Bücherliebe

Wenn ich in der Vergangenheit über „Bücherliebe“ sprach, dachte ich immer an die Liebe zu Büchern und zum Lesen. Man kann das Wort aber auch anders interpretieren, wie mir das Weihnachtsgeschenk einer Bekannten zeigte:

Aber noch einmal zurück zu der ersten Definition. Dies sind die Bücher, die ich über die Feiertage gelesen habe. Die Nummerierung ist schon ein Hinweis auf meine Bewertung. Mir gefielen alle, aber mit Abstrichen. Deshalb gibt es für 3-6 nur Kurzbesprechungen.

Nr. 6 „Leimen“. Die Geschichte eines Mannes, der durch „Leimen“ sich ein kolossales Netzwerk erschaffen hat. Boosmans erpresst Leute und fordert für sein Schweigen, dass sie eine hohe Stückzahl seiner Zeitschrift beziehen. In dieser Zeitschrift veröffentlicht er positive Firmenportraits und lässt sich dies noch einmal extra bezahlen. Dieser „Leimer“ sucht nun einen Nachfolger und ein junger Mann erscheint passend. Doch er muss eine harte Schule absolvieren, bis er sein Leim-Handwerk versteht. 1924 erstmals erschienen, wirkt die Sprache etwas altmodisch, aber das Buch ist eine Satire, in der man heutige Machenschaften durchaus erkennen kann.

Nr. 5 „Fup“- von Harry Rowohlt übersetzt- das sagt schon die Hälfte über das Buch aus, wenn man sich an Harry Rowohlt noch erinnert. Man kann sich Rowohlt sofort als Vorleser oder sogar als Hauptfigur in dem Roman vorstellen. Jake Santee ist Spieler, war mehrmals verheiratet und bekommt eines Tages von einem alten Indianer das Rezept eines hochprozentigen Lebenselixiers. Er spricht diesem Elixier sehr gut zu und schafft es dann auch locker mit über achtzig, sich um seinen Enkel Tiny zu kümmern, dessen Mutter, Jakes Tochter, gerade verstorben ist. Tiny ist ein stilles Kind, was dem alten Eigenbrötler sehr entgegenkommt. So lässt er seinen Enkel auch gewähren, als dieser für sich das Zäunebauen entdeckt und das ganze Gelände der Farm, auf dem die beiden leben, obsessiv immer wieder neu einzäunt. Die Jahre vergehen unspektakulär bis Tiny, inzwischen schon ein junger Mann, eines Tages ein fast totes Küken findet und es mit nach Hause nimmt. Der Vogel überlebt und bekommt den Namen Fup. Damit ändert sich das Leben von Jake und Tiny unerwartet…Ein Buch mit rauher Poesie und einem traurig-fröhlichen Ende.

Nr. 4 „Das Büro der einsamen Toten“. Der erste Teil einer Krimireihe mit Pieter Posthumus als Ermittler. Dieser ist Angestellter bei der Amsterdamer Stadtverwaltung und hat zusammen mit anderen Kollegen die Aufgabe, bei anonymen Toten zu recherchieren, ob es Verwandte gibt. Ist er dabei nicht erfolgreich, führt er Haushaltsauflösungen durch und versucht, Sachen aus den Wohnungen zu verkaufen, um die anonyme Beerdigung möglichst kostenneutral zu halten. Seine Kollegen spulen ihren Job ab, Posthumus „leidet“ unter einem Bauchgefühl, das ihm Zeichen gibt, wenn etwas bei den Toten nicht stimmt. In diesem Fall sind es ein Mann unbekannter Herkunft, der in seiner Wohnung anscheinend Selbstmord begangen hat und dessen angegebener Name nicht stimmt und einem Marokkaner, der tot in einer Gracht gefunden wird. Dessen Verwandte sind schnell gefunden, aber auch hier schlägt das Bauchgefühl Alarm. Der Krimiplot war mir teilweise etwas zu verworren, was mir gefiel, waren die eingestreuten Alltagsszenen, die Amsterdam charakterisieren.

Nr.3 „Die vergessene Insel“- Noch ein Krimi, oder besser eine Erzählung, mit zunehmend spannender Handlung. Die ältere Tochter einer Familie, die auf einer italienischen Insel Urlaub macht, verschwindet spurlos. Die Auflösung ist nicht sehr überraschend, aber die Autorin schafft es hervorragend, die Urlaubsstimmungen auf Insel zu beschreiben. Die Gerüche, Farben, Töne der Landschaft an einem heißen Sommertag- ich vergaß sofort unser hiesiges usselige Wetter. Auch wie die emotionalen Spannungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern, deren Freunden und Nachbarn schleichend zunehmen, war gut zu lesen.

Nr. 2 und Nr. 1? Nächste Woche geht es weiter!

Haarlem im Dezember

Wie vorgestern versprochen, nun noch ein Tipp für einen Dezember City-Trip.

Der große Markt. Auf ihn treffen zehn Straßen, er ist der „Nabel“ von Haarlem. Der Herr, der uns den Rücken zudreht, ist übrigens L.J.Costers. Er ist ein Zeitgenosse Gutenbergs und ihm wird, zumindest in den Niederlanden, die Erfindung des Buchdrucks zugeschrieben.

Wir waren im späten Herbst in Haarlem und es war ein reichlich verregnetes Wochenende. Aber trotzdem fiel die gute Laune nicht aus, denn es gibt genügend Möglichkeiten, um sich ins Trockene zu retten.

Haarlem gilt mit seinen vielen kleinen Geschäften als die schönste Einkaufsstadt in den Niederlanden. Viele Straßen sind für Fußgänger reserviert und ein Bummel durch die Läden ist abwechslungsreich. Für Pausen zwischendurch findet man urige Kneipen oder schnuckelige Cafés.

Das kulturelle Angebot kann sich auch sehen lassen. Besonders beeindruckt waren wir von der Müller-Orgel, die von 1735 bis 1738 erbaut wurde und auf der schon Mozart und Händel gespielt haben. Um 12 Uhr mittags gibt es in der „Grote Kerk“ immer ein halbstündiges Konzert, das man ohne Eintrittskarte besuchen kann.

Museen gibt es mehrere (z.B. Frans-Hals-Museum und Teylers Museum), die Eintrittspreise sind allerdings teilweise recht sportlich.

Wir bildeten uns weiter, in dem wir in einer als Museum ausgebaute Mühle ein Führung mitmachten.

Und das ist der letzte Tipp: Machen sie bei trockenem Wetter einen Hofje-Spaziergang. Diverse Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert haben schöne Innenhöfe.

Bis morgen zum Gedächtnistraining!

Rotterdam macht es vor

Vorgestern schrieb ich, dass Rotterdam mit seiner Architektur und seinem innovationsfreudigem Alltagsleben zukunftsweisend ist. Nach der Architektur vorgestern heute nun das Alltagsleben als Thema.

Ausleihbare Räder und E-Roller sind auch in deutschen Städten angekommen- hier nun die Weiterentwicklung: Das ausleihbare E-Auto.

Dachbegrünungen gibt es auch bei uns, in Rotterdam ist man insofern schon weiter, dass Restaurants und Cafés ihren eigenen Kräutergarten vor Ort haben wie hier z.B. in der 6. Etage.

Oben links Garten, oben rechts Spielwiese und Infotafeln für die Besucher.

Ganz neu ist ein Projekt, bei dem Plastikmüll aus dem Hafen gefischt wird und in bepflanzbare Inseln umgewandelt werden.

Was mich aber auch beeindruckt hat, sind die findigen Kleinigkeiten, die das Leben erleichtern. Das ist nicht nur in Rotterdam so, sondern im ganzen Land. Hier ist die Devise: Mal ausprobieren und einfach mal machen, bei uns gibt es zuerst immer viele Bedenken, die dann erst viel später oder gar nicht zu etwas Neuem führen.

Ein paar kleine Beispiele: Im Museum gab es verschließbare Schränke für Taschen und Jacken. Bei uns muss man fast immer eine Münze einwerfen, da es entweder etwas kostet oder durch den Münzeinwurf der Schlüssel erst abschließt. Nicht so in Rotterdam: Hier stand an den Schränken einfach eine große Schüssel mit kostenlosen Plastikchips. Chip nehmen, Sachen verstauen, einwerfen, abschließen, fertig.

Im Bürgersteig eine Möglichkeit, auf Sehenswürdigkeiten oder Veranstaltungen hinzuweisen- die Handygeneration dankt es.

Und was ist das? Stellen Sie sich vor, Ihr Haus hat außen Ecken, auf die es keine freie Sicht gibt… Gerne können Sie mir Ihre Vorschläge schreiben.

Vielleicht warten jetzt noch einige von Ihnen auf das Thema Weihnachtsmarkt, weil ich in den beiden Jahren zuvor bei den Städtetouren immer darauf eingegangen bin.

In Rotterdam selbst stehen verteilt ein paar Büdchen herum, das könnten sie auch bleiben lassen. Der Grund dafür liegt wohl in der Tatsache, dass im ca. 25 km von Rotterdam entfernten Dordrecht der größte Weihnachtsmarkt in den Niederlanden stattfindet. An die 200 Stände auf 2,5 km Wegstrecke warten auf Besucher.

Rotterdam also ein Dezember-Reiseziel? Ganz ehrlich, fahren Sie lieber in einer wärmeren Jahreszeit. In den Hochhausschluchten kann der Wind sehr unangenehm werden und außerdem können Sie bei höheren Temperaturen auch schöne Radtouren unternehmen.

Ich habe aber noch einen Tipp für eine holländische Stadt im Dezember. Mehr am Freitag.

Venlo- Des Tanzes wegen

Letzte Woche hatte ich das Glück, bei der Duisburger VHS einen Platz für eine Fahrt zum Tanztheater nach Venlo zu ergattern. Diese Fahrt wird schon seit mehreren Jahren angeboten und es gibt eine große Gruppe „Stammbesucher“, die jedes Mal mitfahren.

In den 70er Jahren hatte ich mehrere Balletts von Pina Bausch in Wuppertal mit großer Begeisterung gesehen, aber dann war bei mir, aus welchen Gründen auch immer, die Ballettluft heraus und so war dieser Abend nach Jahrzehnten erstmals wieder ein Begegnung mit dem Tanz. Besonders reizvoll fand ich, dass vier kürzere Stücke (20-35 Minuten) von vier verschieden Choreographen unter dem Titel „Settle for More“ aufgeführt wurden. Die Tanztruppe war das „Nederlands Dans Theater“ mit z.T. noch sehr jungen Akteuren (17-23 Jahre).

Ein verantwortlicher Choreograph war der Grandseigneur der niederländischen Tanzszene Hans van Manen. In seinem Stück fanden sich die meisten Elemente aus dem klassischen Tanztheater. Schön, aber nicht so hinreißend wie die Vorführungen von Marco Goecke und Felix Landerer. Beim Ballett von Marco Goecke wurde indische Musik von Ravi Shankar als Grundlage genommen und die Bewegungen der Tänzer erinnerten an Bilder indischer Götter mit vielen Armen und Beinen. Ich konnte es beim Zusehen nicht fassen, welche Bewegungen man mit seinen Beinen und Händen machen kann. Das Stück von Felix Landerer war ebenso erstaunlich ob der Bewegungsabläufe, aber hier kam noch die Musik von Christoph Littmann dazu. Tanz und Musik erinnerten an Huxleys „Schöne neue Welt“ und waren faszinierend unheimlich. Bleibt noch der Tanz von Bryan Arias zu erwähnen, der von der Modernität an den Landerers erinnerte, auch sehr gut, aber verursachte keine Gänsehaut.

Die beiden folgenden Videos sind beide wirklich nur ein Eindrucksschnipsel vom gezeigten Können an diesem Abend. NDT, so die Abkürzung der Tanzformation, tritt in vielen holländischen Städten auf, hier geht es zu der Homepage:

https://www.ndt.nl/en/tickets/events.html

Nächste Woche werde ich das Thema Ballett noch einmal aufgreifen. Morgen mache ich aber erst einmal eine Pause, zum Wochenende gibt es dann wieder etwas Knobeliges.

Delfter Blau

Diese Kette ist aus Porzellanperlen gemacht oder doch nicht? Nein, sie ist aus Papier und dieses schöne Papier-Dekor habe ich in Delft gefunden.

Vor Weihnachten waren wir einen Tag dort. Zuerst besuchten wir die Porzellanfabrik „Royal Delft“. Dort staunten wir über Porzellankreationen aus verschiedenen Jahrhunderten, lernten viel über die Geschichte des Porzellans und dessen besonderes Blau und sahen zu, wie Rohlinge gegossen werden. Danach färbt man diese entweder mit Schablonen ein oder bemalt sie mit der Hand.

Die rechts zu sehende Tulpenvase war handbemalt und kostete 16000 Euro- nur, um mal eine Hausnummer zu nennen. Das Papier für meine Kette bekam ich im dortigen Geschenkeshop. (Eintritt ins Museum 13 Euro, Museumscafé vorhanden).

Es war sehr kalt und so suchten wir zwei weitere Gebäude auf, nämlich die alte und die neue Kirche. Beide werden noch als Kirchen genutzt, sind aber gleichzeitig auch Museen. In der alten Kirche, dessen Kirchtum auch in Pisa stehen könnte, findet man Gräber berühmter Menschen, wie z.B. das Grab von Johannes Vermeer und Gedenktafeln, die von Berühmtheiten berichten. Besonders sind auch die Fenster dieser Kirche.

Unter der neuen Kirche liegt das Mausoleum der königlichen Familie der Niederlande und mitten in der Kirche geht eine Treppe in das Mausoleum hinunter. In der Kirche selbst wird die Geschichte der Familie mit vielen Schautafeln und Animationen erzählt. Sehr interessant, da es ja auch immer wieder Bezüge zu deutschen Adelsfamilien gibt.- Für beide Kirchen zusammen bezahlten wir einen Eintritt von 5 Euro.

Man kann sich noch weitere Museen ansehen, wie z.B. das Vermeer Haus. Doch wir wärmten uns nach den Kirchenbesuchen lieber noch einmal ordentlich auf und bummelten dann durch die Gassen mit schönen Grachten. Delft hat keinen Weihnachtsmarkt, nur an einem Wochenende im Dezember wird die Stadt besonders beleuchtet. (Nicht hinfahren, in der übersichtlichen Delfter Altstadt knubbeln sich dann bis zu 40000 Besucher!)

Es gibt auch sehr nette Geschäfte, wie z.B. den LP-Laden, siehe oben links.

Das Angebot an Cafés und Restaurants ist vielfältig. Besonders erwähnen möchte ich, dass Bewohner aus Delft sehr freundlich und aufgeschlossen sind. Wir hatten an nur einem Tag mehrmals die Gelegenheit zu netten Gesprächen.

Von Delft aus machten wir noch einen kurzen Abstecher nach Leiden, wo es an diesem Sonntag aber sehr nebelig und noch usseliger war.

Unten links: Eine von vielen Hauswänden, an denen Gedichte verewigt sind. Kann man sich auch besser im Sommer ansehen.

Ich wollte unbedingt den auf der Welt einzigartigen schwimmenden Weihnachtsmarkt sehen. Enttäuschend. In einer Gracht sind auf einem sehr großen Ponton Häuschen installiert. Soweit nett, aber das Warenangebot überzeugte ganz und gar nicht. Massagesessel, Gartenzwerge, Räucherstäbchen…Wenn Sie Leiden besuchen möchten, dann lieber im Sommer.

Ich bleibe morgen noch bei dem Thema Ketten und übermorgen ein bisschen bei der Farbe Blau.

Jenseits der Brüder von Venlo

Am Sonntag war ich zusammen mit zwei Fotofreundinnen in Venlo. Wir hatten keine Einkaufszettel dabei, sondern wollten unseren Kameras etwas bieten. Zwei Pausen à ca. 45 Minuten eingerechnet, schlenderten wir sechs Stunden nur durch das unmittelbare Zentrum von Venlo und entdeckten viel. Hier eine kleine Fotoausbeute, die Sie vielleicht auch animiert, es uns einmal nachzumachen.

Motto: Öfter mal nach oben gucken- Venlo hat so tolle alte Häuser!

Motto: Auf Details achten!

Motto: Weg mit dem Grau!

Motto: Ich sammle Fahrradsattel, was sammelst Du?

Und zum Schluss ein Foto von dem Geländer der Brücke über die Maas. Venlo ist Stadt, aber drumherum gibt es viel Grün zum Spazierengehen und Radfahren.

Ach ja und dann waren da auch noch zwei sehenswerte Kirchen und drei interessante Museen…Ohne Einkaufszettel nach Venlo? Geht auch!

Ein Buch zur Einstimmung, aber nicht das beste

Dieses Jahr ist eine der beiden Kulturhauptstädte Europas die niederländische Stadt Leeuwarden. Hier wurde Mata Hari geboren und noch bis Anfang April gedenkt die Stadt mit einer großen Ausstellung dieser berühmten Frau.

Im  Buch von Coelho erzählt Mata Hari ihr Leben in Briefform. Sie, Margarethe Zelle ist ihr Geburtsname, weiß schon als Jugendliche, dass sie nicht nach Leeuwarden gehört und heiratet mit 18 Jahren den 21 Jahre älteren Offizier Rudolph MacLeod. Mit ihm geht sie nach Niederländisch-Ostindien. Nur kurz ist die Ehe glücklich, dann hat MacLeod diverse Geliebte und wird zu Margarethe gewalttätig. Eine Tochter wird geboren. Margarethe flieht, lässt ihre Tochter zurück und beginnt als Mata Hari in Paris eine Karriere als Tänzerin und Prostituierte. Viele Jahre lang verfallen ihr die mächtigsten Männer und sie hat enormen Einfluss. Dann fängt ihr Stern zu sinken an. Sie hat hohe Schulden und fährt nach Berlin, wo man ihr anbietet, dass sie während des ersten Weltkriegs für Deutschland als Spionin arbeiten soll. Sie akzeptiert,  geht danach aber unverzüglich zur französischen Botschaft, um sich als Doppelagentin anzubieten. Mata Hari ist dieser Aufgabe jedoch nicht gewachsen, verstrickt sich in Widersprüchlichkeiten und wird schließlich von den Franzosen zum Tode verurteilt.

Ich hätte mir vorgenommen, kein drittes Buch von Paulo Coelho zu lesen, da sein mit esoterischen Sequenzen und platten Lebensweisheiten angereicherter Schreibstil mir in zwei Büchern gar nicht gefallen hatte. Aber bei einem Roman über eine historische Figur konnte  das ja nicht so schlimm werden…Doch, er macht es auch in diesem Roman. Deshalb mein Tipp: Wenn Sie ein Buch über Mata Hari lesen möchten und das lohnt sich auf alle Fälle, dann nehmen sie lieber ein anderes, es gibt genug Literatur über sie.

Venlo, Amsterdam, Rotterdam…

 …aber Den Haag ? Ich habe den Eindruck, dass die Hauptstadt der Niederlande von vielen Deutschen nicht als so attraktives Ausflugsziel angesehen wird. Dass das ein Fehler ist, stellten mein Mann und ich am Samstag fest. Wir wollten abends zu einem Konzert, das in einem Ort Nahe Den Haags stattfand. So nutzen wir die Gelegenheit, schon morgens aufzubrechen. Nach gut 2 Stunden waren wir da und besuchten zuerst das Mauritshuisi, eins der bekanntesten Museen der Niederlande.

Hier trifft man z.B. auf Bilder von Rembrandt, Rubens, Breughel oder Holbein, die Stars sind allerdings drei Gemälde von Jan Vanmeer und da insbesondere „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“. ( Siehe auch unten „Film ist besser als Buch“).

Von der Wirkung dieses Bildes und auch der der anderen beiden Vermeer Bilder waren wir enttäuscht, aber andere faszinierten uns sehr:

Rubens-ein Meister des Lichts

Das ultimative Wimmelbild…

Nach dem Museumsbesuch bummelten wir durch die Einkaufsstraßen und Passagen. Besonders angetan war ich von dem Zusammenspiel alter und neuer Architektur. Hier passt es, in manchen anderen Städten finde ich es schrecklich.

Die Stadt füllte sich zunehmend, so beschlossen wir, in die Nachbarstadt Leiden zu fahren, um uns dort den schwimmenden Weihnachtsmarkt anzusehen. Diese Idee war natürlich großer Quatsch, denn in Leiden war es noch voller….aber man ist ja flexibel! Also ab zum Meer nach Katwijk, nur ein paar Autominuten entfernt. Einmal durchpusten lassen und sich mit heißem Kakao belohnen. 

Das Konzert in Zoetemeer war schließlich auch ein voller Erfolg. Es ist nur eine kleine Halle, die sich ein bisschen darauf spezialisiert hat, Gruppen auftreten zu lassen, die die Lieder von Led Zeppelin oder Yes spielen oder Gruppen, die ähnliche Musik wie Genesis anbieten. Unsere Gruppe hieß IQ, treue Leser und Leserinnen kennen ein Lied bereits-s.u. Eine Premiere: Jeder Konzertbesucher bekam eine Weihnachts-CD von IQ geschenkt, auf denen die Gruppe Weihnachtslieder neu interpretiert. Ist das nicht nett? 

Wo bin ich? ?

Wir werden sicherlich nächstes Jahr noch einmal nach Den Haag fahren, vielleicht auch für länger, den Den Haag-Leiden-Delft ist ein kulturelles goldenes Dreieck, in dem man viel Zeit verbringen kann mit dem großen Vorteil, dass das Meer auch noch „im Angebot“ ist.

 

M bekam von mir eine zweite Chance

Diesen Krimi las ich bei Erscheinen im Jahr 2015 an und legte ihn wieder weg, da ich nicht in die Geschichte hineinkam. Jetzt erzählte mir eine Bekannte, dass sie vom Hörbuch dieses Titels so begeistert war und ich startete einen neuen Versuch mit dem Hörbuch. Dank des sehr guten Sprechers Johannes Steck war ich nun auch direkt mitten im Geschehen und verbrachte während der letzten heißen Tage, als selbst Lesen nicht mehr ging, einige Stunden auf der Gartenliege und wurde gut unterhalten.

Worum geht es? Es ist ein Krimi, in dem die Welten der Schriftsteller und des Literaturbetriebes verwoben werden mit den Themen Lehrer-Schüler-Verhältnis und “Erste Liebe”. In den Niederlanden ist ein Lehrer verschwunden, man verdächtigt zwei Schüler, ihn ermordet zu haben. Doch der Fall wird mangels Beweisen eingestellt. Ein junger Schriftsteller, “M”, rollt in einem Buch diesen Fall noch einmal neu auf und sein Werk wird ein Bestseller. Sein einziger. 40 Jahre sind seitdem vergangen, “M” gehört inzwischen zur alten Garde der holländischen Autoren. Kann ihn noch etwas erschüttern? Oh ja, denn erst bekommt er seltsame Briefe, dann schleicht sich sein Nachbar immer mehr in sein Leben hinein. Freuen Sie sich auf ein sehr überraschendes Ende!

Jetzt kachelt es- Besuch in Kevelaer Teil 2

 

Erst einmal die offizielle Beschreibung der Ausstellung, gelesen auf der Internetseite des Museums:
In der Zeit vom 26. Februar bis zum 17. April vermittelt das Niederrheinische Museum in Kevelaer seinen Besuchern in einer Kabinettausstellung den „Zauber alter Fliesen“, eine Ausstellung, dem die wertvolle Fliesensammlung des Ehepaar Posten zugrunde liegt.

Die Herstellung glasierter Fliesenkeramik bagann schon im alten Orient. Niederländische Fliesen, zunächst noch stark durch maurisch-iberische Einflüsse geprägt, lassen sich erstmals im 16. Jahrhundert nachweisen und werden je nach Intensität der Bauperioden als Objekte der Wohnkultur häufig in hohen Stückzahlen durch Manufakturen vertrieben.

Die ungeheure Motivvielfalt, dekorative Wirkung und Qualität machten Fliesen zu einem beliebten Sammelgut und kulturhistorischen Kostbarkeiten, wobei vor allem die aus mehreren Fliesen bestehenden Fliesenbilder das besondere Interesse mancher Sammler fanden.

 

Ich hätte diesen Blogeintrag auch mit ” Ich weiß nicht, was soll es bedeuten” betiteln können. Viele der gezeigten Fliesen haben Motive aus der Mythologie oder stellen Szenen aus einem Buch da, das in Holland weit verbreitet war. Es hat den Titel “Alle de wercken van Jacob Cats”und gibt Anleitungen zum moralischen Verhalten. 

Irritierend aus heutiger Sicht: Berufe wurden ebenfalls dargestellt, so z. B. auch der Beruf des Henkers. (Man stelle sich eine heutige Küchenbekachelung vor mit Berufen wie z.B…. denken Sie selbst an für Sie unsympathische Berufe). Ganz aktuell: Es gibt seit dem 16. Jahrhundert Kacheln, die bereits vor dem Rauchen warnen.

Es gibt zu der Ausstellung einen Katalog, den ich mir dummerweise erst nach der Besichtigung gekauft habe. Er bietet viele übersichtliche Hintergrundinformation zu einzelnen Kacheln, diese hätte ich gerne schon beim Ansehen gehabt.

Die Kacheln strahlten einen besonderen Zauber und Verletzlichkeit aus, vielleicht wegen den kleinen Beschädigungen und auch z.T. verblassten Farben. Ich freue mich, dass ich sie mir habe ansehen dürfen.