Karneval aus einem anderen Blickwinkel

Am Samstag war der 11.11….

Ich bin keine Anhängerin vom Karneval, aber ein bisschen hinter die Kulissen zu schauen, das fand ich doch interessant und so nahm ich dieses Buch aus der Bücherei mit nach Hause.

Jaques Tilly ist seit über 30 Jahren verantwortlich für den Bau der Themenwagen verantwortlich, die am Rosenmontag durch Düsseldorf ziehen. Als junger Mann half er zuerst nur beim Wagenbau mit, merkte dann aber nach seinem Studium für Kommunikationsdesign, dass das Entwerfen der Wagen sein Berufung ist. 

Mit seinen Wagen hat er schon für sehr viel Aufsehen und auch Aufregung gesorgt, da besonders in den ersten Jahren sein Vorgesetzter ihm ermunterte, bis zur Schmerzgrenze frech zu sein und mit den Wagen in offene politische Wunden den Finger zu legen. Anfänglich wurden die Wagen noch vor Rosenmontag der Öffentlichkeit vorgestellt und es kam zu diversen gerichtlichen Verboten. Danach entschloss man sich, um die Wagen ein großes Geheimnis zu machen und sie erst kurz vor dem Zug zu enthüllen. Es gab Wagen, die es durch ihre Kritik geschafft haben, dass politische Entscheidungen wieder zurück genommen wurden. Über 500 Mal berichtete man in ausländischen Medien rund um die Welt über einzelne Wagen und man nahm sie zum Anlass, auf Missstände hinzuweisen.

Das Buch bietet viel, so z.B. auch eine kleine Geschichte über die Entstehung des Karnevals, diverse Histörchen zum Verhältnis mit dem Kölner Karneval, der viel „braver“ ist und einen Einblick, wie der Entstehungsprozess eines Wagens verläuft. Man mag es kaum glauben, wie oft fertige Wagen kurz vor Toresschluss entsorgt wurden, weil die politische Lage sich plötzlich geändert hat oder man Wagen noch am Karnevalssonntag umgestalten musste.

Schließlich sind es die 70 Farbfotos von spektakulären Wagen der letzten 15 Jahre, die das Buch zu etwas Besonderem machen. Man schmunzelt oft und bekommt beim Betrachten en passant eine Rückblende zu den Themen, über die wir uns in den letzten Jahren aufgeregt oder auch beunruhigt haben. Hier kann man sich einige Wagen ansehen:

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Jacques_Tilly

Das Buch ist inzwischen wieder in der Bücherei, aber es kommt auf meine Wunschliste für den nächsten Geburtstag. Und wer weiß, wo ich 2018 am Rosenmontag bin…

Auflösung des Apfelrätsels (Apfelwochenende Nr 3)

Hier die richtigen Antworten zu den gestrigen Apfelfragen:

1. Wilhelm Tell
2. Es gibt keine Apfelsorte, die Barbaras Bunter heißt
3. Apple Records ist ein Musiklabel, das von den Beatles 1968 gegründet wurde
4. Redewendungen: Jemanden veräppeln / Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm/ In den sauren Apfel beißen/ Für einen Apfel und ein Ei
5.Der Künstler heißt Magritte

Wie ich schon angedeutet hatte, stammt mein Wissen aus folgendem Buch:

Ein knapp 100 seitiges illustriertes Büchlein, das einem „Die Welt der Äpfel“ eröffnet. Die Themen sind sehr vielfältig. Wussten Sie, dass der Eva-Apfel in der Bibel nur allgemein als Frucht bezeichnet wird?  Was Äpfel in Stillleben-Bildern bedeuten? Ein Arbeitstag auf einem Apfel-Bauernhof wird beschrieben, wir werden an Newtons Apfel erinnert, lernen Apfelfeste kennen, bekommen die medizinischen Vorteile des Apfelkonsums präsentiert und staunen über sooo viele Apfelsorten.

Der Apfel ist bei den Deutschen die beliebteste Obstsorte, mich wundert es nicht mehr.

 

 

 

Arbeitend leben und kämpfend sterben (Lyonwoche Nr. 5)

Die Überschrift dieses Beitrags war die Devise der ca. 30000 Männer und Frauen, die im 19. Jahrhundert in den Seidenwebereien des Lyonner Stadtteils La Croix–Rousseau gearbeitet haben. Erst wurde der mechanische Webstuhl von Joseph–Maria Jacquard erfunden, dann kam um ca. 1950 der elektrische Webstuhl und 1990 schloss die letzte Seidenweberei in Lyon. Heute werden nur noch zwei Webereien privat unterhalten, um das Kulturerbe nicht völlig aussterben zu lassen. (Die Stadt Lyon fühlt sich diesem Erbe anscheinend wenig verpflichtet, denn eins der größten Stoffmuseen der Welt wird man demnächst schließen, ein Trauerspiel, denn die verbliebenenen Ausstellungsstücke waren atemberaubend).

Nun aber zu den beiden Werkstätten, die wir besuchten. In der ersten Werkstatt wurden und werden auch noch auf besondere Anfrage in alter Manier Litzen aus Goldfäden gewebt. Für Uniformen, Abendkleider, Lampenschirme u.a.. Als der alte Webstuhl von der Führerin angeschaltet wurde, gab es großes Getöse und man konnte sich ein bisschen vorstellen, wie laut es in diesem Arbeiterviertel früher war.

Die zweite kleine Werkstatt hatte zwei Webstühle und oberhalb der Werkstatt war, wie früher üblich, gleich auch der Wohnraum. 

Nach den Besichtigungen erkundeten wir noch ein bisschen den Stadtteil.

Er erinnert ein bisschen an Notting Hill nur (noch nicht) so schickimicki, fast noch ein bisschen dörflich. Die Traboules spielen da bestimmt eine Rolle. Es sind zig überdachte Durchgänge, durch die früher die Seidenballen transportiert und dadurch nicht nass wurden. Ja und die Lage des Stadtteils ist auch besonders: Wer dort wohnt, thront über der restlichen Stadt Lyon, hat Abstand und lebt vielleicht etwas gelassener.

Dieses Buch steht schon lange in meinem Buchregal. Ich habe es mir vor ein paar Jahren gekauft, als ich mir in Augsburg ( auch so eine Stadt, die viel öfter besucht werden sollte!) auch eine alte Stofffabrik angesehen habe. Damals hatte ich keine Zeit, das Buch zu lesen, jetzt aber kam seine Stunde. Prächtige Bilder, hauptsächlich von Stoffen, aber auch von anderen Gebrauchsgegenständen aus vielen Ländern der Erde. Welche Rolle spielen geschichtliche Ereignisse beim Entwerfen von Mustern? Wie und warum ändert sich der Geschmack? Welche „modernen“ Muster haben schon eine grpße Vergangenheit? Welche Entdeckungen von Materialien beeinflussten die Entwicklung von Mustern?

Man hat ein Geschichtsbuch in der Hand und eine Schatzkiste für kreative Ideen. Kostet knapp 40 Euro, das ist aber eine gute Investition.

 

Wenn Frauen alt werden…

…kann noch sehr viel passieren!

Dieses Buch schildert die Lebensläufe von  16 bekannten Künstlerinnen ab ihrer dritten Lebensphase:

So unterschiedlich die Frauen auch sind, sie haben auch viele Gemeinsamkeiten. Die Kräfte schwinden zwar, aber die „Arbeit an und mit der Kunst“ ist das Lebenselixier aller Künstlerinnen, das sie sehr alt werden lässt. Die Frauen sind befreit von familiären oder gesellschaftlichen Zwängen, sie müssen sich nichts mehr beweisen. Ihre eigene Theorie über Kunst hat sich herauschristallisiert und sie können diesem Weg jetzt unbeirrt folgen. Oder stoßen alles um und werden z.B. zu Entdeckerinnen ihrer eigenen Kindheitsgeschichte, die sie dann in ihrer Kunst verarbeiten. 

Der Text jedes einzelnen Kapitels wird von Bildern unterstützt, die für die verschiedenen Schaffensperioden der Künstlerin von großer Bedeutung sind. Beim Lesen kann man die Veränderungen, die „Häutungen“ der Künstlerinnen deshalb gut nachvollziehen.

Die Künstlerinnen haben mit 80, 90 Jahren noch große Erfolge gefeiert. Ein „Es ist nie zu spät“ darf hier wahrlich gesagt werden. Und deshalb ist dieses Buch auch nicht nur ein Buch über Kunst, über Frauen, über das Alter, sondern es beschenkt Leserinnen auch mit kluger Lebensphilosophie und Inspiration.

 

Begleiter durch den Berliner Schwimmsommer

Dieses Buch habe ich in den letzten Sommerwochen peu à peu gelesen. Die Autorin ist während eines Jahres in 52 Seen in und um Berlin geschwommen. Sie beschreibt die unterschiedlichen Schwimmerfahrungen und Sinneseindrücke während der vier Jahreszeiten und die Erinnerungen, die sie von den einzelnen Seen und ihrer Umgebung behalten hat. Das ist für alle, die gerne wie ich in Seen schwimmen, lesenswert, aber auch für diejenigen, die Berlin und die Mark Brandenburg lieben. Fontane wird öfter zitiert, am Ende des Buches gibt es einen Infoteil über fast alle von Lee besuchten Seen.

Aber das Buch ist noch viel mehr. Lee ist gebürtige Kanadierin. Ihre Kindheit ist geprägt von der Scheidung ihrer Eltern und sie verlässt früh das Zuhause und auch Kanada. Sie geht nach London, studiert dort und heiratet jung, doch die Ehe scheitert nach zwei Jahren. Um für ihre Dissertation zu forschen, zieht sie nach Berlin. Sie ist einsam, hat Depressionen und am Anfang ist es das Schwimmen in den Seen, das ihren Lebensmut aufrecht erhält. Hier beginnt das Buch und in Rückblicken erfahren wir Lees Lebensgeschichte. Wir begleiten sie, wie sie sich im Laufe der Zeit ändert, selbstbewusster wird und das Leben von einer anderen Warte aus sieht. Optimistischer.

Philosophen auf der Straße

Dieses Buch kaufte ich mir, nachdem ich eine Führung in Düsseldorf mitgemacht hatte. Das Thema war „Obdachlos sein in Düsseldorf“ und wurde von zwei Obdachlosen durchgeführt. (Siehe auch mein Blogeintrag vom 22.8.17)

Der Autor war selbst mehrere Jahre lang obdachlos. Er kann sich in die Gefühle der anderen Obdachlosen hinein versetzen und Beziehungen aufbauen und schaffte es daher, Obdachlose zu ihrem Leben auf der Straße zu befragen. 25 Porträts, vorwiegend von Männern, sind in diesem Buch enthalten. Es gibt Kriminelle, die sich z.B. auf Empfängen einschleichen und dort essen und manchmal auch Scheckkarten mitnehmen. Es gibt Menschen auf der Straße, die in einer eigenen Welt leben, sei es in einem Star Trek Universum oder als Drehbuchschreiber für Sandra Bullock. Aber die meisten Interviewten gaben sehr klare, böse, hochgradig zynische oder fast schon philosophische Antworten zu ihrem Leben. Und diese Interviews haben mich sehr nachdenklich gemacht und berührt. Wir Angepassten leben drinnen, Obdachlose leben draußen. Manche der Befragten, von denen mehrere abgeschlossene Studiengänge hatten, Künstler oder Manager waren, wollen mit Drin, mit der heutigen Gesellschaft in Deutschland, aus verschiedenen Gründen nichts mehr zu tun haben. Sie verweigern sich, betteln nicht oder kommen auch nicht mehr unseren üblichen Vorstellungen von Sauberkeit nach. Dann gibt es Menschen, die immer mal wieder versuchen, nach drinnen zu kommen, doch fast immer scheitern sie. Der Weg zurück ist so schwer, sei es, dass man sich an sein Leben auf der Straße gewöhnt hat und es einer großen Willensanstrengung bedarf, sich in der immer schneller sich ändernden Welt drinnen zurechtzufinden, bzw. viele Obdachlose einfach auch Angst haben, etwas falsch zu machen.

Der Autor schreibt im letzten Kapitel über sein Leben. Er ist drinnen angekommen, doch es dauerte lange und ihm ist bewusst, dass er auch schnell wieder draußen sein kann. Hat man einmal die Erfahrung gemacht, obdachlos zu sein, nimmt man im Leben nichts mehr als selbstverständlich und weiß, worauf es letztendlich im Leben ankommt.

Sturmwarnung

Wenn Ihnen an einem Tag mal der ein oder andere Mitmensch auf den Wecker geht,
wenn Sie mal einen Tag haben, an dem Sie sich selbst ziemlich leid tun,
wenn Sie am liebsten auf ein Schiff flüchten würden, um aufs Meer zu kommen, um durchzuatmen
wenn Ihnen mal nach einem Rachenputzer in Form eines Buches ist, dann ist dieses Buch genau richtig

Kapitän Schwandt ist 79, als er zusammen mit Stefan Kriecken, dem Inhaber des Ankerherz Verlages, dieses Buch schreibt. Er erzählt von seinem abenteuerlichen Leben, in dem er auf See und an Land sehr viel erlebt hat und bezieht Stellung zu heutigen Erscheinungen des Zeitgeistes. Dabei nimmt er kein Blatt vor dem Mund, schont sich nicht und andere erst recht nicht. Diese Textpassage aus dem Nachwort beschreibt es treffend:

Ich habe das Buch (191 Seiten mit ausdrucksstarken Fotos und Illustrationen) in einem Rutsch gelesen und danach ging es mir besser, denn hier hat jemand geschrieben, der Vieles auf den Punkt bringt, der meinem eigenen Punkt sehr nahe ist.

Reise zum Ruhepol Europas Teil 2

Die Entfernung Duisburg-Neualbenreuth beträgt 620 km. Ich fange heute mit den Zwischenstopps auf der Hin-und Rückfahrt an. Da Bamberg auf dem Weg lag, wollten wir die Chance nutzen und uns die Stadt ansehen und übernachteten dort einmal. Die Idee war im Prinzip gut, allerdings waren Kirchen und andere öffentliche Gebäude am nächsten Morgen wegen einer großen Fronleichnamsprozession geschlossen. So bummelten wir nur durch die Stadt und bekamen einen ersten Eindruck.

Auf der Rückfahrt statteten wir Bayreuth einen Besuch ab, genauer gesagt dem „Neuen Schloss“. Dies war einst die Wirkungsstätte von Wilhelmine von Bayreuth, der Schwester Friedrich des Großen. Ich las gerade dieses Buch 

und der Buchinhalt wurde für mich dadurch sehr lebendig. (Kurze Buchbesprechung am Ende dieses Eintrags). Wir machten eine Führung mit, da man nur mit dieser in ansonsten verschlossene Räume kam.

Vom Neuen Schloss aus kommt man schnell in die Fußgängerzone. Diese war am Sonntag recht ruhig, doch machte sie einen sympathischen Eindruck.

Herr Wagner darf natürlich nicht fehlen

Auch hier wäre ein zweiter Besuch nach 2018 wünschenswert. Dann wird das alte Opernhaus (Unesco Weltkulturerbe) wieder eröffnet und es gäbe da auch noch das Alte Schloss, Museen mit außergewöhnlichen Themen und noch Einiges mehr.

Aber Neualbenreuth war ja das Hauptziel und wie gestern versprochen kommen morgen ein paar weitere Appetithappen.

Und hier nun noch die Buchbesprechung:

Ich habe bisher noch nicht viele historische Biografien gelesen. Auch ist mein geschichtliches Wissen, was das 18. Jahrhundert betrifft, ziemlich lückenhaft. Vielleicht tat ich mich deshalb am Anfang mit dem Buch schwer, denn es kommen z.B. viele Friedrichs und Sophies vor und die politische Situation in den Grenzen des heutigen Deutschlands war recht kompliziert. (Im Buch gibt es eine Ahnentafel, aber leider keine politische Landkarte der damaligen Zeit).

Aber ich habe mich durchgebissen und es hat sich gelohnt. Nicht nur wegen der Schilderungen über Wilhelmine, die ich nicht so sympathisch und toll finde, wie viele andere es tun, sondern auch wegen des Überblicks zum Leben ihres Bruders Friedrich des Großen und dessen charakterlichen Verwandlung im Laufe der Jahrzehnte, wegen der Beschreibungen der politischen Kalküle und den Darstellungen des Schlosslebens.

 

 

Bicycle Diaries

Dieses Buch hat mich sehr überrascht. Ich fing es zu lesen an, um mir, wie schon bei der Lektüre „Lob des Fahrrads“ (Link siehe unten „Welttag des Fahrrads) das Wunderbare am Radfahren noch einmal für die nächsten Radwochen im Sommer bewusst zu machen. Doch das war in den „Diaries“ nur ein Nebenthema.

Wer ist der Autor David Byrne? Bekannt wurde er in den 70er und 80er Jahren als Kopf der Gruppe „Talking Heads“. Damals eine sehr innovative Gruppe, hier ein Videoclip als Erinnerung, bzw. zum Einstieg:

Die Gruppe löste sich dann auf und David Byrne begann eine Solokarriere als Musiker. Er sampelte z.B. als erster Musikstücke und gründete ein Label für Weltmusik. Er veranstaltete Happenings, machte sich einen Namen als Fotograf und wurde auch bekannt als süchtiger Radfahrer, der mit seinem Klapprad durch New York fuhr, als dies noch niemand tat.

In seinem Buch, das er vor ca. 10 Jahren geschrieben hat, erzählt er von Aufenthalten in verschiedenen Städten, sein Klapprad ist immer dabei. Da die Inhalte und deren Qualität der einzelnen Kapitel (Abkürzung= Kap) so unterschiedlich sind, verteile ich Sternchen.

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Kap 1 „Amerikanische Städte“ – Byrne nimmt seine Fahrradausflüge zum Anlass, die infrastruktufelle Entwicklung amerikanischer Landschaften und Städte zu analysieren und diese mit der europäischen zu vergleichen. Spannende Gedanken.

⭐️⭐️⭐️ Kap 2 – Berlin- Die Anzahl der Fahrradwege, deren Zustand und die Tatsache, dass es spezielle Radfahrerampeln gibt, begeistern Byrne. Seine Hauptthemen sind allerdings Berlin vor und nach dem Mauerfall und die Stasivergangenheit.

⭐️⭐️ Kap 3 – Istanbul- Die Schilderung, warum ein Musikfestival, auf dem er auftreten soll, anscheinend so wichtig ist für den EU-Eintritt der Türkei (das hat was Nostalgisches) und warum das Festival dann erst nicht stattfindet und dann doch noch.

⭐️⭐️⭐️⭐️ Kap 4- Buenos Aires- In Argentinien ist die Tatsache, dass man sich mit einem Rad von A nach B bewegen kann, bei der Bevölkerung noch nicht bis zum Bewusstsein durchgedrungen. Was dem Kapitel 4 Sternchen bringt sind die Schilderungen der argentinischen Musikszene. Eine komplett andere Welt, die man aber mit Hilfe von YouTube entdecken kann.

⭐️⭐️⭐️⭐️ Kap 5 – Manila- Schon bei den Schilderungen seiner Radtouren durch New York oder Istanbul kam bei mir öfter die Frage auf: Ist der Mann ein Adrenalinjunkie, ist er lebensmüde oder hat er eine Kompanie Schutzengel in petto? Byrne ist heute Mitte 60, also war er auch nicht mehr ganz so jung, als er die Touren machte. Er schreibt, dass er ein Defensivfahrer, ja ein Fahrradflaneur sei. Da kommt es drauf an, wie jeder für sich das Wort „flanieren“ definiert… Dieses Kapitel hat die meisten Beschreibungen von kleinen Beobachtungen oder Episoden während des Radfahrens. Außerdem  erinnert es an Imelda Marcos. Byrne ist in Manila, um für ein Musikprojekt zu recherchieren, er will eine CD herausbringen mit Liedern, die persönliche Vielschichtigkeit von Imelda schildern. (Später ist daraus dann eine Oper geworden).

⭐️⭐️ ⭐️ Kap 6- Sydney- Diese Stadt ist für Menschen gefährlich, denn hier hat die Natur dank einer Reihe giftiger Tiere und Pflanzen noch ein bisschen das Sagen. Bei uns kaum vorstellbar, deswegen interessant zu lesen. Auch seine Bemerkungen zum heutigen Leben der Aborigines sind lesenswert. Das Radfahren kommt nur am Rande vor.

⭐️ ⭐️ Kap 7- London- Byrne (Er ist übrigens gebürtiger Schotte, der mit den Eltern in die USA auswanderte), erzählt von Restaurant- und Galeriebesuchen und lässt sich über kulturelle Stereotypen aus. Nett.

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Kap 8 und 9 -San Francisco und New York- Seine Gedanken über Outsiderkünstler, als er eine Ausstellung in einer psychatrischen Einrichtung besucht, sind wieder ein Highlight. Und die letzten Seiten widmen sich dann komplett dem Fahrrad, da er in New York eine Tagesveranstaltung zum Thema Radfahren in all seinen Facetten organisiert.

David Byrne ist ein kluger Kopf. Seine Gedanken sind z.T. sehr inspirierend. Auch ist es spannend im Internet nachzulesen, was sich seit dem Erscheinen des Buches 2009 in den einzelnen Städten an Verbesserungen für Radfahrer getan hat. So sind in New York z.B. 600 km Radwege dazugekommen und es gibt ein großes Netz an Leihradstationen. Alles in allem: ⭐️⭐️⭐️⭐️