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Wer nicht neugierig bleibt, wird nur noch älter (Marianne Frauchiger)
Mein Lesegeschmack geht „querbeet“. Die meisten Bücher, die ich hier vorstelle, empfehle ich mit Herzblut, doch es kann auch mal ein Verriss dabei sein…Genauso verhält es sich mit den Hörbüchern und Filmen. Ich würde mich sehr über Empfehlungen freuen, denn man soll ja immer über den Tellerrand schauen!

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Die schlechten Nachrichten für den Winter häufen sich. Wer sich in den nächsten Monaten eine kleine Auszeit genehmigen möchte, dem lege ich dieses Buch sehr ans Herz:

Der Autor Axel Hacke, bekannt u.a. für seine Bücher und Kolumnen in der Süddeutschen Zeitung, fährt seit über 30 Jahren mit seiner Familie 2-3 mal pro Jahr auf die Insel Elba. Dort steht in einem kleinen Dorf ein sehr alter Turm, dieser ist das Ferienhaus der Familie. Darüber hinaus besitzt sie noch einen Olivenhain mit einem kleinen Haus.
Verbringt die Familie auf Elba ihre Ferien? Offiziell ja, doch Hacke schreibt ehrlich und humorvoll, dass es in den Wochen auf der Insel auch Vieles zu regeln gibt, seien es Reparaturen oder Veränderungen an Turm und Haus, Behördengänge, das Kümmern um den divahaften alten Fiat 500, das Ernten der Oliven und, und, und…“Garniert“ wird alles mit der unterschiedlichen Einstellung des Deutschen und der Italiener, wenn es um verbindliche Zusagen und die Ausführungen geht. Irgendwie klappt alles, na ja, fast alles, aber wann und wie, wer weiß das schon. Gelassen bleiben ist das oberste Gebot.
Durch diese Aktivitäten lernt Hacke zwar viele Dorfbewohner kennen,
jedoch gehört er nicht zu der alten Dorfgemeinschaft, kennt nicht alle früheren Geschichten und Geheimnisse, die über Jahrhunderte hinweg unsichtbare Verbindungen und Grenzen zwischen den Anwohnern geschaffen haben. Hacke beginnt trotzdem, Alltagsgeschichten über Bewohner aufzuschreiben, manche sind wahr, andere denkt er sich aus. So lernt man beispielsweise Paolo, den Kaffeemaler, kennen und Henky den Schriftsteller. Ennio, der Fiatspezialist ist dabei, Mauro, der Herrscher über den Strand und Boote, Tanneo, der verhinderte Schmied oder Ludwig, der Käfersammler.
Dieses Buch strahlt auf jeder Seite „Bella Italia“ aus und Italienfreunde werden es mögen. Wie sich die Insel in den letzten 30 Jahren verändert hat, ist mit etwas Sentimentalität zu lesen. Was mich aber besonders für dieses Buch einnimmt, das sind die Alltagsgeschichten, die zeigen, wie wenig man braucht, um ein zufriedenes Leben zu führen.

Mir fliegen z.Zt. „Müllthemen“ zu. Im Juni berichtete ich Ihnen von der App „Müllweg“, mit der man deutschlandweit wilde Müllkippen melden kann. (Siehe auch unter P.S. ). Vor einigen Wochen erschien dieser Krimi:

Kommissar Brenner hat seinen Dienst bei der Wiener Polizei quittiert und arbeitet als „Mistler“ auf einem Betriebshof. (In Österreich nennt man diesen „Mistplatz“). Sein beschauliches Leben ist vorbei, als ein Mitarbeiter in einer Wanne ein Knie findet, kurz danach ein zweites Knie auftaucht, ein Arm, eine Hand in der Wanne für Altpapier usw. Die Polizei trifft ein, angeführt von Kommissar Kopf, dessen Chef Brenner früher war. Das Verhältnis der beiden war nicht das beste, sie besprachen immer nur das Nötigste miteinander.
Die Fundstücke gehören zu einer männlichen Leiche. Ihre Identität wird recht schnell festgestellt und die flüchtige Ehefrau wird des Mordes verdächtigt. Die Tochter verteidigt die Mutter und macht darauf aufmerksam, dass das Herz der väterlichen Leiche fehlt. Auch wirft sie zum ersten Mal das Wort „Organhandel“ in die Runde. Doch da sind sich Kopf und Brenner ausnahmsweise einmal einig und tun das als Hirngespinst ab. Brenners Einstellung zu diesem Thema ändert sich, als der Praktikant des Betriebshofes, mit dem sich die Tochter angefreundet hat, erst verschwindet und dann bei einem Unfall am Chiemsee umkommt. Brenners Gehirn arbeitet auf Hochtouren: Seitdem die Leichenteile gefunden wurden, tauchte der Chiemsee in Nebensätzen schon mehrmals auf. Doch in welchem Zusammenhang?
Wolf Haas ist und bleibt einer meiner bevorzugten Krimiautoren. Die Geschichte wird von einer unbekannten Person erzählt. Diese sehe ich vor mir, wie sie mit mir in einer Kneipe sitzt und mir in ihrem ganz eigenen Sprachstil, etwas schwadronierend, Brenners Erlebnisse erzählt.
P.S.: Inzwischen habe ich herausbekommen, dass man die Müllweg App nicht nur zum Melden von wilden Müllkippen benutzen kann, sondern auch, um auf andere Missstände hinzuweisen.

Wie man auf diesem Screenshot sieht, klappt ein Fenster auf, geht man auf den kleinen Pfeil links neben „Wilder Müll“. Nun kann man ein anderes Thema anklicken oder unter „Sonstiges“ auf etwas hinweisen. Ich habe beispielsweise auf frisch gepflanzte Bäume am Duisburger Hauptbahnhof aufmerksam gemacht, die schon halb vertrocknet waren und die unbedingt gegossen werden mussten. Einen Tag später bekam ich von den Wirtschaftsbetrieben die Bestätigung, dass man sich darum kümmern würde. (Ich denke positiv und glaube daran…).

Johan Zweipfennig, ein Busfahrer aus Neumünster, geht in seiner Mittagspause in eine Telefonzelle, um seine Tochter Marie anzurufen. Er findet in der Zelle einen Zeitplaner, den er einsteckt. Dass er Marie nicht erreicht, sondern nur „Kein Anschluss unter dieser Nummer“ hört, wirft ihn aus der Bahn, doch dann passiert noch etwas Fürchterliches, so dass Johan eine längere Zeit in einer Fachklinik für psychiatrische Erkrankungen verbringen muss. Erst als es ihm wieder besser geht, findet er die Kraft, den Zeitplaner zurückzusenden. Er legt einen Brief mit einer Entschuldigung bei, inzwischen sind drei Jahre vergangen.
Jana, die Besitzerin des Zeitplaners, schreibt Johan zurück und es entwickelt sich eine außergewöhnliche Brieffreundschaft, denn auch Jana hat eine Tochter, von der sie nicht weiß, wo sie ist.
Jana lebt in Freiburg, stammt aber aus Neumünster und die beiden entdecken Schnittpunkte in ihren Lebensläufen. Gemeinsam ist ihnen auch, dass das aktuelle Leben für sie ein andauernder Kampf ist. Johan hat eine ganze Kollektion von Ängsten, denen er sich täglich stellen muss, Jana hatte einen sehr schweren Unfall und die langandauernde Genesung gibt ihr viel Zeit, über ihre Vergangenheit mit diversen Dämonen nachzudenken.
Johan und Jana sind zwei Fremde, die sich, gerade weil sie sich fremd sind, Wahrheiten sagen bzw. schreiben können. Sie helfen sich damit gegenseitig, die Dunkelheit in ihrem Leben ganz langsam hinter sich zu lassen. Am Ende des Buches, nach fünf Monaten Korrespondenz, reist Jana zu einer Beerdigung nach Neumünster. Vielleicht wird sie Johan sehen, vielleicht nicht.
Anne von Canal und Heikko Deutschmann haben gemeinsam einen tollen Briefroman geschrieben, der wohl kaum jemand unberührt lässt.

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Dieser Krimi taucht seit April in diversen Bestsellerlisten auf. Ich habe ihn letzte Woche zu Ende gelesen und er beschäftigt mich immer noch.
Worum geht es? Eine japanische Ärztefamilie gibt ein rauschendes Fest, da vier Personen aus der Familie am selben Tag Geburtstag haben. Freunde, Nachbarn, Kunden, Kollegen kommen, um zu feiern, bzw. ihre Aufwartung zu machen. Geschenke werden abgeliefert, u.a. eine Lieferung Sake. Er wird auf der Feier angeboten und siebzehn Personen sterben daraufhin qualvoll, denn der Sake war vergiftet. Drei Personen überleben den Anschlag. Die Polizei versucht vergeblich, das Verbrechen aufzuklären, bis ein Brief bei einem Selbstmörder gefunden wird, der die Schuld für das Verbrechen auf sich nimmt. Der Fall gilt als abgeschlossen, doch für den ermittelnden Kommissar und auch für einige andere Personen bleiben Ungereimtheiten zurück.
Nach vielen Jahren beginnt jemand, die nicht näher vorgestellt wird, den Fall neu aufzurollen und Menschen, die in irgendeiner Form damals involviert waren, zu befragen. Aus diesen „Interviews“ besteht das Buch und ich empfand die Lektüre als recht anspruchsvoll, denn nur langsam hat es sich mir erschlossen, in welchem Verhältnis sie zueinander standen. Ein bisschen zum Luftholen kamen meine grauen Zellen, wenn es um den früheren Kommissar ging, denn er erinnerte mich an den Fernsehkommissar „Colombo“. Doch zum Ende des Buches, als ich dachte, dass nun die Auflösung zum Greifen nah sei, ließ das Buch mich verwirrt zurück und mir ist leider nicht klar geworden, warum und wieso diese Morde von wem begangen worden sind.
Das Buch ist spannend und durchaus faszinierend zu lesen. Sollten Sie sich auf diesen außergewöhnlichen Krimi einlassen, hier drei Tipps. Achten Sie bei Ihrer Lektüre auf die Mutter der blinden Tochter, auf das blaue Zimmer, auf die Buchautorin und auf die Blütenfarben der Kräuselmyrte. Keine Sorge, ich verrate nichts mit diesen Hinweisen, aber vielleicht schaffen Sie es, das Ende zu verstehen und könnten es mir erklären…

Nächste Woche erzähle ich Ihnen noch ein bisschen über unseren Aufenthalt in London während der Englandreise.
Heute gibt es schon den ersten Bildbeitrag. Diese Fotocollage entstand aus zwei Fotos, die ich im Eingangsbereich unseres Londoner Hotels gemacht habe. Regale, die die Eingangshalle in mehrere Bereiche einteilten, waren mit zerstörten Büchern dekoriert. Ich fühlte mich sehr unwohl.
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Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie diese Lebewesen einmal live sehen, ist eher gering. Selbst in berühmten Aquarien werden Sie sie vermutlich nicht finden.

Sie leben in mehren tausend Metern Tiefe im Meer und nur die Besatzung von Forschungsschiffen mit spezieller Ausrüstung erleben diese Meeresfauna zum Greifen nah.
Mit den nachfolgenden beiden Büchern bekommen Sie allerdings die Chance, ebenfalls einen Eindruck von der Pracht der kleinsten Lebewesen unter Wasser zu bekommen.

Das Tiefseebuch besticht neben grandiosen Aufnahmen durch fundierte Texte, die auch einem absoluten Laien verständlich machen, wie wichtig es ist, die Meere, die das größte Ökosystem auf der Erde darstellen, zu schützen. Unter den Überschriften: „Faszination Tiefe“, „An der Grenze des Lichts“, „In der ewigen Finsternis“, „Oasen des Lebens“, „Geheimnisvolles Leuchten“ und „Im Fjord“ wird verdeutlicht, dass wir Menschen staunen und viel von diesen Lebewesen lernen können. Es verblüfft beim Blättern und Lesen des Bildbandes z.B. immer wieder, welche Techniken Krebse, Quallen oder Tintenfische anwenden, um im Meer zu überleben. Da ist u.a. die Staatqualle. Sie besteht aus mehreren eigenständigen Polypen, von denen jeder dazu beiträgt, dass der Gesamtorganismus „Qualle“ funktioniert. Oder es gibt eine Tintenfischart, deren Haut eine andere Farbe annimmt, sobald sie mit Sonnenlicht in Berührung kommt. Wissenschaftler erforschen z.Zt. diese Sonnenschutzmethode, um evtl. ein nichtchemisches Sonnenschutzmittel für Menschen zu finden. Der Kinderwagen-Krebs, die Flügelschnecken, das Schokoladentröpfchen, der Peitschennasen-Anglerfisch- sie und noch viele andere Tiefseewesen warten darauf, von Ihnen entdeckt zu werden.
Das Kapitel „Fotografieren, wo andere forschen“ soll nicht unerwähnt bleiben, da es ebenso faszinierend ist.

Sind die Lebewesen im Tiefseebuch zumeist einige Zentimeter groß, geht es bei Plankton in den Größenbereich von Mikrometern. Beschäftigt man sich mit Plankton, blickt man in die Geschichte der Erde, auf der vor 4,6 bis 3,5 Milliarden Jahren im Urozean das Leben begann.
Auch in diesem Buch wird ausführlich darauf eingegangen, wie schwierig die Forschung auf diesem Gebiet ist. Um möglichst viele unterschiedliche. Arten präsentieren zu können, werden Planktonfunde u.a. aus dem Mittelmeer, dem nördlichen und südlichen Pazifik und dem japanischen Meer gezeigt.
Welche Farben, welche Formen! Die Fotos kommen mir manchmal wie Bilder aus einem Science Fiction Film vor, das Titelbild geht ja auch in diese Richtung. Die Texte sind ebenfalls gut zu lesen und zeigen deutlich auf, wie fragil der Lebensraum von Plankton und wie wichtig Plankton ist. Für die Nahrungskette, an deren Ende der Mensch steht und für das Klima, denn Plankton bindet mehr CO 2, als alle Wälder auf der Erde.


Dieses Buch ist für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert. Bettina Baltschev besucht acht Strände, um aufzuzeigen, wie unterschiedlich die Bedeutung von „Strand“ für Menschen sein kann.
Ich bin ein Strandmensch. Direkt beim ersten Kapitel über den Strand von Scheveningen wurde ich an mehrere eigene Strandepisoden erinnert. Das animierte mich, eine Liste über meine bisher besuchten Strände zu erstellen. Dabei wurde mir bewusst, wie viele verschiedene Strandgeschichten in mir selbst schlummerten. Dafür schon einmal ein Dankeschön an die Autorin!
Der Strand in Scheveningen war einer der ersten, den die Menschen bewusst besuchten und benutzten, sei es, um 1602 mit einem ersten Segelwagen über den Strand zu jagen, zum Flanieren, zum Malen oder um erste Badeversuche im Meer zu wagen. Vorher wurde der Strand hauptsächlich von Fischern bevölkert oder von Soldaten.
In den oberen Schichten war es plötzlich chic, sich am Strand aufzuhalten, auch die positive Wirkung des Meeres auf die Gesundheit wurde wichtig. Doch diese Exquisität bröckelte und das „gemeine Volk“ rückte nach. Die Strände von Brighton und Benidorm dienen als Beispiele. Unterhaltung rund um die Uhr wurde genauso wichtig wie das Liegen am Strand. Damit verbunden die Verschandelung der Küste durch maßloses Bauen von Hotelklötzen.
Der Strand als Ort von Geschichte…Ostende- deutsche Literaten wie Irmgard Keun, Stefan Zweig oder Joseph Roth flüchten in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts an diesen Ort und hoffen bis zuletzt, dass der Krieg nicht ausbricht. Utah Beach in der Normandie- die Alliierten landen während des zweiten Welt an diesem Strand. Heute verdient man vor Ort mit den Erinnerungen Geld. Lesbos- Touristen flüchten von den Stränden, weil Flüchtlinge an den Strand kommen, weil er das Ende der Lebensgefahr bedeutet und zum Hoffnungort wird.
Bleiben noch die Strände von Hiddensee und Ischia. Auch hier spielt die Geschichte eine Rolle, aber der Sehnsuchtsort „Strand“ in unseren Köpfen wird hier von der Autorin noch einmal genau unter die Lupe genommen.


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