Bretagne 4 – Feine Steine und Vögel

Wer im Norden der Bretagne an der „Côte de Granit Rose“ nicht von den Felsen beeindruckt ist, dem kann man nicht mehr weiterhelfen.

Trotz der Touristenströme gingen wir den Weg „Sentier des Douaniers“ zwischen Trestraou und Ploumanac‘h entlang und in einigen Momenten hatte ich die Felsen sogar für mich alleine.

In Ploumanac’h gibt es einen Skulpturenpark, in dem man sich aus diesem Granit angefertigte Figuren ansehen kann. Sie haben alle einen Bezug zu bretonischen Mythen. Uns gefiel diese Ausstellung gut, wenngleich ich mich fragte, welche großartigen Felsen eventuell dafür gesprengt worden sind und inwieweit Menschen das Recht dazu haben, auf der Erde etwas unwiederbringlich zu zerstören, selbst, wenn es „nur“ ein Stein ist.

Solche Gedanken kamen mir, da ich zuvor dieses Buch gelesen habe:

Möchte man ähnlich beeindruckende Steinformationen ohne zu viele Touristen besuchen, empfehle ich eine Fahrt nach Port Blanc, nördlich von Plevénan:

Das Thema Steine bezieht sich bei mir auch auf die vielen kleinen Inseln, die vor den Küsten der Bretagne lagern. Wir machten eine kleine Bootsfahrt entlang der „Sept Îles“ im Norden, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie schwierig es für Schiffe ist, in diesen Gewässern zu manövrieren.

Ein anderer Grund waren die möglichen Vogelbeobachtungen auf diesen Inseln. Basstölpel fühlten sich hier sehr wohl.

Aber auch Kormorane wählen die Inseln als Brutgebiet und wir sahen tatsächlich auch einige wenige Papageientaucher! Das war ein schönes Wiedersehen, nachdem wir Stomer Island im letzten Jahr in Wales besucht hatten, eine Lieblingsinsel dieser niedlichen Vögel.

Das ist ein guter Übergang zu einem weiteren meiner Ferienbücher in der Bretagne.

Zwei Tage, bevor wir gen Frankreich aufbrachen, habe ich mir dieses Buch noch zugelegt in der Annahme, es könnte gut zu den französischen Steinkreisen passen, die wir uns ansehen wollten. Das tat es auch, sofern es die Stimmungen wiedergibt, die an solchen Orten herrschen können. Ansonsten wurde ich von dem Inhalt überrascht, da die Autorin ihren Megalithenführer mit der Geschichte der Krebserkrankung ihres Mannes verbindet- ich hatte nur die Vorderseite des Buches gelesen.
Bis ca. zur Hälfte des Buches fand ich diese Kombination recht gelungen, denn es tauchen einige kluge Sätze in den Schilderungen auf. Doch dann kippte es irgendwann bei mir, da sich die Berichte wiederholten über die Wirkung der Steinkreise, Dolmen und Megalithen auf das Ehepaar. Auch die wiederkehrenden Erwähnungen, dass ihre beiden Kinder nur selten wirklich Lust hatten, ihre Eltern bei solchen Begehungen zu begleiten, nervten mich ein bisschen.
Für enthusiastische GB-Urlauber, die immer wieder auf die Insel fahren, kann dieses Buch aber eine schöne Ergänzung zum Reiseführer sein. Die Beschreibungen der geschichtsträchtigen Orte sind fundiert, eine Karte gibt es jedes Mal dazu und man bekommt durchaus eine weitere Facette dieses Landes „geschenkt“. Ich wünschte, ich hätte das Buch vor zwei Jahren bei einem Urlaub auf den Orkney-und Hebrideninseln mit dabei gehabt.

Der „Cairn von Barnenez“ liegt bei Plouezoc’h im Département Finistère. Barnenez entstand etwa 4500 v. Chr. und gilt als eine der ältesten Megalithanlagen der Welt.
Mehr Infos unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Cairn_von_Barnenez

Mr. Saitos reisendes Kino

Als Einstimmung auf diesen Roman hier erst einmal den Tango von Carlos Gardel „Por Una Cabeza“

Buenos Aires, 1910: Fabiolas Mutter ist bei der Geburt gestorben und ihr Vater legt den Säugling in einem Karton auf die Stufe eines Klosters, er kann sich nicht um seine Tochter kümmern. Die Nonnen nehmen Fabiola auf, merken aber irgendwann, dass Fabiola anderes im Kopf hat als Gottesfurcht und Gebete. Schon als kleines Mädchen liebt sie Schuhe über alles, je ausgefallener, desto besser und schon bald fängt sie an, Tango zu tanzen. Die Nonnen verschaffen ihr eine Anstellung im bekanntesten Schuhladen der Stadt, auf den Tanzflächen wird die wunderschöne Fabiola zur Königin des Tangos. Mit 17 Jahren bekommt sie ihre Tochter Carmelita, kurz Lita genannt. Sie liebt ihre Tochter sehr, doch die Tanzfläche zieht sie magisch an. Litas Vater ist unbekannt und so wird das kleine Mädchen auch von den Nonnen erzogen. Lita fühlt sich in den nächste Jahren öfter einsam und ihre Haltung zu ihrer Mutter ist deshalb zwiespältig.
1938: In Buenos Aires herrschen politische Unruhen, Fabiola, die ihr Herz auf der Zunge trägt, muss mit Lita fliehen und beide landen in Kanada auf der Insel Upper Puffin Island. Viel Natur, nur einen „Allroundladen“, rauhe Fischer, tiefgläubige Ehefrauen. Während Lita schnell ihre Freundin Oonda findet und damit auch in eine richtige Familie aufgenommen wird, ist Fabiola für manche in ihrer extravaganten Erscheinung eine Hexe, die man bekämpfen muss. Fabiola will die Insel schnellstens wieder verlassen, doch zusammen mit dem Inseldoktor weiß Lita das zu verhindern. Dann taucht der Japaner Mister Saito zum ersten Mal auf. Er fährt von Insel zu Insel und zeigt einmal pro Jahr Filme und Wochenschauen. So kommt „ die große Welt“ in das kleine Dorf. Die ersten Jahre ohne großen Einfluss auf die Insel, doch dann läuft eines Tages ein kleiner wilder Mann mit Schnurrbart durch das Bild. Der Zweite Weltkrieg hat begonnen und das unbedarfte Leben in Neufundland endet. Schließlich wird
Mr. Saito zum guten Schicksalsgott für Lita und Oonda. Sie treten in seine Fußstapfen und bewahren nach dem Krieg sein Erbe. Und Fabiola findet endlich ihren Frieden auf der Insel.

540 Seiten beste Unterhaltung! Diese lebendige Geschichte wird in „sieben Wellen“ erzählt und jede Welle bringt eine neue Entwicklung. Schleicht sich am Romananfang beim Lesen Tangomusik in den Kopf, riecht man später das Meer, hört den Papageientauchern zu und sitzt zusammen mit der Dorfgemeinschaft in der Vorstellung von Mr. Saito. Am Ende freut man sich mit den drei Frauen, dass sie ein gutes Leben gefunden haben und klappt zufrieden das Buch zu.

Urlaub in Wales (1)

Vor einigen Monaten berichtete ich über unseren Urlaub in Nordirland. Nun kommt die Fortsetzung.
Von Belfast aus fuhren wir mit der Fähre nach Liverpool zurück und von dort aus ging es direkt nach Südwales. Wir legten zwei Pausen auf dem Weg ein, die Küste von Nordwales empfanden wir teilweise als ein bisschen bizarr.

Zwischen Liverpool und Aberystwyth: Oben ein gekentertes Schiff, das sich dem Verrosten hingab, in der Mitte links ein Theater, das uns eher an ein Teil einer Kernspaltungsanlage erinnerte. Rechts daneben: So sehen viele Ferienhausanlagen aus. Unten : Sechs verschreckte Bäumchen sind auf dem Pier dem Meeressturm ausgesetzt. Rechts unten der alte Uhrturm von Aberystwyth.

Wir hatten für mehrere Tage eine Ferienwohnung in Milford Haven, unser Ausgangspunkt für mehrere Ausflüge. Der erste Ausflug führte uns nach „Skomer Island“.
Ich liebe Papageientaucher, auch Puffins genannt, und auf dieser unbewohnten Insel leben ab Mitte April bis Ende Juli ca. 40000 Tiere.

Für ein Schwätzchen immer zu haben! Puffins kommen zum Brüten in Höhlen auf die Insel, bevor sie wieder aufs Meer fliegen und die restlichen Monate dort verbringen.

Es gibt nur wenige Bootsfahrten zu der kleinen Insel und wir hatten uns schon im November des Vorjahres um Tickets bemüht. Zu recht, denn bei nochmaligem Besuch der entsprechenden Internetseite waren im Februar schon alle Fahrtmöglichkeiten ausgebucht.
Als wir an dem Fähranleger ankamen, erwarteten uns Nebel und Regen, die Stimmung der Besucher war etwas bedrückt. Doch nach ca. 40 Minuten Fahrt empfing uns eine Insel im Sonnenschein.

Die meisten Besucher waren wegen der Puffins da, doch es gibt noch viele andere Vogelarten und auch Seeschildkröten, Wale und Delfine zu beobachten. Auf streng vorgegebenen Wegen kann man die Insel alleine erkunden, eine Einkehrmöglichkeit gibt es nicht.

Vogelbestimmung ohne Gewähr: Links eine Heckenbraunelle, daneben im Felsen Tordalks, darunter eine Heringsmöwe, oben rechts eine Rauchschwalbe, darunter ein Hänfling.


Wir verbrachten fünf Stunden auf Skomer Island, die sehr schnell vorbei gingen, denn neben den Tierbeobachtungen waren auch die Ausblicke aufs Meer sehr abwechslungsreich und wunderschön. Ein wissenschaftliches Forschungsteam und einige Wildhüter leben auf der Insel, letztere freuten sich darüber, wenn man ihnen Fragen stellte.

Uns fiel der Abschied sehr schwer, die Puffins hatten nun endgültig unsere Herzen erobert!



In nächsten Beitrag stelle ich Ihnen zwei kleine malerische Städte vor, die eine „very british“, die andere könnte auch am Mittelmeer liegen.