Wer traut sich heute…

…das Rhein-Hunsrück-Abitur zu machen?
Mein Ostfriesenabitur im August bekam viel Zuspruch, wie sieht es aus mit Ihrem Wissen zu der Landschaft zwischen St. Goar und Idar-Oberstein? Hier machten mein Mann und ich ein paar Tage Urlaub und als Einstieg zu den Beiträgen in den nächsten Wochen gibt es zehn Quizfragen.

Frage 1 – Wo steht diese Skulptur der drei berühmten Literaten, die den gesuchten Ort gepriesen haben?

In Bacharach – In Assmannshausen – In Bingen

Frage 2 – Wie heißt diese Straße?

Faustpfad – Drosselgasse – Das Schläuchle

Frage 3 – Neben der Burgruine Kyrburg gibt es

das schmalste Hotel Deutschlands – das größte Whiskymuseum Deutschlands – die kürzeste Seilbahn Deutschlands

Frage 4 – Wo wird der Hunsrücker Platt außer im Hunsrück noch gesprochen?

In Namibia – In Brasilien – In Kanada

Frage 5 – Diese Gegend ist auch für den Weinanbau bekannt. Wann wurde der Eiswein erfunden?

1902 – 1794 – 1830

Frage 6 – Die Geschichte des Schinderhannes ist in dieser Region allgegenwärtig. Er hatte aber auch noch einen Kumpanen, den „Schwarzen Petri“. Wodurch wurde dieser bekannt?

Er war der Erfinder des dreifachen Karabinerhakens
Er ist der Namensgeber des Kartenspiels „Schwarzer Peter“ und dient auch als Vorbild bei der Redewendung
Er war der Autor des ersten Kochbuchs mit rheinhessischen Rezepten

Frage 7 – Diese Brückenhäuser sind das Wahrzeichen für welche Stadt?

Ingelheim – Bad Kreuznach – Bad Sobernheim

Frage 8 – Wer war Johann Michael Elias von Obentraut?

Der Cousin der Hildegard von Bingen
Das Vorbild für den „Deutschen Michel“
Der Jäger aus Kurpfalz

Frage 9 – Welche Aussage stimmt? Im Hunsrück….

liegt der tiefste See Deutschlands
hängt die längste Fußgängerseilbrücke Deutschlands
steht die kleinste Holzkirche Deutschlands

Frage 10 – Wie heißt dieser Berg?

Erbeskopf – Rotenfels – Kahlheid

Und hier die Auflösung des letzten Rätsels: Die Buchstaben „ei“ waren 33 mal in dem Text versteckt.


Tipps für „Zeitreisen-Places to be“

In nicht mehr allzu ferner Zukunft werden Zeitreisen möglich sein. Also warum sich nicht jetzt schon einmal informieren, welche „Hot Spots“ es gibt, die nicht so überlaufen sind, wie beispielsweise Ziele während des römischen Reichs oder Königskrönungen? Dieses Buch ist der ultimative Reiseführer und gehört in jeden Haushalt:

Von Reisen zu vergangenen Weltausstellungen wird eher abgeraten. Sie sind langweilig, denn man sieht als Zeitreisender dort zumeist nur Erfindungen, die einem schon bekannt sind, abgesehen vielleicht von der Blutegelmaschine zur Wetterbestimmung oder der sprechenden Schokolade. Dagegen ist für das Autorenteam eine Reise in die ehemalige DDR eine gesunde Mischung aus überraschenden gesellschaftlichen Entdeckungen und Nervenkitzel. Als noch kein anderes Land auf der Welt daran dachte, gab es in der DDR beispielsweise schon eine ordentliche Grundrente oder Müllverwertung, Kinder bekamen sogar einen kleinen Obolus für gesammeltes Altpapier. Die Bespitzelung von Bevölkerung und Touristen ist u.U. natürlich schon mit etwas Gefahr verbunden, aber wie sagt man so schön: No risk, no fun!
Wer noch mehr Risiko und Adrenalinstöße sucht, wer gerne „Outdoor-Urlaub“ macht, für den eignen sich die Jahrtausende, in denen Dinosaurier und andere Riesenspezies unsere Erde bevölkerten. Das Handbuch listet alle Vorteile für eine „Dinoreise“ auf, hält aber auch nicht mit den lebensbedrohenden Nachteilen hinter dem Berg. Auch Reisen in Kriegsgebiete sind bei einem gewissen Klientel beliebt, hier nennt der Reiseführer konkret Daten, an denen die Wahrscheinlichkeit, nicht getötet zu werden, am größten ist.
Das A und O bei der Reisevorbereitung ist das Überprüfen, ob es in der Zeit, in die man reisen möchte, a) das Land/ den Kontinent überhaupt gibt, b) ob evtl. gerade eine Eiszeit herrscht, c) ein Meteoreinschlag oder Vulkanausbruch nicht bevorsteht d) Menschen, auf die man trifft, nicht Kannibalen sind, e)….Man muss Vieles überdenken, bevor man eine Reise in die Vergangenheit antritt.
Ein Sonderkapitel befasst sich mit dem Thema „Auswandern und in der Vergangenheit ein neues Leben beginnen“ (Das sollte man sich wirklich 200% gründlich überlegen, denn früher war nicht alles besser), ein anderes Kapitel widmet sich den ethischen Problemen bei Zeitreisen. ( Mal eben ins ….Jahrhundert jetten und den ein oder anderen Bösewicht diskret aufhalten- keine gute Idee).

Dieses Buch gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Matthias Matschke. Wunderbar! Stellen Sie sich vor, ein jüngerer Theo Lingen erklärt Ihnen in gewohnter Oberlehrermanier, wie Sie sich zu verhalten haben. Ich hatte 2 1/2 Stunden viel Spaß.

Das Duell

„Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ Erinnern Sie sich noch, wer seine Sendung mit diesem Zitat immer beendete? Es war Marcel Reich-Ranicki, der in seinem „Literarischen Quartett“ mit dem Brechtzitat seine Zuhörer verabschiedete.

Ich habe dieses Buch als Hörbuch in den letzten Tagen genossen, allerdings passt o.g. Zitat hervorragend zu meinem Gefühl am Ende des Buches.

Der Untertitel auf dem Buch gibt an, wovon das Buch handelt. Es ist die Geschichte einer Hass-Liebe zwischen einem Autor und einem Literaturkritiker, die über Jahrzehnte andauert. Mir war dieses besondere Verhältnis zwischen den beiden bekannt, doch wusste ich nicht viel über die Hintergründe und wollte jetzt mehr erfahren.

Das Buch beginnt mit Kapiteln, in denen beider Kindheit erzählt wird, danach widmet es sich den so unterschiedlichen Schicksalen während des zweiten Weltkriegs. Diese Jahre sind für die zukünftigen Leben der Männer prägend. Grass war als junger Soldat Angehöriger der SS und suchte seinen großen Einsatz, Reich-Ranicki und seine Frau lebten erst im Warschauer Ghetto und nach ihrer Flucht viele Monate in Todesangst in einem Versteck.
Mitte der 50er Jahre lernen sich beide kennen, sind sich nicht sympathisch und ihre Wege trennen sich wieder. Ihre gemeinsame Geschichte beginnt erst 1960, als Reich-Ranicki, inzwischen freiberuflicher Literaturkritiker in Deutschland, als einziger das so gefeierte Buch „Die Blechtrommel“ zerreißt und das große schriftstellerische Talent von Grass teilweise in Frage stellt.
Wer interessiert ist an deutscher Geschichte ( z.B. das Engagement von Grass für Willy Brandt) und am deutschen Literaturbetrieb ( Einblicke in die „Gruppe 47“, auch ein bisschen Klatsch, schließlich Verleihung des Nobelpreises an Grass) wird bestens bedient. Die Inhalte mehrerer Bücher von Grass werden skizziert und ich bekam Lust, in der Danziger Trilogie mal wieder zu blättern und Passagen zu lesen.

Fassungslos am Ende des Buches war ich von der Art, wie Grass und Reich-Ranicki miteinander umgegangen sind. Wie können sich zwei hochintelligente Menschen über viele Jahre immer wieder so verletzen? Am Ende ihres Lebens wissen oder ahnen beide zumindest, wie sehr sie sich Schaden zugefügt haben. Immerhin.

Das Hörbuch wird von Gerd Heidenreich gesprochen. Lob von mir, ohne wenn und aber.

Düsseldorfer Nordfriedhof

Vor dem neuen Beitrag eine kurze Anmerkung: Seit einigen Tagen habe ich manchmal Schwierigkeiten, Verbesserungen an Texten abzuspeichern. Der Support von Word Press hat sich noch nicht gemeldet. Ich entschuldige mich deshalb für fehlerhafte Sätze.

Dieses Buch stand schon lange ungelesen in meinem Buchregal.

Am vorletzten Wochenende führte es uns nun erstmals zum 70 Hektar großen Düsseldorfer Nordfriedhof. Nur wenige Besucher waren dort und diese kamen sich dank der breiten Wege nicht in die Quere.

Der Friedhof wurde 1884 eingeweiht und es finden sich dort ca. 50000 Gräber. Diese Karte kann man sich im Internet herunterladen. Sie erleichtert es, bestimmte Gräber zu finden, die durch ihre Geschichte oder auch durch die Gestaltung bekannt geworden sind.

Besonders die Felder Nr. 61 bis 64 sind berühmt und werden auch „Millionenhügel“ genannt. Hier sieht man die größten und prächtigsten Gräber großer Industriefamilien wie z.B. von Henkel, Haniel, Grillo oder Zapp. Aber auch in den anderen Feldern findet man sehenswerte Erinnerungsstätten. Die Gräber prominenter Düsseldorfer wurden und werden auch noch heute von bekannten Künstlern gestaltet, der Einfluss der Düsseldorfer Kunstakademie ist nicht zu übersehen.

Wenn Sie sich den Friedhof ansehen möchten, bringen Sie viel Zeit mit oder besuchen Sie ihn in dem Bewusstsein, nicht jedes Kunstdenkmal zu sehen. In dem Buch werden zwei Spaziergänge von 2 oder 3 Stunden (auf der Karte von mir grün eingezeichnet) vorgeschlagen und die Bedeutung der auf den Wegen liegenden Gräber erörtert. Folgen Sie diesen Wegbeschreibungen, werden Sie zusätzlich außergewöhnliche Gräber entdecken, die das Buch nicht erwähnt, so dass aus den 2-3 Stunden auch schnell 4-5 Stunden werden können.

Oder Sie vergessen alle Hinweise und Beschreibungen und entdecken selbst. (Bitte klicken Sie die Bilder an, dann vergrößern sie sich).

Die Trompete

Wie war Ihre Woche? Hatten Sie Zeit, sich eine kleine Geschichte auszudenken, in denen die Wörter Giraffe, Streichholzschachtel, Trompete, Feuerlöscher und Zauberer vorkommen? Hier eine Anregung (nach der Geschichte stehen zwei neue Aufgaben für Ihre Kopffitness):

Der alte Zauberer hatte schlechte Laune. Seit ein paar Tagen suchte er seine Trompete, wo hatte er sie nur hingelegt? Oder hatte man sie ihm gestohlen? Nächste Woche war seine letzte Vorstellung, danach würde er sich zur Ruhe setzen. Doch ohne die Trompete? Es war keine gewöhnliche Trompete, denn sie war so rot wie ein Feuerlöscher, viel kleiner und ihr Klang hatte etwas Verzauberndes. Bei seinen Auftritten sagte er nie einen Zauberspruch auf, sondern blies nur ein paar Töne auf dem Instrument. Alle Zuschauer waren danach wie hypnotisiert.

Um sich abzulenken, ging der Zauberer in den Zoo, der in der Nähe seiner Wohnung lag. Er war gerne hier, schon manches Mal hatte er sich eingebildet, dass die Tiere zu ihm sprechen. Aber das war natürlich Unsinn. Besonders oft besuchte er Mathilda, eine ältere Giraffendame, und auch heute ging er zu ihrem Gehege. Sie tat ihm leid, denn sie war die einzige Giraffe im Zoo. Er sah ihr zu, wie sie an einem Baumast zupfte. „Du suchst deine Trompete, stimmt’s ?“ Der Zauberer drehte sich um, doch niemand stand hinter ihm. „Ein Mann hat sie, er hat sie auf einem Mülleimer gefunden.“ Der Zauberer blickte Mathilda an, sie blinzelte ihm zu. „Ja, ich habe das gesehen. Ich bin so groß, dass ich alles überblicke! Du hast einen Stein aus einem Schuh geschüttelt und dabei die Trompete auf einem Mülleimer abgelegt. Warst wohl in Gedanken, denn du bist ohne deine Trompete weitergegangen.“ Dem Zauberer fiel alles wieder ein. Nach einer Nachmittagsvorstellung im Festsaal war er nach Hause gegangen und hatte wegen eines Steins im Schuh angehalten. Mathilda fixierte ihn weiter. „Der Mann hatte eine komische rote Nase und trug bunte Sachen, mehr kann ich nicht sagen.“ Der Zauberer bedankte sich nickend ohne sich zu wundern und lief nach Hause. Er holte seine magische Streichholzschachtel aus dem Requisitenschrank und setzte sich an den Küchentisch. Er nahm die Schachtel in die linke Hand, dachte konzentriert an einen Mann mit einer roten Nase und bunter Kleidung und warf die Streichholzschachtel in die Luft. Sie ging dabei auf, alle Streichhölzer fielen heraus auf den Tisch und legten das Wort „Krankenhaus“.

Er war schon in mehreren Krankenhäusern gewesen, ohne Erfolg. Es gab noch eins in der kleinen Nachbarstadt, dort würde er es ein letztes Mal versuchen.
Inzwischen war es ihm nicht mehr peinlich, nach einem Mann zu fragen, auf den die Beschreibung passte. „Ja, das ist bestimmt Roberto. Er arbeitet auf der Kinderstation als Clown. Nehmen Sie den Fahrstuhl in die achte Etage.“ Schon als die Fahrstuhltür sich öffnete, hörte er die wunderbare Musik an Ende des Gangs. Langsam näherte er sich dem Raum, aus dem die Musik kam. Dort stand der Clown mit seiner Trompete. Vier Kinder lagen in ihren Betten, auf ihren Gesichtern ein verträumtes Lächeln.

Der letzte Auftritt des Zauberers war noch einmal ein großer Erfolg. Am Ende hatte das Publikum lange geklatscht, bevor es nach Hause gegangen war. Nur noch ein Mann stand in der ersten Reihe vor seinem Sitz. Der Zauberer ging zu ihm und gab ihm seine Trompete.

Die zwei neuen Aufgaben (Auszug aus einem Hausaufgabenblatt für meinen Gedächtnistrainingskurs):

Der Akazienkavalier

„Von Menschen und Gärten“ ist der Untertitel dieses Buches und ich fing bereits im Januar an, es zu lesen, weil ich mich in den Gärten andere Menschen „umsehen“ wollte. Das ging ziemlich schief, denn in den meisten Kapiteln ist entweder nur eine Pflanze das Thema (z.B. ein Ficus in einer Küche oder der Seidelbast als Pflanze der Bettler) oder es geht um einen Garten, dieser dient aber eher nur als Schauplatz für Begegnungen mit Menschen.

Ich war deshalb von diesem Buch enttäuscht und legte es wieder weg. Jetzt, wo ich meinen eigenen blühenden Garten habe, gab ich dem Buch aber eine zweite Chance. Die Autorin erzählt von Begegnungen mit Menschen in mehreren Ländern Europas, deren Leben zeitweise oder ganz vom Leben im Garten oder mit einer Pflanze geprägt wurde. Beeindruckend das Kapitel, in dem sie von einem Treffen mit einer blinden Gärtnerin erzählt. Zu Herzen gehend ist die Familiengeschichte von vier Schwestern, die sich regelmäßig unter einem alten Birnbaum treffen. Der Autorin Colette wird eine Geschichte gewidmet, wie sie im zweiten Weltkrieg aus ihrer Wohnung den Garten des Palais Royal sieht und den Alltag unter der deutschen Besatzung beschreibt. Ja und dann ist da noch der bekannte deutsche Schauspieler Walter Sittler, der auf einer Fensterbank einen Wüstengarten pflegt oder ein Wolkengarten über dem Memelland, den man entdecken kann.

Ich mag die achtzehn Geschichten dieses Buches inzwischen sehr. Es sind z.T. ergreifende Schicksale, von denen die Autorin erzählt, aber auch ihre Gabe, Details und Stimmungen zu beschreiben, hat mir gut gefallen.

Je enthemmter desto besser

Am letzten Samstag hatte ich für Sie ein Rechenrätsel ausgesucht und zwar dieses:

Haben Sie die fehlenden Zahlen herausgefunden?

Hier die Lösung:

Den Lösungsweg erklärt mit Hilfe der ersten Reihe:

5-2 = 3 / 5+2= 7 / 5×2 = 10 Die Ergebnisse dieser 3 Aufgaben sind 3710 = die gesuchte Zahl.

Ich schmökere gerade mal wieder ein bisschen in diesem Buch.

Um sein Gedächtnis zu trainieren ist es u.a. sehr wichtig, auch seine Fantasie möglichst oft anzuregen. Diese Aussage aus dem Buch brachte mich zu der heutigen Aufgabe: Denken Sie sich eine kleine Geschichte aus, in denen die Wörter Giraffe, Streichholzschachtel, Trompete, Feuerlöscher und Zauberer vorkommen. Je enthemmter Sie Ihrer Fantasie freien Lauf lassen, desto besser! Ich stelle Ihnen nächste Woche meine Geschichte vor, würde mich aber auch sehr freuen, wenn Sie mir Ihre Geschichte mailen würden.

An: linda.broszeit@gmx.de

Schönes Wochenende!

Zeit des Augenflanierens

In den letzten Jahren tadelte ich mich immer mal wieder, wenn ich mich bei einem Bildband nicht zurückhalten konnte und ihn wider jeder Vernunft (teuer, keinen Platz mehr, keine Zeit, ihn anzusehen) doch gekauft habe. Ha, jetzt kommen die Sternstunden der Bildbände und der superdicken Bücher! Täglich ein bisschen mit den Augen über schöne Bilder flanieren und ein paar Seiten lesen, das ist nicht verkehrt.

Tag der Archive

Am Wochenende hatte man die Gelegenheit, kostenlos an Führungen in verschiedenen Duisburger Archiven teilzunehmen. Mein Mann schlug spontan das Landesarchiv NRW im Duisburger Innenhafen vor. Diesen Vorschlag musste ich erst einmal ein bisschen verdauen. Von oben gesehen gebe ich dem Gebäude auf einer Skala von 1-10 eine 8.

Keine Frage: Die Wellen sind ein Hingucker und der Speicherturm bleibt dabei relativ bescheiden.

Aber jedes Mal, wenn ich auf der Autobahn am fensterlosen Speicherturm vorbeifahre, merke ich, wie mich ein ungutes Gefühl beschleicht, das als eine Mischung aus Ärger und Beklemmung daherkommt.

Wie kann man ein solches Ungetüm freiwillig in die Gegend setzen? War der Architekt Freund von kafkaesken Szenen? Auf diversen anderen Fotos setzte ich mich schon vor Jahren mit diesem Gebäude auseinander.

Und das sollte ich freiwillig besuchen? Aber ich ging mit und wir erlebten dank der Führung von Frau Dr. Pilger 1 1/2 sehr interessante Stunden. Deren Inhalt gebe ich hier nicht wieder, nur ein paar Appetitshäppchen, damit Sie sich demnächst ( z.B. beim Tag des offenen Denkmals) auf den Weg machen. Einige Informationen bekommt man auch auf der Homepage www.lav.nrw.de, deren Qualität allerdings zu wünschen übrig lässt (ab Sommer gibt es einen Neuauftritt) und durch diese Broschüren, die an vielen Stellen in Duisburg ausliegen.

Unsere Führung fing in meinem „geliebten“ Speicherturm an. Er hat eine Kapazität 148 km Regallänge, von denen bisher ca. 100 km genutzt werden. Die Akten einer Behörde, einer Firma oder ein anderes Dokument hat es in den Turm geschafft, wenn es von Experten (zumeist Historiker) vorher begutachtet wurde und man positiv entschieden hat, dass das Schriftstück für die Geschichtsschreibung und zukünftige Forschungen Bedeutung hat. Im Turm sieht es dann so aus:

Vorne Akten, die noch keine Signatur haben, hinten säurebeständige Kartons, in denen nach weiterer Bearbeitung die Akten verpackt werden. In den Räumen herrscht eine gleichbleibende Temperatur von 16 Grad, normalerweise dürfen höchstens zwei Mitarbeiter in einem Raum sein, um die Luftfeuchtigkeit konstant halten zu können. Lichtquellen sollen so gut es geht, vermieden werden. (Keine Fenster im Gebäude, so langsam dämmerte es mir…).

Unser nächster Halt war der Raum, in dem Akten und Dokumente restauriert werden.

Das älteste Dokument im Haus ist aus dem 8. Jahrhundert, 1,5 Millionen Akten zur „Entnazifierung“ ist die höchste Aktenzahl zu einem Thema.

Weiter ging es in den Lesesaal, wo z.B. Wissenschaftler, Journalisten oder Ahnenforscher in die gewünschten Akten einsehen können, wenn diese vorher freigegeben wurden.

Oben rechts haben Archivare für einen Besucher alte Bücher und Akten herausgesucht. (Man muss seinen Besuch und seinen Suchwunsch vorher anmelden, damit genügend Zeit bleibt, Akten zusammenzutragen.) Rechts unten: Sogenannte Findebücher aus alten Zeiten, in denen man den Lagerplatz einer Akte nachschlagen kann. Natürlich sind heute die Suchmöglichkeiten auch digitalisiert, sowie eine Vielzahl der eingelagerten Akten.

Dass man eine Akte lesen darf, hängt u.a. vom Datenschutzgesetz ab, bei manchen Themen muss der Verfassungsschutz grünes Licht geben und auch welchen Grund man angibt, warum man in Akten einsehen möchte, ist wichtig. Frau Dr. Pilget gab uns einige sehr anschauliche Beispiele und erzählte uns von bewegenden Schicksalen, die zu einem Besuch des Landesarchivs führen.

Das Landesarchiv bietet auch eine Reihe von interessanten Veranstaltungen an, was mir bisher nicht bekannt war.

Ich mag das Gebäude immer noch nicht, aber was die Arbeit in einem Archiv angeht, war die Führung eine erfolgreiche Horizonterweiterung. Netterweise kam abends eine Sendung im Fernsehen über das Archiv eines Klosters. Da konnten wir dann schon an manchen Stellen „fachmännisch“ nicken.

Gut geschätzt oder gewusst?

Letzte Woche gab ich als Rätsel mehrere Jahreszahlen vor und diese Zahlen sollten bekannten Persönlichkeiten als Geburtsjahre zugeordnet werden. Hier sind die Jahreszahlen mit den passenden Namen:

1822 H.Schliemann / 1829 K.Duden / 1870 E. Barlach / 1886 W. Furtwängler / 1926 M. Schell / 1938 A. Celentano / 1943 E.Heidenreich / 1956 F.-W. Steinmeier / 1964 H.Maske / 1969 M. Schumacher

An diesem Samstag möchte ich wissen, in welchen Bundesländern folgende Städte liegen: Emden, Koblenz, Siegen, Cottbus, Heilbronn, Osnabrück, Ingolstadt, Zwickau, Dessau und Kassel

Viel Spaß bei der Deutschlandreise und ein schönes Wochenende!