Spaß haben- auch nach Karneval

Ich bin mir zu 99% sicher, dass Sie den Künstler dieser Bilder kennen…

Foto mit einer Collage aus vier Bildern, auf denen drei Frauen und ein Mann dargestellt sind.

Noch keine Idee? Ein Zitat von ihm lautet „Das, was am Leben komisch ist, das sind die Krisen, alles, was nicht Krise ist, ist auch nicht komisch.“
Ein Lied, das er geschrieben hat, heißt: „Ich wünsch‘ mir ne‘ kleine Mietzekatze“, obwohl er Mopsliebhaber war.

Momentan läuft eine Ausstellung in Oberhausen mit seinen Bildern, Entwürfen und Fotos von seinen Filmen. In der Ausstellung bewegt man sich durch lächelnde oder quietschende Besucher, nur ca. 1% verzieht keine Miene. Na, klingelt es ?

In der Ausstellung steht eine Couch, auf der 99% der Besucher sich fotografieren lassen wollen.

Foto mit Couch, auf der ich sitze.

Auf seinen Bilder spielen Nasen eine nicht unwesentliche Rolle:

Uns er äußerte sich auch gerne zu politischen Themen und zu Fragen der Umwelt:

Collage aus zwei Fotos und zwei Zeichnungen. Auf den Fotos sind Königen Elisabeth, bzw. Franz-Josef Strauß zu sehen, auf den Zeichnungen baden zwei Erwachsene in einem vermüllten Meer, in der zweiten Zeichnung sitzt eine Biene auf einem Stuhl, liest und saugt dabei Kunsthonig.

In der Ausstellung sieht man auch viele Bilder, in denen andere Künstler seine Themen aufnehmen und ihm mit ihren Werken Respekt erweisen.

Das Bild zeigt unsere gesuchte Person in einigen seiner Filmrollen.

I proudly present:

LORIOT mit seiner unvergessenen Partnerin Evelyn Hamann!
Sorry, das Bild hängt etwas schief.

Mit meiner kleinen Bildersammlung bekommen sie nur einen Hauch von Eindruck, welche Erinnerungsschätze auf Sie warten. Diese werden auf drei Etagen präsentiert, hinzu kommt noch die Möglichkeit, einen Film zu sehen, in dem Loriot über seine Arbeit spricht.

Wenn Sie nicht nach Oberhausen kommen, gönnen Sie sich wenigstens eine kleine Sammlung von Loriots Zitaten: https://gutezitate.com/autor/loriot/2

Loriots Blick auf unseren Alltag und sein Humor fehlen mir, das merkte ich, als ich das Museum verließ.

Chopin in Kentucky

Möchten Sie sich auf die Besprechung dieses Romans musikalisch einstimmen?

Dann hören Sie sich bitte diese beiden kurzen Musikstück an, sie vermitteln perfekt die Stimmungen, die in Maries Alltag vorherrschen:

Die zehnjährige Marie Higginbottom lebt mit ihren Eltern und drei Geschwistern (später sind es vier) in der langweiligen Kleinstadt Roanville in Kentucky. Das zehnjährige Mädchen hat es nicht leicht, denn neben der trostlosen Armut, in der sie aufwächst, muss sie auch die Prügelstrafen ihres strengen Vater aushalten, der sie als Laienprediger vor den Versuchungen der gottlosen Welt schützen will. Marie hat den Traum, Tänzerin zu werden und Roanville zu verlassen. Dank ihrer Freundin Misty, ihrem für andere nicht sichtbaren Freund Frédéric Chopin und ihrem eigenen starken Willen gibt sie nicht auf. Schließlich tritt eine Tanzlehrerin in Maries Leben und wird zum guten Engel.
Lakonisch erzählt Marie von ihrer trostlosen Welt, ihren eigenen Unzulänglichkeiten und ihrem Glauben an sich selbst. Dazu kommen die bissigen Kommentare von Chopin, der gerne den Finger in eine offene Wunde legt. Nicht nur Prélude 14, auch andere Préludes erwähnt Marie, um besondere Situationen musikalisch zu beschreiben. Dadurch bekommt der Roman, der streckenweise sehr humorvoll zu lesen ist, noch eine zusätzliche Wertigkeit, wenn man sich die Mühe macht, die Musik parallel zur Lektüre zu hören.
Ich habe Marie ins Herz geschlossen.

Die Kölsche Linda

Dieses Buch von Linda Rennings erschien letztes Jahr. Sie erzählt von ihrem eigenen Leben und zeigt auf, was das Leben auf der Straße in unserer heutigen Zeit bedeutet.
Linda Rennings ist Jahrgang 1963. Als Kind und Jugendliche lebt sie die meiste Zeit in Köln-Mülheim bei ihrer geliebten Oma, die ihr Härte, einen großen Gerechtigkeitssinn und Wissensdurst mit auf ihren Lebensweg gibt. Sie macht nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin, will später Rechtsanwaltsgehilfin werden, die Ausbildung muss sie wegen Krankheit abbrechen. Mit ihren beiden Ehemännern hat sie kein Glück. Der erste ist faul, lässt Linda nur arbeiten und sich um ihre gemeinsame Tochter kümmern, schlägt und misshandelt seine Frau. Linda und ihre Tochter flüchten daraufhin in ein Frauenhaus. Nach der schwierigen Scheidung lernt sie zwei Jahre später einen neuen Mann kennen. Alles scheint gut zu werden, doch der Mann hat Kontakte zur Mafia, landet im Gefängnis und hinterlässt viele Schulden. Linda ist finanziell und psychisch am Ende. Die Wohnung wird zwangsgeräumt, sie steht auf der Straße, ihre Tochter wird ihr weggenommen.
Sie zieht unbeachtet auf den Friedhof, wo sie mit ihrer inzwischen verstorbene Oma Gräber gepflegt hat. Lindas Gesundheitszustand wird immer schlechter, aber erst nach einem Jahr kümmert sich jemand um sie und veranlasst eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik. Die folgenden Monate sind für sie die schlimmsten ihres Lebens, aber sie beginnt wieder zu kämpfen und wird entlassen. Die darauf folgende Zeit als Obdachlose auf der Straße wird ihr weiteres Leben prägen. Ein Kapitel widmet sie ihrem Hund Clayd, ohne den sie nicht durchgehalten hätte und durch Alkohol oder Drogen vernichtet worden wäre.
Linda macht eine Ausbildung als Genesungsbegleiterin und beginnt, für sich und andere Frauen um mehr Hilfe und um mehr Rechte zu kämpfen. Sie gründet den Verein „HiK-Heimatlos in Köln“. Es ist ein harter Kampf, der bis heute anhält. Linda weiß, worüber sie schreibt, wenn sie erzählt, wie ein Tag eines obdachlosen Menschen zumeist verläuft. Die Gedanken kreisen permanent um lebenserhaltende Fragen: Morgens: Wo kann ich auf die Toilette gehen? Wie bekomme ich Geld für Essen? Tagsüber: Schließe ich mich einer Gruppe an oder bleibe ich alleine? Gruppe bedeutet mehr Schutz, alleine werde ich vielleicht nicht so schnell von anderen ausgeraubt. Wann gibt es wo ein warmes Essen, wo eine Dusche, die ich bezahlen kann? Abends: Soll ich abends in eine Notunterkunft, wo man auch bestohlen und als Frau belästigt wird, es aber warm ist oder bleibe ich draußen in der Kälte? Die Frage stellt sich nicht, wenn man einen Hund hat, deren Mitbringen in Notunterkünfte nicht erlaubt ist.
In der Coronazeit, als alle freiwilligen Hilfsaktionen verboten waren, hat sich Linda Verein als einzige Gruppe über die Verbote hinweggesetzt, sonst wären noch mehr Obdachlose verhungert.
Auch im Jahr 2024 wird es für Obdachlose immer schwieriger, da Menschen weniger spenden und die Gewaltbereitschaft unter den Obdachlosen oder von zumeist jungen Menschen gegenüber Heimatlosen zunimmt. Frauen werden beschimpft und misshandelt, wenn sie das „großzügige Angebot“ von Männern ablehnen, mit ihnen nach Hause zu kommen, da es da schön kuschelig sei…
Linda Rennings ist inzwischen als die „Kölsche Linda“ sehr bekannt.
Meine Inhaltsangabe kann nicht die Gefühle und Schmerzen ausdrücken, die sie und andere Heimatlose ertragen müssen. Allerdings gibt es im Leben von Obdachlosen auch einige schöne Momente, wie Linda schreibt. Es sind beispielsweise die Momente, in denen der Zusammenhalt groß ist oder man als Heimatloser die Erkenntnis hat, dass man mit den vielen Problemen, mit denen ein „Normalbürger“ kämpft, nichts zu tun hat. Man kämpft nur täglich ums nackte Überleben.
Was wünscht sich die Autorin? Mehr Respekt vor Obdachlosen und mehr Offenheit gegenüber einer Lebensform, die zumeist nicht freiwillig gewählt wurde.

Lächeln am Wahlsonntag

Wie werden Sie den Wahlsonntag verbringen? Angespannt ? Wenn Sie sich ablenken möchten, habe ich einen Tipp für Sie. Erst wählen gehen und dann…
In Viersen gibt es bis zum 1. März die Fotoausstellung „It`s a Match!“. Bei meinem Besuch habe ich niemanden gesehen, der nicht gelächelt hätte. Es geht um fotografierte Museumsbesucher, die mit ausgestellter Kunst oder einem Museumsstück irgendeine Verbindung haben. Hier ein paar Beispiele aus meinem Fotofundus:

Fotocollage mit Titel der Ausstellung. Ein Foto zeigt eine Frau mit grüner Mütze, die vor einer grünen Skulptur steht. Dem zweiten Foto gebe ich den Titel „Evolution“-man sieht ein Mammutskelett, die Rückenansicht eines Neanderthalers und eines Mannes, der eine Jeansjacke mit „MM“ Schokobonbons Werbung trägt. Das dritte Foto zeigt eine Frau mit auffallend rotem Haar, die vor einem Bild steht, auf dem ein Mensch mit rotem Gesicht zu sehen ist.

Das Museum zeigt aber nicht nur witzige Fotos, sondern die Ausstellung wartet noch mit verschiedenen witzigen Ideen auf, wie z.B. drapierten Playmobilpüppchen, dem Pappaufsteller der Queen Elisabeth oder pfiffigen Überschriften.

Auch für Kinder ist diese Ausstellung ein Spaß!

Fotocollage links: An der Wand sind kleine Zeichnungen zu entdecken, neben einigen Fotos hängen alte Drucke oder Gemälde aus dem Bestand des Museums. Rechts ein Memory, bei dem man sich die Fotos genau ansehen muss, um herauszufinden, welche zwei Memorykärtchen zusammengehören.

Und hier mein Lieblingsbild der Ausstellung:

Ein Museumsbesuch kann in solchen Zeiten eine wahre Auszeit sein- Gönnen Sie sich ein bisschen Ablenkung!

P.S.: Ganz in der Nähe der städtischen Galerie gibt es übrigens mehrere Cafés!.

Vorhang auf für die „Bühne Cipolla“

Zum ersten Mal besuchten wir letzte Woche das Figurentheater „Bühne Cipolla“. Dieses tritt deutschlandweit auf und war mit diesem Stück im Duisburger Stadttheater zu Gast:

Im Vordergrund des Bildes sehen Sie Dr. Fischer, im Hintergrund stehen Sebastian Kautz und Gero John, die an diesem Abend als Schauspieler, sowie als Puppenspieler bzw. Musiker agierten.
Kurz zu der Geschichte: Der Milliardär Dr. Fischer lädt zu ganz speziellen Partys ein, zu denen nur „handverlesene“ Menschen eingeladen werden. Hier einige Mitglieder dieses exklusiven Clubs:

Fotocollage mit vier Puppen: Melanie Kuhl ist verantwortlich für den Bau und der Ausstattung der Puppen. Die Augen sind so gut gelungen, dass ich dachte, die Puppen sehen mich intensiv an.

Ein Gast erhält jedes Mal ein teures Geschenk, sofern er sich von Dr. Fischer vorher erniedrigen lässt. Bei der vorletzten Party ist auch Alfred (gespielt von Sebastian Kautz) als sein Schwiegersohn in spe anwesend. Er will sich nur vorstellen und ist angewidert von Fischer und dessen Gebaren.
Alfred und Fischers Tochter Anna heiraten, sind kurze Zeit glücklich bis Anna tödlich verunglückt. Alfred kehrt zu Fischer zurück und nimmt an der letzten Party, der Bombenparty, teil.

Im Stadttheater war auf der eigentlichen Bühne eine Sitztribüne für die Zuschauer installiert, so dass man gut sehen konnte.

Foto: Hinter dem schwarzen Vorhang fängt der eigentliche Zuschauerraum an.

Die Leistungen von Sebastian Kautz als Schauspieler und Puppenspieler kann ich gar nicht genug preisen.

Foto: Sebastian Kautz mit dem Puppenkopf von Dr. Fischer

Berlinerte Kautz gerade als Schwiegersohn Alfred, sprach er in der nächsten Sekunde mit rauchiger zarter Stimme als Anna, stieß Wörter mit grunzigem Unterton im Namen von Dr. Fischer hervor oder schwadronierte als General. Sieben unterschiedliche Stimmen, sieben unterschiedliche Charaktere, ein Mann- großes Puppentheater!
Und die Musik dazu von Gero John war dann noch ein zusätzlicher Bonus. Seine Stücke in Moll für Violincello, begleitet von Loops, verdüsterten die Atmosphäre perfekt.

Die „Bühne Cipolla“ tritt in den nächsten Monaten immer mal wieder im Ruhrgebiet und am Niederrhein auf. Das Repertoire an Stücken ist groß, vielleicht habe ich Sie neugierig gemacht? Hier geht es zu der Internetseite, auf dem auch ein Terminkalender zu finden ist:

https://buehnecipolla.de

Aus Stille geformt

Die 30 jährige Japanerin Akiko hat das Töpferhandwerk erlernt und möchte Erfahrungen in anderen Ländern sammeln. Auf Anraten ihrer Mutter reist sie nach Deutschland, da ihr Urgroßvater aus Deutschland kam. Nach einer schulischen Weiterbildung findet sie im Frühling eine Praktikumsstelle bei dem Töpfermeister Friedrich im Bregenzerwald. Friedrich lebt alleine auf einem Bauernhofgelände und hat sich ganz der traditionellen Töpferei mit einem Holzbrennofen verschrieben. Er und die ruhige und zurückhaltende Akiko verstehen sich gut, Friedrich erkennt schon bald, dass die junge Frau großes Talent besitzt.
Es ist Sommer und inzwischen ist Friedrich aufgeschlossener gegenüber seiner Mitbewohnerin und erzählt ihr von seinen weltweiten Reisen. Akiko hat allerdings den Eindruck, dass er um seine Japanreise eher einen Bogen macht, obwohl er in seinem Garten einen nach japanischer Gartenkunst angelegten Teich hat und ein japanisches Windspiel im Baum hängt.
Im Herbst sammelt Akiko Hinweise auf Verbindungen zwischen Friedrich und ihrem Elternhaus, im Winter wird es für sie der Zusammenhang zur Gewissheit. Ihr Praktikum endet zur Weihnachtszeit. Sie kehrt zurück nach Japan mit neuen Plänen für ihre Zukunft.

Hat man schon einmal mit Ton gearbeitet, schafft es dieses Buch, dass diese Beschäftigung mit Ton fast wieder spürbar wird. Die Beschreibungen, wie Akiko und Friedrich in ihrer Handwerkskunst aufgehen, haben mich beeindruckt. Die Geschichte ist in einem ruhigen Ton erzählt und unterstreicht die Bedächtigkeit, wie die beiden sich annähern und ihre gemeinsame Vergangenheit ertasten. Ein schönes stilles Buch für so unruhige Zeiten.

Omma spielt mit Lego

Ich gehöre ja nun nicht mehr zum Jungvolk, aber momentan hat mich das Legofieber gepackt!
Meine Freundin schenkte mir von Lego diesen Kasten:

Hier der Inhalt des Kastens:

Sieben Tüten und ein dickes Beibuch

In dem Buch werden sieben Konstruktionsmöglichkeiten präsentiert, die man nachbauen kann. Es wird erklärt, welche Künstler Pate standen bei den Bauideen. Darunter sind z.B. Klee oder Kandinsky. Ich sah mir die Beschreibungen an, zumal teilweise auch Legosteine dabei waren, deren Möglichkeiten ich nicht sofort erkannte. Doch anstatt mich an die Bauanleitungen zu halten, legte ich einfach los. Mir kribbelte es zu sehr in den Fingern, mir selbst etwas auszudenken.

Ich legte die geöffneten Tüten auf einen großen Tisch und mehrere Tage hintereinander baute ich an oder erhöhte bis ich merkte, dass mir nichts mehr einfiel. Daraus schloss ich, jetzt ist es fertig!

Fällt Ihnen ein passender Titel ein?
Der „Vofisch“? Oder „Der Stachel im Fleisch“?

Mein nächstes Projekt habe ich schon begonnen, es wird wilder und bunter werden, denn ich merke, wie ich Symmetrie- und Farbvorstellungen immer mehr über den Haufen werfe. Eine schöne Übung für mein sommerliches Aquarellmalen!
Ja und irgendwann werde ich auch die Vorlagen nachbauen. Das ist dann aber eher ein Puzzle, denn inzwischen habe ich die Tüten umsortiert und nach Farben getrennt.

Auch als Fotomotive haben es mir meine Legobilder angetan. Da kann man auch schön experimentieren:

Das Ufo?

Nur in London und in Bielefeld

Auf der Welt gibt es zwei Museen, die sich ausschließlich um das Thema Fächer kümmern. Eins davon kann man seit 1995 in Bielefeld besuchen und da ich eine große Fächerfreundin bin, nahm ich die Chance wahr.

Das Museum befindet sich im eigenen Haus der Stiftungsgründer, dem Ehepaar Barisch und hat mehrere Räume, in denen wechselnde Ausstellungen gezeigt werden, die aus dem reichen Fächerbestand des Ehepaars zusammengestellt werden. Bei unserem Besuch präsentierten sich Fächer unter dem Motto „Schätze aus dem kaiserlichen Wien“ und passend dazu wurden „Textile Spitzen und das bunte Beiwerk der Modeaccessoires“ gezeigt.

Fotocollage: Oben einige Schmuckstücke aus kaiserlichen Zeiten, darunter links verschiedene Hutnadeln und rechts eine sogenannte „Châtelaine“, eine Brosche, an denen kleine Alltagshilfen wie beispielsweise Scheren, Riechsalzfläschen oder Notizbüchlein hängen.

Wir hatten das Glück, dass Frau Maria Plet, die Leiterin des Museums, Zeit für uns hatte und uns eine kurze Einführung in die Geschichte des Museums gab und uns auf Besonderheiten der Ausstellungen aufmerksam machte. Was gab es alles zu entdecken!

Fächer sind für mich in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Da sind erst einmal seine verschiedenen Funktionen. Ein Fächer war früher hauptsächlich ein Statussymbol und gleichzeitig Schmuckelement für Frauen, die Funktion des Kühlens bewog dann auch Männer, einen Fächer zu benutzen. Ein berühmter Fächerträger war wohl Karl Lagerfeld:

Foto: Der Gardinenstoff und auch die Tapete auf dem nächsten Foto stammen aus dem Haus Lagerfeld.

Aber es gibt auch noch eine Sprache des Fächers, bei der man durch verschiedene Haltungen des Fächers oder durch die Art des Fächeröffnens etwas mitteilen kann. Frau Plet demonstrierte uns einige Varianten, die Mitteilungen waren teilweise romantisch, schade, dass das nicht mehr in Mode ist.


Der zweite Aspekt meiner Hochachtung vor Fächern liegt in der Handwerkskunst, mit der alte Fächer gefertigt wurden. Holz, Seide, Leder, Papier,Perlmutt, Spitze, Elfenbein,Schildpatt,Federn,Edelmetalle und Edelsteine- es gibt so viele unterschiedliche Materialien, mit denen man Fächer gestalten kann, dass es eine wahre Freude war, die Ausstellungsstücke anzusehen.

Fotocollage: Oben links: Spitze und Perlmutt, daneben Leder und Holz, unten Schwanenhaut und Federn.


Schließlich finde ich bei Fächern auch die geschichtlichen Aspekte sehr spannend. Es werden beispielsweise Alltagsszenen dargestellt oder mann erinnert an historische Begebenheiten. Weihnachts- oder Geburtstagsgrüße wurden früher auch in Fächerform verschickt.

Fotocollage: Oben wird ein Pferderennen gezeigt, darunter ein Andenkenfächer anlässlich der Wiener Weltausstellung von 1873, unten die Darstellung von W.A. Mozart, der im Park ein Konzert gibt.

Bei den Modeaccessoires konnte ich einige Stücke nicht zuordnen und wusste nicht, welchem Zweck sie dienten. Wissen Sie es?

Ich kaufte mir am Ende der Besichtigung einen kleinen weißen Fächer, um ihn selbst zu gestalten. In den letzten Tagen habe ich erst einmal ein paar Ideen ausprobiert…Ich kann mich nicht entscheiden!

Fotocollage:Oben links Mosaik aus verschiedenfarbigen Papierstückchen, links daneben eine mit Aquarellfarbe gemalte „Blumenwiese“. Unten links mit einem Foto eines Vogelschwarms, rechts daneben mit dem Muster von Libellenflügeln

Wer mehr über das Museum und die Welt der Fächer wissen möchte, dem empfehle ich einen Besuch der Website: http://www.faechermuseum.de

Auflösung der beiden Fotorätsel: Die beiden Stäbchen dienten dazu, Champagner umzurühren, um den Anteil der Kohlensäure zu vermindern. Das war für den Bauch einer Dame von Welt verträglicher.
Darunter sieht man mehrere „Bierzipfel“, mit denen Herren von Welt ihre Biergläser in den Kneipen kennzeichneten.


Sind Sie in Bielefeld eingeweiht?

Letzte Woche waren wir zwei Tage in Bielefeld, in einer Stadt, die ich bisher falsch eingeschätzt habe.
Das Wetter meinte es nicht gut mit uns, es regnete ohne Pause und doch konnte uns die Stadt „einfangen“.

Zuerst besuchten wir das Café Gemach Manhattan in der Bielefelder Kunsthalle. Wir wurden sehr freundlich bedient und das Essen war köstlich. So waren wir für die Kunst gut gestärkt.

Fotocollage: Oben die Kunsthalle. Unten: Zu dem Museum gehört ein Skulpturenpark , links im Hintergrund das Ratgymnasium aus dem 13. Jahrhundert, rechtes Foto „Der Denker“ von Auguste Rodin

Momentan lädt das Museum zu einer Ausstellung des Künstlers Simon Fujiwara ein, der mit seiner Kunstfigur „Who is the Bær“ philosophische Themen anspricht (Zwei Beispiele links: Who is the Bær als Matisse Scherenschnitt, darunter als Rodins Denker).

Foto rechts oben: Dieses textile Kunstwerk ohne Titel erschuf 1969 Sheila Hicks. Es hatte eine unglaubliche Präsenz. Darunter gestapelte alte knittrig englischsprachige Zeitungen, dazwischen Fotos von Häuserfronten mit Fenstern. Ein Kunstwerk zu dem Thema die schnelle Vergänglichkeit von Nachrichten? Nein, die Installation hieß „Cleaning the Fassade“, also Werbung für ein altes Fensterputzmittel.

Das Museum zeigte zudem aus seinem Depot Kunstwerke (siehe Collage Mitte), die sie unter verschieden Themen zusammengestellt hat. Da findet man dann ein Bild von David Hockney neben einer Werk von Käthe Kollwitz, ein Foto von Marina Abramovic ist Nachbar eines Bildes von Max Ernst.

Das Museum wurde 1968 eröffnet und in seiner Geschichte spiegelt sich der positive, aber auch negative Einfluss der berühmten Bielefelder Familie Oetker wieder. Wer mehr wissen möchte: https://de.wikipedia.org/wiki/Kunsthalle_Bielefeld

Es gibt die „Dr. Oetker Welt“ auf dem Gelände der Oetker Fabrik, in der die Geschichte dieser Firma und die Vielfalt der Oetkerprodukte gefeiert wird. Allerdings bedarf es für die Besichtigung die Vorabbuchung einer Führung, was wir nicht wussten. So bummelten wir stattdessen durch die Altstadt mit schönen kleinen Geschäften. (Hier gibt es sogar noch ein Fachgeschäft für Herrenhemden, ein sehr gut sortiertes Schreibwarengeschäft oder einen Spielwarenladen). Mehrere Cafés, Restaurants und ein altes Brauhaus tragen dazu bei, dass die Altstadt bei den Bielefeldern beliebt ist und ich konnte mir hier perfekte Sommerabende gut vorstellen.

Fotocollage: Die Altstadt hat mehrere schöne Plätze, wo auch Märkte abgehalten werden. Oben links der Klostermarkt, daneben der Alte Markt, der mich ein bisschen an die Innenstadt von Münster erinnerte. Links unten das bekannte Kachelhaus aus dem Jahr 1928, dessen Außenfassade und Innenwände mit grünen Kacheln aus Meißen dekoriert sind. Rechts unten: Das Stadttheater und das Alte Rathaus von Bielefeld am Rande der Altstadt.

Abends besuchten wir ein Klavierkonzert mit Bruce Liu in der Dr. Oetker Konzerhalle. Zu dem Konzert schreibe ich noch in einem anderen Beitrag. 1930 wurden hier die ersten Konzerte gegeben und bis heute ist die Halle für ihre gute Akustik bekannt, so dass schon mehrere Musiker für CD-Einspielungen hier Werke aufgenommen haben.

Das Wetter war zu schlecht, um hoch auf die Sparrenburg zu fahren, von der man einen schönen Ausblick auf die Stadt hat und schön spazieren gehen kann. Wir entschieden uns stattdessen für den Besuch eines weiteren Museums. Auf dieses Museum möchte ich mit diesem Foto einstimmen: