Bücherliebe

Wenn ich in der Vergangenheit über „Bücherliebe“ sprach, dachte ich immer an die Liebe zu Büchern und zum Lesen. Man kann das Wort aber auch anders interpretieren, wie mir das Weihnachtsgeschenk einer Bekannten zeigte:

Aber noch einmal zurück zu der ersten Definition. Dies sind die Bücher, die ich über die Feiertage gelesen habe. Die Nummerierung ist schon ein Hinweis auf meine Bewertung. Mir gefielen alle, aber mit Abstrichen. Deshalb gibt es für 3-6 nur Kurzbesprechungen.

Nr. 6 „Leimen“. Die Geschichte eines Mannes, der durch „Leimen“ sich ein kolossales Netzwerk erschaffen hat. Boosmans erpresst Leute und fordert für sein Schweigen, dass sie eine hohe Stückzahl seiner Zeitschrift beziehen. In dieser Zeitschrift veröffentlicht er positive Firmenportraits und lässt sich dies noch einmal extra bezahlen. Dieser „Leimer“ sucht nun einen Nachfolger und ein junger Mann erscheint passend. Doch er muss eine harte Schule absolvieren, bis er sein Leim-Handwerk versteht. 1924 erstmals erschienen, wirkt die Sprache etwas altmodisch, aber das Buch ist eine Satire, in der man heutige Machenschaften durchaus erkennen kann.

Nr. 5 „Fup“- von Harry Rowohlt übersetzt- das sagt schon die Hälfte über das Buch aus, wenn man sich an Harry Rowohlt noch erinnert. Man kann sich Rowohlt sofort als Vorleser oder sogar als Hauptfigur in dem Roman vorstellen. Jake Santee ist Spieler, war mehrmals verheiratet und bekommt eines Tages von einem alten Indianer das Rezept eines hochprozentigen Lebenselixiers. Er spricht diesem Elixier sehr gut zu und schafft es dann auch locker mit über achtzig, sich um seinen Enkel Tiny zu kümmern, dessen Mutter, Jakes Tochter, gerade verstorben ist. Tiny ist ein stilles Kind, was dem alten Eigenbrötler sehr entgegenkommt. So lässt er seinen Enkel auch gewähren, als dieser für sich das Zäunebauen entdeckt und das ganze Gelände der Farm, auf dem die beiden leben, obsessiv immer wieder neu einzäunt. Die Jahre vergehen unspektakulär bis Tiny, inzwischen schon ein junger Mann, eines Tages ein fast totes Küken findet und es mit nach Hause nimmt. Der Vogel überlebt und bekommt den Namen Fup. Damit ändert sich das Leben von Jake und Tiny unerwartet…Ein Buch mit rauher Poesie und einem traurig-fröhlichen Ende.

Nr. 4 „Das Büro der einsamen Toten“. Der erste Teil einer Krimireihe mit Pieter Posthumus als Ermittler. Dieser ist Angestellter bei der Amsterdamer Stadtverwaltung und hat zusammen mit anderen Kollegen die Aufgabe, bei anonymen Toten zu recherchieren, ob es Verwandte gibt. Ist er dabei nicht erfolgreich, führt er Haushaltsauflösungen durch und versucht, Sachen aus den Wohnungen zu verkaufen, um die anonyme Beerdigung möglichst kostenneutral zu halten. Seine Kollegen spulen ihren Job ab, Posthumus „leidet“ unter einem Bauchgefühl, das ihm Zeichen gibt, wenn etwas bei den Toten nicht stimmt. In diesem Fall sind es ein Mann unbekannter Herkunft, der in seiner Wohnung anscheinend Selbstmord begangen hat und dessen angegebener Name nicht stimmt und einem Marokkaner, der tot in einer Gracht gefunden wird. Dessen Verwandte sind schnell gefunden, aber auch hier schlägt das Bauchgefühl Alarm. Der Krimiplot war mir teilweise etwas zu verworren, was mir gefiel, waren die eingestreuten Alltagsszenen, die Amsterdam charakterisieren.

Nr.3 „Die vergessene Insel“- Noch ein Krimi, oder besser eine Erzählung, mit zunehmend spannender Handlung. Die ältere Tochter einer Familie, die auf einer italienischen Insel Urlaub macht, verschwindet spurlos. Die Auflösung ist nicht sehr überraschend, aber die Autorin schafft es hervorragend, die Urlaubsstimmungen auf Insel zu beschreiben. Die Gerüche, Farben, Töne der Landschaft an einem heißen Sommertag- ich vergaß sofort unser hiesiges usselige Wetter. Auch wie die emotionalen Spannungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern, deren Freunden und Nachbarn schleichend zunehmen, war gut zu lesen.

Nr. 2 und Nr. 1? Nächste Woche geht es weiter!

Michael Ende-der Roman

Michael Ende war mein Lesethema in den letzten zwei Wochen. Neu erschienen ist dieser Roman über sein Leben:

Am Anfang wird die Geschichte seiner Eltern erzählt, Edgar und Louise. Edgar ist Maler, aber seine surrealistischen Bilder tun sich schwer im bürgerlichen Milieu. Die beiden leben von den spärlichen Einkünften, die Louise von ihrem Posamentengeschäft mit nach Hause bringt. Dann wird Michael geboren und für ein paar Jahre scheinen die drei ihr Glück gefunden zu haben. Beide lieben ihren Sohn abgöttisch und erzählen ihm viele Geschichten, besonders der Vater „versorgt“ seinen Sohn mit Fantasiewelten. Im Krieg erhält Edgar Ende erst Berufsverbot und bei einer Bombardierung, die sein Atelier trifft, verliert er fast alle Bilder. Während Louise darum kämpft, ihre Familie zu ernähren und zusammenzuhalten, zieht sich ihr Mann immer mehr zurück und verlässt schließlich die beiden. Tief getroffen, fixiert sich Louise ganz auf ihren Sohn und unterstützt ihn, wo immer es möglich ist.

Michael Ende versucht sich als junger Mann zuerst als Schauspieler, merkt aber bald, dass er als Autor hinter der Bühne besser aufgehoben ist. Er schreibt Texte für Kabaretts, Gedichte und kleine Geschichten und hält sich damit finanziell über Wasser. In dieser Zeit lernt er seine zukünftige Frau kennen, die Schauspielerin Ingeborg Hoffmann. Da sie sich nie mit ihrer Meinung zurückhält, ist sie bei Regisseuren nicht sehr beliebt und bekommt immer weniger Rollen. So verlegt sie ihre Energie auf Michaels Karriere und wird neben der konkurrierenden Mutter Louise zu seiner besten Kritikerin und Managerin. Sie baut ihn immer wieder auf, wenn er nicht den Erfolg bekommt, den er erwartet und bekräftigt ihn, dieses Buch den Verlagen anzubieten:

Der Thienemann Verlag wagt es, dies für die damalige Zeit ungeheuerliche Kinderbuch herauszubringen. Es gewinnt den Deutschen Kinderbuchpreis, verkauft sich bestens, doch fast alle Kritiker zerreißen das Buch als „pädagogisch nicht wertvoll“ und bezeichnen Ende ab sofort „nur“ noch als Kinderbuchautor.

Das Ehepaar zieht nach Italien, wo Michael mehr Muße haben soll, um einen Roman für Erwachsene zu schreiben. Doch mit „Momo“ bleibt Ende für fast alle Kritiker der Kinderbuchautor und auch die „Unendliche Geschichte“ bekommt nicht die Anerkennung, die Ende sich wünscht.

Die Jahre sind vergangen. Seine erste Frau ist gestorben, Michael heiratet zum zweiten Mal. Er ist eine Berühmtheit, doch nur selten ist er wirklich glücklich. Er verliert Millionen, da sein Finanzberater ihn betrogen hat, die Verfilmung der unendlichen Geschichte endet in einem nervenzehrenden Rechtsstreit. Michael Ende stirbt an Magenkrebs.

Fazit: Edgar Ende war für mich die spannendste Person und man möchte mehr über ihn wissen. Leider muss ich sagen, dass Michael Ende mir nach der Lektüre des Romans, an dem u.a. einer seiner intimsten Freunde beteiligt war, nicht sympathisch war. Ich empfinde sein Verhalten und seine Ansprüche teilweise als sehr egoistisch und auch als weltfremd. Respekt zolle ich ihm, wie er um die richtigen Bilder und Wörter für seine Bücher gerungen hat.

Aber die Person Michael Ende hat mich nicht abgehalten, endlich einmal die Bücher mit Jim Knopf zu lesen. Heutzutage politisch völlig unkorrekt geschrieben, aber so richtig schön, um alles um sich herum zu vergessen und an Kindertage mit der Augsburger Puppenkiste zu denken.

Tödliche Sonate

Den Abschluss meiner musikalischen Blogbeiträge bildet die Besprechung eines Krimi-Hörbuches. (Gibt es auch als Buch).

Das Hörbuch hat drei Sprecher, denn der Krimi spielt zum einen im heutigen Rom, wo ein Mord passiert, zum anderen bekommt man zwischendurch Einblick in die Gedanken des Mörders. Der dritte Sprecher widmet sich der Geschichte zweier Stradivari Geigen. Sie beginnt mit der Entstehung der Geigen und erzählt dann vom Schicksal dieser beiden Musikinstrumente bis in die heutige Zeit.

Commissario Di Bernado muss den Mord an der alten Musikagentin Cornelia Giordano aufklären. Das Musikgeschäft gleicht einer Schlangengrube und mordlüsternde Musiker, die sich von der Agentin betrogen fühlten oder die von ihr in ihrem Ego verletzt wurden, gibt es viele. Aber auch ihre beiden Söhne und eine protegierte Nichte hätten Gründe, Cornelia zu töten. Di Bernado tappt lange im Dunklen, doch dann scheint er eine Spur zu haben, die ihn zu zwei Stradivari Geigen führt, deren Wert auf viele Millionen Euro beziffert wird.

Das Hörbuch hat mir gut gefallen, an den drei Sprechern gibt es nichts zu mäkeln. Die Geschichte an sich hätte etwas zügiger ablaufen können. Was mich für den Krimi einnimmt ist die Tatsache, dass die Autorin selber eine internationale bekannte Violinsolistin ist und damit das Musikgeschäft sicherlich wahrheitsgetreu beschreibt.

107 Seiten Italien

Die Erzählung beginnt 1919. Doktor Fadigati, ein HNO-Arzt aus Venedig, zieht nach Ferrara und wird schnell ein angesehener Bürger. Er ist höflich, gebildet, seine Wartezimmer ähneln eher vornehmen Salons, in denen „man“ sich trifft. Dass er nicht verheiratet ist, irritiert ein bisschen, Versuche, für ihn eine passende Ehefrau zu finden, verlaufen aber im Sande. Auch als vermutet wird, dass Fadigati homosexuell ist, wird dies stillscheigend hingenommen, da er sehr diskret ist und sich nichts zu schulden kommen lässt. Das Wohlwollen verwandelt sich in Verachtung und Hass, als er während der Sommerferien im Lieblingsseebad der Bürger von Ferrara mit einem jugendlichen Liebhaber auftaucht, der zudem noch als Arbeitersohn einen schlechten Ruf hat. Der Arzt wird zur Persona non grata. Seine Praxis verwaist, Freunde hat er nicht mehr, höchstens noch einen Bekannten, den Erzähler der Geschichte. Auch dieser und seine Familie sind in Ferrara nicht mehr gerne gesehen, weil sie Juden sind. Inzwischen sind der Duce und Hitler Verbündete und „die guten Bürger von Ferrara“ übernehmen deren beider Weltbild. Fadigati vereinsamt und nimmt sich das Leben.

Das Buch hat mich nicht nur wegen seines Inhalts beeindruckt. Wie kaum ein anderer italienischer Schriftsteller versteht es Bassani, dem Leser italienische Atmosphäre zu vermitteln.

 

Zwei Krimi-Kurzbesprechungen

Letztlich habe ich mir mal wieder ein Hansjörg Schneider Krimi gegönnt. Den vierten, sechs habe ich noch in petto. Diese Krimis sind für mich wie ein paar Lieblingsschuhe: reinschlüpfen, bzw. reinlesen und sich sofort wohl fühlen.

In diesem Buch wird eine Ärztin, Anfang sechzig, mit einem Messer ermordet. Verdächtige gibt es viele: ihr Kollege in der Praxis und die Angestellten, Drogenabhängige, die sie mit Methanon versorgt hat, Bewohner eines Altenheims, die gegen die Hilfe für Drogenabhängige sind, ein undurchsichtiger Sohn, ein ehemaliger Liebhaber, Angehörige von Verstorbenen, bei denen die  Ärztin falsch diagnostiziert hat. Kommissar  Hunkeler lässt seine Kollegen in viele Richtungen ermitteln, er selbst geht im Rhein schwimmen, beobachtet, hört zu und wartet auf den richtigen Moment. Und dieser Moment kommt.

Wer noch keinen Schneider-Krimi gelesen hat, aber evtl. die Fernsehserie „München Mord“ kennt, kann sich von Kommissar Hunkeler ein Bild machen. Er erinnert mich an Kommissar Ludwig Schaller. Der 5. Band steht im Regal schon bereit…

Guido Guerrieri  ist erfolgreicher Anwalt in Bari. Er ist der einzige Anwalt , der einer Bitte der Staatsanwältin entspricht und als Nebenkläger in einem Stalking-Fall auftritt. Der Beklagte ist der Sohn des obersten Richters von Bari und Guerrieris  Aussichten, den Fall für seine Mandantin zu gewinnen, sind nicht gut. Es kommt zur Gerichtsverhandlung, aber damit ist der Krimi noch nicht zuende.

Um Guerrieri  zu charakterisieren, kommt jetzt ein Musikvideo. Er hört dieses Lied, ja die ganze CD sehr gerne.

Dieser Buchtitel  gehört ebenfalls zu den „leisen“ der Krimis, spannend, ein bisschen zynisch mit einer sympathischen Hauptperson. Auch hier gibt es mehrere Bände.

Das ist der richtige Hotelname- Italien Nr. 14

Die richtige Antwort lautet „Kursaal Hotel“. Ca. 1873 wurde das erste Hotel in Rimini eröffnet und trug diesen Namen. Dieses Hotel existiert heute nicht mehr.

 

Jetzt verabschiede ich mich entgültig von Italien. Morgen geht es mit Duisburger Leben weiter. Keine Sorge, wird auch wieder abwechslungsreich.

Tschüss!

Hotelnamen gesucht-Italien Nr. 13

Die Entfernung zwischen Rimini und Riccione beträgt, fährt man am Meer entlang, 13 Kilometer. An dieser Straße stehen zig Hotels. Vier dieser Hotels haben aber den selben Namen. Welcher Name könnte da sein?

1. Kursaal-Hotel

2. Schwarzwald-Hotel

3. Wittelsbacher Hotel

Morgen Abend nenne ich das Kind, bzw. das Hotel beim Namen.

 

Das Grand Hotel von Rimini- zwei Leseempfehlungen- Italien Nr. 11

Der berühmte italienische Regisseur Frederico Fellini  wurde in Rimini geboren. Immer, wenn er in seine Heimatstadt zurückkam, übernachtete er im Grand Hotel und in seinem Film „Amarcord“ spielt es sogar eine Rolle. Dieses Hotel kennen Sie schon vom Anfang meiner Italienbeiträge, hier noch einige Eindrücke:

Diese Art von Übernachtung ist eigentlich nicht „unsere Liga“, doch fand mein Mann bei DERTOURS ein Angebot, bei dem wir nicht widerstehen konnten. Im Winter versuchen die Hotels eben mit allen Mitteln, die Zahl der Zimmerbelegungen zu erhöhen und dann kann man schon einmal Glück haben.

So nahm ich mir dieses Buch mit, denn vor dem Hotel gibt es noch einen Fellini Park und es gab sogar mal ein kleines Fellini-Museum.

Fellini gibt in diesem Buch Kommentare zu seinen berühmten Filmen ab, er macht sich Gedanken über das Filmemachen und Filmkritiker. Aber auch Themen wie z.B. Kindererziehung, Feminismus, Jugendkultur oder Humor  werden behandelt. Wie „frisch“ manchmal seine Meinungen sind, hat mich überrascht, denn die Passagen aus Interviews stammen z.T. aus den 50er und 60er Jahren. Herr Fellini war ein kluger, sympathischer und abgeklärter Mann, so meine Meinung nach der Lektüre dieses Buches. Ich kenne bisher erst zwei Filme von ihm, werde mir aber sicherlich im Laufe der Zeit noch andere ansehen.

Mein zweiter Lesestoff war dieser Titel: 

Berlin, Frühling 1929: Theresa, Sekretärin und Übersetzerin in der Radiofabrik Bogner, wird von ihrem Chef nach Italien geschickt, um dort ansässige Firmen für Bogners innovative Radiotechnologie zu interessieren. Sie fährt zusammen mit den beiden Kindern von Bogner, die lieber auf Partys gehen, anstatt sich in der Firma zu engagieren.  Alle drei steigen im Grand Hotel in Rimini ab und lassen es sich zusammen mit anderen Reichen und Schönen gut gehen. Pflichtbewusst versucht Theresa aber auch, den Auftrag ihres Chefs zu erfüllen, doch werden ihr die Papiere und Anschauungsmodelle direkt gestohlen. Es wird sehr dramatisch, denn Theresa traut sich nicht, die Tat zu melden und verdächtigt jeden, sogar Massimilliano, einen italienischen Dokter, den sie kennengelernt und in den sie sich verliebt hat. Im Herbst, am Ende der Saison ist nichts mehr so, wie es zu Beginn war: Tote sind zu beklagen, Gäste der Grand Hotels sind wegen der Wirtschafkrise ruiniert, die Kinder von Bogner flüchten in die USA, Theresa kehrt nicht nach Berlin zu ihrem Verlobten zurück…

Das Grand Hotel wird in diesem Buch lebendig und der Werdegang Riminis als Badeort wird erzählt. Aber auch italienische Geschichte ist für die Handlung wichtig:  1929 ist Mussolini schon an der Macht, seine in Schwarz Uniformierten tauchen überall auf. Die italienische Bevölkerung ist gespalten zwischen Bewunderung und Angst. Jeder steht unter Verdacht, heimlich Kommunist zu sein und mit Kommunisten machen Mussolinis Schergen kurzen Prozess. 

Spannende, eher leichte Unterhaltung-für Rimini-Urlauberinnen ist dieses Buch perfekt, ansonsten muss man es aber nicht unbedingt lesen.

Ich kann mich immer noch nicht von Italien trennen, deshalb morgen zum Abschied noch ein bisschen „Teutonengrillmusik“.