Vermeer, ter Borch, Strozzi

Wir hatten das Glück, Eintrittskarten für die Vermeer-Ausstellung im Rijksmuseum von Amsterdam zu ergattern. So besuchten wir die Stadt vorletzte Woche. Da das Wetter schön war, gingen wir erst einmal ein bisschen im Museumsviertel spazieren. Neben sechs Museen finden sich hier u.a. auch das Amsterdamer Stadttheater und das Concertgebouw.

Oben rechts das Rijksmuseum, darunter das Concertgebouw. Oben links: Ganz in der Nähe liegt auch der schöne Vondelpark, darunter das Stadttheater.

Das Concertgebouw hatten wir im Januar besucht, um ein Konzert mit dem Dirigenten Herbert Blomstedt zu hören. Wir saßen hinten und die Akustik war beim 4. Sinfoniekonzert von Bruckner zum Dahinschmelzen. Aber ich weiche ab.

Hören Kunstinteressierte den Namen Vermeer, gibt es oft ein „Ahhhh!“ und „Ohhhhh!“ Da seine Bilder so selten sind ( es gibt nur 37) , behandelt jedes Museum „seinen Vermeer“ als Star. Die jetzige Vermeerausstellung ist deshalb etwas Besonderes, da man die wohl einmalige Chance hatte, 28 seiner Bilder zusammen betrachten und vergleichen zu können. So fand ich heraus, dass nicht jedes Bild des Künstlers ein Meisterwerk für mich ist. Schnell hatte ich meine beiden Lieblinge gefunden:

Bei beiden Bildern hatte ich den Eindruck, dass man mir Fotos aus dem 17.Jahrhundert zeigt. „Die Briefleserin“ und „Das Milchmädchen“ hatten auf mich die größte Ausstrahlung.

Nach dem Besuch dieser Ausstellung besuchten wir noch die 2. Etage des Rijksmuseums. Das Gebäude an sich ist schon beeindruckend.

Oben die Museumsbibliothek, darunter links ein Beispiel eines „Flurs“, daneben ein Ausstellungsraum mit Delfter Porzellan.

Aber auf der 2. Etage gibt es eine „Gallery of Honour“ und hier machte ich eine Entdeckung. In dieser Galerie hingen drei Bilder von mir unbekannten Frauen, die Zeitgenossinnen von Rembrandt und Vermeer waren. Nachzulesen war, dass bis 2021 diese Künstlerin quasi unter den männlichen Künstlerteppich gekehrt wurden und man sich jetzt erst mit Künstlerinnen der Niederlande befasst.

Oben links: Spezialisiert auf Blumenstilleben: Rachel Ruysch. Daneben ein Bild von Judith Leyster, unten ein Bild von Gesina ter Borch.

Besonders gefielen mir die Zeichnungen von Gesina ter Borch (das Museum besitzt über 1000 Werke von ihr und man zeigt nun ca. 10…). Gesina hat bereits als Jugendliche gezeichnet und ihr Vater erkannte ihr Talent und unterstützte sie. Als junge Frau begann sie, Gedichte und Aphorismen zu schreiben und diese zu illustrieren. Ihre Zeichnungen beschäftigen sich häufig mit dem Tod oder weisen humorvoll auf menschliche Schwächen.

Einen Tag nach unserem Amsterdam-Ausflug hörte ich zufällig den Podcast „Klassik drastisch“ von Axel Ranisch und Devid Striesow. Die beiden befassten sich mit der Musikerin Barbara Strozzi, einer italienischen Zeitgenossin der drei Malerinnen. Das passte!
Auch bei ihr wäre es schön, wenn ihr umfangreiches Werk noch mehr Aufmerksamkeit bekäme. Mehr zu Barbara Strozzi unter :https://www.br-klassik.de/themen/klassik-entdecken/alte-musik/stichwort-barbara-strozzi-100.html

Ich komme noch einmal auf Amsterdam zurück. Wenn Sie gerne Konzerte und Museen besuchen, sollten Sie sich an einem Wochenende ein Konzert in dem Concertgebouw gönnen und am nächsten Tag sich Zeit für das Rijksmuseum nehmen. Das ist ein Kulturauftanken allererster Güte!

Was es nicht alles gibt…

Sollten Sie über die Ostertage (oder auch später) ein bisschen auf Entdeckertour gehen wollen und das von der Couch oder dem Balkon/Gartenstuhl aus, dann empfehle ich Ihnen die Online-Abteilung des Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.

https://www.mkg-hamburg.de/start

Hier kann man über über 24000 Kunstwerke staunen. Man lässt sich von der Museumsauswahl überraschen, es gibt einen Button „Entdecken“ oder man sucht nach einem bestimmten Stichwort. Sehr viele der gezeigten Abbildungen darf man verwenden, sie sind nicht urhebergeschützt.

Ich wünsche Ihnen schöne Ostertage- bis Dienstag!

Titelblattentwurf für die Modezeitschrift „Die Dame“
Farbschablone, 19. Jahrhundert, aus Japan
Eierschale, ca. 4. Jahrhundert v. Chr., Apulien
Ca. 4. Jahrhundert v. Chr., Griechenland
Foto von Wilhelm Weimar (1857-1907)

Es knattert, klingelt und ploppt am Wochenende

Noch bis zum 26.3.23 läuft auf der 2. Etage des Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum diese Ausstellung:

Wenn Sie alleine und/ oder mit Ihren Kindern oder Enkeln Spaß haben wollen, sollten Sie nach Krefeld fahren.

Der erste Raum sieht so aus:

Die Installation ist von David Tudor & Company und heißt „Rainforest V (Version 2). An jedem Objekt ist ein Lautsprecher angebracht und geht man mit dem Ohr nah genug heran, hört man einen Ton oder ein Geräusch. Berührt man die Objekte (ist ausdrücklich erlaubt), ändern sich teilweise die Töne. Ich nahm teilweise die Töne mit der App „Koala“ auf, denn ich hatte da so eine Idee. (Darauf komme ich im nächsten Beitrag zurück). In weiteren Räumen stehen u.a. Installationen von den bekannten Künstlern Jean Tinguely und Günther Uecker , die z.T. ganz schön laut waren. Auch diese durfte man ausprobieren. Mir gefielen am besten die dezenten Laut-Kunstwerke, wie z.B. von Takis mit dem Titel „Musical Hannover 6“.

oder von Yaacov Agam das Bild „ Tableau Tactile Sonore“, mit dem ich gerne längere Zeit verbracht hätte, um alle Tonvarianten auszuprobieren.

Jedes runde Blech erzeugt bei Berührung einen anderen Ton

In Vitrinen sind Dokumente ausgestellt, die das Wirken verschiedener Tonkünstler verdeutlichen. Hier kann man Witziges entdecken:

Schließlich gibt es noch eine Art „Tonstudio“, in denen Töne sichtbar geacht werden:

Wenn Sie nach diesem Rundgang noch Lust auf mehr Kunst haben, wartet auf Sie noch die erste Etage. Das Kaiser Wilhelm Museum hat einen großen Präsenzbestand und wechselt einmal pro Jahr die Ausstellungsstücke aus. Wir waren von der Vielfältigkeit beeindruckt und lernten beispielsweise heimische Künstler wie Heinrich Campendonk oder Wilhelm Georg Cassel näher kennen.

Pierrot mit Schlange von H. Campendonk

Künstler der Düsseldorfer Malschule oder der Popart sind vertreten, besonders erwähnen möchte ich auch das „Blaue Schlafzimmer“. Der Künstler Helmuth Macke, Cousin von August Macke, hat die Möbel eines Schlafzimmer mit Tier- und Aktbildern expressionistisch bemalt.

Möchten Sie sich nach diesem Museumsbesuch stärken? Das Museumscafé wird z.Z. nicht bewirtschaftet, aber gegenüber vom Museum gibt es das empfehlenswerte Café „Geschwisterherzen“. Hier findet man eine Auswahl an herzhaften kleinen Gerichten und gelungenen Kuchen.

Keine bezahlte Werbung!

Nachtrag vom 28.März 2023: Zeitungsartikel aus der Rheinischen Post:

Krefeld hat das Museum des Jahres 

Ein Kunstkritikerverband zeichnet die Häuser für ihre „Mehrstimmigkeit“ aus.

VON PETRA DIEDERICHS 

KREFELD | Der Dreiklang von Kunst, Design und Architektur hat die Jury überzeugt: Die Kunstmuseen Krefeld sind als Museum des Jahres ausgezeichnet worden. Die deutsche Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbands AICA hat den Titel für die geglückte Verbindung in den drei Häusern – Kaiser-Wilhelm-Museum, Haus Esters und Haus Lange – vergeben. Die rund 220 Autoren, Kritiker, Journalisten und Publizisten, die in der deutschen Sektion zusammengeschlossen sind, vergeben jedes Jahr drei undotierte Preise an Museen und für einzelne Ausstellungen.

Die Kunstmuseen sind laut der AICA-Jury „ein bedeutender Pionier in der aktuell wieder diskutierten spartenübergreifenden ‚Mehrstimmigkeit‘ künstlerischer Disziplinen“ und außerdem ein „wichtiger Ort der Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunstavantgarde“.

Krefeld habe 2021 den „wohl wichtigsten Ausstellungsbeitrag zum Beuys-Gedenkjahr“ geliefert mit der weltweit ersten Ausstellung, die Gemeinsamkeiten und Gegensätzlichkeiten der beiden Kunstpioniere Marcel Duchamp und Joseph Beuys in Dialog gesetzt hatte, eine „gelungene und intelligente Herausforderung für die Ausstellungsbesucher“, wie die AICA befand.

Die Avantgarde ist mit dem damaligen Museumsdirektor Paul Wember wie ein Donnerhall nach dem Zweiten Weltkrieg in die Krefelder Museumshäuser eingezogen: Arman füllte Glaskästen mit Abfällen, Yves Klein hatte seine erste Einzelausstellung mit seinen Monochromen und hinterließ eine in Spezial-Weiß getünchte Kammer, den „Leeren Raum“, und von Beuys gibt es in der oberen Etage des Kaiser-Wilhelm-Museums unter anderem die Installation „Barraque D’Dull Odde“ und einen Edelstahlbrunnen – eine Installation, die er selbst in den 1980er-Jahren eingerichtet hat. Weltweit sind nur noch zwei Installationen authentisch erhalten, bei deren Aufbau der Künstler selbst Hand angelegt hat. Was heute ein Aushängeschild ist, hat die bürgerliche Gesellschaft damals verwirrt oder gar entsetzt.

Katia Baudin, die seit 2016 die Kunstmuseen leitet, hat mit ihrem Konzept die Anfänge der Museen in den Fokus genommen. Das Kaiser-Wilhelm-Museum ist im Ursprung ein Bürgermuseum – 1897 eröffnet und auf Initiative und mit dem Geld der Krefelder Gesellschaft erbaut worden. Der „gute Geschmack“ sollte hier kultiviert werden. In den von Bauhaus-Architekt Ludwig Mies van der Rohe geplanten Museumsvillen spielt die Auseinandersetzung der Künstler mit den Räumen eine wesentliche Rolle. Diese Fäden spinnen Baudin und ihr Team weiter. „Den Besuchern wird auf diese Weise eine differenzierte Möglichkeit gegeben, unterschiedlichsten ästhetischen Formen und Darstellungsweisen zu begegnen“, urteilen die Kunstkritiker.

Die Auszeichnung kommt passend: Krefeld feiert 650-jähriges Bestehen als Stadt, und die Museen zeigen in der Ausstellung „Produktive Räume“ zeitgenössische Kunst und Design von Künstlern der Region.

Xanten hat was zu bieten

Im Februar buchte ich zum ersten Mal eine private Führung in einem Museum. Für 50 Euro konnten bis zu 15 Personen teilnehmen, wir waren zu acht, die im Stiftsmuseum in Xanten die Stifts-Bibliothek für eine Stunde besuchen durften. (Ist ansonsten für den Publikumsverkehr geschlossen).

Die Zeit verging fix, denn wir bekamen viele Informationen über die Herstellung von Büchern vor und nach Gutenbergs Erfindung. Ein Beispiel: Wie wurden früher die Farben hergestellt, mit denen man die Bücher illustrierte?

Die Bibliothek besitzt viele Buchschätze ab dem 11. Jahrhundert, die wir ausgiebig bewunderten. Diese zu restaurieren und für die Zukunft zu bewahren, ist ein Kapitel für sich…

Aber auch die Geschichte der Bibliothek ist sehr interessant. Den Bestand von ca. 18000 Büchern verdankt Xanten letztendlich Napoleon, der, als Herrscher über den linken Niederrhein, viele Kirchen leer räumen und die Bücher nach Xanten in die Bibliothek transportieren ließ. Von hier aus sollte der komplette Buchbestand nach Paris gebracht werden. Doch dann verlor Napoleon seine Macht und die Bücher blieben in Xanten.

Neben der Bibliothek kann man sich noch das Stiftsmuseum und den Xantener Dom ansehen. Der Eintritt in das Museum ist z.Zt. kostenlos. Mir gefiel es sehr gut, dass das Museum nicht mit religiösen Schätzen überfrachtet ist, sondern das Besondere exemplarisch an einem Ausstellungsstück erklärt wurde.

Man erfährt zudem viel über den Bau des Doms und über den Alltag der Stiftsherren.

Wir verbrachten einen schönen Nachmittag und leckeren Abend in Xanten. Zum Kaffeetrinken besuchten wir dieses empfehlenswerte Café

Nach der Besichtigung kehrten wir in dem Restaurant „Zur Börse“ am Marktplatz ein. Auf seiner Speisekarte finden sich einige typisch niederrheinische Gerichte.

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Besuch in einem Wasserturm

Raten Sie wo der Wasserturm steht? Wenn man mit dem Aufzug ganz nach oben fährt, kann man diese Aussicht genießen:

Oben links: Schloß Styrum, das man heutzutage als „Eventlocation“ mieten kann, darunter ein Blick zu den Ruhrauen. Rechts das Gasometer in Oberhausen.

So sieht der Wasserturm aus und er steht in Mülheim:

Seit den 90er Jahren ist dort das Wassermuseum. untergebracht. In mehreren Ausstellungsräumen wird das Thema in all seinen Facetten den Besuchern näher gebracht. Welche Arten gibt es von Wasser und wie wird es gefördert? Warum ist Wasser für die Welt so wichtig? Welche Rolle spielt das Motiv Wasser in der Kunst, Musik und Literatur? Bedingt durch die Enge des Turms wird das Wissen in vielen kleinen Filmen erklärt. Die Präsentation erinnerte mich dabei teilweise an „Raumschiff Orion“.

Wie sieht die Zukunft des Wasser aus? Dazu gab es Aufklärung bezüglich unseres Wasserverbrauchs.

Diese Hauptfaktoren bestimmen den persönlichen Wasserfußabdruck:

Was in dieser Aufstellung z.B. noch fehlt, ist der Kleiderkauf. Die Herstellung eines Baumwoll T-Shirts verbraucht ca. 16000 Liter Wasser. Wer seinen Wasserfußabdruck berechnen möchte, der findet im Internet mehrere Rechner, die den Verbrauch noch weiter umfassen.

Ich finde es gut, dass es so ein Museum gibt und wie man lesen konnte, wird es oft von Schulklassen besucht. Die Bandbreite dieses Themas ist wirklich groß und wir haben nur ungefähr die Hälfte aller Filme gesehen, danach waren wir erst einmal „gesättigt“. ( Ich wusste z.B. vorher nicht, wie viele verschiedene Arten es von Stauseen gibt…).
Als wir von unserem Museumsbesuch zurückkamen, lief an dem Abend die Quizshow „Wer weiß den sowas?“. Hier wurde in einer Frage noch eine passende Zahl präsentiert. Deutschland verliert pro Jahr 2,5 Gigatonnen Wasser. Bedingt durch immer höher werdenden Verbrauch und Veränderung des Wetters sinkt der Grundwasserspiegel. Ich konnte mir unter der Zahl nichts vorstellen und habe versucht, das in Badewannen (mit durchschnittlich 150 Liter Fassungsvermögen) auszurechnen. Demnach verlieren wir ca. 16,6 Milliarden mit Wasser gefüllte Badewannen pro Jahr. Deutschland hat ca. 80 Millionen Einwohner, rechne ich einfach (16 Milliarden durch 80 Millionen) wären das 2000 volle Badewannen, die jeder in Deutschland in einem Jahr an Wasser nicht mehr zur Verfügung hat. Nicht umsonst nennt man seit einiger Zeit Wasser das Gold der Zukunft…

Besuch im Kolumba in Köln

Im Jahr 2013 wurde das Kolumba zum schönsten Museum Deutschlands gewählt. Ich kenne die offiziellen Begründungen nicht, aber mir fallen einige Gründe ein, warum dieses Museum etwas Besonderes ist.

Das Kolumba ist das Diözesanmuseum des Kölner Erzbistums und steht in der Nähe der Schildergasse, genauer gesagt dort, wo sich früher die Kirche St. Kolumba befand, bevor sie im 2.Weltkrieg zerstört wurde. Auf dem Gelände von St.Kolumba errichtete man nach der Zerstörung einem Gedenkkapelle, die 2007 ein Teil des neuen Museums wurde.

Man wird beim Eingang als Besucher von einem warmen, mit Holz getäfelten Raum empfangen, danach geht es im nackten „Betonstyle“ weiter.
Die 21 Ausstellungsräume erstrecken sich über das Erdgeschoss und zwei weiteren Etagen. Wir fingen oben an:

Hier wurde schnell deutlich, was das Besondere an Kolumba ist. Religiöse Kunst wird zusammen mit moderner Kunst präsentiert. Es gibt keine Beschriftungen, denn Besucher sollen unvoreingenommen ein Kunstwerk auf sich wirken lassen und selbst Beziehungen zu anderen Werken knüpfen. Informationen bekommt man auf andere Weise, beim Kauf der Eintrittskarte erhält man ein ca. 70 Seiten starkes Büchlein (siehe oben), in dem zu jedem Kunstwerk entsprechende Angaben gemacht werden.
Geht man durch die Räume, hat man dank großer Fenster immer wieder einen Blick in die Kölner Innenstadt, wodurch das Museum an Lebendigkeit und Verbundenheit zu der Stadt gewinnt.

Im Kolumba räumt man den einzelnen Werken Platz ein. Die Wirkung des Kunstwerks ist dadurch viel größer und intensiver. Hier ein Beispiel.

Die Pingsdorfer Madonna aus dem 12. Jahrhundert. Im Gegensatz zu vielen anderen Madonnendarstellungen wenden sie und das Kind sich dem Gegenüber zu und beide strahlen damit eine große Liebenswürdigkeit, aber auch Verletzlichkeit aus. Bei mir erweckte diese Skulptur eine Art Beschützerinstinkt.

Unsere Besichtigung schlossen wir mit dem Besuch der St.Kolumba Sakristei ab.

Oben rechts: Die Mauerreste der alten Kirche, daneben einige alte Fliesen.
Unten rechts: Die umbaute Gedenkkapelle, daneben ein Blick nach außen mit einer Skulptur von Richard Serra.

Um Sie passend zu Kolumba in eine etwas meditative Stimmung zu versetzen, hier ein kurzes Video zu der Installation von Terry Fox mit dem Titel „Site Pendulum“. In einem großen leeren Raum wird 2x am Tag zur vollen Stunde die Bleikugel, die in der Mitte des Raumes an einer Klaviersaite von der Decke hängt, außen an einer der Wände in Umlauf gebracht. Ein mit Wasser gefülltes Glas steht auf dem Boden in der Raummitte. Im Laufe der Stunde werden die Bahnen, die die Bleikugel um das Wasserglas zieht, immer enger. War der Anstoß der Kugel zu Anfang exakt, berührt die Kugel am Ende der Stunde das Glas ohne es umzuwerfen und sie erzeugt Töne.

Uns wurden die Töne leider verwehrt, irgendwann blieb die Kugel stehen. Aber trotzdem waren wir fasziniert, denn jede Sekunde hätte das Glas ja vielleicht doch umfallen können…

Herr Mondrian und ich

Bilder von Piet Mondrian sind mir bei diversen Museumsbesuchen immer wieder begegnet, aber ich konnte mich bisher mit ihnen nicht „anfreunden“. Warum ist das so?
In der noch bis März in Düsseldorf laufenden Mondrian Ausstellung liegen Handzettel aus, mit denen Museumsbesucher angeleitet werden, sich auf Mondrians Bilder einzulassen im Sinne von „Wie wirken die Farben auf mich?““Was machen die Rechtecke und Quadrate mit mir?“ „Wie ist die Rhythmik der Striche?““ Sehe ich das Bild anders, wenn ich die Augen schließe, bis 10 zähle und dann wieder öffne?“ Ich habe es versucht, fand es aber schwierig, zumal in der lauten Umgebung einer gut besuchten Ausstellung. Auch die einstündige Führung zuvor brachte mir die Bilder des Künstlers nicht näher. Unter dem Thema „Evolution“ wird die Entwicklung Mondrians als Maler anhand von vielen Werken nachvollzogen. Impressionismus, Pointillismus und Kubismus sind die drei Hauptströmungen, die ihn beeinflusst haben. Schon früh „schleichen“ sich bei ihm Rechtecke in die Bilder. Seine Auswahl der Farben wird zunehmend von seinem theosophischen Weltbild geprägt, in dem die Wirkung einer Farbe eine große Rolle spielt. Schließlich bleiben die Grundfarben rot, blau, grün, kombiniert mit weiß und schwarz übrig. Mondrian hat seinen unverkennbaren Stil gefunden, er nennt ihn neoklassizistisch.
Um mich Herrn Mondrian noch auf andere Weise zu nähern, versuchte ich mich an einem Bild à là Mondrian und da merkte ich plötzlich, was mir bei den Bildern von Mondrian nicht gefiel, bzw. fehlte. Ahnen Sie es?

„Unterwanderung“

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Ich legen Ihnen zu diesem Thema meinen Blogbeitrag „Lassen Sie sich auf Hilma ein“ ans Herz. Es geht um eine Künstlerin, die schon einige Jahr vor Mondrian eine ähnliche Kunstphilosophie verfolgte, doch die Ergebnisse fallen ganz anders aus.

Photographie und Impressionismus

Noch bis zum Wochenende läuft im von-der-Heydt-Museum in Wuppertal diese Ausstellung:

(Dies ist der Ausstellungskatalog, in ihm werden noch mehr Fotos gezeigt als in der Ausstellung).

Mich haben die ausgestellten Fotos sehr beeindruckt. Die zwischen ca. 1860 und 1910 entwickelten Bilder vermittelten eine ganz besondere Atmosphäre und beeindruckten durch ihre Bildschärfe und der Bildkomposition. Man bekommt darüber hinaus einen guten Überblick, welche Entwicklungs-und Aufnahmeverfahren in den frühen Zeiten der Fotografie angewandt wurden. Die Fotos sind nach Themen geordnet, wie z.B. „Am Meer“, „In der Stadt“, „Bäume“ oder „Arbeitende Menschen“ und werden bekannten impressionistischen Gemälden gegenüber gestellt. Mich spornte die Ausstellung an, Fotos zu erschaffen, die diese Stimmung vermitteln. Hier ein Beispiel:

Sommerweg

Bild 342 von 365

Wem diese Ausstellung noch nicht als Motivation reicht, sich nach Wuppertal aufzumachen, der kann seinen Museumsaufenthalt noch durch zwei weitere Ausstellungen erweitern:

Noch bis zum 29.1. zeigt das Museum ganz unterschiedliche gemalte und fotografierte Portäts unter dem Motto „Fremde sind wir uns selbst“.

Hier gefiel mir gut, dass in der Ausstellung ausführlich erklärt wurde, wie wichtig die Perspektive des Porträts für die Aussage des Bildes ist. Das war mir davor nicht bewusst.

Die dritte Ausstellung ( bis zum 16.7.23) macht eine Zeitreise in die 60er und 70er Jahre.

Da die 70 er Jahre meine „Sturm-und Drang“ Jahre waren, kam bei der Besichtigung bei einigen Werken Wiedersehensfreude auf und mir gefiel die Ausstellung, weil sie einen guten Überblick über die Künstler dieser Zeit bietet.