Wertschätzung- das Wort des Jahres?

Letzte Woche las ich dieses Buch:

Als hätte man bei mir irgendwo einen Knopf gedrückt, begegnet mir dieses Wort seitdem mehrmals täglich, sei es in der Tageszeitung, im Fernsehen oder auch in Gesprächen. Allerdings gehört zu dem Wort „Wertschätzung“ immer noch ein zweites, nämlich „fehlende“.Und damit behandelt diese Buchneuerscheinung wohl ein momentan „heißes Thema“.

Die Kapitel des ersten Buchdrittels ließen mich an einem Weiterlesen zweifeln, denn deren Ansprüche schwanken zwischen Psychologie im Morgenmagazin und Doktorarbeit eines Studenten. Es geht darum, wie wichtig Wertschätzung für jeden Menschen ist, warum sie in den letzten Jahren so sehr abgenommen hat und was richtige Wertschätzung ausmacht.

Doch ich las weiter und mein Interesse stieg. Es wird ausführlich dargelegt, dass Mangel an Wertschätzung bei Mobbing, Burnout, Amokläufen oder auch Terrorismus eine große Rolle spielt. Zunehmende Kränkungen im Umgang miteinander, Narzissmus, Neid oder auch zerstörerisches Schweigen sind weitere Resultate für fehlende Anerkennung und Zuwendung.

Was tun? Darauf gibt der Autor Antworten, sei es bei Problemen in der Ehe oder in der Familie, in der Schule oder im Berufsleben. Wie kann jeder dazu beitragen, dass es wieder zum täglichen Miteinander kommt und dass das aggressive und vergiftete Gegeneinander aufhört?

Am Anfang des Buches saß ich auf einem hohen Ross- ich las das Buch nur aus allgemeinem Interesse. Mit zunehmender Lektüre schlich sich aber bei mir selbstkritisch die Erkenntnis ein, dass trotz meines Anliegens, generell freundlich zu Menschen zu sein, sich auch bei mir in unbedeutenden Alltagsgeschehnissen mangelnde Wertschätzung einschleicht und dieses Verhalten mein Gegenüber verletzen oder frustrieren kann.

Ein gutes „Sag es durch die Blume“ Buch, um es an passende Leute zu verschenken oder es selbst zu lesen, wenn man das Gefühl hat, im persönlichen Umfeld läuft etwas schief oder wenn man sein eigenes Verhalten optimieren möchte.

Morgen gibt es einen Beitrag zum Thema „Es gibt Momente…“, in dem es u.a. auch noch einmal um Wertschätzung geht.

Bacons Finsternis

In verschiedenen Museen bin ich in den letzten Jahren immer wieder Bildern der Künstler Francis Bacon und Julian Freund begegnet. Mal fand ich die Werke abstoßend, verstand sie nicht oder sie bescherten mir ein Unbehagen. Als ich nun diesen Roman von Wilfried Steiner entdeckte, war meine Neugierde sofort geweckt.

Das Buch wird u.a. als romantische Komödie mit Krimizutaten angepriesen. Sehr kurz den Inhalt erzählt: Der Wiener Antiquar Valentin leidet, denn seine Frau hat ihn überraschend verlassen. Ablenkung sucht er, indem er verschiedene Ausstellungen besucht, in denen Werke von Francis Bacon gezeigt werden. Dabei bekommt er es mit einem neuen und alten Kunstraub zu tun und betätigt sich als Detektiv.

Komödie: 1 Sternchen, Krimi: 2 Sternchen, aber die Beschreibung der Bilder von Francis Bacon 5 Sternchen mit Sternchen. Auf dem Foto oben sehen Sie noch einen kleinen Bildband, in dem ich mir passend zum Roman die Bilder angesehen habe. Steiner lehrt dem Leser das Sehen. Nunmehr erschüttern mich Bacons Bilder und auch die von Freund sehe ich in einem anderen Licht (Bacon und Freund waren lange miteinander befreundet). Im Roman werden auch einige ausgefallene Begebenheiten im Leben Bacons eingeflochten. Die Lebensbeschreibung im Bildband ist sachlicher und ergänzt den Roman bestens.

Fazit: Ein ausgefallenes Leseerlebnis. Den Autor Wilfried Steiner behalte ich deshalb im Auge.

Brontë Erinnerungen

Samantha Whipple ist die letzte Nachkommin der berühmten Brontë Schwestern. Sie geht, dem Wunsch ihres Vaters folgend, auf das Old College in Oxford und studiert Literaturwissenschaft. Ihr Leben dort ist nicht einfach. Ihr Zimmer in einem alten Turm ist feucht, ohne Fenster und sehr spartanisch eingerichtet. Einmal pro Woche wird eine Touristengruppe durch ihr Zimmer geschleust, denn vor Samantha haben viele berühmte Studenten das Zimmer bewohnt. Ihr Tutor ist ein junger Professor, der sehr eigene Vorstellungen von Literaturkonzeption hat und beide geraten oft aneinander. Das Schlimmste allerdings ist die Tatsache, dass man gegen Samanthas Willen sie als Erbin der Brontë Schwestern outet. Sie rückt dadurch in den Focus rückt bei der Frage, ob sie Erbstücke der Brontës zurückhält, die für die Literaturforschung von großer Wichtigkeit sind, da sie in den Brontë-Büchern erwähnt werden. Samantha weiß von nichts, doch dann tauchen plötzlich Brontë-Bücher bei ihr auf, die ihrem Vater gehörten und die bei einem Brand, bei dem der Vater ums Leben gekommen ist, als zerstört galten. Samantha kennt die Brontë Bücher fast alle in- und auswendig, doch sie liest die väterlichen Ausgaben erneut, da er viele Randnotizen gemacht hat. Findet sie Hinweise auf die Erbstücke?

Das Buch machte mich noch einmal zu dem jungen Mädchen, das vor langer Zeit die Brontë Bücher gelesen hat und sich nun erinnerte. Ich litt mit Samantha, deren schweres Erbe sie fast aus der Bahn geworfen hätte, wäre da nicht der gut aussehende und auch geheimnisvolle Professor gewesen. Hört sich schön kitschig an, oder? Aber ganz so ist es nicht, denn es gibt diverse Diskussionen zwischen der Studentin und ihrem Mentor, wie man ein Buch richtig liest und interpretiert. Das ist schon ein ganzes Stück anspruchsvoller, so dass mich das Buch wegen dieser „Mischung“ gut unterhalten hat.

Lesen im Freibad

Wenn Sie dieses Buch

in den nächsten Wochen mit ins Freibad nehmen, wird es lebendig. Sie lesen, schauen auf und sehen die eben gelesene Szene vor Augen. Fragen Sie sich jetzt: „Warum dann überhaupt noch lesen?“ Doch, sollten Sie, weil

-es auch die Geschichte zweier Frauen ist

-es auch um die Menschen eines ganzen Stadtteils geht

-es zeigt, wie wichtig es ist, um etwas zu kämpfen

-es zwei Liebesgeschichten bietet

und es eine Hymne auf das Schwimmen ist.

Wer jetzt noch nicht überzeugt ist, hier eine kurze Zusammenfassung:

Rosemary ist 86 Jahre alt und geht jeden Tag schwimmen. Das ist so wichtig für sie wie das Atmen, denn neben der körperlichen Betätigung bringt es auch immer wieder Erinnerungen an George, ihren Ehemann, der vor zwei Jahren gestorben ist. Sie beide haben viel Zeit im Freibad verbracht und waren hier glücklich. Als Rosemary erfährt, dass das Freibad geschlossen werden soll, muss sie irgendetwas tun und beginnt, Flugblätter zu verteilen. Dadurch lernt sie Kate kennen, eine noch junge Journalistin bei einem Lokalblatt, die über die Schließung und was sie für den Stadtteil bedeutet, schreiben soll. Der Stadtteil ist das Londoner Brixton, eine sehr bunte, aber auch eher ärmliche Gegend, die allerdings durch erste Luxuswohnungen einer Immobilienfirma langsam ein anderes Gesicht bekommt. Das Freibad soll zubetonniert werden, Tennisplätze und ein Fitnessstudio sind eher im Sinne der neuen reichen Bewohner.

Kate, vor zwei Jahren nach London gezogen, ist sehr unglücklich. Sie hat keine Freunde, wohnt in einer anonymen WG und bekommt immer häufiger Panikattacken. Das Kennenlernen von Rosemary ändert ihr Leben. Zuerst sind es nur die beiden, am Ende des Buches sind es der ganze Stadtteil und Halb-London, die um den Erhalt des Freibades kämpfen.

Leichte, nein, ich schreibe lieber passend zum Thema spritzige Unterhaltungslektüre mit dem Tiefgang eines Nichtschwimmerbeckens- also genau richtig für einen heißen Tag im Freibad.( Balkon,Garten sind auch ok).

5 Tage im Mai

Die Eltern von Illy haben ein Sportgeschäft und damit nicht viel Zeit, sich um ihre Tochter zu kümmern. So wird Tatka, der Großvater, zur wichtigsten Person für das Kind. In seiner Werkstatt ist sie am liebsten, lauscht seinen vielen Geschichten und fühlt sich von ihm verstanden. Das ändert sich, als Illy, inzwischen Jugendliche, sich in Tristan verliebt und nur noch Augen für ihn hat. Tristan hat keinen gut Ruf im Dorf, denn er treibt sich in schlechter Gesellschaft herum. Ist Illy mit ihm alleine, verhält sich Tristan wie ein liebevoller und vernünftiger junger Mann, kommt er mit seiner Clique zusammen, trinkt er schnell zu viel und wird aggressiv. Illy sieht zuerst darüber hinweg, erst als es auf einer Feier zu einem schlimmen Zwischenfall kommt, distanziert sie sich von ihm. Diese vernünftige Entscheidung hat allerdings so schwerwiegende Folgen, dass erst Tatka nach Jahren, als Illy schon fast ihr Studium beendet hat, seine Enkelin von den tiefen Schuldgefühlen befreien kann, in dem er ihr die tragische Geschichte seiner eigenen ersten Liebe erzählt.

Illy ist eine sympathische Figur, ein Kind, Mädchen, junge Frau, voller Neugierde und Freude, dann aber auch voller Selbstzweifel und Grübeleien. Der Roman spielt im heutigen Tirol und Tatka ist ein Symbol für die vergangene Zeit. Er ist ein „harter Knochen“, dem man nichts vormachen kann und der sich auch nichts sagen lässt. Man gewinnt ihn beim Lesen lieb und sein Abschied von dieser Welt an seinem hundertsten Geburtstag lässt einen schon schlucken.

Alles in allem ein Buch, das mir gut gefallen hat. (Keine bezahlte Werbung)

Morgen gibt es einen musikalischen Beitrag zum Vatertag.

Begegnung mit Darwin und Marx

Vor der Buchbesprechung eine Entschuldigung: Beim Schreiben des gestrigen Textes bin ich wohl abgelenkt worden und es fehlten zwei Bilder und eine Jahreszahl zum Thema Reiseführer. Wer also evtl. diese Angaben vermisst hat, jetzt ist der Artikel komplett. Verspreche Besserung!

Dieses Buch las ich während meines Urlaubs und es passte perfekt zur Reise.

Darwin und Marx sind alt und krank. Obwohl sie nicht weit voneinander wohnen, kennen sie sich nicht persönlich, aber sie haben einen gemeinsamen Hausarzt. Doktor Beckett ist für seine Zeit ein sehr fortschrittlicher Arzt, denn er vertritt die Ansicht, dass viele Krankheiten auch seelische Ursachen haben und nimmt sich deshalb viel Zeit für Gespräche mit seinen berühmten Patienten. Er und damit auch wir als Leser bekommen einen tiefen Einblick in die seelischen Befindlichkeiten von Darwin und Marx. Darwin kommt aus einer religiösen Familie und die Tatsache, dass seine Evolutionstheorie die Aussagen der Bibel in Frage stellt, macht ihm sehr zu schaffen. Auch Marx reibt sich an der Frage der Religion, sie ist Opium für das Volk, doch diese Ansicht lässt ihn immer wieder in Ungnade fallen. Doktor Beckett macht den Vorschlag, dass sich beide einmal treffen sollten, doch das lehnen sie ab. Aber dann will es der Zufall, dass Marx eines Tages in Darwins Garten steht…

Vilnius mit seinen vielen Kirchen, Klaipeda mit vielen Straßenzügen aus alten kommunistischen Zeiten- bei der Reise waren die Themen Religion und Kommunismus bisher sehr lebendig. Da war dieses wirklich lesenswerte Buch eine willkommene „Unterfütterung“.

Morgen setzte ich mit der Fähre über auf die Kurische Nehrung.

Ein neuer Stern an meinem Krimihimmel

Als Einstimmung für einen Wienaufenthalt las ich drei Wienkrimis, zwei geschrieben von Heinrich Steinfest. (Siehe auch meine Besprechung seines Buches „Die Büglerin). Was soll ich sagen? Ich weiß jetzt, dass ich den nächsten Winter mit seinen Krimis verbringen werde und freue mich schon darauf. Angetan war ich schon vom ersten Buch.

Ein Mann wird auf der Dachterrasse eines Wiener Hochhauses in einem Swimmingpool tot aufgefunden. Das ist noch nicht so außergewöhnlich, aber die Todesursache verursacht der Wiener Mordkommission mit Chefinspektor Lukastik doch arge Kopfschmerzen. Der Mann wurde von einem Hai tot gebissen. Nicht von einem Nullachtfünfzehnhai, sondern von einer seltenen Spezies. Indizien sprechen dafür, dass die Tötung des Mannes im Swimmingpool oder in unmittelbarer Nähe stattgefunden haben muss. Der Wiener Zoo oder Transport vom Meer aufs Dach fallen deshalb weg.

Lukastik ist grantelnder Einzelgänger. Seine Kollegen lieben und hassen ihn. Lieben, weil er sehr erfolgreich ist, hassen, weil er sich nur mit ihnen abgibt, wenn es sein muss und dann nimmt er keine Rücksicht auf persönliche Befindlichkeiten. So ist es auch bei diesem Fall. Wer für den Tod des Mannes verantwortlich ist, das findet Lukastik recht schnell alleine heraus, doch wie der Mörder es mit dem Hai gemacht hat, das bleibt das große Rätsel, da sich der Mörder erschießt. Aber Lukastik gibt nicht auf und gerät dabei in nasse Todesgefahr.

Ein Krimi mit „Typen“ und einer skurrilen Geschichte, eben wienerisch, so wie ich es mag.

Und dann bekam ich durch Zufall den neusten Steinfest Krimi in die Hände. Völlig anders, aber noch besser.

Markus Cheng ist ein Detektiv, dessen Eltern wegen des Wiener Walzers vor Jahren aus China ausgewandert sind. Seit über 50 Jahren lebt er nun in Wien und schlägt sich schon tapfer als Detektiv durch. Bei seinem neuen Auftrag soll er die Unschuld eines deutschen Synchronsprechers beweisen, der wegen Mordes an einem sehr bekannten englischen Schauspieler, dem er bisher immer seine deutsche Stimme geliehen hat, verurteilt wurde. Die Beweise sind erdrückend, doch Cheng findet zwei Ungereimtheiten und muss deshalb nach London, um das Hotelzimmer, in dem der Mord geschehen ist, zu untersuchen. Seine Anwesenheit beunruhigt mehrere Menschen und im Laufe der weiteren Ermittlungen reist Cheng noch nach Island, Schottland und Grönland. Am Ende steht fest, dass der Angeklagte in diesem Fall unschuldig ist, aber eine alte andere Schuld muss er begleichen.

Ich weiß, diese Inhaltsangabe ist ein bisschen larifari, aber die Geschichte ist komplex. Nur so viel: Beim Lesen kam mir plötzlich der Gedanke, dass dieser Krimi genial durchkomponiert ist. Ja er ist eine Komposition mit Zutaten wie z.B. eine tödliche chinesische Kampfsportart, die weiße Tulpe eines MI5-Agenten als Erkennungszeichen, ein Pilzkochbuch als Science Fiction Roman, eine Sekretärin, die den Detektivposten von Cheng übernimmt oder ein verstorbener Hund, der immer wieder als Geist auftaucht. Dazu Gedankenaperçus und die Erschaffung von Bildern, die einzigartig sind. Grandios!

Morgen komme ich nun konkret zur Stadt Wien, in der ich 2 Tage bummeln durfte.


Die Traumsammlerin

Die Musik von Patti Smith begleitet mich schon mein ganzes Leben lang, aber erst jetzt entdeckte ich ihre Bücher und besonders bei diesem komme ich ins Schwärmen.

In diesem schmalen Band erinnert sie sich an Szenen in ihrer Kindheit, denkt an Freunde, erzählt von einsamen Tagen als Erwachsene, schreibt Gedichte. Dabei geht es nicht so sehr darum, was sie erlebt hat, sondern um ihre Eindrücke und Gefühle. Das ist so schön und teilweise ergreifend, dass ich das Buch gerade ein zweites Mal lese, um Bilder, die sie mit ihrer poetischen Sprache heraufbeschwört erneut zu genießen oder weitere zu entdecken. Wunderbar passend: Alte Schwarzweißfotos aus ihrem Archiv.

Wünsche Ihnen ein schönes Wochenende-bis Montag!

Anleitung zum Querdenken

Heute verbinde ich mal eine Buchbesprechung mit einer Quizfrage.

Dieses Buch stellt Ihnen in 50 Kapiteln Menschen vor, die ein Problem hatten und es lösten oder das Problem nicht aus der Welt schaffen konnten, beim Nachdenken aber auf eine Idee zur Beseitigung eines anderen Problems gekommen sind. Man wird beim Lesen bestens unterhalten und am Ende einer jeden Begebenheit wird dem Leser/ der Leserin gezeigt, was man aus der Geschichte für sein eigenes Leben lernen kann. Diese „Lehrsätze zum Erhalt von Superkräften“ sind sehr kreativ und stellen übliche Denkmuster auf den Kopf. Sehr schön unterstützt wird der Text von einer ausgefallenen Illustration.

Ich liebe diese Geschichten und würde Ihnen am liebsten alle sofort erzählen. Im Alltag, wenn ich z.B. Postits, Rollkoffer oder Alice Cooper im Fernsehen sehe, muss ich jetzt innerlich immer ein bisschen schmunzeln.

Ich verrate Ihnen, was es mit dem einarmigen Judo-Champion im Titel auf sich hat. Aber versuchen Sie zuerst, selbst die Lösung des Rätsels zu finden- das ist meine Gehirnjogging-Aufgabe fürs Wochenende.

Ein kleiner Junge verliert bei einem Unfall seinen linken Arm. Die Mutter schickt ihn daraufhin in eine Judoschule, wo sich ein Lehrer seiner annimmt. Er zeigt dem Jungen nur einen speziellen Wurf und lässt ihn diese Technik immer wieder üben. Das Resultat: Der Junge gewinnt die Meisterschaft, obwohl alle anderen Judoka zwei Arme haben. Warum hat er gewonnen?

Morgen Abend gibt es die passende Erklärung dazu.

Übrigens: Heute und morgen wird es schneien. Ich beweise es Ihnen am Montag.

Eigentümliche Wandlung

Gestern erzählte ich Ihnen vom Film „Die Tänzerin“ und erwähnte dabei Isadora Duncan, die im Film keine rühmliche Rolle spielt. Das machte mich neugierig, denn „die Duncan“ wird als Wegbegleiterin des modernen Tanzes von vielen Menschen verehrt. So nahm ich mir ihre Autobiografie vor.

Kurz zu der Lebensgeschichte: Isadora wächst in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Die Eltern haben sich scheiden lassen und die Mutter muss danach als Klavierlehrerin für ihre vier Kinder Geld verdienen. Es ist ein chaotischer Künstlerhaushalt, in dem die Familie oftmals nichts zu essen hat, sich aber mit geistiger Nahrung am Leben erhält und jedes Kind seinen Neigungen nachgehen kann. Bei Isadora ist es der Tanz und im Buch ist zu lesen, dass sie schon im Grundschulalter anderen Kindern Tanzunterricht gegeben hat. Im Gegensatz zum gängigen klassischen Ballett bewegt sie sich auf natürliche Weise und tanzt Figuren zu klassischen Musikstücken. Die Familie ist von Isadoras Talent überzeugt und kämpft dafür, dass man ihren Tanz als Kunst anerkennt. Erst in kleinen Schritten, dann in immer größeren wird Isadora bekannt, nach einigen Jahren ist sie ein Star. ( Zu dieser Zeit kommt sie zu Loïe Fuller-siehe den Beitrag von gestern-irgendetwas stimmt da nicht…). Ihr Bruder Raymond liebt das Theater, beide haben eine Leidenschaft für die griechische Antike und so tritt Isadora nur noch in einer Tunnika gekleidet auf und beide beschließen, in Griechenland einen eigenen Tempel zu bauen, wo sie dann ihre Künste zeigen wollen. Während Raymond in Griechenland bleibt, kehrt Isadora nach Deutschland zurück und eröffnet in Berlin eine Tanzschule für Kinder. Zwanzig Kinder leben und arbeiten mit ihr und Isadoras Schwester Elisabeth.

Um ihre Projekte finanzieren zu können, geht Isadora immer wieder auf Tournee. Heiraten würde sie nie, aber in einem schon etwas reiferen Alter hat sie diverse Liebschaften mit Bewunderern, darunter dann auch die Väter ihrer drei Kinder. Bei jeder Schwangerschaft steht sie vor der Entscheidung: Liebe oder ihre Kunst. Sie entscheidet sich für ihre Kinder, aber es ist immer ein Drahtseilakt, denn ihre Tanzkunst bedeutet ihr alles.

Das Ende der Duncan ist tragisch. Gezeichnet von Alkohol und Krankheit lebt sie in Nizza, wie immer pleite und auf die Hilfe von anderen angewiesen. Bei einer Autofahrt in einem Coupé verfängt sich ihr langer Schal in einem Reifen und stranguliert sie.

Dieses Buch hat Isadora Duncan geschrieben, um ihre leere Kassen aufzufüllen. So muss man ihrer Lebensbeichte mit einiger Skepsis gegenüber treten, denn wie sie selbst schreibt wünschte sich der Verleger weniger Tanztheorie dafür mehr skandalöse Stellen. Ich bewundere sie, weil sie zeitlebens an sich und ihre Tanzkunst geglaubt hat und sich nur sehr wenig um irgendwelche Konventionen geschert hat. Dreiviertel des Buches mochte ich aber nicht, denn ihr Erzählton schwankt zwischen Überheblichkeit, Narzissmus und Naivität und nervte mich. Erst zum Ende hin, als es um ihre Kinder geht, schreibt sie berührend und ich war erstaunt über ihre Wandlung, auch nachdenklich und selbstkritisch schreiben zu können.

Wer nicht lesen, sondern lieber gucken möchte:

Bis morgen!