Einsame Socke sucht…

Neben der Waschmaschine steht bei mir eine Kiste, in der ich einzelne Socken sammle. Meine Hoffnung besteht immer, dass Socken aus dem Nirwana wieder auftauchen und ich dann wieder ein Paar zusammenführen kann. Nach ein paar Monaten schwindet allerdings mein Glauben an ein romantisches Ende und dann habe ich bisher die einzelnen Exemplare weggeworfen. Mir kam dann aber die Idee, doch mal im Internet die Begriffe „einzeln“, „Socke“ und“basteln“ einzugeben und da wurde ich fündig. 16 Ideen werden auf einer Seite präsentiert.

Ich probierte direkt eine Idee aus.

 Wenn mein Tee ein bisschen länger heiß bliebe, hätte ich nichts dagegen. So machte ich ein Experiment und schnitt eine schwarze Socke tassenkompatibel ab. Das Experiment fiel etwas unbefriedigend aus, denn die Sockentasse schnitt beim Hitzetest nicht viel besser ab. Aber das lag vielleicht auch an der zu dünnen Socke? Sobald eine einzelne dicke Socke übrig bleibt, werde ich es noch einmal versuchen.

Auf dieser Seite

https://www.smarticular.net/clevere-tricks-fuer-verwaiste-und-ungenutze-socken/

finden Sie die 16 Bastelanregungen. Ich werde sicherlich noch andere Vorschläge ausprobieren, vielleicht kommen mir dabei ja auch noch neue Ideen…

Morgen ist noch einmal Haikuzeit, das schöne Wetter war letzte Woche wirklich sehr anregend.

 

Bügeln als Bestrafung

Tonia wird auf einem Segelboot geboren, mit dem ihre Eltern über die Weltmeere fahren. Beide sind Wissenschaftler und dank einer Erbschaft sehr vermögend, so dass sie als Beschäftigung Pflanzen sammeln. Die Mutter übernimmt den Schulunterricht von Tonia und das Mädchen ist eine ausgezeichnete Schülerin, wie jährliche Tests in Wien zeigen. Den zweiten Lebensabschnitt verbringt Tonia in einem italienischen Internat. Dort erhält sie eines Tages die Nachricht, dass ihre Eltern tödlich verunglückt sind und erfährt gleichzeitig, dass sie eine Halbschwester hat, Hannah. Beide jungen Frauen verstehen sich blendend, so dass sie zusammen in das große Wiener Haus von Tonia ziehen. Glückliche Studienjahre folgen, Hannah heiratet und bekommt ihre Tochter Emile.Tonia liebt Emile, als wäre es ihre eigene Tochter und Tonia liebt das Leben.

Schnitt

Tonia arbeitet verarmt zwei Jahre erst als Haushälterin in Hamburg, dann zieht sie nach Heidelberg, um sich ganz auf das Bügeln der Wäsche von fremden Leuten zu konzentrieren. Das ist ihre Strafe für die Schuld, die sie ihrer Meinung nach auf sich geladen hat. Sie bekommt schnell einen festen Kundenstamm von betuchten Leuten, denn ihre Bügelkunst ist einzigartig. Tonia lebt sehr zurückgezogen, bis sie Karl Dyballa trifft, einen Mann, der wie der Lieblingsschriftsteller ihrer Mutter aussieht. Tonia und Karl freunden sich an, aber die Freundschaft reicht nicht aus, um Tonias zwanghaftes Wunsch nach eigener Bestrafung auszusetzen. Ihre Schuld ist zu groß und am Ende findet sie einen Weg, endlich ihre Schuld wieder gutzumachen.

Weitere „Zutaten“ zu dieser Geschichte, die eine Rolle spielen: Das schwarze Quadrat von Malewitsch, Whisky, schwimmen, Meeresbiologie, Mallorca, Besteigung des dritthöchsten Gipfels der Welt, eine Giraffenfotografie, Kino, Obst-und Gemüse und ein Mercedes.

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, denn Tonia ist eine außergewöhnliche und konsequente Frau. Das Buch ist für den Autor nicht typisch, denn er schreibt ansonsten sehr phantasievolle Romane oder Krimis, für die er auch schon den Deutschen Krimipreis bekam. Auch die Krimis zeichnen sich durch teilweise skurrile Handlungen aus, was bei „Der Büglerin“ aber nur manchmal aufblitzt.

Beim Bügeln fallen einem manchmal verwaiste einzelne Socken auf. Genau um diese geht es morgen.

Woche der Müllvermeidung

Europaweit ist diese Woche der Müllvermeidung gewidmet. Meine persönlichen „roten Mülltücher“ sind ja die Kapseln für Kaffeemaschinen (Seitdem Herr Clooney dafür Werbung gemacht hat, ist er bei mir fast unten durch) und Flüssigseife in Plastikflaschen anstatt normaler Seife. Aber das nur am Rande.

Vor einiger Zeit entmüllten viele Duisburger an einem Wochenende die Rheinufer. Fand ich toll und hätte gerne mitgemacht, war aber leider verhindert. So machte ich mich danach alleine auf, um ein Mini-mini-mini-Scherflein dazu beizutragen. Damit weniger in den Bäuchen von Rheinfischen landet. Ich suchte kleinteiligen Müll für meine Kartenunikate, um diese mit einzuarbeiten. Lange suchen musste ich nicht und es stellte sich heraus, dass das eine prima Idee war. Die verschiedenen Formen von Plastik, Glas, Metall usw. sind anregend für neue Bilder.

Hier ein paar Beispiele:

Wenn ich ein Ziel für einen Spaziergang brauche, mache ich mich jetzt immer zum Rhein auf. Mal sehen, ob man Teile nicht auch als Schmuckteile verwenden kann.

Morgen ist frei, am Samstag geht es weiter.

 

Haiku-Spaziergang

Am letzten Sonntag machte ich einen Spaziergang. Nach längerer Abstinenz „flogen“ mir mal wieder ein paar Haikus zu:
 
 
Blatt und drei Kreise
Geheime Zeichen für wen?
Ein kleines Rätsel
 
 
 
Der Knöterich wächst
überall so ungestüm
Blüten wie Schneefall
 
 

Blatt im Maschenzaun

Ob es auf etwas wartet?
Ja! Auf den Herbstwind
 
Morgen geht es um andere Fundstücke bei einem Spaziergang am Rhein.

Ungewöhnliches Romanthema

In jüngeren Jahren war ich ziemlich japanophil und besuchte u.a. einen Kurs zum Erlernen der  japanischen Kalligraphie. Meine Begeisterung hat sich inzwischen abgekühlt, doch als ich von diesem Roman hörte, war meine Neugierde dann doch geweckt:

Der Autor nimmt die Themen japanische Kalligraphie und neurologische Forschung und macht aus ihnen einen Roman. 

Tina hat angefangen, in San Francisco Neurologie zu studieren. Durch ihren Freund lernt sie den Leiter (Sensei) einer Kalligraphieschule in Japantown kennen, welcher vor kurzem einen Schlaganfall erlitten hat. Er ist seitdem abwesend und spricht nicht mehr. Den ganzen Tag lang malt er nur noch kalligraphische Zeichen, die auf den ersten Blick keinen Sinn ergeben. Als er allerdings Tina zum ersten Mal sieht, scheinen seine Lebensgeister etwas geweckt und Tina fängt an, den Sensei öfter zu besuchen. Dies ist ihrer Mutter Hanako überhaupt nicht recht, weil sie und der Sensei Geheimnisse teilen. Doch Tina kümmert sich weiter um den Kranken, denn ihre Professoren sind auch sehr daran interessiert, das Gehirn des Senseis zu erfoschen und zu sehen, welche Teile des Gehirns für welche kalligraphischen Zeichen zuständig sind. Doch soll man den alten Mann der Forschung aussetzen? Tina muss eine Entscheidung treffen.

Empfehle ich Ihnen das Buch als Unterhaltungsroman? Nein. Natürlich spielen die Geheimnisse der beiden alten Leute eine große Rolle in diesem Roman, doch wird ihrer beider Geschichte durch Rückblenden erzählt und das ist besonders am Anfang ziemlich verwirrend.

Empfehle ich Ihnen das Buch, wenn Sie sich für Gehirnforschung interessieren? Nein. Die Aussagen dazu bleiben oberflächlich und vage.

Was mich an diesem Buch begeisterte:

Die Frau des Autors studierte in Japan u.a. Kalligraphie und hat dieses Buch illustriert. So gibt es auf vielen Seiten neben dem Romantext Abbildungen und Erklärungen zu gängigen japanische Zeichen. Die kalligraphischen Zeichen, die der Sensei nach dem Schlaganfall gemalt hat, werden gezeigt und eine mögliche Interpretation dazu gegeben. Sich diese Zeichen anzusehen und selbst zu überlegen, was sie bedeuten könnten, war das Beste.

In diesem Buch finden sich auch einige kurze Gedichte. Diese brachten mich dazu, nach längerer Zeit mich mal wieder mit dem Verfassen von Haikus zu beschäftigen. So ist morgen Haiku-Zeit!

 

Das wahre Buch für usselige Tage

Dieses Buch erschien erstmals 1795. Der Autor war nach einem Duell verhaftet und zu 42 Tagen Arrest verurteilt worden. Ihm gelang es, den Richter davon zu überzeugen, dass er den Arrest zuhause verbüßen durfte und so verließ er für 42 Tage nicht sein Zimmer. Wer war Xavier de Maistre?  Bekannt wurde er als Maler und als Schriftsteller und so kommt ihm letztendlich auch die Idee, seinen Zimmeraufenthalt als Reise zu beschreiben.

Da ist erst einmal sein so heiß geliebtes Bett, in dem er von Abenteuern jeglicher Art träumen oder einfach vor sich hindösen kann. Bis sein ergebener Diener morgens kommt und köstlicher Kaffeeduft in seine Nase steigt oder sein Hund Rosine ihn liebevoll mit einer nassen Schnauze im Gesicht weckt. Aufgestanden, setzt sich Xavier entweder in seinen Ohrensessel, der ihn wie einen alten Freund empfängt, genießt den schönen Ausblick aus dem Fenster und hört den Vögeln zu oder er geht im Zimmer an verschiedenen Bildern vorbei und erinnert sich an Episoden mit seiner aktuellen Geliebten, dem Erwerb eines Bildes oder erzählt etwas zu einem Bildmotiv. Dabei sieht er Staub, auch das eine willkommende Gelegenheit, sich über dieses Thema zu äußern. Seine Bibliothek ist natürlich ebenfalls eine Quelle vielfacher Inspirationen, sei es, dass er sich beispielsweise mit Ovid unterhält oder über seine eigene schriftstellerische Karriere sinniert.

Die 42 Tage gehen schnell vorbei und Xavier kann diese Art von Reisen nur wärmstens empfehlen. Man ist wetterunabhängig, muss sich nicht auf Fremdes einstellen und hat es immer bequem, die Reisekosten sind überschaubar, man kann innerhalb von Sekunden seinen Urlaubsort wechseln. So reist er noch ein zweites Mal, allerdings nur nachts. Auch ist es dieses Mal nicht so kommod, denn sein Zimmer hat gelitten. Die Französische Revolution ist schuld, sein Haus ist fast niedergebrannt. Aber er erlebt wieder ein ganz besonderes Abenteuer und hat viel zu berichten.

Als de Maistre lebte, waren Bücher mit Reiseberichten sehr in Mode und so kam seine Idee, einen Bericht über eine Zimmerreise zu schreiben nicht ganz von ungefähr. Er war diesbezüglich ein Vorreiter, denn nach ihm schrieben weitere Autoren ähnliche Bücher ( z.B. über eine Reise in einem Schreibtisch).

Die Idee des Buches hat mir sehr gut gefallen. Er beschreibt alles mit großer Aufmerksamkeit und schenkt dabei Alltäglichem eine große Wertschätzung.   Etwas gewöhnungsbedürftig war für mich anfangs der Erzählstil. Wie soll ich ihn beschreiben? Verklausuliert? Sprunghaft? Man muss sich für das Buch etwas Zeit nehmen. Keine 42 Tage, aber In-einem-Rutsch-schmökern ist schwierig und wäre auch zu schade. Eben genau richtig für usselige Tage, wenn man nicht raus möchte.

Morgen habe ich ein weihnachtliches Thema.

 

 

 

Auf Wiedersehen und Willkommen zurück-Momente

Dieses Herz hat viele mit Air Berlin-Reisende über Jahre begleitet. Entweder beim Ein-oder Ausstieg durfte man sich aus einem großen Korb ein Herz herausnehmen und die Schokolade war einfach köstlich. Sie war so köstlich, dass mein Mann aus der Konkursmasse von Air Berlin noch mehrere Beutel gefüllt mit diesen Herzen ergatterte und sich jeden Tag ein Schokoherz gönnte. (Manchmal bekam ich auch eins ab). Das abgebildete Herz ist nun das allerallerletzte gewesen und ich sage „Auf Wiedersehen Schokoherz, danke für die leckeren Momente!“

Ein überraschenden Willkommensmoment erlebte ich, als ich in einem Biomarkt diese Flasche entdeckte. Rotbäckchen- der Wundertrank aus meiner Kindheit! Wie würde mir der Saft heute schmecken?

  Ich hatte den Saft etwas süßer in Erinnerung, aber sonst sah ich mich beim Trinken in der Küche unserer damaligen Wohnung. Meine Mutter stellte mir ein Glas hin, wenn ich am Küchentisch Schularbeiten machte…

Ich schicke sie jetzt mit roten Bäckchen ins Wochenende, erholen Sie sich gut- bis Montag!

 

 

Irische Mauerbauerin Teil 2

Gestern wähnte ich mich ja im Garten für eine Viertelstunde den irischen Mauerbauern seelenverwandt, danach suchte ich in der Plattensammlung nach etwas Passendem, das meiner Stimmung entsprach und wurde fündig:

Diese Musik, zusammen mit den Bildern, lasse ich jetzt auf Sie bis übermorgen wirken. Muss mir noch fürs Wochenende ein Rätsel ausdenken.

Viertelstunde irische Mauerbauerin

Was mich im Garten schon länger störte, war der Blick auf diesen „nackten“ Baumstamm.

Einen Strauch oder ein Klettergewächs davorzupflanzen wäre das Beste, doch die Erde am Baum ist voller Wurzeln, also keine Chance für eine Neuanpflanzung. Beim Durchblättern eines Gartenbuches kam mir dann eine Idee, die ich vor ein paar Tagen umsetzte. Ein Minihochbeet!

Wir hatten noch Natursteine von der Neuverlegung des Gartenweges über und so fing ich zu stapeln an.

Einen Moment lang kam ich mir wie eine irische Mauerbauerin vor und meine Hochachtung vor irischer Steinstapelkunst wuchs. Meine zwei Reihen Natursteine stabilisierte ich dann noch durch alte Ziegel, bevor ich mit dem Erdeanhäufen begann.

Was habe ich gepflanzt? Aus Kästen nahm ich Blumen, die ich nicht wegwerfen wollte. Ich brauchte die Kästen, die Blumen könnten aber vielleicht nächstes Jahr wiederkommen, wenn der Winter mild wird. Dazwischen steckte ich Zwiebeln von duftenden Narzissen. Sind die Osterglocken nächstes Jahr verblüht, sehe ich weiter. Vielleicht kaufe ich dann eine wilde Klematis und lasse diese den Baum hochranken.

Morgen bleibe ich noch in Irland und habe ein passendes Lied ausgesucht.

Manipulation aus Stein

Wenn man eine Kathedrale besucht, dann ist es offensichtlich, dass die Höhe des Gebäudes dazu beiträgt, dass man als Besucher der Kirche mehr oder minder erfurchtsvoll nach oben sieht und sich dabei ganz klein fühlt. Doch gibt es in unseren Städten noch weitere Gebäude, Plätze oder Straßen, die uns durch ihre Form, ihre Größe oder Länge oder auch durch ihre Baumaterialien manipulieren ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Dieses Buch öffnet uns die Augen:

Der Autor ist Neurowissenschaftler und Experimentalpsychologe und untersucht das Verhalten der Menschen in Städten und Räumen. Er schreibt über den heutigen Status Quo der Erkenntnisse auf diesem Gebiet und gibt dabei viele anschauliche Beispiele. (So habe ich beispielsweise gedacht: „Schade, dass diejenigen, die für die Umgestaltung des Duisburger Bahnhofplatzes zuständig waren, das Buch nicht vorher gelesen haben). Colin Ellard wirft auch einen Blick in die Zukunft, die schon angefangen hat, doch deren Konsequenzen ich mir erst nach der Lektüre richtig ausmalen konnte. Gemeint sind die virtuellen Realitäten. Es stecken sehr viele positive Möglichkeiten in dieser Technik, doch haben mich manche beschriebenen Auswirkungen fatal an den Film „Die Zeitmaschine“, gedreht nach dem Buch von Wells, erinnert. In ferner (???) Zukunft sind die Menschen dank Gehirnwäschen und Verunselbständigung nur noch Puppen, mit denen diejenigen, die das Sagen haben, alles machen können. Gruselig!

Um Ihnen einen Einblick in den Schreibstil zu geben, hier eine kurze Textpassage:

P.S. Oculus Rift ist eine Firma, die Brillen für virtuelle Realitäten herstellt.

Im Laufe des Jahres denke ich immer wieder:“Das ist das beste Buch, das du dieses Jahr gelesen hast! Besser wird es nicht!“ Aber dann kommt wieder ein Buch, das mich richtig begeistert. Wie dieses hier (oder das von gestern)…

Morgen wird auch gebaut, aber spontan im Garten.