Beobachtete mich ein zweiter Maigret? (FR Nr. 17)

Um mich auf unseren Besuch in Vichy einzustimmen, las ich diesen Simenonkrimi:

Linke Seite: Der Kurpark

Sein Chef und seine Frau haben Maigret überredet, endlich eine Kur in Vichy zu machen, um Überarbeitung und Übergewicht etwas entgegenzusetzen. Bei dem Ehepaar stellt sich schnell eine Kurroutine ein zwischen spazieren gehen, gesundes, ekelig schmeckendes Wasser trinken, im Park auf der Bank sitzen, gut essen oder sich in der Oper oder dem Kurhaus etwas Abwechslung gönnen.

Als wir in Vichy besuchten, war in der Oper „Tag der offenen Tür“- das haben wir gerne ausgenutzt!
Auch im Kurhaus gab es eine besondere Veranstaltung.

Maigret findet Gefallen an dem Kuraufenthalt, doch hält dieser ihn nicht davon ab, aus Routine andere Kurgäste zu beobachten und sich über deren Leben Gedanken zu machen.

Oben rechts der Musikpavillon, darunter die Heilquellenhalle, Anlaufstelle für Wassertrinker, links der Kurhalleneingang

Eine elegante Frau in fliederfarbenem Gewand fällt ihm besonders auf, ihre Ausstrahlung irritiert den Kommissar. Ist sie auch ein Kurgast oder lebt sie in einen der prächtigen Wohnhäusern von Vichy?

Es ist der Mord an dieser Frau, der Maigret kurze Zeit später aus seiner Kurroutine herausholt. Der für Vichy zuständige Kommissar aus Clérmont-Ferrand ist ein ehemaliger Kollege von Maigret und nimmt den besonderen Spürsinn seines alten Vorgesetzten gerne in Anspruch. Ganz langsam setzt Maigret von der Dame in Lila ein Bild zusammen, das dem äußeren Anschein Lügen straft.
Maigret-Krimis werden mein Leseleben weiterhin begleiten. Ich weiß, dass mich immer eine spannende Geschichte ohne Firlefanz erwartet, genau richtig für einen ruhigen Krimiabend.

Die Fotos zeigen, dass das heutige Vichy noch viel Pracht bietet. Jedoch bröckelt es überall und einige Bauten waren wegen ausstehender Renovierung geschlossen. Der Kurpark war größtenteils eine Großbaustelle, ein Schild erklärte, dass der Park ins 21. Jahrhundert geführt werden sollte.Wir konnten uns noch nicht vorstellen, wie das aussehen wird. So wirkten einige ältere Ehepaare, die auf den Bänken saßen, etwas verloren und sie beobachteten das Treiben der Bauarbeiter und der Passanten.
Die alten edlen Einkaufsstraßen, auf den früher reiche russische Kurgäste ihr Geld ausgaben, haben viel von ihrem Glanz verloren. Wie überall finden sich dort zumeist nur Filialen der globalen Ladenketten.

Wie mit der besonderen Geschichte Vichys während des 2. Weltkrieges umgegangen wird, konnte ich während unseres kurzen Aufenthalts nicht endgültig beurteilen. Üppige Skulpturen feiern die „Grande Nation“, kleine Erinnerungstafeln an verschiedenen Häusern beeindruckten mich mehr.

Ein Jugendstiljuwel fanden wir etwas abseits in einem noch älteren Viertel. Die Ursprünge der Kirche St-Blaise liegen im 12. Jahrhundert, der Anbau jedoch stammt aus den Anfängen des 20.Jahrhunderts.

Die Statue einer schwarzen Madonna und viele wunderschöne Fenster insprierten mich zu diesem Madonnenbildern.

Nächsten Montag beende ich die Frankreichrundreise. Ich hoffe, dass Ihnen die Lektüre genauso viel Spaß gemacht hat, wie mir das Schreiben!?
In den nächsten Wochen gebe ich noch ein paar Tipps für Ausflüge in der näheren Umgebung bevor dann Helsinki ein neues Reisethema wird.

Ich wünsche mir einen Dok-go

Frau Yeom ist pensionierte Lehrerin. Als ihr Mann stirbt, kauft sie sich in Seoul einen kleinen 24-Stunden-Laden, um eine Aufgabe zu haben und unter Menschen zu kommen. Ihr Sohn ist ihr dabei keine Hilfe, denn er träumt von einem geschäftlichen Coup, der ihn reich macht und hat für seine Mutter kein Verständnis.
Im Laden werden Dinge des täglichen Bedarfs angeboten, sowie auch Fertiggerichte, die man sich als Kunde in einer Mikrowelle direkt warm machen und essen kann. Das Geschäft läuft nicht so gut, da ganz in der Nähe ein zweiter größerer 24 Stunden-Laden eröffnet hat. Das ändert sich, als Frau Yeom Dok-go einstellt. Er ist ein Obdachloser, der sich die abgelaufenen Fertiggerichte aus dem Mülleimer fischt. Dok-go ist groß wie ein tapsiger Bär, stottert, erinnert sich an nichts, da der Alkohol seine Sinne stets vernebelt, ist aber stets sehr höflich. Frau Yeom stellt ihn unter der Bedingung ein, dass er nicht mehr trinkt und Dok-go übernimmt die Nachtschicht. Der Verzicht auf den Alkohol macht sich bei Dok-go bald bemerkbar, denn er stottert nicht mehr und sehr langsam kommen seine Erinnerungen zurück. Dok-go hat ein schwer zu definierendes Charisma und wird zum Schwarm der älteren Kundinnen, weist unverschämte Kunden in die Schranken und kann gut zuhören und sich sehr in andere Menschen hineinversetzen. So hilft er mit seiner Herzenswärme und Klugheit beispielsweise einer erfolglosen Schauspielerin, einem Familienvater, den die Arbeit auffrisst oder seiner Kollegin Oh, die Angst um ihren Sohn hat, denn er hat sich in seinem Zimmer verschanzt und spricht nicht mehr mit ihr.
Frau Yeom weiß, welches Glück sie hat, Dok-go als Mitarbeiter zu haben, doch kommt auch ein Tag des Abschieds. Dok-go muss sich seinen Erinnerungen stellen, um seine eigenen Dämonen zu besiegen.

Ein „Wie schön“- Seufzerbuch! Das Buch tut einfach nur gut und man wünscht sich, Dok-go würde in der Nähe wohnen und wäre ein Freund.

Steinig, malerisch, pompös, urig – vier Kleinodausflüge (FR Nr. 16)

Es muss nicht immer bombastisch sein, daran wurden wir bei unseren Ausflügen rund um Riom mal wieder erinnert.
Ein bisschen wie in Südengland fühlten wir uns in Charroux. Nette Cafés, Kunsthandwerkerlädchen, ein kleines Heimatmuseum und malerische Nischen und Gärten trugen dazu bei, dass wir uns hier sehr wohl fühlten.

Ein zweites Wohlfühlstädtchen ist Besse-et-St-Anastaise.

Unten links: Das Schaufenster eines kleinen Skisport-Museums, die Umgebung ist für Wintersport bekannt. Rechts daneben: Ein Messer-Laden, Messerschmieden sind ebenfalls eine Spezialität der Gegend.

In der Nähe des Ortes liegen der sehr schöne Vulkansee Lac Pavin (ich habe schlichtweg vergessen, Fotos zu machen) und die „Grottes de Jonas“, eine der größten Höhlenwohnanlagen in Europa. Man weiß nicht, wann die Höhlen zum ersten Mal bewohnt wurden, nachweisbar sind Siedlungsspuren ab 400 v. Chr. In späteren Jahrhunderten boten die Wohnungen Platz für 600 Menschen.

Wie oben geschrieben, es muss nicht immer bombastisch sein, aber Saint Nectaire überraschte uns dann doch mit altem Prunk.

Saint Nectaire besteht aus zwei Teilen. Der untere Teil war früher ein angesagter Kurort mit üppiger Kurarchitektur, heute standen viele Häuser leer, nur wenige Läden und Cafés waren noch geöffnet. Der obere Teil des Städtchen ist der ältere und hier steht eine über die Grenzen hinaus bekannte schöne romantische Kirche. In beiden Teilen gibt es mehrere Käseläden, denn Saint Nectaire ist ein „Wallfahrtsort“ für Käseliebhaber.

Bei unseren Landpartien kamen wir an diversen alten Wassertürmen vorbei, die mich dann zu dieser Collage inspirierten.

Ich nähere mich langsam dem Ende der Reise. Deshalb erscheinen ab nächste Woche wieder wie üblich zwei Beiträge pro Woche, darunter ein Bericht über unsere Fahrt Richtung Beaume, auf der wir in Vichy und Moulins einen Zwischenstop einlegten.

Farbe gegen Regenblues

Dieses Foto bekam ich am Samstag von einer Bekannten zugeschickt, sie ist gerade im Ammerland:

Das Schild änderte meine graue Stimmung und ich beschloss ziemlich spontan, den Tag farbig zu gestalten. Schon lange wollte ich mal meine alten Tuben mit Acrylfarbe durchsehen, ob sie nicht inzwischen eingetrocknet sind. Ich suchte mir dazu Papier, eine Glasscheibe und einen Wasserabzieher,

kleckste Farbe auf die Scheibe,

verwischte die Farbe

und drückte ein Blatt Papier auf die Scheibe.

Beim zweiten Durchgang kleckste ich direkt auf das Papier (Zeichenpapier) und verwischte die Farben. So sahen diese Ergebnisse aus:

Lots Frau heißt Chana und dreht sich nicht um
Der Fingerzeig

Beim Farbmixen hörte ich noch Musik von Omer Klein, einem Jazzpianisten aus Israel. Seine CD „Rockets on the Balcony“ kann ich für solche Kreativstunden wärmstens empfehlen.

Ein Tag in Clermont-Ferrand (FR Nr. 15)

Unser erstes Ziel in Clermont-Ferrand war nicht die Innenstadt, sondern der Vorort Montferrand, in dem man durch eine Altstadt mit beeindruckenden Häusern aus dem 16. Jahrhundert bummeln kann. Hier wohnten die Adeligen, bis im 17. Jahrhundert dieser Ort mit Clermont zusammengelegt wurde und die reichen Bürger in die Innenstadt zogen.
Besonders interessierte uns das „Musée d‘Art Roger-Quillot“, das seit 1991 in einem Kloster untergebracht ist und durch moderne Anbauten ergänzt wurde.

Ca. 1500 Exponate vom Mittelalter bis zur Neuzeit sind zu entdecken. So machten wir direkt Bekanntschaft mit dem Nationalhelden Vercingetorix, dem ein ganzer Saal gewidmet wurde.


Eine kleine, aber feine Auswahl von bekannten Künstlern wie Picasso, Klee oder Dufy überraschte in einem anderen Raum, Gefallen fand ich auch an der Ausstellung von französischen Künstlern ab 1950, die einen Kontrast zu den religiöse Figuren aus dem 13. Jahrhundert bildeten.

Während Montferrands Häuser eher aus hellem Kalkstein gebaut sind, hat der Rest der Stadt die für diese Gegend typischen dunklen Basalthäuser. Schwarzweissfotografie macht hier besonders Spaß!

Wie schon im letzten Beitrag angedeutet, ist die Kathedrale das raumeinnehmende Wahrzeichen der Stadt. Es gibt mehrere schöne Plätze , umsäumt von eindrucksvollen Prachbauten. Uns zog es allerdings noch einmal in die verwinkelte Altstadt mit ihren kleinen, feinen Geschäften. Hier wehte ein „subversives Windchen“.


Unser drittes Ziel war das Michelin-Museum, das in alten Werkshallen untergebracht ist. Hier verbrachten wir gute zwei Stunden, denn neben der Geschichte der Firma werden u.a. auch die Weiterentwicklung von Reifen demonstriert, die Beteiligung Michelins an der Konstruktionen besonderer Fahrzeuge und den Michelinreiseführer , Hotel-und Restaurantführer und Landkarten wird ebenfalls ein Raum gewidmet.


Riom war ein gut gewählter Ausgangspunkt, um weitere besondere Orte zu besuchen und die Landschaft zu genießen. Nächste Woche geht es mit diesen Ausflügen weiter.

817 besondere Momente

Der Autor Richard Wright ( 1908 bis 1960) war der erste afroamerikanische Schriftsteller, der in seinem Buch „Native Son“ schonungslos über Rassismus und Gewalt schrieb und damit viel Furore machte und später für Schriftsteller wie James Baldwin oder Chester Himes zum Vorbild wurde. Auf Reisen in Asien entdeckte er das Haiku und mit dieser Gedichtform beschäftigte er sich in den letzten Jahren seines Lebens, die durch schwere Krankheit gezeichnet waren.
Kurz zur Erinnerung: Ein Haiku besteht aus drei Zeilen, die Wörter haben in der ersten Zeil 5, in der zweiten 7 und in der dritten Zeile wieder 5 Silben. Ein Haiku widmet sich der Naur und im Kopf des Lesers sollte ein kleiner Film ablaufen, wenn er ein Haiku gelesen hat.

Die Apfelblüte
Erzittert im Sonnenlicht
Vom Bienengewicht.

Richard Wright schenkt uns mit seinen Haikus einen wunderbaren Naturkosmos.Wo kann man unerwartet Natur entdecken? Was machen wir mit der Natur? Was macht Natur mit uns Menschen, was mit der Stadt?

Diesen Block runter,
dann rechts, dort triffst du einen
Blühenden Pfirsich.

Tages- und Jahreszeiten, Temperaturen, das Wetter, Blumen, Obst und Gemüse, Tiere, Düfte- alle bieten dem Autor Themen für seine Haikus.

Feuchte Spinnweben,
Die Katze schleckt sich pingelig,
Zwischen den Zehen.

Blue Jazz im Mietshaus
Der Herbstnebel gewoben
Von der Trompete.

Zeigen manche Haikus neutral eine Momentaufnahme in den Bergen, auf dem Feld oder am Meer, gibt es einige andere Zeilen, die auch etwas verstörend sein können. Da tauchen immer mal wieder ein Blinder , ein totes Mädchen oder ein Fremder im Dorf auf. Die meisten Gedichte sind jedoch heiter oder melancholisch und sind mit viel Lebensweisheit geschrieben.

Mit Nasezucken,
Liest ein Hund ein Telegramm
An dem nassen Stamm.

Den Arzt verlassend,
Schaut die Welt ganz anders aus,
An dem Herbstmorgen.

Die Haikus in diesem Buch sind nicht wie in vielen anderen Büchern nach Jahreszeiten geordnet und so kann man das Buch kreuz und quer zu jeder Jahreszeit genießen- vielleicht zwei Haikus als Betthupferl vor dem Schlafengehen?

Zwei Rosenblätter-
sind sie Vorboten für die
duftende Schönheit?

Nach Erde duftend
noch meine beiden Hände
über dem Waschbecken
( Geschrieben nach einem regenfreien Nachmittag im Garten).

Schockverliebt in Elli

Vorletzte Woche fuhren wir Richtung Hattingen. Das Buch über das Eselchen Narcisse, das ich vor Kurzem besprochen habe (siehe unter „Narcisse bleibt stehen“) hatte bei uns Wirkung gezeigt. Wir wollten einmal selbst erfahren, wie es ist, mit einem Esel zu wandern, bzw. in diesem Fall zwei Stunden spazieren zu gehen. Sabrina, der Inhaberin von „Ruhresel“, empfing uns herzlich und dann wurden wir auch von Isabella, Mathilde, Lotte und Elli begrüßt.

Nachdem wir und ein weiteres Paar die Esel ein bisschen gebürstet und gestreichelt hatten, machten wir uns auf den Weg. Da es ein sehr warmer Tag war, wählte Sabrina eine schattige Strecke durch den nahegelegenen Wald. Schon bald merkten wir, dass jede Eselin eine eigene Persönlichkeit hatte. Mathilde lief gerne vorne, Isabella, ihre Freundin, folgte. Lotte und Elli liebten es ein bisschen gemütlicher. So waren sie auch etwas „cooler“, wenn beispielsweise Spaziergänger mit Hunden vorbei gingen. Die Mädels hatten aber eine Gemeinsamkeit: Die Liebe zu frischen Gräschen! Da musste man sich als Begleitperson dann öfter einmal durchsetzen, um ein Grasen zu vermeiden. Farne oder Ilex waren beispielsweise verboten, da sie für Esel gefährlich sind, Brombeeren und Buchenblättchen hingegen in den Futterpausen sehr willkommen.

Elli und ich verstanden uns blendend und ich bekam ein Gefühl dafür, wie schön es sein muss, mit einem Esel eine längere Wanderung zu unternehmen. Man ist mit sich und der Welt im reinen und Sorgen bleiben außen vor.

Nach dem Spaziergang durften wir unsere Wegbegleiter noch belohnen, das war noch leckerer!

Mir fiel der Abschied von Elli sehr schwer. Sabrina hatte uns während des Spaziergangs viel Wissenswertes über Esel erzählt. Das wollte ich vertiefen und las dieses Buch:

Wenn man zu mir zukünftig sagt, dass ich dumm wie ein Esel sei, so werde ich mich für diese Aussage bedanken, denn Esel sind kluge Tiere mit eigenem Kopf- das gefällt mir!

Wer noch mehr über Sabrina und ihre Ruhresel wissen möchte, hier geht es zu ihrer Homepage: https://www.ruhresel.de/

Kopf hoch!

Eine Kollegin von mir hat einen Vortrag von Professor Volker Busch gehört und war begeistert von seinen klaren Gedanken zu unserer miesen Stimmung in Deutschland. So wurde ich neugierig und lieh mir dieses Buch aus.

Der Untertitel beschreibt, worum es geht. Dazu gibt es fünf Hauptfragen:
– Wie kann ich die heutigen Ungewissheiten besser tolerieren?
– Wie schaffe ich es, dass die permanenten negativen Meldungen in allen Medien mich nicht komplett herunterziehen? Wo finde ich gute Nachrichten?
– Wie komme ich aus dem Gedankenkarussel heraus, das mich immer wieder quält?
-Das Leben mit mehr Humor nehmen, wie kann das gelingen?
– Wie erreiche ich es, mehr Vertrauen in die Zukunft zu bekommen?

Professor Busch schreibt auf 347 Seiten in klarer und humorvoller Sprache und verzichtet fast immer auf Fachausdrücke aus der Psychologie und Neurologie. Er erzählt zur Anschauung seiner Thesen diverse Geschichten aus seinem Arbeitsalltag in einem Regensburger Krankenhaus und belegt die Aussagen mit Ergebnissen aus anerkannten wissenschaftlichen Untersuchungen.
Ich könnte nun viele Beispiele aufführen, welche Gedanken mir in diesem Buch gut gefallen haben, ich beschränke mich auf einen.
Kennen Sie den Satz:“ Was kann ich schon tun, das bringt ja eh nichts!“ Falsch! Wenn Sie sich bei einem Thema große Sorgen machen, sagen wir beispielsweise bei Umweltfragen, und sie persönlich etwas dagegen tun, helfen Sie sich in diesem Moment selbst. Ihr Gehirn registriert, dass etwas getan wird und beruhigt sich. Sind Sie öfter auf diesem Gebiet aktiv, wird ihr Gehirn zuversichtlicher und die Sorgen nehmen ab. Ja, so einfach ist unser Gehirn gestrickt, man muss sich nur ein bisschen mit ihm befassen.
Nach der Lektüre hatte ich den Eindruck, dass mir der Kopf wieder etwas gerade gerückt worden ist und ich eine große Portion Gelassenheit gewonnen habe. Um diese nicht wieder zu verlieren, werde ich mir das Buch selbst kaufen und jeden Tag ein oder zwei der angenehm kurzen Kapitel lesen, um meine Gedanken immer wieder auf Kurs zu bringen.

Auf den Spuren der Tour de France (FR Nr. 14)

Während unserer Fahrt durch die Auvergne stießen wir immer wieder auf Spuren der Tour de France.

Oben links steht auf der Straße: „Ab hier beginnt die Hölle“.

Da mein Mann und ich im Fernsehen gerne die Tour de France verfolgen, wollten wir einmal auf den Puy de Dôme, einen knapp 1500m hohen Vulkan, der in den 80er Jahren und dann nach 35 Jahren wieder 2023 ein Ziel der Tour de France war. Die Fahrer müssen bis zu 12 % Steigung überwinden…
Wir fuhren nicht mit dem Rad nach oben, sondern setzten uns in eine Zahnradbahn, die die ca. 5 km lange Steigerung überwindet.

In der Talstation der Zahnradbahn gab es auch eine Tour de France Ausstellung. Hier hing u.a. das Originaltrikot von Michael Woods, dem Etappensieger 2023. Links unten: Ein Foto aus früheren Tagen, rechts daneben die Etappenstraße hoch zur Pergspitze.

Die Aussicht vom Gipfel war grandios, wir hatten an diesem Tag Glück mit dem Wetter.

Links oben: Erkennen Sie die Türme der Kathedrale von Clermont-Ferrand? Die Stadt liegt ca. 15 km entfernt. Unten rechts: Vom Puy aus kann man ca. 100 erloschene Vulkane sehen. Links unten: Auch sportliche Betätigung ist möglich, ein kleines Museum wartet auf Besucher oder Reste eines alten römischen Tempel können besichtigt werden.

Die diesjährige Tour de France hat am Samstag begonnen. Zuvor habe ich in diesem Buch ein bisschen geschmökert:

Es vermittelt nicht nur Geschichte und erzählt von besonderen Vorkommnissen, sondern erklärt auch Regeln, Abläufe und was dieses Radrennen für ein wirtschaftlicher Faktor ist. Dadurch sieht man die Berichte im Fernsehen noch einmal „mit einer anderen Brille“.

Noch ein Tipp: Auf Netflix gibt es eine Dokumentation über die Tour de France 2023.

Mit der Frankreichrundreise geht es in der nächsten Woche am Freitag weiter, dann statte ich Clermont-Ferrand einen Besuch ab.

Maiglöckchen unter Regenschirmen (FR Nr. 14)

Während in Deutschland am Tag der Arbeit die Sonne schien, trugen wir am 1. Mai unsere Winterjacken und dieser Anblick war allgegenwärtig:

Zum 1. Mai werden in Frankreich sehr gerne Maiglöckchen oder andere kleine Blumensträuße verschenkt, links unten eine Schokoladenvariante der Confiserie Trialon in Clermont-Ferrand. Wir sahen an diesem Tag mehrere sehr wetterfeste Menschen wie die beiden oben auf dem Bild.

Wir verließen morgens Mende Richtung Riom, das nördlich von Clermont-Ferrand liegt. Die ca. 190 km fuhren wir ausschließlich auf kleineren Landstaßen, um die Landschaft zu genießen und hübsche Dörfer zu entdecken. Wir bemühten uns redlich, aus einem Tag Dauerregen das Beste zu machen.
Die Straße von Mende nach Brioude führte uns noch einmal durch die wilden Cevennen und wir kamen durch einen Wald, der etwas Märchenhaftes hatte, dank vieler Bäume, die mit Flechten und Moosen bewachsen waren.

Weiter ging es parallel zu der Autobahn durch das Aubrac, eine Landschaft, die lieblicher ist und von Landwirtschaft stark geprägt wird. Die Aubrac Rinder sind fast ein Wahrzeichen dieser Gegend.

Und weiter Regen, Nebel, Sturm…

Diese Fotos sah ich als Herausforderung an. Konnte man nicht ein etwas schöneres Motiv daraus machen? Hier zwei Versuche:

Willkommen im Land der Puys, den ca. 80 Vulkankegeln im Umkreis von Clermont-Ferrand.

Für Brioude sollte man von der Autobahn abfahren, so wirbt die französische Tourismusseite im Internet, die wohl schönste Kirche der Auvergne sei hier zu besichtigen.
Meinem Mann und mir fiel es schwer, die Basilika St. Julien wieder zu verlassen. Die Atmosphäre war eine ganz besondere, die sich durch Fotos aber nicht ausdrücken lässt. Da bereits im 5. Jahrhundert ein erstes Gotteshaus an diesem Platz errichtet wurde und vier Baugroßmeister die Kirche von da an immer wieder erweiterten und ein anderes Gesicht gaben, ist die Beschreibung der architektonische Besonderheiten in Wikipedia besonders lang. Dazu kommen viele wunderschöne Glasfenster und sakrale Kunstwerke.

Rechts unten: An einigen Stellen sieht man noch die ursprüngliche bunte Bemalung der Kirche, was ebenfalls zu der Faszination beitrug. Links unten: Die Säulen sind aus verschiedenen Steinen errichtet worden und sind dadurch auch bunt.
Alte Glasfenster aus dem 18.Jahrhundert zeigen Szenen aus der Bibel oder stellen Heilige dar, hinzu kommen zwei Fenster aus dem 20. Jahrhundert (unten links) und 36 Fenster mit einer modernen Interpretation von Bibelstellen, die 2009 offiziell eingeweiht wurden. Der Künstler ist der dominikanische Priester Kim en Joong aus Südkorea. Rechts unten die sehr seltene Darstellung Marias kurz vor der Niederkunft aus dem 14. Jahrhundert

Brioude hat ca. 7000 Einwohner und in der kleinen Altstadt finden sich noch mehrere Museen, die aber am 1. Mai alle geschlossen waren. Eine Abfahrt von der Autobahn lohnt sich also auf jeden Fall.

Links: Ein Museum für Spitzenklöppelei, rechts unten ein Beispiel für ein hübsches Geschäft, in diesem Fall ein Antiquitätenladen.

Am späten Nachmittag kamen wir Riom an und bezogen dort für vier Tage unsere nächste Unterkunft. Unser erstes Ziel war der Puy de Dôme, eins der spektakulären Ziele der Tour de France. Am Mittwoch geht es weiter.