Ein Krimi als Schlafdieb

Cy Baxter ist ein engagierter Milliardär in den USA. Seine Firmen produzieren Produkte, die die Welt verbessern sollen, Baxter hat den Ruf eines Weltretters. Besonders ist er motiviert bei der Entwicklung der Überwachungssoftware „FUSION“, die zukünftig Verbrecher in kürzester Zeit ermitteln soll. Michael, sein Freund und der Bruder seiner Frau Erika, wurde ermordet und der Täter ist immer noch nicht gefasst.
Die CIA ist an einer Zusammenarbeit mit Baxter interessiert und will die Weiterentwicklung von FUSION finanziell großzügig unterstützen. Allerdings verlangt sie eine Demonstration des Überwachungsprogramms. Baxter sucht daraufhin zehn Freiwillige, die für 30 Tage untertauchen und er und sein Stab müssen die zehn „Zeros“ in diesem Zeitraum finden. Wer es schafft, FUSION zu überlisten, erhält eine Million Dollar Belohnung.
Der Milliardär ist siegessicher und schnell fängt er die ersten Kandidaten. Doch dann verhält sich eine bis dahin eher als schwache Kandidatin eingestufte Bibliothekarin ungewöhnlich und überrascht durch unerwartete Cleverness und Abgebrühtheit. Die Zeit läuft Baxter davon. Er verliert seine edle Gesinnung und wird zum Mörder, da er plötzlich der Gejagte ist.

Mehr darf ich nicht verraten.

Nur so viel: Der Krimi ist ein Schlafdieb! Das Buch ist leicht zu lesen und äußerst spannend, da die Handlung mehrere Kehrtwenden macht. Und wenn man sich dann endlich von dem Buch gelöst hat, kann man nicht einschlafen, denn besonders die Passagen, die die aktuellen Möglichkeiten der Überwachungssoftware dank verbesserter Algorithmeneigenschaften beschreiben, halten einen wach. Gruselig!

Surreale Krimikarten

2021 und 2022 schrieb ich bereits zwei Blogbeiträge über die Autorin Herta Müller, die mehrere Bücher mit Collagetexten veröffentlicht hat. Damals versuchte ich mich auch in ihrer Kunst, aus Wörtern, die aus Zeitungen ausgeschnitten sind, Sätze zu bilden, die entweder einen schrägen Humor, Kopfkino oder etwas Surreales vermittelten. Mir machte das damals sehr viel Spaß.
Anlässlich des 70.sten Geburtstages von Herta Müller im August hörte ich im Deutschlandfunk ein Interview mit ihr und diese Interviewpassage brachte mich dazu, erneut zur Schere zu greifen:

Sinnsuche mit Schere und Klebestift: Herta Müllers Wörterwerkstatt© Deutschlandradio / Carsten Hueck
Diese Collagen, in denen Bild und Text, Buchstaben und Wörter eine rhythmische, formale und inhaltliche Verbindung eingehen, sind mittlerweile fester Bestandteil ihres Werkes. Beim Zusammensetzen der Wörter hinsichtlich eines Sinns spielen Intuition und Handwerk eine große Rolle, alte Kontexte werden zerstört, ein neues Gefüge hergestellt. Spielerisch und auch humorvoll, surreal, doch zugleich konkret wie die Botschaft eines Erpresserbriefes.

Wie beeinflussen meine Erlebnisse und meine Gedanken die Auswahl der Wörter für einen Postkartentext? Nun bei den folgenden meiner neuen Karten hat wohl die Tatsache eine Rolle gespielt, dass ich in letzter Zeit wieder mehr Krimis lese…

Am Mittwoch stelle ich Ihnen einen Thriller vor, der mich bestens unterhalten hat.

Aus meinem persönlichen Tieralbum

Im letzten Jahr machte ich Sie bereits mit einigen meiner tierischen Entdeckungen in meiner 365 Bildergalerie bekannt. In diesem Jahr sind nun einige neue Spezie hinzugekommen und werden von Wissenschaftlern der Naturwissenschaften heftig diskutiert. Um nicht die geringen Populationen dieser Tierarten zu gefährden, verzichte ich darauf, die Standorte meiner Funde zu benennen.

Kleiner Lassofisch
Schlossohrenschoßhund
Spitzbärtige 24Augenqualle
Katalonische Korkfellkatze
Bluedoublebubble Spider

Von der Kunst, gute Gespräche zu führen

Der Untertitel dieses Buches sprach mich an und ich griff in der Stadtbücherei zu.

Am Anfang macht die niederländische Autorin eine Bestandsaufnahme, wie Gespräche in der heutigen Zeit zumeist ablaufen. Bei dieser Auflistung fühlte ich mich ertappt und fand es gut, dies einmal so deutlich vor Augen geführt zu bekommen:

  • Wir hören nicht richtig oder gar nicht zu. Stattdessen gucken wir auf das Handy oder überlegen, während der andere spricht, was wir gleich sagen wollen.
  • Wir lassen unser Gegenüber nicht ausreden und fallen ihm ins Wort, um selbst etwas anderes zu erzählen.
  • Wird von einem Problem berichtet, sind wir schnell mit Rat und Tat zur Stelle, anstatt mit weiteren Fragen auf den Kern des Problems zu kommen.
  • Gerne „kapern“ wir auch ein Gesprächsthema. Jemand erzählt beispielsweise von seinem Urlaubsort, dann legen wir direkt los und berichten, was wir dort erlebt haben. Die andere Person kann nicht zu Ende erzählen.
  • Jemand spricht von einer unschönen Erfahrung, das können wir dann oft noch toppen!

Warum ist das so? „Fragen zu stellen, ist nicht angenehm- über sich selbst zu reden schon“ ist die Antwort der Autorin.

Was aber ist ein wirklich gutes Gespräch?

Elke Wiss, die sich als praktische Philosophin bezeichnet, gibt zuerst eine Anleitung, wie man mit einer Person ein Gespräch à là Sophokles führt. Sophokles war stets ein neugieriger Mensch, der bis zum Lebensende sein Wissen vergrößern wollte. So stellte er seinem Gegenüber Fragen und führte sich selbst und im besten Fall auch die andere Person am Ende des Gesprächs zu einer neuen Erkenntnis. Die Autorin beschreibt zur Veranschaulichung dieses Vorgangs einige Fälle aus ihrer eigenen Praxis als Therapeutin und Leiterin von diversen Workshops. Eine Lehrerin kommt zu ihr und will wissen, ob sie selbst zu Rassismus neigt oder ein Mann plagt sich mit der Frage, ob er seinen Freund belügen darf. Die Autorin befragt die Ratsuchenden ohne Empathie und ohne Scheu vor etwaigen Verletzungen von Gefühlen. Sie akzeptiert, dass sie durch ihre Fragen unsympathisch wirkt und eventuell das Ziel, ihrem Gegenüber zu helfen, nicht erreichen wird. Das ist in ihren Augen ein gutes Gespräch und so sollte man auch Gespräche im Freundes-und Bekanntenkreis führen.
Im zweiten Teil des Buches werden verschiedene Möglichkeiten behandelt, wie man u.a. allein durch die richtige Wortwahl gute Fragen stellen kann und wie aus einer reinen Fragestellung ein gutes Gespräch wird.

Elke Wiss hat das Credo, dass man mit sophoklischen Gesprächen die Welt ein bisschen verbessern kann und um diese Botschaft zu verbreiten, veröffentlichte sie ihr Buch.
Mir sind die Regeln für eine sophoklische Fragehaltung zu radikal. Aber das ist sicherlich eine Mentalitätsfrage. Neben der o.g. Auflistung habe ich im zweiten Buchteil einige Anregungen gefunden, um den Versuch zu starten, Gespräche zukünftig weniger oberflächlich verlaufen zu lassen.

Verborgen in meinem Garten

Vor einigen Jahren war ich im ARP Museum in Remagen, das u.a. für seine großen Skulpturen bekannt ist. In einem Raum gab es aber auch eine Ausstellung von Miniaturskulpturen und diese gefielen mir fast noch besser. Solche kleinen Kunstwerke zu erschaffen, das würde ich irgendwann auch einmal versuchen!
Vor einigen Wochen nahm ich mir einen Klumpen Ton und legte los. Hier einige Beispiele aus meinem Miniskulpturenpark. Ich habe die Figuren (keine ist größer als 5 cm) im Backofen und an der Luft getrocknet und danach zweimal mit Bootslack bepinselt.

Adrian im Garten
Tropfenfänger
Diskrete Stele
Planethalter
Atlas

Wenn der Herbst kommt, werde ich die Figuren an Stellen platzieren, an denen Sommerstauden komplett einziehen. Dann buddele ich im nächsten Frühjahr nicht an falschen Stellen.

Wann haben Sie das letzte Mal Ihre Nase gelobt?

Im ersten Kapitel dieses Buches

schreiben die Autoren ein Hohelied auf unsere Nase. In unserer Nase befinden sich 20 Millionen (!) Riechzellen, die sich ca. alle vier Wochen erneuern und Düfte wahrnehmen. Diese werden an 400 Riechrezeptoren weitergeleitet, die einen Duft analysieren. Diesen „Job“ macht unsere Nase ununterbrochen, selbst in der Nacht bei jedem Atemzug. Das ist wichtig, denn die Interpretation der Düfte kann für uns lebenswichtig sein, wie z.B. bei Rauch, Gas oder ätzenden Gerüchen. Bei Gestank versucht die Nase, das Riechen herunterzufahren, bei angenehmen oder leckeren Düften intensiviert sie ihre Arbeit. So kommen auch besondere Geschmackserlebnisse zustande, die Geschmacksknospen auf der Zunge könnten dies alleine gar nicht leisten. Was wären wir also ohne unsere Nase?
Nach dem ersten Kapitel war ich von dem Buch schon sehr angetan, aber es sollte sich noch steigern. So erfährt man, dass es nicht nur in der Nase, sondern auch in anderen Organen Riechrezeptoren gibt. Diese Erkenntnis hat die Wissenschaft noch nicht sehr lange und daraus ergeben sich große Forschungsmöglichkeiten. Die beiden Autoren arbeiten an der Bochumer Ruhr- Universität auf diesem Gebiet und geben mehrere Beispiele: Ein Gehirntumor verlangsamt das Wachstum, nachdem er mit bestimmten Düften konfrontiert wird. Bei Asthma hebt ein bestimmter Duft die Verengung der Bronchien auf. Im Darm und im Herz gibt es Riechrezeptoren für Fette. Riecht ein Organ zu viel Fett, löst dies Krankheiten aus. Ein Antiduft kann das stoppen.

Weitere Kapitel beschäftigen sich u.a. mit den Gebieten „Tiere und Düfte“ (kann ein Tier die Krankheit eines Menschen riechen und anzeigen?), Manipulation durch Düfte in der Wirtschaft (durch Düfte werden Käufer angeregt, mehr Geld auszugeben) oder Verbesserung der Hirnleistungen durch Düfte ( kann Gehirnjogging mit Düften die Entwicklung von Alzheimer oder Demenz beeinflussen?)

Auf 141 Seiten gelingt es den Autoren, dieses sehr komplexe Thema so zu erklären, dass man es ohne medizinische Vorbildung gut versteht. Ihr Enthusiasmus für Düfte ist so groß, dass sie ein eigenes Parfüm herausgebracht haben. Es heißt „Knowledge“ und ist im Einzelhandel erhältlich.
Mein Interesse an der Wirkung von Düften hat sich vergrößert und
seit vorgestern mache ich sogar ein Experiment. Laut einer Studie mit einer großen Gruppe von Studenten soll Rosenduft das Behalten von Gelerntem verbessern. Ich habe mir ein mit Rosenöl getränktes Taschentuch in mein französisches Vokabelheft gelegt… Sollte es nicht helfen, erfreue ich mich wenigstens an dem Duft!

Besuch in Haus Ripshorst

Eine Ausstellung des Künstlerpaars Detlef Kelbassa und Corinna Kuhn mit ihren bunten Pflastersteinen, Dachziegeln und schönen Fliesen ist z.Zt in Oberhausen in Haus Ripshorst zu sehen. Wer Anregungen für eine besondere Bodengestaltung seiner Terrasse oder Gartenwege sucht oder wer vielleicht selbst töpfert, wird hier Ideen finden.

Obere Reihe: Schwarzweiße Kacheln, daneben bunte Dachziegel, beide durch Vitrinenglas fotografiert.
Unten links: Bunte Pflastersteine für Innen- oder Außenräume. (Siehe nächstes Bild)
Unten rechts: Mit farbigen Engoben bemalte Keramikfliesen mit dem Titel „Fragmente eines Stadtplans“.
Mehr Informationen zu den Künstlern auf www.wundersame.de

Aber auch Naturfreunde kommen hier auf ihre Kosten. Es gibt eine weitere permanente Ausstellung zum Thema Emscherpark, einen Bauerngarten, ein Bienenhaus, Veranstaltungen und Produkte der Region werden angeboten.


Über die Grenzen bekannt ist Haus Ripshorst allerdings wegen seines Gehölzgartens, zu dem ca. 6000 Bäume gehören. Viele verschiedene Arten werden gezeigt, die ältesten Arten sind ca. 60 Millionen Jahre alt. Auf Schautafeln erfährt man z.B. etwas über die Entwicklung der Bäume und welche Besonderheiten sie aufweisen.

Da der Garten direkt auch am Rhein-Herne-Kanal liegt, lässt sich hier ein interessanter Spaziergang machen, bei dem man auch noch dem Zauberlehrling „Guten Tag“ sagen kann.

Diese Stahlskulptur wurde 2014 installiert.

Bald ist wieder Herbst. Dies ist vielleicht die schönste Zeit, den Gehölzgarten zu besuchen und sich an der Farbenpracht der verschiedenen Bäume zu erfreuen.

Ein paar Blätter vom letzten Jahr als Einstimmung

Ein neuer Anfang am Meer

Eine Frau, Ende 40, lässt sich von ihrem Mann Otis scheiden, nachdem ihre Tochter Ann ausgezogen ist. Die Frau liebt ihren Mann noch, doch dieser lebt seit Jahren für die große Katastrophe, die kurz bevorsteht und hortet dafür alles, was man für Krisenzeiten gebrauchen kann. Er nennt es sein Archiv, seine Wohnung lässt sich kaum noch betreten, auch die Wohnung der Frau ist voll.
Die Frau mietet sich ein kleines Haus am Meer. Hier lebt ihr älterer Bruder in einem Dorf und hat eine Touristenkneipe, in der sie arbeiten kann. Schnell muss sie sich um fast alles kümmern, denn ihr Bruder hat sich in Nike verliebt und ist wie gelähmt. Nike ist eine junge Frau Anfang 20, die in der Kindheit schwer misshandelt wurde. Sie zeichnet sich durch völlig unvorhersehbares Verhalten aus und quält damit den alten Mann.
In ihrer wenigen Freizeit genießt die Frau ihr leeres Haus, liest, spricht mit ihrer Tochter auf Skype oder schreibt kurze Briefe an Otis. Das ändert sich, als sie eine neue Nachbarin bekommt. Die ältere Mimi stammt aus dem Dorf und kehrt nach vielen Jahren zurück. Sie ist Künstlerin und Lebenskünstlerin und möchte die Frau für das Schöne und Wichtige im Leben begeistern. So macht sie sie u.a. mit ihrem Bruder Arild bekannt. Die Frau und er werden heimlich ein Liebespaar.
Nike wird ermordet auf einem Parkplatz aufgefunden. Fast gleichzeitig wird die Frau auf den runden Geburtstag von Mimis und Arilds Mutter eingeladen, an dem die ganze Dorfgemeinschaft teilnimmt. Ist die Frau jetzt angekommen und hat ein neues Leben gefunden? Oder zieht sie weiter, frei von jeglichen Verpflichtungen gegenüber anderen Menschen?

Ich liebe die Sprache von Judith Hermann, mit der sie ganz ruhig und schnörkellos eine Geschichte erzählt.