Parfüm als Eintrittskarte

In der letzten Woche verbrachten wir einen Nachmittag in Köln. In dem Museum Kolumba, über das ich schon einmal berichtete (siehe unter related Posts) war eine neue Ausstellung unter dem Motto „Das Alphabet der Kunst“ angekündigt worden und diese wollten wir uns ansehen. Das war etwas enttäuschend, denn nur Teile der ersten Ausstellung waren ausgewechselt worden, so dass wir vieles schon kannten. Aber ein paar neue Eindrücke nahm ich trotzdem mit.

Oben links: Eine so große Sammlung von alten Siegeln hatte ich bis dahin noch die gesehen. Rechts: Erneut überzeugend war das Konzept, jedem Kunstwerk genügend Raum einzuräumen.

Wir gönnten uns danach einen süßen französischen Moment im Café Eigel

und waren schließlich gestärkt für eine Führung im Farina-Haus. Die Anregung dazu hatten wir durch den Podcast „Geschichten aus der Geschichte“ von Daniel Meßner und Richard Hemmer bekommen, die in einer Folge über die Geschichte der beiden Kölner Parfumeur-Familien Farina berichten.

Im Farina-Haus ist im Erdgeschoss ein Laden, in dem die Parfüms des Hauses Farina angeboten werden. Leider durfte man nicht fotografieren, weshalb meine Bebilderung sich auf die Darstellungen des Flyers beschränkt..

Die Führung begann in der ersten Etage, als Eintrittskarte bekam man am Handgelenk einen Spritzer Parfüm verabreicht. Es stellte sich Johann Maria Farina vor und erzählte uns über sein Leben und seine Erfindung des Eau de Cologne Parfüms.

Dieses Parfüm gibt es seit 1709 und wird bis heute unverändert angeboten. Es hat einen leichten zitronigen Duft und erinnert an einen Urlaubstag in Italien. Da in früheren Zeiten Männer und Frauen das selbe Parfüm benutzten, kann das Familienunternehmen stolz darauf hinweisen, dass beispielsweise Napoleon, Herr Goethe oder Prinzessin Diana dieses Parfüm bevorzugten.

Zum zweiten Teil der Führung gingen wir in den Keller. Dort gibt es ein kleines Museum mit mehreren Ausstellungsvitrinen. Hier sieht man beispielsweise, wie sich das Design der Parfümflasche über die letzten Jahrhunderte verändert hat oder es werden alte Dokumente ausgestellt. Der Originalschreibtisch von Herrn Farina kann bewundert werden, darauf liegt das Schuldnerbuch seiner Kunden.
Im Keller ist außerdem ein Essenzenraum zu sehen und hier nahmen wir Platz. Herr Farina lud uns zu einer Duftprobe ein und wir sollten sechs Düfte mit Hilfe von Duftstäbchen erraten: Rose, Jasmin,Vanille, Bergamotte, Lavendel und Patchouli. Nicht einfach, denn die Stäbchen waren in reinen Ölen getränkt worden. Diese Naturöle sind sehr teuer (manche kleine Flaschen kosteten mehrere tausend Euro) und die heutigen Parfümfirmen benutzen gerne preiswertere synthetische Stoffe. Das Farina Eas de Cologne besteht zu ca. 70-80% aus Naturstoffen, was heute eher die Ausnahme ist.

Links die Probestäbchen, rechts ein keines Buch mit vielen Bildern- sehr lesenswert!

Ja und dann wurde noch das delikate Thema „4711“ angesprochen, das Konkurrenzprodukt schlechthin. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Familie Farina brachte zuerst das Eau de Cologne auf den Markt. Eine andere Familie, die sich den Namen Farina von einer nichtverwandten Person erkaufte, wollte ein Stück vom Erfolgskuchen abhaben und entwickelten als Plagiat ein anderes Parfüm mit sehr ähnlichem Namen. Dagegen klagten die Nachfahren von Johann Maria Farina. Das dauerte über ein Jahrhundert und erst 1865 bekam das Plagiat den Namen „4711“. Warum ist dieses Parfüm heute bekannter als das Farina Eau de Cologne? Farina EdC gehört bis heute in achter Generation der Familie Farina, während „4711“ schon mehrmals weiterverkauft wurde (u.a. an Wella, Procter & Gamble und Coty). Es wurde von den großen Firmen sehr viel Geld in die Werbung gesteckt und so ist Farina EdC heute eher etwas für „Kenner und Kennerinnen“.

Die einfachen Führungen (8 Euro, Stand 1.6.2024) waren alle in den nächsten Wochen schon ausgebucht, wir nahmen deshalb an einer „Führung mit Kostüm“ teil, die pro Person 12 Euro kostete. Hier gab es noch freie Plätze und wir bekamen am Ende der Führung eine kleine Flasche Parfüm geschenkt. (Im Wert von 8 Euro).

Ein dufter Nachmittag ohne bezahlte Werbung!

Ausflug zu Otto Pankok

Sechs Jahre war das Otto Pankok Museum auf dem Gelände von Haus Esselt wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Jetzt ist es wieder von Mittwoch bis Sonntag geöffnet (Stand 23.5.24) und wir nahmen das zum Anlass, an einem Donnerstag einen Ausflug nach Hünxe zu machen.
Momentan wird das Café im Museum noch nicht betrieben, so fuhren wir zum Landhotel Voshövel im nahen Schermbeck. Am Wochenende gibt es dort auch Kuchen, wir begnügten uns mit gutem Cappuccino auf einer schönen Terrasse.

Das Museum liegt nur wenige Minuten vom Hotel entfernt. Momentan werden von Otto Pankok noch Kohlezeichnungen und Holzdrucke zum Thema Frühling gezeigt. Wann es eine neue Ausstellung gibt, stand noch nicht fest. Mir waren bisher hauptsächlich Holzdruck Porträts von Otto Pankok bekannt und mich überraschten die Kohlezeichnungen positiv.

Unten rechts ein Selbstporträt von Otto Pankok aus den 50er Jahren.
Oben: Der Niederrhein, wie wir ihn kennen, unten zwei weitere tierische Holzschnitte.

Vom Museum aus kann man noch einen schönen Spaziergang auf einem Waldpfad machen. Hier blühten die Fingerhüte um die Wette, am Museum fiel der duftige Zierlauch.

Der Spaziergang führte auch an der Issel vorbei, ein guter Platz, um die Niederrheinseele wieder aufzutanken. Am Ende kam man am Wohnhaus der Pankoks vorbei, das man nur während einer Führung besichtigen kann.

Eine Draisinenfahrt, die ist lustig

Wuppertal Beyenburg war Ausgangspunkt für eine Draisinenfahrt am vorletzten Samstag nach Radevormwald.

Noch standen die Draisinen hintereinander, aber schon kurz nach Fahrtbeginn wurden die Abstände zwischen den Fahrzeugen größer.

Wir waren zu viert, auf unserem Gefährt konnten zwei wie auf einem Fahrrad strampeln, die anderen beiden durften sich ausruhen. Das war nötig, denn auf der Hinfahrt gab es einige Steigungen, für die eine gute Kondition von Vorteil war. Bedingt durch eine Brückensperrung konnten wir nur die Hälfte der Strecke abfahren, doch das reichte uns, um einen Eindruck von einer Draisinenfahrt zu bekommen. (Hin-und zurück 12 Kilometer).
Wir kamen an Stauseen vorbei, fuhren an der Wupper durch einen schönen Herbstwald entlang.

Viermal mussten wir anhalten, um an Bahnübergängen unser Passieren den Autofahrern anzuzeigen.

Ca. eine halbe Stunde Pause machten wir in Dahlhausen. Hier konnte man sich alte Züge ansehen und sein mitgebrachtes Picknick verzehren. Für andere Bedürfnisse gab es eine Dixi-Toilette.

Auf der Rückfahrt, die meist bergab verlief, kamen wir bis auf 35 Stundenkilometer.

Oben links: Eisenbahnromantik in einer Pfütze, rechts daneben eins der schönen alten Häuser, die wir auf der Fahrt sahen. Entlang der Wupper gibt es diverse Tafeln, die auf Natur-und Geschichtsbesonderheiten entlang des Flusses hinweisen. Unten rechts eine schwedische Draisine aus den 30er Jahres des letzten Jahrhunderts.

Insgesamt waren wir 2 1/2 Stunden unterwegs. Danach fuhren wir nach Wuppertal-Mitte in das Luisenviertel mit seinen schönen Cafés und Restaurants, um uns wohlverdient zu stärken. Im italienischen Restaurant „Don Camillo und Peppone“ aß ich zum ersten Mal eine Pizza mit Kürbisstücken, Fetakäse und Zwiebeln- köstlich!

Keine bezahlte Werbung!

Von Dünen, Moor und Kuchenbäumen

Der letzte Freitag war sehr abwechslungsreich. In zwei Stunden spazierten wir zuerst durch Dünen, kamen vorbei an einem Moor und

an einer Landschaft, die gut zum bevorstehenden Halloween passte,

bogen kurz in die Provence ab

und hatten dann noch das Vergnügen, eine Art Dschungellandschaft kennenzulernen.

Bei unserem Spaziergang sahen wir auch viele interessante Bäume, wie beispielsweise links unten den Kuchenbaum, in dessen Nähe es wie in einer Bäckerei duftet, in der gerade gebacken wird.

Rechts oben: Imposante Stacheln an der Rinde hat die amerikanische Gleditschie. Rechts daneben ein ca. 80 Jahre alter Gingkobaum. Ein männliches Exemplar mit einem Geneffekt, durch den der Baum relativ schmal und hoch wurde. Seine Nachfahren stehen deshalb in vielen anderen Gärten, an Straßenrändern und Baumschulen in NRW. Darunter eine ca. 100 Jahre alte Lindenallee.

Ihnen fehlt noch etwas Blühendes? Bitteschön!

Rechts oben: Wir gingen auch durch eine Rhododendronanlage, wo einige Sträucher zum zweiten Mal blühten. Unten rechts: Hier wurden 30 verschiedene Sonnenblumenarten gezeigt.

Wo waren wir? Im Ruhrgebiet! Genauer gesagt zum ersten Mal im Dortmunder Rombergpark, hier nahmen wir an einer Führung teil. Der Park ist über 200 Jahre alt und ca. 70 Hektar groß und damit der größte botanische Garten Deutschlands. Ehemals ein englischer Landschaftspark, der zu einem Schloss gehörte, ist er heute als öffentlicher, frei zugänglicher Park die zweite grüne Lunge Dortmunds neben dem Westfalenpark. Wir haben während des zweistündigen Spaziergangs nur ein Fünftel des Parks gesehen und werden sicherlich im nächsten Frühjahr an einer weiteren Führung teilnehmen. Dann gibt es dort beispielsweise das Primeltal zu bewundern, die ca. 130 verschiedenen Rhododendronarten stehen in voller Blüte und die Gewächshäuser fehlen uns auch noch.

Danach gestärkt haben wir uns auf der Promenade am Dortmunder Phoenixsee (siehe unten unter „Ein geschenkter Tag“). Hier gibt es mehrere Restaurants, u.a. auch die „Frittenküche“, die besonders leckere „Pommeskreationen“ anbietet, wie z.B. Pommes Frites à la Bruschetta-Style:

Keine bezahlte Werbung!

Das Ruhrgebiet und der Niederrhein sind „mignon“

Wir hatten letzte Woche Besuch aus Frankreich. Unsere Freundin kannte weder das Ruhrgebiet, noch den Niederrhein und wir wollten ihr neben den typischen Sehenswürdigkeiten auch nicht so Bekanntes zeigen.
In Wuppertal bummelten wir nach der Fahrt mit der Schwebebahn durch das Luisenviertel. Das Luisenviertel ist bekannt für seine Gastronomie und Fachgeschäfte. ( In der Nachbarschaft liegt noch das Brillviertel, in dem über 250 imposante Villen aus der Gründerzeit zu sehen sind).

Vom nicht weit entfernten Hattingen war unsere französische Freundin sehr angetan. Wir hörten mehrmals „C’est très mignon!“(= schnuckelig, schön,süß,reizend).

Das ist das Ruhrgebiet? Kaum zu glauben!

Die Ruhr bei Hattingen

2.Tag-Köln: Neben Dom-und Altstadtbesichtigung und Fahrt auf dem Rhein, boten wir ihr eine Fahrt mit der Seilbahn über den Rhein an. Neue Kölner Ansichten-auch für uns.

3.Tag-Essen: Auf der Margarethenhöhe war es auch wieder „mignon“.

Zuvor hatten wir die Villa Hügel besucht. Mit Hilfe der wirklich guten App „Villa Hügel“ machten wir einen Rundgang durch die Wohnräume der Kruppfamilie- très impressionnant!

Tag 4- Niederrhein: Das Grün genießen und „Niederrhein-Spirit“ entdecken in Orsoy und Rheinberg.

Es waren schöne Tage und wir haben unsere Heimatsicht mal wieder aufgefrischt. Wer sich wundert, dass wir nicht den Duisburger Landschaftspark besichtigt haben: Die Freundin war schon mehrmals in der Völklinger Hütte.

Ein Weißkopfseeadler auf meiner Hand

Vorletztes Wochenende besuchten wir ein vierstündiges Seminar in der Falknerei von Pierre Schmidt. Sie liegt seit 2007 im Naturparkzentrum Gymnicher Mühle zwischen Gymnich und Kerpen.
Herr Schmidt und drei weitere Mitarbeiter betreuten unsere zehnköpfige Gruppe. Ich hatte erwartet, dass man uns erst einmal viel über die verschiedenen Greifvogelarten erzählt und dann zum Thema Falknerei übergeht-falsch gedacht! Nach einer kurzen Vorstellung der Vögel in den verschiedenen Gehegen lernten wir direkt Medusa näher kennen.

Herr Schmidt mit Medusa

Jeder von uns bekam einen Falknerhandschuh und uns wurden mehrere Bewegungsabläufe von Herrn Schmidt und seiner Kollegin erklärt, um Medusa eine sichere Landung auf der Hand und einen guten Abflug von der Hand zu ermöglichen. Medusa flog willig nacheinander auf zehn linke Hände, um sich dort ein Appetithäppchen als Belohnung abzuholen.
Danach machten wir mit Medusa einen Spaziergang durch die Felder. Sie flog in Bäume, kam aber immer wieder zu unserer Gruppe zurück. Dies war teilweise auch abhängig von Fußgängern und Radfahrern, die die Wege ebenfalls benutzten.

Wieder zurück in der Falknerei, verbrachten wir die nächsten zwei Stunden mit dem weiterem Kennenlernen einiger anderer Vögel. Darf ich vorstellen?

Sehr wichtig war es, die erlernten Bewegungsabläufe präzise und konzentriert einzuhalten. Jede Abweichung irritierte die Vögel und der Flug auf die Hand glückte nicht immer sofort. Dann landeten die Tiere zuerst auf dem Boden, in Bäumen oder auf dem Hausdach. Aber auch die Vorlieben der Vögel mussten mit berücksichtigt werden. Ein Blaubussard landete lieber zuerst auf der Basis und kam dann auf die Hand, ein anderer bevorzugte weibliche Bezugspersonen, ein weiterer Vogel zuppelte gerne an Jacken und Pullover und machte es sich auf dem Handschuh gemütlich.
Je besser man es schaffte, eine Verbindung zu dem Vogel herzustellen, desto harmonischer war der Flug, ja und manchmal durfte man sogar ein bisschen streicheln.


Um 15 Uhr begann eine Flugshow, die sehr gut besucht war. Unsere Gruppe wurde in das Programm mit eingebaut und wir zeigten, was wir zuvor gelernt hatten. Erstmalig arbeiteten wir auch mit einem Federspiel, das den Flug eines Beutetiers nachmachen soll.

Oben links: Es war immer ein besonderer Moment, wenn ein Greifvogel, wie hier der Weißseekopfadler „Alaska“, auf mich zuflog. Oben rechts: Die Basis, auf der einige Vögel zuerst landeten. Unten links: Beim Einsatz des Federspiels, daneben ein zufriedener Falke mit seiner Beute.

Die vier Sunden vergingen sehr schnell. Abgesehen von der Beschäftigung mit den Greifvögeln lag das sicherlich auch an Herrn Schmidt. Neben fachlichen Informationen bekamen wir von ihm einen Einblick in sein abwechslungsreiches Leben und er ließ uns einen Hauch der großen Welt schnuppern. Er verkauft Vögel in arabische Staaten und verkehrt mit wohlhabenden Scheichs, ist Partner eines Vogelschutzprogramms in Kenia und seine Vögel werden oftmals für Film-und Fernsehprodukionen angefordert, wie z.B. für die Serie „Mord mit Aussicht“-Sie erinnern sich?

So hat er in seinem Leben schon viele prominente Menschen kennengelernt. Dass darunter auch Konrad Lorenz und Bernhard Grzimek waren, darum beneide ich ihn ein bisschen.

Auf You Tube gibt es einen knapp halbstündigen Ausschnitt aus dem Film „Der Adlerflüsterer“. Hier bekommt man einen kleinen Einblick in die Arbeit von Pierre Schmidt, u.a. auch mit einem kurzen Pro und Contra bezüglich der Falknerei.

Die Gesamtlänge des prämierten Films beträgt 1 1/2 Stunden.
Mehr Informationen zu der Falknerei gibt es unter
http://www.falknerei-schmidt.de

Wenn Sie nicht die Falknerei besuchen möchten, lohnt sich trotzdem ein Ausflug zur Gymnicher Mühle. Nach den vier Stunden stärkten wir uns dort in einem Gasthaus und besuchten danach noch den schönen Garten.

Man kann aber noch viel mehr unternehmen, wie diese Hinweistafel beweist.

Zur „Nachbearbeitung“ unseres Besuchs in der Falknerei lieh ich mir diese drei Bücher in der Stadtbibliothek aus. Alle drei kann ich empfehlen.

Besuch in einer Schäferei

Diese Charakterköpfe lernten wir am Samstagmorgen kennen:

Dank der Duisburger Volkshochschule hatten wir die Möglichkeit, in der Oberhauser Schäferei von Herrn Tobias Thimm einen Einblick in den Alltag eines Schäfers zu bekommen.
Wir wurden von den „Jungs“ im Gatter begrüßt, sie warteten auf einen Gesundheitscheck.

Im Oktober beginnt die Deckzeit und alle dafür geeigneten Böcke müssen zuvor untersucht werden. Stimmt das Gewicht, gibt es Verletzungen oder Krankheiten, sind die Hufen eines Tiers in Ordnung? Das sind nur einige Punkte der Checkliste. Ist alles bestens, kommen die Böcke danach noch zwei Wochen auf die „Beauty Farm“, wo sie verwöhnt werden, bevor es zum Tète-à-Tète mit den Damen kommt.

Unter den sechs Schafsrassen, die auf dem Hof zu finden sind, gehören zwei zu den bedrohten Arten. Zu unwirtschaftlich ist ihre Haltung, doch Herr Thimm lobte seine „Bentheimer Landschafe“und „Weißen gehörnte Heidschnucken“, da sie für die Landschaftspflege bestens geeignet sind. Dies ist die Hauptaufgabe, die Herr Thimm zusammen mit seiner Herde im Raum Oberhausen-Duisburg-Mülheim bis hoch nach Kirchhellen übernimmt. Glücklicherweise setzt sich bei den Städten immer häufiger die Einsicht durch, dass Schafe für die Landschaftspflege besser sind als Maschinen, denn sie zerstören beispielsweise keine Tiernester-oder Bauten, legen Kuhlen an, in denen Wasser für Tiere gespeichert wird und sind beim Abgrasen der Flächen für Pflanzen und Boden viel schonender.

Bild von Pixabay

Wir lernten auch die beiden Hütehunde des Schäfers kennen und erfuhren Einiges über ihre Ausbildung und ihre Aufgaben. Fazit: Ohne Hunde keine Schäferei!

Nach 1 1/2 Stunden gingen wir zu den Mutterschafen mit ihren Sommerlämmern. Die ca. 30 Teilnehmer waren natürlich entzückt, denn es durfte gestreichelt und mitgebrachte Mohrrüben, Äpfel und altes Brot verfüttert werden. Das war köstlich, aber auch die Brennnesselbüsche auf der Wiese wurden nicht verachtet. Zur Freude des Schäfers, denn Brennnessel und Disteln sind besonders gesund für die Vierbeiner.

Herr Thimm war sehr professionell. Er demonstrierte seine Arbeit voller Humor, obwohl kurz vor unserer Ankunft ein Schaf auf der Wiese an Herzversagen gestorben war, das er erst zwei Wochen zuvor für 600 Euro gekauft hatte. Ein schwarzer Tag für ihn und er musste uns Rede und Antwort stehen….
Seit drei Generationen gehört die Schäferei der Familie und man merkte, dass Herr Thimm weiß, wovon er spricht. Offen legte er dar, welche Kosten anfallen und nannte uns Zahlen. Sein durchschnittlicher Stundenlohn beträgt weniger als 6 Euro. (Wen wundert es dann, dass es in den 70er Jahren noch ca. 250 Millionen Schafe gab und heute nur noch 14 Millionen? Idealismus ist immer weniger angesagt).
Früher kostete ein Kilo Kraftfutter ca. 5 Euro, durch die Inflation sind es nun 16 Euro. Schäfer brauchen mehr Kraftfutter für ihre Herde, denn in heißen Sommern vertrocknen die saftigen Wiesen und sie müssen zufüttern. Die neue Tierarzt-Gebührenordnung mit enorm gestiegenen Preisen ist ein weiterer Kostenfaktor.
Auf die Frage, was sich Herr Thimm von den Verbrauchern und von den Politikern wünscht, wurde der Schäfer ernst. Wer Fleisch isst, sollte bereit sein, für Qualitätsfleisch mehr zu bezahlen und bei regionalen Anbietern kaufen. Kleinen Landwirtschaftsbetrieben sollte ein Vorverkaufsrecht eingeräumt werden, wenn Land zum Verkauf steht. Zumeist werden Großbetrieben das Land direkt zugeschanzt. Dann erzählte er vom Mehrwertsteuerdschungel, in denen sich ein Schäfer zurecht finden muss. Uns schwirrte der Kopf und wir konnten es nicht glauben. Am Ende kam er noch auf Wölfe zu sprechen. Herr Thimm verlor im Februar 78 Schafe, darunter mehr als die Hälfte trächtige Mutterschafe. Die Kosten von 38000 Euro musste er vorstrecken-übrigens bis heute, denn die Entschädigung von 11000 Euro hat er vom Land noch nicht bekommen. Ein zweiter Wolfsangriff fand vor einigen Wochen statt. Trotz zweifacher elektrischer Zaunsicherung verlor er erneut einige Tiere. Endlich eine Lösung für dieses Problem finden, das wünscht sich Herr Thimm.

Mein Bericht gibt nur einige Aspekte wieder, die während des zweistündigen Besuchs angesprochen wurden.
Unter „Oberhauser Schäferei“ kann man auf facebook und Instagram das Leben auf dem Hof verfolgen. Wir werden im nächsten Frühjahr wiederkommen, wenn die Lämmer da sind, denn dann geht einem laut Herrn Thimm das Herz auf.

Tag des offenen Denkmals 1

Gestern konnte man wieder historische Gebäude und Parks entdecken, zu denen man sonst keinen oder nur selten einen Zugang bekommt. Wir nutzten die Gelegenheit, nach Süchteln zu fahren. Dort hatte man zum letzten Mal die Chance, Teile der alten Pappen- und Papierfabrik H. Lehnen von 1911 zu besichtigen, bevor diese grundsaniert und in Wohnungen und Praxisräume umgewandelt werden. Auf dem Gelände sind bereits diverse Einfamilienhäuser gebaut worden und in einem Teil der alten Fabrik befinden sich inzwischen u.a. eine Apotheke, ein Fliesenhandel und Arztpraxen.

Alte Gerätschaften und andere technische Vorrichtungen waren bereits abmontiert, aber trotzdem hielt dieser „Lost Place“ noch viele Fotomotive bereit, wie beispielsweise verschiedene Fenster:

Für Schwarzweissfotos waren diese Gebäude ebenfalls eine Fundgrube.

Weitere Fotos zeige ich Ihnen am Mittwoch, da ich noch nicht alle gesichtet und bearbeitet habe.

Von Süchteln aus fuhren wir nach Krefeld zum Mies van der Rohe Campus, wo um 15 Uhr eine 1 1/2 Stunde Führung stattfand. Zum geschichtlichen Hintergrund ein Auszug aus Wikipedia: Die Vereinigte Seidenwebereien Aktiengesellschaft kurz VerseidAG war der Zusammenschluss verschiedener Textilbetriebe im niederrheinischen Krefeld. Seit der Firmengründung im Jahr 1920 gehören zu der Anlage verschiedene Gebäude, von denen sieben auf die Pläne von Ludwig Mies van der Rohe zurückgehen, dem letzten Bauhausdirektor.

Der jetzige Inhaber des Geländes, Herr Wolf-Reinhard Leendertz, erzählte uns bei der Führung, wie er 2011 die alte, völlig heruntergekommene Textilfabrik auf dem ca. 50000qm großen Gelände gekauft und seitdem Schritt für Schritt die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude saniert und vermietet hat.

Wir besichtigten einige der sanierten Gebäude und konnten hochmoderne Büros, andere Arbeitsstätten oder Sportstudios in altem Gemäuer bewundern. Dank der hohen Wände können die Räume mit Zwischendecken sehr individuell gestaltet werden.

Am 24.9. findet eine weitere Führung über das Gelände statt. Man kann aber, möchte man nur Fotos von außen machen, auch ohne Führung den Campus erkunden. Das werde ich sicherlich noch einmal tun, wenn es nicht so heiß ist. Besonders bieten sich Motive mit Spiegelungen an.

Besuch in Haus Ripshorst

Eine Ausstellung des Künstlerpaars Detlef Kelbassa und Corinna Kuhn mit ihren bunten Pflastersteinen, Dachziegeln und schönen Fliesen ist z.Zt in Oberhausen in Haus Ripshorst zu sehen. Wer Anregungen für eine besondere Bodengestaltung seiner Terrasse oder Gartenwege sucht oder wer vielleicht selbst töpfert, wird hier Ideen finden.

Obere Reihe: Schwarzweiße Kacheln, daneben bunte Dachziegel, beide durch Vitrinenglas fotografiert.
Unten links: Bunte Pflastersteine für Innen- oder Außenräume. (Siehe nächstes Bild)
Unten rechts: Mit farbigen Engoben bemalte Keramikfliesen mit dem Titel „Fragmente eines Stadtplans“.
Mehr Informationen zu den Künstlern auf www.wundersame.de

Aber auch Naturfreunde kommen hier auf ihre Kosten. Es gibt eine weitere permanente Ausstellung zum Thema Emscherpark, einen Bauerngarten, ein Bienenhaus, Veranstaltungen und Produkte der Region werden angeboten.


Über die Grenzen bekannt ist Haus Ripshorst allerdings wegen seines Gehölzgartens, zu dem ca. 6000 Bäume gehören. Viele verschiedene Arten werden gezeigt, die ältesten Arten sind ca. 60 Millionen Jahre alt. Auf Schautafeln erfährt man z.B. etwas über die Entwicklung der Bäume und welche Besonderheiten sie aufweisen.

Da der Garten direkt auch am Rhein-Herne-Kanal liegt, lässt sich hier ein interessanter Spaziergang machen, bei dem man auch noch dem Zauberlehrling „Guten Tag“ sagen kann.

Diese Stahlskulptur wurde 2014 installiert.

Bald ist wieder Herbst. Dies ist vielleicht die schönste Zeit, den Gehölzgarten zu besuchen und sich an der Farbenpracht der verschiedenen Bäume zu erfreuen.

Ein paar Blätter vom letzten Jahr als Einstimmung

Auf den Spuren von Herrn Felke

Am Anfang ein kleines Rätsel: Wo war ich am letzten Donnerstag?

Hier geht es um Gefühle, Erstaunen und Wohlbefinden. Alles fand ich in Moers, genauer gesagt im Stadtteil Repelen, wo es seit 1898 den Jungbornpark gibt. Und noch genauer gesagt, gehören die Muster zu einem Barfuß Pfad, den ich schon lange einmal ausprobieren wollte.

Das Summloch war noch eine weitere Erfahrung. Der ganze Körper vibrierte, was auch gesundheitsfördernd sein soll.

Der Pfad besteht aus zwei Teilen. Ein Teil ist für jedermann frei zugänglich, für den „intensiven“ Teil muss man 3 Euro Eintritt bezahlen. (Oben links auf der Collage sieht man den Lageplan dieser Anlage. Ich war dort ganz alleine und konnte alle Stationen in Ruhe ausprobieren. Die Anlage war sehr gepflegt, was dem Einsatz von freiwilligen Helfern zu verdanken ist.
Meine Füße erlebten ein Auf und Ab von Wohlfühlen und unangenehmen Momenten. Feinen Rindenmulch empfanden sie als angenehm, die blauen Glassteinchen (siehe oben im Bild links) als eher quälend. Gewellte Holzbohlen waren ok, bei den groben Schottersteinen streikten sie und wollten sofort wieder auf die weiche Wiese. Insgesamt zählte ich 15 verschiedene Parcoursteile.
Am Donnerstag war es sonnig und die unterschiedlichen Temperaturen der Materialien machten sich bemerkbar. Die schwarzen Steine waren schon fast zu heiß, während beschatteter Sand eine Wohltat war. Ganz klar hatten meine Füße aber einen Favoriten:

Auf weichem nassen Lehm gehen! Und damit komme ich zu Pfarrer Emanuel Felke (1856-1926). Pfarrer Felke, auch „Der Lehmpfarrer“ genannt, siedelte 1896 von Wuppertal nach Repelen um. Ihm eilte der Ruf voraus, dass er sich nicht nur in religiösen Fragen um seine Schäfchen kümmerte, sondern sich auch sehr für deren Gesundheit einsetzte. Felke befasste sich intensiv mit Naturheilverfahren und überzeugte schließlich die Repelner, einen Gesundheitspark anzulegen, um in ihm zu kuren.
In der Hochzeit des Kurortes Repelen kamen 400 Kurgäste, bei ca. 1000 Einwohnern waren das viele. Private Unterkünfte reichten nicht mehr aus und es wurde sogar ein Kurhotel gebaut.
Geht man heute durch den Jungbornpark, kann man auf diversen Tafeln die Geschichte von Pfarrer Felke und seinen Kuranwendungen sowie die Geschichte der Anlage nachlesen. Hier zwei Beispiele:

Heilen mit Lehm war eine der Säulen in Felkes Gesundheitsphilosophie.


Es gibt auch ein kleines Felke Museum, das in dem Haus untergebracht ist, in dem Pfarrer Felke zuletzt wohnte, bevor er Repelen 1914 verließ, um in Bad Sobernheim eine neue Kuranlage zu eröffnen.

Das Museum ist sonntags von 14-17 Uhr geöffnet.

Zum Schluss ein paar Tipps für den Besuch des Barfußpfads:
Fangen sie nicht, wie auf der Homepage empfohlen, am Startpunkt an, sondern gehen Sie zuerst zu dem Intensivbereich, dessen Eingang sich neben dem Museum befindet. Nehmen Sie Münzgeld mit, damit Sie einen Chip für den Eintritt ziehen können. Wenn Ihnen die Erfahrungen in dieser Anlage noch nicht reichen, können Sie noch auf dem frei zugänglichen Teil zurück zu Startpunkt weitergehen. Dieser Abschnitt des Pfades ist allerdings in einem nicht so guten Zustand (Mischung aus Wiesenweg mit Steinen und Ästen und einem kurzen Waldweg), so dass ich dort letztendlich meine Schuhe wieder anzog.

Unten rechts: Die Fußabdrücke weisen Ihnen den Weg zum Wiesenpfad und zu einem kleinen Hindernisparcours. (Foto links) Dabei kommt man dann auch an einigen Denkmälern und Skulpturen vorbei.

Der Startpunkt liegt am Rande des Parks. Hier gibt es auch ein Restaurant und drei frei zugängliche Boulebahnen. Man kann sich also leicht einige Stunden im Jungbornpark vergnügen!