1200 km Autofahrt- na und? Roussillon-Urlaub Nr.7

Von Duisburg muss man ca. 1200 km fahren, um ins Roussillon zu kommen. Man kann natürlich durchfahren, aber das ist eigentlich zu schade, denn auf dem Weg dorthin liegen sehr attraktive Orte, um eine längere Pause einzulegen. Da wäre auf dem Hinweg z.B. Lyon. Da wir letztes Jahr dort waren, schreibe ich darüber jetzt nichts, tippen Sie einfach unten auf den Lyon-Link.

Bei der Rückfahrt sind wir mitten durch das Landesinnere von Frankreich gezöckelt und kamen u.a. an Bourges vorbei. Wir wollten nur unsere „Kathedralensammlung“ vervollständigen und hatten uns ansonsten mit dieser Stadt nicht befasst. Umso erstaunter und erfreuter waren wir über nette Altstadtwinkel und eindrucksvollen Gebäude.

Die zweite Station war Orléans. Hier übernachteten wir. (Ibis am Bahnhof- sehr freundliches Personal, pfiffig eingerichtet, gutes Frühstück). Orléans ist für mich eine Mischung aus Paris und München und hätte es öfter verdient, für einen ganzen Wochenendtrip ausgesucht zu werden. (Im Hotel beklagte man sich uns gegenüber, dass Orléans immer nur Durchgangsstation sei). Sehr schön an der Loire gelegen, bietet es viel Kultur, wunderbare Läden und beste Restaurants. (z.B. ein Restaurant, in dem man nur diverse Käsesorten verkosten kann). Wir waren sehr angetan.

Da wir schon mal in dieser Ecke waren, bot es sich an, auch nach Nogent-sur-Seine zu fahren, um das Thema Rodin/ Camille Claudel zu vertiefen. In Nogent-sur-Seine wurde im  April 2017 ein Camille Claudel Museum eröffnet. Neben etlichen Werken dieser Künstlerin findet man auch  viele Skulpturen ihres ersten Lehrers Alfred Boucher und erkennt seinen Einfluss auf Claudel.  Aber das Museum bietet noch mehr und zwar einen guten Einblick, wie Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien entstehen (Gips,Ton,Bronze) und es präsentiert darüberhinaus eine kurze Geschichte der Bildhauerei.

Die Fahrt mitten durch Frankreich ist auf einer langen Strecke „leer“. Man kann es langweilig nennen, aber wer gerne fotografiert, kann auch hier  abseits der großen Straßen Motive à la Route 66 entdecken. 

Morgen verabschiede ich mich aus Frankreich mit ein paar gesammelten Eindrücken.

Arbeitend leben und kämpfend sterben (Lyonwoche Nr. 5)

Die Überschrift dieses Beitrags war die Devise der ca. 30000 Männer und Frauen, die im 19. Jahrhundert in den Seidenwebereien des Lyonner Stadtteils La Croix–Rousseau gearbeitet haben. Erst wurde der mechanische Webstuhl von Joseph–Maria Jacquard erfunden, dann kam um ca. 1950 der elektrische Webstuhl und 1990 schloss die letzte Seidenweberei in Lyon. Heute werden nur noch zwei Webereien privat unterhalten, um das Kulturerbe nicht völlig aussterben zu lassen. (Die Stadt Lyon fühlt sich diesem Erbe anscheinend wenig verpflichtet, denn eins der größten Stoffmuseen der Welt wird man demnächst schließen, ein Trauerspiel, denn die verbliebenenen Ausstellungsstücke waren atemberaubend).

Nun aber zu den beiden Werkstätten, die wir besuchten. In der ersten Werkstatt wurden und werden auch noch auf besondere Anfrage in alter Manier Litzen aus Goldfäden gewebt. Für Uniformen, Abendkleider, Lampenschirme u.a.. Als der alte Webstuhl von der Führerin angeschaltet wurde, gab es großes Getöse und man konnte sich ein bisschen vorstellen, wie laut es in diesem Arbeiterviertel früher war.

Die zweite kleine Werkstatt hatte zwei Webstühle und oberhalb der Werkstatt war, wie früher üblich, gleich auch der Wohnraum. 

Nach den Besichtigungen erkundeten wir noch ein bisschen den Stadtteil.

Er erinnert ein bisschen an Notting Hill nur (noch nicht) so schickimicki, fast noch ein bisschen dörflich. Die Traboules spielen da bestimmt eine Rolle. Es sind zig überdachte Durchgänge, durch die früher die Seidenballen transportiert und dadurch nicht nass wurden. Ja und die Lage des Stadtteils ist auch besonders: Wer dort wohnt, thront über der restlichen Stadt Lyon, hat Abstand und lebt vielleicht etwas gelassener.

Dieses Buch steht schon lange in meinem Buchregal. Ich habe es mir vor ein paar Jahren gekauft, als ich mir in Augsburg ( auch so eine Stadt, die viel öfter besucht werden sollte!) auch eine alte Stofffabrik angesehen habe. Damals hatte ich keine Zeit, das Buch zu lesen, jetzt aber kam seine Stunde. Prächtige Bilder, hauptsächlich von Stoffen, aber auch von anderen Gebrauchsgegenständen aus vielen Ländern der Erde. Welche Rolle spielen geschichtliche Ereignisse beim Entwerfen von Mustern? Wie und warum ändert sich der Geschmack? Welche „modernen“ Muster haben schon eine grpße Vergangenheit? Welche Entdeckungen von Materialien beeinflussten die Entwicklung von Mustern?

Man hat ein Geschichtsbuch in der Hand und eine Schatzkiste für kreative Ideen. Kostet knapp 40 Euro, das ist aber eine gute Investition.

 

Die Auflösung des Bilderrätsels (Lyonwoche 4 3/4)

Willkommen in der Bekleidungsindustrie. Da diese in Lyon und seinem Umland lange eine große Rolle spielte, wählte ich dieses Foto aus, um einen schönen Übergang zu meinem morgigen Bericht über den Besuch zweier „Stoff“-Orte hinzubekommen.

Dies ist eine Hechelmaschine. Die Hechel ist ein kammartiges, aus spitzen Drähten gefertigtes landwirtschaftliches Gerät, durch das Flachs- und Hanffasern zum Reinigen (Hecheln) gezogen werden. Das Wort leitet sich vom selben Wortstamm wie der Haken ab, was auf die zum Kämmen der Fasern angebrachten Haken hindeutet[1]. Moderne Faseraufschlussmaschinen bauen ebenfalls auf den traditionellen Prozessen auf, verwenden jedoch mechanische Aufschlussstrecken, in denen das Brechen, Schwingen und Hecheln in entsprechenden Arbeitsschritten mechanisch umgesetzt wird. (Erklärung von Wikipedia).

Das Hechelmaschine-Bild nahm ich im Dorfmuseum von Pérouges auf. Pérouges steht auf der Liste der schönsten Dörfer in Frankreich und liegt nicht weit von Lyon entfernt. Besonders gerne werden hier 3-Musketiere-Filme gedreht.

Morgen besuchen Sie mit mir die letzten beiden Lyonner Web-Werkstätten.

Lyonwoche Nr 4 1/2- Das Rätsel zum Wochenende

Heute zeige ich Ihnen mal wieder ein Gerät und möchte wissen, was es ist. Im weitesten Sinne hat es viel mit der Geschichte von Lyon zu tun. Die Auflösung kommt wieder morgen Abend, gleichzeitig stelle ich Ihnen noch kurz ein schnuckeliges Dörfchen in der Nähe von Lyon vor.

Das Museum mit den größten Bildern? (Lyonwoche Nr 4 )

Das Museum heißt „Musée urbain Tony Garnier“ und ist Kunst am sozialen Wohnungsbau. Die Hochhäuser wurden in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts vom Lyonner Architekten Tony Garnier erbaut. Er hatte für diese Siedlung und für weitere Viertel futuristische Visionen und in einem Gebäude kann man sich eine Modellwohnung und seine Pläne ansehen. Das ganz Besondere an diesen Hochhäusern sind allerdings die Wandbemalungen, die in den 70er Jahren von der Künstlergruppe Cité de la Création angebracht wurden. So wandelt man durch die Hochhausanlage, immer wieder ein neues tolles Bild entdeckend. (Es ist übrigens keins durch Graffiti verschandelt!) Die Themen der Bilder sind „ Das Leben in anderen Ländern“, z.B. Elfenbeinküste oder Indien, das Leben im Viertel oder die Visionen des Tony Garniers.

Inzwischen besuchen im Jahr ca. 30000 Menschen dieses besondere Museum, das wohl auf der Welt einmalig ist.

Die „Lyon-Woche“ wird nächste Woche fortgesetzt. 

Film ab…in Lyon (Lyonwoche Nr.3)

In dieser Woche erzähle ich Ihnen von besonderen Männern aus Lyon.

Da sind zuerst die Gebrüder Louis und Antoine Lumière. Sie drehten den, im heutigen Sinne, ersten Film auf der Welt, eine Szene, wie Arbeiter nach Arbeitsschluss das Fabrikgelände verlassen. Beide Brüder waren technisch sehr begabt und geschäftstüchtig und schon bald schickten sie Männer hinaus in die Welt, damit diese Filme drehten, die dann in Frankreich gezeigt wurden. Jetzt gibt es ein Museum im ehemaligen prächtigen Wohnhaus ihres Vaters Antoine. Hier kann man sich die Entwicklung der Kameras für Filme und Fotos ansehen, nachverfolgen, wie die Brüder geschäftlich immer erfolgreicher wurden und natürlich werden auch alte Kurzfilme gezeigt. Draußen gibt es als Pendant zum Walk of Fame in Hollywood eine Wall of Fame, auf der Namen vieler berühmte Regisseure verewigt sind.

Szene aus dem ersten kolorierten Film, eine Kamera hatte auch das Aussehen eines Gewehrs, das Haus, Chemikalien für Farbfotos

Ein weiterer bekannter „Filmmann“ ist Dan Ohlmann. In den 80er Jahren fing er an, Miniaturenszenen zu bauen und wurde mit ihnen schnell bekannt. Er eröffnete daraufhin 1989 sein erstes kleines Museum in Lyon. Da er auch Filmfan war, ging er auf den Vorschlag eines begüterten Schweizer Filmenthusiasten ein, in einem baufälligen Palast aus dem 16. Jahrhundert das Miniatur-und Filmmuseum zu eröffnen. Er konnte im Laufe der Jahre viele originale Filmrequisiten ergattern (es gibt ca. 450 Exponate) und diese sich einmal ganz nah ansehen zu können, ist etwas Besonderes. (Wie z.B. auch die Räume aus dem Film „Das Parfüm“ aus meinem letzten Wochenendrätsel). Hier noch ein paar andere Schätze:

In manchen Museumsräumen ging es gruselig zu- Originalkostüm aus dem Film „Die 3 Musketiere“, Original Filmscript, die Maske aus der Filmkomödie „Mrs. Doubtfire“ (falls Sie diesen Film nicht kennen-ausleihen und sich zwei Stunden amüsieren.)

Was mich persönlich aber noch mehr beeindruckt hat, das sind seine Miniaturmodelle von verschiedenen Räumen. Er macht alles alleine und man kann ihm bei der Arbeit zusehen. Hier wird man beim Betrachten wieder zum Kind= große staunende Augen:

Das Scherenschnittbild war nur so groß wie mein kleiner Finger, die Schuhe hatten die Länge eines Daumennagels. Bibliothek und Künstleratelier würden in einen Schuhkarton passen…

Das Museum liegt in der Altstadt von Lyon. Von außen macht es leider einen etwas schreierischen Eindruck und hätten wir nicht eine Empfehlung bekommen, wären wir in diese Sammlung nicht gegangen. Also sollten Sie einmal in Lyon sein, lassen Sie sich von Äußerem nicht abschrecken.

Morgen stelle ich Ihnen ein Hauswandmuseum in Lyon vor. Versprochen, dass Sie auch hier staunen werden.

Käse-Kutteln-Kohl (Lyonwoche Nr 2)

Gestern erwähnte ich schon das Stürzen ins Marktgetümmel und das haben wir natürlich auch getan. Wenn man es darauf anlegt, findet man täglich einen Frischemarkt oder aber man geht in die „Hallen von Lyon“, benannt nach dem Koch des Jahrhunderts Paul Bocuse, der in Lyon zuhause ist. Diese Markthalle ist sehr modern, fast antiseptisch und hat nicht den Charme der alten Märkte.

Aber die Präsentation des Ess- und Trinkbaren lässt nichts zu wünschen übrig und man kann sich auch hinsetzen und direkt speisen. Das haben wir nicht getan, denn gemütliche Restaurants sind uns lieber. (In Lyon gibt es übrigens die höchste Restaurantdichte innerhalb Frankreichs). Und damit habe ich den Übergang zu meinem Buchtipp für diese Woche gefunden…

Um einen Einblick in die Welt der Lyoner Restaurants zu bekommen, eignet sich dieser Krimi.

Drei Lyonner Restaurantbesitzer werden ermordet und die Chefin eines Gourmet-Journals findet die richtige Spur, um die Morde aufzuklären. Leichte Lesekost, aber wenn man in Lyon ist und die Örtlichkeiten kennt, bzw. etwas über die Geschichte der Restaurants und Lyonner Spezialitäten erfahren möchte, ist das Buch empfehlenswert. Wer gerne schlemmt, dem läuft beim Lesen das Wasser im Munde zusammen!

Lyon- zu unrecht ein seltenes Reiseziel (Lyonwoche Nr.1)

Letzte Woche beschrieb ich Ihnen unsere Stopps in Metz und Nancy auf der Fahrt nach Lyon, diese Woche möchte ich anfangen, Sie ein bisschen mit Lyon bekannt machen.

Als zweitgrößte Stadt Frankreichs wird Lyon immer wieder mit Paris verglichen. Das hake ich hiermit schnell ab:

Kirche: Lyons Kirchen-Wahrzeichen „Notre-Dame de erinnert innen und auch außen an der Pariser Sacré-Coeur. Direkt unterhalb liegt allerdings kein Montmartre, sondern ein Park, durch den man zur Lyonner Altstadt kommt.

Friedhöfe: Lyons Friedhöfe sind einfacher, es gibt keine Prominenten-Pilgerstätten. So sind weniger außergewöhnliche Skulpturen zu entdecken.

Metro: Das Netz der Lyoner Metro ist nicht ganz so gut ausgebaut wie das der Pariser, aber…die Wagen sind alle sehr modern und fahren viel schneller, man muss sich eigentlich gar nicht hinsetzen.

Das war es aus meiner Sicht, denn es gibt viel mehr über die Besonderheiten von Lyon zu berichten und das werde ich in den nächsten Wochen in losen Abständen tun.

Fangen wir mit der Altstadt von Lyon an.

Die Altstadt von Lyon könnte auch die von einer süditalienischen Stadt sein, dank der Architektur und ihrem Flair. Ist zwar recht touristisch, aber durch die Straßen zu bummeln, macht trotzdem viel Spaß und es gibt dort auch einige interessante Museen, auf die ich aber auch noch in anderen Beiträgen zu sprechen komme.

Lyon liegt an zwei Flüssen (Saône und Rhône)

und ganz in der Nähe der Altstadt findet an einem der Ufer am Sonntagmorgen ein Kunstmarkt statt. Viel zu gucken, sowohl Kunst, als auch Leute. Am gegenüberliegenden Ufer kann man an Bouquinisten vorbeischlendern oder sich ins Marktgetümmel stürzen.

Und dann setzt man sich in einem Café in die Sonne und macht Urlaub…Bis morgen!

 

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