Wie sieht Ihr Verhältnis zur Zeit aus?

Mit diesem Buch habe ich mich seit einigen Monaten beschäftigt. Es fiel mir in die Hände, als das öffentliche und private Leben plötzlich stillstand und die Coronazeitrechnung begann.
Das Buch versucht in zehn Kapiteln auf 270 Seiten, den Begriff der Zeit allumfassend zu beschreiben und zu deuten. Der Untertitel des Buches „Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen“ gibt den wichtigsten Aspekt des Buches wieder, aber es gibt darüberhinaus auch Texte zum Thema „Weltraumzeit“, „Ewigkeit“ oder „Weltzeit“. Manche Textstellen lesen sich nicht ganz einfach und ich brauchte immer wieder Pausen, um über verschiedene Sätze nachzudenken.
Ich habe mehrere Anläufe genommen, eine Inhaltsangabe zu schreiben, doch dies überforderte mich. Da ich das Buch wichtig finde, stand ich vor der Wahl, einen Link zu einer fremden Inhaltsangabe zu setzen oder mir etwas anderes einfallen zu lassen. So biete ich ihnen jetzt einige, wirklich nur wenige, Textstellen an, die Ihnen einen ersten Eindruck vermitteln. Vielleicht wird dadurch Ihr Interesse an dem Buch geweckt, es würde mich freuen.

Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Langeweile. Da ist einmal die Langeweile, die der Mensch sich in seinem Inneren selbst erschafft, aber es gibt auch die Langeweile von außen:

Ein anderes Kapitel widmet sich der „Vergesellschaftung der Zeit“. Welches Verhältnis hatten die Menschen früher zum Begriff „Zeit“? Wie hat sich dieses Verhältnis in den letzten 100, 50, 20 und 10 Jahren verändert durch technologische Neuerungen und andere „moderne Anpassungen“ wie z.B. beim Umgang mit Geld. Was machen die Neuerungen aus den Menschen und ihrer Zeit?

Versuchen, die Welt zu verstehen…da kommt keine Langeweile auf.

Paris als roter Faden-Nr.2

Vor ein paar Wochen erschien dieses Buch:

Als Hobbyfotografin und Verehrerin vom französischen Fotografen Henri Cartier-Bresson(=HBC) war das Buch ein Lesemuss für mich, denn die Werbung versprach, dass die wiedergegebenen Interviews bisher gar nicht oder kaum veröffentlicht wurden.

Das Buch war eine Enttäuschung, denn Zweidrittel der Interviews kannte ich bereits aus anderen Büchern. Außerdem hatte ich mir vorher nicht bewusst gemacht, dass sich in Interviews Fragen natürlich immer wiederholen. So wurde die Lektüre zum Ende hin immer langweiliger. Bezug zu Paris? Es gibt seit 2003 in Paris die „Fondation Henri Cartier-Bresson,die als Museum und Archiv für das fotografische und malerische Werk Cartier-Bressons fungiert.

Wenn Sie sich über Cartier-Bresson informieren möchten, empfehle ich Ihnen diese beiden Titel:

Links ein Werk über HCBs Philosophie des Fotografierens, rechts ein kleiner Bildband mit kurzer Biografie und kurzen Interviews.

Ein Buch, das die Enttäuschung mehr als ausglich, war dieses:

Ich weiß nicht, ob HCB und Francoise Gilot sich gekannt haben, aber ich vermute, dass sie sich gut verstanden hätten. Beide halten nichts von Photo- bzw. Kunstschulen, ihre beider Kunst kommt aus ihrem tiefsten Inneren. HBC lehnte das Schneiden eines Fotos vehement ab, Gilot machte einen gemalten Strich niemals rückgängig. Das zu den Gemeinsamkeiten der beiden.

Auch dieses Buch basiert auf mehreren Interviews, die der Autor Malte Herwig mit der Künstlerin über einen längeren Zeitraum geführt hat. Ihre Vitalität mit 90 Jahren ist ein immer wiederkehrendes Thema und die Fotos von ihr in Paris und New York belegen dies.
Francoise Gilot war nicht der Wunschjunge ihrer Eltern, wurde aber trotzdem wie ein Junge erzogen. So sind die Härte gegen sich selbst, ihr großes Bedürfnis nach Selbständigkeit und das Verstecken ihrer Gefühle und Gedanken sicherlich teilweise damit zu erklären. Wie sie sagt, sprechen ihre Bilder zu der Außenwelt, das muss genügen.
Ihr Leben mit Picasso und ihr Entschluss, ihn zu verlassen, sind eher ein Randthema dieses Buches. Dazu befragt, war sie sich der Risiken, mit Picasso zusammenzuziehen und Kinder zu bekommen, durchaus bewusst. „Wenn du wirklich leben willst, musst du etwas Dramatisches riskieren, sonst lohnt sich das Leben nicht. Wenn du etwas riskierst, erlebst du auch schlimme Dinge, aber du lernst vor allem eine Menge und lebst und verstehst immer mehr. Vor allem wirst du nicht langweilig. Das ist das Allerschlimmste: langweilig werden.“

Wer selbst malt oder zeichnet kann in diesem Buch Einsichten gewinnen, wie sich das eigene Kunstwerk entwickelt. Herwig kann nicht zeichnen und bittet Gilot, ihm Tipps zu geben. Anfangs widerstrebend lässt sich Gilot schließlich darauf ein. Diese Ausführungen zum künstlerischen Schaffen sind besonders lesenswert.

Sie interessieren sich für Kunst? Dann habe ich zum Schluss noch einen Filmtipp für Sie (spielt in Paris): „Das letzte Porträt“, ein Film über 18 Tage im Leben des des Künstlers Alberto Giacometti.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Final_Portrait

Der Sezierer des „grauen“ Alltags

Und hier ein weiterer Autor, den ich dieses Jahr neu entdeckt habe:

Georges Perec, ein französischer Autor, legt in seinen Büchern den Alltag unter das Mikroskop und erfasst minutiös jede Art von Handlung, die zu einem Vorgang gehört, hält jede noch so unbedeutende Beobachtung fest und erkundet Möglichkeiten des Ordnens. Er ist nicht auf Sensationen aus wie beispielsweise Zeitungen. Perec ist von Zeitungen gelangweilt, denn sie berichten nicht über Dinge, die sein Leben betreffen, nicht über den gewöhnlichen Alltag oder über Selbstverständliches.

Im rechten Buch listet er die Beobachtungen auf, die er 1974 an drei Tagen gemacht hat. Täglich hat er mehrere Stunden auf dem Pariser Place Saint-Sulpice gesessen und notiert: Menschen, Fahrzeuge, Tiere, Geräusche, Düfte, wechselnde Schriftzüge, Beleuchtungen, Farben. An den drei Tagen gibt es Regelmäßigkeiten, wie beispielsweise immer wieder vorbeifahrende Busse oder Menschen, die zu ihrer Arbeit gehen, aber auch viele „Mikro-Ereignisse“, die so unterschiedlich sind, dass selbst der langweiligste Alltag interessant sein kann, wenn man nur genau hinschaut.

Im linken Buch erhebt er mit dem Thema „Denken/Ordnen“ den Alltag ebenfalls in eine andere Sphäre. Als Leserin stachen bei mir zuerst die Kapitel über die Kunst des Bücherordnens, über das Lesen und die Betrachtungen über Brillen heraus, doch seine Anmerkungen über die Gegenstände, die auf seinem Schreibtisch liegen oder seine drei Erinnerungen an früher besuchte Zimmer gefielen mir auch sehr gut.

Wer mehr über Georges Perec wissen möchte:

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Georges_Perec

Denk mal!

Beim Entstauben meines Bücherregals entdeckte ich diese vier Bücher:

Ich habe sie im Laufe der letzten Jahre gelesen und angesichts der momentanen Zeiten blätterte ich sie zur Auffrischung noch einmal durch. Damals war ich von allen vier Titeln begeistert, jetzt würde ich die beiden linken Bücher nicht mehr kaufen. „Keine Macht den Doofen“ von 2012 ist polemisch geschrieben. Es zu lesen macht Spaß, wenn man sich gerade mal wieder aufgeregt hat und meint, dass man nur von Dummheit umgeben ist. Aber es bietet außer dem Hinweis, dass die Schulbildung das A und O für zukünftige Verbesserungen der menschlichen Schwarmintelligenz ist, keine weiteren Lösungsvorschläge, wie man aus der weltlichen Misere herauskommt.

Ganz anders dagegen das Buch „Selbst denken“ von Harald Welzer. Auch er stellt der Menschheit kein gutes Zeugnis aus und beschäftigt sich u.a. mit der Manipulation des „Kleinen Mannes“ und dessen Unfähigkeit und Unwille, Widerstand zu leisten. Doch Welzer zeigt Wege auf, wie wir Menschen noch den Dreh bekommen können, selbst wenn man denkt, es sei alles schon zu spät. Das Buch ist von 2013 und einige seiner Vorschläge sind jetzt bereits schon realisiert worden, bzw. nehmen im Denken der Bevölkerung einen immer größeren Platz ein (z.B. Vermeidung von Plastik). Das macht Hoffnung und dieses Buch bekommt im Bücherregal einen prominenteren Platz als vorher.

2011 erschien das Buch „Das Ende der Normalität“. Sein Inhalt ist gerade in den letzten Monaten mehrfach überholt worden und ich sehe es nur noch als Bestandsaufnahme, wie es früher einmal war.

Zeitlos und immer wichtiger werdend ist das letzte Buch „Starrköpfe überzeugen“. 2013 erschienen, erklärt es, wie Starrköpfe ticken und wie man versuchen kann, sie zu überzeugen. Ich schreibe bewusst „versuchen“, denn Fakten spielen dabei eher eine untergeordnete Rolle. Das Buch vermittelt psychologisches Wissen, denn es kommt auf die Emotionen an, mit denen man solchen Menschen begegnet. Bei diesem Buch sehr angenehm: Nach jedem Kapitel steht ein Fazit, so dass man sein Wissen durch Lesen dieser Ergebnisse jederzeit auffrischen kann. Neuer Bücherregalplatz: Neben „Selbst denken“.

Der Akazienkavalier

„Von Menschen und Gärten“ ist der Untertitel dieses Buches und ich fing bereits im Januar an, es zu lesen, weil ich mich in den Gärten andere Menschen „umsehen“ wollte. Das ging ziemlich schief, denn in den meisten Kapiteln ist entweder nur eine Pflanze das Thema (z.B. ein Ficus in einer Küche oder der Seidelbast als Pflanze der Bettler) oder es geht um einen Garten, dieser dient aber eher nur als Schauplatz für Begegnungen mit Menschen.

Ich war deshalb von diesem Buch enttäuscht und legte es wieder weg. Jetzt, wo ich meinen eigenen blühenden Garten habe, gab ich dem Buch aber eine zweite Chance. Die Autorin erzählt von Begegnungen mit Menschen in mehreren Ländern Europas, deren Leben zeitweise oder ganz vom Leben im Garten oder mit einer Pflanze geprägt wurde. Beeindruckend das Kapitel, in dem sie von einem Treffen mit einer blinden Gärtnerin erzählt. Zu Herzen gehend ist die Familiengeschichte von vier Schwestern, die sich regelmäßig unter einem alten Birnbaum treffen. Der Autorin Colette wird eine Geschichte gewidmet, wie sie im zweiten Weltkrieg aus ihrer Wohnung den Garten des Palais Royal sieht und den Alltag unter der deutschen Besatzung beschreibt. Ja und dann ist da noch der bekannte deutsche Schauspieler Walter Sittler, der auf einer Fensterbank einen Wüstengarten pflegt oder ein Wolkengarten über dem Memelland, den man entdecken kann.

Ich mag die achtzehn Geschichten dieses Buches inzwischen sehr. Es sind z.T. ergreifende Schicksale, von denen die Autorin erzählt, aber auch ihre Gabe, Details und Stimmungen zu beschreiben, hat mir gut gefallen.

Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen!

Im Januar las ich dieses Buch und habe z.Zt. ein Déjà-vu-Erlebnis.

In dem Buch geht es um den Zustand der Welt und wie die Menschen diesen Zustand beurteilen. Eine Inhaltsangabe zu dem Buch zu schreiben, ist schwer, denn die Zahl der positiven Denkanstöße ist dafür zu groß. Deshalb gebe ich nur ein paar Eindrücke wieder.

Bill Gates meinte, dass dieses Buch für ihn eins der wichtigsten Bücher ist, die er je gelesen hat. So steht es auf dem Klappentext. Linda Broszeit sagt das auch und damit sind wir schon zu zweit. 😉 Nach der Lektüre hatte ich ein bisschen Seelenfrieden zurückgewonnen und empfand eine gewisse Ruhe, die bis heute noch anhält. Bei Diskussionen, in denen gewarnt, schlecht geredet oder beklagt wird, habe ich jetzt Argumente, die andere aufhorchen lassen. Oder einmal etwas krasser ausgedrückt: Öfter kann man Permanentnörgeler schneller zum Schweigen bringen.

Nein, es ist auf der Welt bei Weitem nicht alles rosig und gut, aber der Autor, der Professor für Medizin ist und u.a. für die Weltgesundheitsorganisation WHO arbeitet, zeigt anhand vieler nicht wegzudiskutierender Zahlen, dass es besser ist als vermutet. Ich gebe Ihnen drei Beispiele und bitte Sie, die Fragen spontan zu beantworten.

A-In den letzten 20 Jahren hat sich der Anteil der in extremer Armut lebenden Weltbevölkerung:

Nahezu verdoppelt oder unwesentlich verändert oder deutlich mehr als halbiert?

B- Wie viele einjährige Kinder auf der Welt sind gegen irgendwelche Krankheiten geimpft?

20, 50 oder 80 Prozent?

C- Wie viele Mädchen absolvieren heute eine fünfjährige Grundschulbildung in den Ländern mit niedrigem Einkommen?

20, 40 oder 60 Prozent?

Haben Sie sich bei allen drei Fragen jeweils für die dritte Antwort entschieden?

Hans Rosling räumt in seinem Buch mit vielem falschen Wissen auf. Er hat Zugang zu zuverlässigen Statistiken, Bildmaterial und Zahlen und zeigt die positiven Entwicklungen der letzten 100, 50 oder 20 Jahre auf. So gibt es für ihn z.B. auch keine Entwicklungsländer mehr, sondern er spricht von Ländern der 4 Stufen.

Was das Buch aber so wichtig macht, das sind seine Erklärungen, warum wir ein so falsches Weltbild haben. Dafür gibt es diverse Gründe, die er mit folgenden Kapitelüberschriften beschreibt:

Auch hier möchte ich nur ein paar Beispiele geben. Er beschreibt, wie wir die Vergangenheit zumeist mit einer rosaroten Brille sehen und schier vergessen, dass frühere Zeiten vielleicht nicht dieselben Probleme hatten, aber dafür andere. Wir haben das Gefühl, dass alles schlechter wird, einmal länger über alles in Ruhe nachdenken, das kommt eher selten vor. Unsere Gehirne sind seit Urzeiten darauf gepolt, auf das Angstgefühl zu achten, um gefährlichen Situationen rechtzeitig begegnen zu können. Diesen Instinkt der Angst bedienen die Medien, wissen sie doch, dass damit die höchste Aufmerksamkeit erreicht werden kann. (Das soll kein Vorwurf sein, denn die Redakteure ticken ja genauso wie die Leser).

Und da ist dann auch mein Déjà-vu-Erlebnis. Erinnern Sie sich noch an die Schweinegrippe im Jahr 2009? Anfänglich starben viele Menschen, doch dann nahm die Zahl nicht mehr zu, sondern blieb erst noch konstant und nahm dann ab. Was nicht abnahm, das war die Hysterie. Hans Rosing und sein Team zählten daraufhin die Artikel zum Thema Schweinepest, die bei Google in 2 Wochen erschienen waren. Es waren weltweit 253442 . Zu jedem der 31 Todesopfer in diesen zwei Wochen, wurden also ca. 8176 Artikel geschrieben. In genau den beiden Wochen starben weltweit auch ca. 63000 Menschen an Tuberkulose. Jeder dieser Toten erfuhr eine mediale Aufmerksamkeit von 0,1 Artikel.

Dieser Beitrag mag vielleicht etwas schwere Kost sein (das Buch ist dafür umso leichter geschrieben), aber ich kann nur noch einmal wiederholen: Wenn Sie ein Buch in diesem Jahr lesen wollen, dann lesen Sie dieses.

Wie man Erinnerungsschätze hebt

Mein Langzeitgedächtnis ist nicht gut und ich habe diverse weiße Flecken, was z.B. Erlebnisse in früheren Urlauben angeht. Manchmal ist das erfreulich, denn so vergesse ich auch schneller Nichtschönes, aber manchmal finde ich es auch schade und beneide alle Freunde, bei denen viele Details aus der Vergangenheit vorhanden sind und staune immer, was sie mir erzählen.

Ich machte in den letzten drei Wochen deshalb den Versuch, Erinnerungen zurückzuholen und zwar mit Hilfe dieses Buches:

Doris Dörrie ist nicht nur Filmregisseurin und Autorin, sondern sie gibt in München immer wieder Schreibkurse. In diesem Buch zeigt sie, wie man mit regelmäßigem Schreiben automatisch eigene Erinnerungsschätze hebt. Sie gibt diverse Themen vor, über die man schreiben kann und quasi als Beispiel erzählt sie in jedem Kapitel auch von Begebenheiten in ihrem eigenen Leben. Dabei spielt die Arbeit kaum eine Rolle, für sie wichtige Personen sind die Dreh-und Angelpunkte.

Einfach mit dem Schreiben anfangen – sich vorher kein bestimmtes Thema überlegen-und 10 Minuten dranbleiben. Möglichst täglich. Dörrie verspricht, dass plötzlich Erinnerungen hochkommen, die jahrelang oder sogar jahrzehntelang verschütt waren. Nicht unterkriegen lassen darf man sich dabei von Gedanken wie „Dazu bin ich zu blöd!“, „Das ist nicht originell oder „Ich kann nicht schreiben, das ist peinlich!“ Man schreibt für sich zuerst einmal ganz alleine, da kann nichts peinlich sein. Wenn man später vielleicht Lust verspürt, etwas Geschriebenes vorzulesen, dann kommt die Überzeugung, dass das Geschriebene interessant ist, von ganz alleine.

Ich war sehr skeptisch, was die Wiederbelebung von Erinnerungen angeht, aber ich machte den Versuch und stellte mir den Wecker auf 10 Minuten später. 10 Minuten kamen mir sehr lang vor, aber gut. Ich guckte nach draußen und fing an, über den Regen zu schreiben.

Auf den Blättern links und rechts sehen Sie 4 x 10 Minuten Geschriebenes. Auf dem rechten Blatt habe ich links vom Text Kreuze gemacht. Sie markieren die Erinnerungen, die aus heiterem Himmel sich nach langer Zeit wieder zurückmeldeten. Es funktioniert tatsächlich und es ist ein tolles Gefühl.

Auf dem mittleren Blatt habe ich Themen notiert, über die ich schreiben könnte. Gut die Hälfte dieser Punkte werden auch von Frau Dörrie vorgeschlagen, die anderen Ideen waren plötzlich da.

Ich habe in drei Wochen es zwölfmal geschafft, 10 Minuten zu schreiben. Bisher kam mindestens eine Erinnerung pro Aufzeichnung zurück, meistens sind es mehrere. Wenn ich mich zum Schreiben an den Tisch setze, stellt sich immer ein besonderes Gefühl ein. Ein bisschen ist es zu vergleichen mit dem Moment, bevor man beim Tauchen in die Tiefe hinab gleitet- in eine unbekannte Welt.

Morgen gebe ich Ihnen ein Beispiel von mir, wie ich beim Schreiben von „Höcksken auf Stöcksken“ gekommen bin und 10 Minuten gar nicht ausreichten.

Bienen- auch im Winter ein Thema

Dieses Buch bekam ich vor einiger Zeit von einer Freundin geschenkt. Sie weiß, dass ich im Sommer gerne „stundenlang“ Bienen im Garten beobachte und deshalb freute ich mich sehr über den Titel.

Nicht so erfreut war ich über den Anfang des Buches, denn ich hatte den Eindruck, dass es sich mehr um die Beschreibung einer Selbstfindung handelt. Autor Dube hat Zweifel an seinem alten Beruf (Texter), erzählt vom Ausprobieren, etwas Anderes zu machen und kommt schließlich zu dem Schluss, dass das Imkern das Richtige für ihn sei. „Learning by Doing“ ist seine Devise, von alten Imkerprofis nimmt er viele Ratschläge an.

Jetzt kommen endlich die Bienen ins Spiel und das Buch wird von Seite zu Seite spannender. Was in einem Bienenstock alles passiert, was Bienen können und tun- ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Auch wie sich die Persönlichkeit von Dube durch den täglichen Umgang mit Bienen ändert war ebenfalls interessant zu lesen. Besonders gefallen hat mir das Kapitel, wie er seine Honig auf einem Markt anbietet und er dabei die ganz eigenen Gesetze eines Markttages entdeckt. Auch seine Informationen über die gesetzlichen Regeln des Honigverkaufs waren neu für mich.

Am Ende war ich so begeistert von diesem Buch, dass ich am folgenden Wochenende direkt in unser Duisburger Bienenmuseum gegangen bin. Für 2,50 Euro kann man an einer 1-2 stündigen Führung teilnehmen. Ich sah mich dieses Mal nur ein bisschen um und hebe mir den Vortrag für nächstes Jahr im Februar auf, dann bin ich für die anstehende Bienensaison bestens gerüstet.

Buch und Duft- bei diesem Titel kein Problem, wenn man beim Lesen eine Bienenwachskerze anzündet…

Kein Tag ohne Musik

Gestern stellte ich Ihnen das linke Buch vor, heute folgt das rechte. Schuld daran in das linke.

In dem Buch über Martha Argerich wird u.a. erzählt, dass sie kurz vor dem ersten Konzert zusammen mit Leonard Bernstein als Dirigent spontan beschloss, nicht aufzutreten. Eine Ersatzbesetzung fürs Klavier war nicht so schnell zu bekommen, also entschloss sich „Lenny“, selbst das Klavier zu bespielen und mit den Augen sein Orchester zu dirigieren. Das beeindruckte mich so sehr, dass ich beschloss, mich einmal wieder mit der Person Bernstein zu befassen. (In der Vergangenheit habe ich mir schon einige seiner Veranstaltungen, in denen er Musik Kindern erklärt und zwei kurze Interviews auf YouTube angesehen und bin seitdem „Fan“).

Ich wählte dieses Buch von 1990 aus, weil es das letzte ausführliche Interview vor seinem Tod wiedergibt. Jonathan Cott und Bernstein verstehen sich auf Anhieb gut und das Interview dauert über 6 Stunden bis nachts um drei.

Die Themen sind sehr vielfältig. Das ewige Lernen ist z.B. eine Herzensangelegenheit von Bernstein und damit u.a. verbunden das Heranführen von Kindern an klassische Musik. Bei der U-Musik ist er sehr kritisch, denn die meisten Lieder sind auf schnelle Befriedigung des Musikbedarfs aus und lassen bei Langzeitkonsum den Zuhörer verblöden.

Neben der Musik kommen die Religion und die Politik noch zur Sprache, dazwischen erzählt Bernstein immer wieder kleine Anekdoten von Begebenheiten mit anderen Prominenten oder bei seinen eigenen Musikprojekten.

Leonard Bernstein ist voller Unrast. Er will jeden Tag auskosten, d.h. jeden Tag in irgendeiner Form sich mit Musik beschäftigen und Neues lernen. Er ist sehr klug und hat ein phänomenales Gedächtnis, beim Lesen des Interviews nahm meine Bewunderung für diesem Mann noch einmal zu.

Zum Schluss komme ich noch einmal auf das Dirigieren mit den Augen zurück: Hier ist der Beweis:

Sommertage mit Martha

Mein Sommer war nicht nur heiß, sondern auch recht musikalisch. U.a. hatte ich das große Vergnügen, Martha Argerich einmal live zu erleben. Da das Programm ihres Abends erst kurz vorher bekannt gegeben wurde, konnte ich mich darauf nicht vorbereiten und ging somit nur mit dem „Wissen“, das ich über ihre Person hatte, in das Konzert. Mein Wissen bestand aus „Beste Pianistin“ und „Sehr schwierige Person“. Der Konzertabend war der Auftritt einer Königin der Musikwelt. Das Spielen der 78jährige Pianistin war nicht immer souverän, aber sie war dabei von der Musik durchdrungen, ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll. Ein Erlebnis.

Ein paar Tage später bekam ich dieses Buch (links) von meinem Mann geschenkt:

Es ist eine gut zu lesende Biografie, wenngleich sie auch manchmal etwas unsortiert ist, was die zeitlichen Abläufe angeht. Aber sie spiegelt damit auch das z.T. sehr chaotische Leben der Argerich wieder. Mit drei Jahren wird ihr musikalisches Talent entdeckt und fortan kümmert sich die ehrgeizige Mutter um die Karriere der Tochter. Das ist Segen und Fluch zugleich. Martha lernt bei den besten Klavierlehrern, hat früh Kontakte zu den besten Pianisten in den 50er Jahren. Gut für ihre Karriere. Allerdings versucht Martha dann in ihrer Jugend, sich gegen die Mutter aufzulehnen und dieses Auflehnen prägt ihre Persönlichkeit. Sie hat beispielsweise immer großes Lampenfieber und von ihrem Können selbst keine hohe Meinung, also sagt sie häufiger Konzertauftritte ab und gibt drei Jahre lang gar keine Konzerte. Sie braucht lange, bis sie zu jemandem Zutrauen fasst. Ihre drei Ehemänner sind alles Kollegen aus der Musikbranche, die sie vorher schon lange gekannt hat. Von ihnen hat sie drei Töchter, deren Aufwachsen sie aber nur partiell mitbekommt, da sie auch noch als erwachsene Frau immer wieder von ihrer Mutter angetrieben wird. Sie versucht erneut, sich von ihrer Mutter zu lösen, zieht in andere Städte, schart viele Freunde und Leute, die sich dafür ausgeben, um sich. Sie ist großzügig, hilft vielen Menschen, bis die Mutter sie wieder an die Kandarre nimmt. Erst mit deren Tod kann Martha ein selbstbestimmtes Leben führen.

Der Untertitel des Buches ist „Die Löwin am Klavier“. Natürlich berichtet das Buch auch über die legendären Auftritte und Einspielungen der Künstlerin und die Bezeichnung als Löwin bekommt dabei einen Sinn. Schade ist, dass es im Buch kein Personen-, Orts- und Sachverzeichnis gibt. Viele berühmte Namen tauchen im Laufe des Buches auf und ich würde bei anderen Gelegenheiten gerne diese Passagen noch einmal lesen. Da muss ich jetzt im Buch suchen. Schön hingegen sind die Auflistungen ihrer Einspielungen, der Konzerte und DVDs sowie ein tabellarischer Lebenslauf.

Und warum liegt neben dem Argerich-Buch das Buch über Leonard Bernstein? Darüber schreibe ich übermorgen!