Gedichte und Kurzgeschichten für Anfänger und Gourmets

Ich bin z.Zt. sehr mäkelig, was das Lesen von Romanen angeht. Seit Jahresbeginn habe ich schon mehrere Bücher angefangen, aber dann wieder weggelegt. So griff ich jetzt zu „verlässlichen“ Büchern von Franz Hohler.

Der Autor aus der Schweiz ist einer meiner Lieblingsschriftsteller, da er für mich ein Meister der Beobachtung ist und das Gesehene präzise in Gedichten und Kurzgeschichten formuliert. Dabei benutzt er eine einfache Sprache, so dass jemand, der nur mal kurz oder nach langer Zeit wieder etwas lesen möchte, mit seinen Büchern als Einstieg gut beraten ist. Aber auch Vielleser und Vielleserinnen werden diese Bücher genießen.
In 113 einseitige Geschichten tritt Hohler als Herausgeber auf und präsentiert seine Lieblingskurzgeschichten. Darunter sind beispielsweise Erzählungen von Jean Cocteau, Christine Nöstlinger, Franz Kafka oder dem siebenjährigen Simon, aber auch ein paar Geschichten, die von ihm selbst geschrieben sind. Einseitig bezieht sich auf die Länge der Texte, nicht auf die Themenauswahl. Diese ist breitgefächert, genau wie unser Alltag, der aus vielen kleinen Geschichten besteht. Diese Geschichten sind alles:Humorvoll, spannend, überraschend, traurig, grotesk, hintersinnig. Wie drücken Ameisen ihre Liebe zu einer anderen Ameise aus? Was macht die englische Königin nachts im Berliner Stadtteil Grunewald? Was hat es mit Kaiserin Ida auf sich? sind drei Inhaltsschnipsel, die Sie neugierig machen sollen. Ein Buch zum Immerwiederlesen.

“Sommergelächter“ beinhaltet über 300 Gedichte, die Hohler zwischen 1966 und 2018 geschrieben hat. „Vierzig vorbei“, „Vom richtigen Gebrauch der Zeit“, „Alt?“ und „Verstreute Gedichte“ sind die Überbegriffe, unter denen man kurze, aber auch mehrseitige Gedichte findet. Darunter auch ein paar in Schwizerdütsch und in anderen Sprachen.
Beim Lesen der Gedichte kamen mir immer wieder Gedanken wie „Genau so ist es!“ oder „Ja, das ist wichtig, darauf sollte man viel mehr achten.“ Hohler hat sich Zeit seines Lebens als Privatperson oder auch als Kabarettist eingemischt und seinen Finger in politische und gesellschaftliche Wunden gelegt. Schnörkellos tut er dies auch in seinen Gedichten.
Berührt haben mich auch die Nachrufe auf verstorbene Freunde oder Kollegen. Ich kannte nur den Schriftsteller Urs Widmer, aber bei den anderen Personen hatte ich das Gefühl, ihnen durch Hohlers Gedichte auch nah zu sein.

Franz Hohler hat übrigens auch Romane geschrieben, nur leider kenne ich sie schon alle…

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Kleine Leseauszeiten mit Happy End

Diese beiden Bücher eignen sich wunderbar, um für eine kurze Weile abzuschalten und sich zu freuen. Der rechte Titel ist auf 82 Seiten eine Sammlung von 24 Miniaturbetrachtungen zum Thema Alter, geschrieben von Lily Brett, ca. siebzig, in New York lebend. In dieser Stadt ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass man ewig jung bleibt, doch gibt es immer wieder Situationen, in denen die Autorin nur noch genervt vom Älterwerden ist, wie beispielsweise im Appleshop oder im Wartezimmer eine Arztes. Bei anderen Begebenheiten zeigen sich dann aber auch ihre Gelassenheit und ihr Humor. Mal fühlt sie sich eben wie ein junges Mädchen, an anderen Tagen als eine so alte Frau, dass sie es selbst kaum glauben kann.

Das linke Buch erzählt auf 187 Seiten eine Liebesgeschichte mit Happy End. Énide und Honorat leben als Ehepaar zurückgezogen in Paris. Als beide Eltern werden, scheint ihr Glück vollkommen. Aber ihr Sohn Déodat ist unglaublich hässlich und der Schock ist anfangs für die Eltern groß. Doch das ändert sich spätestens, als Déodat mit 13 Monaten mit seinen sprachlichen Fähigkeiten überrascht und seiner Mutter ein Kompliment macht. Déodat ist hochbegabt und schlagfertig und besitzt darüber hinaus die Fähigkeit, emotional so stark zu sein, dass er die Erniedrigungen, die ihn während der Schule begleiten, aushält. Als Erwachsener wird er zum Liebling der Frauen, hat jedoch nur oberflächliche Liebesbeziehungen.
Ähnlich geht es dem Mädchen Trémière. Bei ihr sind es allerdings die perfekte Schönheit und ihre ruhiges Wesen, die sie zur gehassten Außenseiterin in der Schule machen. Beruflich wird sie sehr erfolgreich, doch Freunde hat sie keine.

Der Weg, bis Déodat und Trémière sich finden, ist lang, doch ihr Happy End umso schöner.

Samen- Unbeachtete Schönheiten

Vorgestern zeigte ich Ihnen vier Fotos und wollte wissen, was auf ihnen zu sehen ist. Es sind Samen in Fruchtständen.
Letzte Woche schwärmte ich schon von einem Buch aus dem Elisabeth Sandmann Verlag, auch dieses Buch ist in dem Verlag erschienen.

Dank ca. 200 grandioser Fotos wurde ich in eine Welt entführt, die ich bisher nur am Rande wahrgenommen habe. Im Garten freue ich mich z.B. jedes Jahr an den Samenständen von Akelei oder Klatschmohn, aber dank der Abbildungen in diesem Buch wurde mir erstmalig richtig bewusst, mit welchem unterschiedlichen Erscheinungsbild Pflanzen ihre Nachfolge regeln. Wie genial diese „Architektur“ der Fruchtstände ist, wird im zweiten Teil des Buches erklärt. Sie sind so konstruiert, dass die Samen beispielsweise über den Wind weitergetragen werden, sich im Fell von Tieren festhaken, die Fruchtstände eine Ausstattung haben, um im Meerwasser lange zu überleben oder durch große Spannung mit lautem Knall durch die Luft fliegen. (wie z.B. der Fruchtstand des Sandbüchsenbaumes, den man als Titelbild für das Buch ausgewählt hat).

Welchen Nutzen für Menschen haben die Bäume, Sträucher, Lianen oder Bodendecker, von denen die gezeigten Fruchtstände stammen? Ob man Möbel oder Boote baut, Körbe flechtet, Zahnpasta herstellt oder Teile als Arzneimittel nimmt (links oben der Fruchthülse des Skorpionschwanzes, einem Bodendecker, des bei Bissen des Skorpions helfen soll), jede Pflanze ist schützenswert. Das schreibe ich bewusst, denn wie man aus dem Buch auch erfährt, sind diverse Bäume durch Raubbau vom Aussterben bedroht.

Obwohl der Bildband ist nicht mehr lieferbar und auch antiquarisch kaum zu bekommen ist – ich habe ihn per Fernleihe für 2 Wochen ausgeliehen- habe ich das Buch besprochen. Das Thema „Genau hingucken“ liegt mir am Herzen und ich wollte versuchen, Ihnen ein bisschen von dem Zauber und Faszination zu vermitteln, den ein Buch gerade in der heutigen Zeit ausstrahlen kann.

Von Bäumen und Sternen

Haben Sie meinen letzten Blogbeitrag gelesen? In ihm stellte ich Ihnen ein Musikstück von John Cage vor. Heute habe ich das passende Buch zu der Musik:

Die Fotografin Beth Moon war 14 Jahre lang in der ganzen Welt unterwegs, um alte Bäume zu fotografieren und spezialisierte sich im Laufe der Jahre darauf, die Bäume unter spektakulären Sternenhimmel abzulichten- bei der weltweiten Lichtverschmutzung ein ganz besonderes Unterfangen. Der Grund dieser Spezialisierung waren wissenschaftliche Studien, in denen u.a. das Wachstum der Bäume mit den Bewegungen der Himmelskörper zusammenhängen soll. So werden z.B. Birken der Venus zugeordnet oder Buchen dem Saturn.
In dem Buch sind Fotos aus England, Italien, Namibia, Botswana den USA mit jeweils eine für das Land typische Baumart zu sehen. Das Faszinierende: Das Licht der Sterne, das wir auf der Erde sehen, ist oftmals genauso alt wie die Bäume, also 1000, 2000 Jahre und mehr. Ich schreibe nicht weiter, sondern lasse zwei Fotos für das Buch sprechen:

Zu den Fotos eines jeden Landes gibt es ausführliche Erklärungen, wann und wo Beth Moon fotografiert hat. Auch werden prägnante Sterne, die über den Bäumen zu sehen sind, namentlich erwähnt. „Fotografie als Pilgerfahrt“ ist der Titel eines Textes des amerikanischen Journalisten Clarke Strand, der am Ende des Bildbandes zu lesen ist. Lässt man sich auf diese Fotos ein, werden Grundfragen des Lebens ganz schnell präsent.

Ich möchte mich ausdrücklich bei dem Verlag Elisabeth Sandmann bedanken, der einmal mehr den Mut hatte, ein ausgefallenes Thema in einem Bildband zu präsentieren.

Keine bezahlte Werbung!

Dank einer Leserin

Die Liebe zur Heimatstadt Duisburg fällt manchmal schwer, doch dann bin ich auch wieder dankbar, dass ich hier wohne. Dafür verantwortlich ist u.a. die Duisburger Zentralbibliothek. Sie hat vor einigen Monaten einen neuen Online Auftritt bekommen. Zuhause auf dem Sofa sitzen,eine Tasse Kaffee steht bereit, sich online in den Regalen der Bücherei tummeln, Bücher entdecken und bestellen und schließlich in der Büchereifiliale vor Ort abholen, das ist für mich Freizeitgenuss. Das I-Tüpfelchen ist dann noch die Möglichkeit, sich Bücher via Fernleihe kommen zu lassen. Titel, die nicht im Bestand der Duisburger Bibliothek sind, aber in irgendeiner anderen vernetzten Bibliothek in Deutschland stehen, werden dort angefordert. Das habe ich schon mehrmals in Anspruch genommen. (Kostet pro Buch 3 Euro und man braucht pro Buch eine TAN-Nummer. Von diesen Nummern bekommt man von einer Mitarbeiterin zuvor via Mail mehrere mitgeteilt. Meine Bücher kamen z.B. aus Köln, Bielefeld oder der Bayerischen Staatsbibliothek in München in die Rheinhauser Bezirksbibliothek. Die meisten Bücher durfte ich für vier Wochen mit nach Hause nehmen, drei teure Kunstbildbände konnte ich mir vor Ort in Ruhe ansehen. Diese Stunden in der Bibliothek genieße ich ebenfalls. Der Service der Fernleihe ist deshalb so toll, weil ich schon lange vergriffene Bücher finde,

Ein Bildband aus dem Jahr 2003 über die Installationen und Bilder der amerikanischen Künstlerin Judy Pfaff

teure Bücher mir vorher ansehe, bevor ich sie mir kaufe

54,99 Euro für 290 Seiten- da ist ein Anlesen des Buches nicht das Schlechteste

oder Titel von kleinen Verlagen, die in Buchhandlungen nur sehr selten vorrätig sind, lesen kann.

Dieses Buch erschien 2018 im Golkonda Verlag

Ich freue mich schon auf das neue Jahr, denn längst habe ich noch nicht alle Serviceangebote der Duisburger Bibliothek ausprobiert. Ich weiß, dass ich immer freundliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fragen kann, wenn ich etwas nicht verstehe und fühle mich immer gut aufgehoben.

Deshalb mal der Dank einer Leserin.

Die Varus Nerv Bekanntschaft

Vor ca. drei Monaten lernte ich den Varus Nerv kennen. Hatte ich zuvor noch nie von ihm gehört, wurde er in verschiedenen Medien kurz hintereinander mehrmals erwähnt und ich wurde aufmerksam. Besonders beeindruckte mich eine Sendung, in dem Lars Lienhard zeigte, wie Sportler durch gezieltes Training eben dieses Nervenstrangs vermeintliche Schwächen in ihrer Sportart ausgleichen konnten. Ich entdeckte, dass Lienhard auch mehrere Bücher geschrieben hat und lieh mir diese beiden in der Bücherei aus:

Nun, was ist überhaupt der Vagus Nerv? Bevor ich laienhaften Blödsinn schreibe, zitiere ich den Leipziger Apotheker Ulrich Tepe, der sich auf seiner Internetseite u.a. auch mit dem Varus Nerv beschäftigt:
„Der Vagusnerv ist eine regulierende Schaltstelle zwischen dem Gehirn und den Organen. Als zehnter Gehirnnerv verläuft er vom Hirnstamm im Kopf über Hals und Brust bis zum Bauchraum. Auf seinem Weg verzweigt er sich. Er läuft unter anderem zum Herzen, zu Nieren, Leber, Milz und zu den Verdauungsorganen – und von dort wieder zurück zum Gehirn.“
Ich füge hinzu: Der Varus Nerv sagt dem Gehirn, was im Körper nicht stimmt, damit das Gehirn aktiv die Störung ausgleichen kann. Ist der Varus Nerv nun selbst nicht in Ordnung, bekommt das Gehirn unzureichende oder gar keine Informationen und der Selbstheilungsprozess stockt oder fällt aus.

Ich bin im Jahr 2020 zweimal auf meine linke Schulter gefallen. Glücklicherweise war nichts gebrochen, aber weder Physiotherapie noch Akupunktur konnten die Schmerzen und die Unbeweglichkeit des Halses ganz beseitigen. Einer der Schwerpunkte bei den in den Büchern beschriebenen Übungen sind Lektionen für Nacken und Schultern und so war ich sehr motiviert, diese auszuprobieren. Ein anderer Schwerpunkt liegt bei Übungen für die Augen und auch auf diesem Gebiet war mein Interesse geweckt.
In beiden Büchern werden nach einer theoretischen Einführung die Lektionen mit vielen Bildern sehr detailliert beschrieben. Im linken Buch sind diverse Übungen allerdings nur zusammen mit einer zweiten Person oder/ und verschiedenen Hilfsmitteln möglich, so dass mir das rechte Buch besser gefiel, hier kann man sich bei den Lektionen alleine und ohne große Vorbereitung austoben. 40 Ideen für verschiedene Bewegungsabläufe stehen zur Auswahl. Ich entschied mich, 15 Übungen täglich zu absolvieren und zu gucken, welche Wirkungen sich einstellen. Sehr sympathisch finde ich dabei, dass man einige Übungen im Liegen machen kann. Wenn man morgens noch keine Lust hat, aus dem warmen Bett zu kriechen, hat man einen guten Grund, noch etwa liegen zu bleiben…

Nach sechs Wochen habe ich folgenden Eindruck:
Ich kann meinen Hals wieder besser drehen. Dies merke ich besonders beim Autofahren, wenn ich nach links oder rechts gucken muss.
Meine Körperhaltung ist gerader, meine Schultern sacken nicht mehr so sehr nach vorne und ich stehe fester mit beiden Füßen auf dem Boden. Vor sechs Wochen wackelte ich noch sehr, als ich mich jeweils auf ein Bein stellte, jetzt ist das kein Thema mehr.
Das Augentraining macht mich morgens munter und hat außerdem mein Klavierspiel verbessert. Das Notenlesen geht merklich besser, was mich auch sehr beflügelt, mit den Übungen weiterzumachen und Schritt für Schritt noch ein paar neue Übungen mit einzubauen.

Wie Sie am Untertitel des rechten Buches sehen, helfen die Übungen auch noch bei anderen Gesundheitsproblemen. Man nennt den Varus Nerv auch den „Ruhe-und Erholungsnerv“- vielleicht sind ja einige Übungen auch gut bei Weihnachtsplanungsstress?



Vom Wellenbrecher zu den Hasenöhrchen

Ende letzter Woche wurde in den Medien das Wort des Jahres 2021 verkündet. Es heißt „Wellenbrecher“. Wer diese Meldung mit Interesse verfolgt hat, für den ist dieses Buch eine lohnende Lektüre:

Wir benutzen täglich unsere deutsche Sprache und nehmen sie als selbstverständlich hin. Aber es gibt viele Facetten im Deutschen und diese komprimiert in einem Buch nachzulesen, das fand ich sehr interessant.

Natürlich gibt es in dem Buch auch eine Liste der Wörter des Jahres (auch für Österreich und die Schweiz, hier entdeckt man überraschende Unterschiede) und eine Aufstellung der Unwörter des Jahres. Kleines Rätsel: In welchem Jahr war „Umweltauto“ das Wort des Jahres? (Das Wort des Jahres wird regelmäßig seit 1977 gewählt).
Es gibt noch andere Tabellen mit besonderen Wörtern, wie z.B. aus der Sprache der Seemänner, der Drucker oder aus dem Jargon der Gauner. Unter dem „Fontane-Code“ hat man 5oo der längsten Substantive aufgeführt, die der Autor für seine Romane einzigartig aus mehreren Wörtern zusammengesetzt hat, wie z.B. „Ausschmückungsgegenstand“ oder „Reinheitswiederherstellung“. Damit macht er unserem Literaturgott Goethe ganz schön Konkurrenz. Haben „Normaldeutsche“ einen aktiven Wortschatz von ca. 12000 bis 15000 Wörtern, soll Herr Goethe sich aus ca. 90000 Wörtern bedient haben. (Experten schätzen die Zahl der deutschen Wörter auf mindestens 300000). Aber Goethes Wortgewandtheit hat ihn nicht davor geschützt, dass andere Autoren seine Werke gnadenlos zerrissen haben. Auch das ist in diesem Buch nachzulesen.
Besonders gefallen mir auch Landkarten, auf denen man nachlesen kann, wie ein Gegenstand im deutschsprachigen Raum eine unterschiedliche Bezeichnung bekommen hat. Da sage ich nur: „Es leben die deutschen Dialekte!“
Über z.T. sehr lustigen Namen von Weinbergen, Orten oder Friseursalons (Glückssträhne, Vielhaarmonie), Zungenbrecher, Teekesselchen, paradoxe Wörter (Gefrierbrand, Miniriesenrad), ja sogar über Grabinschriften kann man sich in diesem Schmöker amüsieren. Und das i-Tüpfelchen: Die Gestaltung des Buches ist eine Augenweide:

Mein Beitrag gibt Ihnen nur einen kleinen Einblick in den Buchinhalt. Wie schön und abwechslungsreich die deutsche Sprache ist, hat mir das Buch noch einmal wunderbar vor Augen geführt. Dass ich das ernst meine, beweist meine zweite Buchanschaffung:

Noch mehr Wortschönheiten, doch dieses Mal detailliert erklärt, welchen Ursprung jedes Wort hat, wo und und wann es gesprochen wurde, welche anderen Wörter zu diesem Wort gehören:

Beide Bücher sind im „Verlag das kulturelle Gedächtnis erschienen“, der 2016 gegründet wurde und 2021 zum „Verlag des Jahres“ gewählt wurde. Mich beeindrucken die bisher erschienen Titel und die Verlagsphilosophie, hier nachzulesen:http://daskulturellegedaechtnis.de/teilhabe/

Ach ja, im Titel meines Beitrags kommt das Wort „Hasenöhrchen“ vor. Ich habe diesen Begriff im Wunderkammerbuch entdeckt. Auf dieser Seite finden Sie diverse Hasenöhrchen…Ich verrate Ihnen am Samstag, was es mit den Hasenöhrchen auf sich hat und wann „Umweltauto“ das „Wort des Jahres“ war.

Stürmischer Buchtag

Momentan findet in Frankfurt wieder die Buchmesse statt. Vielleicht kam mein Unterbewusstsein deshalb auf die Idee, gestern einen Buchtag einzulegen? Um der alten Zeiten willen?

Gestern gab es Sturm und Regen,
das war für mich ein wahrer Segen.
Konnte mit gutem Gewissen zuhause bleiben
und mir ein paar Bücher einverleiben.

Morgens um sieben fange ich mit Eckengas Gedichten an,
Humor zu Beginn,
das ist für meine noch müde Stimmung ein Gewinn.

Danach widme ich mich dem Buch von Herta Müller,
hier wird es schon etwas anspruchsvoller.
Die Nobelpreisträgerin schneidet Wörter aus
und setzt sie neu zusammen.
Da verdient sie doch Applaus,
denn damit konnte sie mich entflammen.

Schnell selbst ein paar Wörter aus einer Zeitung ausgeschnitten,
darf ich Sie zu meinem Œuvre um Ihre Meinung bitten?

Noch einmal macht die Buchmesse sich in meinem Kopf breit…

Zum zweiten Frühstück sind Tintin und Milou dran,
ihre Abenteuer ziehen mich noch heute in den Bann.
Ich fühle mich wie ein Kind,
das sich vom Schulstress eine kleine Auszeit nimmt.

Kein Mittagessen und die Siesta ist auch nicht lang,
jetzt ist mir nach einem Buch über den musikalischen Klang.

Ein Roman mit einem japanischen Klavierstimmer,
über dieses Instrument zu lesen, das geht bei mir doch immer.

It‘s teatime, dazu noch ein paar Plätzchen,
danach suche ich mir ein neues Bücherschätzchen.
Einen Bildband möchte ich jetzt haben,
denn meine Augen sollen sich auch mal laben.

Bilder von František Kupka

Viele bunte Farben gegen das so graue Wetter,
wie schnell wird das Leben durch ein Buch doch viel netter!
Ich blättere und versinke, fast wie in einem Traum,
vergesse die Zeit und um mich herum den unaufgeräumten Raum.
Plötzlich streift mich das schlechte Gewissen,
ist Putzen und Aufräumen heute ein Müssen?
Nö, beschließe ich und blättere weiter,
meine Stimmung bleibt deshalb auch heiter.
Mein Kater möchte auf meinen Schoß,
da ist der Bildband jetzt doch zu groß.
Schnell nehme ich einen Krimi zur Hand,
dieses Buch ist ein Unterhaltungsgarant.

Wolf Haas, er ist mein Favorit,
denn seine Bücher haben österreichischen Kolorit.
Mein Kater schnurrt laut und ich werde dösig,
ein weiteres Buch zu suchen ist dann wohl müßig.

Um halbzehn habe ich mich hingelegt,
von diesem Tag noch tief bewegt.
Zufrieden schlafe ich schnell ein,
dankbar für mein schönes Bücherheim.

P.S. Morgen habe ich einen zum Wetter passenden Rätselbeitrag für Sie.





Ein Krimiabend mit Dominique Manotti (Französischstunde Nr. 31)

Letzte Woche war auf Einladung der Duisburger deutsch-französischen Gesellschaft und der Duisburger VHS die französische Krimiautorin Dominique Manotti im Café Museum im Kantpark zu Gast. Ich hatte letztes Jahr auf ARTE einen Bericht über die Stadt Marseille gesehen und dort trat u.a. auch Frau Manotti auf. Da ich sie sehr sympathisch fand, besuchte ich jetzt ihre Lesung.

Waltraud Schleser und  Wolfgang Schwarzer von der deutsch-französischen Gesellschaft führten durch den Abend und machten dies sehr gut. Da Frau Manotti kein Deutsch spricht, übersetzten die beiden abwechselnd Frau Manottis Ausführungen, so dass man selbst bei geringen Französischkenntnissen einen unterhaltsamen Abend verbrachte.
Zuerst erzählte Frau Manotti ein bisschen über ihr Leben, das in den 60er und 70er Jahren geprägt war durch politisches Engagement und Arbeit für die Gewerkschaft. Die Machtübernahme Mitterands bedeutete für sie einen großen Einschnitt, denn nach ihrer Meinung hat Mitterand die politischen Ideen der Linken verraten. Ihr Leben bekam eine neue Richtung und sie begann im Alter von 50 Jahren, Kriminalromane zu schreiben. Ausschlaggebend war die Lektüre eines Buches des amerikanischen Autors Ellroy. Ihr wurde klar, dass man mit Kriminalromanen Menschen erreichen und aufklären kann.
Manotti wurde schnell erfolgreich, denn in ihren „Crime noir“ verarbeitet sie tatsächlich stattgefundene  Skandale in Frankreich.

In ihrem neusten Buch, aus dem sie zwei Passagen vorlas,

geht es um Rassismus in Frankreich. Die Quelle vieler Übel dieser Art ist der Algerienkrieg in den 60er Jahren und in ihrem Krimi erzählt Manotti von mehreren Morden an algerischen Mitbürgern in Marseille. Diese Straftaten werden von der Polizei und noch höheren Behörden kleingeredet oder noch lieber unter den Teppich gekehrt. Aber es gibt glücklicherweise eine Handvoll Polizisten und Anwälte, die dagegen angehen. 
Am Anfang fand ich den Krimi (knapp 400 Seiten) etwas schwierig zu lesen, da viele Organisationen pro/ contra Einwanderer, Arbeiter, Franzosenalgerier in der Geschichte involviert sind und ich erst lernen musste, die Gruppierungen auseinander zu halten.  Aber insgesamt ist es ein sehr lesenswertes Buch, da es, wenngleich es in den 70ern spielt, an Aktualität nichts verloren hat.

Auf den Geschmack gekommen, wurde Manottis ersten Krimi, der 1995 erschien, meine nächste Lektüre.

1980, Paris. Im Stadtteil Sentier waren damals wie noch heute viele Schneidereien und Läden angesiedelt, die von den bekannten Modehäusern Aufträge bekamen. (Siehe auch Beitrag „Frischlufttherapie“). Damals arbeiteten hauptsächlich nur Männer in diesem Metier, viele kamen aus der Türkei. Die meisten von ihnen besaßen keine Arbeitsgenehmigung und wurden ausgebeutet.

Das führte irgendwann dazu, dass sich die Arbeiter organisierten und auflehnten. Inspektor Daquin, den ich aus dem Marseiller Krimi bereits kannte, versucht mit seinen Kollegen einen Drogenhandel aufzudecken und gerät dabei in die Arbeitskämpfe.
Manotti hat für die Gewerkschaft lange in dem Viertel Sentier gearbeitet, so verwundert es nicht, dass sie ihren ersten Krimi hier ansiedelt. Ich fand diesen Krimi härter, aber man ist schneller Thema drin.