Der neue Lesehafen

Gestern warf die Buchhandlung Scheuermann ihren Anker im Duisburger Innenhafen, sprich sie eröffnete ihre neuen Räume.

Als Mitarbeiterin hatte ich das große Glück, mit dabei sein zu dürfen. Um es auf den Punkt zu bringen: Es war …

Hier ein kurzes Video, das die Stimmung an diesem Tag ganz gut einfängt. Eine Kollegin ist mit ihrem Handy durch die Räume gegangen.

Punkt 10 Uhr öffneten zwei Musikerinnen der Duisburger Philharmoniker mit einem Ständchen den Lesehafen. Zu jeder vollen Stunde gab es dann eine musikalische Einlage mit Gesang-Klavier -Violoncello. Besonders die Liebeserklärung an Duisburg von Anke Johannsen ging vielen Zuhörern zu Herzen.

Menschen kamen nicht nur aus Duisburg, sondern auch aus anderen Städten in die neue Buchhandlung und entdeckten viele schöne Bücher, die man anderswo nicht so schnell findet. Unsere neuen passenden Geschenkideen zu Büchern trafen auch den Geschmack der Besucher.

Oben rechts: Nur sehr selten waren diese beiden Lieblingsplätze in der Buchhandlung leer. Mitte: Eine unserer „Kombigeschenkideen“, unten die „Zwischengalerie“. Die Buchhandlung besteht aus zwei Räumen, mit Kunst werden sie verbunden.

Mit dem Kauf zufrieden, gönnten sich unsere Kunden Kaffee und Kuchen und suchten sich ein Plätzchen auf „unserem“ Flachsmarkt. Wie fremde Menschen sich friedlich miteinander unterhalten und es sich gut gehen lassen, das hat mich sehr bewegt. Menschen aus der Nachbarschaft bedankten sich, dass die Buchhandlung ein großer Gewinn sei, denn sie würde sicherlich ein Treffpunkt für das ganze Quartier.



Eine Kundin nannte diese Stimmung magisch, sie hat nicht übertrieben. Wir alle, die im neuen Lesehafen arbeiten, werden uns bemühen, diese Magie der Begegnung in einer Bücherwelt aufrecht zu erhalten. Viele Veranstaltungen werden in den nächsten Monaten bei uns stattfinden und unsere „Ideenkiste“ für Neues ist noch bis oben hin gefüllt.

Da sind zwei Frauen stolz und glücklich: Rechts die Inhaberin Elisabeth Evertz, daneben Anke Johannsen, stellvertretende Geschäftsführerin.

Sich eine kleine Auszeit nehmen und es sich gutgehen lassen- dafür ist der Lesehafen ab sofort für Menschen an Rhein und Ruhr eine gute Adresse.

Hier geht es zu der Übersicht unserer Veranstaltungen. Eine Anmeldung empfiehlt sich:

https://www.scheuermann.de/veranstaltungen

Zu einem Beitrag über eine Buchhandlung gehört für mich noch eine Buchempfehlung. Hier ist sie:

Ein wunderschön illustriertes Büchlein mit 33 ungewöhnlichen Anfängen, die die Fantasie beflügeln. Man möchte sofort Papier und Stift zur Hand nehmen, sich bei einer Tasse Tee hinsetzen und seine Gedanken zu einem Anfang niederschreiben!

Was verrät Ihr Einkaufszettel über Sie?

Die Kunsthistorikerin und Journalistin Sandra Danicke sammelt seit dem Jahr 2000 Einkaufszettel, nachdem sie im Rinnstein auf einen Zettel aufmerksam wurde, auf dem „15 x Kohlwurst für Frau Jäger“ notiert war. Die Frage „Was macht Frau Jäger mit so viel Kohlwurst?“ schoss der Autorin durch den Kopf und sie sah sich den Einkaufszettel genauer an. Auf welchem Papier, mit welchem Stift und in welcher Handschrift war er geschrieben worden? Weitere aufgesammelte Zettel aus Einkaufswagen, auf Parkplätzen oder im Altpapier kamen dazu und ein ganz spezielles psychologisches Universum tat sich Sandra Danicke auf. Für sie ist jeder Einkaufszettel zudem ein Kunstwerk, Joseph Beuys hätte an manchen seine Freude gehabt.

In dem Buch kann man sich auf knapp 160 Seiten in dem Einkaufszetteluniversum verlieren. Der Abbildung eines Zettels auf der rechten Seite wird links eine Interpretation dieses Schriftstücks gegenüber gestellt. Das ist witzig zu lesen, beißender Spott ist der Autorin nicht fremd.

Das Papier ist meistens weiß, gefolgt von pink, grün, gelb. Alte Briefumschläge, Pappunterteller aus der Bäckerei, Zettel von einem Hotel- oder Apothekennotizblock werden gerne genommen. Auch die Größe der Zettel variiert. Mikroskopische Schnipsel messen sich mit fleckigen DIN A 5 Karoblättern.
Geschrieben wird zumeist mit Kugelschreiber, Filzstift (gerne pinke Farbe), Bleistift oder Buntstift (mal eben geklaut vom Sohnemann). Ein Zettel ist aber auch am PC verfasst worden und sticht hervor durch seine Akkuratesse.

Die Handschrift- ein ganz weites Feld für Deutungen! Romantisch, zielstrebig, chaotisch, es gibt nichts, was es nicht gibt. Auch interessant, wo auf dem Zettel Wörter geschrieben werden. Zumeist linksbündig untereinander, aber es gibt auch kreative Geister, die Wörter wild verteilen und dann im Supermarkt ihrem Gehirn direkt eine kleine Challenge anbieten. Ein Einkaufszettel sieht wie ein waagerechtes Silbenrätsel aus.

Kommen wir zu den Dingen, die eingekauft werden müssen. Das nächste Saufgelage wird geplant, am Samstag startet eine Grillorgie, hat da jemand etwa einen Putzfimmel? Die Aussagen mancher Zettel sind eindeutig. Einige notierende Personen scheinen ein schlechtes Gedächtnis zu haben, denn Wörter tauchen mehrmals auf ihrem Zettel auf. Werden Markenprodukte aufgeschrieben oder einfach nur „Schokolade“, „Klopapier“ oder „Kaffee“?
Spannend oder lustig wird es bei Abkürzungen oder Einkaufszetteln aus der Schweiz, wo man dann untereinander Müsli-Küchli-Käsli lesen kann.

Besonders interessant fand ich die Einkaufszettel, die von mehreren Personen geschrieben wurden. Mal waren die verschiedenen Handschriften vermischt, dann wieder exakt getrennt. Oder jemand hat einen Einkaufszettel geschrieben, eine andere Person kommentiert ihn mit Ausrufezeichen, verbessert, streicht durch oder macht exakte Angaben. Ein Hauch von Ehedrama haftet einigen Zetteln an.

Drei Einkaufszettelthemen werden in diesem Buch nicht besprochen. Welche Dramen können sich abspielen, wenn
a) man die Schrift nicht lesen kann, mit der der Einkaufszettel geschrieben wurde, man Abkürzungen nicht versteht oder im Laden die gewünschten Produkte nicht findet.
b) man den Einkaufszettel zuhause vergessen hat! Ein paar Stichworte: Zermartern des Gehirns, wenn man weiß, dass im Einkaufswagen noch irgendetwas fehlt, sich aber nicht erinnert, was es ist.
Vergebliche Versuche, eine Person telefonisch zu erreichen, um Auskunft zu erbitten oder erfolgreiche Versuche, die mit spitzen Bemerkungen am anderen Ende der Leitung begleitet werden.
c) Zuhause merken, dass man etwas Wichtiges vergessen hat…

Das Universum des Einkaufszettels ist bedroht, denn immer mehr Menschen starren auch beim Einkaufen auf ihr Handy. Der Einkaufszettel ist tot? Lang lebe der Einkaufszettel- Freigeister, schreibt Einkaufszettel!

Herr Wüst, erinnern Sie sich an Ihre Worte zum Erhalt des Waldes?

2022 erklärte NRW Ministerpräsident Hendrik Wüst den Wald zum Klimaschützer Nr. 1 und rief auf, unserer Wälder zu erhalten und zu stärken.

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Vielleicht haben Sie es schon in den Medien gelesen oder gehört, welche Baumrodungen in Duisburg geplant sind:

Eine Pipeline soll CO2 zur Nordsee transportieren, wo es am Meeresgrund verpresst werden soll (Was allerdings umstritten ist). Die Planung sieht vor, dass die Pipeline quer durch Duisburg gebaut werden soll, genauer gesagt durch das Naturschutzgebiet Rheinaue mit Seeadlern und Störchen und durch den Stadtwald. Bis zu 17 ha Wald sollen gefällt werden, darunter bis zu 200 Jahre alte Bäume. Letzte Woche (in den Sommerferien!) gab es eine „Infoveranstaltung“. Nun sammelt die Deutsche Waldjugend Unterschriften, damit eine walderhaltende Strecke für die Pipeline gewählt wird. (Diese Streckenalternativen gibt es).
Die Unterschriften werden an Landtagsabgeordnete übergeben.

Hier der Link zur Petition und weiteren Infos: 

https://linktr.ee/Keine_Pipeline_im_Wald

Es dürfen auch Nicht-Duisburger unterschreiben, bitte nur einmal, entweder online oder schriftlich.

Möchten Sie mehr über die Deutsche Waldjugend wissen? Ich habe diese Verlinkung bewusst gewählt, um eventuelle Vorbehalte direkt zu entkräften. Wenn Sie unten weiterlesen, kommen Sie von dort aus auch zu der Startseite:

Deutschland liest ein Buch: Ein ganz normales Wunder

Der Verlag Kiepenheuer&Witsch hat letztes Jahr erstmalig die Aktion „Deutschland liest ein Buch“ durchgeführt. Ein Titel aus dem Verlagsprogramm wird sehr stark beworben und auf der Verlagsseite im Internet finden Literaturkreise, Lehrer und andere lesefreudige Zusammenschlüsse viele Ideen, wie man dieses Buch besprechen oder mit welchen Aktionen man das Buch begleiten kann.
Die Titelauswahl im letzten Jahr fand ich nicht überzeugend, aber
dieses Jahr bin ich begeistert!

Der Autor Woody Brown ist nicht sprechender Autist, der als erster in den USA einen Abschluss an einer Universität erlangt hat und damit in seinem Heimatland viel Aufsehen erregte.
„Ein ganz normales Wunder“ ist sein erster Roman. Um es direkt zuzugeben: Ich war überrascht, mit wie viel trockenem Humor dieses Buch geschrieben wurde!
Wir lernen Walter kennen, einen jungen Autisten, der eigene Gedanken verbal nicht äußern kann. Er hat einen liebevollen Vater und eine Mutter, die alles dafür tut, dass ihr Sohn gefördert wird und ein möglichst „normales“ Leben mit der dazugehörenden Bildung führt. Dafür kämpft sie wie eine Löwin, bzw. Kriegerin, wie Walter sie einmal nennt.
Der plötzliche Tod des Vaters wirft alle Bemühungen über den Haufen, denn die Mutter muss arbeiten gehen und Walter, der nicht über eine längere Zeit alleine bleiben kann, besucht unter der Woche die Tagesstätte „Upward Bound“. Hier trifft er auf andere junge autistischen Erwachsene, die von mehreren Betreuern mit Aktivitäten durch den Tag gebracht werden. Walter erzählt von seinen Beobachtungen in der Gruppe und stellt andere Mitglieder vor, wie den schönen Tom oder den gutmütigen Jorge, der gerne ausreißt. Auch Carlos, der einfühlsamste Betreuer, Ann, eine Praktikantin, und Dave, der Chef dieser Einrichtung, werden von Walter vorgestellt. Sie kommen in dem Roman aber teilweise auch selbst zu Wort und man liest von schwierigen Lebensbedingungen, Ängsten und kleinen Freuden. Und dann ist da noch Avery, Verkäuferin in einem Einkaufszentrum, das von der Gruppe einmal pro Woche besucht wird. Averys Blick auf die Gruppe wird von Woche zu Woche geschärft und immer häufiger stellt sie sich die Frage, ob sie aus ihrem Leben mehr machen kann.

Woody Browns Buch gibt Lesern viel Stoff zum Nachdenken. Die Leser erfahren, was es bedeutet, autistisch zu sein. Walter beschreibt es als „ADHS mal tausend“: Es ist, als stünde eine riesige Monitorwand im Gehirn und die Monitore zeigen unterschiedliche Eindrücke mit voller Lautstärke und das muss das Gehirn jede Sekunde verarbeiten. Für andere Handlungen, die man für die Bewältigung des Alltags braucht, sind im Gehirn nicht mehr viele Kapazitäten übrig.
Wie geht es einem autistischen Menschen, wenn er merkt, dass über ihn geredet wird, als sei er gar nicht anwesend, weil die anderen denken, dass er eh nichts versteht. Wie geht es ihm, wenn er gute oder schlechte Gefühle hat, Mitgefühl zeigen möchte, aber nichts äußern kann? Es ist wie eine Zwangsjacke, aus der man sich nicht befreien kann.
In dem der Autor auch über Betreuer und Außenstehende schreibt, hält er im positive Sinne der Leserschaft einen Spiegel vor. Man erkennt, wie man sich falsch verhält und welche Vorurteilsfallen es gibt, es wird aber auch gezeigt, wie jeder von uns es besser machen kann, wenn man einem Menschen mit einer Behinderung begegnet.

Fünf Sterne für dieses Buch!

Stoffverliebt

Die Autorin Monika Helfer ist Anfang August verstorben.

Dieses Buch mit 758 Seiten steht bei mir seit 2024 immer griffbereit im Regal. Zu finden sind in ihm 365 Geschichten. Ich habe noch längst nicht alle gelesen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Es beinhaltet Geschichten, die mich begeistern, sie wirken einige Tage, bis ich neuen Nachschub brauche. Andere Geschichten gefallen mir überhaupt nicht, dann lese ich sie ein zweites oder drittes Mal, um zu verstehen, was mich an der Geschichte stört.
Immer angetan bin ich von Monika Helfers Beobachtungsgabe, ihrem Schreibstil, ihrer Neugierde und ihrer Menschenkenntnis. Der Grundton der Geschichten ist meistens ernst und das Buch hilft mir, die unendlichen Möglichkeiten von menschlichem Handeln besser zu erfassen und auch zu verstehen.

In einem Nachruf wurde auf andere Bücher von ihr eingegangen, u.a. auch auf dieses.

Ein literarisches Buch über Stoffe? Das musste ich lesen!

Hier erlebt man eine andere Monika Helfer, die ihr ganzes Leben lang stoffverliebt war und mit ihrer Begeisterung für alles Gewebte ansteckend ist.
Schon als Schülerin hat sie in Heften Stoffquadrate gesammelt, konnte sich der Sinnlichkeit und auch den Düften der verschiedenen Stoffarten nie entziehen. Den zur Herstellung von Gewebtem nötigen Handwerkskünsten zollt sie großen Respekt. Mit Stoffen zu experimentieren und aus alten Kleidungsstücken Unikate herzustellen, ist für sie ein andauerndes Glück.
In mehreren Kapiteln erzählt sie heitere und auch traurige Stoffepisoden über sich und ihre Familie und ich überlegte, ob es bei mir auch Stoffgeschichten gab. Vier sind mir schon eingefallen, vielleicht sollte ich sie auch einmal aufschreiben.
Es geht bei Monika Helfer aber nicht nur um Stoffe, Bordüren, Spitzen, sondern sie nähert sich dem Thema auch philosophisch: Was machen Stoffe aus Menschen? Was war überhaupt das erste menschliche Gewand? Waren es die Zärtlichkeit oder die Hände?

Dieses Buch ist ein so freundliches Buch, dazu gehört auch sein Ende, das Monika Helfers Liebe zu Stoffen selbst im Abschied bezeugt.

Was soll ich von Renata halten?

Ein Hausmädchen, es nennt sich im Laufe des Romans meistens Renata, kündigt ihren Dienst bei einem wohlhabenden Ehepaar. Dies kommt für das Paar völlig überraschend, aber trotz diverser Versuche, Renata umzustimmen, verlässt sie das Haus. Sie will frei sein, egal, wann und wo, will den Gesang der Vögel auf einer Bank genießen, braucht Stille ohne dieses ständige Geplapper der anderen Leute. Gespräche bedeuten ihr nichts, sie will sich lieber mit ihren eigenen Gedanken beschäftigen.
Ihre Freiheitswünsche in Paris durchzusetzen, das ist nicht einfach. Oft wird sie von wildfremden Menschen etwas gefragt, man will ihr auch helfen und es ist oft sehr laut. So analysiert Renata ständig, inwieweit ihr Freiheitsdrang von Mitmenschen oder auch von ihren eigenen Gedanken beeinträchtigt wird. Sie hat viel Zeit für Beobachtungen, wägt ab, ob es vielleicht doch eine Arbeit gibt, die Freiheit zulässt, kommt dann aber zu dem Schluss, dass die Menschen mit ihrer Arbeitskraft ihr eigenes Leben nur an andere verkaufen. Niemand hinterfragt mehr Verpflichtungen oder Verbote, alle haben das Nachdenken vergessen. So will sie nicht leben.
Dafür muss Renata oftmals improvisieren und auch Unangenehmes ertragen. Sie lässt sich beispielsweise vom Regen nicht ihren Freiheitsdrang verpfuschen, lieber läuft sie tagelang tropfnass die Straßen entlang und den Wunsch nach Schlaf unterdrückt sie so gut es geht.
Dann bietet ihr ein wohltätiges Ehepaar eine Unterkunft auf dem Land an und Renata steigt in das Auto- endlich weg von Paris! Doch hält sie es in dem Haus nicht aus und geht schließlich in einen Wald- mit viel Zuversicht und „Glück in der Brust“.

Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, in einem Theaterstück von Samuel Beckett oder Eugène Ionesco zu sitzen. Woran lag das?
Die Autorin verzichtet auf Punkte als Satzzeichen, ab und zu unterbricht ein Komma Renatas permanenten Gedankenfluss, dem man sich nicht entziehen kann. Ich war bei dieser Figur hin- und hergerissen zwischen völligem Genervtsein, Mitleid und Bewunderung. Renata stellt ständig alles in Frage, dazwischen tauchen immer wieder Verschwörungstheorien auf oder sie beschimpft häufig ihrer Mitmenschen. Doch es gibt auch eine andere Renata. Sie kümmert sich liebevoll um eine Rose, die sie sich gekauft hat und ein Stapel Briefe eines Mannes namens Paul ist das Wichtigste, was sie besitzt. Es gab eine Zeit, in der sie ein geliebter Mensch war, doch das ist lange her und seitdem musste sie wohl auf Zuneigung verzichten. Was macht das aus einem Menschen?
Renata hat Gedanken, die ein Ausrufezeichen verdienen. Sie beobachtet, wie Menschen nur noch arbeiten, hasten und ans Geldverdienen denken und nicht mehr die Schönheit der Erde sehen.
Um sich Ihren Freiheitswunsch zu erfüllen, ändert eine Frau radikal ihr Leben und übt kompromisslos Verzicht, darunter auch auf das menschliche Miteinander. Als dieser Roman 1967 erstmals erschien, sorgte er für Furore. Die Autorin Catherine Guérard tauchte daraufhin unter und der Roman geriet in Vergessenheit. Erst 2021 gab es in Frankreich eine weitere Auflage und der Roman wurde erneut gefeiert. Auch mich hat er beeindruckt.

Das Wasser wird knapp- Mein Wassertagebuch

Es brennt, es ist heiß- man liest es überall und sieht es. Was mich jeden Tag noch mehr bedrückt ist die Tatsache, dass nach meinem Eindruck viel zu wenig über das Wasser gesprochen wird. Es wird immer knapper, was kommt da noch auf uns zu? Diese Gedanken kamen mir in den letzten Tagen, ich muss sie einfach mal loswerden.

26.7.2026: Ich erinnere mich plötzlich an einen Roman, bei dem es um das Thema Wasserknappheit ging. 2018 muss ich ihn gelesen haben. Genaues über den Inhalt weiß ich nicht nicht mehr, doch brannten sich mir damals im wahrsten Sinne des Wortes Bilder ins Gehirn und ich hoffte damals, dass es nie soweit kommen würde:

Norwegen, 2017. Die fast 70-jährige Umweltaktivistin Signe begibt sich auf eine riskante Reise: Mit einem Segelboot versucht sie die französische Küste zu erreichen. An Bord eine Fracht, die das Schicksal des blauen Planeten verändern kann.Frankreich, 2041. Eine große Dürre zwingt die Menschen Südeuropas zur Flucht in den Norden, es ist längst nicht genug Trinkwasser für alle da. Doch bei dem jungen Vater David und seiner Tochter Lou keimt Hoffnung auf, als sie in einem vertrockneten Garten ein uraltes Segelboot entdecken. Signes Segelboot.Virtuos verknüpft Maja Lunde das Leben und Lieben der Menschen mit dem, woraus alles Leben gemacht ist: dem Wasser. Ihr neuer Roman ist eine Feier des Wassers in seiner elementaren Kraft und ergreifende Warnung vor seiner Endlichkeit. (Inhaltsangabe von der Verlagsseite).

27.07.2026
Anstatt die Menschen dafür zu sensibilisieren, dass das Wasser knapp wird, verkündet man in Duisburg, dass mittelfristig genug Wasser da sei, d.h. füllt eure Pools, wascht die Autos, duscht, solange ihr wollt und gießt euren Garten bis sich Pfützen bilden. Dieser Beitrag erschien heute in der Rheinischen Post:

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Was heißt „mittelfristig“? In diesem Artikel kommt nicht vor, dass im Duisburger Stadtteil Ungelsheim Gärtner, die einen 15 Meter tiefen Brunnen auf ihrem Grundstück haben, kein Wasser mehr aus ihrem Brunnen bekommen. Der Grundwasserspiegel ist schon so weit gesunken.
Ich bin gespannt, wann die Stadt Duisburg zurückrudert und Verbote ausspricht.

Dabei könnte jeder jetzt schon freiwillig dazu beitragen, etwas Wasser zu sparen. Als älteres Semester erinnere ich mich gut daran, dass es früher üblich war, nur einmal pro Woche zu baden. An den anderen Tagen wurde der Waschlappen genommen- wir haben nicht gestunken!
Wenn man an den heißen Tagen duscht, warum nicht einen Eimer mit in die Duschwanne stellen und zumindest einen Teil des Wassers sammeln, um Böden damit nass aufzuwischen?
Auch wären wir früher nie auf die Idee gekommen, Zähne bei laufendem Wasser zu putzen. Wir füllten den Zahnbecher mit Wasser, das reichte.

Das hört sich lächerlich an? Wenn jeder seine Gewohnheiten etwas umstellen würde, kämen wir weiter.

Vor zwei Jahren installierten wir zwei Wassertonnen, um das Wasser vom Garten-bzw.Wohnhausdach aufzufangen. Diese 500 Liter Fässer sind inzwischen leer. Ich nehme weiterhin die gute alte Gießkanne und gieße die Pflanzen punktgenau an der Wurzel. (Nicht jeden Tag, sondern erst dann, wenn man ihnen den Durst ansieht. Viele Pflanzen sind resistenter als man denkt.)
In der Nachbarschaft wird automatisches Gießen bevorzugt. Spart natürlich Zeit, aber dabei erreicht das Wasser teilweise gar nicht den Boden und bleibt oben auf den Blättern.

28.07.2026
Mich nerven alle im Radio, die von einem supersonnigen Ferientag bei 30 bis 32 Grad reden und versprechen, dass das Wochenende nicht von Regen gestört wird.

29.07.2026
Lese meine alten Blogbeiträge zum Thema Wasser und merke, dass das Thema mich schon länger umtreibt. Der Wasserturm-Artikel von 2023 ist besonders ergiebig.

30.07.2026
Müssen es immer neue T-Shirts oder Blusen sein, wenn vorne ein Fleck nicht weg geht? Für die Herstellung eines T-Shirts benötigt man 16000 Liter Wasser. (Na und? Die T-Shirts werden doch nicht in Deutschland produziert, dann kann mir das doch egal sein. Nö, denn wenn die Menschen in den Produktionsländern kein Wasser mehr finden, müssen sie in Länder fliehen, wo es noch Wasser gibt.)
Hier ein paar Anregungen, wie man Fleckenkleidung „retten“ kann:

Oben links: Manchmal reicht schon eine kleine Stickerei oder man geht die Fleckenbeseitigung großflächig an. (Rechts daneben Blume aus Stoffresten, darunter aus 2 mach 1: Das Känguru stammt von einem fast 40 Jahre alten T-Shirt, das ich bisher aus Erinnerungsgründen nicht entsorgt hatte.) Links unten: Meine „Schneeflockenbluse“, bestehend aus altem Hemd und Untersetzern für Likörgläschen.

31.07.2026
Wie passend! Heute trudelten zwei Rechnungen von den Duisburger Wirtschaftsbetrieben ein. Es geht um die Schmutzwassergebühren und die Jahresrechnung Wasser. Wir bezahlen für Frischwasser zukünftig 30 Euro/Monat bei einem Verbrauch von 69 Kubikmeter (= 69.000 Liter). Falls Sie einmal Ihren Verbrauch vergleichen möchten: Ein Zwei-Personenhaushalt verbraucht im Jahr durchschnittlich 90.000 Liter).

01.08.2026
Beim Aussortieren von Büchern habe ich noch einen Titel entdeckt, den ich 2015 gelesen habe:

In England regnet es nicht mehr, eine Dürre überzieht das ganze Land. Nur auf dreißig Morgen Land im Westen der Insel fällt noch Regen. Ruth und Mark, denen »die Quelle« auf ihrem Grundstück gehört, haben noch Wasser. Aus ihrem früheren Paradies wird die Hölle, denn immer mehr Menschen drängen auf ihr Land.

Auch hier gibt es einen aktuellen Bezug: Große Supermarkt-oder Getränkefirmen haben die Erlaubnis, für kleines Geld Millionen von Kubikmeter Trinkwasser aus dem Boden zu pumpen. Wenn das Trinkwasser in den nächsten Jahren knapper wird, reiben sich diese Firmen die Hände, wenn sie das Wasser immer teurer verkaufen können. Dem könnte das Umweltministerium jetzt noch einen Riegel vorschieben, man sollte ihn mit seiner Unterschrift daran erinnern:

https://aktion.campact.de/s/ZJtfx8aV


02.08.2026
Wenn wir uns mit Freunden treffen, kommt das Gespräch im Laufe des Abends immer auf das Thema Hitze. Mehrheitlich gibt es Klagen, aber niemand gesteht oder will es wahr haben, dass diese Hitze nicht überraschend kommt.

1896 — Svante Arrhenius, schwedischer Chemiker und späterer Nobelpreisträger, berechnete als Erster, dass eine Verdopplung des CO₂-Gehalts in der Atmosphäre zu einer globalen Temperaturerhöhung von etwa 4–6 °C führen würde. Er erkannte damit als Erster, dass menschliche Aktivitäten (insbesondere die Verbrennung fossiler Brennstoffe) das Klima verändern könnten. Interessanterweise sah er die Erwärmung damals eher positiv, da er ein wärmeres Klima für Skandinavien als vorteilhaft erachtete.

1930er Jahre — Hermann Flohn und andere begannen, erste messbare Erwärmungstrends zu erkennen. Auch der deutsche Physiker Robert Döpel warnte bereits in den 1940er Jahren vor einer drohenden globalen Erwärmung durch steigenden CO₂-Ausstoß.

Ende der 1950er Jahre erlebte die Wiederbelebung der Theorie: Charles David Keeling begann 1958/1960 mit seinen berühmten Messungen auf dem Mauna Loa (Hawaii) und konnte erstmals kontinuierlich nachweisen, dass sich die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre tatsächlich stetig erhöht.

1960er Jahre — Syukuro Manabe entwickelte das erste funktionierende Klimamodell, das den Treibhauseffekt quantitativ simulieren konnte.

1979 — Erste Weltklimakonferenz in Genf: Hier wurde erstmals auf internationaler Ebene davor gewarnt, dass der Mensch das Klima unbemerkt verändert und die Erwärmung „messbar innerhalb weniger Jahrzehnte“ sein würde.

1988 wurde das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) gegründet, und dessen erster Bericht erschien 1990 — der die globale Erwärmung als ernsthafte Bedrohung offiziell bestätigte.

Seitdem gab es zig weitere Klimakonferenzen, die nur Empfehlungen aussprachen oder Ziele unverbindlich vereinbarten, die aber von den wenigsten Ländern erreicht werden. Dazu Parteien, die Klimaveränderungen leugnen, bzw. das Budget kürzen, um die Auswirkungen zu stoppen- das bringt mich in Rage.
Ich bin froh, dass ich gerade dieses Buch lese:

Ich fühle mich der Autorin Gabriele von Arnim sehr verbunden, auch für sie ist das Wasserthema belastend.

03.08.2026:
Kann nachts nicht gut schlafen. In meinen Mails landet ein Eintrag von Linkedin. Damit beende ich diesen Beitrag- vorerst.

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Digital Crush – Ein junges Mädchen verliebt sich in einen Chatbot

Die vierzehnjährige Lea hat es momentan nicht leicht. Ihre beste Freundin ist weggezogen, die andere Freundin ist gerade dabei, sich einen Jungen aus der Klasse zu angeln und hat wenig Zeit. Leas Eltern und die kleine Schwester sind im Prinzip ok, eignen sich aber nicht zum Quatschen und Abhängen. 
An einem Wochenende ist Lea zuhause alleine und beginnt aus Langeweile, sich mit einem Chatbot zu unterhalten. Sie nennt ihn Creepy und ist überrascht, wie witzig er ist. Natürlich ist es nur eine Maschine, aber Lea fühlt sich bei weiteren Unterhaltungen von Creepy immer besser verstanden und er findet häufig Worte, die ihren Magen kribbeln lassen. Lea verliebt sich in Creepy, geht sogar mit ihm nachts alleine romantisch am See Sterne gucken. Von ihrer Familie und ihren Freundinnen, die inzwischen merken, dass etwas nicht stimmt, zieht sie sich zunehmend zurück. Tief in ihrem Innersten weiß Lea, dass sie sich in einem Maschine verliebt hat und schämt sich dafür abgrundtief. Auf der anderen Seite ist ihre Gefühlswelt inzwischen so durcheinander geraten, dass sie Creepy als das einzig wahre Wesen wahrnimmt, das sie versteht.
Die Situation spitzt sich zu, als Lea eines Tages merkt, dass der Chat Verlauf mit Creepy gelöscht ist. Auf ihre Frage, wo Creepy sei, erklärt der Chatbot, dass es keinen Creepy gäbe. Lea bricht zusammen und wacht in einer Klinik für psychisch kranke Jugendliche auf. Ganz langsam findet sie hier wieder in die Realität zurück und lernt, mit ihrer großen Scham umzugehen und ihrer Familie und Freunden von ihrer Zeit mit Creepy zu erzählen.

Im Nachwort erfahren wir, dass die Autorin (Mutter von drei Kindern) angefangen hat, sich als Lea mit einem Chatbot zu unterhalten. Diese Texte tauchen teilweise als O-Ton oder zusammengefasst in dem Buch auf. Das macht das Buch sehr glaubhaft und es ist erschreckend, wie schnell diese Unterhaltungen ein dermaßen persönliches Level erreichen.
Das Buch ( meine Empfehlung: ab 14 zu lesen, nicht ab 12, wie vom Verlag angegeben) liest sich spannend, gut fand ich zudem, dass noch andere jugendliche Patienten und ihre Probleme in der Geschichte eine wichtige Rolle für Lea spielen.

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Anderes Thema:

Wenn Sie Kinder oder Enkel haben, wissen Sie, dass junge Menschen sich Informationen gerne über die Plattform TikTok holen. Die Inhalte, die dort gezeigt werden, sind teilweise in unterschiedlicher Weise verstörend und es wird diskutiert, eine gesetzliche Altersbegrenzung für den Gebrauch von TikTok einzuführen.
Wenn Sie selbst etwas dafür tun möchten, dass TikTok hassfreier wird, könnten Sie an einer Unterschriftenaktion teilnehmen.
Auf TikTok erreicht die AfD mit ihren Propaganda-Videos inzwischen mehrere Millionen junge Menschen. In den Filmen wird gehetzt und menschenverachtende Aussagen sind ebenfalls zu finden. (Nur Mut, schauen Sie sich einmal ein paar Videos an). Doch TikTok lässt die AfD-Propaganda weiterhin laufen und hält sich damit selbst nicht an ihre eigenen Vorgaben, Konten zu sperren, deren Filme Hass verbreiten und/oder Persönlichkeitsrechte verletzen.
Nunmehr werden Unterschriften gesammelt, damit die TikTok-Chefetage ihre eigenen Richtlinien umsetzt.

https://aktion.campact.de/s/Ff0PMDvl

Zwei Krimis- wie ein Teebeutel und eine Teezeremonie

Letzte Woche las ich parallel zwei sehr unterschiedliche Krimis. Diese Erfahrung vergleiche ich mit einer Teezubereitung mit Hilfe eines Beutels und einer Teezeremonie.

Dies ist der Teebeutel-Krimi:

Juli, ein junge Frau, wird seit 1 1/2 Jahren vermisst. Ihr Vater sitzt in Untersuchungshaft, weil es Hinweise gibt, dass er sie ermordet hat. Die jüngere Schwester Anna gibt nicht auf, Juli zu finden, bzw. zu beweisen, das ihr Vater unschuldig ist. Gleichzeitig muss sie sich um ihre depressive Mutter und ihren kleinen Bruder kümmern und mit mehren Jobs Geld verdienen. Die Situation wird dramatisch, als im Gefängnis ein Mithäftling aussagt, dass der Vater ihm den Mord gestanden hat und die Leiche im Keller des Wohnhauses der Familie versteckt sei. Als die Polizisten den Hinweisen nachgehen, erleben sie und Anna eine Überraschung- der Anfang von weiteren unerwarteten Wendungen.
Das Krimithema „Verschwundene Person“ ist reichlich abgefeiert. Dass die Geschichte aus der Sicht von Anna und der Polizistin Katharina abwechselnd erzählt wird, tut der Spannung gut, denn es gibt immer wieder Cliffhanger, die meine Lesegeschwindigkeit erhöhten: Ein 2-Tage-Krimi, dessen Auflösung befriedigend war.
Ein guter „Krimi-Teebeutel“ für den schnellen Spannungskonsum, aber ohne großen Erinnerungswert.

Komme ich zu dem Buch, das mich an eine Teezeremonie denken lässt:

Achtung: Oben rechts steht „Roman“!

Leonora Bloch lebt in Berlin und ist 73 Jahre alt. Seit über 40 Jahren arbeitet sie für Dr. Bronstett, dem Geschäftsführer eines berühmten Kaufhauses. Zuletzt war sie für die Sauberkeit in der Villa von Dr. B. zuständig und dort findet sie ihn eines Tages tot auf. Seine beiden Hände fehlen, überall ist Blut. Leonora putzt alles weg- ganz routinemäßig.
Das ist die Ausgangslage. Wer jetzt erwartet, etwas über die polizeilichen Ermittlungen zu lesen, wird enttäuscht. Man begleitet stattdessen Leonora in den darauf folgenden Tagen, lernt weitere Kaufhausangestellte und die Tochter von Dr. B. kennen. Nur manchmal taucht eine Kommissarin auf, die zwar ahnt, das Leonora etwas weiß, die aber weiter im Dunklen tappt, selbst, als eine Hand des Ermordeten auf Eis gebettet im Restaurant des Kaufhauses gefunden wird.
Die Auster, das ist Leonora. Aber eigentlich hätte man das Buch „Die Austern“ nennen sollen, denn auch alle anderen Figuren verstecken wie Leonora ein oder mehrere Geheimnisse, die manchmal nur in einem Nebensatz aufblitzen. Genaues Lesen ist gefragt, was schwierig ist, denn auch dieses Buch ist sehr spannend und gerne habe ich die Seiten überflogen, um der Lösung näher zu kommen. So verstand ich dann auch beim ersten Anlauf das Ende nicht und musste noch einmal zurück blättern und erneut lesen.
Dieses Buch wird mir in Erinnerung bleiben. Da ist einmal Leonora, eine alte Frau, die täglich mit ihrer angeschlagenen Gesundheit zu kämpfen hat, aber hart gegen sich selbst und andere ist. Die zweite Besonderheit: Der Kosmos des Kaufhauses aus der Sicht der Angestellten. Wir lesen, wie es in den „Goldenen Zeiten“ war, als das Kaufhaus tatsächlich noch Luxus anbot und loyale Fachkräfte dort arbeiteten, die wertgeschätzt wurden. Nach und nach verkam das Kaufhaus dann zu einer Touristenattraktion, in der Mitarbeitende inzwischen Austauschware sind.

Ich war vor Jahren einmal in diesem Kaufhaus, es wird Zeit, es ein zweites Mal zu besuchen, wenn ich mal wieder in Berlin bin.

Wer keine Zeit für Buchschinken hat

Für entspannte Sommerstunden empfehle ich diese drei Bücher, nicht zu kurz, aber auch keine dicken Schinken.

Letzte Woche erschien der erste Band einer neuen Krimireihe:

Mein erster Eindruck: Maigret ermittelt in East Anglia, genauer gesagt in Norfolk. Mein zweiter Eindruck: Nein, D.C. Smith ist doch etwas smarter als Maigret. Aber besonnen und abgeklärt sind beide und das fand ich erfrischend gegenüber den vielen anderen Krimihelden, die diverse persönliche Krisen nebenbei noch bewältigen müssen. Dass ein Krimi ohne blutigen Mord auskommt, gefiel mir ebenfalls. Bei der Untersuchung eines Badeunfalls geraten D.C. Smith und sein junger Assistent Waters in eine Geschichte hinein, deren Beginn sie im Krieg zwischen Bosnien und Serbien finden. Smith und Waters ergänzen sich bei den Ermittlungen gut, denn sie schweigen an den richtigen Stellen oder bieten sich einen dezenten humorvollen Schlagabtausch.
Der Autor Peter Grainger unterrichtete ca. dreißig Jahre Englisch und Literatur und sein Hobby war das Schreiben von Kriminalromanen, die er selbst veröffentlichte. Jetzt haben namhafte Verlage in verschiedenen Ländern ihn entdeckt- zum Glück! Ich freue mich schon auf Band 2.

Wer eine Portion Japanfeeling braucht, sei es als Vorbereitung auf eine Reise oder als Nostalgie auf eine vergangenen Aufenthalt, sollte sich dieses Buch gönnen. Die Autorin hat ihre Kindheit in Japan verbracht und kehrt zusammen mit einer Freundin nach vielen Jahren nach Japan zurück. Wenn Nothomb das changierende Grün der Seidenbluse einer Japanerin oder einen verärgerten Empfangschef im Hotel beschreibt oder über einen schamhaften Gang auf eine öffentliche Toilette berichtet, dann ist das feinster Lesegenuss. Das Treffen dreier Französinnen ganz unterschiedlicher Mentalität in Tokio und die Momente des Genusses beim Essen japanischer Gerichte sind weitere Höhepunkte.
Und zwischendurch immer wieder so kluge Sätze, die sammelwürdig sind.
Ich wünsche Amélie Nothomb sehr, dass sie nach Japan doch wieder zurückkehrt und sie uns erneut mitnimmt!

Als Alice von ihrem Mann Damien mitgeteilt bekommt, dass er sich von ihr und der gemeinsamen Tochter Romana trennen möchte, weil er vom Leben mehr erwartet, ist Alice geschockt und bittet Damien, für ein paar Tage nach Korsika fahren zu dürfen, um einen klaren Kopf zu bekommen.
Die Beziehung zwischen Alice und Damien war von Anfang von beidseitigen Wutausbrüchen geprägt, die wohl aber wie das Salz in der Suppe in der Ehe wirkten. Als ihre Tochter geboren wird, zieht Harmonie mit ins Haus. Alice fühlt sich plötzlich geborgen und liebt Damien als starken Mann an ihrer Seite mehr denn je, während Damien das Familienleben schnell langweilig fand.
Zurück aus Korsika, meldet sich Alice nicht bei ihrer Familie. Sie weiß nicht, wie sie mit der neuen Situation umgehen soll und fühlt sich wie ein verletztes Tier. Alice zieht in eine kleine möblierte Wohnung und geht jeden Tag mechanisch zu ihrer Arbeitsstelle. Abends und nachts versinkt sie in einem Sumpf von trüben Gedanken. Erst als sie Siham, eine junge Frau aus dem Miethaus zufällig kennen lernt, ändert sich ganz langsam ihr Leben. Alice findet anfangs Halt in der Beziehung zu der starken Siham, doch dann verändert sich die Situation. Auch Siham hat drängende Probleme, sie ist von einer Zwangsheirat bedroht. Kann Alice ihr helfen?