Wenn Düfte zu Farben werden (2)

Letzte Woche schrieb ich über ein kleines Experiment. Meine Versuche bestanden darin, nicht benannte Düfte in Farben umzusetzen. (Link zu dem Artikel siehe unten). Heute zeige ich Ihnen vier Bilder. Ich habe zu jedem Duft eine Farbpalette angelegt und mit den Farben einer Palette ein Bild gemalt, das die Eindrücke, die ich bei dem Riechen eines Dufts sammelte, darstellen sollte.


Erst nach dem Malen der Bilder sah ich nach, mit welchen Düften ich es zu tun hatte. Zwischen „Punktlandung“, völligem Versagen meiner Nase und „na ja, ist ok“ konnte ich wählen.
Dies waren die Düfte: Pfefferminze, Paprika, Magic Beeren-Tee und Malve/Hibiskustee: Welches Bild passt zu welchem Duft?

Ich fange mit der schlechten Nachricht an: Oben rechts…Nein, es sind nicht die Beeren, es ist Pfefferminze…Nix Grünes. Ich mag den Pfefferminzgeruch sehr, doch diese anonyme Mischung empfand ich als unangenehm und sie belegte meine Lunge. Deshalb unten kleine erdrückte Lungenbläschen.

Oben links: Malve- ich kam mir ein bisschen wie in einem Dschungel vor.
Unten rechts: Magic Beeren. Ich fand den Duft schneidend, deshalb habe ich im unteren Bereich zackige Eisschollen gemalt, der „Duftabgang“ war dann frisch.
Unten links: Paprika!

Mir hat dieses Experiment viel Spaß gemacht. Komme ich demnächst mal bei einem Teeladen vorbei, werde ich nicht sofort auf die Tütenbeschriftungen sehen, sondern erst einmal meine Nase arbeiten lassen und die Augen schließen.

Wenn Düfte zu Farben werden (1)

Im Februar schrieb ich über eine Ausstellung zum Thema „Duft“, die ich zusammen mit meiner Freundin besuchte. (s. unten „ Duft-Challenge für ein Jahr). Uns beide hat das Thema seitdem nicht mehr losgelassen und so bekam ich vor Kurzem von meiner Freundin eine Duftbox zur Verfügung gestellt. Diese Box enthält zehn nummerierte Gläser, darin befindet sich jeweils ein schwarzes Säckchen mit einem unbekannten Duftträger.

Die Idee dahinter ist, an einem Glas zu riechen und dann zu versuchen, die Eindrücke in Farben darzustellen ohne zu wissen, um welchen Duft es sich handelt.(In der Box befindet sich eine Liste, auf der hinter jeder Nummer der Duft notiert ist, dieses Blatt Papier legte ich aber schnell bei Seite, um nicht beeinflusst zu werden). Auf vorbereiteten Aquarellpapierstücken kann man die verschiedenen Farbempfindungen aufmalen.

An einem Samstagnachmittag fing ich an, saß im Wintergarten bei offener Tür, die Sonne schien, ein leichter Wind wehte in den Raum. Ich griff mir wahllos ein Glas, es war die Nummer 9, schraubte es auf und roch daran. Was für ein Duft! Mein erster Eindruck: Sehr intensiv, unangenehm schneidend, etwas beißend, aber auch frisch. Mir kam der Duft bekannt vor, aber ich konnte ihn nicht zuordnen. Um ihn aufzuschlüsseln, roch ich im nächsten Schritt nur mit dem rechten Nasenloch. Der Duft war viel schwächer und es kam eine erdige Komponente dazu. Mal roch ich mit offenen, mal mit geschlossenen Auge, auch das machte einen Unterschied aus. Nur mit dem linken Nasenloch riechend, empfand ich wieder diese kratzige Schärfe und ich verband damit das Bild von scharfen Eisschollenkanten. Doch die Frische mit einem Hauch von Zitrone übernahm wieder die Oberhand und dieser Eindruck blieb dann auch bis zum Schluss.

So sieht diese Farbkarte aus. Auf der rechten Seite gehören die unteren vier Kästchen dem rechten Nasenloch, daneben dem linken, die oberen vier Felder zeigen das Ergebnis des kompletten Empfindens, wobei oben rechts das Endergebnis zu sehen ist.

Am nächsten Morgen öffnete ich erneut das Glas…Hallo Nase, bist du schon wach? Ich erlebte einen feinen Duft, bei dem ich nur mit viel Konzentration die Ingredienzien wiederfand, die ich einen Tag zuvor erschnüffelt hatte. Jetzt war das zweite Farbfeld von oben rechts das passende.

Ein neues Glas:

Die erste Wahrnehmung bei Glas Nr. 5: Meine Lungen werden zugedeckt, was ich als sehr unangenehm empfand. Aber mir kam sofort ein bräsiges dunkles Lila in den Sinn. Beim mehrmaligen Riechen ploppten dann Bilder von Himbeeren auf, in die sich aber immer mehr Blaubeeren vermischten. Konkret zuordnen konnte ich den Duft nicht.
Mein morgendlicher Eindruck am nächsten Tag war auch ein anderer. Jetzt tauchte plötzlich etwas schmierig Braunes auf und das dritte rechte Farbfeld von oben entsprach meinen Empfindungen.

Glas Nr. 7 öffnete ich am Sonntag. Der selbe Sitzplatz, aber keine Sonne und kein Wind. Der Duft war bei weitem nicht so intensiv wie am Vortag. Ich vermute, dass es mit der Wärme der Sonne zusammenhängt.
„Das ist ein Konfettiduft“, war mein erster Gedanke. Sofort sah ich mehrere Farben in Punkten, völlig ungeordnet, die Farbe Orange war etwas dominierend. So trug ich auf dieser Karte die Farben auch ungeordnet ein:

Glas Nr. 1 (Die Sonne schien wieder, ein leichter Wind wehte): Für mich ein fast eindeutiger grüner Duft, die Feldaufteilung richtet sich hier wieder nach den verschiedenen Eindrücken meiner beiden Nasenlöcher.

Ich habe bisher noch nicht auf den Zettel geguckt, was für Düfte es sind, mit denen ich mich beschäftigt habe. Vielleicht möchten Sie ja mitraten?
Über den zweiten Teil des Experiments schreibe ich am Freitag. Es besteht darin, aus den jeweiligen Farbtabellen ein abstraktes Bild zu malen, das den Duft beschreibt. Ja und dann gucke ich auf die Liste und bin schon sehr gespannt, ob die Bilder den Duft wiedergeben.

„Duft Challenge“ für ein Jahr

Am vorletzten Sonntag besuchten meine Freundin und ich im Düsseldorfer Kunstpalast die Ausstellung „Die geheime Macht der Düfte“. Wir waren und sind von dieser Ausstellung, die wir uns 2 1/2 Stunden ansahen, derart begeistert, dass ich Ihnen einen Besuch sehr ans Herz legen möchte.
Man kann sie noch bis zum 22. März 25 besuchen. Sie ist in ihrer Konzeption auf der Welt wohl ziemlich einzigartig, das erfährt man in dem kurzen Einführungsvideo auf der Kunstpalastseite im Internet. In dem Video erklärt der Ausstellungskurator Robert Müller-Grünow, wie vielfältig das Thema Duft ist, welche Quellen er hinzugezogen hat und gibt einen Ausblick, wie der Einsatz von bestimmten Düften zukünftig immer mehr ein Thema in der Medizin sein wird.
Hier wird die Ausstellung beschrieben und das Video gezeigt:

https://www.kunstpalast.de/de/event/duefte

Ich hatte mich auf die Ausstellung nicht vorbereitet und erwartete eher eine nüchterne wissenschaftliche Darstellung über die Geschichte und die Erzeugung von Düften. So war ich überrascht, diese Ausstellung als integrierten Teil der permanenten Ausstellung des Kunstpalastes vorzufinden. In ca. 30 Räumen wurden verschiedene Aspekte von Düften dargestellt und die Kunstwerke korrespondierten mit diesen Aspekten. Dazu gab es jeweils verschiedene Duftstationen, wo Besucher Düfte „nasennah“ erfahren konnten. So toll!

Bekannte natürliche und chemische Düfte (z.B. der Duft des Waldes, 4711 versus Farina) wurden neben neu komponierten Düften präsentiert. Bei den Kompositionen waren einige alte Düfte dabei, die man anhand von historischen Quellen erstmals riechbar gemacht hat.

Hier ein paar Eindrücke zur Ausstellung:

Oben rechts: Zwei von ca. 20 berühmten Parfüms, die es heute noch gibt.
Der Duft Benzoin erinnerte mich an meine Kindheit.
Unten drei sogenannte Pomander, an denen man riechen konnte.
Wie hat sich der Duft von „Persil“ seit 1959 verändert? 1959 roch es ziemlich chemisch, 1986 eher blumig, 2000 angenehm neutral, 2025 „frisch“.

Mich lässt das Thema „Duft“ seitdem nicht mehr los, denn ich wurde durch die Ausstellung mal wieder daran erinnert, wie sehr Düfte das Leben bereichern können. Deshalb habe ich mit einer 365 Tage – Duft – Challenge angefangen: Jeden Tag einen anderen Duft bewusst wahrnehmen und notieren. Ich weiß nicht, ob ich das ein ganzes Jahr schaffe, aber wenn es drei oder sechs Monate sind, ist es auch gut, denn dann habe ich meine Nase trainiert.
Beim Riechen ist mir jetzt schon klar geworden, dass das Notieren auch etwas wie ein Tagebuch ist, denn durch Tätigkeiten tauchen plötzlich Düfte auf. Hier die Düfte der letzten achte Tage:

1.3.25: Hibiskusteeduft
2.3.25: Modriger Duft (Gartenteich entschlammt)
3.3.25: Duft einer ausgepustete Kerze (wir waren auf einer Geburtstagsfeier)
4.3.25: Duft von Pizza Funghi
5.3.25: Frische Bärlauchblätter
6.3.25: Der Duft im Innenraum eines Fahrstuhls
7.3.25: Der Duft von „Rotbäckchen“ (Ein Getränk aus meiner Kindheit)
8.3.25: Wick Vaporub

Wann haben Sie das letzte Mal Ihre Nase gelobt?

Im ersten Kapitel dieses Buches

schreiben die Autoren ein Hohelied auf unsere Nase. In unserer Nase befinden sich 20 Millionen (!) Riechzellen, die sich ca. alle vier Wochen erneuern und Düfte wahrnehmen. Diese werden an 400 Riechrezeptoren weitergeleitet, die einen Duft analysieren. Diesen „Job“ macht unsere Nase ununterbrochen, selbst in der Nacht bei jedem Atemzug. Das ist wichtig, denn die Interpretation der Düfte kann für uns lebenswichtig sein, wie z.B. bei Rauch, Gas oder ätzenden Gerüchen. Bei Gestank versucht die Nase, das Riechen herunterzufahren, bei angenehmen oder leckeren Düften intensiviert sie ihre Arbeit. So kommen auch besondere Geschmackserlebnisse zustande, die Geschmacksknospen auf der Zunge könnten dies alleine gar nicht leisten. Was wären wir also ohne unsere Nase?
Nach dem ersten Kapitel war ich von dem Buch schon sehr angetan, aber es sollte sich noch steigern. So erfährt man, dass es nicht nur in der Nase, sondern auch in anderen Organen Riechrezeptoren gibt. Diese Erkenntnis hat die Wissenschaft noch nicht sehr lange und daraus ergeben sich große Forschungsmöglichkeiten. Die beiden Autoren arbeiten an der Bochumer Ruhr- Universität auf diesem Gebiet und geben mehrere Beispiele: Ein Gehirntumor verlangsamt das Wachstum, nachdem er mit bestimmten Düften konfrontiert wird. Bei Asthma hebt ein bestimmter Duft die Verengung der Bronchien auf. Im Darm und im Herz gibt es Riechrezeptoren für Fette. Riecht ein Organ zu viel Fett, löst dies Krankheiten aus. Ein Antiduft kann das stoppen.

Weitere Kapitel beschäftigen sich u.a. mit den Gebieten „Tiere und Düfte“ (kann ein Tier die Krankheit eines Menschen riechen und anzeigen?), Manipulation durch Düfte in der Wirtschaft (durch Düfte werden Käufer angeregt, mehr Geld auszugeben) oder Verbesserung der Hirnleistungen durch Düfte ( kann Gehirnjogging mit Düften die Entwicklung von Alzheimer oder Demenz beeinflussen?)

Auf 141 Seiten gelingt es den Autoren, dieses sehr komplexe Thema so zu erklären, dass man es ohne medizinische Vorbildung gut versteht. Ihr Enthusiasmus für Düfte ist so groß, dass sie ein eigenes Parfüm herausgebracht haben. Es heißt „Knowledge“ und ist im Einzelhandel erhältlich.
Mein Interesse an der Wirkung von Düften hat sich vergrößert und
seit vorgestern mache ich sogar ein Experiment. Laut einer Studie mit einer großen Gruppe von Studenten soll Rosenduft das Behalten von Gelerntem verbessern. Ich habe mir ein mit Rosenöl getränktes Taschentuch in mein französisches Vokabelheft gelegt… Sollte es nicht helfen, erfreue ich mich wenigstens an dem Duft!

Was wissen Sie über Ihren Geruchssinn?

Hören und Sehen sind für uns die beiden wichtigsten Sinne, doch wie ist es mit dem Geruchssinn? Wäre sein Verlust ebenso dramatisch?

Vor zwei Wochen beendete ich dieses Buch:

Die amerikanische Autorin erzählt von 6 Jahren ihres Lebens. Sie hat einen schweren Unfall, als sie gerade dabei ist, zu einer sehr guten Köchin ausgebildet zu werden. Mehrere Knochenbrüche und Abrisse fordern Operationen und eine lange Heilungszeit. Doch viel schlimmer ist der anfänglich komplette Verlust ihres Geruchssinns. Augenscheinlich ihrer Zukunft als Köchin beraubt, studiert sie Journalismus und beginnt, sich intensiv mit der Welt des Riechens zu befassen. Sie besucht mehrere Professoren, die den Geruchssinn erforschen, um auf den neusten Wissensstand gebracht zu werden. Auch trifft sie den bekannten Psychologen Oliver Sacks, der über Menschen mit ausgefallenen Krankheitsbildern Bücher geschrieben hat. In einer Firma erfährt sie viel über künstliche Geruchs-und Geschmacksverstärker und nach vier Jahren, als ihr Geruchssinn fast wieder hergestellt ist, besucht sie im französischen Grasse einen Kurs zur Parfümherstellung.

Spätestens am Ende des Buches weiß man als Leser, dass der Geruchssinn überaus wichtig ist, wenn es um den Wert des eigenen Lebens und um das Zusammenleben mit anderen Menschen geht. Die Autorin erzählt von vielen Gesprächen mit anderen Betroffenen. Sie beschreiben, wie schwer es ist, nicht jeden Lebenssinn zu verlieren, wenn man nicht riechen kann.

Das Buch ist einfach und dabei sehr persönlich geschrieben. Man leidet mit der Autorin oder freut sich, wenn sie etwas Neues riechen kann oder ein Kochrezept trotz unvollständigem Geruchssinn gelingt.(Ihr Traum, Köchin zu werden, gewinnt im Laufe der Geschichte wieder an Bedeutung). Birnbaums Enthusiasmus, riechen und auch schmecken zu können, ist ansteckend und ich bemerkte, dass ich meine Nase und was sie roch, in den folgenden Tagen öfter registrierte als vor der Lektüre. So war auch der Besuch in Düsseldorf, über den ich morgen schreibe, auch etwas von dieser Leseerfahrung beeinflusst.