Mit dem Auto unterwegs in Frankreich ( FR Nr. 3)

Während der Fahrt auf der N7 sahen wir auch einige alte Autos. Die finde ich immer sehr schön und so kamen diese Collagen zustande:

Und hier meine Tipps für Autofahrer:

Nr. 1: Wir waren mit einem VW Caddy unterwegs (1,80 m Höhe) und schwitzen manchmal ganz schön, wenn wir in Parkhäuser der Firma Indigo fuhren. Sie sind meistens nur für bis zu 1,85 cm hohe Autos geeignet, in Arles stimmte dies aber nicht, die Latte an der Einfahrt schrammt am Dach. Auch sind die Parktaschen sehr eng. Nehmen Sie lieber Parkhäuser der Firma Q-Park oder noch besser

Nr. 2: laden Sie sich Park-Apps herunter und stellen Sie sich auf die Straße. Bei mit „Payant“ markierten Plätzen haben wir die Apps „Flowbird“ in der Auvergne und „Pay by Phone“ in der Provence benutzt und kamen gut zurecht.

Nr. 3: In den Cevennen haben wir am Eingang von mehreren Dörfern ein kleines weißes Schild gesehen mit der Aufschrift „Village branché“ und einem kleinen Auto. Hier finden Sie Aufladeplätze für Ihr E-Auto. In anderen Gegenden fanden wir diese Schilder nicht.

Nr. 4: Wundern Sie sich nicht, wenn Sie manche Ortseingangsschilder nicht auf Anhieb lesen können!

Das Schild auf den Kopf zu drehen ist ein Ausdruck des Protests. Bauern protestieren damit gegen Bestimmungen und Gesetze der französischen Regierung und der EU.

Nr. 5: Seit unserer letzten Rundreise in Frankreich 2018 hat sich in Frankreich Einiges geändert. Wir mussten während unseres Urlaubs lernen, dass die Zahl von Restaurants oder Cafés wirklich dramatisch abgenommen hat und wenn sie es in Dörfern oder kleinen Städten gibt, haben sie oft nur noch ab Mittwoch oder nur am Wochenende geöffnet. Unser Mägen haben öfter geknurrt und schließlich nahmen wir immer ein Notfallpaket mit, falls wir nichts fanden.

Nr. 6: Sollte Ihr Auto Ihr Augenstern sein, überlegen Sie sich, ob Sie mit Ihrem Auto in die Innenstadt von Marseille fahren. Paris ist dagegen „pillepalle“. Warum? In Marseille fahren vor, hinter, links und rechts neben Ihnen Motorräder und Mopeds, deren Fahrer und Fahrerinnen glauben, das ultimative Augenmaß für Lücken zwischen den Autos zu haben. Urlaubserholung kommt da nicht auf…

Ich war fleißig und habe für morgen einen weiteren Beitrag geschrieben. Wir waren gestern in zwei tollen Ausstellungen, die in den nächsten Tagen enden. Mein Tipp für die Feiertage!

Die französische Route 66 ( FR Nr. 2)

Nach einer Übernachtung in Dijon fuhren wir am zweiten Tag bis Lyon auf der Autobahn, um dann auf die Route Nationale No. 7 zu wechseln.
Auf der N7 fuhren in Frankreich in den Sommerferien viele Generationen in den Süden des Landes. Jede Familie hat eigene „N7-Geschichten“ zu erzählen, sei es, dass es um einen legendären Stau geht, um das Essen in einem exquisiten Restaurant, um eine Motorpanne oder die vergessene Oma auf dem Rastplatz. Inzwischen gibt es eine Autobahn 7 und die N7 hat einen gewissen Legendenstatus wie die Route 66 in den USA.
Im Internet finden sich einige Berichte über N7 Fahrten. Sie sind stimmungsvoll zu lesen, aber ich machte mir keine Notizen, wo was zu sehen war, wir wollten unsere eigenen Fundstücke zusammentragen.
Um uns in Stimmung zu bringen, nahm ich vorher eine Playlist mit Liedern aus Frankreich auf:

Und so empfing uns die N 7:

Oben links erlebten wir, glücklicherweise auf der Gegenseite, einen über 50 km langen Stau, da die Autobahn 7 zwischen Vienne und Valence wegen eines Unfalls gesperrt war. Darunter einer von mehreren Wassertürmen, die so langsam aus dem Landschaftsbild von Frankreich verschwinden. Mitte: Ein Beispiel für einen dekorierten Kreisverkehr, die N7 schlängelt sich öfter durch Weinrebenfelder. Rechts oben eine von den alten Übernachtungsmöglichkeiten, wir sahen diverse, die inzwischen geschlossen waren. Unten rechts: Französische Grundnahrungsmittel an der N7.

“Bunte Häuser“ sahen wir viele, sei es, dass man auf ihnen noch alte verblasste Werbung entdecken konnte oder sie mit Wandmalereien geschmückt waren.

Wir fuhren nur 3 Stunden auf der N7, doch um alle alten Schilder zu fotografieren, könnte man sicherlich einen ganzen Tag damit verbringen.

Dir Urlaubsstimmung stieg bei mir von Baum zu Baum und von Allee zu Allee, mir ging das Herz auf:

Da wir sehr kaltes und stürmisches Wetter hatten, machten wir nur zwei kleine Pausen in Valence und Montélimar. Es war Montag, fast alle Geschäfte hatten geschlossen und es herrschte eine trostlose Stimmung. Im verwinkelten Valence fielen mir eine Reihe von schönen Geschäften und netten Plätzen auf, in Montélimar gab es eine lange Einkaufsstraße und eine Prachtstraße. Das Nougatmuseum war auch geschlossen, sollte wohl so sein.

Unten links: Hier entdeckte ich einen Laden, der Kleidung repariert und Strümpfe stopft. In Deutschland kaum vorstellbar.
Rechts das berühmteste Haus von Valence, „La Maison des Têtes“.
Oben rechts der „Eingang“ zur Geschäftsstraße von Montélimar. Links: Zwei Weltanschauungen…

Die N7 machte mich kreativ und das Ergebnis sind einige Collagen, die ich Ihnen morgen zeigen möchte. Dazu kommen einige Tipps für alle, die mit dem Auto durch Frankreich reisen.

Rundreise in Frankreich (FR Nr. 1)

Ich möchte Sie zu einer Rundreise in Frankreich einladen, denn wir waren vom 21. April bis zum 7. Mai in unserem Nachbarland unterwegs. Die Schwerpunkte lagen auf Besuche in der Provence und in der Auvergne. Wir haben Städte kennengelernt, wie z.B. Martigues, Uzès, Brioude, Clermont-Ferrand oder Moulins, die abseits der großen Touristenströme liegen und mehr Beachtung verdient haben. Einige passende Buchbesprechungen kommen dazu und bei manchen Spaziergängen oder auch dem z.T. schlechten Wetter geschuldet, entwickelten sich bei mir neue Fotobearbeitungsideen und Fotothemen, die ich Ihnen vorstellen möchte. Zur Einstimmung hier eine Fotogalerie aus der Provence und Motive aus der Auvergne, gefunden in Kirchen und Museen. Wenn sie auf eins der kleinen Fotos klicken, vergrößert es sich. Viel Spaß beim Stöbern!

Verschiedene Kirchenfensterdetails
Oben: Der Puy de Dôme im Land der Vulkane bei Clermont-Ferrand, unten links, eine typische Stadtansicht, daneben der hochverehrte Vercingetorix

Mein zweiter Beitrag handelt von unserer Fahrt auf der Route national 7 und erscheint am Donnerstag.

Bitte Service!

Wir steigen ein in die brodelnde und knisternde Stimmung eines exquisiten Restaurants in Dublin. Daniel Costello ist der Besitzer und hat als Koch den Status eines Superstars. Um ihn herum arbeiten der Restaurantmanager, mehrere Köche, zwei Barmänner, die Empfangsdame und mehrere Kellner und Kellnerinnen, darunter auch Tracy und Hannah. Daniels Welt scheint vollkommen, denn auch familiär kann er sich mit seiner Frau Julie und den Söhnen Kevin und Oskar glücklich schätzen. Doch dann wird er „wegen einer Sache“ angeklagt und muss vor Gericht. Dies schadet seinem Ruf so sehr, dass er sein Restaurant schließen muss. Auch das Verhältnis zu Julie ist angespannt, denn „ die Sache“ sind sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen.
Abwechselnd aus der Sicht von Hannah, Julie und Daniel wird das Leben im Restaurant und die Zeit vor, während und nach der Gerichtsverhandlung geschildert.
Hannah ist eine sehr junge unerfahrene und schüchterne Studentin, die in den Semesterferien in dem Restaurant arbeitet. Während der Öffnungszeiten des Restaurants herrscht im Servicebereich permanent eine angespannte Stimmung, die manchmal ungewollt sogar in körperliche Aggressivitäten ausarten kann. Umso ausgelassener ist die Stimmung, wenn der letzte Gast gegangen ist. Das wird abendlich mit Alkohol und manchmal auch mit Drogen gefeiert. Während Tracy sich noch zusammen mit dem ein oder anderen Kollegen körperlich entspannt, stürzt Hannah oftmals betrunken ab und ist am nächsten Tag öfter unzulänglich. Aber Daniel lässt bei seiner „Süßen“ Milde walten, belohnt sie mit Komplementen oder widmet sich ihr persönlich, um ihr noch mehr beizubringen. Hannah ist in ihrer Unerfahrenheit einerseits stolz auf diese bevorzugte Behandlung, auf der anderen Seite kann sie immer schlechter damit umgehen…
Julie liebt ihren Mann. Er sieht gut aus, ist tatkräftig, seine ungebrochene Begeisterung für das Kochen und sein Restaurant und seine Loyalität ihr gegenüber rechnet sie ihm hoch an. Umso mehr ist sie verletzt und verunsichert, als es zu der Anklage kommt. Langsam formt sich bei ihr ein Bild von Daniel als Mädchen- und Frauenschwarm, das sie jahrelang ignoriert hat. Sie beginnt an Daniels Glaubwürdigkeit zu zweifeln, zieht sich von ihm zurück. Als sie Daniel in den Gerichtssaal begleitet, ändert sich dies, denn sie sieht Tracy, die aufreizende Anklägerin. Daniel ist für kurze Zeit in Julies Augen unschuldig, ein weiteres Zusammenleben scheint möglich sein…
Daniel kann als Herrscher über sein Reich alle Angestellten so behandeln, wie es ihm passt. Dazu gehört auch körperlicher Kontakt, wenn es sein muss. Deshalb versteht er die Welt nicht mehr, als es zur Anklage kommt. Wieso wird nicht mal darüber gesprochen, wie oft er Opfer von sexuellen Anspielungen von weiblichen Gästen war? Es gehören immer zwei dazu, wenn was passiert. Und wieso sind weiße Männer jetzt an allem schuld? Nur sehr selten plagen Daniel Schulgefühle und Angst, er ist der geborenen Sieger. Oder doch nicht?

Es gibt inzwischen diverse Romane zu diesem Thema und ich wollte ihn eigentlich „ nur mal eben anlesen“, aber die beschriebene Atmosphäre in dem Restaurant nahm mich zuerst gefangen. Dazu baute sich langsam eine Spannung auf, durch die sehr unterschiedlichen Blickwinkel, aus denen die Ereignisse beschrieben werden. Hannahs Unglück kommt immer näher, man ist überrascht von Tracys plötzlicher Anklage, hat Mitleid mit Julie. Und Daniels Gedanken sind noch einmal ein ganz anderes Thema.
Die irische Autorin hat einen beeindruckenden psychologischen Roman geschrieben und möchte mit ihm auf Missstände im irischen Justizsystem hinweisen, wie aus den Anmerkungen am Ende des Buches zu lesen ist. Diese Hindernisse bei der Behandlungen solcher Straffälle finden sich auch im deutschen Rechtssystem.

Religiöses, tierisches und musikalisches Leipzig (Halle Nr. 5)

Da mein Mann und ich früher schon in Leipzig waren, ließen wir dieses Mal einige Sehenswürdigkeiten links liegen.

Oben links eine der schönen Einkaufspassagen von Leipzig, daneben der Marktplatz. Links unten das historische Café Riquet, daneben die barocke Handelsbörse

Unsere erste Anlaufstelle war die Nikolaikirche, die wir noch nicht kannten.

In einem Nebenraum der Kirche gibt es eine Ausstellung, die die Bedeutung dieser Kirche für die Wiedervereinigung Deutschlands spielte. Viele Fotos und erklärende Texte brachten uns das Jahr 1989 noch einmal näher und ich war dankbar, diesen Ort einmal in natura sehen zu dürfen.

Ebenso erging es mir bei der Thomaskirche, der Wirkungsstätte von Johann Sebastian Bach. Auch hier hatte ich das Gefühl, Deutschland und seine Wurzeln nun etwas besser verstehen zu können. (Hört sich vielleicht hochtrabend an, aber ich kann es nicht besser beschreiben).

Spontan hatten wir uns Karten für das Leipziger Gewandhaus für eine Nachmittagsvorstellung gekauft, um dieses Konzerthaus auch einmal erleben zu können. Gespielt wurde die 9. Sinfonie von Beethoven und vier Sänger und Sängerin, das Orchester und ein fast 50 menschenstarker Chor schenkten uns mehrmals Gänsehaut. Wunderbar!

Ja und dann wollten wir noch „Elefant, Tiger & Co“ live sehen. Ich gebe zu, dass wir öfter beim Zappen im Fernsehen an dieser Tier-Doku-Soapserie hängen bleiben. In bereits über 100o Beiträgen wird von der Arbeit im Leipziger Zoo berichtet, einem Zoo, der zu den besten in Europa zählt.
Eigentlich sind wir keine Zoogänger, aber hier überwog die Neugierde. Wir wurden nicht enttäuscht. In großzügigen Anlagen werden den Besuchern Tiere aus verschieden Erdteilen näher gebracht. Man lernt viel über einzelne Tierarten und deren Gefährdung, auszusterben. Meine eher kritische Meinung zu Zoos habe ich nach dem fast sechsstündigen Besuch etwas revidiert.

Oben der Haupteingang, unten drei Bilder aus dem Gondwanaland, in dem man Leben im Dschungel bestaunen kann.

Ich fühlte mich manchmal wie im Urlaub, bzw. dachte häufiger, dass man eigentlich gar nicht irgendwo hinfliegen muss, um ein „Exkursionsfeeling“ zu bekommen. Hier ein paar weitere Eindrücke:

Pinguin liebt Bär

Passend zum Monat der Liebe möchte ich Ihnen heute dieses Bilderbuch vorstellen. Soooooo schön!

Pinguin liebt Bär. Er weiß, dass sie aus verschiedenen Gründen nicht wirklich zusammenpassen, aber er überwindet sich, fährt über das Meer zum Leuchtturm, wo Bär wohnt und gesteht ihm seine Gefühle. Bär lacht und weiß auch gar nicht, was Liebe ist. Pinguin versucht, es ihm zu erklären, aber die Anzeichen von kribbelnden Zehen und einem seekranken Bauch kann Bär bei sich nicht feststellen. Pinguin schlägt nach langem Nachdenken deshalb vor, eine Weile bei Bär zu bleiben, bis er entweder auch so fühlt oder Pinguins Liebe abgekühlt ist. Bär ist einverstanden und beide verbringen zusammen einen tollen Sommer. Sie unternehmen viel, erzählen sich alles und kümmern sich umeinander.


Als es Herbst wird, beschließt Pinguin, die Leuchtturminsel zu verlassen. Er liebt Bär immer noch, aber anscheinend erwidert Bär seine Liebe nicht. Bär ist überrascht, dass Pinguin geht, lässt ihn aber ohne ein Wort ziehen. Pinguin fährt traurig zurück und auch Bär merkt, dass es ihm plötzlich nicht gut geht. Allein auf seinem Leuchtturm zu leben, machte ihm bisher nichts aus, aber jetzt fühlt er sich einsam und alles ist trostlos und grau. Er vermisst Pinguin sehr und beginnt zu weinen. Eine Träne kullert weg und er folgt ihr…Wird die Geschichte ein gutes Ende haben? JAAA!

Das Buch für ein Lesehüngerchen

Möchten Sie manchmal abends gerne noch lesen, sind aber eigentlich für Ihren Roman oder Krimi zu müde und machen mit einem kleinen Frustgefühl das Licht aus? Oder Sie haben eigentlich gar keine Zeit, um in ein Buch zu gucken, würden aber gerne mal eben fünf Minuten Leseerholung tanken?
Dieses Buch sollte dann in Ihrer Nähe sein, denn seine Texte „gehen immer“.

Hier liegt eine Sammlung von Texten vor, die Ortheil von 2018 bis 2023 geschrieben hat. Manche ganz für sich privat, andere wiederum als Kolumne für eine Zeitung. Seine Betrachtungen sind oft nur eine halbe Seite lang, haben selten mehr als zwei Seiten, nur eine längere Geschichte ist enthalten, aber schon portioniert zwischen den anderen Texten verteilt.
In Buchbesprechungen werden gerne Wörter wie „Schatzkiste“, „Kaleidoskop“ oder „Fundgrube“ gewählt, wenn die Bandbreite der Buchthemen zum Ausdruck gebracht werden soll. Ich toppe dies und nenne das Buch ein Füllhorn.

Ortheil erinnert sich an seine Kindheit, erzählt stimmungsvoll von Beobachtungen in Italien, seiner Lieblingsstadt Köln und anderen bereisten Gegenden, nimmt die Coronazeit genau unter die Lupe, untersucht neuste Trends mit kritischem Blick. Seine Liebe gilt den Büchern, der Musik und der Kunst und man bekommt eine nicht zu verachtende Zahl von weitgefächerten Lese-und Hörtipps.

Die Stimmungen der Texte sind sehr unterschiedlich. Wenn er beispielsweise davon erzählt, wie er als kleiner schüchterner Junge im Karneval sich als Pastor verkleidet hat und in dem Gewand plötzlich ein ordentliches Selbstbewusstsein bekommt, so liest sich das anrührend und humorvoll. Auch seine Liebe zu dem Fußballverein Wuppertaler SV in der 4. Liga hat gerade für MSV Fans etwas Tröstliches.
Ortheil wird grummelig, wenn er einfach nur in einem Wald spazieren gehen möchte und dabei von Sportbesessenen, die durch den Wald hechten, wie ein Kuriosum betrachtet wird. Auch Videokonferenzen kann er wenig Gutes abgewinnen.
Von traurig bis hin zu ungewöhnlich oder gar absurd bezeichne ich die Texte, bei denen er einfach nur Menschen auf der Straße beobachtet und ihnen zugehört hat.
Zum Nachdenken und Innehalten regen die Texte an, die sich mit der derzeitigen politischen Lage, der Jugend, der herrschenden Einsamkeit und der Coronazeit beschäftigen. Was haben wir durch Corona für immer verloren und was nahmen wir uns alle während der Coronazeit vor? Mehr Wertschätzung des Alltagslebens, mehr Augenmerk auf umweltverträgliches Verhalten, einen freundlicheren Umgang mit seinen Mitmenschen… was ist davon noch geblieben?

Papier und Bleistift sollten bei der Lektüre parat liegen, um evtl. denkwürdige Sätze unterstreichen zu können oder sich ein paar von Ortheils Lese-, Film-und Hörerlebnissen zu notieren.


Bauhaustag (Halle Nr. 4)

Heute ist der „Tag der Museen“, ein passender Anlass, über unseren Ausflug nach Dessau zu berichten.
Dessau liegt eine gute halbe Stunde von Halle entfernt. Hier hatte der „Bauhauschef“ Walter Gropius sein Wirkungsfeld, nachdem er aus Weimar weggehen musste.
Mit einem kleinen Bus kann man einen ganzen Tag lang alle Bauwerke zum Thema Bauhaus abfahren. Wir suchten uns drei Anlaufstellen aus. Zuerst besuchten wir die restaurierten und nachgebauten „Meisterhäuser“, in denen u.a. Gropius und die Künstler Klee, Kandinsky und Feininger gewohnt haben. Im Gropiushaus erfährt man etwas über die Entstehung der Häuser, im Feinigerhaus fand eine Ausstellung über die Familie Feininger statt. Im den baugleichen Kandinsky-und Kleehäusern konnte man sehen, wie die unterschiedlichen Farbanstriche die Räume anders wirken ließen. Informationstafeln und kurze Videos zeigten die architektonischen Raffinessen der Häuser.

Oben rechts zwei der Meisterhäuser. Jedes Haus hatte fast den selben Grundriss: Kleinere Räume, ein großes Atelier (links oben). Wichtig waren große Fenster, um sich „die Natur ins Haus zu holen“. Rechts unten das farbenfrohste Haus von Paul Klee.

Die passenden Möbel zu den Häusern kann man sich im Dessauer Bauhausmuseum ansehen.

Daneben es gibt es noch diverse Exponate von Künstlern, die in dieser Zeit gelebt haben, wie beispielsweise diese Theaterpuppen von Oskar Schlemmer.

In dem Museum gab es eine schöne Idee: Besucher könnten sich eine eigene kleine Kunstmappe über das Bauhaus zusammenstellen. Es gab diverse kostenlose Blätter zur Auswahl über einzelne Personen oder Ausstellungsstücke.

Am Ende des Tages machten wir noch einen Spaziergang durch die Bauhaussiedlung Törten, die für die Zeit der Entstehungen in den 20er Jahren ebenfalls ein revolutionäres Konzept verfolgte. Sie sollte der Prototyp für einen preisgünstigen Massenwohnungsbau werden.

Als Lektüre für diesen Urlaub diente mir u.a. folgendes Buch:

Die Schilderungen über Feiningers Bauhausjahre, über seine Zeit in Halle auf der Moritzburg zusammen mit dem außergewöhnlichen Museumsdirektor Alois Schadt und die Beschreibung seiner Zerrissenheit zwischen Amerika und Deutschland gefielen mir gut.

Ich heiße James

Erinnern Sie sich an Mark Twains Geschichte von Huckelberry Fynn? Wenn ja, dann kennen Sie auch James!
Huck wohnte zeitweise bei der Witwe Watson, die einen Sklaven Jim besaß. Jim ist dieser James und seine Geschichte wird von dem amerikanischen Autor Percival Everett auf eine ganz unglaubliche Weise erzählt.

Huck und Jim sind Freunde und das Leben geht seinen Gang. Das ändert sich schlagartig, als es Gerüchte gibt, dass die Witwe Watson Jim alleine verkaufen will. Was wird dann aus seiner Frau Sadie und Tochter Lizzie? Jim taucht für ein paar Tage unter und fährt zu einer Insel mitten im Mississippi, um zu überlegen, wie und wohin er und seine Familie flüchten soll. Kurze Zeit später taucht Huck dort auf. Er hat mit seinem Vater Ärger und erzählt Jim, dass er inzwischen als entlaufender Sklave gesucht wird. Huck und Jim können nicht auf der Insel bleiben und eine abenteuerliche Flucht beginnt. Die beiden haben permanent Angst vor Verfolgung, nur selten finden sie etwas Ruhe. Sie treffen auf argwöhnische Weiße und auf andere Sklaven, mehrmals werden die beiden getrennt, finden aber immer wieder zueinander. Jim erfährt, dass inzwischen Krieg zwischen den Nord- und Südstaaten herrscht, er muss wieder nach Hause zurück. Aber Frau und Tochter sind inzwischen an eine Sklavenzuchtfarm verkauft worden und Jim macht sich mit Huck auf, die beiden zu befreien.

In der spannenden Handlung des Romans gibt es Beschreibungen von schrecklicher Gewalt und Ungerechtigkeit gegenüber Sklaven. Ganz anders dagegen die Szenen, die die weiße Bevölkerung bloßstellen und die witziger nicht sein könnten. Wenn Weiße auftauchen, unterhalten sich Sklaven in einem nuscheligen Slang, der den Weißen bestätigt, dass die Ns (ja, das N Wort kommt mehrmals vor) dumm sind. Sind sie unter sich, wechseln sie in die Hochsprache und zeigen sich als kluge und erfahrene Menschen. Von Kindesbeinen an haben sie den Slang lernen müssen, um die Weißen in Sicherheit zu wiegen. Nie darf man sich in der Sprache vertun, selbst bei Huck hält Jim die Fassade so gut es geht aufrecht.

So ist das Buch schon etwas Besonderes, aber der Mensch Jim adelt die Geschichte. Er ist hochgebildet, denn Lesen und Schreiben sind seine Leidenschaften. Als beispielsweise eine giftige Schlange ihn auf der Flucht beißt, diskutiert er im Fiebertraum mit Voltaire, in einem späteren Traum unterhält er sich mit John Locke. Er muss sein Leben aufschreiben, das Leben eines Sklaven im gelobten Amerika und er beginnt:

Es ist grandios, wie der Autor in einem Abenteuerroman die amerikanische Geschichte umschreibt und Sklaven zu den eigentlichen Intellektuellen des Landes werden lässt. Erfreulich, dass es in den USA hohe Wellen geschlagen hat.

Nachdenken über ein Blütenschiffchen

Sich aufmachen ins Leben
Verweilen in Kindheit und Jugend
Schließlich hinaus in die Welt,
bleiben, wo es gefällt.
Weiter, weiter,
das Leben annehmen,
mal anecken, mal Luft holen, mal staunen.
Dann wieder zurück-
Wiedersehensfreude oder alte Rechnungen?
Weiter, weiter.
Einen Hafen finden – zu zweit?
Weiter, weiter- alleine
den Hafen gefunden,
am Ende des Lebens.