Abschied aus Litauen (Lit\Let-Reise Nr.6)

Unser Ziel am 4.Tag war Jūrmela in Lettland. Doch zuvor besuchten wir noch den litauischen Berg der Kreuze.

Auch hier wieder das Thema Religion mit vielen Fragen, Widersprüchlichkeiten.

Den Berg mit den Kreuzen gibt es seit Mitte des 19.Jahrhunderts. Er war zuerst ein Wallfahrtsort, während und nach dem zweiten Weltkrieg gingen Angehörige dort hin und stellten Kreuze auf für alle, die von den Sowjets nach Sibirien abtransportiert wurden. 1961 walzte die sowjetische Regierung den Berg platt, da Religiöses nicht zum Kommunismus passte. Doch die Bevölkerung brachte immer wieder Kreuze zu dieser Stelle und leistete stillen Widerstand. Mit dem Abzug der Sowjets endete dieser Krieg und 1993 las Papst Johannes Paul II am Berg vor 100000 Gläubigen eine Messe.

Der Berg der Kreuze hat also heute viele Bedeutungen: religiöse, politische und monetäre. (Heute eine große Touristenattraktion mit vielen Kreuz-Verkaufsständen.)

Zum Abschied aus Litauen habe ich noch ein dort sehr bekanntes Lied für Sie, das von einer deutschen Sängerin, die in Litauen geboren wurde, interpretiert wird:

Gegen Mittag kamen wir dann in Jūrmala an, wo wir drei Nächte übernachteten. Das alte Seebad bietet architektonische Zeitreisen ab dem 19. Jahrhundert an. Da der Ort aus mehreren Stadtteilen besteht, die sich 25 km am Meer entlangziehen, kann man hier schon wunderbar einen ganzen Tag verbringen, um alles z.B. mit dem Rad zu entdecken.

Patinaalt bis supermodern- wie eine Werkschau der verschiedenen Baustile.

Aber Jūrmela ist auch für Naturliebhaber eine 1A Adresse. Am Ende des Ortes gibt es einen Nationalpark, die Strände sind überall lang und breit, fährt man ein bisschen aus der Stadt heraus wird es noch einsamer. Die Radwege sind sehr gut, ebenso die Wanderwege.

Oben links: Eine Küchenschelle im Nationalpark. Bei uns ist es eine Gartenpflanze.

Jūrmala ist ein sehr beliebtes Seebad, so dass die touristische Infrastruktur einen hohen Standard hat. Sicherlich spielt auch die Nähe zur Hauptstadt eine Rolle. Für 1,50 Euro kann man sich in den Zug setzen und ist in einer halben Stunde in Riga. Das haben wir dann auch an unserem letzten Tag gemacht und nach dem morgigen Wochenendrätsel kommt am Montag der letzte Bericht über unsere Reise.

Litauen-Lettlandreise Nr.5-Die Kurische Nehrung

Einmal auf der höchsten Düne Europas stehen, das war schon lange mein Traum. Bei jeder Fernsehsendung oder jedem Durchblättern eines Bildbandes fand ich den Blick von oben über das Meer und die anderen Dünen traumhaft schön. Ja und so war es dann auch…

Um 9 Uhr mit der Fähre übergesetzt, hatten wir die Dünen kurze Zeit für uns alleine. Dann kam die erste österreichische Reisegruppe…

Die Kurische Nehrung sind aber nicht nur Dünen, Wald und mit etwas Glück Elche, sondern man kann auch kleine ehemalige Fischerdörfer besuchen. Das bekannteste ist Nida (früher Nidden), da hier Thomas Mann mehrere Jahre mit seiner Familie die Sommerferien verbracht hat. Dieses Haus kann man besichtigen, in seinem Arbeitszimmer eine Gedenkminute einlegen, wenn man Mann-Fan ist. (War ich vorher nicht, bin es jetzt auch nicht geworden. Sein Verhalten gegenüber seinen Kindern macht ihn mir unsympathisch.) Man kann aber auch einfach nur durch das Dorf schlendern und sich an den Häuschen und ihren Gärten erfreuen und danach z.B. eine delikate Rote-Beete-Suppe essen, die in dieser Gegend oft angeboten wird.

Oben links Mann-Haus und Blick aus seinem Arbeitszimmer, unten links ein Beispiel der prächtigen Segelschiffwipfel, die für die Nehrung-Fischer typisch waren.

Wir blieben bis zum Nachmittag auf der Nehrung, setzten dann wieder über, um uns noch den Festland -Landstrich anzusehen, der an der Innenseite der Nehrung liegt. Hier sollte es noch ein bisschen so aussehen wie früher, bei mir hieß das, früher, als man Vater hier als Kind gelebt hat.

Ich weiß jetzt, warum ich den Niederrhein so liebe- das Flache und die weite Leere, die hier allerdings wirklich weit war, die Besiedelung ist sehr gering

In dem Dorf Minija fanden wir diese Tafel, die die Namen der Bauernhofbesitzer anzeigt. Viele deutsche Namen-1956. Von den 45 Gehöften sind heute nur noch 12 übrig geblieben.

Um mir noch mehr die damalige Stimmung zu verdeutlichen, las ich die „Litauischen Geschichten“ von Hermann Sudermann. Er wurde im hiesigen Memelland geboren und schrieb die vier Erzählungen 1906. Der Autor war damals der Konkurrent von Gerhard Hauptmann und schrieb ebenfalls über die Nöte des kleinen Mannes. Die Geschichten sind auch heute noch gut lesbar und besonders die ersten beiden gehen immer noch zu Herzen.

Für mich war das schönste Tag unseres Urlaubs, aber Besonderes gab es auch noch in den nächsten Tagen. Morgen verlasse ich Litauen und der Lettland Urlaub beginnt.

Die Traumsammlerin

Die Musik von Patti Smith begleitet mich schon mein ganzes Leben lang, aber erst jetzt entdeckte ich ihre Bücher und besonders bei diesem komme ich ins Schwärmen.

In diesem schmalen Band erinnert sie sich an Szenen in ihrer Kindheit, denkt an Freunde, erzählt von einsamen Tagen als Erwachsene, schreibt Gedichte. Dabei geht es nicht so sehr darum, was sie erlebt hat, sondern um ihre Eindrücke und Gefühle. Das ist so schön und teilweise ergreifend, dass ich das Buch gerade ein zweites Mal lese, um Bilder, die sie mit ihrer poetischen Sprache heraufbeschwört erneut zu genießen oder weitere zu entdecken. Wunderbar passend: Alte Schwarzweißfotos aus ihrem Archiv.

Wünsche Ihnen ein schönes Wochenende-bis Montag!

Ein Co-Autor stellt sich vor (MB)

Miau!

Mein Name ist Minky und ich bin ab jetzt Co-Autor in diesem Blog. Meine Superkatze Linda hat mich dazu eingeladen, quasi als Wiedergutmachung, denn die ganzen Stunden, die sie an diesem Blog schreibt, gehen mir von meiner Kuschelzeit flöten. Bin also nicht gerade der größte Fan von diesem Blog. Aber wenn ich jetzt ab und zu auch mal meine Krallen in die Tasten schlagen und meine Meinung sagen kann bin ich etwas versöhnt.

Kurz zu mir: Bin 16 Jahre alter Kater und nicht einfach. Ja, das gebe ich zu, aber wer ist hier der Chef? Sicherlich nicht Superkatzen Linda und Michael (so nennen sie sich selbst, ich nenne sie eher Lakaien oder Dosenöffner, deren Ausbildung mir nicht optimal gelungen ist. (Auf dieses Thema komme ich später noch einmal zurück).) Als reinrassige europäische Mischmaschkatze bin ich nicht verzüchtet und deshalb gesundheitlich für mein Alter noch recht fit. Durchs Haus rasen, Mäuse jagen, mit Gänsefedern kämpfen- klappt alles noch tiptop. Natürlich sind die Pausen dazwischen jetzt länger als vor 10 Jahren, aber wen juckt das?

Apropos Pause. Habe ich jetzt mehr Lust drauf, als hier weiterzuschreiben. Verziehe mich.

Linda macht morgen weiter, mit welchem Thema- ich habe keine Ahnung.

P.S. Das ich hier zukünftig schreibe ist übrigens kein Aprilscherz.

P.S.2. Vielleicht noch kurz eine Anmerkung zu meinem blöden Namen. Den muss ich auf meine Kappe nehmen. Eigentlich sollte ich Mink heißen nach einer Musikgruppe, für die Linda damals schwärmte. Mink ist elegant, aber ein Name für unnahbare Herrenkatzen. Als ich als junge Katze ins Haus kam musste ich mich für eine Rolle entscheiden: Entweder stolzer und arroganter Kater oder armes kleines Katerchen. Beschloss den Weg der armen kleinen verkannten Katze zu gehen und da passte Mink nicht mehr. Schnell wurde ich zum Minky-Schätzchen, dem man fast jeden Wunsch von den Augen ablas.

Habe Linda mal was von Mink DeVille raussuchen lassen ( Augenaufschlag Nr. 17 reichte dazu), können Sie sich ja morgen am Pausentag anhören.

PS 3: Wenn Sie Katzenhasser sind und sich meine Beiträge nicht antun wollen, achten Sie im Titel auf das MB. Das ist quasi meine Signatur und Sie wissen dann, mit wen Sie es zu tun haben.

Lieblingswörter (Französischstunde Nr. 19)

Vor einiger Zeit blätterte ich mal wieder in diesem Buch:

Es erschien 2005 und lässt Leser und Leserinnen in deutscher Sprache schwelgen. Einem Aufruf folgend, nannten damals ca. 12000 Menschen aus dem In-und Ausland ihr Lieblingswort und erklärten auch jeweils ihre Entscheidung. Diese Begründungen sind lustig, poetisch, wissenschaftlich oder auch sehr erstaunlich und die besten werden in diesem Buch wiedergegeben.

Beim Lesen kam mir die Idee, welche französischen Wörter ich besonders mag und fing in den nächsten Wochen an, ein paar aufzuschreiben. Hier sind sie, allerdings ohne große Erklärung. Für mich ist der Klang ausschlaggebend:

Coucou! -Hallo! Ouistiti -komischer Vogel Époustouflant -verblüffend Coquelicot-Mohnblume Saperlipopette-Potztausend Bijou -Schatz Azimuté-Verrückt- Onomatopée -Lautmalerei. Abracadabrantesque- Haarsträubend

Besonders gefällt mir auch dieser Satz, der das Pendant zu unserem deutschen „Fischers Fritze“-Satz ist:

Sage chasseur âgé aux yeux chassieux sachez chasser sans chien chose aisée ce chat chauve caché sous ces six chiches souches de sauge sèche.

Wer es lieber etwas kürzer mag: Dans ta tente ta tante t‘attends (In deinem Zelt wartet deine Tante auf dich).

Und welche Wörter lieben nun die Franzosen in ihrer Sprache am meisten? Daraus mache ich morgen ein kleines Quiz zum Wochenende.

Wirklich lecker

Tut mir leid, der Ballettbeitrag wird auf nächste Woche verschoben, hatte einfach keine Lust, ihn zu schreiben

Stattdessen ein kleiner Bericht über ein Backexperiment.

Diese Mischung hatte ich mir vor Weihnachten gekauft und seitdem stand sie im Schrank. Da mich gestern mal wieder die Frühjahrsmüdigkeit streifte dachte ich mir, dass das Essen von Powerbrot genau das Richtige sei und fing spontan zu backen an. Neben der Backmischung brauchte man nur Öl, Essig und Wasser, ich konnte also sofort loslegen. Dann kam das Zusammenfalten der Backform aus Pappe…Sie ist eine Fehlkonstruktion, was mir in der Backanleitung insofern bestätigt wurde, dass man dort einräumte, dass sie beim Backen durch den Druck des Teiges und die Backofenhitze kaputt gehen könnte. Nein, einen verdreckten Backofen wollte ich nicht- was tun?

Ich zog alle Küchenutensilienregister und fand ganz hinten im Schrank diese Backform. (Hatte meine Mutter immer genommen, um „Kalte Hundeschnautze“ zu backen.). Perfekt, um die Form aus Pappe zu ummanteln.

Der Teig musste eine halbe Stunde ruhen, dann durfte er in die Backform. Um die ganze Teigmasse hineinzubekommen, musste ich ihn sehr pressen und drücken, schaffte es aber.- 1 Stunde bei 220 Grad backen, Backform kam auf mittlere Schiene, nicht vergessen, eine Schale Wasser neben die Form zu stellen.

Nach 45 Minuten musste ich das Brot aus dem Backofen nehmen, da es oben schon recht braun war. Innen war es noch etwas feucht, so ließ ich es weitere 15 Minuten in dem sich abkühlenden Ofen stehen. Nach dem das Brot kalt war, wollte ich elegant die Backform entfernen, das ging kaum, sie klebte an dem Brot! So musste ich mit dem Messer säbeln, so dass es keine vollendete Form gab. Aber…Das Brot ist sehr lecker!

Und eine Scheibe macht ganz schön satt. Die Inhalte:Sonnenblumen-und Kürbiskerne,Buchweizen- und Mandelmehl, Hanf- und Chiasamen, gehackte Mandeln,Flohsamenschalen und gekeimte Leinsaat.

Mal sehen, ob es die Backmischung auch ohne Firlefanz gibt, dann gäbe es eine Backwiederholung.

Welches ist Ihr Lieblingswort in der deutschen Sprache? Darauf komme ich morgen zu sprechen und schlage eine Brücke zum Französisch.

Die Ladenhüterin


Dieses Zitat kann ich nur zu ca. 50% für dieses Buch bestätigen.

Ich finde dieses Buch eher beklemmend und folgerichtig, allerdings hat es mich auch fasziniert und meinem Lesegedächtnis einen nachhaltigen Stempel aufgedrückt. (wollte mal etwas anderes schreiben als „einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen“).

Der Inhalt: Keiko ist ein praktisch denkendes kleines Mädchen ohne große Empathie für andere Mitmenschen. So greift sie z.B. zur Schaufel, als zwei Mitschüler sich auf dem Schulhof raufen und gesagt wird, dass man die Jungen auseinander bringen müsse. Mit einem Schaufelschlag auf einen Jungenkopf funktioniert das bestens. Die Eltern lieben ihre Tochter, doch bringt deren ungewöhnliches Verhalten ihnen viel Trauer. Da sie das Verhalten der Mitmenschen oftmals nicht versteht oder unlogisch findet, ihrer Familie aber keinen Kummer bereiten möchte, beschließt Keiko, nur noch das Allernötigste zu sagen und schafft es, die Schule zu beenden und sich auf der Uni anzumelden. Nebenbei arbeitet sie noch in einem Supermarkt und merkt bald, dass dies „ihre Welt“ ist. Man bringt ihr bei, welche Gesichtsausdrücke sie wann annehmen soll, wie man sich zu Kunden verhält und dass man auch in seiner Freizeit sich zum Wohle des Supermarktes verhalten muss, indem man sich gesund ernährt und genügend schläft. Keiko ist zwar nur eine Aushilfe, doch schon bald die beste Mitarbeiterin. Da sie auch noch die Sprache und das Aussehen ihrer Kolleginnen geschickt kopiert, findet sie bald Anschluss bei alten Schulfreundinnen und ihre Familie ist nun glücklich über ihr normales Verhalten. Jedoch bekommt diese Ruhe nach einigen Jahren Risse, als Keiko, inzwischen schon über dreißig, weder verheiratet ist, noch einen angesehenen Fulltime-Job hat. Alle fangen an, für Keiko unangenehme Fragen zu stellen und sie immer wieder zu drängen. Um ihre Ruhe zurück zu erhalten muss sie schließlich handeln und schlägt einen auf den ersten Blick praktischen Weg ein, der allerdings fast in einer Katastrophe endet.

Die Autorin arbeitet selbst in einem Supermarkt und wurde in Japan für ihr Erstlingswerk mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet. Was ich an diesem Roman beklemmend fand war nicht Keiko, sondern die Konditionierung der Gesellschaft, ein Anderssein nicht ertragen zu können. Folgerichtig ist deshalb Keikos Wohlfühlen in ihrem Supermarkt, denn hier gibt es Regeln, durch die sie zu einem angesehenen Mitglied einer Gemeinschaft wird. Ist das nur in Japan so? Nein, wie dieser WAZ Artikel vom Samstag beweist:

Morgen bespreche ich eine Hausapotheke zum Mitnehmen.


Auflösung zum Bücherrätsel

Hier nun die richtigen Antworten zum gestrigen Bücherrätsel:

Die Namen der Verlage lauten dtv, Hanser und Rowohlt

Die Reihenfolge der Bücher, nach ihrem Umfang sortiert, ist:

Der kleine Prinz/Der Räuber Hotzenplotz/Der Vorleser/Das Geisterhaus/Der Name der Rose

Alle drei Aussagen waren wahr!

Morgen erzähle ich, wie ich in das Innenleben einer Supermarktverkäuverin geguckt habe.