Ein traumhaftes windiges Buch

Veit ist Autor und beschließt, ein Jahr auf dem verlassenen Bauernhof seiner Großeltern zu verbringen. Hier hat er in seiner Kindheit viel Zeit verbracht und er möchte die Gegend neu erkunden, schreiben und den Wind beobachten.
Seine Übersetzerin Dora, zu der er ein recht enges Verhältnis hat, will er ein Jahr nicht sehen, sondern nur via Briefe den Kontakt aufrecht erhalten.
In dem Buch lesen wir diese Briefe von Veit und Dora.
Dora lebt in einer österreichischen Großstadt mit Lärm, Schmutz und Rücksichtslosigkeiten. In ihrem Beruf ist sie gehetzt und sie setzt sich darüber hinaus noch permanent den Nachrichten auf Social Media aus. Sie hat Angst, paranoid zu werden, denn immer häufiger glaubt sie, dass man sie überwacht und fühlt sich auf der anderen Seite zunehmend einsam.
Auch auf dem Land ist es laut, wenn die Bäume abgesägt werden, es knallt, weil gejagt wird, die Windräder surren oder auf der Schnellstraße die Autos rasen. In den Dörfern rund um den Bauernhof sieht Veit bei seinen Spaziergängen selten Menschen, die Geschäfte und Lokale von früher gibt es kaum noch. Stattdessen stehen Selbstversorgungscontainer dort, wo man aus Automaten Lebensmittel ziehen kann. Also auch hier Einsamkeit. Und doch findet Veit am Fenster in der Küche des Bauernhofes auch viel Ruhe und Frieden, wenn er den Vögeln zuschaut, die Wolken oder den Wind bzw. später auch Stürme beobachtet, wie sie auf die Landschaft und auch auf ihn Einfluss nehmen.
Die Briefe zeigen wechselnd zwei unterschiedliche Lebenswelten und das ist spannend zu lesen. Dora und Veit haben aber auch Gemeinsamkeiten. Dora schläft sehr schlecht oder träumt häufig und schreibt Veit in den Briefen von ihren Träumen. Auch der Schriftsteller träumt und berichtet. Es gibt abstruse Geschichten, aber die meisten Träume scheinen Botschaften an die beiden zu enthalten.
Die Beschreibungen der verschiedenen Winde und Stürme las ich besonders gerne und werde sie sicherlich immer mal wieder lesen. Ich möchte gerne meine Antennen für diese kostenlosen und höchst unterhaltsamen Beobachtungen trainieren. Ein Beispiel:

Autor: linda

Wohne in Duisburg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert