Zwickende Jeans und lachende Sommerröcke

Erst Jeans, die kneiften, dann Sommerröcke, die mich auslachten, weil ich dachte, ich würde noch in sie hineinpassen… Ich musste bisher noch nie eine Diät machen und die Waage benutzte ich bisher anstandshalber auch nur einmal im Jahr. Mir reichten bisher Spiegel und eben die Jeans, die zwar ab und zu sich mal etwas zu sehr an die Speckpölsterchen schmiegten, aber das verging dann nach ein paar Tagen auch wieder. Doch in diesem Sommer musste etwas passieren. Da kam mir dann folgendes Buch genau recht:

Esspausen

Von Esspausen (2 Tage pro Woche fasten, an den restlichen Tagen essen was man will) hatte ich schon gehört, aber noch nicht von Stundenpausen. In diesem Buch wird dafür plädiert, dass man zwischen den Mahlzeiten  5 Stunden absolut nichts isst (nur Wasser oder ungesüßten Tee trinken), damit der Körper Zeit hat, sich die nötige Energie aus bestehendem Fett zu holen.( Dem häufig empfohlenen Weg, permanent zu essen, damit der Stoffwechsel in Gang bleibt, wird hier eine klare Absage erteilt). Die Pausen traute ich mir zu und so probierte ich diese Variante aus. Dass mit dem Essen fiel mir nicht schwer, denn wenn der Magen anfing zu knurren wusste ich, jetzt muss er an die Fettreserven gehen und dann war ( und ist) das Knurren Musik in meinen Ohren. Allerdings gönnte ich mir zwischendurch ein paar Schlückchen Soyavanillemilch, ich brauchte etwas Süßes und das verlangsamte dann das Abnehmen. Auch war ich zweimal zum Kaffeetrinken eingeladen. Laut Buch soll man mit dieser Methode mindestens nachhaltig 2 Kilo pro Monat abnehmen, das wären 24 im Jahr, ich denke, dass man da von einer gesunden Abnehmmethode sprechen kann. Meinen Röcken verging inzwischen das Lachen, ich schlüpfe wieder lässig in sie hinein und fühle mich wohl. An die Pausen habe ich mich gewöhnt, mache also weiter, um leckere Sünden in Zukunft besser auszugleichen.

Das Buch beschreibt verschiedene Varianten der Esspausen, bietet aber zusätzlich leckere und gesunde Rezepte, klärt kurz über wichtige Lebensmittel für die Gesundheit auf und über Möglichkeiten, dem Körper gut zu tun. (z.B. Ölziehkur). Ich werde mir bei ihm sicherlich immer mal wieder Rat holen.

 

 

Nichtstun leicht gemacht

Muße

Ulrich Schnabel: Muße-Vom Glück des Nichtstuns Pantheon Verlag 14,99€

Dieses Buch steht auf meinem Schreibtisch…als Ermahnung! Erinnern Sie sich noch an den Loriot Dialog „Der Feierabend“ zwischen einem Ehepaar? (Sinngemäß wiedergegeben): „Frau:“Was tust du?“ Mann:“Ich sitze.“, Frau:“Tu doch mal was, was dir Spaß macht!“ Und dabei macht der Mann etwas sehr Vernünftiges, denn er gönnt seinem Geist eine Pause… Viele kämpfen mit der Informationsflut, der Handyabhängigkeit oder dem Warenüberangebot, das uns oft überfordert. Wenn wir dann endlich frei haben, überfrachten wir die Zeit oftmals mit Freizeitaktivitäten- keine Chance für Müßiggang. Das Buch ermutigt, sich auszuklinken und anders zu sein- gegen das übliche Verhalten und der bestehenden Meinung, viel in seiner Lebenszeit erreichen zu müssen. Wem das schwerfällt, der bekommt Tipps, wie man Muße in seinem Leben zulässt. Denken Sie dabei nicht an Zeitmanagement, oder „Simplify your Life“, der Weg ist ein ganz anderer.

Rückblick auf 30 Jahre

Charakterbilder

55 berühmte Persönlichkeiten werden in diesem Buch im Zeitraum von 1983 bis 2007 porträtiert. Faszinierend ist, wie die Fotografin von Kruse es schafft, die Berühmtheiten ungestellt abzulichten und wie sie beschreibt, welche Hürden sie nehmen musste, um diese Porträts überhaupt machen zu dürfen und gleichzeitig auch Interviews zu bekommen. Das Buch gleicht einer Zeitreise, denn es tauchen Namen auf wie z.B. , Marion Gräfin Dönhoff, Richard von Weizsäcker, Ida Ehre oder auch Loriot. Sehr lesens- und sehens(!)wert, denn man entdeckt u.a. auch manche Facetten bei den einzelnen Personen, die man nicht vermutet hätte.

Das Buch ist im zu Klampen Verlag erschienen und kostet 19,80 Euro.

Im Bann von Herrn Zett

HerrZett

Was macht Herr Zett auf einer Parkbank? Das beschreibt Hans Magnus Enzensberger in seinem Buch „Herr Zetts Betrachtungen, oder Brosamen, die er fallen liess, aufgelesen von seinen Zuhörern“.  Herr Zett ist ein Mann mittleren Alters mit braunem Bowler auf dem Kopf, der eines Tages plötzlich auf einer Parkbank auftaucht und seine Meinungen zu Gott (manchmal) und die Welt (sehr oft) verlauten lässt. Er zieht damit sehr unterschiedlichen Zuhörer an, die sich oftmals an Zetts Ansichten reiben oder sich sogar fürchterlich ärgern und Diskussionen anfangen. Aber genau das beabsichtigt Zett. Mal ist er bei den Schlagabtäuschen nett, mal ein Grantler, mal schlichtweg unausstehlich. Das alles erfahren wir von einem der Zuhörer, der 259 Betrachtungen von Zett in dem Büchlein zusammengefasst hat.

Das Büchlein hat 226 Seiten und ist sympathisch klein, so dass es wirklich in jede Tasche passt und man es mitnehmen kann, wenn man mal zwischendurch etwas Intelligentes lesen möchte. Es kostet 8 Euro.

Tosende Stille-tosendes Unbehagen

Vor ein paar Tagen stand erneut in der Zeitung, dass Pottwale gestrandet seien und man in ihrem Mägen sehr viel Plastikmüll gefunden hätte. Der Artikel erinnerte mich an das Buch, das ich letzten Monat gelesen und über dessen Inhalt ich mich ziemlich aufgeregt habe. Eigentlich wollte ich es nicht besprechen, die Tatsache, dass es mir jetzt wieder in Erinnerung kam, zeigte mir aber, dass das Buch wenigstens eine gute Seite hat. Deshalb nun doch ein paar Worte zu diesem Buch:

Tosende Stille Atlantiküberquerung

Worum geht es?

Janice Jakait hat 2011 in 90 Tagen als erste deutsche Frau alleine in einem Ruderboot 6500 km zurückgelegt. Sie ruderte für OceanCare, einer Umweltorganisation, die unermüdlich versucht, die Welt auf den Plastikmüll in den Meeren aufmerksam zu machen. Die Medien berichteten damals ausführlich über die Autorin und somit auch über OceanCare. Bis hierhin finde ich alles gut, aber der Rest…

Janice Jakait erzählt, wie sie 10 Jahre vergeblich nach dem Sinn des Lebens geforscht hat und nun eine Herausforderung suchte, die ihr Klarheit bringen sollte. Die Idee des Ruderns kam da eher zufällig. Sie hatte bis dahin nicht soo viel mit dem Rudern zu tun gehabt und ging dann als Kettenraucherin und jemand, der immer wieder Migräneanfälle bekommt, an den Start. Das war alles nicht so einfach und ihre Klagen sind vielfältig. Bereits nach wenigen 100 Seemeilen gab es dann auch noch technische Probleme, die darin ausuferten, dass das Boot beim Rudern extrem laut war und sie bald verrückt geworden wäre. Extreme Verbrennungen dank Sonneneinstrahlung kamen noch dazu, ebenso Stürme auf See und gefährliche Stunden, als sie in ihrem kleinen Ruderboot von Riesenfrachtern oder Schleppschiffen fast mal übersehen wurde ( z.B. in der Straße von Gibraltar, oh Wunder).

Der Schreibstil des Buches ist einfach, es wird ordentlich geflucht, aber das passt natürlich auch zu den extremen Situationen. Auch wird natürlich von schönen Momenten berichtet, wie sie z.B. sehr lange von einem Seevogel, einem Wal oder Delfinen begleitet wird. Meiner Meinung zu kurz sind die Passagen, in denen sie über OceanCare schreibt, deren Arbeit sie unterstützen will, aber das ist sicher noch Geschmackssache.

Was mich beim Lesen aber sehr gestört hat ist der Egoismus dieser Autorin.

Die Leistung, dass trotz allen Widrigkeiten, Janice Jakait durchgehalten hat, verdient sehr großen Respekt, aber ich finde das ganze Projekt höchst unverantwortlich gegenüber anderen und gegenüber ihrer eigenen Person. Und wenn sie dann noch in ihrem Buch beschreibt, wie hunderte von fliegenden Fischen auf ihrem Boot landeten und verendeten, dann wird das eine Ziel, etwas für die Umwelt zu tun, ad absurdum geführt.

Und hat sie den Sinn des Lebens gefunden? Sie gibt jetzt zwar Seminare für ein sinnerfülltes Leben (den Augenblick genießen, nicht so hohe Ansprüche an sich und andere stellen, alles wird sich finden), ich bin mir da nicht so sicher, denn sie plant weitere Extremexpeditionen…

Ich glaube, das ist bisher meine längste Buchbesprechung, höchstwahrscheinlich, weil ich mich immer noch aufrege…

 

Was weiß man über den Iran?

Couchsurfen

Ich habe dieses Buch in den letzten Monaten dreimal verschenkt an die Männer von Freundinnen. Alle drei lesen, wenn überhaupt, nur Science Fiction. Hätte es zu den Anlässen schon das neue Buch von Horst Evers gegeben, wäre das natürlich jeweils mein Geschenk gewesen (bespreche ich in der nächsten Woche). Aber so wählte ich diesen Titel aus und oh Wunder, alle drei     haben das Buch zu Ende gelesen und fanden es gut!

Stephan Orth: Couchsurfing im Iran Malik Verlag 14,99

Im letzten Jahr reiste der Autor zwei Monate kreuz und quer durch den Iran. Als erfahrener „Couchsurfer“ gelang es ihm fast immer, bei Privatleuten zu übernachten, und so lernte er das Land aus vielen Blickwinkeln kennen. Es gibt im Iran zwei Realitäten, die gleichzeitig nebeneinander existieren. Die eine Realität ist die der Mullahs. Hier ist die Angst vor dem Gottesstaat und seiner Gewalt so groß, dass viele Iraner lethargisch werden. Die zweite Realität ist die des „Versteckspielstaates“. Fühlen sich Iraner in ihren eigenen vier Wänden oder an abgelegenen Orten sicher, führen sie ein Leben, das unserem im Westen sehr ähnelt. „Shades of Grey“, „Justin Biber“ oder „Facebook“ sind momentan angesagte Themen. So ist dieser gut zu lesende Reisebericht sehr aufschlussreich, und am Ende fragt man sich, ob die jungen Leute bald in einer neuen Revolution für Meinungs-, Religions- und Bewegungsfreiheit kämpfen werden.

Eine nicht alltägliche Möglichkeit, sich abzukühlen

Jede Schneeflocke ist ein Unikat
Jede Schneeflocke ist ein Unikat

Mir war es heute eindeutig zu warm! Kalte Getränke und Eis halfen nicht so wie gewünscht, aber ein Buch…Ich habe einen Bildband mit über 2000 Abbildungen von Schneeflocken. W.A.Bentley hat bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts über 5000 Schneeflocken fotografiert, um zu beweisen, dass jeder Schneekristall einzigartig ist. ( Unter welchen schwierigen Umständen er fotografiert hat, das wird in einem anderen Buch beschrieben, welches noch auf meinem Nachttisch ungelesen liegt.) Einbildung ist ja bekanntlich alles, aber diesen Bildband anzuschauen erfrischt und beruhigt den Puls, ist faszinierend und auch sehr inspirierend, wenn man gerne zeichnet oder nach Mustern sucht.

 

 

Was ist eigentlich evangelisch?

Evangelisch

Okko Herlyn Was ist eigentlich evangelisch? Neukirchener Verlagsgesellschaft 14,99

Sind sie evangelisch, katholisch oder „nichts“? Egal, denn das neue Buch des Duisburger Autors Okko Herlyn bietet für jeden, der sich mit dem Thema Religion aktiv auseinander setzen möchte eine Menge Stoff zum Nachdenken . In siebzehn unterhaltsam geschriebenen Kapiteln widmet er sich der Frage, was heutzutage „evangelisch“ bedeutet bzw. bedeuten könnte (!). Kritisch betrachtet er z.B. dabei im Vergleich die katholische Kirche oder die Auswüchse evangelischer Regularien. Auch warnt er davor, sich für neue Kirchenmitglieder bei der Spaßgesellschaft anzubiedern. Ermutigend sind die Texte, wenn es z.B. um kirchliches politisches oder soziales Engagement geht. Das Beste an allem: Seine Thesen unterfüttert er mit Bibelzitaten und kommt so dem evangelischen Kerngedanken nach: „Allein die Schrift. Evangelisch sein geht nicht ohne Aufschlagen der Bibel“! Ein Buch, das aufrüttelt und neugierig macht.

Für alle Idioten dieser Welt

Buch Idioten

Ruben Mersch Warum wir alle Idioten sind Goldmann Verlag 9,99

Auch wenn wir es alle nicht wahr haben wollen: Unser Gehirn ist bequem und gaukelt uns nur vor, dass wir selbständig denken. In Wirklichkeit sind wir alle Idioten, die von unserem Gehirn manipuliert werden. Warum ist das so? Unser Gehirn liebt Denken in schwarz-weiß,  Denken in Schubläden oder es sucht immer nach bekannten Mustern, um aus seiner Komfortzone der vorgefassten Meinungen nicht heraus zu müssen. Lügen von Politikern, Halbwahrheiten in den Medien, falsche Versprechungen der Pharmaindustrie oder Verlockungen in der Werbung, wir fallen immer wieder darauf hinein, denn unser Gehirn verleitet uns dazu, dass wir falsche Schlüsse ziehen.
Der Biologe und Philosoph Ruben Mersch gibt viele Beispiele für unsere Denkfehler und beschreibt humorvoll, wie wir unserem Gehirn ein Schnippchen schlagen. Ein Buch zum Textanstreichen und Mehrmalslesen.

Gartenfreundschaften halten ewig

Grüne Bande

Christiane Büch/Ariane Kaths: Grüne Bande Ulmer Verlag 24,90€
Können sie es auch kaum erwarten, wieder mehr Zeit in ihrem Garten zu verbringen, um zu buddeln, zu staunen, Neues auszuprobieren oder einfach die Seele baumeln zu lassen? Dann ist dieses Buch genau das Richtige für sie! Ariane und Christiane sind eng befreundet und beruflich sowie privat passionierte Gärtnerinnen. Sie erzählen von ihrem so abwechslungsreichen Gartenjahr, in dem sie z.B. Pflanzentauschbörsen besuchen, an Workshops teilnehmen, beim „Tag der offenen Gartenpforte“ mitmachen oder Gärten besuchen, um neue Anregungen zu finden. Besonders wichtig ist beiden aber die Pflege der alten und neuen Freundschaften mit anderen Gartenliebenden. Man tauscht sich aus, lernt viel und ist immer „auf gleicher Wellenlänge“. Beim Lesen des Buches und dem Bestaunen seiner wunderschönen Gartenfotos wird die Vorfreude auf die kommenden Monate immer größer, und man verspürt Dankbarkeit, mit dem „Gartenvirus“ infiziert zu sein.