Mit Labdoo fängt es an

Voller Schwung nehmen sich viele Menschen am Jahresanfang etwas vor. Mehr Sport, öfter Freunde anrufen oder vielleicht auch etwas Gutes tun?
Hier ein Tipp für die dritte Kategorie. Folgenden Zeitungsartikel entdeckte ich letzte Woche in der Rheinischen Post

Was machen Sie mit Ihren alten Laptops oder Tablets?

Recycling statt Wegwerfen – der Trend zur Wiederverwertung ist ungebrochen. Ein besonders gutes Beispiel dafür ist die Arbeit des gemeinnützigen Vereins „Labdoo“. Wie die Idee umgesetzt wird.

Übergabe der Morsbags an Labdoo: Jede Menge der bunten Taschen sind jetzt im Umlauf. Fotos (2): Nikolay Dimitrov

Die Aktion sorgt dafür, dass Laptops länger laufen und nicht so schnell im Elektroschrott landen.Foto: Fabian Sommer

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VON MIKE MICHEL

Die Taschen wurden im Rahmen einer Aktion im Stadtfenster produziert.

DUISBURG Nachhaltigkeit ist ein schönes Schlagwort – noch schöner ist es, wenn es mit Leben gefüllt wird. Und zahlreiche Repair Cafés in Duisburg zeigen, wie dieser Gedanke dank privatem Engagements ein Erfolg werden kann. Noch einen Schritt weiter gehen die Wirtschaftsbetriebe Duisburg (WBD) zusammen mit dem gemeinnützigen Verein „Labdoo“: Was für viele nur noch Elektroschrott ist, wird für andere zum Schlüssel für Bildung und Zukunft. Das ist der Grundgedanke, der hier bereits durchaus professionell umgesetzt wird – allein die Zahlen können sich sehen lassen (siehe Box).

In Duisburg werden an den vier Recyclinghöfen und im H2O-Gebäude der Wirtschaftsbetriebe Duisburg ausgediente Laptops und Tablets gesammelt, aufbereitet und weltweit an Schulen weitergegeben – und das schon seit vielen Jahren. Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen können sogar an insgesamt sieben Annahmestellen im Stadtgebiet nicht mehr genutzte Laptops und Tablets abgeben.

Möglich macht dies die erfolgreiche Zusammenarbeit der Wirtschaftsbetriebe mit dem gemeinnützigen Verein Labdoo.org, die ihr Engagement für digitale Bildung und nachhaltiges Handeln fortsetzen. Die gespendeten Geräte werden technisch a

Jede IT-Spende trage so zur digitalen Chancengleichheit bei und schone gleichzeitig wertvolle Ressourcen, so die Macher des Projekts. Die Projekte zeigten, wie lokales Engagement, Ehrenamt und nachhaltige Ideen gemeinsam dazu beitragen könnten, Bildungschancen zu verbessern und Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft zu übernehmen.

Die Annahmestellen sind Teil des internationalen Labdoo-Netzwerks. Ehrenamtlich Engagierte kümmern sich dort um die Annahme, Registrierung und Vorbereitung der Geräte für ihren späteren Einsatz in Bildungsprojekten.

Ergänzend zur IT-Spendenaktion ist auch die Initiative „Morsbags“ in Duisburg aktiv. Nach dem zweiten Nähmarathon in der „machbar“ der Stadtbibliothek im Stadtfenster an der Steinschen Gasse in der Stadtmitte wurden insgesamt 100 wiederverwendbare Stofftaschen gefertigt und an Labdoo übergeben. Sie dienen dem sicheren Transport der gespendeten Laptops und verbinden Umweltbewusstsein mit sozialem Engagement. Und dabei sehen die farbigen Behältnisse auch noch ausgesprochen gut aus.

Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen sind weiterhin eingeladen, nicht mehr genutzte, funktionsfähige Laptops und Tablets an den sieben Annahmestellen im Stadtgebiet abzugeben und so aktiv zur Förderung digitaler Bildung beizutragen. Informationen zu Standorten, Annahmezeiten und zum Projekt finden sich unter www.wb-duisburg.de sowie www.labdoo.org.

INFO

Fast 2500 Geräte für die Weiterverwertung

Bilanz Seit 2012 wurden insgesamt 2495 IT-Geräte in Duisburg gespendet, registriert oder verarbeitet. Rund 1000 dieser Geräte gingen an 47 Schulen und Bildungsprojekte in Duisburg oder mit direktem Bezug zur Stadt.

Funktion Sie unterstützen dort unmittelbar den Unterricht und den Erwerb digitaler Kompetenzen.

Händeloper in Duisburg

Am Sonntag besuchte ich die Premiere der Oper „Guilo Cesare in Egitto“ von Friedrich Händel im Duisburger Stadttheater. Diese Oper wurde zum ersten Mal 1724 aufgeführt und wurde seitdem in Deutschland und in viele anderen Staaten zigfach gezeigt.

Ich hatte zuvor das Libretto gelesen, um mich ganz auf die Musik konzentrieren zu können, da die Oper für ihre schönen Arien bekannt ist.
Der Vorhang ging auf und es präsentierte sich ein Bühnenbild aus Stahlkonstruktionen mit Blümchen, an einem Rohr hing das Schild „Nil“, wohl, damit auch wirklich alle verstanden, dass man sich in Ägypten befand. Mich erinnerte die Szenerie an ein Ferienresort mit Tennisplatz, Golfanlage oder Bar. In dieser Umgebung erklang nun barocke Musik und das passte für mich nicht zusammen.

Screenshot

Die Oper wurde von der jungen Michaela Dicu inszeniert und sie hatte die Idee, dass Cäsar dieses Mal von einer Frau dargestellt werden sollte, Cleopatra hingegen war ein Mann mit einer Sopranstimme. Der böse Bruder Cleopatras, Tolomeo, war omnisexuell und war permanent bereit, jede Person zu vernaschen, der ihm zu nahe kam.
Ich versuchte, mich auf dieses Experiment einzulassen und merkte, wie schwer es mir mit meinen eigenen Gedankenmustern fiel, da alle Protagonisten durch ihre Bewegungen, Handlungen, Gesänge und Kostüme immer wieder widersprüchliche Signale aussandten. Irgendwann gab ich auf, mir ein klares Bild von den einzelnen Rollen machen zu wollen und sah „nur noch“ Menschen, die wunderbar sangen,
Was ich mir gewünscht hätte, wäre eine z.T. bessere schauspielerische Leistung. Der Cornelia konnte ich ihre Trauer über ihren verstorbenen Mann nicht abnehmen und auch Curios Liebe zu ihr hätte etwas klarer dargestellt werden können. Da freute ich mich dann, wenn Maximiliano Danta als Sesto oder Tobias Hechler als Tolomeo auftraten, die nicht nur mit Herzblut sangen, sondern ihre Rollen auch spielten.

Diese Operninszenierung hat mich von allen bisher besuchten Opern am meisten herausgefordert und das sehe rechne ich ihr positiv an. Die musikalischen Darbietungen waren ein Genuss. Nichtsdestotrotz bin ich eine Anhängerin der Idee, dass alte Lieder (oder Theaterstücke) Botschaften über die Zeit hinweg in die Zukunft tragen- warum muss man diese Botschaften verändern?

Wer sich einen kurzen Trailer zu dieser Aufführung ansehen möchte: https://youtu.be/i7Vs-Do7o1M?si=j3KpcAo5x5hY7Op_


Mal selber Radio machen?

Seit 1987 ist im Landesmediengesetz von NRW festgeschrieben, dass Bürger das Recht haben, einen eigene Sendung im Radio auszustrahlen. In Duisburg gibt es seitdem mehrere Vereine, Gruppen und Privatpersonen, die von diesem Recht Gebrauch machen. Der Sender „Radio DU“ ist verpflichtet, dem Bürgerfunk Sendezeit zur Verfügung zu stellen. So läuft beispielsweise

Das Logo der Sendung

mindestens 1x pro Monat dienstags zwischen 20 und 21 Uhr. Verpasst man eine Sendung, kann man diese ein paar Tage später dann auch als Podcast hören:

https://www.nrwision.de/mediathek/suche?query=unser+duisburg

Ich durfte in den letzten Wochen zweimal an einer Redaktionssitzung von „Unser Duisburg“ teilnehmen und bekam ein bisschen mit, wie eine Sendung, die aus Interviews, Kommentaren und Musik besteht, zusammengeschnitten wird. „Welche Interviews sind wochenaktuell, welche haben eher allgemeinen Informationscharakter und können auf die nächste Sendung verschoben werden? Gibt es Wunschkandidaten für ein Interview?“, waren nur einige Fragen, die diskutiert wurden.
Ganz stolz bin ich, dass morgen Abend, am 2.12., auch ein Interview von mir gesendet wird. Ich habe Anja Harder über ihre Kronkorkensammelaktion interviewt, bei der die gesammelten Kronkorken verkauft werden und der Betrag dem Verein „Herzenswärme Duisburg e.V.“ gespendet wird. Dieser Verein kümmert sich um obdachlose Menschen.

In den nächsten Wochen stehen Nikolaus- und/ oder Weihnachtsfeiern in den Firmen an und auch in der Familie werden bestimmt die ein oder andere Flasche zu Weihnachten oder Silvester geöffnet. Möchten Sie nicht beim Sammeln mitmachen?

Sammeln Sie in Rumeln-Kaldenhausen, können Sie Ihre Kronkorken gerne in die Darwinstr. 58 bringen- einfach auf die bunte Bank vor dem Haus legen.

Hier die Liste der Stellen, die in Duisburg Stadtmitte Kronkorken annehmen:

Wohnen Sie nicht in Duisburg, gibt es sicherlich auch bei Ihnen in der Nähe eine Stelle, die für einen guten Zweck sammelt.

Nabucco in Duisburg

Am Samstag fand die Premiere von Verdis Oper „Nabucco“ im Duisburger Stadttheater statt. Ich durfte als „Opernscout“ wieder mit dabei sein und war wie immer völlig unvorbereitet, um als Scout nicht von anderen Meinungen beeinflusst zu sein.

Der Abend begann mit einer Rede der Duisburger Dezernentin Linda Wagner. U.a. lobte sie die Schnelligkeit und Professionalität des Bauherrn, der während der Sommerpause das Duisburger Theater so schnell wieder auf Vordermann gebracht hat, dass ab sofort wieder Aufführungen stattfinden können. Frage: Könnte man diesen Bauherrn nicht einmal für den U-Bahn-Zugang „Steinsche Gasse“ ausleihen?

Der hier zuständige Bauherr ist ein professioneller Vertröster und kann nichts bezüglich Fertigstellung versprechen. Deshalb gibt es jetzt eine „Geburtstagsparty“, auf der ein weiterer Versuch gestartet werden soll, um mit der Stadt Duisburg ins Gespräch zu kommen, die sich bezüglich der Angaben der Gründe für diese
zweijährigen Sperrung sehr zurück hält.

Sorry, ich weiche ab…

Kurz zum Inhalt von Nabucco: Es ist die Geschichte der Gefangennahme des hebräischen Volkes durch den babylonischen König Nabucco. Da gibt es die Kämpfe zwischen dem König und dem Hohepriester der Hebräer und zwischen den Töchtern des Königs, Abigaille und Fenena, nachdem Nabucco den Verstand verliert.

Der Vorhang geht auf und die Zuschauer sehen einen Film von einem Tagungstisch mit Namenskärtchen der Hauptdarsteller. Danach wird auf ein hohes modernes Haus umgeschwenkt und wir sehen friedliche Alltagsszenen in Wohnungen. Plötzlich eine Bombe, der Tagungsraum löst sich in Netflixvorspannmanier auf und plötzlich taucht die Bühne mit dem zerstörten Haus und vielen der Bewohner vor unseren Augen auf. Das lässt niemanden kalt und ist sehr beeindruckend.

Aber:

Schnell merkte ich, dass ich ein grundsätzliches Problem mit Verdis Oper „Nabucco“ habe. Im 1. Akt erklingen fast alle Lieder in C-Dur, für mich gleichbedeutend mit heiter und hell. In der deutsche Textanzeige, (die Oper wird in italienischer Sprache gesungen), war von „Blutmeer“, „Todesqual“ oder „Mord“ zu lesen. Im 2. Akt bricht eine Frau über einem Grab zusammen, auch hier erklingt ein beschwingter 3/4 Takt. Dieser eklatante Widerspruch empörte mich. Befeuert wurde dieses Gefühl vom Bühnenbild, dem zerbombten Haus, das auf die Aktualität dieser Oper hinweisen soll. Hätte es nicht etwas subtiler sein können? Die technischen Raffinessen des Bühnenbildes konnten dies nicht wettmachen.

Viele Chormitglieder erzählten eine eigene Geschichte. Da irrt eine Frau mit einem leeren Katzenkorb herum, ein verwirrter Mann trägt einen zerbeulten Radhelm, ein kleiner Junge hat eine Flöte gerettet. Wohin sollte ich meine Aufmerksamkeit zuerst lenken?

Nach der Pause nehmen diese zwiespältigen Gefühle ab, denn immer mehr zog mich die starke Figur der Abigaille in ihren Bann. Die uneheliche Tochter von Nabucco konnte nie die Liebe ihres Vaters gewinnen. Darüber singt sie in einer herzergreifenden Arie. Ihr Gefühlsleben als Kind wird dabei von einem ca. 12 jährigen Mädchen überzeugend dargestellt. Aus dem Kind ist eine zornige und machthungrige Frau geworden, die nicht davor zurückschreckt, ihre eigene Mutter zu ermorden. Die gesanglichen Leistungen des Ensembles waren großartig, doch möchte ich russische Sängerin Svetlana Kasyan als Abigaille besonders hervorheben. Alle wurden von einem hervorragenden Orchester, den Duisburger Philharmonikern, begleitet.

Nach 2 1/2 Stunden kam ich aufgewühlt zuhause an und wollte wissen, ob ich bei anderen Aufführungen von Nabucco ähnliche Bedenken hätte. Auf YouTube fand ich Aufführungen aus vier verschiedenen Ländern. Bei allen sah ich mir drei meiner Schlüsselszenen an und kam zu einem Ergebnis.
Nabucco spielt 586 v. Chr. und in Rotterdam wurde dies im Bühnenbild und im Auftritt des Chores berücksichtigt. Die Szenen waren ruhiger, der Focus meiner Aufmerksamkeit war beim Gesang. Auch hier wurde der italienische Text ins Deutsche übersetzt, aber die Zusammenfassung des Librettos war teilweise eine ganz andere, viel weniger gewalttätig. Das gab mir, was die Duisburger Aufführung angeht, zu denken. Mit der Darstellung der Abigaille hat Duisburg großes Glück, die Sängerinnen der anderen Aufführungen hatten nicht diese Ausstrahlung. Und noch einen Pluspunkt für Duisburg gab es zu entdecken: Die Oper wurde in einem kompakten Raum dargestellt! Bei den anderen Aufführungen, (drei davon unter freiem Himmel), war viel mehr Platz und die über 100 Mitwirkenden liefen über die Bühne, das erinnerte mich manchmal an aufgescheuchte Hühner und das Geschehen zerfaserte. Das ist in Duisburg nicht möglich. Und ich muss noch etwas loswerden: Meine Befürchtungen, dass die gute Akustik der Duisburger Stadttheaters sich bei diesem monumentalen Werk verabschieden würde, traten nicht ein- voller Hörgenuss!

Mein letzter Satz zur Oper: Nabucco weckt Emotionen und das ist ihr Hauptverdienst.

Wolfgang Trepper sagt nur mal eben Danke

Heute erscheint im Kösel Verlag das neue Buch des Duisburger Kabarettisten Wolfgang Trepper.

Ich las dieses Buch aus Neugier, denn Wolfgang Trepper ist in Rheinhausen aufgewachsen und besuchte immer mal wieder meine Buchhandlung. Dort lernte ich ihn als sehr höflichen, fast schüchternen jungen Mann kennen. Irgendwann kam er nicht mehr, er war weggezogen und ich verlor ihn aus den Augen. Einige Jahre später sah ich ihn dann bei einer seiner Vorstellungen wieder und ich konnte kaum glauben, dass das Wolfgang Trepper war. Sein „harsches“ Auftreten war für mich sehr überraschend und ich erhoffte mir, in dem Buch ein paar Erklärungen zu finden, wie es zu dem Sinneswandel gekommen war.
Um es vorweg zu nehmen: Ich habe mit dem Buch aus verschiedenen Gründen herzerwärmende Lesestunden verbracht und empfehle es ohne wenn und aber.
Warum? Da geht es, wie man schon im Untertitel lesen kann, um Tante Henny. Ihr hat Wolfgang Trepper viel zu verdanken. Sie wurde zur Ersatzmutter, als die eigene Mutter immer häufiger ins Krankenhaus musste und der berufstätige Vater mit der Erziehung seiner beiden Söhne überfordert war. Tante Henny- ich habe sie auch sofort lieben gelernt. Sie war bodenständig, sagte, was sie dachte und das war fast immer sehr vernünftig und obwohl sie und ihr Mann, der Oheim, nicht viel Geld hatten, machten sie aus dem Leben ein Fest und freuten sich an kleinen Dingen wie Bolle. Eine bessere Lebenslehrmeisterin konnte Wolfgang Trepper nicht haben und das weiß er bis heute.
Seinen Lebenslauf beschreibend, taucht man in dem Buch zuerst in Duisburger Welten in den 80er und 90er Jahren ein. Trepper arbeitete bei Krupp, sehr ungern, so dass er sich immer mehr für den Rheinhauser Handball Verein OSC engagierte und dabei war, als der OSC in die Bundesliga aufstieg. War er schon zum OSC eher durch Zufall gekommen, sollten noch weitere Zufälle in seinem Leben folgen, die Trepper immer, nach Beratung mit Tante Henny, genutzt hat, um sich weiterzuentwickeln und Neues auszuprobieren. Das lobe ich mir.
Er kam zu Radio DU und das war seine wahre „Arbeitsheimat“. Der Programmdirektor war offen für die ausgefallenen Programmideen und Kommentare von Trepper, ja, stachelte ihn sogar an, noch „ durchgeknallter“ zu werden. Irre Jahre, denn beim Radio war Spontanität das A und O.
Aber ganz langsam suchte sich nach einigen Jahren eine andere Passion ihren Weg in Treppers Kopf: Der Auftritt auf der Bühne! Und wieder war Kollege Zufall vor Ort, denn Corny Littmann, Inhaber des legendären Schmidt Theaters in Hamburg, wurde auf Trepper aufmerksam und nahm ihn unter seine Fittiche. Es ging immer steiler aufwärts mit seiner Karriere als Kabarettist, so dass er beim Radio kündigte, nach Hamburg zog und dort seitdem mit Frau und Tochter lebt. ( Aber noch eine kleine Wohnung in Duisburg hat, weil hier eben seine Heimat ist).
Ja und da ist er nun, der Wolfgang Trepper mit seinen 64 Jahren. Hat alles erreicht, kann stolz auf sich sein, auch auf seine Projekte in Afrika, für die er nach jedem Auftritt sammelt. In dem Buch lernt man einen Mann kennen, der kritisch über sich und sein Leben nachdenkt und man erfährt, dass er privat immer noch ein ruhige Mensch ist, der sich um Harmonie bemüht.

Wie werden Bäume von einer Stadtverwaltung geschützt- als Beispiel in Duisburg

Letzte Woche besuchte ich in der Duisburger VHS einen Vortrag zu diesem Thema.

Ich schreibe meinen Beitrag anhand von einigen Notizen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit der Wortbeiträge von Referenten und Zuhörern haben. Mir ist es wichtig zu zeigen, wie vielfältig das Thema Baumschutz ist.

Dr. Randolph Kricke und Bassila Boshalt von der Unteren Naturschutzbehörde in Duisburg erklärten den Naturdenkmal- und Alleenschutz und darüber hinaus die Aufgaben dieser Behörde, als da wären beispielsweise der Arten- und Lebensraumschutz, Bestimmung und Pflege von Schutzgebieten, Genehmigungen für Vorhaben in Landschaftsschutzgebieten, Projekte für Naturschutz, Erhalt der Biodiversität oder Maßnahmen zur Begrünung von Gebäuden.
So wurde u.a. auch ausführlich auf die Behandlung der Landschaft in der Nähe von Strommasten eingegangen oder auf die Pflege der Hecken-und Baumbegrenzungen an Feldrändern. Natürlich hätte es sich an diesem Abend auch angeboten, den Fall „Rahmerbuschfeld“ zu behandeln, doch sprengten auch so schon viele allgemeinere Fragen der Zuhörer den Zeitrahmen von 90 Minuten.
Bei Bäumen muss bei den Aufgaben u.a. unterschieden werden zwischen dem Schutz im Außenbereich, Ernennung von Naturdenkmälern, Stellungnahmen bei Bebauungsplänen, dem Straßenbaum- und Alleenschutz. Mehrmals wurde es deutlich, dass die Untere Naturschutzbehörde bei neuen Bebauungsplänen kaum Möglichkeiten hat, auf privaten Grundstücken einzugreifen. Dies gilt ebenso bei Fällungen auf privaten Grundstücken (vielleicht besonders nach dem Wegfall der Baumschutzsatzung 2016?). Die Stadt setzt bei den Besitzern optimistisch auf deren Einsicht, ihre Bäume so wertzuschätzen, dass sie von einer Fällung absehen. Ein Zweifel an dieser Einstellung zum Naturschutz war bei den Teilnehmern nicht zu überhören.
Um Bäume zu schützen, wurde in der Vergangenheit von Duisburger Bürgern deshalb immer wieder versucht, Bäume kurzfristig als Naturdenkmal ausweisen zu lassen und diese Idee wurde auch an dem Abend sehr begrüßt. Allerdings gibt es Vorgaben, wann ein Baum unter Denkmalschutz gestellt werden kann und dazu gehört u.a. das Gesundsein des Baumes, eine gewisse Einzigartigkeit der Art, das Alter, der Wuchs und die freie Zugänglichkeit!

Foto von einer alten großen Blut-Buche

Damit fallen Bäume auf Privatgrundstücken meistens weg. Und dann ist da noch der Verwaltungsakt. Soll ein Baum Naturdenkmal werden, entscheidet dies letztendlich der Rat der Stadt. Bis es zu diesem Punkt kommt, das kann ein paar Wochen dauern oder auch mehrere Jahre.
Ich habe vorgeschlagen, einen Wettbewerb zu starten à la „Die schönste Hausfassade von Duisburg“. Wo stehen die schönsten Bäume in Duisburg? Jährlich einige Bäume auswählen und mit einer Plakette, Urkunde oder was auch immer auszeichnen. Diese Aktion würde meiner Meinung nach das Nachdenken und die Wertschätzung für Bäume in Duisburg erhöhen.

Warum müssen einzelne Bäume gefällt werden oder warum verabschiedet man sich von ganzen Alleen? Einige Gründe:
Krankheiten: Besonders schnell zu erkennen, wenn am Baum sichtbar Pilze wachsen, da dann der Baum von innen wohl schon zu sehr vom Pilzbefall betroffen ist und instabil wird.
Alter und Größe der Bäume: In Duisburg wurden ab den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts und nach dem Krieg viele Platanen gepflanzt. Diese haben inzwischen ein Alter erreicht, in dem sie schwächer werden, sei es, dass ihre Wurzeln keinen Platz mehr finden und den Halt verlieren (Bürgersteige, die durch Anhebung der Wurzeln nicht mehr begehbar sind) oder ihnen Wasser und Luft fehlen, sei es durch mangelnden Regen oder dem Zuparken von Autos über den Wurzeln. (Fassen wir uns da alle an die Nase, wer hat das mit seinem Auto noch nie gemacht?)

Foto von einer Baumreihe (Platanen), die sich schräg zu einer Häuserreihe neigt

Die Größe eines Baumes kann ein Grund dafür sein, dass er keinen sicheren Stand mehr hat und auf ein Gebäude fallen kann. Das Argument, dass Bäume Gebäuden Licht wegnehmen und deshalb gefällt werden müssen, fand ich nicht überzeugend, da das immer wichtiger werdende Thema Schatten spenden nicht angesprochen wurde.
Duisburg hat 360 Alleen, die in 553 Abschnitte eingeteilt sind. 2018 wurde für Duisburg beschlossen, ein Alleenkonzept zu erstellen. Hier zwei Links zu dem Konzept. Zuerst die „einfachen“ Erklärungen auf der duisburg.de Seite

https://duisburg.de/microsites/umwelt-natur-klima/natur/baeume/alleenkonzept.php

dann eine ausführliche Version von Mai 2022.

https://duisburg.de/microsites/umwelt-natur-klima/natur/baeume/alleenkonzept.php.media/255552/Alleenkonzept_Stadt-Duisburg.pdf

Werden in Alleen einzelne Bäume gefällt, muss untersucht werden, ob eine Neupflanzung sinnvoll ist. Einen Frischling unter eine großen alten Baum zu setzen ist wenig erfolgversprechend, denn hier ist die Beschattung für das Wachstum des jungen Baumes nicht gut. Also bleibt u. U. eine Lücke in der Allee.

Foto von einer Baumallee im Nebel, in der ein Baum abgesägt und nicht neu nachgepflanzt wurde.

Wir erfreuen uns an den Blätterdächern im Sommer, doch gibt es inzwischen Untersuchungen, dass die Luftqualität darunter u.U. schlecht sein kann, wenn es keine Zirkulation nach oben gibt. Stehen rechts und links Wohngebäude muss man auch dies im Auge behalten.

Foto von einer Platanenallee, die ein Baumdach bildet

Wenn nun eine ganze Allee gefällt wird, ist dies für uns alle ein Schock und wir reagieren mit Unverständnis, Wut und auch Frustration, weil wir zumeist nicht alle Hintergründe kennen oder unbefriedigende oder gar keine Erklärungen bekommen. Was nützen uns persönlich danach diese unscheinbaren Neupflanzungen? Gar nichts. Aber unseren Kindern und Enkeln in der Zukunft! Sie werden mit gesunden Bäume leben, die uns selbst auch in einem Teil unseres Lebens begleitet haben.

Wer meinen Blog kennt, der weiß, wie sehr mir der Erhalt von Bäumen am Herzen liegt und ich diesbezüglich ein ziemlich großes Misstrauen gegenüber der Stadt Duisburg pflege. Das hat sich nach dem Vortrag etwas geändert.
Ich glaube daran, dass die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde das Selbstverpflichtungsprogramm zum Schutz von Bäumen nach ihren Möglichkeiten einhalten. (Für die operative Arbeit sind die Duisburger Wirtschaftsbetriebe zuständig- das ist dann noch einmal ein ganz anderes Thema!)
Dass die Baumschutzsatzung nicht wieder in Kraft tritt (es könnte ja auch eine angepasste sein), für diese politische Entscheidung habe ich immer noch kein Verständnis.
Wer in Duisburg etwas für die Natur tun will, der sollte sich mit „Mehr Grün“ vertraut machen, einem Förderprogrammen der Stadt:

https://www.duisburg.de/microsites/umwelt-natur-klima/natur/landschaftspflege/foerderprogramm-fuer-mehr-gruen.php

Es gibt in Duisburg mehrere Gruppen, die sich für Natur und Klimaschutz einsetzen oder man macht sich mit Hilfe von Vorträgen schlau. (In der Duisburger VHS gibt es in den nächsten Wochen dazu noch weitere Vorträge).

Alternative Bustour durch Duisburg

Die Duisburger Stiftung für Umwelt, Gesundheit und Soziales bietet zweimal im Jahr eine alternative Bustour durch Duisburg an, einmal in den Norden, einmal in den Süden.
Am Samstag starteten wir um 14 Uhr vom Duisburger Fernbusbahnhof in den Norden. Reiner Leuchter, Landschaftsarchitekt und bei der Stadt Duisburg Mitglied im Beirat für Stadtgestaltung, war unser Reiseleiter. In den nächsten drei Stunden sollten wir ( ca. 30 Neugierige) von den 50 Stadtteilen, die Duisburg hat, ca. die Hälfte durchfahren.
Der Norden fing im Westen an, denn wir fuhren zuerst nach Homberg. Schon hier wurde klar, welche Schwerpunkte Leuchter bei seinen Erklärungen haben würde. Kritisches Hinterfragen baulicher Maßnahmen aus der Vergangenheit und Gegenwart, Vergleiche zwischen guter und minderwertiger Architektur, das Nebeneinander von Industrie- und Wohnanlagen.
In Homberg kam es zu dem Vergleich zwischen dem Wohnen in den Rheinpreußen- und Johannenhof-Siedlungen und dem Leben in den Weißen Riesen, von denen hier der letzte zu sehen ist, nachdem die anderen gesprengt wurden.

Danach fuhren wir auf die rechte Rheinseite zurück, vorbei an dem alten Trajektturm.https://de.wikipedia.org/wiki/Trajekt_Ruhrort–Homberg

Links der Hebeturm, davor das Schulschiff RHEIN.

Beim Überqueren auf der Friedrich-Ebert-Brücke bezog Leuchter Stellung zu der neuen, sehr umstrittenen Halle auf der Mercatorinsel.

Obwohl er Verständnis für die Bedenken von Naturschützern und Anwohnern von Ruhrort hatte, hielt er den Bau für die Halle für folgerichtig, denn schließlich gehört die Insel zum Duisburger Hafen, der solche Infrastruktur benötigt.

Nicht weit entfernt befindet sich das alte Hermann Wenzel Kraftwerk, das 1955 eingeweiht wurde. Es verarbeitet bis heute das Gas der Thyssenkrupp Hochöfen, das durch riesige oberirdische Gasrohre transportiert wird.

Sie sind so groß, dass man durch sie durchlaufen könnte. Das Gas ist hochgiftig, aber diese Tatsache spielte damals beim Bau und wohl auch heute keine Rolle. Auch dass die Rohre und die damit verbundene Infrastruktur Stadtteile zerschnitt, wurde früher hingenommen. So kam es beispielsweise in Laar zu einem Niedergang des Einzelhandels, noch gefördert von der Ansiedlung großer Supermärkte außerhalb des Stadtteilzentrums.

Der „Laarer Dom“ erinnert noch von eine bessere Vergangenheit, rechts oben ein Beispiel für den Niedergang des Einzelhandels und unten ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Dieses Zerschneiden von Stadtteilen kann man auch noch in anderen Stadtteilen erkennen, besonders in Hamborn oder Marxloh. Für die Industrie wurde Platz gemacht, egal wie die Gemeinde gewachsen war. ( Man denke z.B. an die Trassen der Autobahnen A 42 und A 59).
Wir kamen immer wieder an Hochöfen vorbei

und Reiner Leuchter versorgte uns mit Zahlen, was und wie viel man in welcher Zeit produziert und wie teuer die geplante Direktreduktionsanlage von Thyssenkrupp werden soll: 1,9 Milliarden Euro (davon 60% staatliche Fördergelder).



Die Weseler Straße in Marxloh war unser nächstes Ziel. Hier waren viele Menschen unterwegs, hauptsächlich Paare, die vor einer großen Entscheidung standen:

Was ziehe ich auf meiner Hochzeit an? Marxloh ist einer der europäischen Einkaufszentren, wenn es um das Einkleiden von Hochzeitspaaren geht.

Weiter ging es durch die Stadtteile Fahrn und Röttgersbach, die sich glücklich schätzen können, Straßen mit qualitätsvoller Architektur aus den 20er Jahren zu besitzen. Nach einem Abstecher zur Merkez Moschee,

nahm unser Reiseleiter Hamborn genauer unter die Lupe. Dieser Stadtteil war früher eine selbständige Stadt, was imposante Gebäude wie ein eigenes Rathaus, ein Gericht oder auch ein Gefängnis bis heute bezeugen, nicht zu vergessen das BauhausKarree, ebenfalls aus den 20er Jahren.

Rechts eine kleine Ansicht vom BauhausKarree, links der bekrönte Treppengiebel eines Backsteinhauses, in dem sich heute die Hamborner Polizei befindet.

Hamborn hat darüber hinaus einen eigenen Stadtpark und einen botanischen Garten. Auch der Marktplatz beeindruckte durch seine Größe, hier wird in der Verwaltung gerade zusammen mit den Anwohnern eine Umgestaltung geplant: Parkplätze sollen weichen, der Platz soll mehr ein Freizeitraum für die Bevölkerung werden.
Wir kamen bei unserer Rundfahrt an zwei Schulneubauten vorbei und zwei alten renovierten Schulen. Was dieses Thema angeht, ist Duisburg gut aufgestellt und tut etwas für die Zukunft.
In Neumühl gibt es direkt zwei Beispiele, die zeigen, wie schwierig Stadtplanung sein kann.
Das 2013 aufgegebene St. Barbara Krankenhaus ist heute ein Lost Place. Wie es dazu gekommen ist und was in den letzten 12 Jahren an diesem Ort passiert ist, können Sie hier nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/St._Barbara-Hospital_(Duisburg)

Durch die Felix-Dahn Straße fuhren wir, weil sie in Duisburg laut Reiner Leuchter exemplarisch für die z.T. sinnlose Abholzung von altem Baumbestand ist. Ca. 100 Jahre alte Bäume wurden wegen Kabelverlegungen gefällt und durch Jungbäume ersetzt. Bis diese allerdings denselben Nutzen für die Umwelt haben, braucht es mindestens zwei Generationen.

Den Landschaftspark steuerten wir nicht an, da er wohl vielen Duisburgern schon bekannt ist. Was ich nicht wusste: Das gesamte Areal des Landschaftsparks beträgt 200 ha, also ist er ca. 280 Fußballfelder groß. Hätte ich nicht gedacht.
Wurde aus dem Areal des Landschaftsparks etwas Neues gemacht, gibt es an anderen Stellen Gelände, wo früher Gebäude standen, die sinnlos abgerissen wurden, da danach Neubaupläne nicht weiter verfolgt wurden. So finden sich immer wieder solche Orte in Duisburg:

In Meiderich trafen wir einmal mehr auf Häuser der GEBAG, genauer gesagt in der Ratingsee-Siedlung.

Auch hier lohnt es sich, den Wikipedia-Eintrag zu lesen, nicht nur wegen der Architekturgeschichte, sondern auch wegen der Tatsache, dass sich an diesem Ort ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald befand.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ratingsee-Siedlung

Das Tourende war Gewässern gewidmet. Über den Rhein waren wir ja schon gefahren, aber wir passierten nun zum zweiten Mal die alte Emscher, dann den Rhein-Herne-Kanal und schließlich die Ruhr.

Oben links der Rhein bei Homberg, darunter der Rhein-Herne-Kanal, oben rechts die renaturierte alte Emscher und rechts unten die Ruhrlandschaft.

Wenn auch die Wasserqualität erst in den letzten Jahren so gut geworden ist, dass man im Kanal und in der Ruhr wieder schwimmen könnte, so gehörten diese Teile Duisburgs immer schon zu Orten, an denen die Bevölkerung gerne ihre Freizeit verbrachte. Ein aktueller Beweis: Der gut ausgebaute Radweg der Fern-Radwanderroute „Ruhrradweg“.

Nach der Bustour fuhren wir in den Innenhafen, um etwas zu essen. Hier bekamen wir noch eine Extraportion Duisburg, dank mehrerer Wandbilder, die unter der A59 für Duisburg werben.

Eine rüstige 90jährige Duisburgerin machte die Rundfahrt mit und war voll des Lobes am Ende der Tour. Sie hätte viel Neues zu ihrer Heimatstadt erfahren und es gäbe viel Stoff zum Nachdenken. Diesem Urteil schließe ich mich gerne an. Der Duisburger Süden wird übrigens am 12.10. erkundet.

Ich hatte zuvor noch nie von der Duisburger Stiftung gehört. Eine gute Sache, wie ich finde. Hier ein Ausschnitt aus ihrem Flyer,

Zur Homepage geht es: http://www.stiftung-duisburg.de

Anmerkung: Einige der Fotos habe ich nicht am Samstag gemacht, sondern auf früheren Radtouren. (Falls es Ihnen aufgefallen ist, dass die Jahreszeiten nicht immer kompatibel sind).

Kommunalpolitische Werkstatt

Seit dieser Woche besuche ich in der Duisburger Volkshochschule eine Gesprächsrunde, die sich mit der Kommunalpolitik befasst. Ich habe ca. 20 Mitstreitende, Frauen und Männer sind anzahlmäßig gleich vertreten, der Altersdurchschnitt liegt bei knapp 60 Jahren, drei junge Frauen sorgen dafür, dass er nicht noch höher liegt. Was das Thema berufliche Erfahrungen angeht, ist die Runde sehr gemischt und spannend. Eine ehemalige Pastorin, ein Professor für vergleichende Politikwissenschaften, eine Studentin, die als Nebenjob KI füttert, eine OB Kandidatin, ein Vorstand aus einem Bürgerverein, da werden in den nächsten Wochen viele unterschiedliche Meinungen aufeinander treffen.
Am Anfang der Stunde verteilte einer der beiden Kursleiter diese Bücher:

Diese Bücher kann sich jeder gegen eine Schutzgebühr von 15 Euro bei der Landeszentrale für politische Bildung NRW bestellen.

https://www.politische-bildung.nrw

Da diese Gesprächsrunde schon seit 3 1/2 Jahren besteht und über die Hälfte der Kursbesucher „Wiederholungstäter“ sind, besteht für die Frischlinge wie mich die Möglichkeit, neben der Lektüre der Bücher in der VHS Cloud Material herunterzuladen, um die Abläufe in der Kommunalpolitik kennenzulernen.
Was passiert in den nächste Wochen? Wir werden über kommunale Probleme und Entscheidungen sprechen, es werden Gäste eingeladen, die zu bestimmten Themen Vorträge halten und alle Teilnehmer haben stets die Möglichkeit, Fragen zu stellen.
Ich besuche diesen Kurs, weil ich nicht länger nur auf die Stadt Duisburg schimpfen will. Wie sind welche Abläufe geregelt, an welche Gesetze muss sich die Verwaltung halten, welche Möglichkeiten hat sie, mehr zu tun, als es z.Zt. passiert? Wo ist das Nichtdürfen und wo ist das Nichtwollen? Wie kann ich als Bürgerin Einfluss nehmen?

Warum schreibe ich das heute? Als ich nach 1 1/2 Stunden nach Hause fuhr, machte sich bei mir eine Dankbarkeit breit, in einem demokratischen Staat zu leben, der solche Angebote ermöglicht und seine Bürger unterstützt, wenn sie es denn wollen.

Skulpturen aus Stoff von Yiqing Yin

Wir besuchten das Spitzenmuseum in Calais, in dem es u.a. eine Sonderausstellung gab.

Yiqing Yin ist eine chinesische Modedesignerin. Sie zog 1989 als Vierjährige mit ihren Eltern von Peking nach Paris. Hier studierte sie Modedesign und gewann schon bald mehrere Preise. 2015 wurde sie dann als erste chinesische Designerin in den kleinen Kreis der „Haute Couture“ Modedesigner aufgenommen. Sie arbeitete bereits für mehrere Modehäuser, für die Biennale in Venedig oder den Filmfestspielen in Cannes.

Yiqing Yin schöpft ihre Inspiration aus tierischen, pflanzlichen oder mineralischen Formen. Jedes Kleid hat einen Namen, oftmals aus mythologischen Erzählungen entnommen.
Manche kleine Stickereien sahen wie Korallenstücke aus.

Die Materialien – Seide, Tüll, venezianischer Samt, mikroverkapselter Organza – werden nur von Hand verarbeitet, Yiqing Yin ist eine „Stoffbildhauerin“.
Wir waren zu viert in der Ausstellung und konnten uns alle nicht sattsehen an der Schönheit und der handwerklichen hohen Kunst, die die Kleider ausstrahlten. Hier einige Beispiele.

Farben ohne Grenzen- Ein Kleid wie eine Landschaft
Weißes Kleid mit dem Titel „Minimal Naturalia“, das so fragil aussah, dass mein Beschützerinstinkt wach wurde.

Einige Fotos habe ich noch weiterverarbeitet. Hier ein „Traumbild“

Wie sähe es aus, wenn diese Stoffskulpturen plötzlich in Duisburg auftauchen würden?

Frustrierte Bürger einer Stadt

Auf Linkedin habe ich zu Duisburg einen Beitrag entdeckt, in dem es um die Frustration der Bürger geht bezüglich der im Duisburger Rathaus Agierenden. Der Beitrag ist von Anke Johannsen, die u.a. stellv. Geschäftsführerin der Duisburger Buchhandlung Scheuermann ist.
Ich veröffentliche diesen Beitrag, weil es in anderen Städten vielleicht ähnliche Zustände gibt und Betroffene durch den Beitrag Anregungen bekommen, ebenfalls Stellung zu beziehen und sich zu wehren.

Als Hintergrundinformation: Frau Johannsen hat seit mehr als einem Jahr versucht, von der Stadt Duisburg Hilfe zu bekommen. Es geht um die Straße, auf der die Buchhandlung liegt. Hier gibt es mehrere Probleme, die sie dokumentiert und mehrmals in Gesprächen mit Stadtangestellten aufgezeigt hat. Sie wurde immer wieder vertröstet, bis sie schließlich eine lokale Zeitung informierte und ein ausführlicher Bericht erschien. Seitdem wird sie als Gesprächspartnerin gesucht.

Ihr Beitrag:

💡 Meine Gespräche der letzten Wochen haben mir Einblicke gegeben, die darauf hindeuten: #Duisburg steht (mal wieder!) an einer Wegkreuzung zwischen Inszenierung und echter Veränderung, zwischen Verwaltungslogik und gesellschaftlicher Wirkkraft.

🗨️ Es suchen vermehrt Menschen den Kontakt zu mir, die in dieser Stadt schon sehr viel Zeit und Kraft investiert haben, um Duisburg nach vorne zu bringen. Dass sie dabei „gegen Wände gelaufen sind“, höre ich immer wieder. Vor allem das Wie macht mich traurig. Die immer gleichen Geschichten, so als hinge Duisburg in einer Zeitschleife, in der Fortschritt und Beteiligung kommuniziert, nicht aber von Grund auf kultiviert werden. Immer mehr Fragen…

👉 Mein vorläufiger Befund:

Wir haben es hier einerseits mit einem kulturellen Problem (→ wie „die Stadt“ mit ihren Bürger:innen umgeht) und andererseits mit einem strukturellen Problem (→ wie z. B. Projekte beschlossen und gesteuert werden) zu tun. 

Heißt übersetzt:

❗️Menschen erleben, dass ihnen nicht zugehört wird. Dass sie außen vor bleiben. Dass Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg und an ihrer Wirklichkeit vorbei getroffen werden. Und dass Projekte, die sie nicht wollten, folgenschwer scheitern.

Die Krise bei der GEBAG geht uns alle etwas an, weil es um unser aller Geld geht. Die WAZ spricht heute von 165 Mio Euro.

😳 Was da wirklich schiefgelaufen ist? Wird möglicherweise nie ganz geklärt werden. Sicher scheint, dass prestigeträchtige Absichten wie die Duisburger Dünen, Wedau-Nord oder 6-Seen-Wedau eine große Rolle dabei gespielt haben.

Gerade deswegen lauten meine Lesart und mein Appell:

📌 Eine Stadt wie Duisburg braucht Zukunftsperspektiven. Aber diese Perspektiven dürfen keine aus der Luft gegriffenen Überambitionen sein. Sie müssen angebunden sein an die Gegenwart, an die Realität dieser Stadt. Sonst fehlt das Fundament. Sonst fabrizieren wir heiße Luft. Sonst bleibt die Identifikation der Menschen mit „ihrer Stadt“ auf der Strecke. 

Eine Stadtentwicklung muss immer auch fragen: Wie geht es denen, die schon da sind?

Ich wiederhole mich gerne: Was kommunal schiefläuft, lässt sich auch auf Bundesebene beobachten. 

Im positiven Umkehrschluss heißt das: Was uns hier gelingt, stärkt auch unsere Demokratie 💙.

Unsere Bürgerinitiative „Duisburg in WALLung“ trifft sich jeden letzten Dienstag im Monat um 19 Uhr im Stapeltor. Für eine (Innen-)Stadt des #Miteinander. Für unseren gemeinsamen #Lebensraum.

Diese Grafik erschien zusammen mit dem Beitrag. Ich wünschte mir, er würde zur Erinnerung an Bürgernähe in vielen Räumen des Duisburger Rathauses hängen.

Ein Grafik mit den Wörtern Überambition, Inszenierung und Entfremdung auf der einen Seite. gegenüber stehen die Wörter Veränderung, Identifikation und Beteiligung wären für Duisburg die wünschenswerten Änderungen.