Der Autor Richard Wright ( 1908 bis 1960) war der erste afroamerikanische Schriftsteller, der in seinem Buch „Native Son“ schonungslos über Rassismus und Gewalt schrieb und damit viel Furore machte und später für Schriftsteller wie James Baldwin oder Chester Himes zum Vorbild wurde. Auf Reisen in Asien entdeckte er das Haiku und mit dieser Gedichtform beschäftigte er sich in den letzten Jahren seines Lebens, die durch schwere Krankheit gezeichnet waren. Kurz zur Erinnerung: Ein Haiku besteht aus drei Zeilen, die Wörter haben in der ersten Zeil 5, in der zweiten 7 und in der dritten Zeile wieder 5 Silben. Ein Haiku widmet sich der Naur und im Kopf des Lesers sollte ein kleiner Film ablaufen, wenn er ein Haiku gelesen hat.
Die Apfelblüte Erzittert im Sonnenlicht Vom Bienengewicht.
Richard Wright schenkt uns mit seinen Haikus einen wunderbaren Naturkosmos.Wo kann man unerwartet Natur entdecken? Was machen wir mit der Natur? Was macht Natur mit uns Menschen, was mit der Stadt?
Diesen Block runter, dann rechts, dort triffst du einen Blühenden Pfirsich.
Tages- und Jahreszeiten, Temperaturen, das Wetter, Blumen, Obst und Gemüse, Tiere, Düfte- alle bieten dem Autor Themen für seine Haikus.
Feuchte Spinnweben, Die Katze schleckt sich pingelig, Zwischen den Zehen.
Blue Jazz im Mietshaus Der Herbstnebel gewoben Von der Trompete.
Zeigen manche Haikus neutral eine Momentaufnahme in den Bergen, auf dem Feld oder am Meer, gibt es einige andere Zeilen, die auch etwas verstörend sein können. Da tauchen immer mal wieder ein Blinder , ein totes Mädchen oder ein Fremder im Dorf auf. Die meisten Gedichte sind jedoch heiter oder melancholisch und sind mit viel Lebensweisheit geschrieben.
Mit Nasezucken, Liest ein Hund ein Telegramm An dem nassen Stamm.
Den Arzt verlassend, Schaut die Welt ganz anders aus, An dem Herbstmorgen.
Die Haikus in diesem Buch sind nicht wie in vielen anderen Büchern nach Jahreszeiten geordnet und so kann man das Buch kreuz und quer zu jeder Jahreszeit genießen- vielleicht zwei Haikus als Betthupferl vor dem Schlafengehen?
Zwei Rosenblätter- sind sie Vorboten für die duftende Schönheit?
Nach Erde duftend noch meine beiden Hände über dem Waschbecken ( Geschrieben nach einem regenfreien Nachmittag im Garten).
Letzten Montag fuhren wir für ein paar Tage quer durch Deutschland Richtung Osten. Unsere erste Übernachtung war im brandenburgischen Finsterwalde. Hier ein paar Beobachtungen, die ich als Beifahrerin auf dem Weg gemacht habe. Los geht es in Dortmund:
9.30Uhr „Ich bin voller Ideen“- steht auf dem Dortmunder Ruhrschnellweg am oberen Rand eines Tunnels Ein geflügeltes schwarz-gelbes Nashorn mit BVB Emblem im Vorgarten eines Hauses Ein Mann putzt bei strömendem Regen an einem Hochhaus ein Fenster Am Straßenrand ein Sandhügel, der oben bewachsen ist. Sieht aus wie die Haarpracht eines Elefantenjungen
An einer Halle steht „Stiftung Kinderglück“, gegenüber eine mit Goldstreifen veredelte Lärmschutzwand Wellige Felderlandschaft mit einer ausgedünnten Allee in der Ferne, einem Hochstand und einem Hasen, der von links nach rechts Richtung abgedeckter Strohballen hoppelt Vertrocknete und verschrumpelte Sonnenblumen als Vergangenheitsboten Zwischen sich gemächlich drehenden Windrädern steht eine kleine alte Scheune mit rotem Dach, ein Stück weiter ein verlorener Baum zwischen einem Sonnenkollektorenfeld. Schafe grasen dort und suchen Schutz unter den Solarmodulen. Auf einer Brücke über die Autobahn zwei walkende Frauen in pink und gelb-zwei willkommene Farbtupfer Die Autobahn als Windradallee Abgestorbene Fichten neben einer Aufforstung mit kleinen Tannen Landschaft mit zwei Vulkankegeln, der graue Regenhimmel dahinter etwas heller Die Sababurg- wohnt dort noch Dornröschen? Rot-weiße Windfahne warnt vor: Heftiger Windstoß auf der Talbrücke Breuna Verlassener Wohnwagen an einem Feldweg
11 Uhr „Keine Bauern-kein Bier“ Verpackte Heuballen dienen als Schreibunterlage Hinter Kassel eine Villa mit blauem Satteldach und weißer Aufschrift- Besitzer mit einem Fußballherz hat Gelsenkirchener Wurzeln Schlapper Glitzerluftballon, der in einem Baum hängt. Ein Smileyauge mit passendem Mundwinkel grüßt verknittert die Autofahrer Sonnenstrahlen wärmen meine rechte Schulter, Blauerhimmelkleks im Grau Schild „Friedland- Tor zur Freiheit“, links auf einem Berg die Spitzen einer Skulptur, versteckt hinter Bäumen „Willkommen in Thüringen“ – wirklich? Wachturmruinen Leere Autobahn Richtung Halle- Tummelplatz für freie Fahrer – BER-TA 429 is the Winner Das dickmachende M-für uns nur ein WC Zeichen
Roterdige Abraumhalde mit leichtem Birkenbewuchs Eine Damwildgruppe unter Bäumen mit Mispelballen Willkommen in Sachsen-Anhalt #moderndenken Erneut Abraumhallen, deutsche Pyramiden
Viiiieeeel Platz! Keine Menschen, weder Bauern, noch Spaziergänger oder Jäger auf den Feldern, dafür eine Gruppe Schwäne Und weiße Fahrräder am Straßenrand, die sich mit kleinen mit Plastikblumen geschmückten Kreuzen abwechseln-Alex-Sina-Elmo-Petra
13.50Uhr Willkommen in Sachsen! Wandbild „Stolz auf meine Heimatstadt“ Tattoostudio „La Tortura“ und ein Friseursalon „Der Haardieb“ Geduldiges Hinterherzöckeln
Gruppen mit gewittergeschädigten Bäumen auf Feldern, zerfallene Häuser mittendrin. Pause in Torgau. Stille Stadt mit imposantem Schloss.
Oben links: Teilansicht vom Marktplatz, rechts daneben und unten links Eindrücke vom Schloss Hartenfels aus dem 16. Jahrhundert. Unten rechts das „Denkmal der Begegnung“, ein Friedensmahnmal zu Ehren amerikanischer und russischer Soldaten, die sich am 25.April 1945 hier getroffen haben.
Die freitragende Treppe im großen Wendelstein an der Hoffront im Schloss hat es mir besonders angetan.
Willkommen in Brandenburg! Lausitzer Landschaftsleere mit Greifvögeln am Himmel Fahrt durch versprengte Dörfer a) mit Farbanstrich, b) ohne Farbanstrich oder c) ein rotes Haus zwischen grauen Maushäusern. Ich habe im Ohr, wie Dorfbewohner sich die Mäuler über dieses rote Haus zerreißen.
Kleiner Fuchs auf der Straße, überfahren Vorbei an einem großen Pferdegestüt, Erinnerung an Gräfin von Döhnhoff Alte Bockwindmühle, Milchkühe herumdrapiert Von 1-5: Es gilt die Gefahrenstufe 3 eines Waldbrandes, so zeigen es verschiedene Schilder an. Tag der offenen Tür auf dem Straußenhof am nächsten Sonntag Endlich in Finsterwalde! Ein betriebsames Städtchen mit schönen Ecken.
Seit letzter Woche gehört die Sängertradition von Finsterwalde zu dem immateriellen Kulturgütern der UNESCO.
Alle zwei Jahre treffen sich Chöre aus vielen verschiedenen Ländern in diesem Ort- ein Festival, das zeigt, wie unterschiedlich Chormusik sein kann.
In Finsterwalde besuchten wir Bekannte, unser zweites Ziel war Halle, wo wir mehrere Tage wohnten. Was wir uns dort und in der Umgebung angesehen haben, darüber erzähle ich Ihnen in weiteren Beiträgen.
Gestern ging die Frankfurter Buchmesse zu Ende. Ich war nicht dort, doch hörte ich einige Berichte im Radio und las auch diverse Zeitungsartikel. Das hinterließ bei mir wohl im Unterbewusstsein Spuren, denn beim Wortrecyceln entstanden folgende Fragen:
Was das Gehirn manchmal für komische Ideen hat…Als ich von meinem Fenster aus diese beiden Sandmuscheln sah, kam mir das bekannte Lied von den beiden Königskindern in den Sinn. Im Lied befinden sich die beiden Königskinder am Meer, so musste ich das Lied ein bisschen umschreiben.
Stellen Sie sich die Szene an einem Abend vor:
1. Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb. Sie konnten zusammen nicht kommen, die Hecke war viel zu dicht! Die Hecke war viel zu dicht!
2. „Mein Liebster, ach kannst du laufen, dann komm doch herüber zu mir! Drei Kerzen will ich anzünden und die sollen leuchten Dir! Die sollen leuchten Dir!“
3. Das hört eine falsche Hexe, die tat nur, als wenn sie schlief! Dann ging sie die Kerzen zu löschen, der Jüngling fiel in einen Brunnen so tief! Der Jüngling fiel in einen Brunnen so tief!
Ref: Königskinder waren sie, Königskinder bleiben sie! Ihr altes Lied erklingt im Abendwind: Wer wahrhaft liebt, ist so ein Königskind!
4. „Ach, Gärtner, liebster Gärtner, willst Du Dir verdienen großen Lohn, dann wirf doch Dein Netz in den Brunnen und find mir den Königssohn! Find mir den Königssohn!“
5. Da warf er das Netz in den Brunnen, es sank in den Brunnen so tief Es bracht ihr den Jüngling wieder, der dort in der Tiefe schlief – in der dunklen Tiefe schlief!
6. Sie beugt sich zu ihm hernieder und küsst seine Lippen so bleich. Da fand er das Leben wieder, im tiefen Brunnen-Reich- Im tiefen Brunnen-Reich!
7. Was nahm sie von ihrem Haupte: Die goldene Königskron! „Sieh an, o du braver Gärtner, das ist dein verdienter Lohn. Die Krone ist Dein Lohn!“
8. „Was brauch ich noch gold’ne Kronen, die liegen nur schwer auf mir! Ich will in der Tiefe wohnen, Geliebter, ich geh mit dir! Ich geh in Dein Reich mit dir!“
9. So sanken sie beide nieder, und sie wurde ihm ganz gleich. Noch heut‘ hört man ihre Lieder, noch heut‘ ist der Brunnen ihr Reich! Der Brunnen ist ihr Königreich!
Während unserer Reise durch Schottland las ich dieses 950 Seiten starke Buch. Mhairi McPhail lebt zusammen mit ihrem Freund und ihrer gemeinsamen Tochter in New York. Die Beziehung geht in die Brüche. Mhairi nimmt daraufhin als Literaturwissenschaftlerin ein zeitlich begrenzte Stelle auf der schottischen Insel Fascaray an, wo einst ihr Vorfahren wohnten. Ihre Aufgabe ist es, das Leben des bekannten schottischen Poeten Grigor McWatt zu erforschen, ein Buch über ihn zu schreiben und Kuratorin des geplanten McWatt Museums zu werden. Während sich die neunjährige Agnes schnell auf der Insel einlebt und es ihr dort anscheinend gut gefällt, überkommen Mhairi schnell Zweifel an ihrer Entscheidung. Sie fühlt sich fremd unter den Inselbewohnern und das Leben von McWatt war kompliziert und steckt voller Rätsel. Ist sie mit der Aufgabe überfordert?
In dem Buch wechseln sich die Biographie von Grigor McWatt ab mit Auszügen aus dem Kompendium, das der Dichter über seine Insel geschrieben hat und diversen Gedichten verschiedener englischsprachiger Lyriker, die McWatt in die schottische Sprache übersetzt und teilweise auch umdichtet hat. Dazu kommen ein Abriss der Inselgeschichte und die Beschreibung des Alltags der Inselbewohner und des Lebens von Mhairi und Agnes in New York und auf der Insel. Als ich das Buch zum ersten Mal vor einigen Jahren anlas, verwirrte mich dies alles sehr, doch jetzt in Schottland fand ich das Buch fast perfekt. Die Insel Fascaray ist Schottland en miniature. McWatt kommt nicht von Fascaray, aber er hat fast 60 Jahre auch für die Rechte der einfachen Leute und für die Natur seiner Heimat gekämpft. Wenn man durch Schottland reist und die Auszüge seines Kompendiums liest, wirft man einen Blick in die Seele Schottlands und die Gedichte geben sehr schön die Stimmungen wieder, sei es die der Landschaften, der Jahreszeiten oder die im Leben der Inselbewohner.
Ich bewundere die Autorin Annalena McAfee für diesen so facettenreichen Roman. Die Insel Fascaray und den Dichter Grigor McWatt gibt es nicht in der Wirklichkeit, die Autorin hat sie aber perfekt erschaffen, vielleicht auch mit Hilfe von Quellen, die ihre eigenen schottischen Vorfahren hinterlassen haben.
Der Name des Jungen, den Sie auf dem Buchumschlag sehen, lautet Tom Samuel Elliott.
Er war in seiner Kindheit das Werbegesicht für die Popcorn Fabrik Buffalo Rocks in Cornado, für die fast alle Einwohner seines Heimatorts Shellawick arbeiten. Shellawick liegt am Rand einer schwarzen Steinwüste, genannt der „Schuttfuß“. Es ist heiß, es ist immer staubig, es ist trostlos, das Wort „Blumenverkäufer“ ist das Schimpfwort für einen schwachsinnigen Menschen. Nur Mais in Form von süßen Krapfen oder in Form von Alkohol bringen ein bisschen Freude. Der Bürgermeister von Shellawick ist der Bruder des Personalchefs der Popcorn Fabrik und für beide steht der Gewinn der Fabrik an erster Stelle. Leute aus Shellawick, die das kritisch sehen, sind erklärte Feinde der Brüder. Tom Elliot seht dabei ganz oben auf der Liste. Nach der Schule verlässt er als einziger Shellawick und studiert vier Jahre Literatur. Als sein Vater Selbstmord begeht, kehrt er zu seiner Mutter zurück und eröffnet einen kleinen Supermarkt von dem Geld, das er in seiner Kindheit als Werbefigur verdient hat. Fast alle Läden sind inzwischen in Shellawick verschwunden und so wird der Supermarkt zur Anlaufstelle der Einwohner. Nicht unbedingt wegen des Einkaufens, sondern um zu reden und sich auch mal das Herz auszuschütten. Tom ist ein guter Zuhörer und inspiriert durch die Geschichten seiner Kunden schreibt er Haikus. Sein Ruf als schreibender Supermarktbesitzer macht die Runde und eines Tages kommt ein betrunkener Mann in den Laden, der sich als „Okomi“ vorstellt und ihn auffordert, einen Songtext über die Arbeitsbedingungen in der Fabrik zu schreiben. Er bedroht Tom dabei mit einem Messer. Tom denkt sich einen Text aus und vergißt diesen Vorfall wieder. Er muss sich mit dem Auftauchen eines riesigen, modernen Supermarkt mit Klimaanlage direkt gegenüber seines Geschäfts auseinandersetzen. Die Brüder stecken dahinter und wollen Tom so aus Shellawick vertreiben. Seine Kunden kommen immer seltener (sie treffen sich jetzt lieber an der Tiefkühltruhe gegenüber), nach einem Jahr schließt Tom seinen Supermarkt. Er zieht sich zurück, droht völlig zu verwahrlosen, während er einen Roman über sich und Shellawick schreibt. Dann tritt Emily Dickinson in sein Leben, die er schon sehr lange aus der Ferne verehrt hat. Tom kriecht langsam aus seinem dunklen Loch. Als er eines Tages bei einer Werbeveranstaltung des Supermarkts Okomi trifft, wird Toms Leben schließlich komplett umgekrempelt.
Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Erzählt wird eine ungewöhnliche Geschichte mit vielen „Charakterköpfen“. Die Mischung aus lustigen, poetischen und traurigen Momenten ist genau richtig.
Vier Damen trafen sich an einem Nachmittag zu Kaffee und Kuchen mit Obstbelag. Sie genossen die Sahne und Gebäck mit Schokolade und vergaßen ihr Gewicht und die Badezimmerwaage.
Ach was hatten sie viel zu erzählen, denn sie konnten aus vielen Themen wählen. Die eine berichtete von ihren Enkelkindern, die zweite wollte auf Mallorca überwintern. Die dritte regte sich über Politiker auf, die vierte liebäugelte mit einem neuen Autokauf.
Erst schwärmten sie von Lilo Pulver und O.W. Fischer, dann schwenkten sie um auf Curd Jürgens, der war noch etwas frischer. Gesundheitliche Probleme sprachen sie nur kurz an „Ist eh nichts zu ändern, keine Zeit daran verschwenden!“, hieß es dann.
Erinnerungen an früher wurden schließlich wach, sie waren traurig, liebevoll, aber es wurde auch viel gelacht. Alte Geschichten mal wieder erzählen zu können bei einem weiteren Getränk, das war für die vier Damen ein wirklich schönes Geschenk.
Sie quatschten, quackelten und blödelten herum, doch dann sahen sie auf die Wanduhr und waren plötzlich stumm. Fünf Stunden waren so schnell vergangen und der Abend war jetzt da. Sie meinten: „Ach was war unser Treffen heute doch wunderbar!“ Man sagte „Adieu“ bis zum nächsten Nachmittag- mit Kaffee und Kuchen mit Obstbelag!
Ich widme meine Zeilen Ingeburg, Piri, Jutta und Dorothee.
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