Wer nicht neugierig bleibt, wird nur noch älter (Marianne Frauchiger)
Kategorie: Lesen + hören + sehen
Mein Lesegeschmack geht „querbeet“. Die meisten Bücher, die ich hier vorstelle, empfehle ich mit Herzblut, doch es kann auch mal ein Verriss dabei sein…Genauso verhält es sich mit den Hörbüchern und Filmen. Ich würde mich sehr über Empfehlungen freuen, denn man soll ja immer über den Tellerrand schauen!
In Düsseldorf gibt es einmal pro Monat an einem Sonntagmorgen die Möglichkeit, für 5 Euro an einer ca. 1 1/2 stündigen Führung durch das Schauspielhaus teilzunehmen.
Wir gehörten zu einer Gruppe von ca. 30 Personen, die im Foyer des Theaters von einer netten Dame der theatereigenen Marketingabteilung empfangen wurde. Wir kannten dieses Gebäude nicht und waren von der Architektur und der Ausstattung beeindruckt.
Das Foyer
Details aus dem Foyer: Oben rechts ein Goldmosaik, links daneben eine Art opakes Fenster. Unten links: Die Düsseldorfer nennen sie ihre Käseecken = Hocker aus Quarz, daneben ein Vorhang mit Durchblick.
Das Schauspielhaus wurde 1970 eröffnet und eine Restaurierung fand vor einigen Jahren statt. Es besitzt drei Bühnen und wir hatten die Gelegenheit, beim Bühnenaufbau vom Kinderstück „Robin Hood“ auf der großen Bühne dabei zu sein. Diese ist die größte Drehbühne Europas und wir stiegen auch in die Tiefen des Gebäudes.
Oben vor und auf der Bühne, unten hinter und unter der Bühne.
Wir waren überrascht, als wir hörten, dass das Schauspielhaus z.Zt. 350 Mitarbeiter hat, davon gehören aber „nur“ 40 zum Ensemble. Alle anderen arbeiten im Hintergrund. Die Werkstätten, wie z.B. die Tischlerei oder Schlosserei sind in das Centraltheater ausgelagert worden und können in einer zweiten Tour besichtigt werden. (Nächste Tour am 30.4.). Wir statteten den Räumen der Maskenbildner und der Schneider noch einen Besuch ab.
Oben rechts der Arbeitsplatz für Maskenbildner, darunter eine noch nicht fertige Perücke. Jedes einzelne Haar wird geknüpft und ca. 3 Wochen dauert es bis zur Fertigstellung.
Durch diesen Backstagebesuch fühlten wir uns dann am Freitag ein bisschen wie Insider. Wir sahen uns dieses Stück an:
Es dauert 3 1/2 Stunden. Davon eine halbe Stunde Pause, die man in der Mitte des Stücks zum Luftholen dringend nötig hat. Der Schauspieler Christian Friedel verursacht mit seiner Darstellung und seiner Musik Gänsehaut und reißt einen mit.
Die nächste Hamlet Aufführung finde am 30.5.2023 statt.
Unter diesem Motto besuchte ich vorletztes Wochenende in Duisburg einen dreistündigen Volkshochschulkurs. In dem VHS Programmheft wurde versprochen, dass man Techniken zur Selbstverteidigung bei Angriffen erlernt, unabhängig welches Alter, wie viel Kraft und welches Fitnesslevel man hat. Das machte mich neugierig. Krav Maga ist ein Selbstverteidigungssystem aus Israel, das die effektivsten Elemente aus verschiedenen Kampftechniken zusammenführt. In der ersten Stunde vermittelte uns die Kursleiterin Freya Geßner theoretisches Wissen und ging dabei z.B. auf die rechtlichen Grundlagen bei einem Angriff ein oder auf visuelle Anzeichen, wann es zu einem Angriff kommen kann. Der praktische Teil begann mit Beobachtungsübungen ( elf Frauen nahmen an diesem Kurs teil, Alter ca. 18 bis Ende 60). Danach wurde uns gezeigt, welche Armbewegungen zur eigenen Befreiung führen, wenn man am Handgelenk festgehalten, von vorne und hinten gewürgt oder von vorne mit einem Messer angegriffen wird. Wie können Dinge, die man bei sich hat, wie z.B. Tasche,Regenschirm, Jacke oder Schal, zur Abwehr eingesetzt werden? Wir übten die Techniken zu zweit, am Ende der drei Stunden wurde in der Gruppe plötzlicher Angriff mit Verteidigung praktiziert. Die Zeit verging schnell, Frau Geßner sorgte für eine entspannte, aber auch konzentrierte Atmosphäre und die vielen Fragen, die aus der Gruppe kamen, beantwortete sie sehr kompetent. Dabei betonte sie mehrmals, dass man immer versuchen sollte, auf die Situation deeskalierend zu wirken und beispielsweise die angreifende Person anzusprechen. Wichtig ist auch die eigene Selbstwahrnehmung und der Ausstrahlung. Diese drei Stunden waren für mein Selbstbewusstsein eine große Bereicherung. Da man keine schriftlichen Unterlagen zu dem Kurs bekam, lieh ich mir diese beiden Bücher in der Stadtbücherei aus, um das Thema zu vertiefen. Beide Bücher waren allerdings eine Enttäuschung.
Das rechte Buch befasst sich in der ersten Hälfte mit den psychologischen Voraussetzungen, wie eine Frau eine Angriff vermeiden kann. Mehrere Fallbeispiele werden dabei ausführlich beschrieben. Im zweiten kürzeren Teil werden dann einige Verteidigungsmöglichkeiten erklärt. 2 Fotos pro Verteidigungsmöglichkeit finde ich für blutige Anfängerinnen zu wenig, dementsprechend lang ist die nicht immer nachzuvollziehende Beschreibung, wie man sich wehren kann. Auf Hilfsmittel wie Tasche, Schal etc. wird nicht eingegangen. Was mich am meisten störte ist die Tatsache, dass die Autorin mehr Techniken zeigt, bei denen man als Frau in die Genitalien des Mannes treten soll und dann dabei auf einem Bein steht. Das widerspricht den Aussagen unserer Kursleiterin, die mehrmals betonte, dass es wichtig sei, immer sicher auf zwei Beinen zu stehen. Für sie war z.B. der Einsatz eines Ellenbogens eine gute Verteidigung.
In dem zweiten Buch gibt es ein Kapitel mit dem Titel „Frauen und Selbstverteidigung“. Sehr irritierend fand ich, dass als Grund für die Selbstverteidigung nur eine drohende Vergewaltigung angeführt wurde. Wie sieht es mit Diebstahl, Anmache, Rempelei aus? Die Erklärungen zu den Techniken werden von Fotostrecken begleitet, das ist eindeutig besser als im ersten Buch. Aber die einfachen Verteidigungsmöglichkeiten, die wir im Kurs gelernt haben, fand ich hier leider auch nicht.
Werner Herzog wurde 2009 von der Time zu den „100 einflussreichsten Personen der Welt“ gewählt. Er hat über 60 Filme gedreht, weltweit 23 Opern inszeniert, hat Bücher geschrieben und wär öfter auch als Schauspieler oder Synchronsprecher tätig. Letztes Jahr erschienen diese Erinnerungen anlässlich seines 80sten Geburtstages.
Schon in seiner Kindheit lernt Herzog, sich in einem extremen Leben zu behaupten. Zusammen mit seiner Mutter und seinem Bruder lebt er während des Krieges in großer Armut. Sie wohnen in Oberbayern in einem abgelegenen Seitental und es ist für die Mutter ein täglicher Kampf, die Familie zu ernähren. Aber der junge Herzog macht das Beste daraus, er ist viel in der Natur, hat Spielfreunde, vermisst kaum etwas. Nach dem Umzug nach München geht Herzog zum Gymnasium, verlässt dieses aber zeitweise und trampt mit 16 alleine nach Griechenland, wo er einige Wochen auf Kreta Fischern bei der Arbeit hilft. In dieser Zeit reift der Gedanke, dass er Filme drehen möchte. Er macht sein Abitur und während er studiert und 19 Jahre alt ist, entsteht sein erster Kurzfilm „Herkules“. Fünf Jahre später bekommt er für seinen Film „Lebenszeichen“ den Deutschen Filmpreis. Nach Ende der Lektüre bleibt ein „WOW!“ nicht aus. Herzog ist ein besessener Filmemacher, der immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Lebensgeschichten oder Themen ist. Hat er einen neuen Stoff entdeckt, nimmt er alles in Kauf, um den Film zu realisieren. Er bringt sich damit mehrmals in Lebensgefahr, ist häufiger im Gefängnis, erkrankt öfter schwer, lebt auch verarmt, weil er sein ganzes Geld in die Finanzierung seiner Filme steckt. Einige Filme haben ihn psychisch angegriffen und es fällt ihm schwer, über die Dreharbeiten zu „Fitzgeraldo“ zu schreiben oder über die neun Filme, die er in Todestrakten von amerikanischen Gefängnissen gedreht hat. Herzog könnte sicherlich ein weiteres Buch über Begegnungen mit anderen berühmten Persönlichkeiten schreiben. In seinen Erinnerungen hält er sich diesbezüglich zurück, nur Klaus Kinski, mit dem er fünf Filme drehte, dem Schriftsteller Bruce Chatwin und den vier Frauen, die in seinem Leben besondere Rollen gespielt haben, widmet er längere Abschnitte. Manches Irrsinnige, was man in Herzogs Buch liest, kann man nicht fassen. Doch Herzogs Erinnerungen basieren auf seinen Notiz-und Tagebüchern und man muss ihm wohl Glauben schenken, wenngleich er für die „extatische Wahrheit“ eintritt, d.h. man darf eine Geschichte so ausschmücken, dass die Wahrheit noch klarer hervortritt.
Im Februar buchte ich zum ersten Mal eine private Führung in einem Museum. Für 50 Euro konnten bis zu 15 Personen teilnehmen, wir waren zu acht, die im Stiftsmuseum in Xanten die Stifts-Bibliothek für eine Stunde besuchen durften. (Ist ansonsten für den Publikumsverkehr geschlossen).
Die Zeit verging fix, denn wir bekamen viele Informationen über die Herstellung von Büchern vor und nach Gutenbergs Erfindung. Ein Beispiel: Wie wurden früher die Farben hergestellt, mit denen man die Bücher illustrierte?
Die Bibliothek besitzt viele Buchschätze ab dem 11. Jahrhundert, die wir ausgiebig bewunderten. Diese zu restaurieren und für die Zukunft zu bewahren, ist ein Kapitel für sich…
Aber auch die Geschichte der Bibliothek ist sehr interessant. Den Bestand von ca. 18000 Büchern verdankt Xanten letztendlich Napoleon, der, als Herrscher über den linken Niederrhein, viele Kirchen leer räumen und die Bücher nach Xanten in die Bibliothek transportieren ließ. Von hier aus sollte der komplette Buchbestand nach Paris gebracht werden. Doch dann verlor Napoleon seine Macht und die Bücher blieben in Xanten.
Neben der Bibliothek kann man sich noch das Stiftsmuseum und den Xantener Dom ansehen. Der Eintritt in das Museum ist z.Zt. kostenlos. Mir gefiel es sehr gut, dass das Museum nicht mit religiösen Schätzen überfrachtet ist, sondern das Besondere exemplarisch an einem Ausstellungsstück erklärt wurde.
Man erfährt zudem viel über den Bau des Doms und über den Alltag der Stiftsherren.
Wir verbrachten einen schönen Nachmittag und leckeren Abend in Xanten. Zum Kaffeetrinken besuchten wir dieses empfehlenswerte Café
Nach der Besichtigung kehrten wir in dem Restaurant „Zur Börse“ am Marktplatz ein. Auf seiner Speisekarte finden sich einige typisch niederrheinische Gerichte.
In Edinburgh wird ein Mann tot aufgefunden, es sieht wie eine Hinrichtung aus. Kurze Zeit später wird auf der Isle of Lewis ein zweiter Mann auf sehr ähnliche Weise ermordet. Inspektor Fin Macleod aus Edinburgh wird daraufhin nach Lewis geschickt, um zu überprüfen, ob die beiden Morde eventuell von einer Person ausgeführt wurden. Die Ankunft von Fin MacLeod löst auf der Insel nicht nur wegen seiner Ermittlungen einige Unruhe aus. Fin ist auf Lewis geboren und hat dort seine Kindheit und Jugend verbracht. Seit 18 Jahren war er nicht mehr dort und durch seine Anwesenheit kommen alte Erinnerungen hoch. Er besucht seinen alten Freund Alistair und dessen Frau Marsaili, Fins frühere Freundin. Beide haben einen Sohn, ist Alistair wirklich der Vater? Ein anderer Mitschüler Fins sitzt inzwischen im Rollstuhl, nachdem man ihm als Schüler einen Streich gespielt hat und er dabei von einem Dach gefallen ist. Nie konnte er sich von dem Sturz erholen. Fin trifft auf Männer, mit denen er einmal als Junge auf einem Schiff rausgefahren ist, um nach alter Tradition auf einer Insel Gugas zu töten, da diese auf der Insel als Delikatesse gelten. Bei der Jagd auf die Vögel wurde Fin damals schwer verletzt und der Vater von Alistair kam ums Leben. Nie wurde darüber gesprochen, was wirklich auf der Vogelinsel passierte. Fins Ermittlungen sind schwierig, denn Angel, der Ermordete, hatte wegen seiner Brutalität einen schlechten Ruf und soll kurz zuvor eine Schülerin vergewaltigt haben. Immer wieder gerät Fin in eine Sackgasse und nur langsam wird ihm klar, dass er selbst der Grund für den Mord an Angel ist.
In dem Buch wechseln sich die Krimihandlung mit den Kindheits-und Jugenderinnerungen von Fin ab. So sehr die Äußeren Hebriden mit ihren eindrucksvollen Landschaften Menschen immer wieder verzaubern, so sehr fordern die Inseln die Bewohner im Alltag. Das Leben auf Lewis ist rau und vielen erscheint es als eintönige Hölle, der man nicht entkommt ( es sei denn, man heißt Fin). Als verweichlichte Stadtfrau berührten mich die archaischen Traditionen unangenehm und einige Seiten las ich nicht. Der Krimi gefiel mir aber trotzdem so gut, dass ich mir noch den 2. Teil auslieh.
Neun Monate sind vergangen. Fin ist inzwischen von seiner Frau geschieden, hat den Polizeidienst quittiert und ist endgültig nach Lewis zurückgekehrt. Er weiß noch nicht, mit was er sein Geld verdienen wird und beginnt, das Haus seiner Eltern zu restaurieren. Oft komm er allerdings nicht dazu, denn es wird eine Moorleiche gefunden. Eine Tätowierung mit dem Kopf von Elvis und dem Schriftzug „Heartbreak Hotel“ verrät, dass der Mann wohl in den 50er Jahren gestorben ist. Bei der Untersuchung von DNA Spuren stellt sich heraus, dass Tormod, der Vater von Marsaili, mit dem Toten verwandt sein muss. Er wird zum Hauptverdächtigen, kann seine Unschuld aber nicht beweisen. Er ist dement und lebt in seiner eigenen Welt. Fin beginnt für ihn und Marsaili zu recherchieren. Zusammen mit dem Polizisten Gunn muss er sehr tief graben, bis er aufdeckt, wer Tormod wirklich ist.
Auch im 2. Teil der Triologie erzählt der Autor die Geschichte wieder aus zwei Perspektiven. Die Erzählung über Fins Ermittlungen wechselt sich mit den Erinnerungen Tormods ab. Im Alltag findet sich Tormod kaum noch zurecht und spricht nicht mehr viel, aber in seinem Kopf sind die vielen Erlebnisse noch präsent. So formt sich beim Lesen langsam die Geschichte von zwei Waisenkindern. Der Autor greift dabei auf einen Skandal in Schottland zurück, der bis heute noch wirkt. Der Krimi ist ca. 130 Seiten kürzer als sein Vorgänger, aber zieht man noch die z.T. ausschweifenden Landschaftsbeschreibungen ab, bleibt eine Erzählung, die nicht unbedingt spannend ist, aber zu Herzen gehen kann.
aus meiner Büchereitasche zuhause auspackte dachte ich: „Koch dir erst einmal einen Tee und dann guck mal kurz rein.“ Ich hatte beim Lesen den Eindruck, der Autor sitze bei mir und verplaudert sich. Gedanken zu Literatur, Sprache und Musik wechseln mit Alltagsbeobachtungen, Gedanken zum Tod und ein paar Plattitüden. So las ich das Buch in einem Rutsch. Ich lernte u.a. neue Autoren kennen und Maars Bemerkungen machten mich neugierig auf deren Bücher. Viel Spaß hatte ich an seinen Ausführungen zu dem kleinen Wort „eh“, wie beispielsweise in „Es ist eh schon zu spät.“ In Wien hat dieses „eh“ viele Bedeutungen, vergleichbar mit unserem „Na“. Vergnügen machten mir auch seine Texte zu Proust. Wie hätte Proust in Zeiten von Instagram und WhatsApp Swans Liebesgeschichte zu Odette beschrieben? Um Ihnen einen kleinen Eindruck zu geben, lese ich Ihnen drei kurze Texte vor:
Katja Weinberg weiß alles über Zahnärzte. Unter vielen hat sie schon gelitten und auch bei dem neuen sind ihre Bedenken wieder groß. Doch Jakob ist anders, so anderes, dass Katja und er einige Zeit später heiraten. Die Reden auf der Hochzeitsfeier deuten darauf hin, dass beide eigentlich überhaupt nicht zueinander passen, zu unterschiedlich sind ihre Erwartungen an das Leben. Doch es scheint zu funktionieren und beide überlegen, Eltern zu werden. Aber dann bekommt Katja ein Augenleiden und kann nicht mehr scharf sehen. Jakob kümmert sich anfangs rührend um sie, doch dann verschwimmen für Katja auch die Konturen ihrer Liebe und es endet damit, dass Jakob sie wegen Alina verlässt. Er will herausfinden, ob Alina nur ein Symptom ist oder etwas Ernsteres. Katja ist erschüttert, muss sich aber zuerst um ihre kranken Augen kümmern. Als sie gerade eine Operation überstanden hat, bekommt sie die Nachricht, dass Jakob einen schweren Unfall hatte. Sie besucht ihn im Krankenhaus, wo sie ihn kurz spricht, bevor er stirbt. Katjas Leben ist nun endgültig ein Trümmerhaufen. Sie lässt sich gehen, da hilft auch der alte Herr Dr. Blank nicht viel, der sich ein bisschen um sie kümmert. Erst als Armin, ein Feuerwehrmann, auftaucht, weil er fälschlicherweise die Meldung bekam, dass es bei ihr zuhause brennt, werden Katjas dunkelgrauen Tage etwas unterbrochen. Armin merkt, dass Katja Hilfe braucht und besucht sie immer häufiger. Dass Katja oft mit einem unsichtbaren Herrn Blank spricht, nimmt er dabei in Kauf. Die beiden jungen Leute kommen sich zwar näher, aber Katja vermutet, dass Armin kein Feuerwehrmann, sondern nur ein Dieb ist. Als sie von Armin schwanger ist, muss Herr Blank alle seine Überredungskünste anwenden, dass sie das Kind behält. Katja vertraut Blank wie ein Kind seinem Vater und beide „ steigen voll in das Thema Schwangerschaft ein“. Allerdings sind Blanks Tage gezählt, denn immer häufiger weist sein Erscheinungsbild Löcher auf. Erst im Knie, dann im Arm. Katja überklebt sie mit Pflaster, doch wie lange wird das noch funktionieren?
Ich wusste nichts über den Inhalt des Buches, als ich in der Bücherei das Buch bestellte. Der Titel „Die Herrenausstatterin“ klang interessant und ich stellte mir einen Roman vor, der vielleicht ein bisschen an verschiedene Szenen von Loriot erinnert. Als ich dann den Klappentext las, merkte ich, wie falsch ich lag und war skeptisch. Es gibt zwar in dem Roman eine Herrenausstatterin, sie ist die treulose Witwe von Herrn Blank, aber sie taucht erst am Ende des Romans auf. Die Autorin erzählt eine außergewöhnliche Dreiecksgeschichte mit viel Leichtigkeit und einem feinen Witz. Manche Gedankengänge von Katja und die Lebensweisheiten des Herrn Dr. Blank sind im positiven Sinne speziell. Wer ohne Karneval in den nächsten Tagen lächeln möchte, könnte es mit diesem Buch versuchen.
Die Icherzählerin arbeitet in einer heruntergekommenen Pension im südkoreanischen Sokcho. Im Winter ist in diesem Seebad, das nahe an der norkoreanischen Grenze liegt, nicht viel los, doch dann taucht ein Franzose auf, der für unbestimmte Zeit ein Zimmer mieten möchte. Er ist anfänglich ein sehr zurückhaltender Gast, der nicht an den gemeinsamen Essen der Pensionsgäste teilnimmt und seine Wäsche nicht waschen lässt. Doch dann bittet er eines Tages die Icherzählerin, die Halbfranzösin ist, ihn beim Einkaufen zu begleiten, er bräuchte Tinte. Wie es sich herausstellt, ist er ein bekannter Comiczeichner, dessen Comicheld Archäologe ist und auf der ganzen Welt Abenteuer erlebt. In Sokcho hofft er, Inspirationen für seine neue Geschichte zu finden. Beide unternehmen noch weitere Ausflüge und kommen sich dabei näher. Die Frau beobachtet ihn heimlich, wie er nachts darum ringt, gute Bilder zu zeichnen und immer wieder scheitert. Besonders bei einem Frauenbild hat er große Schwierigkeiten. Die Icherzählerin scheitert ebenfalls, wenn es darum geht, den Ansprüchen ihrer Mutter und ihres Verlobten gerecht zu werden und sie leidet unter Essattacken. Sie sucht, wie der Franzose, nach einem Neuanfang.
Die Autorin wurde für ihr Erstlingswerk mit dem renommierten Robert-Walser-Literaturpreis ausgezeichnet. Auf nur 139 Seiten schafft es Dusapin mit wenigen sprachlichen Pinselstrichen, Lesende in eine fremdartige Welt zu führen. Die Geschichte der beiden entwickelt den berühmten „Sog“ und ich las den Roman am letzten verregneten Sonntagnachmittag.
Im letzten Herbst erzählte ich Ihnen von einem Ausflug zu den Kranich-Rastplätzen in der Umgebung von Diepholz. Mich hat dieser Besuch sehr beeindruckt und ich wollte mehr über Kraniche wissen. In der Stadtbücherei fand ich dieses Buch:
Kraniche leben, abgesehen von der Antarktis und Südamerika, überall auf der Welt. Der Autor Christopher Schmidt hat die Welt bereist und lernte dabei alle 15 Kranicharten kennen und beobachtete sie ausgiebig. Aber anstatt zu fotografieren, brachte er Aquarellbilder von seinen Reisen mit und diese ergänzen seine Texte in diesem Buch auf ganz bezaubernde Weise.
Im ersten Teil des Buches wird Allgemeinwissen über Kraniche vermittelt, wie z.B. Körperbau, Federkleid, Nahrungsaufnahme, Flugverhalten, Paarung, Brutzeit und Aufzucht des Nachwuchses. Auch geht er hier schon auf die allgemeine Bedrohung des Aussterbens der Kraniche ein, wie beispielsweise durch die immer geringer werdende Anzahl von geeigneten Brutplätzen oder dem Wegfall von Nahrungsangeboten. Abgerundet wird der erste Teil durch einen kleinen Ausflug in die Mythologie der Kraniche. Über diese Vögel gibt es unzählige Legenden, Märchen und Überlieferungen, die ein eigenes Buch füllen könnten.
Teil 2 des Buches stellt die fünfzehn Kranicharten im Einzelnen vor. Man erkennt schnell: Kranich ist nicht gleich Kranich. Im Aussehen gibt es Unterscheidungen, die eine Art liebt das Feuchte, die andere lebt in der Steppe. Eine fliegt am liebsten gar nicht, die andere schafft locker mehrere tausend Kilometer an Distanz, Jungfernkraniche fliegen bis in zu 8000 m Höhe, wenn sie den Himalaya überqueren. Bei jeder Kranichart geht der Autor noch einmal detailliert auf die Gefährdung dieser Art ein. Er nennt weitere Gründe, zeigt aber auch auf, welche Gegenmaßnahmen in den letzten Jahren eingeleitet wurden, um das Aussterben aufzuhalten.
Bei Lesen des dritten Teils ist mir das Herz aufgegangen. Christopher Schmidt lebt an der Ostsee in der Nähe von Brutplätzen einiger Graukraniche. Er beschreibt seine Beobachtungen während eines Jahres so liebevoll und man spürt, wie sehr Schmidt der Natur verbunden ist. Er kennt sich auch bei anderen Vogelarten sehr gut aus, weiß Pflanzen und Schmetterlinge zu bestimmen. Das Lesen und Verweilen in diesem Buch ist genau das Richtige bei winterlichem Schmuddelwetterblues oder wenn man in die Schönheit und die Geheimnisse der Natur versinken möchte.
Wir, die Lesenden, spielen Mäuschen im B-Klasse Theater in Neustadt/ Hessen. Petra Morsbach entwickelt ihre Geschichte, in dem sie in ihrem Roman von vier Aufführungen (Tristan und Isolde, Figaro, Fidelio und die Fledermaus) und deren Vorbereitungen erzählt. Hauptpersonen sind Jan, ein Korrepititor, der meint, der bessere Dirigent zu sein und an der Unfähigkeit der Solisten oft verzweifelt und Babs, die Abendspielleiterin, die versucht dem Wahnsinn am Theater philosophisch zu begegnen. Mit den beiden lernen wir die „wichtigen“ Leute wie den eiskalten Dirigenten und den geizigen Generaldirektor kennen, das Orchester, den aufmüpfigen Chor, alle, die für die Technik und Ausstattung im Haus zuständig sind und die „Niemande“, sprich die Statisten und Balletttänzer. Es wird geliebt und gehasst, gefachsimpelt, intrigiert, gefeiert- hier am Theater findet das wahre Leben statt. Aber dies erfährt noch eine Steigerung durch gefürchtete Zeitungskritiker, den Gastsolisten und Regisseure, alle exaltierte Persönlichkeiten. Petra Morsbach weiß, worüber sie schreibt. Sie hat in verschiedenen Städten am Theater gearbeitet und dabei viele Erfahrungen und Beobachtungen sammeln können, wie es vor und hinter der Bühne zugeht. Sie hat eine Oper in Buchform geschrieben- lesenswert, auch für alle, die nicht in die Oper lieben!
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