Erwarten Sie Wunder!

In den letzten Wochen habe ich meine Kaffeepause am Nachmittag mit diesem Buch verbracht, da wir am Montag Karten für ein Konzert mit Kent Nagano in Düsseldorf hatten.

In einer Fernsehsendung über Dirigenten hatte ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal von Herrn Nagano gehört und ihn während des Dirigierens auch gesehen. Für mich hatte er damals eine besondere Ausstrahlung und seitdem wollte ich ihn gerne einmal live erleben.

Das Buch diente als Vorbereitung zum Konzert und war eine wunderbare Lektüre. Nagano erzählt von seinem musikalischen Leben, das schon früh in seiner Kindheit begann. Sein Elternhaus in Kalifornien war ein Haus der Musik, aber auch sein charismatischer Musiklehrer hatte großen Einfluss auf ihn. Zwischen den Texten zu seinem Leben finden sich mitreißende Kapitel zu einzelnen Komponisten. Bach und Bruckner sind für Nagano die Lichtgestalten, aber auch die Werke von Schönberg und Beethoven fordern ihn immer wieder heraus, sie neu zu interpretieren. Naganos Begeisterung ist hier schon ansteckend, das erfährt aber noch eine Steigerung, wenn er über die Bedeutung von klassischer Musik für jeden Einzelnen, für eine Gesellschaft, ja für die ganze Welt schreibt. Er besucht beispielsweise einen Hirnforscher, der die neusten Ergebnisse vorstellt, inwieweit klassiche Musik sich auf das Befinden eines Menschen auswirkt. Er schreibt über Projekte, bei denen Menschen aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten gemeinsam klassische Musik hören. Die Musik wird zum verbindenen, Frieden stiftenden Element.

Nagano hat große Befürchtungen, dass die klassiche Musik immer mehr ins Abseits gerät und dadurch viele Menschen das Wohltun dieser Musik nicht mehr kennenlernen. Er hasst „Grauköpfe“ Konzerte, bei denen die Haarfarbe vom Alter der meisten Besucher zeugt und tut sehr viel, um besonders jungen Menschen klassiche Musik näher zu bringen.

Nach der Lektüre war ich wie beseelt und dankbar, die Chance zu haben, noch so viele musikalische Entdeckungen machen zu können. Bei seinen Konzert zusammen mit dem Montrealer Symphonieorchester war dies dann auch direkt der Fall. Es wurden Stücke von Debussy, Mozart, Strawinsky und Ravel gespielt. Das „schwächste“ war sicherlich das von Mozart, aber es war auch eine Atempause zwischen Debussys „Jeux“ und der berühmten Ballettmusik „Sacre du Printemps“.


Ich kannte das Strawinsky-Stück schon aus einem anderen Konzert. Damals hatte ich beim Hören die Bilder im Kopf, die zu der Geschichte des Balletts gehören (Beschreibung eines heidnischen Rituals mit einem Menschenopfer) und war schon sehr beeindruckt, doch dieses Mal nahm ich die Anregung von Konrad Beikircher auf, das Musikstück als Ausdruck des 20.Jahrhunderts zu hören und war wie elektrisiert. Wenn man mal so richtigen Weltschmerz hat, dann ist dieses Stück bestens geeignet, Dampf abzulassen, um es mal salopp auszudrücken. Wild, schräg, laut, aggressiv, verstörend, nur manchmal kleine Einsprengsel harmonischer Klänge. Schließen Sie die Augen und hören sie selbst:

Bestens dazu passte dann auch Zugabe dieses besonderen Walzers von Ravel:

Und alles von Kent Nagano dirigiert…was für ein Abend! Wenn Sie keine Zeit oder Lust haben, das Buch zu lesen, hier ein kurzer Film über den Dirigenten:

P.S. Im Konzert in Düsseldorf waren die Haarfarbenvariationen übrigens erfreulich vielfältig.

Morgen habe ich wieder eine Hörbuch/Leseempfehlung für Sie.

Stoffliches

Jetzt beginnt wieder die Zeit der Stoffmärkte. Vorletzten Freitag war ich erneut in Bochum. Von diesem Markt berichtete ich schon einmal vor zwei Jahren (siehe unten) und wusste deshalb, dass es dort auch einen Stand mit japanischen Stoffen gab. In diese hatte ich mich damals sofort verliebt aber keine gekauft, da ich noch keine konkreten Pläne hatte, was ich überhaupt nähen wollte. Das war jetzt anders, denn seit ich den Nähkurs besuche, begleitet mich auch dieses Buch.

Hier schreibe ich alles zum Thema Nähen auf, sei es das im Kurs Gelernte, Tipps von anderen Teilnehmerinnen oder aus Büchern oder eben auch Ideen, was ich alles nähen möchte. Neben den Bezeichnungen Hose, Kleid, Bluse usw. stehen dann direkt auch immer die benötigten Stoffmengen und auch die Stoffarten, die sich für das einzelne Projekt eignen.

Was die japanischen Stoffe angeht, so war am Freitag der Stand nicht da und ich war ein bisschen frustriert, was sich dann in sogenannten Frustkäufen äußerte.

Passen zu keinem meiner geplanten Nähprojekte, aber ganz ohne etwas Stoffliches wollte ich aus Bochum nicht weg.

Wieder zuhause, nahm ich mir ein paar Nähbücher vor, die ich mir irgendwann einmal zugelegt oder jetzt aus der Bücherei ausgeliehen hatte, um für die gekauften Stoffe passende Schnittmuster zu finden.

Ich wurde nicht fündig, aber die investierte Zeit war trotzdem nicht umsonst. Hier vier Kurzbesprechungen der Nähbücher:

Ich habe noch kein Nähbuch gefunden, das alle Themen beinhaltet und diese so erklärt, dass man es als Anfänger auch versteht. Aber der Titel oben links kommt dem schon recht nahe. Von der Grundausstatung über Stoffarten und deren möglichen Anwendungsgebiete, der Auflistung aller Saumvarianten, Abnähermöglichkeiten oder Nähstichmustern findet man sehr viele Fragen zum Thema Nähen beantwortet und dank vieler Bilder versteht man auch die Anleitungen recht gut.

Oben rechts sehen Sie ein Buch, das Ihnen aus der Klemme hilft und das nicht nur, wenn der Knopf ab ist, sondern z.B. auch bei Löchen im Stoff, zu eng gewordenen Hosen, offenen Säumen oder eingeklemmten Reißverschlüssen.

Links unten wird das Nähen von Basics gelehrt, aber nicht mit Schnittmustern, sondern anhand von jeweils ca. 20 Bildern. Dazu werden zu jedem Basic noch zig verschiedene Variationsmöglichkeiten vorgestellt. Diese gehören z.T. schon etwas einem älteren Modegeschmack an, aber da kann man ja auch selber noch kreativ werden.( Was ich momentan allerdings nicht bin, aber da kann das Buch ja nichts für)

Im letzten Buch fand ich die besten Erklärungen für alle Grundbegriffe beim Nähen und gute Tipps für das Kopieren von Lieblingsstücken. Es werden aber auch konkrete Nähprojekte vorgestellt, deren Anleitungen fand ich allerdings eher mäßig.

Morgen und übermorgen wird mal wieder die Kategorie „Fotostunden“ gefüttert.

Nicht überzeugend

Vor ein paar Wochen besprach ich das Buch „Glücksfall Alter“ aus dem Herder Verlag und war von angetan. Nun bekam ich dieses Buch geschenkt, das sich auch mit dem Thema Alter beschäftigt.

Das Buch erschien letztes Jahr und schaffte es auf Platz 1 der Bestsellerliste. Ich mag Herrn Hirschhausen ganz gerne, Herrn Esch kannte ich nicht. Gespannt fing ich mit der Lektüre an, die als Dialog zwischen den beiden gestaltet ist. Leider war ich aber bald schon skeptisch, denn Herr Esch zog für meinen Geschmack zu viele Statistiken und Befragungsergebnisse heran, um die Theorie von Glücks-Typ A,B und C zu untermauern. Demnach ist man z. B. in den mittleren Jahren (ca. 30-60) im „Tal der Tränen“ und muss sich mit Glückstyp B begnügen, d.h. alles ist eigentlich im Leben schrecklich und nur, wenn wir dem Schrecklichen entfliehen können, verspüren wir den Glückstyp B. Im Alter sind wir dann reif für Glückstyp C, sprich, wir werden gelassen, zufrieden, lassen los. Einwende, dass z.B. im Alter Krankheiten zunehmen, viele Menschen einsam sind oder durch den Tod des Partners einsam werden oder auch finanzielle Probleme haben, werden mit weiteren Befragungsresultaten entkräftet. Menschen sind im Alter zufrieden. Punkt.

Die beiden Autoren geben dann noch Tipps für ein noch zufriedeneres Leben im Alter, u.a. sollte man Sport treiben, ein Musikinstrument spielen, mehr in der Natur sein, meditieren, sich ehrenamtlich engagieren. Das ist nichts Neues und das lese ich auch in der Zeitschrift beim Friseur.

Jedes Buch, das bei einem Leser Lebensangst entkräftet und Mut macht, hat seine Berechtigung. Persönlich fand ich diesen Titel aber nicht überzeugend und bleibe lieber bei „Glücksfall Alter“.

Morgen gibt es wieder ein Rätsel zum Wochenende, fällt unter die Rubrik „Buchstabensalat“.

Hier wächst nichts

Wenn Sie vermuten, dass es in diesem Buch um Gartentipps geht, was man an den Plätzen in Ihrem Garten pflanzen kann, an denen Sie sich schon mehrmals die Haare gerauft und viel Geld für immer wieder neu gekaufte Pflanzen ausgegeben haben, so vermuten Sie nur zu einem Achtel richtig.

Kennen Sie zufällig die Känguru- Chroniken von Marc-Uwe Kling? Falls ja, dann stellen Sie sich vor, das Känguru hätte sich in einem „Special“ mal des Themas Garten angenommen. Dann wissen Sie auch, wie dieses Buch ist und müssen eigentlich nicht mehr weiterlesen.

Falls sie das Känguru nicht kennen, dann kommt jetzt die Besprechung zu diesem Gartenbuch. Also…

Von „Der richtige Spaten“ und „ Mein Kind soll auch gärtnern“ über „Traurige Verkehrsinselbepflanzung“ und „Vorurteile über japanische Gärten“ bis zu „Jammertal der Gartenzeitschriften“ und „ Diese Gesellschaft verdient Steinvorgärten“ reicht die Themenpalette dieses Buches. Kurze, knackige Kapitel mit passenden Bildern und einem Autor, der kein Blatt vor den Mund nimmt: Kritisch, etwas subversiv und manchmal herrlich sarkastisch. Dazwischen dann Interviews mit anderen Gartenfachleuten und überzeugende Tipps für Sträucher, Stauden und Rosen. (Der Autor hasst eigentlich Rosen, gibt dann aber doch Namen von 12 Rosen preis, die eigentlich in keinem Garten fehlen sollten. Seltene Namen, die ich alle nicht kannte, obwohl ich letztes Jahr Rosenbücher aus der Bücherei abtransportiert habe, um die richtige Rambler-Rose für meinen Garten zu finden- Ich hätte vorher dieses Buch lesen sollen).

Darf man so ein despektierliches Gartenbuch schreiben? Der Autor darf, denn in einem Kapitel schreibt er auch über seinen Werdegang als Gartenplaner und Journalist für Gartenfragen. Er fing bereits mit sechs Jahren an, Gärten auf dem Papier zu gestalten und kurz danach, einen Teich anzulegen.

Die Känguru-Chroniken höre ich inzwischen zum dritten Mal, bei diesem Buch könnte es auch sein, dass es zu einer Dauerleseschleife kommt.

Morgen kommt ein Beitrag zum Thema Duft, nicht im Garten, sondern im Haus.

Ach ja, hier übrigens mein erstes Gartenfoto in diesem Jahr (von Freitag):

Ach ja Nr. 2: Sie ist aus ihrem Winterquartier zurück:

Hätte es nicht besser schreiben können

Am 3. Januar beendete ich dieses Buch,

morgens am 4.1. erscheint diese Besprechung in der WAZ. Ich versuchte sie beim Schreiben meiner eigenen Besprechung zu ignorieren, kam aber immer wieder auf einzelne Sätze des Zeitungsartikels zurück. Diese Buchbesprechung ist einfach gut, warum also das Rad neu erfinden?

Zwei Anmerkungen habe ich allerdings trotzdem noch: Dieses Buch widmet sich hauptsächlich dem Jazz. Das ist eine Musikrichtung, deren Stücke ich nur dann zum Hören auswähle, wenn ich in Jazzstimmung bin. So kenne ich mich nicht sehr gut bei den einzelnen bekannten Jazzmusikern aus und war deshalb etwas schockiert, als ich las, wie viele hochbegabte Jazzmusiker in den 40er bis 60er Jahren jung gestorben sind. Welchen Stellenwert hätte der Jazz in unseren heutigen Gesellschaft, wenn diese große Zahl an Künstlern lange gelebt hätte und unseren Musikgeschmack viel mehr hätte beeinflussen können?

Das Buch basiert auf Texten und Musik aus zwei Radiosendungen, die Willemsen zu Lebzeiten bestritten hat. Wenn man es liest, will man sofort die Lieder hören, ja muss sie hören, um Willemsens Texte noch besser goutieren zu können. Ich weiß nicht, ob das Buch wirklich so viel teurer geworden wäre, wenn man eine MP3 CD mit den besprochenen Liedern beigelegt hätte. Auf Spotify gibt es eine von einem Privatmann zusammengestellte Playlist mit fast allen Stücken, nur muss man sich bei Spotify anmelden. Wäre eine pfiffige Idee vom Fischer Verlag gewesen, diese Playlist auf der Homepage bereitzustellen, auch gerne gegen eine Gebühr. Die beiden CDs, die mit einigen Texten und Musikstücken. veröffentlicht wurden, haben den Stellenwert zum Buch wie eine Vorspeise zur Hauptspeise.

Ich schicke Sie jetzt in ein langes Wochenende, bin am Dienstag wieder für Sie da. Tschüss!

 

Alt, aber nicht zu alt

Dieses Buch fand ich im Bücherschrank auf der Kaldenhauser Liebigstraße. Da ich dieses Jahr einen 0-Geburtstag vor mir habe, war der Titel für mich so etwas wie der Wink mit dem Zaunpfahl.

In dem Buch finden sich 15 Thesen für unsere heutige Gesellschaft, wobei die Mehrzahl der Aussagen sich auf das Älterwerden bezieht, es aber auch provokante Aussagen gibt, wie z.B. zur niedrigen Geburtenrate (Autoren sehen das als sehr positiv an), Verteilung der Bildungsausgaben ( es muss mehr für die Bildung der Alten getan werden) oder Terrorismus (zu hohe Geburtenraten in Entwicklungsstaaten fördern Gewalttaten dieser Art).

Zum Thema Altwerden:

Die jetzt älter werdenden Babyboomer stehen vor einer noch nie dagewesenen Situation. Früher bestand das Leben aus Kindheit und Jugend-Erwachsensein-Altsein, wobei das Altsein Zeit ließ, sich etwas um seine Briefmarkensammlung zu kümmern bis man starb. Heute, wo alle Menschen sehr viel älter werden, ist die Zeit von 60-80 Jahren ein neues Zwischenleben, das es mit sinnvollem Zeitverbringen zu füllen gilt. Dafür gibt es noch keine wirklich guten Rezepte und so sind die Erfahrungen dieser Generation für die Zukunft äußerst wichtig.

Ehrenämter auszufüllen ist gut und schön, aber die Autoren regen beispielsweise auch an, Möglichkeiten für bezahlte Arbeit zu schaffen, die altersentsprechend sind und gibt dafür mehrere Beispiele. Die Erfahrung und die Zeit der Älteren gepaart mit der Neugierde und dem Enthusiasmus der Jüngeren wären für die Zukunft der Gesellschaft so sehr gewinnbringend.

Wenn man sich in diesem „Zwischenleben“ befindet, sollte man nicht einem schnell lächerlich wirkenden Jugendwahn verfallen und abnehmendes Verlangen nach Sex nicht mit dem Verlust von Liebe gleichsetzen. Auch muss gut überlegt sein, ob Träume, die man seit langer Zeit hegte, jetzt wirklich noch erfüllt werden müssen, selbst, wenn das Bauchgefühl eigentlich etwas Anderes sagt. Ganz wichtig deshalb: Das Loslassen von alten Vorstellungen und auch von überflüssigem Besitz. Nur so kann man offen sein für viele neue Erfahrungen in dieser Lebensphase.

Ich bejahe nicht jede Aussage dieses Buches und doch könnte ich noch so viel mehr schreiben. Aber eigentlich wäre es besser, wenn Sie das Buch selber lesen. So gibt es auch noch bemerkenswerte Gedanken über Einsamkeit und Alleinsein, das Kranksein im Alter und auch über den Tod.

Und sei es auch nur im tiefsten Inneren, so hat jeder zeitweise Angst vor dem Alter und vor dem Sterben. Wie der Untertitel des Buches andeutet, muss diese Angst nicht sein, wenn man einige Wahrheiten und bisher eher noch unkonventionelle Ideen beherzt. 

Sollten Sie das Buch lesen wollen, stören Sie sich nicht daran, dass es von 2007 ist. Es hat sich seitdem nichts an der Situation der älteren Menschen geändert. Oder doch, eigentlich schon: Die heute 60-80jährigen sind noch jünger im Geiste geworden. Die Affinität zu neuen Technologien ist gewachsen und sie fangen an, sich mehr in politischen Fragen und für die Umwelt zu engagieren. Schließlich hatte diese Generation ihre Jugend in der „Der Jute statt Plastik“ – und „Atomkraft nein danke“-Zeit.

Morgen stelle ich Ihnen die Phrasendreschmaschine vor und verbinde dies mit einem Rätsel.

 

 

Manipulation aus Stein

Wenn man eine Kathedrale besucht, dann ist es offensichtlich, dass die Höhe des Gebäudes dazu beiträgt, dass man als Besucher der Kirche mehr oder minder erfurchtsvoll nach oben sieht und sich dabei ganz klein fühlt. Doch gibt es in unseren Städten noch weitere Gebäude, Plätze oder Straßen, die uns durch ihre Form, ihre Größe oder Länge oder auch durch ihre Baumaterialien manipulieren ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Dieses Buch öffnet uns die Augen:

Der Autor ist Neurowissenschaftler und Experimentalpsychologe und untersucht das Verhalten der Menschen in Städten und Räumen. Er schreibt über den heutigen Status Quo der Erkenntnisse auf diesem Gebiet und gibt dabei viele anschauliche Beispiele. (So habe ich beispielsweise gedacht: „Schade, dass diejenigen, die für die Umgestaltung des Duisburger Bahnhofplatzes zuständig waren, das Buch nicht vorher gelesen haben). Colin Ellard wirft auch einen Blick in die Zukunft, die schon angefangen hat, doch deren Konsequenzen ich mir erst nach der Lektüre richtig ausmalen konnte. Gemeint sind die virtuellen Realitäten. Es stecken sehr viele positive Möglichkeiten in dieser Technik, doch haben mich manche beschriebenen Auswirkungen fatal an den Film „Die Zeitmaschine“, gedreht nach dem Buch von Wells, erinnert. In ferner (???) Zukunft sind die Menschen dank Gehirnwäschen und Verunselbständigung nur noch Puppen, mit denen diejenigen, die das Sagen haben, alles machen können. Gruselig!

Um Ihnen einen Einblick in den Schreibstil zu geben, hier eine kurze Textpassage:

P.S. Oculus Rift ist eine Firma, die Brillen für virtuelle Realitäten herstellt.

Im Laufe des Jahres denke ich immer wieder:“Das ist das beste Buch, das du dieses Jahr gelesen hast! Besser wird es nicht!“ Aber dann kommt wieder ein Buch, das mich richtig begeistert. Wie dieses hier (oder das von gestern)…

Morgen wird auch gebaut, aber spontan im Garten.

 

Der Röntgenblick in Bauwerken

Die Ideen zu den Fragen meines Wochenendrätsels bekam ich aus diesem Buch.

Geschrieben ist es von einer indischen Ingenieurin, die momentan als eine der führenden Wissenschaftlerinnen in der Welt angesehen wird und schon mehrmals für Ihr Tun ausgezeichnet wurde.

Einer der ersten Gedanken, die ich bei diesem Buch hatte war: „Hättest Du doch so eine Physiklehrerin gehabt!“ Wir begleiten sie beim Lesen zu mehreren Gebäuden und Brücken, an deren Bau sie beteiligt war und sie erklärt mit ganz einfachen Zeichnungen, welche physikalischen Kräfte wie beim Bauen wirken. Aber es sind nicht nur diese Kräfte, die Ingenieure beachten müssen, sondern beispielsweise auch elementare wie  Wind, Regen oder Hitze. Fragen: Wie ist die Bodenbeschaffenheit, wo gebaut werden soll? Ist es ein Erdbebengebiet? Welche Luftverschmutzung herrscht an dem Ort? kommen dazu. Das ist die eine Seite. 

Die andere Seite: Wenn ein Ingenieur die Pläne des Architekten bekommt, muss er sich mit den gewünschten Baumaterialien beschäftigen. Ist der Entwurf so mit Glas, Stahl, Beton zu verwirklichen?  Die Autorin nimmt den Leser mit auf einen geschichtlichen Exkurs des Baumaterials. Wer brannte den ersten Ziegel? Wer erfand den Stahlbeton? Dabei wird das Buch zu einem Reiseführer, denn sie stellt Bauwerke vor, die für die Geschichte der Bauingenieurskunst von großer Bedeutung sind.

Am Ende des Buches gibt es noch Schmankerl. Da ist einmal die Geschichte von Emily Warren Roebling, die durch den Tod ihres Schwiegervaters und die Krankheit ihres Mannes in die Rolle einer Ingenieurin quasi hineinwuchs und die New Yorker Brooklyn Bridge zusende baute. Damit ist sie wohl überhaupt eine der ersten Ingenieurinnen.

In zweiten Schmankerl erzählt Roma Agrawal. wie ihr zukünftiger Ehemann, den sie zuerst gar nicht mochte, sie mit Geschichten über besondere Brücken bezierzte und lässt uns an den Geschichten teilhaben.

Das Buch ist in einem lockeren Ton geschrieben. Die Begeisterung der Autorin für die Ingenieurskunst ist ansteckend, so ansteckend, dass ich folgenden Zeitungsartikel, der vor einigen Tagen erschien, schon viel interessierter las:

Wieder ein Buch, das dazu beiträgt, die Selbstverständlichkeit, mit der man vieles einfach hinnimmt, etwas zu minimieren.

Nein, ich habe die Antworten auf meine Rätselfragen nicht vergessen! Vielleicht lesen Sie sich die  Fragen jetzt noch einmal durch, nachdem Sie wissen, welches Thema das Buch hatte? Dann sind die Antworten eigentlich klar.

Das Pendel im Wolkenkratzer Taipei 101 dient dazu, bei Erdbeben den Tower zu stabilisieren.

Elfenschornsteine stehen in der Türkei, genauer gesagt in Kappadokien und sind bizarre Felsformationen aus Vulkangestein.

Die Rindenspinne schafft es, 25 Meter lange Spinnetze über Flüsse zu spinnen. (War aus einer dieser besonderen Brückengeschichten). Die Rinde in ihrem Namen weist auf ihr Aussehen hin.

Nachdem ich Ihnen heute ein Buch vorgestellt habe, dass das Bauen erklärt, bespreche ich morgen ein zweites Buch, in dem es darum geht, wie Gebäude auf uns wirken und was sie mit unserer Psyche anstellen können.

 

 

 

 

 

 

Ich hätte mich jetzt gerne mit ihm unterhalten

Der Schriftsteller Dieter Wellershoff ist im Juni dieses Jahres gestorben. Als ich von seinem Tod las, kamen bei mir Erinnerungen zurück an seine Lesung in meiner „kleinen“ Bücherinsel Anfang der achtziger Jahre. 

Herr Wellershoff war damals freundlich, ruhig, fast distinguiert und hatte für mich die Aura eines großen Gelehrten. Das schüchterte mich als Mittezwanzigjährige ein und ich habe nicht viele persönliche Worte mit ihm gewechselt. Wie sehr bedauere ich dies jetzt! Anläßlich seines Todes erschienen diverse Nachrufe und es wurden Teile von alten Interviews und Auszüge aus Büchern veröffentlicht. Einiges habe ich gelesen und manche Sätze sprachen mich sehr an. Hier ein Beispiel:

Das Leben bekommt sogar durch den Tod seinen Wert. Das Leben ist das, was wir erzählen müssen, auch weil es uns genommen wird, oder in das wir hineinkommen, weil wir es uns zu eigen machen und es dadurch zu einer eigenen Sache machen, also ein Gewinn an Erfahrung.

Trost wegen der verlorenen Chance einer Unterhaltung spendete mir dieses Buch von ihm:

Wellershoff war zeitlebens ein großer Kunstliebhaber und hat mit 87 Jahren für dieses Buch 230 Bilder von knapp 80 Künstlern ausgewählt, die für ihn etwas Besonderes darstellen. 

Man begegnet nur wenigen sehr berühmten Bildern wie z.B. „Der Schrei“ von E. Munch oder „Guernica“ von Picasso. Vielmehr lädt er zum Betrachten von Gemälden ein, die entweder von unbekannteren Künstlern stammen oder aber in der Schaffensmenge angesagter Maler den Durchbruch an Bekanntheit in der großen Öffentlichkeit bisher nicht schafften, obwohl sie es verdient hätten. Je länger man in dem Buch zuerst die Bilder betrachtet, desto mehr achtet man auf Einzelheiten, macht sich seine eigenen Gedanken und ist dann gespannt, was Wellershoff zu den Bildern schreibt. Und da sind sie dann wieder, diese tollen Sätze von ihm, die man unterstreichen möchte.

Adolph Menzel, Ilja Repin, Neo Rauch und Mark Rothko- vier Künstler, zu ihnen fand ich bisher entweder keinen Zugang (Rauch und Rothko) oder wusste ihr meisterliches Können nicht richtig zu würdigen. Der Blick auf ein kleines neues Universum wurde für mich freigelegt und dafür bin ich Herrn Wellershoff sehr dankbar.

Morgen geht es mit der Rouissillon-Reise weiter und wir fahren durch die Weinberge.

 

 

Ich schwelgte aus gutem Grund

In den letzten Wochen habe ich immer wieder ein Kapitel in diesem Bildband gelesen, bzw. in den Fotos geschwelgt.

Dreißig amerikanische Frauen und Männer, die sich für ihre kreativen Stunden ein eigenes Refugium geschaffen haben, öffneten ihre Türen. Ihre Ateliers werden in dem Buch beschrieben, die Künstler geben bereitwillig Auskunft, was für sie dieser Ort bedeutet. 

Die Ateliers unterscheiden sich teilweise sehr. Manchmal sind sie nur ein paar Quadratmeter groß, dann hat ein Künstler 6000 qm zur Verfügung. Auch kommt es darauf an, was der Einzelne künstlerisch macht. Ist es z.B. Schmuck entwerfen, Skulpturen erschaffen, Beschäftigung mit Airbrush oder mit alten Papieren und Fundstücken für ausgefallene Collagen und Assemblagen. Strukturiertes Sammeln gepaart mit kreativem Chaos und besonderen persönlichen Erinnerungsstücken, so kann man das Erscheinungsbild fast aller Studios beschreiben. Interessant fand ich, dass mehrere Künstler erzählten, dass das immer wieder  Neu-Arrangieren von Gegenständen für sie sehr wichtig sei, da das einen kreativen Schub gäbe.

Die Gemeinsamkeiten der Ateliers: Es wird fast überall inspirierende Musik gehört. Das Atelier ist für die einen fast wie ein Kokon, in dem sie angeschirmt sind von den Unbillen des Alltags. Auch bezeichnet eine Künstlerin ihr Studio als Erinnerungsmuschel. Dieser Raum tut allen gut, Körper und Seele entspannen. Eine andere Frau sagt, das es ein Raum ist, in dem nur Gutes entsteht, für sie selbst und ein Kunstwerk, das die Welt ein bisschen schöner und/oder freundlicher macht.

Der Titel dieses Blogbeitrags gibt einen Hinweis auf ein persönliches Anliegen. Im Februar schrieb ich, dass ich mir im Keller unseres Hauses eine kleine Werkstatt eingerichtet hätte. Ich habe dort auch einige Zeit verbracht, doch war letztendlich die stets kühle Temperatur nicht zuträglich und mir fehlte auch das Tageslicht. Nun hat sich eine neue Situation gegeben und ich kann „ans Licht ziehen“. Ein Raum in der ersten Etage mit Blick auf unseren Garten wird nun mein „Atelier“ (Oder ist es doch eher ein Studio, ein Hobbyraum oder eine Werkstattt)? Bis es ganz fertig eingerichtet ist, wird es noch dauern, aber ein paar Einblicke biete ich Ihnen morgen. Beim Fotografieren des Raumes habe ich gemerkt, dass ich einige Anregungen aus dem Buch übernommen, aber teilweise auch andere Bedürfnisse habe, verglichen mit den Künstlern der Buches. Für mich ist es keine Muschel, ich brauche Platz zum Durchatmen…