
Ein Hausmädchen, es nennt sich im Laufe des Romans meistens Renata, kündigt ihren Dienst bei einem wohlhabenden Ehepaar. Dies kommt für das Paar völlig überraschend, aber trotz diverser Versuche, Renata umzustimmen, verlässt sie das Haus. Sie will frei sein, egal, wann und wo, will den Gesang der Vögel auf einer Bank genießen, braucht Stille ohne dieses ständige Geplapper der anderen Leute. Gespräche bedeuten ihr nichts, sie will sich lieber mit ihren eigenen Gedanken beschäftigen.
Ihre Freiheitswünsche in Paris durchzusetzen, das ist nicht einfach. Oft wird sie von wildfremden Menschen etwas gefragt, man will ihr auch helfen und es ist oft sehr laut. So analysiert Renata ständig, inwieweit ihr Freiheitsdrang von Mitmenschen oder auch von ihren eigenen Gedanken beeinträchtigt wird. Sie hat viel Zeit für Beobachtungen, wägt ab, ob es vielleicht doch eine Arbeit gibt, die Freiheit zulässt, kommt dann aber zu dem Schluss, dass die Menschen mit ihrer Arbeitskraft ihr eigenes Leben nur an andere verkaufen. Niemand hinterfragt mehr Verpflichtungen oder Verbote, alle haben das Nachdenken vergessen. So will sie nicht leben.
Dafür muss Renata oftmals improvisieren und auch Unangenehmes ertragen. Sie lässt sich beispielsweise vom Regen nicht ihren Freiheitsdrang verpfuschen, lieber läuft sie tagelang tropfnass die Straßen entlang und den Wunsch nach Schlaf unterdrückt sie so gut es geht.
Dann bietet ihr ein wohltätiges Ehepaar eine Unterkunft auf dem Land an und Renata steigt in das Auto- endlich weg von Paris! Doch hält sie es in dem Haus nicht aus und geht schließlich in einen Wald- mit viel Zuversicht und „Glück in der Brust“.
Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, in einem Theaterstück von Samuel Beckett oder Eugène Ionesco zu sitzen. Woran lag das?
Die Autorin verzichtet auf Punkte als Satzzeichen, ab und zu unterbricht ein Komma Renatas permanenten Gedankenfluss, dem man sich nicht entziehen kann. Ich war bei dieser Figur hin- und hergerissen zwischen völligem Genervtsein, Mitleid und Bewunderung. Renata stellt ständig alles in Frage, dazwischen tauchen immer wieder Verschwörungstheorien auf oder sie beschimpft häufig ihrer Mitmenschen. Doch es gibt auch eine andere Renata. Sie kümmert sich liebevoll um eine Rose, die sie sich gekauft hat und ein Stapel Briefe eines Mannes namens Paul ist das Wichtigste, was sie besitzt. Es gab eine Zeit, in der sie ein geliebter Mensch war, doch das ist lange her und seitdem musste sie wohl auf Zuneigung verzichten. Was macht das aus einem Menschen?
Renata hat Gedanken, die ein Ausrufezeichen verdienen. Sie beobachtet, wie Menschen nur noch arbeiten, hasten und ans Geldverdienen denken und nicht mehr die Schönheit der Erde sehen.
Um sich Ihren Freiheitswunsch zu erfüllen, ändert eine Frau radikal ihr Leben und übt kompromisslos Verzicht, darunter auch auf das menschliche Miteinander. Als dieser Roman 1967 erstmals erschien, sorgte er für Furore. Die Autorin Catherine Guérard tauchte daraufhin unter und der Roman geriet in Vergessenheit. Erst 2021 gab es in Frankreich eine weitere Auflage und der Roman wurde erneut gefeiert. Auch mich hat er beeindruckt.










Dieses Buch fand ich in einem meiner „Später mal lesen“- Kartons und entdeckte damit einen kleinen Schatz. Sehr konservativ fing ich vorne zu lesen an, in der Erwartung, dass das Buch eine Art „Best of“ deutscher Lyrikerinnen war. Falsch gedacht! Nachdem mir nur drei Autorennamen überhaupt etwas sagten und ich die ersten Gedichte z.T. auch recht bieder fand, blätterte ich glücklicherweise bis nach hinten durch, wo man Kurzbiografien der Autorinnen aufgelistet hat und ein Nachwort über diese Gedichtsammlung aufklärt. Die Autorinnen wurden zwischen 1880 und 1920 geboren, also in einer Zeit, wo Traditionelles von Modernem abgelöst wurde. ( Man denke z.B. in der Kunst an Expressionismus). So erklären sich bei den Gedichten die sehr unterschiedlichen Stile und Themen ( z.B. Alltagsbewältigung, Naturbeschreibungen, Erotik, Beziehungen zwischen Mann und Frau) und das macht das Büchlein besonders. Viele der 29 Autorinnen waren zu ihren Lebenszeiten sehr bekannt und ihre Romane und Lyrikbände hatten mehrere Auflagen. Heute kennt man ihre Werke kaum noch, zu Unrecht. Hier ein paar Gedichte als Beispiele:

