Älter werden in Duisburg

Seit ein paar Tagen gibt es die 10.völlig neu überarbeitete Auflage dieser kostenlose Broschüre:

Mit 340 Seiten ist der Ratgeber allumfassend, wenn es um das Thema „Besser älter werden in Duisburg“ geht. Man findet viele nützliche Adressen, Ansprechpartner bei verschiedenen Problemen, Tipps für eine aktive Freizeitgestaltung und Informationen über rechtliche Bestimmungen.

Zu den üblichen Orten, an denen man sich bisher die Broschüre mitnehmen konnte, wie z.B. in den Bezirksämtern oder teilweise in den Büchereien, sind dieses Mal noch die Mayersche Bücherinsel in Rheinhausen und Edeka Laudage in Rumeln-Kaldenhausen hinzugekommen.

Die neunte Auflage von 2017 war schnell vergriffen, sollten Sie Interesse an der Neuauflage haben, zögern Sie nicht zu lange, sich ein Exemplar zu sichern.

Sie können es selbst bestimmen

Haben Sie für sich eine aktuelle Patientenverfügung ausgefüllt und unterschrieben und ein rechtsgültiges Testament verfasst? Wenn Sie zustimmen, lobe ich Sie, denn leider ist dies immer noch keine Selbstverständlichkeit hier bei uns in Deutschland. Allerdings fehlt bei Ihnen höchstwahrscheinlich noch ein drittes Element zur Absicherung ihrer persönlichen Wünsche und Bedürfnisse.

In der Ausgabe 2/2020 der Fachzeitschrift „Angehörige pflegen“ las ich einen Artikel von Frau Prof. Dr. Angelika Zegelin mit der Überschrift “Mein Fuß muss immer rausgucken“. In diesem Beitrag spricht sie ein Thema an, das viele von uns verdrängen. Bei der Patientenverfügung werden medizinische Maßnahmen am Ende des Lebens geregelt. Doch die Frage ist, wie mit meiner Person umgegangen wird, wenn ich zuvor ein Pflegefall bin und vielleicht nicht mehr sagen kann, was mir gut tut und was nicht. Frau Zegelin empfiehlt deshalb, sich vorab die Zeit zu nehmen und schriftlich festzulegen, was man braucht, um sich wohl zu fühlen und als Individuum wahrgenommen zu werden.
Was sind Sie für ein Mensch?
Stellen Sie sich z.B. vor, Sie liegen in einem Bett und eine Pflegeperson möchte Ihnen etwas Gutes tun und macht Musik an. Sie wählt den Sender mit Volksliedern, in der Annahme, dass alle älteren Menschen Volkslieder mögen. Ihr „musikalischer Werdegang“ war allerdings Beatles – Deep Purple -Jazz – Mozart und Bruckner. Volkslieder waren Ihnen immer schon ein Graus und Sie leiden nun in Ihrem Bett.
Die Summe der Kleinigkeiten macht Ihr Wohlbefinden aus. Welche Lieblingsfarbe haben Sie? Was essen und trinken Sie gerne? Haben Sie Eigenheiten bei der Körperpflege? Möchten Sie Erinnerungsfotos oder kleine Urlaubssouvenirs in Ihrer Nähe haben?

Sie wenden jetzt vielleicht ein, dass das Pflegepersonal heutzutage gar keine Zeit hat, auf solche „Spezialitäten“ einzugehen. Ich glaube fest daran, dass Personen, die sich um Sie kümmern, froh über jeden Hinweis sind, was Ihnen gut tut.
Deshalb ist es auch wichtig, dass Sie in dieser Auflistung Themen nennen, über die Sie gerne sprechen, etwas hören oder im Fernsehen sehen möchten. Wenn eine fremde Person sich um Sie kümmert, ist sie dankbar, wenn sie weiß, welche Interessen Sie haben.

Dieses Thema liegt mir besonders am Herzen. Wenn ich es geschafft habe, dass Sie ein bisschen darüber nachdenken und in Betracht ziehen, eine Wunschliste zu erstellen, dann lesen Sie bitte die Verfügung von Frau Zegelin. Besonders die ersten Abschnitte geben Anregungen, was man alles auf diese Liste setzen kann.

https://www.angelika-zegelin.de/app/download/5817173467/Mein+Fuss+muss+immer+rausgucken+-+Anmerkungen+Patientenverfügung.doc

Misanthropische Anwandlung

Folgenden Empfehlungsrundbrief bekam ich über meine Arbeitsstelle zugeschickt. Er richtet sich an ältere Menschen, ich finde, dass einige Hinweise bereits allgemeingültig sind. Sie mögen etwas Gebetsmühlenartiges haben, aber da sage ich nur: Steter Tropfen höhlt den Stein, bzw. in diesem Fall die Gehirne von uneinsichtigen Personen. Der letzte Hinweis lässt meine misanthropische Ader wieder ganz dick anschwellen…

Folgende Maßnahmen sollten ältere Menschen ergreifen, um sich zu schützen:

  • Reduzieren Sie soziale Kontakte soweit möglich, auch zu Gleichaltrigen, denn auch sie können Überträger sein.
  • Meiden Sie derzeit jeden unmittelbaren Kontakt zu Enkelkindern. Die Großeltern sollten möglichst nicht in die Betreuung einbezogen werden.
  • Gehen Sie nicht in Arztpraxen, rufen Sie im Bedarfsfall dort an, und fragen, wie Sie sich verhalten sollen.
  • Gehen Sie, falls möglich, nicht in Apotheken, bestellen Sie benötigte Arzneimittel per Telefon und lassen Sie sich diese liefern oder nehmen Sie, wenn möglich, Hilfe aus der Familie oder der Nachbarschaft an.
  • Nehmen Sie Bring- und Lieferangebote an: durch Familie und Nachbarn, durch Supermärkte.
  • Halten Sie ihre sozialen Kontakte über Telefon oder, wenn möglich, über Skype aufrecht.- Begrenzen Sie die Zahl der Personen, die in Ihre Wohnung kommen, auf ein Minimum.
  • Nutzen Sie das schöne Wetter, um spazieren zu gehen. Das stärkt Ihre Abwehr. Halten Sie auch dort mindestens zwei Meter Abstand, wenn Sie Bekannte treffen!
  • Auch in der aktuellen Situation ist Wachsamkeit vor „falschen Helfern“ notwendig. So fragen Betrüger besonders ältere Menschen nach Geld für teure Medikamente und medizinische Behandlungen; angebliche Handwerker behaupten, Haus und Wohnung zu überprüfen und desinfizieren zu wollen.

Das BMFSFJ (=Bundesministerium für Familie …) und die BAGSO (= Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V.) empfehlen daher dringend, Unbekannten kein Geld zu geben und sie nicht in die Wohnung zu lassen.

Elisabeth wird vermisst

Vor ein paar Tagen stellte ich Ihnen vier von sechs Büchern vor, die ich über die Feiertage gelesen hatte. Heute und morgen nun ein paar Bemerkungen zu Platz 1 und 2.

Platz 2:

Maud ist über achtzig und an Alzheimer erkrankt. Da sie noch alleine in ihrem Haus lebt, kommt täglich eine Pflegerin und ihre berufstätige Tochter Helen versucht, sich auch um ihre Mutter zu kümmern. Da Maud trotz der beiden oft alleine ist, macht sie sich viele Gedanken, die immer konfuser und für Maud unerklärlich sind. Wo ist beispielsweise ihre Freundin Elisabeth? Sie vermisst sie und meldet das bei der Polizei, aber niemand nimmt sie dort ernst. Oder hat man es ihr gesagt und sie hat es vergessen? Irgendetwas stimmt nicht und Maud hat in kurzen klaren Momenten den Sohn von Elisabeth in Verdacht, dass er etwas weiß, aber nichts sagt. Dann versinkt sie wieder in Erinnerungen an früher als sie noch ein Kind war und ihre große Schwester Surkey eines Tages spurlos verschwunden ist.

Mehr erzähle ich nicht, um Ihnen die Spannung dieses Buches nicht zu verderben.

Ich zeige Ihnen jetzt erst das Buchcover, weil sie sich vor meiner Besprechung nicht schon ein Urteil über das Buch bilden sollten.

Hätten Sie vermutet, dass es sich bei diesem Buch um die Geschichte einer an Alzheimer erkrankten alten Frau handelt?

Ich bedaure es sehr, dass ich das Buch nicht schon gelesen habe, als ich meine Mutter noch pflegte. Die Gedanken von Maud, ihre Unsicherheiten, ihre Ängste, ihre Hilflosigkeit und Verletztheit, wenn man ihr nicht mit Respekt und Verständnis begegnet werden unglaublich einfühlsam beschrieben. Die Lektüre hätte mich befähigt, mich noch besser in meine Mutter hineinzuversetzen.

Ich hoffe, dass der Verlag dieses Buch noch lange im Programm lässt und bei einer Neuauflage das Buchcover austauscht.

Morgen stelle ich Ihnen einen Autor vor, der ein wahrer Wortjongleur ist.

Heimfinder NRW

Seit gestern gibt es eine App mit o.g. Titel. 2231 Einrichtungen aus NRW melden ihre freien Kurzzeit- und Dauerpflegeplätze. Man kann nach dem Ort suchen, dann werden freie Stellen angezeigt, bzw. Stellen, die in Nebenorten offen sind. Ein zweite Möglichkeit ist das Nachsehen auf einer Karte.

Herausgegeben wird die App vom Ministerium für Arbeit und Gesundheit. Dank einer täglichen Meldepflicht seitens der Seniorenzentren, ist die App stets auf einem aktuellen Stand.

Dies ist eine so gute Nachricht, die musste ich schnell loswerden.

Morgen gibt es zu dem Thema eine passende Buchbesprechung.

Tiny house – Blick in die Zukunft in Duisburg

Gestern war ich im Duisburger Innenhafen, um mir dort ein „Tiny House“ mit 25qm Wohnfläche anzusehen.

Das kleine Haus vor der Volksbank.

Gezeigt wurde das Haus „Cabin One“ des Berliner Büros Cabin Spacey GmbH. Zwei Architekten haben es entwickelt unter den Prämissen Nachhaltigkeit, aktueller Technikstandard eines „Smart Home“ , Platzersparnis und Möglichkeit, das Haus auf das Flachdach eines anderen Gebäudes aufstellen zu können. (Allein in Berlin wäre es auf mehreren Tausend Dächern durchführbar).

Mich interessiert das Thema Wohnen auf kleinem Raum schon lange und ich war über die geschickte Aufteilung von Cabin One angetan. Hier wird ein kleiner Film gezeigt über Aufteilung und Technik:

https://www.schwaebisch-hall.de/wohnen-und-leben/wohntrends/smarthaus.html

Bei einem Vortrag über das Konzept des Hauses wurden die bereits heute bestehenden Möglichkeiten beschrieben, wie man ein Haus durch Technik noch bequemer und sicherer machen kann. Das war faszinierend, da auch darauf eingegangen wurde, wie diese Technik für alte Menschen oder Menschen mit Demenz einsetzbar ist.

Als ich wieder zuhause war, trieb ich mich noch länger im Internet herum, um mehr über das Thema zu erfahren. Viel Aktuelles gibt es noch nicht, aber dieses Artikel gibt annähernd einen Eindruck über den Vortrag.

https://www.schoener-wohnen.de/architektur/38528-rtkl-smart-home-fuer-senioren

Wie wird es in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren aussehen, wenn auch für meine Generation Hilfen zwingend notwendig werden? Noch besser als heute und das macht mich ein bisschen gelassener. Man muss nur neugierig und offen bleiben und sich für weitere Entwicklungen auf diesem Gebiet interessieren, um nicht den Anschluss zu verpassen.

KEINE BEZAHLTE WERBUNG!

Woche der Demenz (Demenz im Alltag Nr.4)

Für eine Woche wird das Thema Demenz bundesweit mit vielen besonderen Veranstaltungen und Vorträgen der Öffentlichkeit näher gebracht. Ein bisschen möchte ich dazu beitragen.

In Duisburg gibt es viele Stellen, die Ansprechpartner für dieses Thema sind. Hier nur eine kleine Auswahl an Informationsmaterial, das in meiner neuen Arbeitsstelle, der Rheinhauser AWO BBZ auf der Friedrich-Ebert-Str. ausliegt und das sich jeder holen kann.

Zurück zu einem Thema

Vor ca. 1 1/2 Jahren schrieb ich einige Beiträge zum Thema Demenz. Hintergrund war die Pflege meiner Mutter und die Erfahrungen, die ich bis dahin gemacht hatte.

Meine neue Arbeitsstelle bringt es mit sich, dass ich mich nun u.a. auch mit diesem Thema erneut beschäftigen werde. Jetzt aus einem anderen Blickwinkel, da ich nun pflegenden Angehörigen helfen möchte, wichtige Informationen nicht zu verpassen oder Anregungen zu geben, wie man als Pflegende(r) den Alltag meistern kann ohne selbst dabei krank zu werden.

Ich habe deshalb eine neue Kategorie eingerichtet, in der sich die alten und neuen Beiträge befinden, sie heißt Pflegealltag.

Diese Zeitung lernte ich jetzt erst kennen. Sie gibt es seit 2016 4x pro Jahr.

Die potentiellen Käufer sind die ca. 4,8 Millionen pflegenden Angehörigen. Ein besonderes Anliegen der Herausgeber ist es, die Angehörigen auch mental bei ihrem schwierigen Alltag zu unterstützen und z.B. Tipps für das eigene Wohlbefinden zu geben, Adressen aufzulisten, wo man sich Hilfe holen kann oder Erfahrungsberichte Betroffener zu veröffentlichen. Es gibt diverse Checklisten, wie man unbekannte Aufgaben bei der Pflege am besten löst und auch Produktvorstellungen, die das Leben der zu pflegenden Person erleichtern. Rechtliche Neuerungen, die es ja häufiger gibt, werden ausführlich erklärt.

Das Heft hat über 100 Seiten und kostet 4,50 Euro. Der Anteil an Werbeanzeigen ist erfreulich niedrig.

Ich kenne bisher nur dieses Heft und von ihm war ich angetan. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass sich bei der Lektüre mehrere Hefte die Themen irgendwann wiederholen, ein längeres Abonnement würde ich deshalb nicht nehmen. Am Ende des Magazins steht das nächste Erscheinungsdatum. Dann einfach sich das neue Heft ansehen und entscheiden, ob es Neues bietet.

Glück ist nicht gleich Glück (Demenz im Alltag Nr. 3)

Bei dem monatlichen Treffen von pflegenden Angehörigen bekamen wir die Aufgabe, jeden Tag in ein kleines Buch zumindest einen Moment aufzuschreiben, in dem wir trotz aller Belastung durch die Pflege so etwas wie ein Glücksgefühl hatten oder zumindest Zufriedenheit oder Freude verspürten. Das habe ich gemacht und dabei wurde mir erstmals sehr deutlich bewusst, wieviele Möglichkeiten es gibt, sich täglich selbst ein bisschen Freude zu bereiten. Hier meine elf gefundenen „Glückskategorien“:

Glück durch

eigene Dankbarkeit für „Selbstverständliches“
liebe Mitmenschen
schöne Erinnerungen
draußen in der Natur sein
den inneren Schweinehund überwinden
etwas lernen und dann können
überraschende Geschenke
Musik hören oder ein Buch lesen
Hilfe leisten für andere Menschen oder Tiere
etwas Leckeres essen oder trinken
sich ein bisschen Zeit für ein Hobby nehmen

 

Haben Sie noch andere Kategorien?

Schöpfen Sie den Entlastungsbetrag voll aus? (Demenz im Alltag Nr. 2)

Wissen Sie, dass Ihnen pro Monat zusätzlich zum Pflegegeld 125 Euro als Entlastungsbetrag zur Verfügung stehen, die Sie für eine Haushaltshilfe oder eine Person ausgeben können, die Sie zuhause vertritt?

Ich wusste es nicht, ein Mitarbeiter des Pflegedienstes „medidoc“ machte mich darauf aufmerksam. Er sagte mir, dass es für viele pflegende Angehörige nicht transparent sei, bei welchem Geldtopf man Anspruch gelten machen kann und der Entlastungsbetrag würde oft verfallen. Er gab mir den Tipp bei der Krankenkasse anzurufen und mich nach dem Betrag zu erkundigen, den mir zur Verfügung steht. Habe ich gemacht. Ein Teil des Entlastungsbetrages wurde für den Aufenthalt meiner Mutter in der Tagesstätte vom Roten Kreuz verwendet und doch waren in den letzten Monaten 800 Euro aufgelaufen, die ich nun noch zur Verfügung habe. Allerdings nur bis Ende Juni, danach ist das Anrecht auf das Geld verfallen. 

Vielleicht schütteln jetzt einige über mich den Kopf, wie kann sie nur so dumm sein…Stimmt, aber ich bin keine bürokratieaffine Frau und das fällt für mich eindeutig in diese Kategorie. Ich war sehr dankbar für den Tipp und lernte daraus, dass man möglichst viele Leute kennen sollte, die in irgendeiner Form mit dem Thema Demenz zu tun haben, „neudeutsch“ gesagt, man sollte sich möglichst vernetzen.