegner ein, sei es durch ein böses Gesicht, dem lauten Klatschen auf den Bauch oder wie im Fall des Ringers Kotoeiho durch die Demonstration großer Körperbeherrschung. (Wie hoch kommen Sie mit Ihrem Bein ? 😉 )
Man merkte, dass das Publikum nur „vom Fach“ war, alle waren sehr aufmerksam und an den richtigen Stellen still. Trotzdem herrschte, im Gegensatz zu den Kampftagen in Japan, eine entspannte Stimmung und wir sahen plötzlich viele lächelnde Sumokämpfer. Das war für mich der schönste Augenblick, es sind freundlichen Menschen und keine Kampfmaschinen.

Links Abi, ein Ringer,den ich wegen seines äußerst aggressiven Schläger-Kampfstils überhaupt nicht mag. Aber als er so durch das Publikum ging, gewann er bei mir Sympathiepunkte. Rechts der Yokozuna Onosato, dessen Auftreten ansonsten eher an einen abgeklärten Buddha erinnert.

Vor den Schaukämpfen untereinander hatten die Sumokämpfer sich noch einer schweren Aufgabe zu stellen: Sie mussten gegen den hochmotivierten jungen Nachwuchs kämpfen. Das war sooo niedlich anzusehen….

Die derzeitigen besten Sumokämpfer sind ca. zwischen 1,76 und 1,94 m groß und wiegen ca. zwischen 125 und 198 Kilo. Wir haben sie alle live erlebt und rieben uns die Augen, als wir sahen, wie leichtfüßig der schwerste Kämpfer Atamifuji (links) aus dem Schneidersitz aufstand. Wir haben aber auch gesehen, wie dieser Mann gegen einen anderen Kämpfer (rechts) verloren hat, der bei uns den Spitznamen „Speedy Mouse“ trägt (1,74, 125 Kg). Der kleine Kämpfer zwingt den großen durch Schnelligkeit zu Bewegung im Raum. Da geht dann „Goliath“ schnell die Luft aus und David kann gewinnen.

Zum Schluss ein Kampf:

https://youtu.be/oAZMi-x6B-w

Ich habe einen auf You Tube ausgewählt, der nicht nur allein den Kampf zeigt, sondern zuvor auch das Taxieren der beiden Ringer. Das Besondere an diesem Film ist, dass man nach dem Kampf fliegende Sitzkissen sieht. Das ist eigentlich strikt verboten, passiert aber trotzdem, wenn ein Yokozuna von einem Kämpfer eines niedrigeren Ranges besiegt wird und die Zuschauer ihre Begeisterung darüber zeigen möchten.

Dieses Plakat hängt jetzt bei uns zuhause. Bekäme ich die Gelegenheit, ich würde jederzeit wieder eine Live-Veranstaltung besuchen.

P.S. Noch kurz zurück zum Ringer Fujiryoga. Er begegnete uns einen Tag später im „Musée Louis Vuitton“, das er mit seiner Freundin besuchte. Auch hier befolgte er die strenge Tradition und trug einen Kimono.

Hört mein Handy mich ab?

Ich habe auf Instagram Beiträge zu Datenklau und KI gefunden, die ich für bemerkenswert halte. Das Handy hört nicht ab, aber trotzdem ist es einfach, jeden Handybenutzer zu manipulieren und z.B. punktgenaue Kaufangebote auf dem Bildschirm erscheinen zu lassen. Bei den großen Suchmaschinen stehen jetzt am Anfang immer KI generierte Texte. Es ist so praktisch, sie eben zu lesen und sich zu informieren. Aber was wird in diesen Texten gezielt weggelassen?
Wer sich die Beiträge von Alke Martens nicht direkt auf Instagram ansehen möchte, kann auf folgende Links klicken:

https://www.instagram.com/reel/DTNdBq3jFhe/?igsh=cHc2eXc2d21sb2J3

https://www.instagram.com/reel/DUnpfuyDCej/?igsh=bDEya2dpNDF6b29n

https://www.instagram.com/reel/DVdhsGbjCbH/?igsh=a3VyODJwY2JwNG16

Spaziergänge durch Sprachlandschaften ( mit:forschen Nr. 2)

Im letzten Beitrag erzählte ich Ihnen von der Internetseite mit:forschen. Hier werden Forschungsprojekte von Universitäten, Instituten oder Vereinen vorgestellt, bei denen die ehrenamtliche Hilfe von Bürgern gebraucht wird.

Seit zwei Wochen mache ich bei einem Projekt der Universität Luxemburg mit, das 2016 begonnen wurde. So wird es auf mit:forschen beschrieben:

“Im Projekt Lingscape erforschen wir die Vielfalt von Sprache im öffentlichen Raum. Ob Sticker, Straßenschild oder Graffiti, ob auf Deutsch oder mehrsprachig, ob in Deutschland oder auf der ganzen Welt – geh mit Lingscape auf Sprach-Safari und hilf uns dabei, Sprachlandschaften zu dokumentieren.“

Fotocollage mit Schildern zu den Themen Denkmalschutz, Nachbarschaft, Handball und Kulturfestival

Ich fotografiere gerne, mich interessieren Graffitis, öfter ärgere ich mich über Aufkleber, finde manche Schilder überflüssig- warum nicht mitmachen, um eine weitere Motivation zu haben, häufiger mal spazieren zu gehen?

Bei den letzten Spaziergängen kam ich mir ein bisschen wie auf einer Schnitzeljagd vor, was mir Spaß machte. Mein Jäger-und Sammlerinstinkt war geweckt. Ich lernte schon eine Menge über die Sprache im öffentlichen Raum. Ungefähr 60 Sprachäußerungen habe ich bisher gesammelt, es gibt so viele Unterscheidungskriterien…hier ein paar Beispiele:


Schilder:
private und installiert von einer öffentlichen Stelle

Fotocollage mit drei Bildern von Verkehrsschild, Verbotshinweis und Namensschild eines Büdchen.



Sie vermitteln:
Hinweise, Verbote, Namen, Werbung, Meinungen, Aufrufe, Erinnerungen

Fotocollage mit Schildern

Themen:
Tourismus, Sport, Politik, Kultur, Sprüche, Natur, Wirtschaft, Religion, Technik, Wissenschaft

Gültigkeit:
aus der Vergangenheit, zeitlich begrenzt, zukunftstauglich?

Wie sieht es mit der Zukunft dieser Schilder aus? Sterben „Winterdienste“ in unseren Breitengraden in ein paar Jahren aus? Auch „Fuck Jäger“ könnte an Aktualität verlieren, wenn diese Felder zum Naturschutzgebiet erklärt werden. „Alle zusammen gegen Faschismus“- diese Aufforderung verliert nicht an Bedeutung.

Materialien:
Blech, Papier, Mauer, Plastik, Holz, Metall, Stoff, Glas

Fotocollage aus Schildern aus verschiedenen Materialien

Sprachen (bisher):
Deutsch, englisch, türkisch

Gestaltung:
nüchtern, künstlerisch, handgemalt

Ich bekam schon ein kleines Gefühl von Sprachlandschaften, denn die Aufkleber in den Duisburger Stadtteilen Rumeln-Kaldenhausen, Rheinhausen und Duisburg-Mitte unterschieden sich. Nach R-K „schwappten“ schon Aufkleber von Vereinen aus dem benachbarten Krefeld, in R. fand ich die meisten türkischen Aufkleber, in Mitte stieß ich auf eine Reihe politischer Aussagen oder auf Aufkleber aus anderen Städten.

Fotocollage

Gemeinsam hatten alle Stadtteile MSV Fußball-Aufkleber, die es in diversen Ausführungen gibt und die mir leider immer wieder negativ auffielen, weil sie andere Schilder überklebten. Muss das sein?

Fotocollage mit MSV Aufklebern

In dem Projekt wurden bisher weltweit gut 150000 Fotos eingepflegt. Auf einer interaktiven Karte kann man sehen, wo wie viele Schilder bisher dokumentiert sind und nach weiteren Klicks werden diese abgebildet. Oder man gibt auf einer Seite von Lingscape ( https://lingscape.app/de/ ) als Suchbegriff eine Stadt oder ein Land ein, um sich die Schilder anzeigen zu lassen. So sieht dies z.Zt. für Duisburg aus:

https://lingscape-app.uni.lu/pin/list/?search=Duisburg&projects_set=&o=-id

Möchte man sich beispielsweise als Schule, Verein o.a. eine eigene Datenbank für Schilder aufbauen, muss man einmalig einen Nutzernamen eintragen, nach dem man auch suchen kann. Im Urlaub Schilder sammeln- eine neue Art von Souvenirs?

Diese Schilder sind nicht nur Sprachgeschichte, sondern auch ein Stück Alltagsgeschichte und zeigen, wie die Welt heute ist. Mir gefällt der Gedanke, ein bisschen dazu beizutragen, dass diese Geschichten in der Zukunft gezeigt werden können und nicht in Vergessenheit geraten.

Schil mit einem Hinweis, dass an dieser Stelle am 14.10.1779 nichts passiert ist

Wie werden Bäume von einer Stadtverwaltung geschützt- als Beispiel in Duisburg

Letzte Woche besuchte ich in der Duisburger VHS einen Vortrag zu diesem Thema.

Ich schreibe meinen Beitrag anhand von einigen Notizen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit der Wortbeiträge von Referenten und Zuhörern haben. Mir ist es wichtig zu zeigen, wie vielfältig das Thema Baumschutz ist.

Dr. Randolph Kricke und Bassila Boshalt von der Unteren Naturschutzbehörde in Duisburg erklärten den Naturdenkmal- und Alleenschutz und darüber hinaus die Aufgaben dieser Behörde, als da wären beispielsweise der Arten- und Lebensraumschutz, Bestimmung und Pflege von Schutzgebieten, Genehmigungen für Vorhaben in Landschaftsschutzgebieten, Projekte für Naturschutz, Erhalt der Biodiversität oder Maßnahmen zur Begrünung von Gebäuden.
So wurde u.a. auch ausführlich auf die Behandlung der Landschaft in der Nähe von Strommasten eingegangen oder auf die Pflege der Hecken-und Baumbegrenzungen an Feldrändern. Natürlich hätte es sich an diesem Abend auch angeboten, den Fall „Rahmerbuschfeld“ zu behandeln, doch sprengten auch so schon viele allgemeinere Fragen der Zuhörer den Zeitrahmen von 90 Minuten.
Bei Bäumen muss bei den Aufgaben u.a. unterschieden werden zwischen dem Schutz im Außenbereich, Ernennung von Naturdenkmälern, Stellungnahmen bei Bebauungsplänen, dem Straßenbaum- und Alleenschutz. Mehrmals wurde es deutlich, dass die Untere Naturschutzbehörde bei neuen Bebauungsplänen kaum Möglichkeiten hat, auf privaten Grundstücken einzugreifen. Dies gilt ebenso bei Fällungen auf privaten Grundstücken (vielleicht besonders nach dem Wegfall der Baumschutzsatzung 2016?). Die Stadt setzt bei den Besitzern optimistisch auf deren Einsicht, ihre Bäume so wertzuschätzen, dass sie von einer Fällung absehen. Ein Zweifel an dieser Einstellung zum Naturschutz war bei den Teilnehmern nicht zu überhören.
Um Bäume zu schützen, wurde in der Vergangenheit von Duisburger Bürgern deshalb immer wieder versucht, Bäume kurzfristig als Naturdenkmal ausweisen zu lassen und diese Idee wurde auch an dem Abend sehr begrüßt. Allerdings gibt es Vorgaben, wann ein Baum unter Denkmalschutz gestellt werden kann und dazu gehört u.a. das Gesundsein des Baumes, eine gewisse Einzigartigkeit der Art, das Alter, der Wuchs und die freie Zugänglichkeit!

Foto von einer alten großen Blut-Buche

Damit fallen Bäume auf Privatgrundstücken meistens weg. Und dann ist da noch der Verwaltungsakt. Soll ein Baum Naturdenkmal werden, entscheidet dies letztendlich der Rat der Stadt. Bis es zu diesem Punkt kommt, das kann ein paar Wochen dauern oder auch mehrere Jahre.
Ich habe vorgeschlagen, einen Wettbewerb zu starten à la „Die schönste Hausfassade von Duisburg“. Wo stehen die schönsten Bäume in Duisburg? Jährlich einige Bäume auswählen und mit einer Plakette, Urkunde oder was auch immer auszeichnen. Diese Aktion würde meiner Meinung nach das Nachdenken und die Wertschätzung für Bäume in Duisburg erhöhen.

Warum müssen einzelne Bäume gefällt werden oder warum verabschiedet man sich von ganzen Alleen? Einige Gründe:
Krankheiten: Besonders schnell zu erkennen, wenn am Baum sichtbar Pilze wachsen, da dann der Baum von innen wohl schon zu sehr vom Pilzbefall betroffen ist und instabil wird.
Alter und Größe der Bäume: In Duisburg wurden ab den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts und nach dem Krieg viele Platanen gepflanzt. Diese haben inzwischen ein Alter erreicht, in dem sie schwächer werden, sei es, dass ihre Wurzeln keinen Platz mehr finden und den Halt verlieren (Bürgersteige, die durch Anhebung der Wurzeln nicht mehr begehbar sind) oder ihnen Wasser und Luft fehlen, sei es durch mangelnden Regen oder dem Zuparken von Autos über den Wurzeln. (Fassen wir uns da alle an die Nase, wer hat das mit seinem Auto noch nie gemacht?)

Foto von einer Baumreihe (Platanen), die sich schräg zu einer Häuserreihe neigt

Die Größe eines Baumes kann ein Grund dafür sein, dass er keinen sicheren Stand mehr hat und auf ein Gebäude fallen kann. Das Argument, dass Bäume Gebäuden Licht wegnehmen und deshalb gefällt werden müssen, fand ich nicht überzeugend, da das immer wichtiger werdende Thema Schatten spenden nicht angesprochen wurde.
Duisburg hat 360 Alleen, die in 553 Abschnitte eingeteilt sind. 2018 wurde für Duisburg beschlossen, ein Alleenkonzept zu erstellen. Hier zwei Links zu dem Konzept. Zuerst die „einfachen“ Erklärungen auf der duisburg.de Seite

https://duisburg.de/microsites/umwelt-natur-klima/natur/baeume/alleenkonzept.php

dann eine ausführliche Version von Mai 2022.

https://duisburg.de/microsites/umwelt-natur-klima/natur/baeume/alleenkonzept.php.media/255552/Alleenkonzept_Stadt-Duisburg.pdf

Werden in Alleen einzelne Bäume gefällt, muss untersucht werden, ob eine Neupflanzung sinnvoll ist. Einen Frischling unter eine großen alten Baum zu setzen ist wenig erfolgversprechend, denn hier ist die Beschattung für das Wachstum des jungen Baumes nicht gut. Also bleibt u. U. eine Lücke in der Allee.

Foto von einer Baumallee im Nebel, in der ein Baum abgesägt und nicht neu nachgepflanzt wurde.

Wir erfreuen uns an den Blätterdächern im Sommer, doch gibt es inzwischen Untersuchungen, dass die Luftqualität darunter u.U. schlecht sein kann, wenn es keine Zirkulation nach oben gibt. Stehen rechts und links Wohngebäude muss man auch dies im Auge behalten.

Foto von einer Platanenallee, die ein Baumdach bildet

Wenn nun eine ganze Allee gefällt wird, ist dies für uns alle ein Schock und wir reagieren mit Unverständnis, Wut und auch Frustration, weil wir zumeist nicht alle Hintergründe kennen oder unbefriedigende oder gar keine Erklärungen bekommen. Was nützen uns persönlich danach diese unscheinbaren Neupflanzungen? Gar nichts. Aber unseren Kindern und Enkeln in der Zukunft! Sie werden mit gesunden Bäume leben, die uns selbst auch in einem Teil unseres Lebens begleitet haben.

Wer meinen Blog kennt, der weiß, wie sehr mir der Erhalt von Bäumen am Herzen liegt und ich diesbezüglich ein ziemlich großes Misstrauen gegenüber der Stadt Duisburg pflege. Das hat sich nach dem Vortrag etwas geändert.
Ich glaube daran, dass die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde das Selbstverpflichtungsprogramm zum Schutz von Bäumen nach ihren Möglichkeiten einhalten. (Für die operative Arbeit sind die Duisburger Wirtschaftsbetriebe zuständig- das ist dann noch einmal ein ganz anderes Thema!)
Dass die Baumschutzsatzung nicht wieder in Kraft tritt (es könnte ja auch eine angepasste sein), für diese politische Entscheidung habe ich immer noch kein Verständnis.
Wer in Duisburg etwas für die Natur tun will, der sollte sich mit „Mehr Grün“ vertraut machen, einem Förderprogrammen der Stadt:

https://www.duisburg.de/microsites/umwelt-natur-klima/natur/landschaftspflege/foerderprogramm-fuer-mehr-gruen.php

Es gibt in Duisburg mehrere Gruppen, die sich für Natur und Klimaschutz einsetzen oder man macht sich mit Hilfe von Vorträgen schlau. (In der Duisburger VHS gibt es in den nächsten Wochen dazu noch weitere Vorträge).