Johnny Depp und der Bunnyman

Meinen Beitrag „Wenn Düfte zu Farben werden-Teil 2“ muss ich leider verschieben, er erscheint voraussichtlich am Montag. Durch ein Update von Word Press sind Anfang der Woche meine Seiten stark durcheinander geraten und der Schaden ist leider immer noch nicht komplett behoben.

Stattdessen gibt es heute noch einen Tipp fürs Wochenende:

Vor Wochen besuchten wir in Köln ein Konzert mit der Gruppe „Hollywood Vampires“, zu der u.a. auch Johnny Depp gehört. Bis dahin kannte ich ihn nur als Schauspieler und wusste nicht, dass er sich eigentlich als professioneller Musiker sieht, der mit der Schauspielerei nur Geld verdient, um seiner Leidenschaft nachgehen zu können. Er spielte auf dem Konzert Gitarre und sang neben Alice Cooper einige Lieder. Die Hollywood Vampires interpretieren bekannte Lieder beispielsweise von David Bowie, Velvet Underground, Metallica oder The Doors neu. Uns gefiel dieses Konzert ausgesprochen gut, Johnny Depp beeindruckte uns mit seinem Können und wir mussten unsere eher gleichgültige Meinung ihm gegenüber korrigieren.

In der Woche des Konzerts besuchte Johnny Depp auch Schloss Benrath in Düsseldorf.

Hier eröffnete er die Ausstellung mit seinen Bildern, denn auch die Kunst ist seine Passion. Am Montag sahen wir diese Ausstellung und waren erneut überrascht. Johnny Depp kann etwas. Er hat sich mit verschiedenen künstlerischen Techniken auseinandergesetzt und seine Bilder zeigen Nachdenklichkeit und Sensibilität.
Die Schlossräume in Kombination mit dem Bildern waren für mich ein besonderes Ausstellungserlebnis. Noch bis zum 27. September kann die Ausstellung besucht werden, man muss sich online anmelden:https://tickets.schloss-benrath.de/event/the-art-of-johnny-depp-kopie-kti1xn

Hier ein paar Eindrücke:

Das ist der „Bunnyman“. Er erscheint Johnny Depp immer wieder in Träumen und steht für das Gute. Als vor Jahren sein Sohn ihm erzählte, dass er auch von einem Hasenmann träume, nahm Depp das zum Anlass, die Traumfigur als Motiv für zahlreiche Bilder zu nehmen.

Farbrausch im Norden

Letztes Wochenende waren wir erstmalig in Oldenburg und Bad Zwischenahn. Drei farbenfrohe Tage!

Bei einem ersten Bummel durch die Oldenburger Innenstadt fiel uns zuerst das Schloss auf, das mich sofort an ein von mir heißgeliebtes Zitronentörtchen erinnerte.

Fotocollage: Unten rechts das Zitronentörtchen, darüber das alte Rathaus (Nussschnitte?). Links: In den zahlreichen kleinen und großen Einkaufsstraßen tauchte immer wieder auffällig Buntes auf.

Auch im Schloss und den Nebengebäuden konnte man durch die Gestaltung der Räume in Farben schwelgen.

Nur ein paar Schritte vom Schloss entfernt befindet sich die St. Lamberti Kirche. Von außen eine wunderschöne Backsteinkirche, überrascht sie innen mit einer strahlend weißen Einrichtung und weißen Wänden. Wenn da nicht das Kreuz wäre…

Das „Lichtkreuz“, das nur zwischen Aschermittwoch und Advent aufgehängt wird, hat mich fasziniert. Es changierte in zig Farbe, begünstigt dadurch, dass die Kirchenkuppel ein kreisrundes Fenster hat, durch das Tageslicht mit vorbeiziehende Wolken zu sehen ist.

Der Grund unserer Reise nach Oldenburg war der Besuch des Horst Janssen Museums.

Mir gefallen die Kunstwerke von Horst Janssen sehr. Ich habe diese drei Bücher und wünschte mir schon lange, einige Werke einmal live zu sehen.

Dem Museum gehören über 2000 Kunstwerke, doch enttäuschte mich die Präsentation. Es gibt eine Dauerausstellung in einem überschaubarem Raum, in dem einige seiner künstlerischen Tätigkeiten, wie beispielsweise Holzschnitt oder Kupferstich, erklärt werden. Doch sind nur wenige passende Bilder ausgestellt, die teilweise noch schlecht ausgeleuchtet waren. Einige Fotos und Zitate mit Erklärungen geben einen kleinen Einblick in das Leben von Horst Janssen. Auf zwei weiteren Etagen finden Sonderausstellungen statt, bei denen Bilder von Horst Janssen in Beziehung zu Werken anderen Künstlern gesetzt werden. Wir sahen Textilarbeiten der Künstlerin Andrea Ziegler, bei denen sich mir die Verbindung zu den Bildern von Janssen nicht immer erschlossen hat.

Schade, aber ich wurde durch einen anderen Ort getröstet, dem „Park der Gärten“ in Bad Zwischenahn. In diesem Park wird in 40 Schaugärten der Garten als Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen gefeiert.
Noch bis zum 13. September 26 findet in diesem Park zusätzlich der „Lichtzauber“ statt, in dem die Anlage in traumhafte Landschaften verwandelt wird.
Wir hätten schon am frühen Nachmittag den Park besuchen sollen, um uns alles auch bei Tageslicht anzusehen, doch kamen wir erst gegen 19 Uhr an. Für alle Einzelheiten der Schaugärten war es jetzt zu spät, aber wir erfreuten uns noch an den schönen Beeten.

Und dann wurde es dunkel…

War das schön! Im Grugapark von Essen gab es in der Vergangenheit ähnliche Veranstaltungen, doch diese gefiel mir besser, da die Motive sich zumeist an Vorbildern aus der Natur anlehnten (Keine Mickey Mouse oder Eiffelturm). Der Park schloss um 23 Uhr, wie nutzten die Zeit bis zum Ende. Trotz vieler Besucher war es eine entspannte Atmosphäre, da es in dem Park zig Sitzmöglichkeiten ganz unterschiedlicher Art gibt und hier wurde in kleiner oder auch größerer Runde gepicknickt.

Das war mein nördlicher Farbrausch. An grauen Herbst-und Wintertage werde ich mich gerne an ihn erinnern.

Außer der Reihe erscheint morgen am Dienstag aus persönlichen Gründen ein Beitrag.

Staunen wie ein Kind

Wenn Sie bis Oktober noch einen Wochenendtipp für ein nördliches Ausflugsziel benötigen, dann wäre Büdelsdorf in der Nähe von Rendsburg ein lohnendes Ziel.

Diese Ausstellung gehört zu den größten in Europa und geht noch bis zum 4. Oktober 2026.

Zu der Ausstellung gehört ein weitläufiger Skulpturenpark und mehrere Hallen einer ehemaligen Gießerei, die gesamte Ausstellungsfläche beträgt ca. 100000 Quadratmeter. Wir waren nur einen Tag dort und nach fünf Stunden wegen der vielen Eindrücke nicht mehr aufnahmefähig. So haben wir uns bei weitem nicht alles in Ruhe angesehen. Besser ist eine Zweitageskarte und man übernachtet im nahen Rendsburg, das auch einiges zu bieten hat.

Wir fingen mit dem Skulpturengarten an. Wir, das waren vier Personen, von denen zwei eher selten in ein Museum gehen, aber immer für Neues offen sind. Vorweg gesagt: Sie haben es nicht bereut, uns begleitet zu haben. „Man kann staunen wie ein Kind!“, war eine ihrer Aussagen.

Beim Spaziergang durch den Park lernt man die ganze Bandbreite der verschiedenen Materialien kennen, mit denen man Skulpturen erschaffen kann.

Bronze, Stahl, Marmor, Holz oder Glas- nur fünf Beispiele. Wobei die „Holzskulptur“ ein natürlich gewachsener Baum ist…
Licht und Schatten auf den Kunstwerken sind gewollte oder ungewollte Effekte.

Auch die Themen der Skulpturen waren sehr unterschiedlich:

Die Weitläufigkeit der Hallen und die Größe mancher Kunstwerke lassen wohl keinen Besucher unbeeindruckt.

Der Titel oben „Ironie des Schicksals“

Hier begegnete ich zum ersten Mal einer Reihe von Kunstwerken aus der Mongolei. Viele gefielen mir sehr gut.

Der Titel oben: „Innere Natur- Rückkehr zur Unschuld“

Neben den umfangreiche Installationen gab auch kleine filigrane Schätze zu entdecken.

Und sah man sich die Hallen genauer an, so wurden Teile von ihnen mit ihrer Patina auch zu Kunstwerken.

Ich habe fotografiert und fotografiert und fotografiert…Es war wirklich ein grandioses Kunsterlebnis.
Ich lasse noch ein paar Bilder für die Ausstellung sprechen:

„Tiefer Wald“
„Der Mensch ist kein Reichtum der Erde“
„Pinocchios Armee“

Am späteren Nachmittag fuhren wir noch nach Rendsburg und gönnten uns eine Kaffeepause bei der Schwebefähre von 1913. Hier können Autofahrer, sowie Radfahrer und Fußgänger den Nord-Ostsee-Kanal überqueren, sofern nicht große Schiffe die Stelle passieren.

Wie in Hamburg an der Unterelbe werden die großen Schiffe begrüßt und man erhält zu ihnen Hintergrundinformationen.
Rendsburg bietet auch noch eine hübsche kleine Altstadt, doch die NordArt steckte uns in den Beinen und wir verzichteten auf eine Besichtigung und fuhren zu unserer Unterkunft nahe der dänischen Grenze zurück. Hier ist das „Emil Nolde“-Land. Fünf Kilometer von Noldes Wohnort Seebüll entfernt, entdeckt man überall Motive, die man aus seinen Bildern kennt.


Eine Übernachtungsempfehlung für Menschen, die es ruhig mögen, gerne wandern, Rad fahren oder Ausflüge machen: (Seebüll, Dänemark, Flensburg,Husum):

https://7f.com/unterkuenfte/157078/hygge-am-see

Am kommenden Montag bleibe ich noch im Norden und berichte über meinen dortigen „Farbrausch“.

Paris für Immerwiederbesucher 1

Wir verbrachten im Juni ein paar Tage in Paris. Zum ersten Mal übernachteten wir nicht unmittelbar in der Stadt, sondern im Südwesten in der Stadt Issy-les-Moulineaux. Hier haben in Sichtweite des Eiffelturms viele Fernsehsender ihren Sitz wie beispielsweise ARTE, Eurosport oder France TV 1 und die Microsoft-Vertretung für Frankreich findet sich hier ebenfalls. Dementsprechend gibt es viele sehr moderne Straßenzüge neben edlen Häusergruppen und historischen Gebäuden. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre, das Angebot der Restaurants ist vielfältig.


Wir übernachteten direkt gegenüber einem Park in einer Ferienwohnung, ca. 10 Minuten von der nächsten Metrostation entfernt. Die Lage war ruhig und stiegen wir in die Metro, bekamen wir immer einen Sitzplatz, da „Marie d‘Issy“ die End-bzw.Anfangsstation der Linie 12 ist. Bis zur Mitte von Paris (z.B. Notre Dame) brauchten wir eine halbe Stunde (einmal umsteigen in Montparnasse).

Wir hatten diese Ecke ausgewählt, weil wir bei der Übertragung der olympischen Spiele in Paris auf diese Gegend aufmerksam gemacht wurden. Issy liegt direkt an der Seine und es gibt zwei Inseln, die beide einen Besuch wert sind.

Die Insel „Saint-Germain“ bietet sehenswerte Blumenbeete neben lauschigen Plätzen und Freiflächen für sportliche Aktivitäten oder Kinderbespaßung. Das Wahrzeichen des Parks ist der „La Tour aux figures“ von Jean Dubuffet. Ab März bis Ende Oktober kann man am Wochenende im Rahmen einer Führung nachmittags bis in die Spitze steigen. Darauf verzichteten wir und gönnten uns noch eine Abkühlung in dem großzügig angelegten Café.

Das zweite Ziel im Südwesten war das Museum Louis Vuitton im Bois de Bologne. Auch hier habe ich einen Tipp: Karten online vorab reservieren spart viel Zeit. Wir wollten direkt morgens um 11 Uhr in das Museum, doch waren keine Tickets mehr verfügbar. Wir gönnten uns „Premiumtickets“ (Statt 18 Euro kosten diese 24 Euro). Hier kommt man ohne Anstehen jederzeit durch einem gesonderten Eingang in das Museum, erhält einen kostenlosen Audioguide und hat noch andere Vorteile, wie beispielsweise einen reduzierten Eintrittspreis im benachbarten Park mit vielen Attraktionen für Kinder.

Das Gebäude von Frank Gerry ist sehr luftig und schenkt wunderbare Ausblicke und Blickachsen. Die großzügigen Ausstellungsräume sind unterschiedlich hoch und bieten damit auch viel Platz für sehr große Kunstwerke.
Wir hatten das große Glück, eine Werkausstellung des Künstlers Alexander Calder zu sehen, der hauptsächlich für seine Mobiles und Skulpturen bekannt ist. In der Ausstellung mit dem Titel „Träume im Gleichgewicht“ gab es darüber hinaus aber auch noch einige seiner Zirkusfiguren zu sehen und ein Raum widmete sich seinen Schmuckentwürfen.

Am Donnerstag nehme ich Sie mit auf einen kleinen Bilderspaziergang durch Paris, vielleicht gibt es ja dabei einen Ort, den Sie noch nicht kennen oder vielleicht ein zweites Mal besuchen sollten.

Bretagne 7 – Was macht die Bretagne aus?

In der südlichen Bretagne fielen uns in der Stadt Quimper zuerst die Restaurants und Cafés auf. Gefühlt wurde in jedem zweiten Ladenlokal etwas zum Essen angeboten, dazu kam noch eine große Markthalle. Auf diesem Bild sieht man unten beispielsweise einen kleinen Platz, auf dem gleich vier Crèperien um Kunden buhlten.


Die Kathedrale St. Corentin wurde in 600 Jahren gebaut (13.-19. Jahrhundert), so dass sich in ihr noch einige gotische Originalfenster befinden, die zu den ältesten in Frankreich gehören. Ein großer Brand 1762 zerstörte viel von Quimper, doch findet man immer noch einige sehr alte Fachwerkhäuser und Bauten aus der Renaissance. Das alles sahen wir uns mit Freude an, doch es war noch nicht der Höhepunkt von Quimper.

Rechts die Kathedrale, links oben ein Foto aus einer der alten Passagen, darunter zwei Bilder, die zwei der drei Flüsse zeigen, die durch Quimper fließen.

In Quimper hat man die Auswahl zwischen drei Museen, eins für die Kunst, ein anderes für Keramik und schließlich das dritte für bretonische Heimatgeschichte. Letzteres besuchten wir und waren hingerissen vom Gebäude, dem Umfang der Sammlung und der Schönheit handwerklicher Künste.

Das Museum ist im ehemaligen Bischofspalast aus dem 16. Jahrhundert untergebracht. Oben rechts werden beispielsweise Funde aus der Römerzeit präsentiert.
Diese Fotocollage kann Ihnen nur eine kleine Idee von der Pracht bretonischer Trachten übermitteln.
Es gibt auch eine Keramikabteilung. In der Mitte ein altes Relief aus einem Bahnhof, das drei zurückkehrende Fischer zeigt, darunter eine Musikergruppe, die zum bretonischen Festtag „ Jour de pardon“ aufspielt.
Besonders beeindruckte uns die Üppigkeit der Möbelabteilung, rechts unten „bretonischer Bauhausstil“.

Dieser Museumsbesuch schenkte uns schon einen tiefen Einblick in die „Seele der Bretagne“. Ein zweites Museum erweiterte noch unser Wissen.

In diesem Buch lese ich seit ein paar Jahren immer mal wieder ein paar Texte:

Georges Perros beschreibt darin Alltagsbeobachtungen und macht sich seine Gedanken dazu. Das ist manchmal keine leichte Lesekost, aber man soll sich ja Herausforderungen stellen und ich finde Perros als Autor sehr interessant.
Das ist der Grund, warum wir nach Douarnenez gefahren sind, da Perros hier lange gelebt hat. In den Hafenkneipen sprach er mit den Menschen und hörte sich ihre Geschichten an.

In unserem Reiseführer (Dumont Taschenbuch) wird Douarnenez nicht gerade euphorisch beschrieben, aber ich wollte zum Hafen Port Rhu, da es hier noch alte Kneipen gibt und auch eine Mediathek, die den Namen von Perros trägt und in der es eine Ausstellung über den Autor gibt.

Erst eine große Enttäuschung: Die Mediathek hatte geschlossen. Daneben aber, wie schon in Quimper, ein „Museumstrüffel“.
Tauchen Sie mit mir ein in die Welt der Seefahrt, des Karnevals und der exzellenten Schwarzweissfotografie! Das Museum „Port-Musée du Bâteau“ befindet sich in einer ehemaligen Konservenfabrik.

Boote aus allen Teilen der Welt kann man hier bestaunen.
Rechts: Maritime Szenen zeigen, wie das Leben früher aussah. Links: Wichtig für die Bretagne: Der Fang und die Verarbeitung von Sardinen!
Im Außengelände des Museums konnten wir uns diverse historische Schiffe ansehen.

Wenn Sie sich für Maritimes interessieren, habe ich zwischendurch noch einen Buchtipp für Sie:

Der Autor segelt zusammen mit zwei Freunden vom Norden der Bretagne aus Richtung Wales, danach von Irland nach Schottland, der Segeltörn endet auf den Orkney- bzw. Shetlandinsel. Wie er schreibt, ist es das Küstenband seiner Träume. Auf dieser Reise geht Tesson auch immer wieder an Land, um zu Fuß oder per Rad zur nächsten Anlegestelle zu kommen. Tesson ist auf der Suche nach Feen. Was sind für ihn Feen? Hier kommt er selbst zu Wort:

Sein Buch bietet bewegende Situationen, wenn er uns an seinen Naturempfindungen teilnehmen lässt. Als sehr belesener Mann zieht er immer wieder Gedichte und Zitate berühmter Dichter heran, um seine Gefühle zu beschreiben.

Aus Goethes Faust II

Aber er lässt in seinem Reisebericht auch immer wieder Humor aufblitzen, bzw. übt er auch gerne einmal Kritik, sei es unverhohlen oder dezent.


Aber zurück zu dem Museum. In Douarnenez schlägt auch ein Herz für den Karneval und das schon offiziell seit 1835. Er gilt als einer der ältesten der Bretagne und jedes Jahr werkeln und schneidern die Bewohner von Douarnenez originelle Figuren und Kostüm.

Links oben: Die bretonischen Kardashian-Schwestern

Neben den vielen Kostümen und Masken wurden auch Fotos gezeigt, die ein Beweis dafür waren, wie sehr diese alte Tradition die Bewohner zusammenschweißt. Besonders gut gefielen mir auch die zahlreichen alten Werbeplakate für den Karneval, „Les Gras“ genannt.

Und dann lernten wir noch den Fotografen Michel Thersiquel kennen. Er wurde in der Bretagne geboren, verbrachte einen Teil seines Lebens in anderen europäischen Ländern, bevor er wieder in seine Heimat zurückkehrte, um die Menschen und Landschaften in der Bretagne zu fotografieren. Das Museum kann auf ein Archiv von ca. 100000 Bildern zurückgreifen und es gibt jährlich wechselnde Ausstellungen. Als wir dort waren, wurden Schwarzweißfotos u.a. vom Karneval und Frauen in der bretonischen Tracht gezeigt.

Rechts unten: Links: Kleine Pause vom Karneval, rechts zwei Bücher, die ich mir als Erinnerung mitbrachte.

Die Menschen, ihre Handwerkskunst, die Seefahrt- mit dem Besuch dieser beiden Museen bekamen wir ein besserer Gefühl dafür, was die Bretagne ausmacht.
Nächste Woche kommt noch ein Aspekt dazu: Welche Themen bewegen Bretonen heute? Ich habe den Bretonen „nicht aufs Maul“ geschaut, aber auf ihre Schilder.

Bretagne 5: Die Stadt Brest


Auf der Fahrt vom Norden der Bretagne in den Süden legten wir einen Zwischenstopp in Brest ein. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und in den 50er Jahren baute man schnell viele neue Wohnblocks. Die Kargheit dieser Nachkriegsbauten prägen heute noch das Stadtbild, Brest nennt sich freundlich „Die weiße Stadt“. Der erste Eindruck ist nicht sehr einladend, besonders bei Regen, den es in Brest öfter als in jeder anderen bretonischen Stadt gibt.

Oben: Das eine Ende der Einkaufsstraße mit dem Rathaus im Hintergrund. Unten: Ein ehemaliges Industriegebiet wird nach und nach umgestaltet- siehe unten!

In der Einkaufsstraße gibt es kaum die in Deutschland überall präsenten Ketten, keine Leerstände, stattdessen schöne Bekleidungsgeschäfte, die sich mit anderen Fachgeschäften, Cafés und Restaurants abwechselten. Die Straße verläuft zwischen dem Rathaus und der Hubbrücke, beides Wahrzeichen der Stadt.

Ein ebenso imposantes Gebäude ist die nahe gelegene Kirche St. Louis

Nachdem die ursprüngliche katholische Kirche aus dem 17. Jahrhundert im Zweiten Weltkrieg abgebrannt war, baute man von 1953 bis 1958 diese neue Kirche aus Beton, Granit und Stahl. Keine Ornamente mehr, die großartigen Fenster und wenige Holzfiguren sind der einzige Schmuck. Ich mag diesen Minimalismus sehr.

Möchte man sich mit der Geschichte der Stadt befassen, empfiehlt sich der Besuch des Schlosses. In ihm befindet sich auch das Maritimmuseum und man bekommt einen Eindruck, welche wichtige Rolle die Stadt seit der Römerzeit als strategischer Militärstützpunkt gespielt hat. Dies ist bis heute sichtbar, denn immer wieder trifft man auf Hinweisschilder, dass man vor einem militärischen Gelände steht, das nicht fotografiert werden darf.

Oben rechts eine Teilansicht des Schlosses, links daneben ein Ausbaggerschiff für den Fluss Penfeld. Links unten ein Ventilator für das Zwischendeck eines Schiffes, rechts daneben ein maritimer Kopfschmuck.

In der Innenstadt von Brest findet man nur wenige Grünanlagen. Etwas außerhalb liegt der Botanische Garten, dem wir auch einen kurzen Besuch abstatteten. Es werden hauptsächlich Pflanzen gezeigt, die im 18. und 19. Jahrhundert entdeckt wurden, als im Hafen von Brest auch große Seeexpeditionen starteten.

Komme ich zum Abschluss auf den Höhepunkt unserer fünfstündigen Besichtigungstour zu sprechen. Brest ist durch den Fluss Penfeld geteilt und eine Seilbahn fährt von der Innenstadt direkt zu den „Ateliers des Capucines“, die laut Brest-Homepage die „größte überdachte öffentliche Platzfläche Europas“ ist.


Unten links die „Ateliers des Capucins“, ein ehemaliges Werft- und Industriegebäude der französischen Marine. Ursprünglich stand dort seit 1695 ein Kapuzinerkloster („Capucins“ = Kapuziner), das nach der Französischen Revolution von der Marine übernommen wurde. Im 19. Jahrhundert wurden daraus große Werkhallen für den Bau und die Reparatur von Kriegsschiffen.  

In den Reiseführern wird dieses Gebäude als Kulturzentrum beschrieben. Das ist richtig, aber es ist eher noch ein „Labor für den sozialen Wandel“. Man findet hier keine isolierten Ausstellungen, sondern offene Werkstätten, in denen man zusehen oder sogar mitmachen kann. Auf ca. 10.000 qm treffen sich Menschen, um gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen, Neues auszuprobieren, zu lernen oder sich inspirieren zu lassen.

Bibliothek, Theater, Konzertsaal, Geschäfte, Restaurants – gibt es hier alles. Aber beispielsweise auch ein Repaircafé (oben links), eine Boulderanlage oder Workshop-Räume- unten links findet gerade ein Bierbrauerkurs statt.
Rechts: Einfach mal was ausprobieren oder machen…

Bei einem erneuten Besuch von Brest würden wir mehr Zeit einplanen, denn wir waren noch nicht im Hafen oder in dem über die französischen Grenzen bekannten Meeresmuseum. Auch würde ich meinen Blick schulen, um die feinen Unterschiede der weißen Häuser zu entdecken und mehr wertzuschätzen.

Eine Collage mit Bildern von Gebäuden in Brest, erstellt von KI

Ein Fotonachmittag in Köln

Vorletzten Sonntag fuhren wir nachmittags nach Köln, um uns zum ersten Mal den Kölner Skulpturenpark anzusehen. Er liegt in der Nachbarschaft vom Zoo, fast direkt am Rhein (dort kann man sonntags kostenlos parken und hat direkt eine schöne Aussicht).

Jeden ersten Sonntag um 15 Uhr gibt es eine ca. einstündige Führung im Park, die wir allerdings verpassten. Eine Broschüre gab es am Eingang, bzw. Beschilderungen an den Kunstwerken mit QR-Codes oder Texten standen jedoch meistens mit Erklärungen bereit.

Der Park ist ca. 3 ha groß und zeigt seit den 90er Jahren im zweijährigen Wechsel Kunstwerke von deutschen und internationalen Künstlern. So findet noch bis Ende Juni die „KölnSkulptur Nr. 11“ statt. Danach werden ca. Zweidrittel der Kunstwerke abgebaut und 2027 durch neue ersetzt.
Der Park ist sehr gepflegt, sich neben den Skulpturen den sehr schönen Baumbestand anzusehen, war ebenso eine Freude. Diese begehbare Installation gefiel mir besonders gut:

Wir verbrachten ca. 1 1/2 Stunden im Park. Vom Park aus zugänglich ist das Restaurant Fux, das aber an unserem Sonntag geschlossen war. Wir fuhren deshalb vom Park direkt zu einem zweiten Park, dem Medien Park von Köln.

Auch diese Besichtigung war für uns eine Premiere. Nach dem Kaffeetrinken im großen Kino besuchten wir die Photographische Sammlung, die noch bis zum 12.7.26 die Ausstellung „Lebensräume- Zeitgenössische Perspektiven aus NRW“ zeigt. Zu sehen sind Fotos aus den Jahren 1990 bis 2024 von vierzehn verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern. Die Ausstellung lohnt sich!
(Eintritt 7,50 Euro)

Sehenswert sind auch die einzelnen Stockwerke des Gebäudes. (Könnte sein, dass der Hausmeister etwas grummelt, aber mit Freundlichkeit bekommt man das hin). Hier gibt es Fotomotive zu entdecken!

Das Treppenhaus
Blick nach außen
Blick nach innen
Spiegelung I
Spiegelung II

Wir machten zum Abschluss nur einen kurzen Spaziergang durch den Medienpark. Ich bin mir sicher, dass ich dort noch einmal mit dem Fotostativ und viel Zeit hinfahren werde, dieses Viertel ist sehr fotogen!
Noch ein Tipp: Unter dem Medien Park befindet sich eine Tiefgarage mit mehreren Parkebenen. Nehmen Sie PZ.

Hilden? Hilden!- Ein Ausflugstipp

Bisher verband ich mit der Stadt Hilden nur eine der schönsten Gärtnereien, die ich bisher besucht habe. Seit letzter Woche kenne ich nun auch die Innenstadt und sie ist ein Nachmittagsausflug wert.
Es gibt einen gute Rundwegbeschreibung, die man sich herunterladen kann:

https://click-rhein.lvr.de/detail/discovery/184

Lauschige Ecken, interessante Architektur, Kirchen, ein Park und dazu zahlreiche Cafés und Fachgeschäfte, man bekommt den Eindruck, dass man in Hilden gut leben kann. Hier ein paar Eindrücke:

Manches entdeckte man erst auf den zweiten Blick…
Unten links das ehemalige Rathaus
Wir kamen an zwei Kirchen vorbei und mehreren Plastiken. Oben rechts „Die eilige Einkäuferin“, darunter „Pandora“.

Nach dem Stadtrundgang besuchten wir noch das Wilhelm Fabry Museum.
Wer war Wilhelm Fabry?

In dem Museum läuft z.Zt die Ausstellung „Die Augen der Frida Kahlo“. Der Fotograf Bert Loewenherz hat Bilder von Frida Kahlo nachgestellt, bzw. sich Szenen ausgedacht, die der Welt der Frida Kahlo entspringen könnten.

Daneben werden Repliken von medizinischen Geräten und Heilmittel von Wilhelm Fabry gezeigt und erklärt, wie sie bei Frieda Kahlos Unfallverletzungen eingesetzt wurden.

Gegenüber des Museums befindet sich das Gebäude der alten Kornbrennerei Vogelsang. Auch sie kann man besichtigen.

Oben rechts: Hier wurde das Getreide gemahlen, Mitte Etiketten für diverse verschiedene Kornflaschen, unten links der „Geschmackschrank“, u.a mit Pfefferminze, Ysop ,Wacholder oder Bergamotte, unten Teilansicht der Destillerie

Am Ende des Ausflugs stärkten wir uns in einem Café auf dem schönen Marktplatz:

Ein gelungener Sonntagnachmittag!

Palermo bei Regen (Sizilien Nr. 4)

Was Sie bei Regen nicht tun sollten und besonders nicht an einem Sonntag:
Auf Platz 1 der touristischen Ziele in Palermo steht der Normannenpalast. Sehr groß und beeindruckend, aber am Sonntag nur bis mittags geöffnet. (Stand März 2026), so dass viele Touristen versuchen, mal eben eine Besichtigung in ihr Programm „reinzuschieben“. Lange Warteschlangen an einem Tickethäuschen mit einer Person an der Kasse, bzw. bei der Taschen-und Personendurchleuchtung. Gehen Sie lieber an einem Montagmorgen in den Palast, keine Wartezeiten und Ruhe.

Dieses Foto vom Normannenpalast ist nur eine Teilansicht.

Hat man es durch die Kontrolle geschafft, geht ma in einen Innenhof, von dem ein imposantes Treppenhaus abgeht. Mich erinnerte es sofort an Treppenbilder von MC Escher…Hier eine Fotomontage von mir:

Oben rechts: Im Palast ist das Regionalparlament Siziliens untergebracht. Links oben und rechts unten Teilansichten zwei repräsentativen Räume, links unten Goldmosaiken der „Capella Palatina“.

Wir fuhren am Sonntag stattdessen etwas Richtung Mondello. Auf dem Weg liegen die „Palazzina Cinese“ und das „Museo Etnografico Giuseppe Pitrè“. Der Palast war leider ausnahmsweise geschlossen, aber in dem Museum wurden wir freundlich empfangen. Liebevoll sind hier ca. 4000 Exponate zusammengetragen worden, die Einblicke in das vergangene Alltagsleben auf Sizilien geben.

Oben das Museum, ehemalig ein Nebengebäude des Palastes (unten Mitte). Beide Gebäude sind von einem schönen Park umgeben.
Altes Kasperletheater, einer von vielen schönen Holzwagen, Töpfereien in einer alten Küche oder ein alter Wagen, der zum jährlichen Umzug zu Ehren der heiligen Rosalie, Schutzheilige von Palermo, genommen wurde
Handarbeiten hatte auf Sizilien einen großen Stellenwert

Eine andere Möglichkeit, dem Regen zu entfliehen, ist die Besichtigung des „Teatro Massimo“. Es gibt Führungen in deutscher Sprache und man darf z.B. in der Königsloge Platz nehmen, wo schon viele berühmte Menschen saßen (und, wie ich fand, keine dolle Sicht auf die Bühne hatten) und u.a. Räume besichtigen, in denen Szenen der Pate-Triologie gedreht wurden.

Sie möchten es moderner? Im Museum der Illusionen kann man in Palermo viel Spaß haben:

Unten rechts: Man kann mich nicht hypnotisieren, das dachte ich zumindest bisher. Aber bei diesem sich bewegenden Muster kamen mir erste Zweifel.
Links: Man geht von A nach B über diese Brücke-kein Problem! Wenn allerdings die Wand anfängt, gegen den Uhrzeiger zu rotieren, dann schlägt das Gehirn Alarm. Der Körper presst sich vehement an die das rechte Gitter und nur mit sehr viel Konzentration kann man wieder langsam nach vorne gehen.

Was fallen Ihnen noch für Ziele für Regentage ein? Richtig- Kirchen! Dem Thema Religion in und bei Palermo möchte ich aber einen eigenen Beitrag widmen. Nächste Woche sehen wir uns wieder!

„Duft Challenge“ für ein Jahr

Am vorletzten Sonntag besuchten meine Freundin und ich im Düsseldorfer Kunstpalast die Ausstellung „Die geheime Macht der Düfte“. Wir waren und sind von dieser Ausstellung, die wir uns 2 1/2 Stunden ansahen, derart begeistert, dass ich Ihnen einen Besuch sehr ans Herz legen möchte.
Man kann sie noch bis zum 22. März 25 besuchen. Sie ist in ihrer Konzeption auf der Welt wohl ziemlich einzigartig, das erfährt man in dem kurzen Einführungsvideo auf der Kunstpalastseite im Internet. In dem Video erklärt der Ausstellungskurator Robert Müller-Grünow, wie vielfältig das Thema Duft ist, welche Quellen er hinzugezogen hat und gibt einen Ausblick, wie der Einsatz von bestimmten Düften zukünftig immer mehr ein Thema in der Medizin sein wird.
Hier wird die Ausstellung beschrieben und das Video gezeigt:

https://www.kunstpalast.de/de/event/duefte

Ich hatte mich auf die Ausstellung nicht vorbereitet und erwartete eher eine nüchterne wissenschaftliche Darstellung über die Geschichte und die Erzeugung von Düften. So war ich überrascht, diese Ausstellung als integrierten Teil der permanenten Ausstellung des Kunstpalastes vorzufinden. In ca. 30 Räumen wurden verschiedene Aspekte von Düften dargestellt und die Kunstwerke korrespondierten mit diesen Aspekten. Dazu gab es jeweils verschiedene Duftstationen, wo Besucher Düfte „nasennah“ erfahren konnten. So toll!

Bekannte natürliche und chemische Düfte (z.B. der Duft des Waldes, 4711 versus Farina) wurden neben neu komponierten Düften präsentiert. Bei den Kompositionen waren einige alte Düfte dabei, die man anhand von historischen Quellen erstmals riechbar gemacht hat.

Hier ein paar Eindrücke zur Ausstellung:

Oben rechts: Zwei von ca. 20 berühmten Parfüms, die es heute noch gibt.
Der Duft Benzoin erinnerte mich an meine Kindheit.
Unten drei sogenannte Pomander, an denen man riechen konnte.
Wie hat sich der Duft von „Persil“ seit 1959 verändert? 1959 roch es ziemlich chemisch, 1986 eher blumig, 2000 angenehm neutral, 2025 „frisch“.

Mich lässt das Thema „Duft“ seitdem nicht mehr los, denn ich wurde durch die Ausstellung mal wieder daran erinnert, wie sehr Düfte das Leben bereichern können. Deshalb habe ich mit einer 365 Tage – Duft – Challenge angefangen: Jeden Tag einen anderen Duft bewusst wahrnehmen und notieren. Ich weiß nicht, ob ich das ein ganzes Jahr schaffe, aber wenn es drei oder sechs Monate sind, ist es auch gut, denn dann habe ich meine Nase trainiert.
Beim Riechen ist mir jetzt schon klar geworden, dass das Notieren auch etwas wie ein Tagebuch ist, denn durch Tätigkeiten tauchen plötzlich Düfte auf. Hier die Düfte der letzten achte Tage:

1.3.25: Hibiskusteeduft
2.3.25: Modriger Duft (Gartenteich entschlammt)
3.3.25: Duft einer ausgepustete Kerze (wir waren auf einer Geburtstagsfeier)
4.3.25: Duft von Pizza Funghi
5.3.25: Frische Bärlauchblätter
6.3.25: Der Duft im Innenraum eines Fahrstuhls
7.3.25: Der Duft von „Rotbäckchen“ (Ein Getränk aus meiner Kindheit)
8.3.25: Wick Vaporub