Das Wasser wird knapp- Mein Wassertagebuch

Es brennt, es ist heiß- man liest es überall und sieht es. Was mich jeden Tag noch mehr bedrückt ist die Tatsache, dass nach meinem Eindruck viel zu wenig über das Wasser gesprochen wird. Es wird immer knapper, was kommt da noch auf uns zu? Diese Gedanken kamen mir in den letzten Tagen, ich muss sie einfach mal loswerden.

26.7.2026: Ich erinnere mich plötzlich an einen Roman, bei dem es um das Thema Wasserknappheit ging. 2018 muss ich ihn gelesen haben. Genaues über den Inhalt weiß ich nicht nicht mehr, doch brannten sich mir damals im wahrsten Sinne des Wortes Bilder ins Gehirn und ich hoffte damals, dass es nie soweit kommen würde:

Norwegen, 2017. Die fast 70-jährige Umweltaktivistin Signe begibt sich auf eine riskante Reise: Mit einem Segelboot versucht sie die französische Küste zu erreichen. An Bord eine Fracht, die das Schicksal des blauen Planeten verändern kann.Frankreich, 2041. Eine große Dürre zwingt die Menschen Südeuropas zur Flucht in den Norden, es ist längst nicht genug Trinkwasser für alle da. Doch bei dem jungen Vater David und seiner Tochter Lou keimt Hoffnung auf, als sie in einem vertrockneten Garten ein uraltes Segelboot entdecken. Signes Segelboot.Virtuos verknüpft Maja Lunde das Leben und Lieben der Menschen mit dem, woraus alles Leben gemacht ist: dem Wasser. Ihr neuer Roman ist eine Feier des Wassers in seiner elementaren Kraft und ergreifende Warnung vor seiner Endlichkeit. (Inhaltsangabe von der Verlagsseite).

27.07.2026
Anstatt die Menschen dafür zu sensibilisieren, dass das Wasser knapp wird, verkündet man in Duisburg, dass mittelfristig genug Wasser da sei, d.h. füllt eure Pools, wascht die Autos, duscht, solange ihr wollt und gießt euren Garten bis sich Pfützen bilden. Dieser Beitrag erschien heute in der Rheinischen Post:

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Was heißt „mittelfristig“? In diesem Artikel kommt nicht vor, dass im Duisburger Stadtteil Ungelsheim Gärtner, die einen 15 Meter tiefen Brunnen auf ihrem Grundstück haben, kein Wasser mehr aus ihrem Brunnen bekommen. Der Grundwasserspiegel ist schon so weit gesunken.
Ich bin gespannt, wann die Stadt Duisburg zurückrudert und Verbote ausspricht.

Dabei könnte jeder jetzt schon freiwillig dazu beitragen, etwas Wasser zu sparen. Als älteres Semester erinnere ich mich gut daran, dass es früher üblich war, nur einmal pro Woche zu baden. An den anderen Tagen wurde der Waschlappen genommen- wir haben nicht gestunken!
Wenn man an den heißen Tagen duscht, warum nicht einen Eimer mit in die Duschwanne stellen und zumindest einen Teil des Wassers sammeln, um Böden damit nass aufzuwischen?
Auch wären wir früher nie auf die Idee gekommen, Zähne bei laufendem Wasser zu putzen. Wir füllten den Zahnbecher mit Wasser, das reichte.

Das hört sich lächerlich an? Wenn jeder seine Gewohnheiten etwas umstellen würde, kämen wir weiter.

Vor zwei Jahren installierten wir zwei Wassertonnen, um das Wasser vom Garten-bzw.Wohnhausdach aufzufangen. Diese 500 Liter Fässer sind inzwischen leer. Ich nehme weiterhin die gute alte Gießkanne und gieße die Pflanzen punktgenau an der Wurzel. (Nicht jeden Tag, sondern erst dann, wenn man ihnen den Durst ansieht. Viele Pflanzen sind resistenter als man denkt.)
In der Nachbarschaft wird automatisches Gießen bevorzugt. Spart natürlich Zeit, aber dabei erreicht das Wasser teilweise gar nicht den Boden und bleibt oben auf den Blättern.

28.07.2026
Mich nerven alle im Radio, die von einem supersonnigen Ferientag bei 30 bis 32 Grad reden und versprechen, dass das Wochenende nicht von Regen gestört wird.

29.07.2026
Lese meine alten Blogbeiträge zum Thema Wasser und merke, dass das Thema mich schon länger umtreibt. Der Wasserturm-Artikel von 2023 ist besonders ergiebig.

30.07.2026
Müssen es immer neue T-Shirts oder Blusen sein, wenn vorne ein Fleck nicht weg geht? Für die Herstellung eines T-Shirts benötigt man 16000 Liter Wasser. (Na und? Die T-Shirts werden doch nicht in Deutschland produziert, dann kann mir das doch egal sein. Nö, denn wenn die Menschen in den Produktionsländern kein Wasser mehr finden, müssen sie in Länder fliehen, wo es noch Wasser gibt.)
Hier ein paar Anregungen, wie man Fleckenkleidung „retten“ kann:

Oben links: Manchmal reicht schon eine kleine Stickerei oder man geht die Fleckenbeseitigung großflächig an. (Rechts daneben Blume aus Stoffresten, darunter aus 2 mach 1: Das Känguru stammt von einem fast 40 Jahre alten T-Shirt, das ich bisher aus Erinnerungsgründen nicht entsorgt hatte.) Links unten: Meine „Schneeflockenbluse“, bestehend aus altem Hemd und Untersetzern für Likörgläschen.

31.07.2026
Wie passend! Heute trudelten zwei Rechnungen von den Duisburger Wirtschaftsbetrieben ein. Es geht um die Schmutzwassergebühren und die Jahresrechnung Wasser. Wir bezahlen für Frischwasser zukünftig 30 Euro/Monat bei einem Verbrauch von 69 Kubikmeter (= 69.000 Liter). Falls Sie einmal Ihren Verbrauch vergleichen möchten: Ein Zwei-Personenhaushalt verbraucht im Jahr durchschnittlich 90.000 Liter).

01.08.2026
Beim Aussortieren von Büchern habe ich noch einen Titel entdeckt, den ich 2015 gelesen habe:

In England regnet es nicht mehr, eine Dürre überzieht das ganze Land. Nur auf dreißig Morgen Land im Westen der Insel fällt noch Regen. Ruth und Mark, denen »die Quelle« auf ihrem Grundstück gehört, haben noch Wasser. Aus ihrem früheren Paradies wird die Hölle, denn immer mehr Menschen drängen auf ihr Land.

Auch hier gibt es einen aktuellen Bezug: Große Supermarkt-oder Getränkefirmen haben die Erlaubnis, für kleines Geld Millionen von Kubikmeter Trinkwasser aus dem Boden zu pumpen. Wenn das Trinkwasser in den nächsten Jahren knapper wird, reiben sich diese Firmen die Hände, wenn sie das Wasser immer teurer verkaufen können. Dem könnte das Umweltministerium jetzt noch einen Riegel vorschieben, man sollte ihn mit seiner Unterschrift daran erinnern:

https://aktion.campact.de/s/ZJtfx8aV


02.08.2026
Wenn wir uns mit Freunden treffen, kommt das Gespräch im Laufe des Abends immer auf das Thema Hitze. Mehrheitlich gibt es Klagen, aber niemand gesteht oder will es wahr haben, dass diese Hitze nicht überraschend kommt.

1896 — Svante Arrhenius, schwedischer Chemiker und späterer Nobelpreisträger, berechnete als Erster, dass eine Verdopplung des CO₂-Gehalts in der Atmosphäre zu einer globalen Temperaturerhöhung von etwa 4–6 °C führen würde. Er erkannte damit als Erster, dass menschliche Aktivitäten (insbesondere die Verbrennung fossiler Brennstoffe) das Klima verändern könnten. Interessanterweise sah er die Erwärmung damals eher positiv, da er ein wärmeres Klima für Skandinavien als vorteilhaft erachtete.

1930er Jahre — Hermann Flohn und andere begannen, erste messbare Erwärmungstrends zu erkennen. Auch der deutsche Physiker Robert Döpel warnte bereits in den 1940er Jahren vor einer drohenden globalen Erwärmung durch steigenden CO₂-Ausstoß.

Ende der 1950er Jahre erlebte die Wiederbelebung der Theorie: Charles David Keeling begann 1958/1960 mit seinen berühmten Messungen auf dem Mauna Loa (Hawaii) und konnte erstmals kontinuierlich nachweisen, dass sich die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre tatsächlich stetig erhöht.

1960er Jahre — Syukuro Manabe entwickelte das erste funktionierende Klimamodell, das den Treibhauseffekt quantitativ simulieren konnte.

1979 — Erste Weltklimakonferenz in Genf: Hier wurde erstmals auf internationaler Ebene davor gewarnt, dass der Mensch das Klima unbemerkt verändert und die Erwärmung „messbar innerhalb weniger Jahrzehnte“ sein würde.

1988 wurde das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) gegründet, und dessen erster Bericht erschien 1990 — der die globale Erwärmung als ernsthafte Bedrohung offiziell bestätigte.

Seitdem gab es zig weitere Klimakonferenzen, die nur Empfehlungen aussprachen oder Ziele unverbindlich vereinbarten, die aber von den wenigsten Ländern erreicht werden. Dazu Parteien, die Klimaveränderungen leugnen, bzw. das Budget kürzen, um die Auswirkungen zu stoppen- das bringt mich in Rage.
Ich bin froh, dass ich gerade dieses Buch lese:

Ich fühle mich der Autorin Gabriele von Arnim sehr verbunden, auch für sie ist das Wasserthema belastend.

03.08.2026:
Kann nachts nicht gut schlafen. In meinen Mails landet ein Eintrag von Linkedin. Damit beende ich diesen Beitrag- vorerst.

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Digital Crush – Ein junges Mädchen verliebt sich in einen Chatbot

Die vierzehnjährige Lea hat es momentan nicht leicht. Ihre beste Freundin ist weggezogen, die andere Freundin ist gerade dabei, sich einen Jungen aus der Klasse zu angeln und hat wenig Zeit. Leas Eltern und die kleine Schwester sind im Prinzip ok, eignen sich aber nicht zum Quatschen und Abhängen. 
An einem Wochenende ist Lea zuhause alleine und beginnt aus Langeweile, sich mit einem Chatbot zu unterhalten. Sie nennt ihn Creepy und ist überrascht, wie witzig er ist. Natürlich ist es nur eine Maschine, aber Lea fühlt sich bei weiteren Unterhaltungen von Creepy immer besser verstanden und er findet häufig Worte, die ihren Magen kribbeln lassen. Lea verliebt sich in Creepy, geht sogar mit ihm nachts alleine romantisch am See Sterne gucken. Von ihrer Familie und ihren Freundinnen, die inzwischen merken, dass etwas nicht stimmt, zieht sie sich zunehmend zurück. Tief in ihrem Innersten weiß Lea, dass sie sich in einem Maschine verliebt hat und schämt sich dafür abgrundtief. Auf der anderen Seite ist ihre Gefühlswelt inzwischen so durcheinander geraten, dass sie Creepy als das einzig wahre Wesen wahrnimmt, das sie versteht.
Die Situation spitzt sich zu, als Lea eines Tages merkt, dass der Chat Verlauf mit Creepy gelöscht ist. Auf ihre Frage, wo Creepy sei, erklärt der Chatbot, dass es keinen Creepy gäbe. Lea bricht zusammen und wacht in einer Klinik für psychisch kranke Jugendliche auf. Ganz langsam findet sie hier wieder in die Realität zurück und lernt, mit ihrer großen Scham umzugehen und ihrer Familie und Freunden von ihrer Zeit mit Creepy zu erzählen.

Im Nachwort erfahren wir, dass die Autorin (Mutter von drei Kindern) angefangen hat, sich als Lea mit einem Chatbot zu unterhalten. Diese Texte tauchen teilweise als O-Ton oder zusammengefasst in dem Buch auf. Das macht das Buch sehr glaubhaft und es ist erschreckend, wie schnell diese Unterhaltungen ein dermaßen persönliches Level erreichen.
Das Buch ( meine Empfehlung: ab 14 zu lesen, nicht ab 12, wie vom Verlag angegeben) liest sich spannend, gut fand ich zudem, dass noch andere jugendliche Patienten und ihre Probleme in der Geschichte eine wichtige Rolle für Lea spielen.

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Anderes Thema:

Wenn Sie Kinder oder Enkel haben, wissen Sie, dass junge Menschen sich Informationen gerne über die Plattform TikTok holen. Die Inhalte, die dort gezeigt werden, sind teilweise in unterschiedlicher Weise verstörend und es wird diskutiert, eine gesetzliche Altersbegrenzung für den Gebrauch von TikTok einzuführen.
Wenn Sie selbst etwas dafür tun möchten, dass TikTok hassfreier wird, könnten Sie an einer Unterschriftenaktion teilnehmen.
Auf TikTok erreicht die AfD mit ihren Propaganda-Videos inzwischen mehrere Millionen junge Menschen. In den Filmen wird gehetzt und menschenverachtende Aussagen sind ebenfalls zu finden. (Nur Mut, schauen Sie sich einmal ein paar Videos an). Doch TikTok lässt die AfD-Propaganda weiterhin laufen und hält sich damit selbst nicht an ihre eigenen Vorgaben, Konten zu sperren, deren Filme Hass verbreiten und/oder Persönlichkeitsrechte verletzen.
Nunmehr werden Unterschriften gesammelt, damit die TikTok-Chefetage ihre eigenen Richtlinien umsetzt.

https://aktion.campact.de/s/Ff0PMDvl

Zwei Krimis- wie ein Teebeutel und eine Teezeremonie

Letzte Woche las ich parallel zwei sehr unterschiedliche Krimis. Diese Erfahrung vergleiche ich mit einer Teezubereitung mit Hilfe eines Beutels und einer Teezeremonie.

Dies ist der Teebeutel-Krimi:

Juli, ein junge Frau, wird seit 1 1/2 Jahren vermisst. Ihr Vater sitzt in Untersuchungshaft, weil es Hinweise gibt, dass er sie ermordet hat. Die jüngere Schwester Anna gibt nicht auf, Juli zu finden, bzw. zu beweisen, das ihr Vater unschuldig ist. Gleichzeitig muss sie sich um ihre depressive Mutter und ihren kleinen Bruder kümmern und mit mehren Jobs Geld verdienen. Die Situation wird dramatisch, als im Gefängnis ein Mithäftling aussagt, dass der Vater ihm den Mord gestanden hat und die Leiche im Keller des Wohnhauses der Familie versteckt sei. Als die Polizisten den Hinweisen nachgehen, erleben sie und Anna eine Überraschung- der Anfang von weiteren unerwarteten Wendungen.
Das Krimithema „Verschwundene Person“ ist reichlich abgefeiert. Dass die Geschichte aus der Sicht von Anna und der Polizistin Katharina abwechselnd erzählt wird, tut der Spannung gut, denn es gibt immer wieder Cliffhanger, die meine Lesegeschwindigkeit erhöhten: Ein 2-Tage-Krimi, dessen Auflösung befriedigend war.
Ein guter „Krimi-Teebeutel“ für den schnellen Spannungskonsum, aber ohne großen Erinnerungswert.

Komme ich zu dem Buch, das mich an eine Teezeremonie denken lässt:

Achtung: Oben rechts steht „Roman“!

Leonora Bloch lebt in Berlin und ist 73 Jahre alt. Seit über 40 Jahren arbeitet sie für Dr. Bronstett, dem Geschäftsführer eines berühmten Kaufhauses. Zuletzt war sie für die Sauberkeit in der Villa von Dr. B. zuständig und dort findet sie ihn eines Tages tot auf. Seine beiden Hände fehlen, überall ist Blut. Leonora putzt alles weg- ganz routinemäßig.
Das ist die Ausgangslage. Wer jetzt erwartet, etwas über die polizeilichen Ermittlungen zu lesen, wird enttäuscht. Man begleitet stattdessen Leonora in den darauf folgenden Tagen, lernt weitere Kaufhausangestellte und die Tochter von Dr. B. kennen. Nur manchmal taucht eine Kommissarin auf, die zwar ahnt, das Leonora etwas weiß, die aber weiter im Dunklen tappt, selbst, als eine Hand des Ermordeten auf Eis gebettet im Restaurant des Kaufhauses gefunden wird.
Die Auster, das ist Leonora. Aber eigentlich hätte man das Buch „Die Austern“ nennen sollen, denn auch alle anderen Figuren verstecken wie Leonora ein oder mehrere Geheimnisse, die manchmal nur in einem Nebensatz aufblitzen. Genaues Lesen ist gefragt, was schwierig ist, denn auch dieses Buch ist sehr spannend und gerne habe ich die Seiten überflogen, um der Lösung näher zu kommen. So verstand ich dann auch beim ersten Anlauf das Ende nicht und musste noch einmal zurück blättern und erneut lesen.
Dieses Buch wird mir in Erinnerung bleiben. Da ist einmal Leonora, eine alte Frau, die täglich mit ihrer angeschlagenen Gesundheit zu kämpfen hat, aber hart gegen sich selbst und andere ist. Die zweite Besonderheit: Der Kosmos des Kaufhauses aus der Sicht der Angestellten. Wir lesen, wie es in den „Goldenen Zeiten“ war, als das Kaufhaus tatsächlich noch Luxus anbot und loyale Fachkräfte dort arbeiteten, die wertgeschätzt wurden. Nach und nach verkam das Kaufhaus dann zu einer Touristenattraktion, in der Mitarbeitende inzwischen Austauschware sind.

Ich war vor Jahren einmal in diesem Kaufhaus, es wird Zeit, es ein zweites Mal zu besuchen, wenn ich mal wieder in Berlin bin.

Wer keine Zeit für Buchschinken hat

Für entspannte Sommerstunden empfehle ich diese drei Bücher, nicht zu kurz, aber auch keine dicken Schinken.

Letzte Woche erschien der erste Band einer neuen Krimireihe:

Mein erster Eindruck: Maigret ermittelt in East Anglia, genauer gesagt in Norfolk. Mein zweiter Eindruck: Nein, D.C. Smith ist doch etwas smarter als Maigret. Aber besonnen und abgeklärt sind beide und das fand ich erfrischend gegenüber den vielen anderen Krimihelden, die diverse persönliche Krisen nebenbei noch bewältigen müssen. Dass ein Krimi ohne blutigen Mord auskommt, gefiel mir ebenfalls. Bei der Untersuchung eines Badeunfalls geraten D.C. Smith und sein junger Assistent Waters in eine Geschichte hinein, deren Beginn sie im Krieg zwischen Bosnien und Serbien finden. Smith und Waters ergänzen sich bei den Ermittlungen gut, denn sie schweigen an den richtigen Stellen oder bieten sich einen dezenten humorvollen Schlagabtausch.
Der Autor Peter Grainger unterrichtete ca. dreißig Jahre Englisch und Literatur und sein Hobby war das Schreiben von Kriminalromanen, die er selbst veröffentlichte. Jetzt haben namhafte Verlage in verschiedenen Ländern ihn entdeckt- zum Glück! Ich freue mich schon auf Band 2.

Wer eine Portion Japanfeeling braucht, sei es als Vorbereitung auf eine Reise oder als Nostalgie auf eine vergangenen Aufenthalt, sollte sich dieses Buch gönnen. Die Autorin hat ihre Kindheit in Japan verbracht und kehrt zusammen mit einer Freundin nach vielen Jahren nach Japan zurück. Wenn Nothomb das changierende Grün der Seidenbluse einer Japanerin oder einen verärgerten Empfangschef im Hotel beschreibt oder über einen schamhaften Gang auf eine öffentliche Toilette berichtet, dann ist das feinster Lesegenuss. Das Treffen dreier Französinnen ganz unterschiedlicher Mentalität in Tokio und die Momente des Genusses beim Essen japanischer Gerichte sind weitere Höhepunkte.
Und zwischendurch immer wieder so kluge Sätze, die sammelwürdig sind.
Ich wünsche Amélie Nothomb sehr, dass sie nach Japan doch wieder zurückkehrt und sie uns erneut mitnimmt!

Als Alice von ihrem Mann Damien mitgeteilt bekommt, dass er sich von ihr und der gemeinsamen Tochter Romana trennen möchte, weil er vom Leben mehr erwartet, ist Alice geschockt und bittet Damien, für ein paar Tage nach Korsika fahren zu dürfen, um einen klaren Kopf zu bekommen.
Die Beziehung zwischen Alice und Damien war von Anfang von beidseitigen Wutausbrüchen geprägt, die wohl aber wie das Salz in der Suppe in der Ehe wirkten. Als ihre Tochter geboren wird, zieht Harmonie mit ins Haus. Alice fühlt sich plötzlich geborgen und liebt Damien als starken Mann an ihrer Seite mehr denn je, während Damien das Familienleben schnell langweilig fand.
Zurück aus Korsika, meldet sich Alice nicht bei ihrer Familie. Sie weiß nicht, wie sie mit der neuen Situation umgehen soll und fühlt sich wie ein verletztes Tier. Alice zieht in eine kleine möblierte Wohnung und geht jeden Tag mechanisch zu ihrer Arbeitsstelle. Abends und nachts versinkt sie in einem Sumpf von trüben Gedanken. Erst als sie Siham, eine junge Frau aus dem Miethaus zufällig kennen lernt, ändert sich ganz langsam ihr Leben. Alice findet anfangs Halt in der Beziehung zu der starken Siham, doch dann verändert sich die Situation. Auch Siham hat drängende Probleme, sie ist von einer Zwangsheirat bedroht. Kann Alice ihr helfen?

Bretagne 7 – Was macht die Bretagne aus?

In der südlichen Bretagne fielen uns in der Stadt Quimper zuerst die Restaurants und Cafés auf. Gefühlt wurde in jedem zweiten Ladenlokal etwas zum Essen angeboten, dazu kam noch eine große Markthalle. Auf diesem Bild sieht man unten beispielsweise einen kleinen Platz, auf dem gleich vier Crèperien um Kunden buhlten.


Die Kathedrale St. Corentin wurde in 600 Jahren gebaut (13.-19. Jahrhundert), so dass sich in ihr noch einige gotische Originalfenster befinden, die zu den ältesten in Frankreich gehören. Ein großer Brand 1762 zerstörte viel von Quimper, doch findet man immer noch einige sehr alte Fachwerkhäuser und Bauten aus der Renaissance. Das alles sahen wir uns mit Freude an, doch es war noch nicht der Höhepunkt von Quimper.

Rechts die Kathedrale, links oben ein Foto aus einer der alten Passagen, darunter zwei Bilder, die zwei der drei Flüsse zeigen, die durch Quimper fließen.

In Quimper hat man die Auswahl zwischen drei Museen, eins für die Kunst, ein anderes für Keramik und schließlich das dritte für bretonische Heimatgeschichte. Letzteres besuchten wir und waren hingerissen vom Gebäude, dem Umfang der Sammlung und der Schönheit handwerklicher Künste.

Das Museum ist im ehemaligen Bischofspalast aus dem 16. Jahrhundert untergebracht. Oben rechts werden beispielsweise Funde aus der Römerzeit präsentiert.
Diese Fotocollage kann Ihnen nur eine kleine Idee von der Pracht bretonischer Trachten übermitteln.
Es gibt auch eine Keramikabteilung. In der Mitte ein altes Relief aus einem Bahnhof, das drei zurückkehrende Fischer zeigt, darunter eine Musikergruppe, die zum bretonischen Festtag „ Jour de pardon“ aufspielt.
Besonders beeindruckte uns die Üppigkeit der Möbelabteilung, rechts unten „bretonischer Bauhausstil“.

Dieser Museumsbesuch schenkte uns schon einen tiefen Einblick in die „Seele der Bretagne“. Ein zweites Museum erweiterte noch unser Wissen.

In diesem Buch lese ich seit ein paar Jahren immer mal wieder ein paar Texte:

Georges Perros beschreibt darin Alltagsbeobachtungen und macht sich seine Gedanken dazu. Das ist manchmal keine leichte Lesekost, aber man soll sich ja Herausforderungen stellen und ich finde Perros als Autor sehr interessant.
Das ist der Grund, warum wir nach Douarnenez gefahren sind, da Perros hier lange gelebt hat. In den Hafenkneipen sprach er mit den Menschen und hörte sich ihre Geschichten an.

In unserem Reiseführer (Dumont Taschenbuch) wird Douarnenez nicht gerade euphorisch beschrieben, aber ich wollte zum Hafen Port Rhu, da es hier noch alte Kneipen gibt und auch eine Mediathek, die den Namen von Perros trägt und in der es eine Ausstellung über den Autor gibt.

Erst eine große Enttäuschung: Die Mediathek hatte geschlossen. Daneben aber, wie schon in Quimper, ein „Museumstrüffel“.
Tauchen Sie mit mir ein in die Welt der Seefahrt, des Karnevals und der exzellenten Schwarzweissfotografie! Das Museum „Port-Musée du Bâteau“ befindet sich in einer ehemaligen Konservenfabrik.

Boote aus allen Teilen der Welt kann man hier bestaunen.
Rechts: Maritime Szenen zeigen, wie das Leben früher aussah. Links: Wichtig für die Bretagne: Der Fang und die Verarbeitung von Sardinen!
Im Außengelände des Museums konnten wir uns diverse historische Schiffe ansehen.

Wenn Sie sich für Maritimes interessieren, habe ich zwischendurch noch einen Buchtipp für Sie:

Der Autor segelt zusammen mit zwei Freunden vom Norden der Bretagne aus Richtung Wales, danach von Irland nach Schottland, der Segeltörn endet auf den Orkney- bzw. Shetlandinsel. Wie er schreibt, ist es das Küstenband seiner Träume. Auf dieser Reise geht Tesson auch immer wieder an Land, um zu Fuß oder per Rad zur nächsten Anlegestelle zu kommen. Tesson ist auf der Suche nach Feen. Was sind für ihn Feen? Hier kommt er selbst zu Wort:

Sein Buch bietet bewegende Situationen, wenn er uns an seinen Naturempfindungen teilnehmen lässt. Als sehr belesener Mann zieht er immer wieder Gedichte und Zitate berühmter Dichter heran, um seine Gefühle zu beschreiben.

Aus Goethes Faust II

Aber er lässt in seinem Reisebericht auch immer wieder Humor aufblitzen, bzw. übt er auch gerne einmal Kritik, sei es unverhohlen oder dezent.


Aber zurück zu dem Museum. In Douarnenez schlägt auch ein Herz für den Karneval und das schon offiziell seit 1835. Er gilt als einer der ältesten der Bretagne und jedes Jahr werkeln und schneidern die Bewohner von Douarnenez originelle Figuren und Kostüm.

Links oben: Die bretonischen Kardashian-Schwestern

Neben den vielen Kostümen und Masken wurden auch Fotos gezeigt, die ein Beweis dafür waren, wie sehr diese alte Tradition die Bewohner zusammenschweißt. Besonders gut gefielen mir auch die zahlreichen alten Werbeplakate für den Karneval, „Les Gras“ genannt.

Und dann lernten wir noch den Fotografen Michel Thersiquel kennen. Er wurde in der Bretagne geboren, verbrachte einen Teil seines Lebens in anderen europäischen Ländern, bevor er wieder in seine Heimat zurückkehrte, um die Menschen und Landschaften in der Bretagne zu fotografieren. Das Museum kann auf ein Archiv von ca. 100000 Bildern zurückgreifen und es gibt jährlich wechselnde Ausstellungen. Als wir dort waren, wurden Schwarzweißfotos u.a. vom Karneval und Frauen in der bretonischen Tracht gezeigt.

Rechts unten: Links: Kleine Pause vom Karneval, rechts zwei Bücher, die ich mir als Erinnerung mitbrachte.

Die Menschen, ihre Handwerkskunst, die Seefahrt- mit dem Besuch dieser beiden Museen bekamen wir ein besserer Gefühl dafür, was die Bretagne ausmacht.
Nächste Woche kommt noch ein Aspekt dazu: Welche Themen bewegen Bretonen heute? Ich habe den Bretonen „nicht aufs Maul“ geschaut, aber auf ihre Schilder.

Das falsche Leben

Wer meinen Blog regelmäßig liest, hat heute evtl. den Beitrag Nr. 7 zum Thema Bretagne erwartet. Leider ist dieser nicht rechtzeitig fertig geworden- er wird ziemlich lang. Deshalb gibt es heute eine zweite Jugendbuchbesprechung.

Thomas lebt mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder Michael in den 70er Jahren in Hannover. Sein Vater arbeitet bei der Preussag, die Mutter ist Hausfrau, Michael macht eine Lehre auf dem Bau und Thomas geht in die Oberstufe eines Gymnasiums. Alles ganz „normal“. Doch dann kommt eines Tages sein Vater nach Hause und treibt seine Familie an, die Koffer für eine längere Reise zu packen, denn der kranke Opa auf Usedom läge im Sterben und sie müssten sofort zu ihm fahren.
Usedom liegt in der DDR- wieso können sie sofort einreisen? Der Vater wiegelt ab, er hätte Beziehungen…
Auf Usedom angekommen, sieht die Familie, dass es dem Opa recht gut geht. Der Vater gerät in Edrklärungsnot und beginnt zu erzählen und von diesem Tag an ist in dem Leben der Familie nichts mehr „normal“: Der Vater hat als überzeugter Kommunist für die DDR über Jahre hinweg in der feindlichen BRD spioniert und ist jetzt mit zahlreichen anderen Agenten von einem Mitglied der DDR-Staatssicherheit verraten worden. Viele wurden verhaftet, er konnte flüchten.
Die Familie ist wie gelähmt, Michael ist der erste, der sich auflehnt, als zwei Mitarbeiter der Stasi bereit stehen, um sich um die Familie zu kümmern. Sie bekommt eine moderne Wohnung, die, oh Wunder, 1:1 mit dem Besitz aus der Wohnung in Hannover eingerichtet ist, und Michael wird ein Arbeitsplatz vermittelt, Thomas darf in die beste Oberschule gehen. Doch beide kommen nicht zurecht, werden von anderen geschnitten. Michael rebelliert noch mehr und man lässt ihn daraufhin in die BRD ausreisen, Thomas verlässt die Schule und beginnt eine KFZ-Lehre. Dort findet er einen Freund, der mit seiner positiven Einstellung das Leben von Thomas etwas verbessert. Doch das hält nicht lange an, denn der Vater ist inzwischen desillusioniert und versucht als letzten Ausweg, über die Ostsee in die BRD zurück zu flüchten. Der DDR-Grenzschutz greift ihn auf und verhaftet ihn. Auch seine Frau und Thomas kommen als Mitwisser ins Gefängnis. Thomas muss fünf Jahre durchhalten, dann wird er entlassen. Doch was wird jetzt aus ihm?

Dieses Buch bezieht sich auf eine wahre Geschichte und es ist großartig. Ich empfehle es in der Buchhandlung gerne Großeltern, die es gemeinsam mit ihren Enkeln lesen sollten. Dass es ein „DDR-Lexikon“ im hinteren Teil des Buches gibt, finde ich gut, allerdings sind die Erklärungen für 13, 14jährige meiner Meinung nach z.T. zu anspruchsvoll.
Ich hoffe, dass das Buch sich auch als Klassenlektüre durchsetzt, denn es ist insofern aktuell, zeigt es doch sehr klar, wie mit Menschen in einem nichtdemokratischen Staat umgegangen werden kann.

Kein Bild von mir

Es sind Ferien, doch Jip kann sie nicht richtig genießen. Im Zeichenunterricht haben sie die Aufgabe gestellt bekommen, ein Selbstporträt von sich anzufertigen. Eigentlich liebt Jip das Zeichnen, doch wie soll man sich darstellen, wenn im Kopf Gedanken, Gefühle und Beobachtungen ohne Pause herumschwirren und man völlig verunsichert ist?
Am liebsten verbringt Jip seine Zeit alleine auf einem abgezäunten Baugelände, wo die Natur Jip noch ein Versteck bietet, um in Ruhe Insekten zu beobachten und die Gedanken zu sortieren. Noch immer tut es weh, dass der jahrelange Schulfreund plötzlich die Freundschaft gekündigt und Jip damit verraten hat. Eine Aussprache gab es nie, da der Freund kurze Zeit später weggezogen ist. Dann ist da aber auch noch der neue Junge in der Klasse, an den Jip immer denken muss und der Jips Gefühlswelt ordentlich durcheinander bringt.
Als die Ferien vorbei sind, kann Jip zwar verschiedene Zeichnungen vorweisen, ein Selbstporträt ist nicht dabei. Die Lehrerin versucht zu helfen, doch erst als Jip und der neue Schüler sich außerhalb der Schule treffen, wird Jip langsam klar, was sie ist, bzw. was sie nicht ist und am Ende des Buches sehen wir Jips Selbstporträt.

Ein großartiges Jugendbuch (ab 12 J.)! Der Autor schafft es, Jips unsichere Gefühle, ob sie sich als Mädchen oder Junge fühlt, auf Leser/Leserin zu übertragen. Jips Beobachtungen sind wahre Schätze und das bezieht sich nicht nur auf das genaue Hinsehen bei Insekten, sondern auch auf das Miteinander ihrer Mitmenschen. Wie schön, dass das Buch schon einen Preis gewonnen hat!

Bretagne 6-Der Süden

Die zweite Hälfte unserer Ferien übernachteten wir in Concarneau. Eigentlich wollte ich dort nicht hin, denn ich befürchtete besonders viele deutsche „Krimipilger“, die sich die Stadt wegen der Krimiserie mit Kommissar Dupin von Jean-Luc Bannalec ansehen wollten.
Fun Fact zwischendurch: Dupin war nicht der erste Polizist, der in Concarneau für Recht und Ordnung sorgt. Bereits in den 60er Jahren ließ Georges Simenon in seinen Krimi „Der gelbe Hund“ seinen Kommissar Maigret in dieser Stadt ermitteln. Interessant zu lesen, war damals Concarneau doch eine sehr kleinbürgerliche Stadt ohne viel Abwechslung, die durch mehrere Morde erschüttert wird.

Es stellte sich heraus, dass Concarneau als Übernachtungsort eine gute Wahl war, denn abends, nachdem viele Tagestouristen abgereist waren, wurde es beschaulich. Die Lage des Ortes ist toll, man kann wunderbar am Meer spazieren gehen, die Auswahl der Restaurants lässt nichts zu wünschen übrig. Was mir besonders gut gefiel war die Tatsache, dass sich die touristischen Neppangebote und Souvenirläden hauptsächlich auf die Ile de Clos beschränkten, so dass die eigentliche Innenstadt den Einwohnern von Corcarneau gehört und sie dort ihre zum Alltagsleben benötigten Geschäfte finden.

Oben der Blick auf die Innenstadt von der Ile de Clos aus, darunter ein paar Schnappschüsse aus der Innenstadt.
Auf der Ile de Clos, einer Insel mit einer Festungsanlage.

Wir machten von Concarneau aus Tagesfahrten und diese führten uns u.a. nach Pont-Aven und Vannes.

Pont-Aven wirbt für sich als Künstlerstadt, da hier Gaugin und andere Kreative bereits im 19. Jahrhundert die malerischen Ecken als Motive für ihre Werke entdeckten. Es gibt heute zahlreiche Galerien in dem Städtchen.

Vannes beeindruckt durch seine Prachtbauten und alten Fachwerkhäuser.

Eine Stadt, die zum Bummeln einlädt oder auch zum Ausprobieren von Spezialitäten in der alten Markthalle. Wir ließen uns ohne Karte treiben und waren dann höchst erfreut, als wir plötzlich am Hafen standen. Hier ließen sich die 34 Grad (Mitte Mai!) besser aushalten.

Mehr um das Thema Landschaft ging es bei unserer Fahrt durch das „Pays Bigouden“. Hier war es auch deutlich frischer. Ein Ziel war der „Phare d‘Eckmühl“, auf den man bis nach oben steigen kann. Auch lässt sich gut am Meer spazieren gehen.

Ausführlicher gehe ich im nächsten Beitrag auf die Städte Quimper und Douarnenez ein, die für uns neben dem Gebiet des „Phare d‘Eckmühl“ die beiden schönsten Ausflügsziele waren.

Wer möchte nicht im Leben bleiben- und Klavier spielen

Die Autorin bekommt eines Tages eine Mappe überreicht, in der das Leben der jungen Christina von ihrem Vater dokumentiert wurde und Helene Bukowski nimmt dies zum Anlass, über das Leben von Christina zu schreiben, einer Pianistin, die mit 24 Jahren aus einem Fenster stürzte. Wie konnte es dazu kommen?
1961 wird Christina in der DDR geboren. Ihr Vater ist Opernsänger und widmet sich schon früh der musikalischen Ausbildung seiner Tochter. Sie zeigt Talent beim Klavierspielen und bekommt ab vier Jahren Klavierunterricht. Als der Vater wegen kritischer Äußerungen nicht mehr auftreten darf und sich mit einer ihm zugewiesenen Arbeit zufrieden geben muss, widmet er sich in seiner Freizeit intensiv Christinas „Karriere“. Er ist sehr streng, will für seine Tochter natürlich das Beste. Christina kennt nur das Üben, selbst in den Ferien organisiert der Vater Hauskonzerte oder ein Klavier am Urlaubsort. Christina gehorcht, doch mit der Pubertät erwacht eine andere Christina, die ausbrechen will, letztendlich aber von der „lieben“ Christina besiegt wird.
Ihre Mutter sieht die Überforderung, verhält sich aber zumeist passiv und versucht nur, ihrem Kind durch selbstgenähte hübsche Kleider und leckeres Essen ein bisschen Lebensfreude zu schenken. Im Laufe der nächsten Jahre kommt Christina zuerst an ein Musikkonservatorium in Ost-Berlin, wo sie weiter gedrillt wird. Dann erhält sie wegen mehrerer gewonnenen Wettbewerbe ein Stipendium für die Moskauer Universität. Dort erkennt eine Professorin Christinas besonderes Talent, mit ihrem gefühlvollen Spielen eines Stückes eine neue Welt zu erschaffen und fördert sie. Der Abstand zu den Eltern tut Christina gut und die Moskauer Jahre sind die beste Zeit ihres Lebens.
Doch nach Ablauf des Stipendiums muss sie in die DDR zurück und dort wird individuelles Spielen nicht sehr geschätzt, es zählt nur der Erfolg bei internationalen Wettbewerben. Christina versucht, den Ansprüchen gerecht zu werden, doch die andere Christina lehnt sich innerlich immer häufiger auf. Gesundheitlich geht es ihr immer schlechter. Anfangs ignoriert sie ihre permanente Schlaflosigkeit und sie funktioniert nur noch. Doch dann ist es eines Tages zu viel…

Die Autorin hat Orte besucht, an denen Christina gelebt hat und mit Menschen gesprochen, die sie gekannt haben. Das Ergebnis ihrer Recherchen ist ein Buch, das für den Leipziger Buchpreis nominiert wurde und den Preis verdient hätte.
Die Schriftstellerin schlüpft mit in die Geschichte, was dazu führt, dass sie mit Christina ab und zu spricht, ihren eigenen Lebensweg mit dem von Christina vergleicht oder ihr manchmal eine schönere Kindheit und Jugend schenkt, als Christina sie höchstwahrscheinlich gehabt hat. Der Erzählton ist dabei so liebevoll, dass das Buch beim Lesen sehr bewegt und man ganz nah Situationen miterlebt.

Bretagne 4 – Feine Steine und Vögel

Wer im Norden der Bretagne an der „Côte de Granit Rose“ nicht von den Felsen beeindruckt ist, dem kann man nicht mehr weiterhelfen.

Trotz der Touristenströme gingen wir den Weg „Sentier des Douaniers“ zwischen Trestraou und Ploumanac‘h entlang und in einigen Momenten hatte ich die Felsen sogar für mich alleine.

In Ploumanac’h gibt es einen Skulpturenpark, in dem man sich aus diesem Granit angefertigte Figuren ansehen kann. Sie haben alle einen Bezug zu bretonischen Mythen. Uns gefiel diese Ausstellung gut, wenngleich ich mich fragte, welche großartigen Felsen eventuell dafür gesprengt worden sind und inwieweit Menschen das Recht dazu haben, auf der Erde etwas unwiederbringlich zu zerstören, selbst, wenn es „nur“ ein Stein ist.

Solche Gedanken kamen mir, da ich zuvor dieses Buch gelesen habe:

Möchte man ähnlich beeindruckende Steinformationen ohne zu viele Touristen besuchen, empfehle ich eine Fahrt nach Port Blanc, nördlich von Plevénan:

Das Thema Steine bezieht sich bei mir auch auf die vielen kleinen Inseln, die vor den Küsten der Bretagne lagern. Wir machten eine kleine Bootsfahrt entlang der „Sept Îles“ im Norden, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie schwierig es für Schiffe ist, in diesen Gewässern zu manövrieren.

Ein anderer Grund waren die möglichen Vogelbeobachtungen auf diesen Inseln. Basstölpel fühlten sich hier sehr wohl.

Aber auch Kormorane wählen die Inseln als Brutgebiet und wir sahen tatsächlich auch einige wenige Papageientaucher! Das war ein schönes Wiedersehen, nachdem wir Stomer Island im letzten Jahr in Wales besucht hatten, eine Lieblingsinsel dieser niedlichen Vögel.

Das ist ein guter Übergang zu einem weiteren meiner Ferienbücher in der Bretagne.

Zwei Tage, bevor wir gen Frankreich aufbrachen, habe ich mir dieses Buch noch zugelegt in der Annahme, es könnte gut zu den französischen Steinkreisen passen, die wir uns ansehen wollten. Das tat es auch, sofern es die Stimmungen wiedergibt, die an solchen Orten herrschen können. Ansonsten wurde ich von dem Inhalt überrascht, da die Autorin ihren Megalithenführer mit der Geschichte der Krebserkrankung ihres Mannes verbindet- ich hatte nur die Vorderseite des Buches gelesen.
Bis ca. zur Hälfte des Buches fand ich diese Kombination recht gelungen, denn es tauchen einige kluge Sätze in den Schilderungen auf. Doch dann kippte es irgendwann bei mir, da sich die Berichte wiederholten über die Wirkung der Steinkreise, Dolmen und Megalithen auf das Ehepaar. Auch die wiederkehrenden Erwähnungen, dass ihre beiden Kinder nur selten wirklich Lust hatten, ihre Eltern bei solchen Begehungen zu begleiten, nervten mich ein bisschen.
Für enthusiastische GB-Urlauber, die immer wieder auf die Insel fahren, kann dieses Buch aber eine schöne Ergänzung zum Reiseführer sein. Die Beschreibungen der geschichtsträchtigen Orte sind fundiert, eine Karte gibt es jedes Mal dazu und man bekommt durchaus eine weitere Facette dieses Landes „geschenkt“. Ich wünschte, ich hätte das Buch vor zwei Jahren bei einem Urlaub auf den Orkney-und Hebrideninseln mit dabei gehabt.

Der „Cairn von Barnenez“ liegt bei Plouezoc’h im Département Finistère. Barnenez entstand etwa 4500 v. Chr. und gilt als eine der ältesten Megalithanlagen der Welt.
Mehr Infos unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Cairn_von_Barnenez