Bretagne 7 – Was macht die Bretagne aus?

In der südlichen Bretagne fielen uns in der Stadt Quimper zuerst die Restaurants und Cafés auf. Gefühlt wurde in jedem zweiten Ladenlokal etwas zum Essen angeboten, dazu kam noch eine große Markthalle. Auf diesem Bild sieht man unten beispielsweise einen kleinen Platz, auf dem gleich vier Crèperien um Kunden buhlten.


Die Kathedrale St. Corentin wurde in 600 Jahren gebaut (13.-19. Jahrhundert), so dass sich in ihr noch einige gotische Originalfenster befinden, die zu den ältesten in Frankreich gehören. Ein großer Brand 1762 zerstörte viel von Quimper, doch findet man immer noch einige sehr alte Fachwerkhäuser und Bauten aus der Renaissance. Das alles sahen wir uns mit Freude an, doch es war noch nicht der Höhepunkt von Quimper.

Rechts die Kathedrale, links oben ein Foto aus einer der alten Passagen, darunter zwei Bilder, die zwei der drei Flüsse zeigen, die durch Quimper fließen.

In Quimper hat man die Auswahl zwischen drei Museen, eins für die Kunst, ein anderes für Keramik und schließlich das dritte für bretonische Heimatgeschichte. Letzteres besuchten wir und waren hingerissen vom Gebäude, dem Umfang der Sammlung und der Schönheit handwerklicher Künste.

Das Museum ist im ehemaligen Bischofspalast aus dem 16. Jahrhundert untergebracht. Oben rechts werden beispielsweise Funde aus der Römerzeit präsentiert.
Diese Fotocollage kann Ihnen nur eine kleine Idee von der Pracht bretonischer Trachten übermitteln.
Es gibt auch eine Keramikabteilung. In der Mitte ein altes Relief aus einem Bahnhof, das drei zurückkehrende Fischer zeigt, darunter eine Musikergruppe, die zum bretonischen Festtag „ Jour de pardon“ aufspielt.
Besonders beeindruckte uns die Üppigkeit der Möbelabteilung, rechts unten „bretonischer Bauhausstil“.

Dieser Museumsbesuch schenkte uns schon einen tiefen Einblick in die „Seele der Bretagne“. Ein zweites Museum erweiterte noch unser Wissen.

In diesem Buch lese ich seit ein paar Jahren immer mal wieder ein paar Texte:

Georges Perros beschreibt darin Alltagsbeobachtungen und macht sich seine Gedanken dazu. Das ist manchmal keine leichte Lesekost, aber man soll sich ja Herausforderungen stellen und ich finde Perros als Autor sehr interessant.
Das ist der Grund, warum wir nach Douarnenez gefahren sind, da Perros hier lange gelebt hat. In den Hafenkneipen sprach er mit den Menschen und hörte sich ihre Geschichten an.

In unserem Reiseführer (Dumont Taschenbuch) wird Douarnenez nicht gerade euphorisch beschrieben, aber ich wollte zum Hafen Port Rhu, da es hier noch alte Kneipen gibt und auch eine Mediathek, die den Namen von Perros trägt und in der es eine Ausstellung über den Autor gibt.

Erst eine große Enttäuschung: Die Mediathek hatte geschlossen. Daneben aber, wie schon in Quimper, ein „Museumstrüffel“.
Tauchen Sie mit mir ein in die Welt der Seefahrt, des Karnevals und der exzellenten Schwarzweissfotografie! Das Museum „Port-Musée du Bâteau“ befindet sich in einer ehemaligen Konservenfabrik.

Boote aus allen Teilen der Welt kann man hier bestaunen.
Rechts: Maritime Szenen zeigen, wie das Leben früher aussah. Links: Wichtig für die Bretagne: Der Fang und die Verarbeitung von Sardinen!
Im Außengelände des Museums konnten wir uns diverse historische Schiffe ansehen.

Wenn Sie sich für Maritimes interessieren, habe ich zwischendurch noch einen Buchtipp für Sie:

Der Autor segelt zusammen mit zwei Freunden vom Norden der Bretagne aus Richtung Wales, danach von Irland nach Schottland, der Segeltörn endet auf den Orkney- bzw. Shetlandinsel. Wie er schreibt, ist es das Küstenband seiner Träume. Auf dieser Reise geht Tesson auch immer wieder an Land, um zu Fuß oder per Rad zur nächsten Anlegestelle zu kommen. Tesson ist auf der Suche nach Feen. Was sind für ihn Feen? Hier kommt er selbst zu Wort:

Sein Buch bietet bewegende Situationen, wenn er uns an seinen Naturempfindungen teilnehmen lässt. Als sehr belesener Mann zieht er immer wieder Gedichte und Zitate berühmter Dichter heran, um seine Gefühle zu beschreiben.

Aus Goethes Faust II

Aber er lässt in seinem Reisebericht auch immer wieder Humor aufblitzen, bzw. übt er auch gerne einmal Kritik, sei es unverhohlen oder dezent.


Aber zurück zu dem Museum. In Douarnenez schlägt auch ein Herz für den Karneval und das schon offiziell seit 1835. Er gilt als einer der ältesten der Bretagne und jedes Jahr werkeln und schneidern die Bewohner von Douarnenez originelle Figuren und Kostüm.

Links oben: Die bretonischen Kardashian-Schwestern

Neben den vielen Kostümen und Masken wurden auch Fotos gezeigt, die ein Beweis dafür waren, wie sehr diese alte Tradition die Bewohner zusammenschweißt. Besonders gut gefielen mir auch die zahlreichen alten Werbeplakate für den Karneval, „Les Gras“ genannt.

Und dann lernten wir noch den Fotografen Michel Thersiquel kennen. Er wurde in der Bretagne geboren, verbrachte einen Teil seines Lebens in anderen europäischen Ländern, bevor er wieder in seine Heimat zurückkehrte, um die Menschen und Landschaften in der Bretagne zu fotografieren. Das Museum kann auf ein Archiv von ca. 100000 Bildern zurückgreifen und es gibt jährlich wechselnde Ausstellungen. Als wir dort waren, wurden Schwarzweißfotos u.a. vom Karneval und Frauen in der bretonischen Tracht gezeigt.

Rechts unten: Links: Kleine Pause vom Karneval, rechts zwei Bücher, die ich mir als Erinnerung mitbrachte.

Die Menschen, ihre Handwerkskunst, die Seefahrt- mit dem Besuch dieser beiden Museen bekamen wir ein besserer Gefühl dafür, was die Bretagne ausmacht.
Nächste Woche kommt noch ein Aspekt dazu: Welche Themen bewegen Bretonen heute? Ich habe den Bretonen „nicht aufs Maul“ geschaut, aber auf ihre Schilder.

Bauhaustag (Halle Nr. 4)

Heute ist der „Tag der Museen“, ein passender Anlass, über unseren Ausflug nach Dessau zu berichten.
Dessau liegt eine gute halbe Stunde von Halle entfernt. Hier hatte der „Bauhauschef“ Walter Gropius sein Wirkungsfeld, nachdem er aus Weimar weggehen musste.
Mit einem kleinen Bus kann man einen ganzen Tag lang alle Bauwerke zum Thema Bauhaus abfahren. Wir suchten uns drei Anlaufstellen aus. Zuerst besuchten wir die restaurierten und nachgebauten „Meisterhäuser“, in denen u.a. Gropius und die Künstler Klee, Kandinsky und Feininger gewohnt haben. Im Gropiushaus erfährt man etwas über die Entstehung der Häuser, im Feinigerhaus fand eine Ausstellung über die Familie Feininger statt. Im den baugleichen Kandinsky-und Kleehäusern konnte man sehen, wie die unterschiedlichen Farbanstriche die Räume anders wirken ließen. Informationstafeln und kurze Videos zeigten die architektonischen Raffinessen der Häuser.

Oben rechts zwei der Meisterhäuser. Jedes Haus hatte fast den selben Grundriss: Kleinere Räume, ein großes Atelier (links oben). Wichtig waren große Fenster, um sich „die Natur ins Haus zu holen“. Rechts unten das farbenfrohste Haus von Paul Klee.

Die passenden Möbel zu den Häusern kann man sich im Dessauer Bauhausmuseum ansehen.

Daneben es gibt es noch diverse Exponate von Künstlern, die in dieser Zeit gelebt haben, wie beispielsweise diese Theaterpuppen von Oskar Schlemmer.

In dem Museum gab es eine schöne Idee: Besucher könnten sich eine eigene kleine Kunstmappe über das Bauhaus zusammenstellen. Es gab diverse kostenlose Blätter zur Auswahl über einzelne Personen oder Ausstellungsstücke.

Am Ende des Tages machten wir noch einen Spaziergang durch die Bauhaussiedlung Törten, die für die Zeit der Entstehungen in den 20er Jahren ebenfalls ein revolutionäres Konzept verfolgte. Sie sollte der Prototyp für einen preisgünstigen Massenwohnungsbau werden.

Als Lektüre für diesen Urlaub diente mir u.a. folgendes Buch:

Die Schilderungen über Feiningers Bauhausjahre, über seine Zeit in Halle auf der Moritzburg zusammen mit dem außergewöhnlichen Museumsdirektor Alois Schadt und die Beschreibung seiner Zerrissenheit zwischen Amerika und Deutschland gefielen mir gut.

Viva Germania, Svizzera, Liechtenstein e l‘Italia! (GSLI Nr.1)

Die nächsten Blogbeiträge befassen sich u.a. mit einer Reise in den Tessin und in die Lombardei.
Auf der Hinreise machten wir den ersten Stop in Weil am Rhein, wo wir übernachteten. Der Grund war der Besuch des Vitra Campus. Die Gebäude auf diesem Campus wurden von mehreren Stararchitekten entworfen und sind alleine schon einen Besuch wert. Doch es gibt auch mehrere Ausstellungen zum Thema Design.
Im Vitrahaus, dem ältesten Gebäude, werden jedes Jahr von Starinnenarchitekten neue Wohnräume gestaltet. Der Eintritt ist frei, da hauptsächlich Möbel der Firma Vitra für die Gestaltung herangezogen werden. Ich fand die Wohnvorschläge toll und habe mir einige Ideen aufgeschrieben- wer weiß, wann man sie mal braucht.

Unten rechts das Vitrahaus von außen, links daneben ein Wohnvorschlag. Oben ein sich drehendes Rad mit Farbpaneelen, das mich sofort in gute Laune versetzte. Der rote Faden durch alle Ausstellungsräume: Weniger ist mehr! Oben ein Gesicht, gestaltet aus schmalen Stoffballen, links daneben: Auf die Mischung der Deko kommt es an!

In einem anderen Gebäude befindet sich das Vitra Showdepot. Hier konnte man sich kaum sattsehen an Sitzgelegenheiten jeglicher Art.

Momentan präsentiert man einige der Stühle nach Farben sortiert. Die Wirkung war genial. Darunter ein Klassiker von Mies van der Rohe, in der Mitte eine Couch für 4 (!) Personen- fragen Sie mich nicht, wie das funktionieren soll, rechts eine „Sitzmaschine“ von Josef Hoffmann.

Hier noch ein paar Beispiele von Sitzgelegenheiten, die von Künstlern und Architekten entworfen wurden, wie z.B. unten links der Thron von Hans R. Giger.

Im selben Gebäude gibt es noch ein Archiv inklusive einer umfassenden Darstellung der Möglichkeiten, welche Komponenten es zum Designen einer Sitzgelegenheit gibt.

Oben rechts und unten: Blicke in das Archiv an Stühlen und Lampen. Diese Räume können nur innerhalb einer Führung besucht werden. Oben rechts : Displays und gefüllte Schubläden, die man öffnen durfte, ermöglichten Einsichten in die Herstellung von Möbeln.

Die dritte Ausstellung im Vitra Design Museum befasste sich mit der Geschichte der Gartenkultur und versuchte einen Ausblick in die Zukunft. Da war ich in meinem Element und bekam noch einmal ganz neue Einsichten zum Thema Garten. Wer auch daran interessiert ist, findet hier eine ausführliche offizielle Beschreibung der Ausstellung:

https://www.garpa.de/blog/moderne-gartenkunst-oudolf-garten-und-gartenausstellung-garden-futures-auf-dem-vitra-campus/

Von mir nur ein Appetitmacher auf die nächsten Blogbeiträge:

Im Garten der Familie Scherrer am Luganer See

Das weiße Buch als Einstimmung auf Berlin

„Liebe Linda, da hast Du mir wirklich ein erfrischendes Buechlein geliehen! So etwas Verrücktes habe ich lange nicht mehr gelesen – unglaublich, der Typ! 
Ich amüsiere mich prächtig (jetzt leider nur noch 70 Seiten). „

Dies schrieb mir eine vielbelesene Bekannte, nachdem ich ihr dieses Buch geliehen hatte:

Mit dem Fotografien des Buches fing der Spaß schon an

Mitte der 90er Jahre kommt Rafael Horzon nach Berlin. Dort herrscht immer noch Aufbruchstimmung und die Bevölkerung ist erpicht auf Neues und Ungewöhnliches. Genau das richtige Pflaster für Horzon, der vor innovativen Geschäftsideen kaum noch schlafen kann. Manche Ideen sind sehr erfolgreich, wie z.B. sein Möbelladen, in dem er nur eine Art von Regal verkauft als Antwort auf Ikea. Genial auch die Eröffnung der Galerie Berlin-Tokyo, in der er am Anfang Haushaltsgegenstände aus seiner Wohnung ausstellt und diese einem japanischen Künstlern zuordnet, den es gar nicht gibt. Die Galerie ist so erfolgreich, dass existiernde japanische Künstler in der Galerie ausstellen möchten und Horzon zur Documenta eingeladen wird. Da zieht er die Notbremse und schließt die Galerie, denn eigentlich ist er ein Antikünstler.
Natürlich erlebt Horzon auch Misserfolge, aber er steht immer wieder auf und versucht, etwas Niedagewesenes zu erschaffen.
Am Anfang des Buches (erschienen 2010) dachte ich, dass ich Erinnerungen von Münchhausen 2.0 lese. Zu fantastisch war das Berichtete, zu sehr erinnerte mich auch der Schreibstil an die Lügengeschichten. Aber dann kamen mir doch Zweifel. War da vielleicht doch ein Körnchen Wahrheit in dem Buch enthalten? Ich fragte das Internet und kam aus dem Staunen kaum heraus. Ich als Niederrheinlandei hatte nicht mitbekommen, dass Herr Horzon zu den VIPS von Berlin gehörte und seine Ladeneröffnungen zu den Partyereignissen der Stadt gehörten. Ja, der Möbelladen existiert noch heute, andere Projekte hat es wirklich gegeben.
Ich las dieses Buch bevor ih nach Berlin fuhr und fand es herrlich. Auf den Spuren eines Mannes mit vielen Ideen und Mut, diese umzusetzen- genau mein Ding. So freute ich mich darauf, das zweite Buch von ihm zu lesen, das letztes Jahr erschienen ist. Um es kurz zu machen: Machen Sie es mir nicht nach, denn bei diesem Buch ist nur der Umschlag schön:

Horzon braucht Geld und man empfiehlt ihm, ein zweites Buch zu schreiben. Allerdings muss er erst dem Suhrkamp Verlag einen Entwurf liefern, bevor er einen Vorschuss bekommt. Seine finanzielle Lage wird immer prekärer, denn dummerweise hat er überhaupt keine Idee, über was er schreiben soll. Letztendlich erzählt er über den Zustand des Suchens nach einer Buchidee und das war für mich enttäuschend. Horzon ist kein charmanter Tausendsassa mehr, sondern eine zickige Heulsuse mit depressiven Anwandlungen, die ohne Freunde kaum noch lebensfähig ist. Das Buch versucht, lustig zu sein. Vielleicht ist es das, wenn man es nicht mit Horzons ersten Werk vergleicht, aber mich hat Buch Nr. 2 nur genervt. Ich hoffe für Herrn Horzon, dass nichts Autobiographisches in seinem neuen Buch enthalten ist und es an meinem Humorgeschmack liegt.