Eine Liebe, die nicht sein kann-oder doch?

Alina, Anfang 40, ist Journalistin bei einem Kölner Sender und wartet seit mehreren Jahren darauf, dass sie eine eigene Fernsehsendung bekommt. Jüngere Mitarbeiter überholen sie, wie beispielsweise Jakob. Er soll eine neue Show präsentieren, in der zuerst eine kurze Reportage gezeigt und dann über das Thema in einer Talkrunde gesprochen werden soll. Für Alina, die die Reportage drehen soll, ist das die letzte Chance, dem Programmchef ihr Können zu beweisen. Ihre Idee: Sie will eine Woche einen Obdachlosen mit der Kamera begleiten.
Ausgesucht hat sie sich Bohm, einem ca. Mitte 30 Jahre alten Mann. Dieser lehnt ab, besonders als Alina ihm eine Gage von 1000 Euro anbietet, ist er empört und Alina muss gehen.
Doch dann wird Bohms Hund bei einer Kneipenschlägerei schwer verletzt, die Behandlung kostet fast 1000 Euro und Bohm geht auf Alinas Angebot ein. In den nächsten Tagen begleitet die Journalistin den Mann bei der Essensausgabe, bei der Suche nach einem Schlafplatz oder auf der Kirmes und lernt einen bescheidenen, intelligenten und auch witzigen Menschen kennen. Alina fühlt sich zu ihm hingezogen und auch Bohm spürt nach langer Zeit zum ersten Mal ein Hauch von Glück, weil ein Mensch ihn wirklich wahrnimmt und nicht sofort verurteilt.
Bohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße- wie kam es dazu? Er trinkt, um schreckliche Gedanken aus seinem Kopf zu bekommen- was ist passiert?
Im Fortgang der Geschichte überschlagen sich die Ereignisse, bei denen nicht nur Bohm am Abgrund steht, sondern auch Jakob.
Daniel Bohms Geschichte wird am Ende des Romans erzählt. Er hat seit seiner Kindheit redlich versucht, im Leben einfach nur alles richtig zu machen, doch irgendwann hat ihn dieses hohe Ziel überfordert und er stürzte ins Unglück.

Ein obdachloser Mensch als Hauptperson in einem Roman- das findet man nicht häufig.
Der Autor Christian Huber lebt in Köln und hat dort einen Mann kennen gelernt, dessen Lebensgeschichte der Ausgangspunkt für diesen Roman ist. Huber schreibt auch für einen Fernsehsender, kennt sich in diesem Metier aus, was für den Handlungsverlauf wichtig ist.
Alina steht stellvertretend für die Weltsicht der „Normalbürger“, sie und ihre Eltern, und damit wohl auch die meisten Leser, tappen in Vorurteilsfallen. Wie schnell ein Mensch abstürzen kann, wird mit Jakobs Geschichte erzählt.
Das hat mir gut gefallen.
Eine Liebesgeschichte mit Zukunft zwischen Blohm und Alina- ist das möglich? Das Ende des Romans hängt glücklicherweise nicht voller Geigen, aber ein Neuanfang für Blom ist nicht mehr undenkbar.