Mit Moos ist was los ( FR Nr.13)

Von unserem Standort Mende unternahmen wir eine Tagestour und fuhren zum Gorges du Tarn. Wir hatten auf schöne Aussichten gehofft und wollten Stops mit kleinen Spaziergängen einlegen, doch es goss die ganze Zeit in Strömen. Also fuhren wir nach Ste-Énimie, ein malerischer Ort, der von Touristen geliebt wird. Jetzt hatten wir das Städtchen fast ganz für uns alleine!

Hier machte ich an diesem Tag meine ersten Moosfotos, viele Mauern waren weich und kuschelig oder Moosskulpturen begleiteten unseren Altstadtbummel.

Auch in unserem zweiten Städtchen, La Canourgue, war es sehr grün und verwinkelt romantisch, dank mehrerer Kanäle aus dem 15. Jahrhundert, die durch die Gassen gluckerten.

Und ich fand ein zweites Fotosammelmotiv:

Wie wir den 1. Mai in Frankreich verbracht haben, das erzähle ich Ihnen nächsten Montag, in dieser Woche empfehle ich noch einen Krimi und zwei Ausflugsziele Richtung Aachen.

Sonnensonntag

9 Uhr: Ob wir heute wohl einen richtigen Sommertag geschenkt bekommen?
Bei uns im Garten und auf dem Dach wird auf jeden Fall schon Sonne getankt:

Unser „Hausfasan“ auf dem Dach unseres Gartenhäuschens
Der Fischreiher saß über eine Stunde auf unserem Dach, unser Teich schien ihn nicht zu interessieren

Mal sehen, wie es weitergeht.

10 Uhr: Die ersten Wolken ziehen auf…Mein Gegenmittel:

11 Uhr. Ok, die Wolken sind hartnäckig. Also beseitige ich erst einmal den Herbst der letzten Tage:

Inspiration für einen Haiku:

Blätter fegen im
Sommer, die Frau ahnt bereits
den kommenden Herbst

(Buchbesprechungstipp: Anfang Juli erzähle ich über ein Buch mit über 800 Momentaufnahmen)

12 Uhr : Unser Sonntagsmahl, am Freitag geplant, passt zum Thema Sommertag…

12.30 Uhr: Ich habe definitiv zu viele Spaghetti gegessen. Jetzt könnte ich 1000 Schritte tun, aber ich entscheide mich für eine Siesta. Bis später!

16 Uhr: Gerade Kaffee getrunken, jetzt in die Sonne gesetzt und ein paar „Briefschulden abarbeiten“.

17 Uhr: Der Malve hat dieser Sonnentag besonders gut getan.

18 Uhr:Die Badetasche ist für morgen gepackt und steht bereit.

19 Uhr: Dieses Buch hat mich den Tag über begleitet, wieder mal ein Buch für den kleinen Lesehunger.

Auf 170 Seiten bieten ein – bis zweiseitige Geschichten und kurze Gedanken über Gott und die Welt exquisite Leseabwechslung. Otto Jägersberg ist ein kluger Mann und nimmt Merkwürdigkeiten berühmter Leute, wie beispielsweise Goethe oder Nietzsche, unter die Lupe, seziert Alltagssituationen, über die man sich wundert, amüsiert oder auch schämt und schaut genau auf die deutsche Sprache und ihren Einfallsreichtum. Auch hier hatte ich meinen Spaß.

20 Uhr: Ich kann Ihnen keinen Sonnenuntergang anbieten, nur Farben, die vielleicht etwas daran erinnern.


Ein schöner und fauler Tag geht zu Ende, ich bin dankbar. Bis morgen!

Narcisse bleibt stehen…

…und will nicht mehr weiter. Da sind Butterblümchen, die man genüsslich abzupfen kann, die Sonne scheint und außerdem ist es Zeit, mal wieder ein bisschen zu träumen. Da hat der Mensch fast keine Chance.

Robert Stevenson, der Autor der „Schatzinsel“ ist im Jahr 1878 mit seinem Esel Modestine durch die Cevennen gewandert. Seine Route kann man heute auf einem beschilderten Weg nachgehen und das war der Traum von Erik Kormann, der Autor dieses Buches, das 2020 erschienen ist. Er leiht sich im späten Frühling bei einer Eselstation „Narcisse“ aus, der Kormanns Gepäck von Unterkunft zu Unterkunft tragen soll. Seine zwölf Tage mit Esel Narcisse, mit dem er über 230 Kilometer zusammen gelaufen ist, beschreibt er voller Humor und mit Liebe zu seinem tierischen Begleiter. Am Anfang mussten sich beide aneinander gewöhnen, denn jeder hatte seine Eigenheiten, aber von Tag zu Tag werden sie mehr ein eingespieltes Team, wie es einige Fotos im Buch belegen.
Bei anderen Wanderern ohne Esel sind Kormann, bzw. Narcisse die Fotostars und sie lernen viele nette Leute kennen. Mehr liebt der Autor allerdings die Stille, unvergleichlich sind die Pausen auf den Wanderungen: Esel futternd, Mensch, der die einsame schöne Landschaft genießt und dabei alle Probleme vergisst.
Sehr wichtig ist es für Kormann, über die richtige Behandlung des Esels während der Tour zu schreiben, so ist das Buch auch ein gutes Kompendium für alle, die mit einer längeren Eselwanderung liebäugeln. Hinweis vom Autor: Üben Sie erst einmal für ein paar Stunden und für ein Wochenende und finden Sie heraus, ob Sie Chef eines Esels werden können! Auf den letzten Seiten des Buches stehen diverse Adressen, wo es in Deutschland Eselstationen gibt.

Als ich das Buch nach dem Urlaub las, bekam ich noch einmal einen ganz anderen Blick auf die Region östlich von Mende und mein Fernweh meldete sich. Aber auch ohne diesen „Backround“ unserer Reise empfehle ich dieses Buch gerne. Es strahlt viel Wärme aus und das glaubwürdig. Ein paar Jahre später hat Erik Kormann Narcisse der Eselstation abgekauft und die beiden leben nun glücklich in der Uckermark.

Unser zweites Ziel: Die Auvergne (FR Nr. 12)

Frühmorgens machten wir uns auf, um von Martigues nach Mende zu fahren, wo wir zweimal übernachten wollten. Letztes Jahr wurde bei uns die Idee geboren, einige Orte zu besuchen, von denen wir durch das Gucken der Tour de France in den letzten Jahren zum ersten Mal gehört hatten. Mende und seine Umgebung gehörte dazu.
Von der Provence verabschiedeten wir uns in Uzès . Es war wieder ein Montag und wir nahmen an, dass wie in Valence und Montélimar das Städtchen ausgestorben sei. Weit gefehlt! Die meisten Läden waren geöffnet und im Café sahen wir dem geschäftigen Treiben zu, bevor wir einen Rundgang starteten.

Sah man in den Himmel, bekam man solche Aussichten. Uzès erinnert eher an eine italienische Stadt mit vielen hohen Stadtpalästen. Zwischen den Häusern gibt es immer wieder hübsche Plätze und malerische Details zu entdecken.

Das Stadtbild wird u.a. geprägt von der ehemaligen Kathedrale Saint Théodorit aus dem 18. Jahrhundert. Der Turm im italienischen Stil, die Emporenbasilika und die Bemalungen tragen dazu bei, dass die Kirche zu den schönsten in Südfrankreich gezählt wird.

Die Reiseführer, die ich gelesen habe, wurden der Schönheit des Ortes nicht gerecht und es blieb beim Lesen nur „Der Ort mit dem Haribomuseum“ hängen. Wie gut, dass wir auf unseren Vermieter in Martigues gehört haben, der uns Uzès ans Herz gelegt hatte!
Von Uzès aus ging es weiter über Alès Richtung Mende. Wie vermieden Autobahnen und Schnellstraßen, um einen ersten Eindruck von den Cevennen zu bekommen. Leider regnete es heftig, so dass die Fotoausbeute eher mager ist.

Willkommen im Land der Berge, Wälder, Flüsse, Wasserfälle und Stauseen. Manche Ausblicke erinnerten mich an Schottland, dann war ich plötzlich wieder im Allgäu…

In Mende angekommen, machten wir abends noch einen kleinen Spaziergang , den wir dann am nächsten Tag noch einmal wiederholten, um so die ganze Altstadt kennenzulernen.
Auch hier ist die gothische Kirche der „Hingucker“ im Stadtbild.

Mittelalterliche Häuser lösen sich mit Prachtbauten aus späteren Jahrhunderten ab. Auf einem Rundgang gibt es über 20 verschiedene ausführliche Erklärungstafeln.

Obwohl Mende ein großes Einzugsgebiet hat, war der Leerstand der Geschäfte auffallend hoch. Die Coronazeit und der Wegfall (?) von Steuervergünstigungen für den Einzelhandel haben hier ganze Arbeit geleistet.

Ich habe versucht, manchen Laden wieder etwas Leben einzuhauchen…

Am Freitag erzähle ich Ihnen über Erik und Narcisse, wie die beiden sich in der Nähe von Mende herumgetrieben haben.

Von Aix-en-Provence zum Mont Sainte-Victoire (FR Nr. 11)

Während unserer Reise in der Provence begleitete uns täglich der Mistral, der so eisig war, dass man selbst in der Sonne frieren konnte. An unserem Tag in Aix-en-Provence, es war ein Samstag und überall in der Stadt finden dann Märkte statt, war das nicht anders und es herrschte eine undefinierbare gereizte Stimmung. Den Marktleuten flogen die Stoffe von den Tischen, den Cafébesitzern fielen die Stühle um, an den vielen Brunnen spritze das Wasser die Touristen nass. Vielleicht ist das der Grund, dass ich mit Aix im wahrsten Sinne des Wortes nicht so richtig warm wurde.

Links unten: Windgeschütztes Plätzchen, rechts oben der Prachtboulevard „Cours Mirabeau“.
Vier von ca. 130 Brunnen in Aix-en-Provence

Wie bei van Gogh in Arles verzichteten wir auch hier auf die Besichtigung der Lebenspunkte eines großen Malers: Paul Cézanne. Er hat fast sein ganzes Leben in Aix gewohnt und das ist für Touristen auf vielfältige Weise aufbereitet worden.
Wir besichtigten das Museum Granet, das aus zwei Teilen besteht. Ein Teil ist in einer ehemaligen Kirche aus dem 18. Jahrhundert untergebracht, der andere Teil in einer ehemaligen Malteserkomturei aus dem 17. Jahrhundert.

Cézanne unten ein Bild von Jean Planque, das Cézanne beim Malen zeigt, daneben vom selben Maler eine Ansicht des Berges Sainte-Victoire, der das Lieblingsmotiv von Paul Cézanne war.

Was mich an Aix faszinierte, war die im Stadtbild starke Präsenz von religiösen Statuen, Bildern oder Relikten.

Diese Spiritualität wurde allerdings von den lautstarken Touristenströmen überdeckt, nur in versteckten Seitengassen konnte man sie erahnen.

Wir verließen Aix am frühen Nachmittag, um noch einen kleinen Abstecher zum Mont Sainte-Victoire zu machen.

Peter Handke erwandert sich den Berg und zieht Vergleiche zu anderen Landschaftserhöhungen und er denkt über seine Arbeit als Schriftsteller nach. Immer wieder kommt er dabei auch auf Cézanne und dessen Kunst zurück und das macht dieses Büchlein fast zur Pflichtlektüre.

Am Mittwoch geht es weiter. Wir verlassen die Provence und fahren in die Auvergne.

Parfüm als Eintrittskarte

In der letzten Woche verbrachten wir einen Nachmittag in Köln. In dem Museum Kolumba, über das ich schon einmal berichtete (siehe unter related Posts) war eine neue Ausstellung unter dem Motto „Das Alphabet der Kunst“ angekündigt worden und diese wollten wir uns ansehen. Das war etwas enttäuschend, denn nur Teile der ersten Ausstellung waren eingewechselt worden, so dass wir vieles doch schon kannten. Aber ein paar neue Eindrücke nahm ich trotzdem mit.

Oben links: Eine so große Sammlung von alten Siegeln hatte ich bis dahin noch die gesehen. Rechts: Erneut überzeugend war das Konzept, jedem Kunstwerk genügend Raum einzuräumen.

Wir gönnten uns danach einen süßen französischen Moment im Café Eigel

und waren schließlich gestärkt für eine Führung im Farina-Haus. Die Anregung dazu hatten wir durch den Podcast „Geschichten aus der Geschichte“ von Daniel Meßner und Richard Hemmer bekommen, die in einer Folge über die Geschichte der beiden Kölner Parfumeur-Familien Farina berichten.

Im Farina-Haus ist im Erdgeschoss ein Laden, in dem die Parfüms des Hauses Farina angeboten werden. Leider durfte man nicht fotografieren, weshalb meine Bebilderung sich auf die Darstellungen des Flyers beschränkt..

Die Führung begann in der ersten Etage, als Eintrittskarte bekam man am Handgelenk einen Spritzer Parfüm verabreicht. Es stellte sich Johann Maria Farina vor und erzählte uns über sein Leben und seine Erfindung des Eau de Cologne Parfüms.

Dieses Parfüm gibt es seit 1709 und wird bis heute unverändert angeboten. Es hat einen leichten zitronigen Duft und erinnert an einen Urlaubstag in Italien. Da in früheren Zeiten Männer und Frauen das selbe Parfüm benutzten, kann das Familienunternehmen stolz darauf hinweisen, dass beispielsweise Napoleon, Herr Goethe oder Prinzessin Diana dieses Parfüm bevorzugten.

Zum zweiten Teil der Führung gingen wir in den Keller. Dort gibt es ein kleines Museum mit mehreren Ausstellungsvitrinen. Hier sieht man beispielsweise, wie sich das Design der Parfümflasche über die letzten Jahrhunderte verändert hat oder es werden alte Dokumente ausgestellt. Der Originalschreibtisch von Herrn Farina kann bewundert werden, darauf liegt das Schuldnerbuch seiner Kunden.
Im Keller ist außerdem ein Essenzenraum zu sehen und hier nahmen wir Platz. Herr Farina lud uns zu einer Duftprobe ein und wir sollten sechs Düfte mit Hilfe von Duftstäbchen erraten: Rose, Jasmin,Vanille, Bergamotte, Lavendel und Patchouli. Nicht einfach, denn die Stäbchen waren in reinen Ölen getränkt worden. Diese Naturöle sind sehr teuer (manche kleine Flaschen kosteten mehrere tausend Euro) und die heutigen Parfümfirmen benutzen gerne preiswertere synthetische Stoffe. Das Farina Eas de Cologne besteht zu ca. 70-80% aus Naturstoffen, was heute eher die Ausnahme ist.

Links die Probestäbchen, rechts ein keines Buch mit vielen Bildern- sehr lesenswert!

Ja und dann wurde noch das delikate Thema „4711“ angesprochen, das Konkurrenzprodukt schlechthin. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Familie Farina brachte zuerst das Eau de Cologne auf den Markt. Eine andere Familie, die sich den Namen Farina von einer nichtverwandten Person erkaufte, wollte ein Stück vom Erfolgskuchen abhaben und entwickelten als Plagiat ein anderes Parfüm mit sehr ähnlichem Namen. Dagegen klagten die Nachfahren von Johann Maria Farina. Das dauerte über ein Jahrhundert und erst 1865 bekam das Plagiat den Namen „4711“. Warum ist dieses Parfüm heute bekannter als das Farina Eau de Cologne? Farina EdC gehört bis heute in achter Generation der Familie Farina, während „4711“ schon mehrmals weiterverkauft wurde (u.a. an Wella, Procter & Gamble und Coty). Es wurde von den großen Firmen sehr viel Geld in die Werbung gesteckt und so ist Farina EdC heute eher etwas für „Kenner und Kennerinnen“.

Die einfachen Führungen (8 Euro, Stand 1.6.2024) waren alle in den nächsten Wochen schon ausgebucht, wir nahmen deshalb an einer „Führung mit Kostüm“ teil, die pro Person 12 Euro kostete. Hier gab es noch freie Plätze und wir bekamen am Ende der Führung eine kleine Flasche Parfüm geschenkt. (Im Wert von 8 Euro).

Ein dufter Nachmittag ohne bezahlte Werbung!

Südfranzösisches Farbenspektakel (FR Nr. 10)

Der erste richtige Sommertag im Urlaub! Dazu erst einmal ein bisschen Musik:

und die passenden Farben (kein bearbeitetes Foto!):

Wir fuhren von Martigues aus in Richtung Naturpark Luberon, einer besonderen Gebirgslandschaft, wo sich einige der schönsten Dörfer der Provence befinden.
Zuerst kamen wir an einem Weinanbaugebiet vorbei, Weinkellereien reihten sich wie Perlen an der Straße entlang.
Unser erstes Ziel war Roussillon, die Stadt der Farben. Wir wollten einmal die spektakulären roten Berge live sehen.

Viele Touristen in der kleinen Stadt, kein Wunder, die Farben der Häuser, die verwinkelten Gassen, die kleinen Geschäfte, ein hübscher Markt und ein ehemaliger berühmter Bewohner (Samuel Beckett lebte hier von 1942 bis 1944) – alles da, was das Touristenherz begehrt. Von der Innenstadt aus kann man gegen Eintritt auf einem 30- oder 60 minutenlangen Rundweg (Sentier des Ocres) durch die Ockerberge laufen und erfährt einiges über den Ockerabbau, der bis ca. 1930 betrieben wurde, bevor synthetische Farben ihren Siegeszug antraten.

Wer sieht oben links ein Gesicht?

Es gibt außerhalb von Roussillon eine kleine stillgelegte Fabrik, in der während einer Führung die Tradition des Ockerabbaus und die Herstellung von Farbpigmenten ausführlich erklärt werden. Zwei große Busse hielten uns von einer Besichtigung ab und ich kaufte mir Farben als Erinnerung und als zukünftiges Experimentierfeld.

Auf der weiteren Rundfahrt verzichteten wir auch noch auf einen Besuch des Dorfes Gordes, das ebenfalls zu den schönsten Dörfern gezählt wird. Verkehrschaos, da es nicht genügend Parkplätze gibt. Wir fuhren deshalb langsam über kleine Straßen, die Landschaft genießend,

Richtung Salon-de-Provence. Hier fängt die Geschichte der Films „Willkommen bei den Sch‘tis“ an und wir wollten sehen, ob wir Drehorte wiedererkannten.

Uns gefiel Salon-de-Provence gut, denn diese Stadt liegt nicht auf den typischen Touristenpfaden und hatte eine entspannte Atmosphäre. Neben der Burg bietet sie zur Besichtigung noch ein Nostradamusmuseum (Nostradamus verbrachte hier seine letzten Lebensjahre) an.

Dieser Tag erhält die Auszeichnung „ Provenzalischer Bilderbuchtag“ oder ich könnte ihn auch „Kalendermotivtag“ nennen. Ob unser Besuch in Aix ein weiterer Bilderbuchtag wird? Mit meinem Frankreichtagebuch geht es nächste Woche weiter, in dieser Woche widme ich noch regionalen Themen.

Utopie in Nincshof

Eine kleine Frankreichauszeit muss auch mal sein…Hier eine weitere Urlaubslektüre:

Das Dorf Nincshof liegt an der österreichisch-ungarischen Grenze. Der Bürgermeister und zwei Mitstreiter möchten dafür sorgen, dass das Dorf aus dem Gedächtnis der Allgemeinheit verschwindet. Zu lange haben sich die da oben in Wien schon in die Belange des Dorfes eingemischt und die Herden von Radfahrern im Sommer sind den Herren ein ganz besonderes Dorn im Auge. „Freiheit den Nincsdorfern- Nincsdorf der Freiheit!“ ist der Kampfspuch, der aus einer alten Legende stammt. Ortsschilder werden abmontiert, im Internet Einträge gelöscht, in der nächsten Bibliothek alle Spuren von Nincsdorf entfernt.
Die Drei sind auf einem guten Weg und holen sich als Verstärkung noch Erna Rohdiebl mit ins Boot. Ende 70, hat sie in letzter Zeit subversives Potential bewiesen, als sie heimlich nachts in einem Privatswimmingpool mehrmals schwimmen gegangen ist.
Die Vier, sie nennen sich „Die Oblivisten“, haben Isa und ihren Mann im Visier. Das Ehepaar ist aus Wien neu in das Dorf gezogen. Sie ist Filmemacherin und interessiert sich auffällig für die Geschichte von Nincsdorf, ihr Mann ist Ziegenwirt und züchtet eine ganz seltene Ziegenart. Von den beiden drohen Aktivitäten, die die revolutionäre Bewegung in Gefahr bringen könnten. Ein Film über Nincsdorf, Ziegenberichte im Internet-undenkbar!
Doch dann lernt Erna Isa näher kennen und ihr kommen Zweifel an den oblivistischen Aktivitäten. Sie muss die Männer zur Vernunft bringen, als die Aktionen immer mehr aus dem Ruder laufen- kein leichtes Unterfangen.

Ein intelligenter und humorvoller Unterhaltungsroman, wie ich ihn schon lange nicht mehr gelesen habe.

Mein Urlaub mit der Picsart Pro Version

Meine Handyfotos bearbeite ich meistens mit den Apps Picsart, Snapseed oder Adobe Fresco. Bei Picsart nahmen die Werbeunterbrechungen seit einigen Monaten immer mehr zu und irgendwann war ich davon sehr genervt und bestellte die werbefreie Pro-Version, um sie während des Urlaubs auszuprobieren.
Wie ich im letzten Beitrag erzählte, bekam ich bei unserem Tagesausflug nach Marseille ein paar Ideen für Fotothemen. Hier sind einige davon:

Auf der Fahrt in die Innenstadt von Marseille kamen wir auch an einigen Vorstädten vorbei. Trostlos.
Oben links: Letzte Stunde vor dem Abflug zu Planet B / Oben rechts: Ist der grüne Unbekannte die Rettung? / Unten links: Die Traurigkeit eines Zeitreisenden / Unten rechts: Die Rache der Zikade (ein „Wahrzeichen“ der Provence)
Marmorskulpturen in Museen fotografiert, ausgeschnitten und auf Schwarzweissmustern kopiert.
Rund um das MUCEM Museum in Marseille standen und saßen viele Menschen…Fotografiert, Beine ausgeschnitten und auf farbigen Untergrund kopiert.

Motive gefunden an einer Hauswand, Farben auf blau-braun reduziert.

Törtchenufos über der Crau (Steinsteppe zwischen Salon-de-Provence und Arles).

Ich habe mir die Pro Version inzwischen gekauft und habe bisher vielleicht ein Zehntel der Möglichkeiten ausprobiert, die dieses Programm bietet.

Keine bezahlte Werbung!

Zum Schluss noch ein Tipp für alle Fotografen: Momentan gibt es in der Arte-Mediathek eine fünfteilige Serie zu Thema Tierfotografie in der Kunst. Der Titel lautet „Tierisch fotogen“ und es werden fünf Fotografen mit dem Spezialgebiet Tierfotografie porträtiert. U.a. auch Tom Flach, dessen Bilder in der letzten Gasometer-Ausstellung „Das zerbrechliche Paradies“ in Oberhausen zu sehen waren.

Leipziger Nashornwellen

Marseille an einem Tag (Fr. Nr. 9)

Wir hatten für die Besichtigung von Marseille einen Tag eingeplant. Uns war klar, dass wir nicht alle Top-Sehenswürdigkeiten besuchen würden, denn um diese alle zu erreichen, müsste man sich mehrmals in die U-Bahn setzen und das braucht Zeit.
Wir beschränkten uns deshalb auf das Gebiet des alten Hafens, dem „Vieux Port“und auf einen Spaziergang zum Cours Julien.

Neben der eindrucksvollen Sicht auf die vielen Segelboote und auf die Kirche „Notre-Dame-de-La-Garde“ auf dem Hügel, finden sich in diesem Viertel gleich drei der Hauptsehenswürdigkeiten. Unübersehbar ist die Kathedrale de la Major, eine Prachtkirche aus dem 19. Jahrhundert.

Das MUCEM wurde 2013 eröffne, ein moderner Museumsteil wird durch eine Brücke mit dem Fort Saint-Jean verbunden. In diesem Komplex gibt es nicht nur vier Ausstellungen, sondern auch Grünflächen mit Liegestühlen und einem Gemüsegarten, Cafés, ein Restaurant und eine Bücherei. Und alles mit Blick auf das Meer und den Hafen!


Wir besuchten die permanente Ausstellung, die völkerkundliche Ausstellungsstücke aus den Mittelmeerländern zeigt.

Vom alten Hafen ist es nicht weit bis zum Altstadtviertel „Le Panier“. In Reiseführern wird diese Gegend gerne mit dem Pariser Montmartre verglichen. Das konnten wir nicht nachvollziehen. Wir erlebten Le Panier als bürgerliches Wohnviertel, in dem es viele Wandbilder gibt, ein paar Restaurants und Cafés, aber kaum typische Touristenläden.

Mitten in Le Panier liegt „La Vielle Charitè“, einer barocke Anlage aus dem 17. Jahrhundert, in dem weitere Museen untergebracht sind. Auch hier haben wir uns treiben lassen und fanden lauschige Ecken.

Der alte Hafen wird von vielen Restaurants umrandet, da stand einer leckeren Pause nichts im Wege. Danach machten wir uns zum Cours Julien auf, laut Reiseführer einer der schönsten, fast dörflich anmutenden Plätze von Marseille. Wenn man bummelt, braucht man ca. 20 Minuten zu Fuß und flaniert dabei teilweise über die Prachtstraße Rue de la République.

Biegt man dann rechts ab, ist man eine Straße weiter schon in einer völlig anderen Welt mit vielen afrikanischen Geschäften, einem Markt und weiteren Wandbildern.

So langsam dämmerte es uns, dass Marseille anscheinend die Hauptstadt der Street-Art ist, denn neben den Häuserwänden wurden auch Straßen, Treppen und andere freien Flächen beklebt, bemalt, besprayt.

Der Cours Saint Julien erinnerte uns an das Schanzenviertel in Hamburg. Er ist ein schöner Platz mit Bäumen, Wasserspielen und kleinen Fachgeschäften auf der einen Seite, auf der anderen Seite stehen Häuser, an denen Street-Art nicht mehr schön war, sondern nur noch verschandelnd und Drogendealer sich an einigen Ecken trafen. Vielleicht ist die Atmosphäre an einem sonnigen Tag besser, wir konnten die Begeisterung für diesen Platz im Reiseführer nicht so ganz nachvollziehen.

Der Tag in Marseille war herausfordernd, denn die Eindrücke waren vielfältiger als beispielsweise in Paris. In der Hauptstadt befindet man sich in einem Viertel meistens in einer Blase, in dem es kaum Brüche gibt, egal ob gut oder weniger gut. In Marseille sind die Grenzen fließend und macht die Stadt aufregend im positiven Sinne. Als wir abends wieder in unserer Ferienwohnung waren, hatten sich einige Fotoideen in meinem Kopf gesammelt und ich probierte zum ersten Mal die Pro-Version der Foto-App Picsart aus. Die Ergebnisse zeige ich Ihnen am Donnerstag.