Bretagne 7 – Was macht die Bretagne aus?

In der südlichen Bretagne fielen uns in der Stadt Quimper zuerst die Restaurants und Cafés auf. Gefühlt wurde in jedem zweiten Ladenlokal etwas zum Essen angeboten, dazu kam noch eine große Markthalle. Auf diesem Bild sieht man unten beispielsweise einen kleinen Platz, auf dem gleich vier Crèperien um Kunden buhlten.


Die Kathedrale St. Corentin wurde in 600 Jahren gebaut (13.-19. Jahrhundert), so dass sich in ihr noch einige gotische Originalfenster befinden, die zu den ältesten in Frankreich gehören. Ein großer Brand 1762 zerstörte viel von Quimper, doch findet man immer noch einige sehr alte Fachwerkhäuser und Bauten aus der Renaissance. Das alles sahen wir uns mit Freude an, doch es war noch nicht der Höhepunkt von Quimper.

Rechts die Kathedrale, links oben ein Foto aus einer der alten Passagen, darunter zwei Bilder, die zwei der drei Flüsse zeigen, die durch Quimper fließen.

In Quimper hat man die Auswahl zwischen drei Museen, eins für die Kunst, ein anderes für Keramik und schließlich das dritte für bretonische Heimatgeschichte. Letzteres besuchten wir und waren hingerissen vom Gebäude, dem Umfang der Sammlung und der Schönheit handwerklicher Künste.

Das Museum ist im ehemaligen Bischofspalast aus dem 16. Jahrhundert untergebracht. Oben rechts werden beispielsweise Funde aus der Römerzeit präsentiert.
Diese Fotocollage kann Ihnen nur eine kleine Idee von der Pracht bretonischer Trachten übermitteln.
Es gibt auch eine Keramikabteilung. In der Mitte ein altes Relief aus einem Bahnhof, das drei zurückkehrende Fischer zeigt, darunter eine Musikergruppe, die zum bretonischen Festtag „ Jour de pardon“ aufspielt.
Besonders beeindruckte uns die Üppigkeit der Möbelabteilung, rechts unten „bretonischer Bauhausstil“.

Dieser Museumsbesuch schenkte uns schon einen tiefen Einblick in die „Seele der Bretagne“. Ein zweites Museum erweiterte noch unser Wissen.

In diesem Buch lese ich seit ein paar Jahren immer mal wieder ein paar Texte:

Georges Perros beschreibt darin Alltagsbeobachtungen und macht sich seine Gedanken dazu. Das ist manchmal keine leichte Lesekost, aber man soll sich ja Herausforderungen stellen und ich finde Perros als Autor sehr interessant.
Das ist der Grund, warum wir nach Douarnenez gefahren sind, da Perros hier lange gelebt hat. In den Hafenkneipen sprach er mit den Menschen und hörte sich ihre Geschichten an.

In unserem Reiseführer (Dumont Taschenbuch) wird Douarnenez nicht gerade euphorisch beschrieben, aber ich wollte zum Hafen Port Rhu, da es hier noch alte Kneipen gibt und auch eine Mediathek, die den Namen von Perros trägt und in der es eine Ausstellung über den Autor gibt.

Erst eine große Enttäuschung: Die Mediathek hatte geschlossen. Daneben aber, wie schon in Quimper, ein „Museumstrüffel“.
Tauchen Sie mit mir ein in die Welt der Seefahrt, des Karnevals und der exzellenten Schwarzweissfotografie! Das Museum „Port-Musée du Bâteau“ befindet sich in einer ehemaligen Konservenfabrik.

Boote aus allen Teilen der Welt kann man hier bestaunen.
Rechts: Maritime Szenen zeigen, wie das Leben früher aussah. Links: Wichtig für die Bretagne: Der Fang und die Verarbeitung von Sardinen!
Im Außengelände des Museums konnten wir uns diverse historische Schiffe ansehen.

Wenn Sie sich für Maritimes interessieren, habe ich zwischendurch noch einen Buchtipp für Sie:

Der Autor segelt zusammen mit zwei Freunden vom Norden der Bretagne aus Richtung Wales, danach von Irland nach Schottland, der Segeltörn endet auf den Orkney- bzw. Shetlandinsel. Wie er schreibt, ist es das Küstenband seiner Träume. Auf dieser Reise geht Tesson auch immer wieder an Land, um zu Fuß oder per Rad zur nächsten Anlegestelle zu kommen. Tesson ist auf der Suche nach Feen. Was sind für ihn Feen? Hier kommt er selbst zu Wort:

Sein Buch bietet bewegende Situationen, wenn er uns an seinen Naturempfindungen teilnehmen lässt. Als sehr belesener Mann zieht er immer wieder Gedichte und Zitate berühmter Dichter heran, um seine Gefühle zu beschreiben.

Aus Goethes Faust II

Aber er lässt in seinem Reisebericht auch immer wieder Humor aufblitzen, bzw. übt er auch gerne einmal Kritik, sei es unverhohlen oder dezent.


Aber zurück zu dem Museum. In Douarnenez schlägt auch ein Herz für den Karneval und das schon offiziell seit 1835. Er gilt als einer der ältesten der Bretagne und jedes Jahr werkeln und schneidern die Bewohner von Douarnenez originelle Figuren und Kostüm.

Links oben: Die bretonischen Kardashian-Schwestern

Neben den vielen Kostümen und Masken wurden auch Fotos gezeigt, die ein Beweis dafür waren, wie sehr diese alte Tradition die Bewohner zusammenschweißt. Besonders gut gefielen mir auch die zahlreichen alten Werbeplakate für den Karneval, „Les Gras“ genannt.

Und dann lernten wir noch den Fotografen Michel Thersiquel kennen. Er wurde in der Bretagne geboren, verbrachte einen Teil seines Lebens in anderen europäischen Ländern, bevor er wieder in seine Heimat zurückkehrte, um die Menschen und Landschaften in der Bretagne zu fotografieren. Das Museum kann auf ein Archiv von ca. 100000 Bildern zurückgreifen und es gibt jährlich wechselnde Ausstellungen. Als wir dort waren, wurden Schwarzweißfotos u.a. vom Karneval und Frauen in der bretonischen Tracht gezeigt.

Rechts unten: Links: Kleine Pause vom Karneval, rechts zwei Bücher, die ich mir als Erinnerung mitbrachte.

Die Menschen, ihre Handwerkskunst, die Seefahrt- mit dem Besuch dieser beiden Museen bekamen wir ein besserer Gefühl dafür, was die Bretagne ausmacht.
Nächste Woche kommt noch ein Aspekt dazu: Welche Themen bewegen Bretonen heute? Ich habe den Bretonen „nicht aufs Maul“ geschaut, aber auf ihre Schilder.

Das falsche Leben

Wer meinen Blog regelmäßig liest, hat heute evtl. den Beitrag Nr. 7 zum Thema Bretagne erwartet. Leider ist dieser nicht rechtzeitig fertig geworden- er wird ziemlich lang. Deshalb gibt es heute eine zweite Jugendbuchbesprechung.

Thomas lebt mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder Michael in den 70er Jahren in Hannover. Sein Vater arbeitet bei der Preussag, die Mutter ist Hausfrau, Michael macht eine Lehre auf dem Bau und Thomas geht in die Oberstufe eines Gymnasiums. Alles ganz „normal“. Doch dann kommt eines Tages sein Vater nach Hause und treibt seine Familie an, die Koffer für eine längere Reise zu packen, denn der kranke Opa auf Usedom läge im Sterben und sie müssten sofort zu ihm fahren.
Usedom liegt in der DDR- wieso können sie sofort einreisen? Der Vater wiegelt ab, er hätte Beziehungen…
Auf Usedom angekommen, sieht die Familie, dass es dem Opa recht gut geht. Der Vater gerät in Edrklärungsnot und beginnt zu erzählen und von diesem Tag an ist in dem Leben der Familie nichts mehr „normal“: Der Vater hat als überzeugter Kommunist für die DDR über Jahre hinweg in der feindlichen BRD spioniert und ist jetzt mit zahlreichen anderen Agenten von einem Mitglied der DDR-Staatssicherheit verraten worden. Viele wurden verhaftet, er konnte flüchten.
Die Familie ist wie gelähmt, Michael ist der erste, der sich auflehnt, als zwei Mitarbeiter der Stasi bereit stehen, um sich um die Familie zu kümmern. Sie bekommt eine moderne Wohnung, die, oh Wunder, 1:1 mit dem Besitz aus der Wohnung in Hannover eingerichtet ist, und Michael wird ein Arbeitsplatz vermittelt, Thomas darf in die beste Oberschule gehen. Doch beide kommen nicht zurecht, werden von anderen geschnitten. Michael rebelliert noch mehr und man lässt ihn daraufhin in die BRD ausreisen, Thomas verlässt die Schule und beginnt eine KFZ-Lehre. Dort findet er einen Freund, der mit seiner positiven Einstellung das Leben von Thomas etwas verbessert. Doch das hält nicht lange an, denn der Vater ist inzwischen desillusioniert und versucht als letzten Ausweg, über die Ostsee in die BRD zurück zu flüchten. Der DDR-Grenzschutz greift ihn auf und verhaftet ihn. Auch seine Frau und Thomas kommen als Mitwisser ins Gefängnis. Thomas muss fünf Jahre durchhalten, dann wird er entlassen. Doch was wird jetzt aus ihm?

Dieses Buch bezieht sich auf eine wahre Geschichte und es ist großartig. Ich empfehle es in der Buchhandlung gerne Großeltern, die es gemeinsam mit ihren Enkeln lesen sollten. Dass es ein „DDR-Lexikon“ im hinteren Teil des Buches gibt, finde ich gut, allerdings sind die Erklärungen für 13, 14jährige meiner Meinung nach z.T. zu anspruchsvoll.
Ich hoffe, dass das Buch sich auch als Klassenlektüre durchsetzt, denn es ist insofern aktuell, zeigt es doch sehr klar, wie mit Menschen in einem nichtdemokratischen Staat umgegangen werden kann.

Kein Bild von mir

Es sind Ferien, doch Jip kann sie nicht richtig genießen. Im Zeichenunterricht haben sie die Aufgabe gestellt bekommen, ein Selbstporträt von sich anzufertigen. Eigentlich liebt Jip das Zeichnen, doch wie soll man sich darstellen, wenn im Kopf Gedanken, Gefühle und Beobachtungen ohne Pause herumschwirren und man völlig verunsichert ist?
Am liebsten verbringt Jip seine Zeit alleine auf einem abgezäunten Baugelände, wo die Natur Jip noch ein Versteck bietet, um in Ruhe Insekten zu beobachten und die Gedanken zu sortieren. Noch immer tut es weh, dass der jahrelange Schulfreund plötzlich die Freundschaft gekündigt und Jip damit verraten hat. Eine Aussprache gab es nie, da der Freund kurze Zeit später weggezogen ist. Dann ist da aber auch noch der neue Junge in der Klasse, an den Jip immer denken muss und der Jips Gefühlswelt ordentlich durcheinander bringt.
Als die Ferien vorbei sind, kann Jip zwar verschiedene Zeichnungen vorweisen, ein Selbstporträt ist nicht dabei. Die Lehrerin versucht zu helfen, doch erst als Jip und der neue Schüler sich außerhalb der Schule treffen, wird Jip langsam klar, was sie ist, bzw. was sie nicht ist und am Ende des Buches sehen wir Jips Selbstporträt.

Ein großartiges Jugendbuch (ab 12 J.)! Der Autor schafft es, Jips unsichere Gefühle, ob sie sich als Mädchen oder Junge fühlt, auf Leser/Leserin zu übertragen. Jips Beobachtungen sind wahre Schätze und das bezieht sich nicht nur auf das genaue Hinsehen bei Insekten, sondern auch auf das Miteinander ihrer Mitmenschen. Wie schön, dass das Buch schon einen Preis gewonnen hat!

Bretagne 6-Der Süden

Die zweite Hälfte unserer Ferien übernachteten wir in Concarneau. Eigentlich wollte ich dort nicht hin, denn ich befürchtete besonders viele deutsche „Krimipilger“, die sich die Stadt wegen der Krimiserie mit Kommissar Dupin von Jean-Luc Bannalec ansehen wollten.
Fun Fact zwischendurch: Dupin war nicht der erste Polizist, der in Concarneau für Recht und Ordnung sorgt. Bereits in den 60er Jahren ließ Georges Simenon in seinen Krimi „Der gelbe Hund“ seinen Kommissar Maigret in dieser Stadt ermitteln. Interessant zu lesen, war damals Concarneau doch eine sehr kleinbürgerliche Stadt ohne viel Abwechslung, die durch mehrere Morde erschüttert wird.

Es stellte sich heraus, dass Concarneau als Übernachtungsort eine gute Wahl war, denn abends, nachdem viele Tagestouristen abgereist waren, wurde es beschaulich. Die Lage des Ortes ist toll, man kann wunderbar am Meer spazieren gehen, die Auswahl der Restaurants lässt nichts zu wünschen übrig. Was mir besonders gut gefiel war die Tatsache, dass sich die touristischen Neppangebote und Souvenirläden hauptsächlich auf die Ile de Clos beschränkten, so dass die eigentliche Innenstadt den Einwohnern von Corcarneau gehört und sie dort ihre zum Alltagsleben benötigten Geschäfte finden.

Oben der Blick auf die Innenstadt von der Ile de Clos aus, darunter ein paar Schnappschüsse aus der Innenstadt.
Auf der Ile de Clos, einer Insel mit einer Festungsanlage.

Wir machten von Concarneau aus Tagesfahrten und diese führten uns u.a. nach Pont-Aven und Vannes.

Pont-Aven wirbt für sich als Künstlerstadt, da hier Gaugin und andere Kreative bereits im 19. Jahrhundert die malerischen Ecken als Motive für ihre Werke entdeckten. Es gibt heute zahlreiche Galerien in dem Städtchen.

Vannes beeindruckt durch seine Prachtbauten und alten Fachwerkhäuser.

Eine Stadt, die zum Bummeln einlädt oder auch zum Ausprobieren von Spezialitäten in der alten Markthalle. Wir ließen uns ohne Karte treiben und waren dann höchst erfreut, als wir plötzlich am Hafen standen. Hier ließen sich die 34 Grad (Mitte Mai!) besser aushalten.

Mehr um das Thema Landschaft ging es bei unserer Fahrt durch das „Pays Bigouden“. Hier war es auch deutlich frischer. Ein Ziel war der „Phare d‘Eckmühl“, auf den man bis nach oben steigen kann. Auch lässt sich gut am Meer spazieren gehen.

Ausführlicher gehe ich im nächsten Beitrag auf die Städte Quimper und Douarnenez ein, die für uns neben dem Gebiet des „Phare d‘Eckmühl“ die beiden schönsten Ausflügsziele waren.

Wer möchte nicht im Leben bleiben- und Klavier spielen

Die Autorin bekommt eines Tages eine Mappe überreicht, in der das Leben der jungen Christina von ihrem Vater dokumentiert wurde und Helene Bukowski nimmt dies zum Anlass, über das Leben von Christina zu schreiben, einer Pianistin, die mit 24 Jahren aus einem Fenster stürzte. Wie konnte es dazu kommen?
1961 wird Christina in der DDR geboren. Ihr Vater ist Opernsänger und widmet sich schon früh der musikalischen Ausbildung seiner Tochter. Sie zeigt Talent beim Klavierspielen und bekommt ab vier Jahren Klavierunterricht. Als der Vater wegen kritischer Äußerungen nicht mehr auftreten darf und sich mit einer ihm zugewiesenen Arbeit zufrieden geben muss, widmet er sich in seiner Freizeit intensiv Christinas „Karriere“. Er ist sehr streng, will für seine Tochter natürlich das Beste. Christina kennt nur das Üben, selbst in den Ferien organisiert der Vater Hauskonzerte oder ein Klavier am Urlaubsort. Christina gehorcht, doch mit der Pubertät erwacht eine andere Christina, die ausbrechen will, letztendlich aber von der „lieben“ Christina besiegt wird.
Ihre Mutter sieht die Überforderung, verhält sich aber zumeist passiv und versucht nur, ihrem Kind durch selbstgenähte hübsche Kleider und leckeres Essen ein bisschen Lebensfreude zu schenken. Im Laufe der nächsten Jahre kommt Christina zuerst an ein Musikkonservatorium in Ost-Berlin, wo sie weiter gedrillt wird. Dann erhält sie wegen mehrerer gewonnenen Wettbewerbe ein Stipendium für die Moskauer Universität. Dort erkennt eine Professorin Christinas besonderes Talent, mit ihrem gefühlvollen Spielen eines Stückes eine neue Welt zu erschaffen und fördert sie. Der Abstand zu den Eltern tut Christina gut und die Moskauer Jahre sind die beste Zeit ihres Lebens.
Doch nach Ablauf des Stipendiums muss sie in die DDR zurück und dort wird individuelles Spielen nicht sehr geschätzt, es zählt nur der Erfolg bei internationalen Wettbewerben. Christina versucht, den Ansprüchen gerecht zu werden, doch die andere Christina lehnt sich innerlich immer häufiger auf. Gesundheitlich geht es ihr immer schlechter. Anfangs ignoriert sie ihre permanente Schlaflosigkeit und sie funktioniert nur noch. Doch dann ist es eines Tages zu viel…

Die Autorin hat Orte besucht, an denen Christina gelebt hat und mit Menschen gesprochen, die sie gekannt haben. Das Ergebnis ihrer Recherchen ist ein Buch, das für den Leipziger Buchpreis nominiert wurde und den Preis verdient hätte.
Die Schriftstellerin schlüpft mit in die Geschichte, was dazu führt, dass sie mit Christina ab und zu spricht, ihren eigenen Lebensweg mit dem von Christina vergleicht oder ihr manchmal eine schönere Kindheit und Jugend schenkt, als Christina sie höchstwahrscheinlich gehabt hat. Der Erzählton ist dabei so liebevoll, dass das Buch beim Lesen sehr bewegt und man ganz nah Situationen miterlebt.

Bretagne 5: Die Stadt Brest


Auf der Fahrt vom Norden der Bretagne in den Süden legten wir einen Zwischenstopp in Brest ein. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und in den 50er Jahren baute man schnell viele neue Wohnblocks. Die Kargheit dieser Nachkriegsbauten prägen heute noch das Stadtbild, Brest nennt sich freundlich „Die weiße Stadt“. Der erste Eindruck ist nicht sehr einladend, besonders bei Regen, den es in Brest öfter als in jeder anderen bretonischen Stadt gibt.

Oben: Das eine Ende der Einkaufsstraße mit dem Rathaus im Hintergrund. Unten: Ein ehemaliges Industriegebiet wird nach und nach umgestaltet- siehe unten!

In der Einkaufsstraße gibt es kaum die in Deutschland überall präsenten Ketten, keine Leerstände, stattdessen schöne Bekleidungsgeschäfte, die sich mit anderen Fachgeschäften, Cafés und Restaurants abwechselten. Die Straße verläuft zwischen dem Rathaus und der Hubbrücke, beides Wahrzeichen der Stadt.

Ein ebenso imposantes Gebäude ist die nahe gelegene Kirche St. Louis

Nachdem die ursprüngliche katholische Kirche aus dem 17. Jahrhundert im Zweiten Weltkrieg abgebrannt war, baute man von 1953 bis 1958 diese neue Kirche aus Beton, Granit und Stahl. Keine Ornamente mehr, die großartigen Fenster und wenige Holzfiguren sind der einzige Schmuck. Ich mag diesen Minimalismus sehr.

Möchte man sich mit der Geschichte der Stadt befassen, empfiehlt sich der Besuch des Schlosses. In ihm befindet sich auch das Maritimmuseum und man bekommt einen Eindruck, welche wichtige Rolle die Stadt seit der Römerzeit als strategischer Militärstützpunkt gespielt hat. Dies ist bis heute sichtbar, denn immer wieder trifft man auf Hinweisschilder, dass man vor einem militärischen Gelände steht, das nicht fotografiert werden darf.

Oben rechts eine Teilansicht des Schlosses, links daneben ein Ausbaggerschiff für den Fluss Penfeld. Links unten ein Ventilator für das Zwischendeck eines Schiffes, rechts daneben ein maritimer Kopfschmuck.

In der Innenstadt von Brest findet man nur wenige Grünanlagen. Etwas außerhalb liegt der Botanische Garten, dem wir auch einen kurzen Besuch abstatteten. Es werden hauptsächlich Pflanzen gezeigt, die im 18. und 19. Jahrhundert entdeckt wurden, als im Hafen von Brest auch große Seeexpeditionen starteten.

Komme ich zum Abschluss auf den Höhepunkt unserer fünfstündigen Besichtigungstour zu sprechen. Brest ist durch den Fluss Penfeld geteilt und eine Seilbahn fährt von der Innenstadt direkt zu den „Ateliers des Capucines“, die laut Brest-Homepage die „größte überdachte öffentliche Platzfläche Europas“ ist.


Unten links die „Ateliers des Capucins“, ein ehemaliges Werft- und Industriegebäude der französischen Marine. Ursprünglich stand dort seit 1695 ein Kapuzinerkloster („Capucins“ = Kapuziner), das nach der Französischen Revolution von der Marine übernommen wurde. Im 19. Jahrhundert wurden daraus große Werkhallen für den Bau und die Reparatur von Kriegsschiffen.  

In den Reiseführern wird dieses Gebäude als Kulturzentrum beschrieben. Das ist richtig, aber es ist eher noch ein „Labor für den sozialen Wandel“. Man findet hier keine isolierten Ausstellungen, sondern offene Werkstätten, in denen man zusehen oder sogar mitmachen kann. Auf ca. 10.000 qm treffen sich Menschen, um gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen, Neues auszuprobieren, zu lernen oder sich inspirieren zu lassen.

Bibliothek, Theater, Konzertsaal, Geschäfte, Restaurants – gibt es hier alles. Aber beispielsweise auch ein Repaircafé (oben links), eine Boulderanlage oder Workshop-Räume- unten links findet gerade ein Bierbrauerkurs statt.
Rechts: Einfach mal was ausprobieren oder machen…

Bei einem erneuten Besuch von Brest würden wir mehr Zeit einplanen, denn wir waren noch nicht im Hafen oder in dem über die französischen Grenzen bekannten Meeresmuseum. Auch würde ich meinen Blick schulen, um die feinen Unterschiede der weißen Häuser zu entdecken und mehr wertzuschätzen.

Eine Collage mit Bildern von Gebäuden in Brest, erstellt von KI

Ein Fotonachmittag in Köln

Vorletzten Sonntag fuhren wir nachmittags nach Köln, um uns zum ersten Mal den Kölner Skulpturenpark anzusehen. Er liegt in der Nachbarschaft vom Zoo, fast direkt am Rhein (dort kann man sonntags kostenlos parken und hat direkt eine schöne Aussicht).

Jeden ersten Sonntag um 15 Uhr gibt es eine ca. einstündige Führung im Park, die wir allerdings verpassten. Eine Broschüre gab es am Eingang, bzw. Beschilderungen an den Kunstwerken mit QR-Codes oder Texten standen jedoch meistens mit Erklärungen bereit.

Der Park ist ca. 3 ha groß und zeigt seit den 90er Jahren im zweijährigen Wechsel Kunstwerke von deutschen und internationalen Künstlern. So findet noch bis Ende Juni die „KölnSkulptur Nr. 11“ statt. Danach werden ca. Zweidrittel der Kunstwerke abgebaut und 2027 durch neue ersetzt.
Der Park ist sehr gepflegt, sich neben den Skulpturen den sehr schönen Baumbestand anzusehen, war ebenso eine Freude. Diese begehbare Installation gefiel mir besonders gut:

Wir verbrachten ca. 1 1/2 Stunden im Park. Vom Park aus zugänglich ist das Restaurant Fux, das aber an unserem Sonntag geschlossen war. Wir fuhren deshalb vom Park direkt zu einem zweiten Park, dem Medien Park von Köln.

Auch diese Besichtigung war für uns eine Premiere. Nach dem Kaffeetrinken im großen Kino besuchten wir die Photographische Sammlung, die noch bis zum 12.7.26 die Ausstellung „Lebensräume- Zeitgenössische Perspektiven aus NRW“ zeigt. Zu sehen sind Fotos aus den Jahren 1990 bis 2024 von vierzehn verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern. Die Ausstellung lohnt sich!
(Eintritt 7,50 Euro)

Sehenswert sind auch die einzelnen Stockwerke des Gebäudes. (Könnte sein, dass der Hausmeister etwas grummelt, aber mit Freundlichkeit bekommt man das hin). Hier gibt es Fotomotive zu entdecken!

Das Treppenhaus
Blick nach außen
Blick nach innen
Spiegelung I
Spiegelung II

Wir machten zum Abschluss nur einen kurzen Spaziergang durch den Medienpark. Ich bin mir sicher, dass ich dort noch einmal mit dem Fotostativ und viel Zeit hinfahren werde, dieses Viertel ist sehr fotogen!
Noch ein Tipp: Unter dem Medien Park befindet sich eine Tiefgarage mit mehreren Parkebenen. Nehmen Sie PZ.

Bretagne 4 – Feine Steine und Vögel

Wer im Norden der Bretagne an der „Côte de Granit Rose“ nicht von den Felsen beeindruckt ist, dem kann man nicht mehr weiterhelfen.

Trotz der Touristenströme gingen wir den Weg „Sentier des Douaniers“ zwischen Trestraou und Ploumanac‘h entlang und in einigen Momenten hatte ich die Felsen sogar für mich alleine.

In Ploumanac’h gibt es einen Skulpturenpark, in dem man sich aus diesem Granit angefertigte Figuren ansehen kann. Sie haben alle einen Bezug zu bretonischen Mythen. Uns gefiel diese Ausstellung gut, wenngleich ich mich fragte, welche großartigen Felsen eventuell dafür gesprengt worden sind und inwieweit Menschen das Recht dazu haben, auf der Erde etwas unwiederbringlich zu zerstören, selbst, wenn es „nur“ ein Stein ist.

Solche Gedanken kamen mir, da ich zuvor dieses Buch gelesen habe:

Möchte man ähnlich beeindruckende Steinformationen ohne zu viele Touristen besuchen, empfehle ich eine Fahrt nach Port Blanc, nördlich von Plevénan:

Das Thema Steine bezieht sich bei mir auch auf die vielen kleinen Inseln, die vor den Küsten der Bretagne lagern. Wir machten eine kleine Bootsfahrt entlang der „Sept Îles“ im Norden, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie schwierig es für Schiffe ist, in diesen Gewässern zu manövrieren.

Ein anderer Grund waren die möglichen Vogelbeobachtungen auf diesen Inseln. Basstölpel fühlten sich hier sehr wohl.

Aber auch Kormorane wählen die Inseln als Brutgebiet und wir sahen tatsächlich auch einige wenige Papageientaucher! Das war ein schönes Wiedersehen, nachdem wir Stomer Island im letzten Jahr in Wales besucht hatten, eine Lieblingsinsel dieser niedlichen Vögel.

Das ist ein guter Übergang zu einem weiteren meiner Ferienbücher in der Bretagne.

Zwei Tage, bevor wir gen Frankreich aufbrachen, habe ich mir dieses Buch noch zugelegt in der Annahme, es könnte gut zu den französischen Steinkreisen passen, die wir uns ansehen wollten. Das tat es auch, sofern es die Stimmungen wiedergibt, die an solchen Orten herrschen können. Ansonsten wurde ich von dem Inhalt überrascht, da die Autorin ihren Megalithenführer mit der Geschichte der Krebserkrankung ihres Mannes verbindet- ich hatte nur die Vorderseite des Buches gelesen.
Bis ca. zur Hälfte des Buches fand ich diese Kombination recht gelungen, denn es tauchen einige kluge Sätze in den Schilderungen auf. Doch dann kippte es irgendwann bei mir, da sich die Berichte wiederholten über die Wirkung der Steinkreise, Dolmen und Megalithen auf das Ehepaar. Auch die wiederkehrenden Erwähnungen, dass ihre beiden Kinder nur selten wirklich Lust hatten, ihre Eltern bei solchen Begehungen zu begleiten, nervten mich ein bisschen.
Für enthusiastische GB-Urlauber, die immer wieder auf die Insel fahren, kann dieses Buch aber eine schöne Ergänzung zum Reiseführer sein. Die Beschreibungen der geschichtsträchtigen Orte sind fundiert, eine Karte gibt es jedes Mal dazu und man bekommt durchaus eine weitere Facette dieses Landes „geschenkt“. Ich wünschte, ich hätte das Buch vor zwei Jahren bei einem Urlaub auf den Orkney-und Hebrideninseln mit dabei gehabt.

Der „Cairn von Barnenez“ liegt bei Plouezoc’h im Département Finistère. Barnenez entstand etwa 4500 v. Chr. und gilt als eine der ältesten Megalithanlagen der Welt.
Mehr Infos unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Cairn_von_Barnenez

Fotografieren im botanischen Garten von Palermo (Sizilien Nr. 7)

Diesen Artikel habe ich aus Versehen unter 2027 abgespeichert, er hätte schon im Mai erscheinen sollen…
Aber im Anschluss zu dem Bretagne Artikel von letzter Woche passt er ja vielleicht ganz gut. Die ersten acht Fotos sind aus Palermo, die anderen aktuell aus der Bretagne.

Fortsetzung des Artikels „Das melancholische Palermo“-
Alte und außergewöhnliche Pflanzen boten mir im Botanischen Garten eine Spielwiese für Fotoexperimente. Hier eine kleine Auswahl:

Natürlich habe ich auch noch etwas für Puristen:

Fotomotive aus der Bretagne:

Bretagne 3 – Eine Blumenliebhaberin bedankt sich beim Golfstrom

Wenn man Mitte Mai in die Bretagne fährt, hat man, sofern man sich für die Vegetation der Bretagne interessiert, zwei Nachteile: Die Hortensien blühen noch nicht und manche Schlösser und deren Gärten öffnen erst im Juni.
Die Vorteile dieser Jahreszeit überwiegen aber eindeutig. Alle Farben sind noch frisch und die Farbpalette der Blüten könnte kaum größer sein. Da blüht der rosa Rhododendron neben oranger Kapuzinerkresse, spanische Gänseblümchen neben blauen Glockenblumen, garniert mit Mohn oder Rosen. Großzügigen Schatten bieten u.a. die Palmen, auf die man überall trifft. .

Lieben Sie Gärten, dann empfehle ich Ihnen, nach dieser Karte Ausschau zu halten. Sie ist kostenlos und lag in Touristeninformationen oder an anderen touristischen Hotspots aus.

Und wenn Sie nach der Karte suchen, nehmen Sie sich noch dieses Büchlein mit. Dank ihm bekamen wir zwei schöne Museumstipps.

Ich gerate ins Schwärmen, wenn ich an den “Jardin Exotique et Botanique de Roscoff“ denke, der 1986 gegründet wurde. Eine Gruppe von Pflanzenenthusiasten erwarb damals ein felsiges Grundstück, das zuvor teilweise als Mülldeponie genutzt worden war. Der Garten hat heute eine Größe von ca. 1,6 Hektar und zeigt rund 3500 Pflanzen aus verschiedenen Teilen der Welt. Dem Golfstrom sei Dank, sorgt er doch für einen milden Winter mit einem ozeanischen Klima.

Oben links: Australische Eukalyptusbäume sind Nachbarn von Riesenfarnen (unten links)

In dem Garten gibt es verschiedene Rundwege. Wenn Sie alles sehen und genießen möchten, müssen Sie ca. 2-3 Stunden einrechnen, denn man kann auch einen Berg erklimmen, mehrere Brücken über Seen überqueren, verschiedene Blicke auf das Meer genießen oder sich von installierter Kunst überraschen lassen.

In einem anderen Blütenmeer können Sie baden, wenn Sie an die Steilküsten im äußersten Südwesten fahren. Hier blühte der duftender Stechginster, ich wollte gar nicht mehr weg und hätte stundenlang an der Küste weiterlaufen können.

Jetzt denken Sie vielleicht: „Ach, Linda /Frau Broszeit hatte wohl immer schönes Wetter, aber wie sieht es bei Nebel oder Regen aus?“ So:

oder so:

Bei uns war nicht immer eitel Sonnenschein, aber so ein trübes Wetter gehört bei der Bretagne mit dazu. An diesen Tagen fotografierte ich gerne die alten Bäume und abends passte dieses Buch als Lektüre besonders gut:

Noch einmal zurück zu der Vegetation in der Stadt. In Frankreich wird aktiv viel dafür getan, mehr Grün in die Städte zu bringen, sei es, dass kahle Plätze in grüne Oasen umgewandelt werden oder Bürger aktiv dazu aufgerufen werden, sich beim Entsiegeln von Bürgersteigen zu engagieren.

Einer von mehreren neu gestalteten Plätzen- gesehen in Morlaix.
Die Übersetzung des Schildes:
Machen Sie aus Ihrer Straße einen Garten
Schutz der Anpflanzungen
Um die neuen Pflanzungen vor Tieren und möglichen Beschädigungen zu schützen, wurden Zäune (Absperrungen) aufgestellt, damit diese neue Vegetation Zeit hat, zu wachsen und sich zu entwickeln.
Die Zäune werden entfernt, sobald die Vegetation ausreichend robust ist.
Respektieren wir den natürlichen Lebenszyklus der Pflanzen!
(Unten stehen die Logos von „Nature pour tous!“ – „Natur für alle!“ – und der Stadt Poitiers.)

Hier könnten sich viele deutsche Städte inspirieren lassen…

Das Thema „Vegetation in der Bretagne“ hat noch viele andere Facetten, mit denen ich auch in Berührung kam, doch würden diese Schilderungen zu weit führen.

In der nächsten Woche heißt es „Feine Steine in der Bretagne“- Salut!