Im Sommer 2020 begann der Radiosender Bremen Zwei einen neuen Podcast mit Krimihörspielen unter dem Titel „Kein Mucks“.
Der Schauspieler Bastian Pastewka moderiert jede Sendung und erzählt auch ein bisschen zu den Hintergründen der Hörspiele. Diese stammen aus den 50er bis 80er Jahren und dauern ca. zwischen 30 und 60 Minuten. Zeichnen sich die heutigen Hörspiele durch eine Hightech-Geräuschkulisse aus, die jede einzelne Szene untermalt, mussten früher die Schauspieler mit ihren Stimmen dafür sorgen, dass die Spannung steigt. Mal ein bisschen Musik, vielleicht mal quietschende Reifen eines Fluchtautos, aber das ist dann auch schon alles. Die Sprecher und Sprecherinnen der Krimis gehörten damals zur Crème de la Crème, einige waren auch bekannte Schauspieler. Man begegnet z.B. Günther Neutze, Evelyn Hamann, Günther Strack oder Judy Winter.
Die Inhalte der Krimihörspiele sind nicht blutrünstig, es wird dezent gemordet und manche Geschichten kommen ganz ohne Mord aus, sind deshalb aber nicht weniger spannend.
Heute in einer Woche geht die 3. Staffel der Krimihörspielreihe zuende, danach soll Schluss sein. Aber man kann natürlich weiterhin alle bisherigen Sendungen abrufen. Mir machen diese Krimihörspiele viel Spaß, denn sie sind nicht nur spannend, sondern teilweise auch politisch inkorrekt. Ich mache beim Zuhören eine Zeitreise, die mich amüsiert oder auch manchmal den Kopf staunend schütteln lässt.
Möchten Sie mal reinhören? https://www.bremenzwei.de/sendungen/kein-mucks-104.html
Kategorie: Lesen + hören + sehen
Mein Lesegeschmack geht „querbeet“. Die meisten Bücher, die ich hier vorstelle, empfehle ich mit Herzblut, doch es kann auch mal ein Verriss dabei sein…Genauso verhält es sich mit den Hörbüchern und Filmen. Ich würde mich sehr über Empfehlungen freuen, denn man soll ja immer über den Tellerrand schauen!
Die spannende Welt der Müdigkeit

In diesem schmalen Buch erzählt Peter Handke von seinen Müdigkeit-Erlebnissen. Für ihn gibt es unterschiedliche Arten von Müdigkeit. Da wäre beispielsweise die Müdigkeit zum Fürchten, er denkt dabei an seine Zeit als Student, als er im Hörsaal gegen das Einschlafen ankämpfen musste, weil der Professor mit monotoner Stimme prüfungsrelevanten Stoff vortrug. Die Müdigkeit kann unterschiedlich sein, wenn man sie alleine, als Paar oder in einer Gruppe erlebt. Nie wird er die Heuernte in seiner Kindheit vergessen, die er zusammen mit anderen Menschen erlebt hat und an deren Ende eine gemeinsame Müdigkeit aufkam. Diese Müdigkeit war geprägt von Gefühlen der Geborgenheit, des Glücks und der Zufriedenheit. Dann gibt es noch eine transzendente Müdigkeit, die Handke erlebte, als er nach einem langen Flug völlig übernächtigt in Manhattan in einem Café sitzt und Leute beobachtet. Seine Müdigkeit lässt ihn in einer bisher unbekannten Klarheit die Individualität jedes Menschen erkennen.
Dieses Büchlein regte mich dazu an, über meine eigene Müdigkeitspalette nachzudenken und ich bin immer noch verblüfft, wie vielfältig die Gründe für Müdigkeit sein können. Plötzlich stiegen von ganz unten Erinnerungsschätze hoch, bei denen das Müdesein im positiven oder negativen Sinne etwas Besonderes war. Zwei persönliche Beispiele: Die Besuche von Elektromärkten oder großen Möbelhäusern verlangen anschließend immer ein kurzes Nickerchen. Auto-, Zug- und Flugreisen garantieren erholsamen Schlaf. Erweitert man den Begriff Müdigkeit im Sinne von Langeweile, Erschöpftsein und Frustration tun sich weitere Erinnerungen auf.
Es lohnt sich also, mal über die eigene Müdigkeit nachzudenken.
Deutsch für alle
Ist Deutsch Ihre Muttersprache? Dann beglückwünschen Sie sich dazu, diese Sprache nicht wie der Autor Abbas Khider neu lernen zu müssen.

Er ist ein Flüchtling aus dem Irak und kommt nach mehreren Zwischenstationen im Jahr 2000 in Bayern an. Dort beginnt er umgehend, die deutsche Sprache zu lernen und hat schnell drei phonetische Todfeinde: Ä Ö Ü. Diese Buchstaben richtig auszusprechen- keine Chance! Aber auch grammatikalische Regeln lassen Khider immer wieder verzweifeln. Es gibt Regeln, die haben so viele Ausnahmen, dass man eigentlich nicht mehr von einer Regel sprechen kann. Andere Regeln leuchten ihm und seinen Mitschülern partout nicht ein und nach der Lektüre des Buches neige ich nun auch dazu, die deutsche Sprache teilweise als absurd zu bezeichnen.
Khider erzählt aber nicht nur von seinen Schwierigkeiten, sondern er bietet direkt Lösungsvorschläge an, wie man die deutsche Sprache vereinfachen könnte, so dass sie gute Aussichten hätte, die Weltsprache Nr. 1 zu werden. Diese Vorschläge haben mir nicht alle gefallen, aber genial fand ich die Einführung der arabischen Wörter „min“ und „ila“, sie reduzieren erheblich den Wust von deutschen Präpositionen.
Die deutsche Sprache- ein trockenes Thema? Mitnichten, denn Khider gelingt es, sehr humorvoll über Sprachunsinnigkeiten zu schreiben. Dazu erzählt er aus seinem Alltag als Flüchtling, Asylbewerber und schließlich als ausländischer Student und Autor. So liest man ganz nebenbei auch eine bewegende Lebensgeschichte und bekommt Einblick in den deutschen Behördenalltag, für den man sich als Deutsche/r nur schämen kann.
Abbas Khider ist inzwischen für seine Romane mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet worden. Dass ein Nichtmuttersprachler dieses Buch schreiben konnte, dass beeindruckt mich sehr.
Gedichte und Kurzgeschichten für Anfänger und Gourmets
Ich bin z.Zt. sehr mäkelig, was das Lesen von Romanen angeht. Seit Jahresbeginn habe ich schon mehrere Bücher angefangen, aber dann wieder weggelegt. So griff ich jetzt zu „verlässlichen“ Büchern von Franz Hohler.

Der Autor aus der Schweiz ist einer meiner Lieblingsschriftsteller, da er für mich ein Meister der Beobachtung ist und das Gesehene präzise in Gedichten und Kurzgeschichten formuliert. Dabei benutzt er eine einfache Sprache, so dass jemand, der nur mal kurz oder nach langer Zeit wieder etwas lesen möchte, mit seinen Büchern als Einstieg gut beraten ist. Aber auch Vielleser und Vielleserinnen werden diese Bücher genießen.
In 113 einseitige Geschichten tritt Hohler als Herausgeber auf und präsentiert seine Lieblingskurzgeschichten. Darunter sind beispielsweise Erzählungen von Jean Cocteau, Christine Nöstlinger, Franz Kafka oder dem siebenjährigen Simon, aber auch ein paar Geschichten, die von ihm selbst geschrieben sind. Einseitig bezieht sich auf die Länge der Texte, nicht auf die Themenauswahl. Diese ist breitgefächert, genau wie unser Alltag, der aus vielen kleinen Geschichten besteht. Diese Geschichten sind alles:Humorvoll, spannend, überraschend, traurig, grotesk, hintersinnig. Wie drücken Ameisen ihre Liebe zu einer anderen Ameise aus? Was macht die englische Königin nachts im Berliner Stadtteil Grunewald? Was hat es mit Kaiserin Ida auf sich? sind drei Inhaltsschnipsel, die Sie neugierig machen sollen. Ein Buch zum Immerwiederlesen.
“Sommergelächter“ beinhaltet über 300 Gedichte, die Hohler zwischen 1966 und 2018 geschrieben hat. „Vierzig vorbei“, „Vom richtigen Gebrauch der Zeit“, „Alt?“ und „Verstreute Gedichte“ sind die Überbegriffe, unter denen man kurze, aber auch mehrseitige Gedichte findet. Darunter auch ein paar in Schwizerdütsch und in anderen Sprachen.
Beim Lesen der Gedichte kamen mir immer wieder Gedanken wie „Genau so ist es!“ oder „Ja, das ist wichtig, darauf sollte man viel mehr achten.“ Hohler hat sich Zeit seines Lebens als Privatperson oder auch als Kabarettist eingemischt und seinen Finger in politische und gesellschaftliche Wunden gelegt. Schnörkellos tut er dies auch in seinen Gedichten.
Berührt haben mich auch die Nachrufe auf verstorbene Freunde oder Kollegen. Ich kannte nur den Schriftsteller Urs Widmer, aber bei den anderen Personen hatte ich das Gefühl, ihnen durch Hohlers Gedichte auch nah zu sein.
Franz Hohler hat übrigens auch Romane geschrieben, nur leider kenne ich sie schon alle…
.
Kleine Leseauszeiten mit Happy End

Diese beiden Bücher eignen sich wunderbar, um für eine kurze Weile abzuschalten und sich zu freuen. Der rechte Titel ist auf 82 Seiten eine Sammlung von 24 Miniaturbetrachtungen zum Thema Alter, geschrieben von Lily Brett, ca. siebzig, in New York lebend. In dieser Stadt ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass man ewig jung bleibt, doch gibt es immer wieder Situationen, in denen die Autorin nur noch genervt vom Älterwerden ist, wie beispielsweise im Appleshop oder im Wartezimmer eine Arztes. Bei anderen Begebenheiten zeigen sich dann aber auch ihre Gelassenheit und ihr Humor. Mal fühlt sie sich eben wie ein junges Mädchen, an anderen Tagen als eine so alte Frau, dass sie es selbst kaum glauben kann.
Das linke Buch erzählt auf 187 Seiten eine Liebesgeschichte mit Happy End. Énide und Honorat leben als Ehepaar zurückgezogen in Paris. Als beide Eltern werden, scheint ihr Glück vollkommen. Aber ihr Sohn Déodat ist unglaublich hässlich und der Schock ist anfangs für die Eltern groß. Doch das ändert sich spätestens, als Déodat mit 13 Monaten mit seinen sprachlichen Fähigkeiten überrascht und seiner Mutter ein Kompliment macht. Déodat ist hochbegabt und schlagfertig und besitzt darüber hinaus die Fähigkeit, emotional so stark zu sein, dass er die Erniedrigungen, die ihn während der Schule begleiten, aushält. Als Erwachsener wird er zum Liebling der Frauen, hat jedoch nur oberflächliche Liebesbeziehungen.
Ähnlich geht es dem Mädchen Trémière. Bei ihr sind es allerdings die perfekte Schönheit und ihre ruhiges Wesen, die sie zur gehassten Außenseiterin in der Schule machen. Beruflich wird sie sehr erfolgreich, doch Freunde hat sie keine.
Der Weg, bis Déodat und Trémière sich finden, ist lang, doch ihr Happy End umso schöner.
Samen- Unbeachtete Schönheiten
Vorgestern zeigte ich Ihnen vier Fotos und wollte wissen, was auf ihnen zu sehen ist. Es sind Samen in Fruchtständen.
Letzte Woche schwärmte ich schon von einem Buch aus dem Elisabeth Sandmann Verlag, auch dieses Buch ist in dem Verlag erschienen.

Dank ca. 200 grandioser Fotos wurde ich in eine Welt entführt, die ich bisher nur am Rande wahrgenommen habe. Im Garten freue ich mich z.B. jedes Jahr an den Samenständen von Akelei oder Klatschmohn, aber dank der Abbildungen in diesem Buch wurde mir erstmalig richtig bewusst, mit welchem unterschiedlichen Erscheinungsbild Pflanzen ihre Nachfolge regeln. Wie genial diese „Architektur“ der Fruchtstände ist, wird im zweiten Teil des Buches erklärt. Sie sind so konstruiert, dass die Samen beispielsweise über den Wind weitergetragen werden, sich im Fell von Tieren festhaken, die Fruchtstände eine Ausstattung haben, um im Meerwasser lange zu überleben oder durch große Spannung mit lautem Knall durch die Luft fliegen. (wie z.B. der Fruchtstand des Sandbüchsenbaumes, den man als Titelbild für das Buch ausgewählt hat).

Welchen Nutzen für Menschen haben die Bäume, Sträucher, Lianen oder Bodendecker, von denen die gezeigten Fruchtstände stammen? Ob man Möbel oder Boote baut, Körbe flechtet, Zahnpasta herstellt oder Teile als Arzneimittel nimmt (links oben der Fruchthülse des Skorpionschwanzes, einem Bodendecker, des bei Bissen des Skorpions helfen soll), jede Pflanze ist schützenswert. Das schreibe ich bewusst, denn wie man aus dem Buch auch erfährt, sind diverse Bäume durch Raubbau vom Aussterben bedroht.
Obwohl der Bildband ist nicht mehr lieferbar und auch antiquarisch kaum zu bekommen ist – ich habe ihn per Fernleihe für 2 Wochen ausgeliehen- habe ich das Buch besprochen. Das Thema „Genau hingucken“ liegt mir am Herzen und ich wollte versuchen, Ihnen ein bisschen von dem Zauber und Faszination zu vermitteln, den ein Buch gerade in der heutigen Zeit ausstrahlen kann.
Was sind das denn für „Tierchen“?

Sind es Tierchen, Lebewesen von einem anderen Stern oder Teile eines Lebewesens?
Am Montag kommt die Auflösung und ich stelle Ihnen ein passendes Buch vor.
Von Bäumen und Sternen
Haben Sie meinen letzten Blogbeitrag gelesen? In ihm stellte ich Ihnen ein Musikstück von John Cage vor. Heute habe ich das passende Buch zu der Musik:

Die Fotografin Beth Moon war 14 Jahre lang in der ganzen Welt unterwegs, um alte Bäume zu fotografieren und spezialisierte sich im Laufe der Jahre darauf, die Bäume unter spektakulären Sternenhimmel abzulichten- bei der weltweiten Lichtverschmutzung ein ganz besonderes Unterfangen. Der Grund dieser Spezialisierung waren wissenschaftliche Studien, in denen u.a. das Wachstum der Bäume mit den Bewegungen der Himmelskörper zusammenhängen soll. So werden z.B. Birken der Venus zugeordnet oder Buchen dem Saturn.
In dem Buch sind Fotos aus England, Italien, Namibia, Botswana den USA mit jeweils eine für das Land typische Baumart zu sehen. Das Faszinierende: Das Licht der Sterne, das wir auf der Erde sehen, ist oftmals genauso alt wie die Bäume, also 1000, 2000 Jahre und mehr. Ich schreibe nicht weiter, sondern lasse zwei Fotos für das Buch sprechen:


Zu den Fotos eines jeden Landes gibt es ausführliche Erklärungen, wann und wo Beth Moon fotografiert hat. Auch werden prägnante Sterne, die über den Bäumen zu sehen sind, namentlich erwähnt. „Fotografie als Pilgerfahrt“ ist der Titel eines Textes des amerikanischen Journalisten Clarke Strand, der am Ende des Bildbandes zu lesen ist. Lässt man sich auf diese Fotos ein, werden Grundfragen des Lebens ganz schnell präsent.
Ich möchte mich ausdrücklich bei dem Verlag Elisabeth Sandmann bedanken, der einmal mehr den Mut hatte, ein ausgefallenes Thema in einem Bildband zu präsentieren.
Keine bezahlte Werbung!
Dank einer Leserin
Die Liebe zur Heimatstadt Duisburg fällt manchmal schwer, doch dann bin ich auch wieder dankbar, dass ich hier wohne. Dafür verantwortlich ist u.a. die Duisburger Zentralbibliothek. Sie hat vor einigen Monaten einen neuen Online Auftritt bekommen. Zuhause auf dem Sofa sitzen,eine Tasse Kaffee steht bereit, sich online in den Regalen der Bücherei tummeln, Bücher entdecken und bestellen und schließlich in der Büchereifiliale vor Ort abholen, das ist für mich Freizeitgenuss. Das I-Tüpfelchen ist dann noch die Möglichkeit, sich Bücher via Fernleihe kommen zu lassen. Titel, die nicht im Bestand der Duisburger Bibliothek sind, aber in irgendeiner anderen vernetzten Bibliothek in Deutschland stehen, werden dort angefordert. Das habe ich schon mehrmals in Anspruch genommen. (Kostet pro Buch 3 Euro und man braucht pro Buch eine TAN-Nummer. Von diesen Nummern bekommt man von einer Mitarbeiterin zuvor via Mail mehrere mitgeteilt. Meine Bücher kamen z.B. aus Köln, Bielefeld oder der Bayerischen Staatsbibliothek in München in die Rheinhauser Bezirksbibliothek. Die meisten Bücher durfte ich für vier Wochen mit nach Hause nehmen, drei teure Kunstbildbände konnte ich mir vor Ort in Ruhe ansehen. Diese Stunden in der Bibliothek genieße ich ebenfalls. Der Service der Fernleihe ist deshalb so toll, weil ich schon lange vergriffene Bücher finde,

teure Bücher mir vorher ansehe, bevor ich sie mir kaufe

oder Titel von kleinen Verlagen, die in Buchhandlungen nur sehr selten vorrätig sind, lesen kann.

Ich freue mich schon auf das neue Jahr, denn längst habe ich noch nicht alle Serviceangebote der Duisburger Bibliothek ausprobiert. Ich weiß, dass ich immer freundliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fragen kann, wenn ich etwas nicht verstehe und fühle mich immer gut aufgehoben.
Deshalb mal der Dank einer Leserin.
Die Varus Nerv Bekanntschaft
Vor ca. drei Monaten lernte ich den Varus Nerv kennen. Hatte ich zuvor noch nie von ihm gehört, wurde er in verschiedenen Medien kurz hintereinander mehrmals erwähnt und ich wurde aufmerksam. Besonders beeindruckte mich eine Sendung, in dem Lars Lienhard zeigte, wie Sportler durch gezieltes Training eben dieses Nervenstrangs vermeintliche Schwächen in ihrer Sportart ausgleichen konnten. Ich entdeckte, dass Lienhard auch mehrere Bücher geschrieben hat und lieh mir diese beiden in der Bücherei aus:

Nun, was ist überhaupt der Vagus Nerv? Bevor ich laienhaften Blödsinn schreibe, zitiere ich den Leipziger Apotheker Ulrich Tepe, der sich auf seiner Internetseite u.a. auch mit dem Varus Nerv beschäftigt:
„Der Vagusnerv ist eine regulierende Schaltstelle zwischen dem Gehirn und den Organen. Als zehnter Gehirnnerv verläuft er vom Hirnstamm im Kopf über Hals und Brust bis zum Bauchraum. Auf seinem Weg verzweigt er sich. Er läuft unter anderem zum Herzen, zu Nieren, Leber, Milz und zu den Verdauungsorganen – und von dort wieder zurück zum Gehirn.“
Ich füge hinzu: Der Varus Nerv sagt dem Gehirn, was im Körper nicht stimmt, damit das Gehirn aktiv die Störung ausgleichen kann. Ist der Varus Nerv nun selbst nicht in Ordnung, bekommt das Gehirn unzureichende oder gar keine Informationen und der Selbstheilungsprozess stockt oder fällt aus.
Ich bin im Jahr 2020 zweimal auf meine linke Schulter gefallen. Glücklicherweise war nichts gebrochen, aber weder Physiotherapie noch Akupunktur konnten die Schmerzen und die Unbeweglichkeit des Halses ganz beseitigen. Einer der Schwerpunkte bei den in den Büchern beschriebenen Übungen sind Lektionen für Nacken und Schultern und so war ich sehr motiviert, diese auszuprobieren. Ein anderer Schwerpunkt liegt bei Übungen für die Augen und auch auf diesem Gebiet war mein Interesse geweckt.
In beiden Büchern werden nach einer theoretischen Einführung die Lektionen mit vielen Bildern sehr detailliert beschrieben. Im linken Buch sind diverse Übungen allerdings nur zusammen mit einer zweiten Person oder/ und verschiedenen Hilfsmitteln möglich, so dass mir das rechte Buch besser gefiel, hier kann man sich bei den Lektionen alleine und ohne große Vorbereitung austoben. 40 Ideen für verschiedene Bewegungsabläufe stehen zur Auswahl. Ich entschied mich, 15 Übungen täglich zu absolvieren und zu gucken, welche Wirkungen sich einstellen. Sehr sympathisch finde ich dabei, dass man einige Übungen im Liegen machen kann. Wenn man morgens noch keine Lust hat, aus dem warmen Bett zu kriechen, hat man einen guten Grund, noch etwa liegen zu bleiben…
Nach sechs Wochen habe ich folgenden Eindruck:
Ich kann meinen Hals wieder besser drehen. Dies merke ich besonders beim Autofahren, wenn ich nach links oder rechts gucken muss.
Meine Körperhaltung ist gerader, meine Schultern sacken nicht mehr so sehr nach vorne und ich stehe fester mit beiden Füßen auf dem Boden. Vor sechs Wochen wackelte ich noch sehr, als ich mich jeweils auf ein Bein stellte, jetzt ist das kein Thema mehr.
Das Augentraining macht mich morgens munter und hat außerdem mein Klavierspiel verbessert. Das Notenlesen geht merklich besser, was mich auch sehr beflügelt, mit den Übungen weiterzumachen und Schritt für Schritt noch ein paar neue Übungen mit einzubauen.
Wie Sie am Untertitel des rechten Buches sehen, helfen die Übungen auch noch bei anderen Gesundheitsproblemen. Man nennt den Varus Nerv auch den „Ruhe-und Erholungsnerv“- vielleicht sind ja einige Übungen auch gut bei Weihnachtsplanungsstress?
