Wer nicht neugierig bleibt, wird nur noch älter (Marianne Frauchiger)
Kategorie: Ausflüge in und um NRW herum
Kurze Ausflüge und Reisetipps- hier ist die Seite für Auszeiten. Und natürlich dürfen Museums- oder Konzertbesuche nicht fehlen! Oder geschmackliche Ablenkungen…
Am Samstag waren wir in Würselen auf der Burg Wilhelmstein.
Hier gibt es ein gutes Restaurant, die Anlage ist aber auch als stimmungsvoller Veranstaltungsort bekannt. Wir waren zum ersten Mal hier und verbrachten einen Abend mit
Gute zwei Stunden (Pause abgezogen) beste Unterhaltung. Die Loriottexte ( u.a. „Feierabend“, wo das Publikum teilweise mitsprechen konnte) wurden von Herbst vorgetragen und waren „eine Bank“. Die zahlreichen Parodien beispielsweise auf Klaus Kinski, Udo Lindenberg, Dieter Thomas Heck oder Michael Mittermeier hätten nicht besser sein können. Auch beim humorvollen Plaudern aus dem Nähkästchen, was bei Veranstaltungen so alles passieren kann, applaudierte das Publikum enthusiastisch. Meine Favoriten: Fußballfans in der Kölner Philharmonie unterhalten sich (mehr oder weniger) und Hänsel & Gretel, vorgetragen von einem Sportreporter, einem Piloten und Hamburger Fischmarktverkäufer…
Die beiden Künstler reisen noch bis Ende 2025 mit diesem Programm durch Deutschland. Vielleicht sind sie einmal in Ihrer Nähe.
Bei einem Besuch habe ich noch diese drei Hinweise:
Tipp 1: Die Freilichtbühne ist nicht komplett überdacht. Angesichts des regnerischen Sommers kauften wir überdachte Plätze, Reihe 6, Block A. Nicht nehmen, denn man sitzt hier am Rand des Segeldaches und wird im Rücken nass, wenn es regnet und windig ist.
Tipp 2: Das Restaurant war wegen einer geschlossenen Gesellschaft nicht geöffnet. Wir mussten trotzdem nicht hungern, es wurden Getränke und Snacks am oberen Rand des Theaters verkauft.
Tipp 3: An der Burg gibt es nicht viele Parkplätze, in Würselen ist aber ein großer Parkplatz ausgeschildert.
Vorletzte Woche fuhren wir Richtung Hattingen. Das Buch über das Eselchen Narcisse, das ich vor Kurzem besprochen habe (siehe unter „Narcisse bleibt stehen“) hatte bei uns Wirkung gezeigt. Wir wollten einmal selbst erfahren, wie es ist, mit einem Esel zu wandern, bzw. in diesem Fall zwei Stunden spazieren zu gehen. Sabrina, der Inhaberin von „Ruhresel“, empfing uns herzlich und dann wurden wir auch von Isabella, Mathilde, Lotte und Elli begrüßt.
Nachdem wir und ein weiteres Paar die Esel ein bisschen gebürstet und gestreichelt hatten, machten wir uns auf den Weg. Da es ein sehr warmer Tag war, wählte Sabrina eine schattige Strecke durch den nahegelegenen Wald. Schon bald merkten wir, dass jede Eselin eine eigene Persönlichkeit hatte. Mathilde lief gerne vorne, Isabella, ihre Freundin, folgte. Lotte und Elli liebten es ein bisschen gemütlicher. So waren sie auch etwas „cooler“, wenn beispielsweise Spaziergänger mit Hunden vorbei gingen. Die Mädels hatten aber eine Gemeinsamkeit: Die Liebe zu frischen Gräschen! Da musste man sich als Begleitperson dann öfter einmal durchsetzen, um ein Grasen zu vermeiden. Farne oder Ilex waren beispielsweise verboten, da sie für Esel gefährlich sind, Brombeeren und Buchenblättchen hingegen in den Futterpausen sehr willkommen.
Elli und ich verstanden uns blendend und ich bekam ein Gefühl dafür, wie schön es sein muss, mit einem Esel eine längere Wanderung zu unternehmen. Man ist mit sich und der Welt im reinen und Sorgen bleiben außen vor.
Nach dem Spaziergang durften wir unsere Wegbegleiter noch belohnen, das war noch leckerer!
Mir fiel der Abschied von Elli sehr schwer. Sabrina hatte uns während des Spaziergangs viel Wissenswertes über Esel erzählt. Das wollte ich vertiefen und las dieses Buch:
Wenn man zu mir zukünftig sagt, dass ich dumm wie ein Esel sei, so werde ich mich für diese Aussage bedanken, denn Esel sind kluge Tiere mit eigenem Kopf- das gefällt mir!
Wer noch mehr über Sabrina und ihre Ruhresel wissen möchte, hier geht es zu ihrer Homepage: https://www.ruhresel.de/
Immer am letzten Sonntag im Monat öffnet der Verein „Aixtraball“ in Würselen seine Tore für Nichtmitglieder. Worum geht es?
Auf dem Gelände des Sportflughafens hat der Verein mehrere Räume gemietet und widmet sich leidenschaftlich alten Flipperautomaten. Ca. 50 aus seiner Sammlung sind an den offenen Sonntagen frei zugänglich und man kann für 15 Euro Eintritt (Stand Mai 2024) von 11 bis 15 Uhr nach Herzenslust die Apparate ausprobieren.
Wir waren zu viert und konnten kurz nach 11 Uhr uns noch die Flipperautomaten aussuchen, an denen wir spielen wollten. Um 12 Uhr waren alle Flipperautomaten besetzt und man musste warten, bis jemand auch wechseln wollte. Gegen 13 Uhr wurde es dann wieder etwas leerer.
Ich kenne mich bei Flipperautomaten nicht aus, doch deuten die Dekothemen in den Automaten darauf hin, dass die meisten Automaten in den 80er und 90er Jahren gebaut wurden. „Baywatch“, „Dr. Who“ oder „Supermario“ sind nur einige Beispiele.
So mussten wir, die mit den einfacheren Flippern aus dem 70er Jahren groß geworden sind, uns erst einmal auf die technischen Neuerungen einstellen. Es gab nicht nur wie früher die Bumper (das sind die „Türme“ an denen die Kugel knallt und damit Punkte sammelt), sondern auch Slingshots, Spinner, Holes, Rollovers, Zipper-Flipper oder Spinning Discs. (Ich habe mich bei Wikipedia schlau gemacht, um diese besondere Welt einzutauchen https://de.wikipedia.org/wiki/Flipperautomat )
Sollten Sie nach Würselen fahren, hier noch ein paar Tipps: Sind Sie lärmempfindlich, nehmen Sie etwas für die Ohren mit. Für das leibliche Wohl müssen Sie selbst sorgen, man kann dort nichts vor Ort kaufen. Auf dem Flugplatzgelände befindet sich allerdings ein Restaurant. Es gibt einen Raum, in dem man sich ausruhen kann und auch eine Raucherecke. Wir haben 2 Stunden ohne Pause gespielt und waren danach erst einmal etwas ermattet. Mir haben persönlich die Automaten in den Räumen 3 und 8 vom Design und vom Spielverlauf am besten gefallen. In dem Raum 9 fanden wir zwei Automaten, die man relativ leicht für mehrere Spieler programmieren konnte. So spielten wir zum Schluss um die Wette, was besonders viel Spaß machte. Ich hatte mir vorher die Tipps zum richtigen Flippern auf der Wikipediaseite nicht durchgelesen, mein „Trapping“, „Nudging“ oder „Chill Maneuver“ wäre jeweils dann bestimmt besser gewesen und ich hätte noch mehr Erfolgserlebnisse gehabt. Aber man kann ja wiederkommen…
Von Würselen ist es nicht weit bis nach Valkenburg in den Niederlanden. Hier verbrachten wir den Rest des Tages. Es gibt mehrere Gründe, Valkenburg einen Besuch abzustatten. Bekannt ist die Stadt wegen mehrerer Grotten, die man besichtigen kann- zu Fuß, per Rad oder mit der Bahn, die Ausmaße sind erstaunlich. In den Grotten selbst sind Skulpturen zu entdecken, alte Wandmalereien und eine Grotte zeigt, wie es früher in römischen Katakomben ausgesehen hat. Über Valkenburg thront eine große Burgruine, die ebenfalls zu besichtigen ist und ein Kunstmuseum, sowie ein Schloss sind weitere kulturelle Besichtigungspunkte.
Überrascht waren wir von der großen Zahl an Restaurants, quasi sind drei Straßen Partymeilen. Als wir die Stadt besuchten, hielt sich der Andrang in Grenzen und wir fanden mittags ohne Probleme einen Tisch in einem Restaurant. Aber ich stelle mir den Trubel bei der Fußball-EM vor, da muss man nicht zum Ballermann. Der dritte Hauptgrund für einen Besuch in Valkenburg sind die sportlichen Aktivitäten. Es gibt u.a. ein großes Thermalbad und auch eine Sommerrodelbahn, zu der man mit einem Sessellift hochfahren kann. Da wir vier noch nie auf einer Sommerrodelbahn waren, entschieden wir uns nach dem Mittagessen für diese Besichtigungsvariante.
Uns gefiel es gut in Valkenburg und es spricht einiges dafür, dass wir im nächsten Jahr hier einmal ein langes Wochenende verbringen werden. Auch das Umland bietet noch viele Ausflugsmöglichkeiten.
Auf der Rückfahrt nach Duisburg auf dem Beifahrersitz sah ich aus dem Fenster.
So ist das Leben…
Krematorium, Mac Donalds, Kirche, Car Wash, BMW, Te Huur, Entenfamilie auf dem Seitenstreifen der Autobahn, Klatschmohnfeld, Tunnel, Hunderennbahn, Outletcenter, Tankstelle für Pippipause, Tunnel, abgestorbene Bäume auf einem Feld, Regen inkl. Regenbogen, Fronleichnamverkaufsoffenschild, Schallschutzmauern, in denen sich die Wolken spiegeln, Maas mit Hochwasser, Zoll/Duane, LKW-Kollektion auf Parkplatz,Freilichtmuseumhinweis, Borussiagrafitti, Radarfalle, Kiesgruben, aufmerksamer Mäusebussard, Seerosenteich, Baustelle, Vater mit Kinderwagen, gelbe Mülltonnen, Zuhause.
In der letzten Woche verbrachten wir einen Nachmittag in Köln. In dem Museum Kolumba, über das ich schon einmal berichtete (siehe unter related Posts) war eine neue Ausstellung unter dem Motto „Das Alphabet der Kunst“ angekündigt worden und diese wollten wir uns ansehen. Das war etwas enttäuschend, denn nur Teile der ersten Ausstellung waren ausgewechselt worden, so dass wir vieles schon kannten. Aber ein paar neue Eindrücke nahm ich trotzdem mit.
Oben links: Eine so große Sammlung von alten Siegeln hatte ich bis dahin noch die gesehen. Rechts: Erneut überzeugend war das Konzept, jedem Kunstwerk genügend Raum einzuräumen.
Wir gönnten uns danach einen süßen französischen Moment im Café Eigel
und waren schließlich gestärkt für eine Führung im Farina-Haus. Die Anregung dazu hatten wir durch den Podcast „Geschichten aus der Geschichte“ von Daniel Meßner und Richard Hemmer bekommen, die in einer Folge über die Geschichte der beiden Kölner Parfumeur-Familien Farina berichten.
Im Farina-Haus ist im Erdgeschoss ein Laden, in dem die Parfüms des Hauses Farina angeboten werden. Leider durfte man nicht fotografieren, weshalb meine Bebilderung sich auf die Darstellungen des Flyers beschränkt..
Die Führung begann in der ersten Etage, als Eintrittskarte bekam man am Handgelenk einen Spritzer Parfüm verabreicht. Es stellte sich Johann Maria Farina vor und erzählte uns über sein Leben und seine Erfindung des Eau de Cologne Parfüms.
Dieses Parfüm gibt es seit 1709 und wird bis heute unverändert angeboten. Es hat einen leichten zitronigen Duft und erinnert an einen Urlaubstag in Italien. Da in früheren Zeiten Männer und Frauen das selbe Parfüm benutzten, kann das Familienunternehmen stolz darauf hinweisen, dass beispielsweise Napoleon, Herr Goethe oder Prinzessin Diana dieses Parfüm bevorzugten.
Zum zweiten Teil der Führung gingen wir in den Keller. Dort gibt es ein kleines Museum mit mehreren Ausstellungsvitrinen. Hier sieht man beispielsweise, wie sich das Design der Parfümflasche über die letzten Jahrhunderte verändert hat oder es werden alte Dokumente ausgestellt. Der Originalschreibtisch von Herrn Farina kann bewundert werden, darauf liegt das Schuldnerbuch seiner Kunden. Im Keller ist außerdem ein Essenzenraum zu sehen und hier nahmen wir Platz. Herr Farina lud uns zu einer Duftprobe ein und wir sollten sechs Düfte mit Hilfe von Duftstäbchen erraten: Rose, Jasmin,Vanille, Bergamotte, Lavendel und Patchouli. Nicht einfach, denn die Stäbchen waren in reinen Ölen getränkt worden. Diese Naturöle sind sehr teuer (manche kleine Flaschen kosteten mehrere tausend Euro) und die heutigen Parfümfirmen benutzen gerne preiswertere synthetische Stoffe. Das Farina Eas de Cologne besteht zu ca. 70-80% aus Naturstoffen, was heute eher die Ausnahme ist.
Links die Probestäbchen, rechts ein keines Buch mit vielen Bildern- sehr lesenswert!
Ja und dann wurde noch das delikate Thema „4711“ angesprochen, das Konkurrenzprodukt schlechthin. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Familie Farina brachte zuerst das Eau de Cologne auf den Markt. Eine andere Familie, die sich den Namen Farina von einer nichtverwandten Person erkaufte, wollte ein Stück vom Erfolgskuchen abhaben und entwickelten als Plagiat ein anderes Parfüm mit sehr ähnlichem Namen. Dagegen klagten die Nachfahren von Johann Maria Farina. Das dauerte über ein Jahrhundert und erst 1865 bekam das Plagiat den Namen „4711“. Warum ist dieses Parfüm heute bekannter als das Farina Eau de Cologne? Farina EdC gehört bis heute in achter Generation der Familie Farina, während „4711“ schon mehrmals weiterverkauft wurde (u.a. an Wella, Procter & Gamble und Coty). Es wurde von den großen Firmen sehr viel Geld in die Werbung gesteckt und so ist Farina EdC heute eher etwas für „Kenner und Kennerinnen“.
Die einfachen Führungen (8 Euro, Stand 1.6.2024) waren alle in den nächsten Wochen schon ausgebucht, wir nahmen deshalb an einer „Führung mit Kostüm“ teil, die pro Person 12 Euro kostete. Hier gab es noch freie Plätze und wir bekamen am Ende der Führung eine kleine Flasche Parfüm geschenkt. (Im Wert von 8 Euro).
Sechs Jahre war das Otto Pankok Museum auf dem Gelände von Haus Esselt wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Jetzt ist es wieder von Mittwoch bis Sonntag geöffnet (Stand 23.5.24) und wir nahmen das zum Anlass, an einem Donnerstag einen Ausflug nach Hünxe zu machen. Momentan wird das Café im Museum noch nicht betrieben, so fuhren wir zum Landhotel Voshövel im nahen Schermbeck. Am Wochenende gibt es dort auch Kuchen, wir begnügten uns mit gutem Cappuccino auf einer schönen Terrasse.
Das Museum liegt nur wenige Minuten vom Hotel entfernt. Momentan werden von Otto Pankok noch Kohlezeichnungen und Holzdrucke zum Thema Frühling gezeigt. Wann es eine neue Ausstellung gibt, stand noch nicht fest. Mir waren bisher hauptsächlich Holzdruck Porträts von Otto Pankok bekannt und mich überraschten die Kohlezeichnungen positiv.
Unten rechts ein Selbstporträt von Otto Pankok aus den 50er Jahren.
Oben: Der Niederrhein, wie wir ihn kennen, unten zwei weitere tierische Holzschnitte.
Vom Museum aus kann man noch einen schönen Spaziergang auf einem Waldpfad machen. Hier blühten die Fingerhüte um die Wette, am Museum fiel der duftige Zierlauch.
Der Spaziergang führte auch an der Issel vorbei, ein guter Platz, um die Niederrheinseele wieder aufzutanken. Am Ende kam man am Wohnhaus der Pankoks vorbei, das man nur während einer Führung besichtigen kann.
Wuppertal Beyenburg war Ausgangspunkt für eine Draisinenfahrt am vorletzten Samstag nach Radevormwald.
Noch standen die Draisinen hintereinander, aber schon kurz nach Fahrtbeginn wurden die Abstände zwischen den Fahrzeugen größer.
Wir waren zu viert, auf unserem Gefährt konnten zwei wie auf einem Fahrrad strampeln, die anderen beiden durften sich ausruhen. Das war nötig, denn auf der Hinfahrt gab es einige Steigungen, für die eine gute Kondition von Vorteil war. Bedingt durch eine Brückensperrung konnten wir nur die Hälfte der Strecke abfahren, doch das reichte uns, um einen Eindruck von einer Draisinenfahrt zu bekommen. (Hin-und zurück 12 Kilometer). Wir kamen an Stauseen vorbei, fuhren an der Wupper durch einen schönen Herbstwald entlang.
Viermal mussten wir anhalten, um an Bahnübergängen unser Passieren den Autofahrern anzuzeigen.
Ca. eine halbe Stunde Pause machten wir in Dahlhausen. Hier konnte man sich alte Züge ansehen und sein mitgebrachtes Picknick verzehren. Für andere Bedürfnisse gab es eine Dixi-Toilette.
Auf der Rückfahrt, die meist bergab verlief, kamen wir bis auf 35 Stundenkilometer.
Oben links: Eisenbahnromantik in einer Pfütze, rechts daneben eins der schönen alten Häuser, die wir auf der Fahrt sahen. Entlang der Wupper gibt es diverse Tafeln, die auf Natur-und Geschichtsbesonderheiten entlang des Flusses hinweisen. Unten rechts eine schwedische Draisine aus den 30er Jahres des letzten Jahrhunderts.
Insgesamt waren wir 2 1/2 Stunden unterwegs. Danach fuhren wir nach Wuppertal-Mitte in das Luisenviertel mit seinen schönen Cafés und Restaurants, um uns wohlverdient zu stärken. Im italienischen Restaurant „Don Camillo und Peppone“ aß ich zum ersten Mal eine Pizza mit Kürbisstücken, Fetakäse und Zwiebeln- köstlich!
Der letzte Freitag war sehr abwechslungsreich. In zwei Stunden spazierten wir zuerst durch Dünen, kamen vorbei an einem Moor und
an einer Landschaft, die gut zum bevorstehenden Halloween passte,
bogen kurz in die Provence ab
und hatten dann noch das Vergnügen, eine Art Dschungellandschaft kennenzulernen.
Bei unserem Spaziergang sahen wir auch viele interessante Bäume, wie beispielsweise links unten den Kuchenbaum, in dessen Nähe es wie in einer Bäckerei duftet, in der gerade gebacken wird.
Rechts oben: Imposante Stacheln an der Rinde hat die amerikanische Gleditschie. Rechts daneben ein ca. 80 Jahre alter Gingkobaum. Ein männliches Exemplar mit einem Geneffekt, durch den der Baum relativ schmal und hoch wurde. Seine Nachfahren stehen deshalb in vielen anderen Gärten, an Straßenrändern und Baumschulen in NRW. Darunter eine ca. 100 Jahre alte Lindenallee.
Ihnen fehlt noch etwas Blühendes? Bitteschön!
Rechts oben: Wir gingen auch durch eine Rhododendronanlage, wo einige Sträucher zum zweiten Mal blühten. Unten rechts: Hier wurden 30 verschiedene Sonnenblumenarten gezeigt.
Wo waren wir? Im Ruhrgebiet! Genauer gesagt zum ersten Mal im Dortmunder Rombergpark, hier nahmen wir an einer Führung teil. Der Park ist über 200 Jahre alt und ca. 70 Hektar groß und damit der größte botanische Garten Deutschlands. Ehemals ein englischer Landschaftspark, der zu einem Schloss gehörte, ist er heute als öffentlicher, frei zugänglicher Park die zweite grüne Lunge Dortmunds neben dem Westfalenpark. Wir haben während des zweistündigen Spaziergangs nur ein Fünftel des Parks gesehen und werden sicherlich im nächsten Frühjahr an einer weiteren Führung teilnehmen. Dann gibt es dort beispielsweise das Primeltal zu bewundern, die ca. 130 verschiedenen Rhododendronarten stehen in voller Blüte und die Gewächshäuser fehlen uns auch noch.
Danach gestärkt haben wir uns auf der Promenade am Dortmunder Phoenixsee (siehe unten unter „Ein geschenkter Tag“). Hier gibt es mehrere Restaurants, u.a. auch die „Frittenküche“, die besonders leckere „Pommeskreationen“ anbietet, wie z.B. Pommes Frites à la Bruschetta-Style:
Wir hatten letzte Woche Besuch aus Frankreich. Unsere Freundin kannte weder das Ruhrgebiet, noch den Niederrhein und wir wollten ihr neben den typischen Sehenswürdigkeiten auch nicht so Bekanntes zeigen. In Wuppertal bummelten wir nach der Fahrt mit der Schwebebahn durch das Luisenviertel. Das Luisenviertel ist bekannt für seine Gastronomie und Fachgeschäfte. ( In der Nachbarschaft liegt noch das Brillviertel, in dem über 250 imposante Villen aus der Gründerzeit zu sehen sind).
Vom nicht weit entfernten Hattingen war unsere französische Freundin sehr angetan. Wir hörten mehrmals „C’est très mignon!“(= schnuckelig, schön,süß,reizend).
Das ist das Ruhrgebiet? Kaum zu glauben!
Die Ruhr bei Hattingen
2.Tag-Köln: Neben Dom-und Altstadtbesichtigung und Fahrt auf dem Rhein, boten wir ihr eine Fahrt mit der Seilbahn über den Rhein an. Neue Kölner Ansichten-auch für uns.
3.Tag-Essen: Auf der Margarethenhöhe war es auch wieder „mignon“.
Zuvor hatten wir die Villa Hügel besucht. Mit Hilfe der wirklich guten App „Villa Hügel“ machten wir einen Rundgang durch die Wohnräume der Kruppfamilie- très impressionnant!
Tag 4- Niederrhein: Das Grün genießen und „Niederrhein-Spirit“ entdecken in Orsoy und Rheinberg.
Es waren schöne Tage und wir haben unsere Heimatsicht mal wieder aufgefrischt. Wer sich wundert, dass wir nicht den Duisburger Landschaftspark besichtigt haben: Die Freundin war schon mehrmals in der Völklinger Hütte.
Vorletztes Wochenende besuchten wir ein vierstündiges Seminar in der Falknerei von Pierre Schmidt. Sie liegt seit 2007 im Naturparkzentrum Gymnicher Mühle zwischen Gymnich und Kerpen. Herr Schmidt und drei weitere Mitarbeiter betreuten unsere zehnköpfige Gruppe. Ich hatte erwartet, dass man uns erst einmal viel über die verschiedenen Greifvogelarten erzählt und dann zum Thema Falknerei übergeht-falsch gedacht! Nach einer kurzen Vorstellung der Vögel in den verschiedenen Gehegen lernten wir direkt Medusa näher kennen.
Herr Schmidt mit Medusa
Jeder von uns bekam einen Falknerhandschuh und uns wurden mehrere Bewegungsabläufe von Herrn Schmidt und seiner Kollegin erklärt, um Medusa eine sichere Landung auf der Hand und einen guten Abflug von der Hand zu ermöglichen. Medusa flog willig nacheinander auf zehn linke Hände, um sich dort ein Appetithäppchen als Belohnung abzuholen. Danach machten wir mit Medusa einen Spaziergang durch die Felder. Sie flog in Bäume, kam aber immer wieder zu unserer Gruppe zurück. Dies war teilweise auch abhängig von Fußgängern und Radfahrern, die die Wege ebenfalls benutzten.
Wieder zurück in der Falknerei, verbrachten wir die nächsten zwei Stunden mit dem weiterem Kennenlernen einiger anderer Vögel. Darf ich vorstellen?
Sehr wichtig war es, die erlernten Bewegungsabläufe präzise und konzentriert einzuhalten. Jede Abweichung irritierte die Vögel und der Flug auf die Hand glückte nicht immer sofort. Dann landeten die Tiere zuerst auf dem Boden, in Bäumen oder auf dem Hausdach. Aber auch die Vorlieben der Vögel mussten mit berücksichtigt werden. Ein Blaubussard landete lieber zuerst auf der Basis und kam dann auf die Hand, ein anderer bevorzugte weibliche Bezugspersonen, ein weiterer Vogel zuppelte gerne an Jacken und Pullover und machte es sich auf dem Handschuh gemütlich. Je besser man es schaffte, eine Verbindung zu dem Vogel herzustellen, desto harmonischer war der Flug, ja und manchmal durfte man sogar ein bisschen streicheln.
Um 15 Uhr begann eine Flugshow, die sehr gut besucht war. Unsere Gruppe wurde in das Programm mit eingebaut und wir zeigten, was wir zuvor gelernt hatten. Erstmalig arbeiteten wir auch mit einem Federspiel, das den Flug eines Beutetiers nachmachen soll.
Oben links: Es war immer ein besonderer Moment, wenn ein Greifvogel, wie hier der Weißseekopfadler „Alaska“, auf mich zuflog. Oben rechts: Die Basis, auf der einige Vögel zuerst landeten. Unten links: Beim Einsatz des Federspiels, daneben ein zufriedener Falke mit seiner Beute.
Die vier Sunden vergingen sehr schnell. Abgesehen von der Beschäftigung mit den Greifvögeln lag das sicherlich auch an Herrn Schmidt. Neben fachlichen Informationen bekamen wir von ihm einen Einblick in sein abwechslungsreiches Leben und er ließ uns einen Hauch der großen Welt schnuppern. Er verkauft Vögel in arabische Staaten und verkehrt mit wohlhabenden Scheichs, ist Partner eines Vogelschutzprogramms in Kenia und seine Vögel werden oftmals für Film-und Fernsehprodukionen angefordert, wie z.B. für die Serie „Mord mit Aussicht“-Sie erinnern sich?
So hat er in seinem Leben schon viele prominente Menschen kennengelernt. Dass darunter auch Konrad Lorenz und Bernhard Grzimek waren, darum beneide ich ihn ein bisschen.
Auf You Tube gibt es einen knapp halbstündigen Ausschnitt aus dem Film „Der Adlerflüsterer“. Hier bekommt man einen kleinen Einblick in die Arbeit von Pierre Schmidt, u.a. auch mit einem kurzen Pro und Contra bezüglich der Falknerei.
Die Gesamtlänge des prämierten Films beträgt 1 1/2 Stunden. Mehr Informationen zu der Falknerei gibt es unter http://www.falknerei-schmidt.de
Wenn Sie nicht die Falknerei besuchen möchten, lohnt sich trotzdem ein Ausflug zur Gymnicher Mühle. Nach den vier Stunden stärkten wir uns dort in einem Gasthaus und besuchten danach noch den schönen Garten.
Man kann aber noch viel mehr unternehmen, wie diese Hinweistafel beweist.
Zur „Nachbearbeitung“ unseres Besuchs in der Falknerei lieh ich mir diese drei Bücher in der Stadtbibliothek aus. Alle drei kann ich empfehlen.
Diese Charakterköpfe lernten wir am Samstagmorgen kennen:
Dank der Duisburger Volkshochschule hatten wir die Möglichkeit, in der Oberhauser Schäferei von Herrn Tobias Thimm einen Einblick in den Alltag eines Schäfers zu bekommen. Wir wurden von den „Jungs“ im Gatter begrüßt, sie warteten auf einen Gesundheitscheck.
Im Oktober beginnt die Deckzeit und alle dafür geeigneten Böcke müssen zuvor untersucht werden. Stimmt das Gewicht, gibt es Verletzungen oder Krankheiten, sind die Hufen eines Tiers in Ordnung? Das sind nur einige Punkte der Checkliste. Ist alles bestens, kommen die Böcke danach noch zwei Wochen auf die „Beauty Farm“, wo sie verwöhnt werden, bevor es zum Tète-à-Tète mit den Damen kommt.
Unter den sechs Schafsrassen, die auf dem Hof zu finden sind, gehören zwei zu den bedrohten Arten. Zu unwirtschaftlich ist ihre Haltung, doch Herr Thimm lobte seine „Bentheimer Landschafe“und „Weißen gehörnte Heidschnucken“, da sie für die Landschaftspflege bestens geeignet sind. Dies ist die Hauptaufgabe, die Herr Thimm zusammen mit seiner Herde im Raum Oberhausen-Duisburg-Mülheim bis hoch nach Kirchhellen übernimmt. Glücklicherweise setzt sich bei den Städten immer häufiger die Einsicht durch, dass Schafe für die Landschaftspflege besser sind als Maschinen, denn sie zerstören beispielsweise keine Tiernester-oder Bauten, legen Kuhlen an, in denen Wasser für Tiere gespeichert wird und sind beim Abgrasen der Flächen für Pflanzen und Boden viel schonender.
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Wir lernten auch die beiden Hütehunde des Schäfers kennen und erfuhren Einiges über ihre Ausbildung und ihre Aufgaben. Fazit: Ohne Hunde keine Schäferei!
Nach 1 1/2 Stunden gingen wir zu den Mutterschafen mit ihren Sommerlämmern. Die ca. 30 Teilnehmer waren natürlich entzückt, denn es durfte gestreichelt und mitgebrachte Mohrrüben, Äpfel und altes Brot verfüttert werden. Das war köstlich, aber auch die Brennnesselbüsche auf der Wiese wurden nicht verachtet. Zur Freude des Schäfers, denn Brennnessel und Disteln sind besonders gesund für die Vierbeiner.
Herr Thimm war sehr professionell. Er demonstrierte seine Arbeit voller Humor, obwohl kurz vor unserer Ankunft ein Schaf auf der Wiese an Herzversagen gestorben war, das er erst zwei Wochen zuvor für 600 Euro gekauft hatte. Ein schwarzer Tag für ihn und er musste uns Rede und Antwort stehen…. Seit drei Generationen gehört die Schäferei der Familie und man merkte, dass Herr Thimm weiß, wovon er spricht. Offen legte er dar, welche Kosten anfallen und nannte uns Zahlen. Sein durchschnittlicher Stundenlohn beträgt weniger als 6 Euro. (Wen wundert es dann, dass es in den 70er Jahren noch ca. 250 Millionen Schafe gab und heute nur noch 14 Millionen? Idealismus ist immer weniger angesagt). Früher kostete ein Kilo Kraftfutter ca. 5 Euro, durch die Inflation sind es nun 16 Euro. Schäfer brauchen mehr Kraftfutter für ihre Herde, denn in heißen Sommern vertrocknen die saftigen Wiesen und sie müssen zufüttern. Die neue Tierarzt-Gebührenordnung mit enorm gestiegenen Preisen ist ein weiterer Kostenfaktor. Auf die Frage, was sich Herr Thimm von den Verbrauchern und von den Politikern wünscht, wurde der Schäfer ernst. Wer Fleisch isst, sollte bereit sein, für Qualitätsfleisch mehr zu bezahlen und bei regionalen Anbietern kaufen. Kleinen Landwirtschaftsbetrieben sollte ein Vorverkaufsrecht eingeräumt werden, wenn Land zum Verkauf steht. Zumeist werden Großbetrieben das Land direkt zugeschanzt. Dann erzählte er vom Mehrwertsteuerdschungel, in denen sich ein Schäfer zurecht finden muss. Uns schwirrte der Kopf und wir konnten es nicht glauben. Am Ende kam er noch auf Wölfe zu sprechen. Herr Thimm verlor im Februar 78 Schafe, darunter mehr als die Hälfte trächtige Mutterschafe. Die Kosten von 38000 Euro musste er vorstrecken-übrigens bis heute, denn die Entschädigung von 11000 Euro hat er vom Land noch nicht bekommen. Ein zweiter Wolfsangriff fand vor einigen Wochen statt. Trotz zweifacher elektrischer Zaunsicherung verlor er erneut einige Tiere. Endlich eine Lösung für dieses Problem finden, das wünscht sich Herr Thimm.
Mein Bericht gibt nur einige Aspekte wieder, die während des zweistündigen Besuchs angesprochen wurden. Unter „Oberhauser Schäferei“ kann man auf facebook und Instagram das Leben auf dem Hof verfolgen. Wir werden im nächsten Frühjahr wiederkommen, wenn die Lämmer da sind, denn dann geht einem laut Herrn Thimm das Herz auf.
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