Von Aix-en-Provence zum Mont Sainte-Victoire (FR Nr. 11)

Während unserer Reise in der Provence begleitete uns täglich der Mistral, der so eisig war, dass man selbst in der Sonne frieren konnte. An unserem Tag in Aix-en-Provence, es war ein Samstag und überall in der Stadt finden dann Märkte statt, war das nicht anders und es herrschte eine undefinierbare gereizte Stimmung. Den Marktleuten flogen die Stoffe von den Tischen, den Cafébesitzern fielen die Stühle um, an den vielen Brunnen spritze das Wasser die Touristen nass. Vielleicht ist das der Grund, dass ich mit Aix im wahrsten Sinne des Wortes nicht so richtig warm wurde.

Links unten: Windgeschütztes Plätzchen, rechts oben der Prachtboulevard „Cours Mirabeau“.
Vier von ca. 130 Brunnen in Aix-en-Provence

Wie bei van Gogh in Arles verzichteten wir auch hier auf die Besichtigung der Lebenspunkte eines großen Malers: Paul Cézanne. Er hat fast sein ganzes Leben in Aix gewohnt und das ist für Touristen auf vielfältige Weise aufbereitet worden.
Wir besichtigten das Museum Granet, das aus zwei Teilen besteht. Ein Teil ist in einer ehemaligen Kirche aus dem 18. Jahrhundert untergebracht, der andere Teil in einer ehemaligen Malteserkomturei aus dem 17. Jahrhundert.

Cézanne unten ein Bild von Jean Planque, das Cézanne beim Malen zeigt, daneben vom selben Maler eine Ansicht des Berges Sainte-Victoire, der das Lieblingsmotiv von Paul Cézanne war.

Was mich an Aix faszinierte, war die im Stadtbild starke Präsenz von religiösen Statuen, Bildern oder Relikten.

Diese Spiritualität wurde allerdings von den lautstarken Touristenströmen überdeckt, nur in versteckten Seitengassen konnte man sie erahnen.

Wir verließen Aix am frühen Nachmittag, um noch einen kleinen Abstecher zum Mont Sainte-Victoire zu machen.

Peter Handke erwandert sich den Berg und zieht Vergleiche zu anderen Landschaftserhöhungen und er denkt über seine Arbeit als Schriftsteller nach. Immer wieder kommt er dabei auch auf Cézanne und dessen Kunst zurück und das macht dieses Büchlein fast zur Pflichtlektüre.

Am Mittwoch geht es weiter. Wir verlassen die Provence und fahren in die Auvergne.

Südfranzösisches Farbenspektakel (FR Nr. 10)

Der erste richtige Sommertag im Urlaub! Dazu erst einmal ein bisschen Musik:

und die passenden Farben (kein bearbeitetes Foto!):

Wir fuhren von Martigues aus in Richtung Naturpark Luberon, einer besonderen Gebirgslandschaft, wo sich einige der schönsten Dörfer der Provence befinden.
Zuerst kamen wir an einem Weinanbaugebiet vorbei, Weinkellereien reihten sich wie Perlen an der Straße entlang.
Unser erstes Ziel war Roussillon, die Stadt der Farben. Wir wollten einmal die spektakulären roten Berge live sehen.

Viele Touristen in der kleinen Stadt, kein Wunder, die Farben der Häuser, die verwinkelten Gassen, die kleinen Geschäfte, ein hübscher Markt und ein ehemaliger berühmter Bewohner (Samuel Beckett lebte hier von 1942 bis 1944) – alles da, was das Touristenherz begehrt. Von der Innenstadt aus kann man gegen Eintritt auf einem 30- oder 60 minutenlangen Rundweg (Sentier des Ocres) durch die Ockerberge laufen und erfährt einiges über den Ockerabbau, der bis ca. 1930 betrieben wurde, bevor synthetische Farben ihren Siegeszug antraten.

Wer sieht oben links ein Gesicht?

Es gibt außerhalb von Roussillon eine kleine stillgelegte Fabrik, in der während einer Führung die Tradition des Ockerabbaus und die Herstellung von Farbpigmenten ausführlich erklärt werden. Zwei große Busse hielten uns von einer Besichtigung ab und ich kaufte mir Farben als Erinnerung und als zukünftiges Experimentierfeld.

Auf der weiteren Rundfahrt verzichteten wir auch noch auf einen Besuch des Dorfes Gordes, das ebenfalls zu den schönsten Dörfern gezählt wird. Verkehrschaos, da es nicht genügend Parkplätze gibt. Wir fuhren deshalb langsam über kleine Straßen, die Landschaft genießend,

Richtung Salon-de-Provence. Hier fängt die Geschichte der Films „Willkommen bei den Sch‘tis“ an und wir wollten sehen, ob wir Drehorte wiedererkannten.

Uns gefiel Salon-de-Provence gut, denn diese Stadt liegt nicht auf den typischen Touristenpfaden und hatte eine entspannte Atmosphäre. Neben der Burg bietet sie zur Besichtigung noch ein Nostradamusmuseum (Nostradamus verbrachte hier seine letzten Lebensjahre) an.

Dieser Tag erhält die Auszeichnung „ Provenzalischer Bilderbuchtag“ oder ich könnte ihn auch „Kalendermotivtag“ nennen. Ob unser Besuch in Aix ein weiterer Bilderbuchtag wird? Mit meinem Frankreichtagebuch geht es nächste Woche weiter, in dieser Woche widme ich noch regionalen Themen.

Marseille an einem Tag (Fr. Nr. 9)

Wir hatten für die Besichtigung von Marseille einen Tag eingeplant. Uns war klar, dass wir nicht alle Top-Sehenswürdigkeiten besuchen würden, denn um diese alle zu erreichen, müsste man sich mehrmals in die U-Bahn setzen und das braucht Zeit.
Wir beschränkten uns deshalb auf das Gebiet des alten Hafens, dem „Vieux Port“und auf einen Spaziergang zum Cours Julien.

Neben der eindrucksvollen Sicht auf die vielen Segelboote und auf die Kirche „Notre-Dame-de-La-Garde“ auf dem Hügel, finden sich in diesem Viertel gleich drei der Hauptsehenswürdigkeiten. Unübersehbar ist die Kathedrale de la Major, eine Prachtkirche aus dem 19. Jahrhundert.

Das MUCEM wurde 2013 eröffne, ein moderner Museumsteil wird durch eine Brücke mit dem Fort Saint-Jean verbunden. In diesem Komplex gibt es nicht nur vier Ausstellungen, sondern auch Grünflächen mit Liegestühlen und einem Gemüsegarten, Cafés, ein Restaurant und eine Bücherei. Und alles mit Blick auf das Meer und den Hafen!


Wir besuchten die permanente Ausstellung, die völkerkundliche Ausstellungsstücke aus den Mittelmeerländern zeigt.

Vom alten Hafen ist es nicht weit bis zum Altstadtviertel „Le Panier“. In Reiseführern wird diese Gegend gerne mit dem Pariser Montmartre verglichen. Das konnten wir nicht nachvollziehen. Wir erlebten Le Panier als bürgerliches Wohnviertel, in dem es viele Wandbilder gibt, ein paar Restaurants und Cafés, aber kaum typische Touristenläden.

Mitten in Le Panier liegt „La Vielle Charitè“, einer barocke Anlage aus dem 17. Jahrhundert, in dem weitere Museen untergebracht sind. Auch hier haben wir uns treiben lassen und fanden lauschige Ecken.

Der alte Hafen wird von vielen Restaurants umrandet, da stand einer leckeren Pause nichts im Wege. Danach machten wir uns zum Cours Julien auf, laut Reiseführer einer der schönsten, fast dörflich anmutenden Plätze von Marseille. Wenn man bummelt, braucht man ca. 20 Minuten zu Fuß und flaniert dabei teilweise über die Prachtstraße Rue de la République.

Biegt man dann rechts ab, ist man eine Straße weiter schon in einer völlig anderen Welt mit vielen afrikanischen Geschäften, einem Markt und weiteren Wandbildern.

So langsam dämmerte es uns, dass Marseille anscheinend die Hauptstadt der Street-Art ist, denn neben den Häuserwänden wurden auch Straßen, Treppen und andere freien Flächen beklebt, bemalt, besprayt.

Der Cours Saint Julien erinnerte uns an das Schanzenviertel in Hamburg. Er ist ein schöner Platz mit Bäumen, Wasserspielen und kleinen Fachgeschäften auf der einen Seite, auf der anderen Seite stehen Häuser, an denen Street-Art nicht mehr schön war, sondern nur noch verschandelnd und Drogendealer sich an einigen Ecken trafen. Vielleicht ist die Atmosphäre an einem sonnigen Tag besser, wir konnten die Begeisterung für diesen Platz im Reiseführer nicht so ganz nachvollziehen.

Der Tag in Marseille war herausfordernd, denn die Eindrücke waren vielfältiger als beispielsweise in Paris. In der Hauptstadt befindet man sich in einem Viertel meistens in einer Blase, in dem es kaum Brüche gibt, egal ob gut oder weniger gut. In Marseille sind die Grenzen fließend und macht die Stadt aufregend im positiven Sinne. Als wir abends wieder in unserer Ferienwohnung waren, hatten sich einige Fotoideen in meinem Kopf gesammelt und ich probierte zum ersten Mal die Pro-Version der Foto-App Picsart aus. Die Ergebnisse zeige ich Ihnen am Donnerstag.

Die blaue Iris (FR Nr.8)

Bis zu unserem Besuch in der Provence konnten mich blaue Irisblumen nicht besonders begeistern. Doch jetzt sind sie ein Souvenir, das mich zukünftig an diesen Urlaub erinnern wird. Sie blühten in vielen Gärten, in öffentlichen Parks und in der Heilanstalt des ehemaligen Klosters Saint-Paul de Mausole in Saint- Rémy-de-Provence. Hier verbrachte Vincent van Gogh fast zwei Jahre und die Räume und der Garten sind teilweise zu besichtigen.

Die Umgebung des Klosters und Teilansichten des Gartens.
In dem Garten waren Abbildungen von van Goghs Werken verteilt und es wurde erklärt, wie die Anlage die Motivwahl von van Gogh beeinflusst hat.
Das Kloster mit seinem Klostergang, rechts unten das Zimmer von Vincent van Gogh.

Wir hatten Glück, am späten Nachmittag in der Anlage nicht mehr so viele Besucher anzutreffen. Die tummelten sich alle in Saint-Rémy und wir entschieden uns, dieses wohl sehenswerte Städtchen bei der nächsten Rundreise anzusehen.

Als passende Lektüre am Abend wählte ich diesen Roman aus:

Gina ist 24 Jahre alt, eine Schönheit und sehr intelligent. Die Welt steht ihr offen, doch sie fühlt sich leer, weiß nicht, was sie tun soll. Die geschiedenen Eltern sind keine Vorbilder, besonders das Verhältnis zu ihrem Vater ist problematisch. Er hat vor zig Jahren einen Roman geschrieben, der ein Bestseller wurde und ihn über Nacht berühmt machte. Es gibt keinen zweiten Bestseller, er hält sich mit dem Schreiben von Reden und Werbetexten über Wasser. Seinen Rat, Kunstgeschichte zu studieren, folgt Gina zuerst mit wenig Begeisterung. Doch dann entdeckt sie Jo. Jo ist die Frau von Theo, dem Bruder von Vincent van Gogh. Sie muss sich ihren Mann mit den Bildern von Vincent teilen, denn Theo unterstützt seinen Bruder wo er nur kann und richtet selbst die Wohnung, in die er mit Jo nach der Heirat zieht, als Galerie ein. Gina ist von Jo fasziniert, denn als erst Vincent und kurze Zeit später Theo sterben, beschließt Jo, Vincents Bilder zu vermarkten und durch den Verkauf den Schuldenberg abzutragen, den die beiden Brüder hinterlassen haben. Jo schlägt bei der Vermarktung völlig neue Wege ein, die bahnbrechend werden, wenn es um das Kuratieren einer Ausstellung und die Werbung für Kunst geht. Sie schafft es schließlich, dass Vincent van Gogh weltberühmt wird.

Ich hatte zuvor noch nie von Jo van Gogh-Bonger gehört und fand ihre Lebensgeschichte sehr interessant. Lieber hätte ich in dem Buch mehr über sie und ihre genialen Geschäftsideen gelesen und hätte gerne auf Gina und ihren Vater verzichtet. Diese beiden Figuren waren für mich eher unsympathisch und der Versuch, Parallelen zwischen Ginas und Jos Geschichte zu ziehen, ist aus meiner Sicht nicht gelungen.

Am Samstag tummele ich mich in Hünxe und Schermbeck.

Herzlich willkommen! (FR Nr. 4)

Meine Vorfreude auf die Einladung von Axel Birgin und seiner Frau Marie in Saint-Julien de Peyrolas war groß, denn ich hatte zuvor dieses Buch von Axel gelesen:

Er beschreibt mit Humor und dokumentiert es auch mit Fotos, wie er und seine erste Frau ein ca. 300 Jahre altes Gehöft mit viel dazugehörigem Land gekauft haben und dann anfingen, es zu renovieren und auch umzugestalten. Kein leichtes Unterfangen, wenn man eigentlich in Karlsruhe wohnt, kein Französisch spricht und auch handwerklich anfangs kein Tausendsassa ist. Aber die beiden haben viel Glück mit ihren Nachbarn, die immer tatkräftig zur Seite stehen und gute Ratschläge parat haben und Schritt für Schritt erschaffen sie sich ein kleines Paradies.
Inzwischen sind 30 Jahre vergangen. In der Coronazeit sind Axel und seine zweite Frau Marie erstmalig acht Monate am Stück in Frankreich und merken, dass sie nach Deutschland eigentlich nicht mehr zurück möchten. So sind sie heute in Karlsruhe nur noch zu Besuch und genießen ihr französisches Domizil. Na ja, fast immer, denn auch hier knarzt es manchmal, wie in dem Buch in kleinen Alltagsgeschichten zu lesen ist. Ergänzt werden diese Berichte durch Beschreibungen der besonderen Tierwelt auf ihrem Land und es gibt auch Erklärungen über typisch Französisches. Wussten Sie z. B., wie das typische Tabakschild zu seinem Aussehen kam?

Gibt es etwa eine Schutzheilige der Raucher???

Das Buch ist feiner Lesestoff für Frankreichliebende und Pflichtlektüre für alle, die von einem eigenen Heim in Frankreich träumen.

Der schöne Abend war schnell vergangen. Wir wurden herzlich empfangen und hatten uns viel zu erzählen, obwohl wir uns vorher persönlich gar nicht kannten.

Axel und Marie in ihrem Garten
Oben: Von der Terrasse hatte man einen grandiosen Blick bis zum Mont Ventoux.
Links unten: Der Hahn ist fast schon ein Wahrzeichen für das Anwesen, daneben: In der Einfahrt empfingen uns diese herrlichen blauen Iris und prompt war man in „Van-Gogh-Stimmung“!

Am nächsten Tag sahen wir uns morgens Aiguèze an. Zuerst mussten wir diese ziemlich spektakuläre Brücke überqueren.

Kurz danach empfing uns das wie aus dem Ei gepelltes provenzialisches Örtchen Aiguèze. Keine Menschenseele, wir hatten alle Schönheiten für uns alleine!

Danach ging es weiter zum Gorges d‘Ardèches. Es war unglaublich windig, beim Fotografieren musste man aufpassen, dass man nicht von den Aussichtspunkten weggeweht wurde.

Wir wären gerne länger geblieben, aber der Sturm wurde immer unangenehmer und es zog uns weiter Richtung Martigues, wo wir für die nächsten Tage unsere erste Ferienwohnung bezogen. Als wir ankamen, fragten wir uns etwas verwundert: „Sind wir wirklich noch in Frankreich“? Mehr dazu am Donnerstag.

Mit dem Auto unterwegs in Frankreich ( FR Nr. 3)

Während der Fahrt auf der N7 sahen wir auch einige alte Autos. Die finde ich immer sehr schön und so kamen diese Collagen zustande:

Und hier meine Tipps für Autofahrer:

Nr. 1: Wir waren mit einem VW Caddy unterwegs (1,80 m Höhe) und schwitzen manchmal ganz schön, wenn wir in Parkhäuser der Firma Indigo fuhren. Sie sind meistens nur für bis zu 1,85 cm hohe Autos geeignet, in Arles stimmte dies aber nicht, die Latte an der Einfahrt schrammt am Dach. Auch sind die Parktaschen sehr eng. Nehmen Sie lieber Parkhäuser der Firma Q-Park oder noch besser

Nr. 2: laden Sie sich Park-Apps herunter und stellen Sie sich auf die Straße. Bei mit „Payant“ markierten Plätzen haben wir die Apps „Flowbird“ in der Auvergne und „Pay by Phone“ in der Provence benutzt und kamen gut zurecht.

Nr. 3: In den Cevennen haben wir am Eingang von mehreren Dörfern ein kleines weißes Schild gesehen mit der Aufschrift „Village branché“ und einem kleinen Auto. Hier finden Sie Aufladeplätze für Ihr E-Auto. In anderen Gegenden fanden wir diese Schilder nicht.

Nr. 4: Wundern Sie sich nicht, wenn Sie manche Ortseingangsschilder nicht auf Anhieb lesen können!

Das Schild auf den Kopf zu drehen ist ein Ausdruck des Protests. Bauern protestieren damit gegen Bestimmungen und Gesetze der französischen Regierung und der EU.

Nr. 5: Seit unserer letzten Rundreise in Frankreich 2018 hat sich in Frankreich Einiges geändert. Wir mussten während unseres Urlaubs lernen, dass die Zahl von Restaurants oder Cafés wirklich dramatisch abgenommen hat und wenn sie es in Dörfern oder kleinen Städten gibt, haben sie oft nur noch ab Mittwoch oder nur am Wochenende geöffnet. Unser Mägen haben öfter geknurrt und schließlich nahmen wir immer ein Notfallpaket mit, falls wir nichts fanden.

Nr. 6: Sollte Ihr Auto Ihr Augenstern sein, überlegen Sie sich, ob Sie mit Ihrem Auto in die Innenstadt von Marseille fahren. Paris ist dagegen „pillepalle“. Warum? In Marseille fahren vor, hinter, links und rechts neben Ihnen Motorräder und Mopeds, deren Fahrer und Fahrerinnen glauben, das ultimative Augenmaß für Lücken zwischen den Autos zu haben. Urlaubserholung kommt da nicht auf…

Ich war fleißig und habe für morgen einen weiteren Beitrag geschrieben. Wir waren gestern in zwei tollen Ausstellungen, die in den nächsten Tagen enden. Mein Tipp für die Feiertage!

Die französische Route 66 ( FR Nr. 2)

Nach einer Übernachtung in Dijon fuhren wir am zweiten Tag bis Lyon auf der Autobahn, um dann auf die Route Nationale No. 7 zu wechseln.
Auf der N7 fuhren in Frankreich in den Sommerferien viele Generationen in den Süden des Landes. Jede Familie hat eigene „N7-Geschichten“ zu erzählen, sei es, dass es um einen legendären Stau geht, um das Essen in einem exquisiten Restaurant, um eine Motorpanne oder die vergessene Oma auf dem Rastplatz. Inzwischen gibt es eine Autobahn 7 und die N7 hat einen gewissen Legendenstatus wie die Route 66 in den USA.
Im Internet finden sich einige Berichte über N7 Fahrten. Sie sind stimmungsvoll zu lesen, aber ich machte mir keine Notizen, wo was zu sehen war, wir wollten unsere eigenen Fundstücke zusammentragen.
Um uns in Stimmung zu bringen, nahm ich vorher eine Playlist mit Liedern aus Frankreich auf:

Und so empfing uns die N 7:

Oben links erlebten wir, glücklicherweise auf der Gegenseite, einen über 50 km langen Stau, da die Autobahn 7 zwischen Vienne und Valence wegen eines Unfalls gesperrt war. Darunter einer von mehreren Wassertürmen, die so langsam aus dem Landschaftsbild von Frankreich verschwinden. Mitte: Ein Beispiel für einen dekorierten Kreisverkehr, die N7 schlängelt sich öfter durch Weinrebenfelder. Rechts oben eine von den alten Übernachtungsmöglichkeiten, wir sahen diverse, die inzwischen geschlossen waren. Unten rechts: Französische Grundnahrungsmittel an der N7.

“Bunte Häuser“ sahen wir viele, sei es, dass man auf ihnen noch alte verblasste Werbung entdecken konnte oder sie mit Wandmalereien geschmückt waren.

Wir fuhren nur 3 Stunden auf der N7, doch um alle alten Schilder zu fotografieren, könnte man sicherlich einen ganzen Tag damit verbringen.

Dir Urlaubsstimmung stieg bei mir von Baum zu Baum und von Allee zu Allee, mir ging das Herz auf:

Da wir sehr kaltes und stürmisches Wetter hatten, machten wir nur zwei kleine Pausen in Valence und Montélimar. Es war Montag, fast alle Geschäfte hatten geschlossen und es herrschte eine trostlose Stimmung. Im verwinkelten Valence fielen mir eine Reihe von schönen Geschäften und netten Plätzen auf, in Montélimar gab es eine lange Einkaufsstraße und eine Prachtstraße. Das Nougatmuseum war auch geschlossen, sollte wohl so sein.

Unten links: Hier entdeckte ich einen Laden, der Kleidung repariert und Strümpfe stopft. In Deutschland kaum vorstellbar.
Rechts das berühmteste Haus von Valence, „La Maison des Têtes“.
Oben rechts der „Eingang“ zur Geschäftsstraße von Montélimar. Links: Zwei Weltanschauungen…

Die N7 machte mich kreativ und das Ergebnis sind einige Collagen, die ich Ihnen morgen zeigen möchte. Dazu kommen einige Tipps für alle, die mit dem Auto durch Frankreich reisen.

Rundreise in Frankreich (FR Nr. 1)

Ich möchte Sie zu einer Rundreise in Frankreich einladen, denn wir waren vom 21. April bis zum 7. Mai in unserem Nachbarland unterwegs. Die Schwerpunkte lagen auf Besuche in der Provence und in der Auvergne. Wir haben Städte kennengelernt, wie z.B. Martigues, Uzès, Brioude, Clermont-Ferrand oder Moulins, die abseits der großen Touristenströme liegen und mehr Beachtung verdient haben. Einige passende Buchbesprechungen kommen dazu und bei manchen Spaziergängen oder auch dem z.T. schlechten Wetter geschuldet, entwickelten sich bei mir neue Fotobearbeitungsideen und Fotothemen, die ich Ihnen vorstellen möchte. Zur Einstimmung hier eine Fotogalerie aus der Provence und Motive aus der Auvergne, gefunden in Kirchen und Museen. Wenn sie auf eins der kleinen Fotos klicken, vergrößert es sich. Viel Spaß beim Stöbern!

Verschiedene Kirchenfensterdetails
Oben: Der Puy de Dôme im Land der Vulkane bei Clermont-Ferrand, unten links, eine typische Stadtansicht, daneben der hochverehrte Vercingetorix

Mein zweiter Beitrag handelt von unserer Fahrt auf der Route national 7 und erscheint am Donnerstag.

Ein Krimi als Erinnerung an eine verlorene Welt

Zusammen mit seinem Hund Mars lebt der ca. 50 Jahre alte Gus alleine auf einem Bauernhof in den Cévennen. Er hat seinen Platz im Leben gefunden und kümmert sich hingebungsvoll um seine Kühe und sein Land. Telefon hat er keins, den alten Fernseher stellt er nur selten an. Außer zu Abel, einem ebenfalls alleinlebenden älteren Bauern in der Nachbarschaft, hat er kaum Kontakt zu anderen Menschen.
Die Ruhe im Leben von Gus ist vorbei, als er eines Abends Schüsse und schreckliche Schreie auf dem Grundstück von Abel hört. Gus ist geschockt und traut sich erst am nächsten Tag, zum Hof des Nachbarn zu gehen. Abel ist jedoch wohlauf, reagiert allerdings auf den Besuch von Gus unwillig und versucht ihn loszuwerden. Abels ungewöhnliches Verhalten weckt die Neugierde von Gus, zumal ihm plötzlich frühere Zusammentreffen mit Abel einfallen, die darauf hindeuten, dass sein Freund Geheimnisse hat.
Gus beschäftigen aber auch noch andere Merkwürdigkeiten. Sein Hund wird im Wald angegriffen und verletzt. An der Stelle, wo es passiert ist, findet Gus im Schnee Spuren von nackten Füßen. Dann tauchen kurz hintereinander auf seinem Hof zwei Evangelisten auf, die mit ihm über Gott sprechen wollen und der Bürgermeister des Dorfes, über den Gus eine schlechte Meinung hat, möchte Gus plötzlich seinen Hof abkaufen. Das alles beschäftigt Gus, aber noch verläuft sein Leben in geordneten Bahnen. Die Katastrophe beginnt, als Abel ihn unverhofft zu einem Abendessen einlädt…

Dieser „Roman Noir“ hat die Spannung eines Krimis, aber mit der Geschichte von Gus und Abel setzt der Autor Bouysee dem früheren Leben auf dem Lande auch ein Denkmal. Es war ein Leben voller Gewalt, aber auch ein Leben, in dem Menschen noch Ehrfurcht vor der Natur hatten und die Natur „lesen“ konnten. Bouysse beschreibt dieses archaische Leben mit eindringlichen Bildern, die nicht gleichgültig lassen.

Eine Geschichte der Frauen in 100 Objekten

Angesichts der Tatsache, dass die Autorin Annabelle Hirsch deutsch-französische Wurzeln und u.a. in Paris Kunstgeschichte studiert hat, ist es nicht verwunderlich, dass von den 100 beschriebenen Objekten ca. die Hälfte aus Frankreich kommt. So liest man nicht nur eine Geschichte der Frauen, sondern erfährt auch viele überraschende Details über unser Nachbarland.
Dieses Buch (411 Seiten) hat mich in vieler Hinsicht begeistert. Jedes Objekt stellt die Autorin auf höchstens drei Seiten vor, so dass sich die Lektüre optimal für den kleinen Lesehunger von dem Einschlafen eignet.
Das Alter der Objekte reicht von 30000 Jahren vor Chr. bis zum Jahr 2017.
Wussten Sie, dass es seit zehn Jahren Indizien gibt, dass die urzeitlichen Gemälde in den französischen Höhlen, die von den Wissenschaftlern bis dahin wie selbstverständlich den Männern zugeschrieben wurden, auch von ihren Frauen stammen?
Kennen Sie die Geschichten vom „Le rouge Baiser“, dem „100-KM/H-Mantel“ des Pariser Modehauses Dornac oder des Messers der Mère Filloux, die den Ruhm Lyons als Haute Cuisine-Stadt auslöste? Ich habe oft gestaunt, durch welche Umstände die Rechte von Frauen vergrößert oder öfter beschnitten wurden, wenn es den Männern gerade passte. (In Hollywood gab es beispielsweise bis in die 30er Jahren mehr Regisseurinnen und Produzentinnen, doch dann entdeckten Männer, dass man mit Filmen Geld verdienen konnte und das Ende der mächtigen Frauen von Hollywood wurde eingeläutet.)

Lois Weber drehte bis 1940 138 Filme, also in einer Zeit, in der Frauen noch nicht wählen oder ein eigenes Bankkonto besitzen durften

Manche Kapitel haben mich empört. Schlimm das Foto von Robert Capra, das 1944 die dreiunszwanzigjährige Simone Touseau in Chartres zeigt, die glatzköpfig mit einem Baby auf dem Arm von Menschen beschimpft und auf der Straße gejagt wird. Die Autorin erzählt anhand des Fotos die Geschichte der „Épuration sauvage“, bei der Frauen, die mit den Deutschen kollaborierten, gebrandmarkt wurden.
Kennen Sie Brownie Wise, Liane Berkowitz, Majorie Hills oder Elisabeth Selbert? Dieser Name und viele andere, oft vergessene, Namen sind mir im Zusammenhang mit der Geschichte der Frauen zum ersten Mal begegnet. Da die Autorin in jedem Kapitel kurz und knackig schreibt, bleiben viele Möglichkeiten, sich nach Beendigung des Buches in eins der hundert Frauenthemen zu vertiefen.

Annabelle Hirsch bietet in ihrem Buch Fakten aber auch Denkmodelle an, in denen sie die Geschichte der Frau neu interpretiert. Bei manchen dieser Überlegungen verfällt sie allerdings in ein schwarz-weißes Denkschema, das sie sonst den Männern vorwirft. Das ist schade.

P.S. Meine Heldin ist übrigens Elisabeth Selbert.

Man spricht immer von den „Vätern des Grundgesetzes“, aber „nur“ 61 von den 65 Mitgliedern des Gremiums waren Männer. Zu den vier Frauen der Gruppe gehörte Elisabeth Selbert. Gegen große Widerstände aller anderen Mitglieder setzte sie durch, dass der Satz:“Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ in das Grundgesetz mit aufgenommen wurde.