Eine Liebe der Hannah Höch

Eigentlich mag ich keinen Roman, dessen Hauptfigur eine früher lebende Person darstellt. Aber es gibt immer die Ausnahme:

Die Autorin erzählt in dem Roman von einem Lebensabschnitt der Künstlein Hannah Höch. Sie war in den 20er Jahren des letzte Jahrhunderts die einzige Frau, die zu der Künstlergruppe gehörte, die den Dadaismus verbreitete. Hannah, die als einzige der Gruppe eine feste Arbeitsstelle beim Ullsteinverlag hatte und die Dadakollegen öfter finanziell unterstützte, war nebenbei künstlerisch sehr produktiv und entwickelte die Methode der Fotocollage. Aber in der Szene sahen viele in ihr nur die Geliebte des verheirateten Künstlers Raoul Hausmann. Die Beziehung war schwierig. Künstlerisch befruchteten beide die Arbeiten des anderen (z.T. so sehr, dass Hausmann Hannahs Werke mit seinem Namen signierte), menschlich war der Künstler launisch, fordernd und eifersüchtig und machte Hannah das Leben schwer. Irgendwann schaffte sie es, sich von ihm zu trennen.
1926 findet sie eine neue Liebe: Til Brugman, eine Autorin aus den Niederlanden. Die beiden tun sich gut, leben eine Zeit lang in Den Haag, dann in Berlin. Man lernt Hannahs Familienmitglieder kennen, die Til herzlich in ihren Kreis aufnehmen. Die Freunde aus dem Dadakreis reagieren unterschiedlich auf die Beziehung.
Die Liebe der beiden Frauen wird im Laufe der Jahre immer häufiger auf die Probe gestellt. Während Hannah als Künstlerin in Berlin mehr Anerkennung findet, wartet Til immer ungeduldiger auf ihren eigenen Durchbruch. Sie fährt häufiger über längere Zeit in die Niederlande, beansprucht für sich die Freiheit, andere Beziehungen zu Frauen einzugehen. Auch machen die politischen Verhältnisse im Berlin der 30er Jahre das Leben für die beiden nicht einfacher. Til bringt zwar ihr erstes Buch heraus, das Hannah illustriert hat, aber immer mehr Freunde gehen ins Exil und schließlich kommt es 1935 auch zur Trennung von Hannah und Til.

Für mich hat die Autorin einen ganz eigenen Schreibstil gefunden, der das beschwingte Leben in Künstlerkreisen der 20er Jahre so wiedergibt, wie ich es mir vorstelle. Der Stil ändert sich, als die Beziehung und die politischen Verhältnisse schwieriger werden. Das zu beobachten, gefiel mir sehr beim Lesen. Auch die eingestreuten Texte von Hannah und Til trugen zu der besonderen Atmosphäre des Buches bei.
Mika Sophie Kühmel beschreibt das Verhältnis zwischen den beiden Frauen, am Anfang voller Liebe und Wärme, dann immer mehr als ein Ringen darum, die Liebe zu erhalten. Das ist der zweite Grund, warum ich dieses Buch gerne gelesen habe.

Schnuckelige Örtchen: St. Davids und Tenby (Wales 2)

„Welcome to the Smallest City in Britain“! St. Davids, benannt nach dem Schutzheiligen von Wales, ist ein kleiner Ort mit einer eigenen Kathedrale (deswegen City) und den Ruinen eines Bischofpalastes. Das Städtchen verfügt darüber hinaus über einige schöne Einkaufsstraßen, viel Natur und…(Wird später verraten), hat also beste Voraussetzungen, ein Touristenmagnet zu sein. Hier ein paar Eindrücke:

Oben zwei Fotos von der Kathedrale, unten zwei Eindrücke von den Ruinen des Bischofspalasts aus dem 14. Jahrhundert.
„Charakterköpfe“ schmücken die Außenfront der Kathedrale

Die Kathedrale war für uns eine Überraschung, denn wir beide waren uns einig, dass sie eine der schönsten ist, die wir bis da dato gesehen haben. In der Kirche, deren Bau im 11. Jahrhundert begann und die man im 14. und 19. Jahrhundert veränderte, wurde neben Stein auch viel Holz verarbeitet. Die Böden, die Wände und teilweise auch die Fenster streiten um den ersten Preis für das schönste Muster. Das Besondere aber ist die Tatsache, dass innerhalb der Kirche ein Höhenunterschied von 4 Metern ausgeglichen werden musste. So besteht die Kathedrale nicht nur aus einem gradlinigen Schiff, sondern erinnert an einigen Stellen fast an ein Labyrinth mit kleineren Räumen.

Fotocollage aus Bildern mit den schönen Decken, Fenstern, Böden, Bänken und einem Altar.

Vielleicht ist bei mir aber auch die kircheneigene Bibliothek der Grund, dass mich St. David‘s Cathedral so beeindruckt hat.

Rechts oben: Nur über diese Wendeltreppe kam man in die Bibliothek und dort werden die Besucher von Buchschätzen erwartet. Eine sehr nette Bibliothekarin zeigte uns einige besonders ausgefallene Exemplare.

Unser zweites Ziel war der Besuch der Dr. Beynon’s Bug Farm, etwas außerhalb von St.Davids gelegen. Eine Insektenfarm hatten wir noch nie gesehen, bzw. besucht. Es gab dort ein weitläufiges Außengelände, schön geeignet für einen Spaziergang, auf dem man viel über das Leben von Insekten erfuhr. Andere Informationstafeln widmeten sich den Möglichkeiten, gegen das Insektensterben vorzugehen.

In mehreren Räumen bestaunten wir danach viele exotische Insekten. Mag vielleicht abgedroschen klingen, aber es waren Wunder des Natur.

Im Museum waren viele Kinder unterwegs und es war schön zu sehen, wie sehr Kinder noch staunen können.

Von St. Davids fuhren wir nach Tenby quer durch den Pembrokeshire Coast National Park. Wanderer, Camper, Surfer, Landschaftsgenießer- hier kommen alle auf ihre Kosten!

Das Klima meint es gut mit Tenby und dieser Ecke von Südwales und wir bekamen an manchen Stellen mediterrane Gefühle.

Die bunten Häuser können es mit den Farben in der Theke einer Eisdiele aufnehmen.
Habe ich die Fotos vielleicht doch in Nizza gemacht? Nein, es sind „Tenby Originals“.

Tenby wird für mich immer die Stadt der Bänke sein. An keinem anderen Ort habe ich so viele Sitzmöglichkeiten gesehen, von denen man immer eine wunderschöne Aussicht hatte oder auf denen man es sich in einer Nische gemütlich machen konnte.

Wales Nr. 3 nimmt Sie mit nach Cardiff und Bristol. Doch zuerst stelle ich Ihnen noch den Roman „Hannah“ vor und schreibe noch über ein langes Moselwochenende.

Einmal den Tod ausprobieren

2018: Amélie arbeitet im französischen Außenministerium. Als ihren Vertrauten hat sie ihren ehemaligen Mitschüler Éric eingestellt und sie beide sind ein erfolgreiches Team, wenn es darum geht, ausländische Firmen davon zu überzeugen, in Frankreich zu investieren.
Eine Reise nach Seoul verändert alles, denn Éric bricht bei der ersten Präsentation zusammen und bei der zweiten Chance, die Samsung den beiden gibt, lässt er Amélie im Stich und taucht unter. Was war geschehen?
Éric, Mitte 40, gibt sich immer noch die Schuld an dem Unfalltod seines Vaters vor fast zwanzig Jahren. Da half es danach auch nicht, dass er eine liebe Frau und einen tollen Sohn hatte und erfolgreich im Beruf war. Inzwischen ist er geschieden, seine Mutter befeuert seine Schuldgefühle, bei der neuen Arbeit mit Amélie stößt er an seine körperlichen und mentalen Grenzen. Er ist ausgebrannt, als er in Seoul, ein paar Stunden vor der zweiten Präsentation, in ein Geschäft geht, das „Happy Life“ heißt. Hier lernt er eine für ihn sehr befremdliche Geschäftsidee kennen: Auf Probe sterben. Eine Expresszeremonie dauert eine Stunde, beinhaltet die Gestaltung des Grabsteins, das Verfassen der letzten Worte und das überwachte Liegen in einem geschlossenen Sarg. Éric bucht diese Stunde, die ihm einen Erweckungsmoment beschert. Im Sarg stürzen so viele wichtige Gedanken auf ihn ein, dass er merkt, wie sehr er noch an seinem Leben hängt und dass sich vieles ändern muss. Nach der Stunde ist er euphorisiert und zugleich zu verstört, um zusammen mit Amélie bei Samsung aufzutreten.
Er fliegt zurück nach Frankreich, kündigt und ist beseelt von der Idee, den Service des Probesterbens auch in seinem Heimatland anzubieten. Endlich hat er eine Lebensaufgabe gefunden, mit der er anderen Menschen helfen kann.
Und tatsächlich finden sich immer mehr Menschen, die seinen Laden besuchen und fast alle machen ähnliche Erfahrungen wie Éric. Die Mundpropaganda wird immer größer, Éric eröffnet Filialen, wird wieder sehr erfolgreich. Doch dieses Mal zieht er die Reißleine und gibt alles ab. Er wird etwas Neues suchen und vielleicht spielt dabei Amélie eine Rolle, denn deren Leben lief nach Seoul alles andere als rund.

Das Thema Tod in einen leichten Unterhaltungsroman zu verpacken und das mit einer Portion Tiefgang, der die Leserschaft zum Nachdenken bringt, dazu gehört schriftstellerisches Können. Dass David Foenkinos das besitzt, stellte er schon in früheren Romanen unter Beweis.

Wer noch mehr über die südkoreanische Therapie der Toderfahrung wissen möchte, auf der Seite abschieds.com fand ich diesen Text:

https://www.abschieds.com/simulierter-tod-in-sudkorea-ein-ungewohnlicher-weg-das-leben-neu-zu-schatzen

Das schwarze Manuskript

Ashok Oswald wird in jungen Jahren in Wien von einem entfernten Bekannten gebeten, für ihn ein schwarzes Manuskript aufzubewahren. Es beinhaltet seinen Roman „Hunger“ und ist so brisant, dass er Ashok warnt, die Seiten zu lesen. Oswald nimmt das Manuskript an sich, kurz danach begeht sein Bekannter Selbstmord.
Oswald wird in den darauf folgenden Jahren der sehr erfolgreiche CEO eines Weltkonzerns, zieht nach Köln und vergisst das Manuskript, das irgendwo im Keller seiner riesigen Villa liegt.
41 Jahre später stehen an einem Morgen zwei Männer und eine Frau an Oswalds Pool, als dieser gerade seine Bahnen zieht und verlangen von ihm unter Gewaltandrohung und ohne Erklärung das Manuskript zurück. Oswald findet es glücklicherweise und händigt es den Fremden aus, die darauf wieder verschwinden.
Oswald ist inzwischen 64 Jahre alt und hat sich vorgenommen, sich von seinem alten Leben zu verabschieden, da er merkt, dass er als CEO nicht mehr richtig „funktioniert“. Dieser Vorfall ist für ihn der Auslöser, seinen Plan in die Tat umzusetzen, denn er will unbedingt wissen, was es mit dem schwarzen Manuskript auf sich hat. Er entlässt seine Hausangestellten, entledigt sich seines Handys – seine Reise beginnt… Mehr darf und will ich nicht verraten!
Ich lese die Bücher von Heinrich Steinfest sehr gerne, denn er schafft es immer wieder, Geschichten zu erzählen, die wohltuend anders sind als 80% der heutigen Neuerscheinungen. (Keine Familiengeschichte, keine Buch über Kind/Elternteilbeziehung, Kriegserfahrungen, dunkles Geheimnis, sie findet ihren Prinzen-Geschichte). „Das schwarze Manuskript“ kann man als Mischung lesen aus Krimi mit irischen Einsprengseln, Geschichte über ältere Männer und auch als Hommage an Gabriel Garcia Marquez und seinem magischen Realismus. Und alles ist erzählt mit einem Hauch Augenzwinkern und dem speziellem österreichischen Humor, wie man ihn beispielsweise auch bei Wolf Haas findet.

Urlaub in Wales (1)

Vor einigen Monaten berichtete ich über unseren Urlaub in Nordirland. Nun kommt die Fortsetzung.
Von Belfast aus fuhren wir mit der Fähre nach Liverpool zurück und von dort aus ging es direkt nach Südwales. Wir legten zwei Pausen auf dem Weg ein, die Küste von Nordwales empfanden wir teilweise als ein bisschen bizarr.

Zwischen Liverpool und Aberystwyth: Oben ein gekentertes Schiff, das sich dem Verrosten hingab, in der Mitte links ein Theater, das uns eher an ein Teil einer Kernspaltungsanlage erinnerte. Rechts daneben: So sehen viele Ferienhausanlagen aus. Unten : Sechs verschreckte Bäumchen sind auf dem Pier dem Meeressturm ausgesetzt. Rechts unten der alte Uhrturm von Aberystwyth.

Wir hatten für mehrere Tage eine Ferienwohnung in Milford Haven, unser Ausgangspunkt für mehrere Ausflüge. Der erste Ausflug führte uns nach „Skomer Island“.
Ich liebe Papageientaucher, auch Puffins genannt, und auf dieser unbewohnten Insel leben ab Mitte April und Ende Juli ca. 40000 Tiere.

Für ein Schwätzchen immer zu haben! Puffins kommen zum Brüten in Höhlen auf die Insel, bevor sie wieder aufs Meer fliegen und die restlichen Monate dort verbringen.

Es gibt nur wenige Bootsfahrten zu der kleinen Insel und wir hatten uns schon im November des Vorjahres um Tickets bemüht. Zu recht, denn bei nochmaligem Besuch der entsprechenden Internetseite waren im Februar schon alle Fahrtmöglichkeiten ausgebucht.
Als wir an dem Fähranleger ankamen, erwarteten uns Nebel und Regen, die Stimmung der Besucher war etwas bedrückt. Doch nach ca. 40 Minuten Fahrt empfing uns eine Insel im Sonnenschein.

Die meisten Besucher waren wegen der Puffins da, doch es gibt noch viele andere Vogelarten und auch Seeschildkröten, Wale und Delfine zu beobachten. Auf streng vorgegebenen Wegen kann man die Insel alleine erkunden, eine Einkehrmöglichkeit gibt es nicht.

Vogelbestimmung ohne Gewähr: Links eine Heckenbraunelle, daneben im Felsen Tordalks, darunter eine Heringsmöwe, oben rechts eine Rauchschwalbe, darunter ein Hänfling.


Wir verbrachten fünf Stunden auf Skomer Island, die sehr schnell vorbei gingen, denn neben den Tierbeobachtungen waren auch die Ausblicke aufs Meer sehr abwechslungsreich und wunderschön. Ein wissenschaftliches Forschungsteam und einige Wildhüter leben auf der Insel, letztere freuten sich darüber, wenn man ihnen Fragen stellte.

Uns fiel der Abschied sehr schwer, die Puffins hatten nun endgültig unsere Herzen erobert!



In nächsten Beitrag stelle ich Ihnen zwei kleine malerische Städte vor, die eine „very british“, die andere könnte auch am Mittelmeer liegen.

Die Kastanienallee


Stellen Sie sich eine wunderschöne Kastanienallee vor, in deren Schatten über hundertjährige hochherrschaftliche Villen stehen, umgeben von atemberaubenden Gärten. Dazwischen schmiegen sich ein historisch wertvoller Tennisclub und eine teure Privatklinik. An der Ecke allerdings müssen Sie bei Ihrem Bild einen kleinen schmierigen Zeitschriften-und Zigarettenladen („Trafik“ in Österreich genannt) einbauen, in dem der Besitzer Hermann mit seiner Frau Heidi und Tochter Jessica aus einem Bildband von Manfred Deix entsprungen sein könnten:

Ja eigentlich kann man sich auch die Bewohner der Villen deixesque vorstellen, als da wären beispielsweise ein abgewrackte Psychiater, ein stets alkoholisierte Rechtsanwalt und Frauenheld oder der Marmeladenfabrikbesitzer, der gerne im Tennisclub sich bei den Umkleidekabinen der Frauen herumdrückt und „Trophäen“ von sich gerade duschenden jungen Mädchen einsammelt.
Natürlich gibt es auch die passenden Frauen zu diesen Kronen der Schöpfung, sie dulden, leiden, sind naiv oder lenken sich mit Shopping ab. Um es kurz zu machen: Hinter den Gardinen gibt es kaum weiße Westen und man sieht beflissen weg, wenn der Trafikant sich beispielsweise an den Antiquitäten eines reichen, geistig zurückgebliebenen Erben bereichert. Je weiter man liest, desto sumpfiger wird es. Doch dann tritt Herbert erstmalig auf, tätowierter Hüne im schwarzen Lederdress, Ex-Berufssoldat und Securityman, der Proust zitiert und einen Altwarenladen mit viel Geschick in ein heimeliges Geschäft der schönen Dinge umwandelt. Als dann noch die Frauen anfangen, aufzumuksen und eigene Pläne schmieden, gewinnt man den Glauben an die Menschheit wieder zurück.
Am Ende des Romans liegt einer der Ekelpakete tot in einer Höhle, doch was ist mit den anderen Gaunern und Mauschlern und wie geht es mit den Frauen weiter? Ich war etwas ratlos und freute mich dann sehr, als ich las, dass die Autorin (das Pseudonym einer bekannten österreichischen Autorin) bereits an einer Fortsetzung der Kastanienallee-Geschichte schreibt. So ein böser Blick auf die Welt der Schönen und Reichen macht einfach Spaß…

Glastage

Letzte Woche fand in der Duisburger Stadtbibliothek eine Lesung zu diesem Buch statt (Besprechung aus der RP siehe unten):

Angeregt von diesem Roman über die Gerresheimer Glashütte, waren wir vorgestern im Düsseldorfer Kunstpalast in der Glasabteilung. Hier gibt es noch bis zum 5.10. eine Sonderausstellung zum Thema Muranoglas.

Fotocollage aus Bildern, die verschiedene Anwendungsgebiete zeigen: Oben links Teilansicht eines Lüsters, rechts daneben eine mannshohe Skulptur, deren Herstellung eine besondere logistische Herausforderung darstellte. Links unten: Ein Glasstein zur Dekoration oder zur Einlassung in einer Wand, rechts daneben eine Vase, die in Murano als Sinnbild für den Aufbruch in der Glaskunst nach dem Zweiten Weltkrieg steht.

Diese Ausstellung befindet sich in zwei Räumen, uns blieb noch Zeit, die permanente Glasausstellung zu besuchen.
WOW- das Spiegelkabinett ! Eine Farb- und Formenexplosion, um jedes Ausstellungsstück zu würdigen, bräuchte es schon Stunden. Zur Zeit werden ca. 1500 Exponate der Öffentlichkeit gezeigt, die aus einem Bestand von 13000 Objekten ausgewählt wurden. Ich schätze, dass in diesem Spiegelkabinett ca. 1000 Teile zu sehen sind.

Rechts: Wo soll man zuerst hinsehen? Oben links: Alte Glasgefäße mit ihrer schillernden Oberfläche, daneben eine Flaschenauswahl. Unten links ein Beispiel für aktuelle Glaskunst, rechts daneben eine Sammlung von Briefbeschwerern.

Es gibt Glasschätze zu entdecken, die atemberaubend und/oder Überraschend sind, sei es wegen ihrer handwerklichen Kunst, der Ästhetik, ihres Alters oder des Titels.

Rechts: Ein Kleid aus Glas- mir fiel es schwer, es nicht zu berühren. Links: Der Lichteinfall in diesem abstrakten Werk strahlte etwas Geheimnisvolles aus, das vom Foto kaum wiedergegeben wird.
Links ein Kosmetikflakon, ca. 1300 bis 1500 Jahre alt, rechts eine „neue“ Ziege aus Glas.
Eine Alditüte aus Glasperlen als Huldigung der Plastiktüte- Ausführung toll, Idee naja. Craggs Idee gut, Ausführung naja.

In der Ausstellung werden viele Aspekte zu der ausgestellten Glaskunst angesprochen. Drei Beispiele: Auf welche Arten kann man Glas herstellen und wie haltbar sind diese verschiedenen Sorten, wie sind ihre Möglichkeiten der Verarbeitung? In den 70er Jahren wurde in den USA ein Miniofen erfunden, in dem man Glas brennen konnte. Das nahmen die Universitäten zum Anlass, das Glashandwerk als Lehrfach einzuführen und damit nahm u.a. die Verbreitung von Glasskulpturen einen rasanten Aufschwung. Auch bei Glaskunst gibt es die Provenienzforschung, die schwieriger ist als bei Bildern, da bei Gemälden öfter auf der Rückseite Anmerkungen oder Aufkleber zu finden sind.

Die Ausstellung ist für Hobbyfotografen sehr lohnenswert. Ich versuchte mich mal wieder in Schwarzweißaufnahmen:

Im Kunstpalast laufen derzeit noch weitere interessante Ausstellungen, u.a. mit dem Titel „Künstlerinnen“ https://www.kunstpalast.de/de/event/kuenstlerinnen/

und eine Retrospektive zu dem Werk des Düsseldorfer Künstlers Hans Peter Feldmann: https://www.kunstpalast.de/de/event/hans-peter-feldmann-kunstausstellung/

Ein Besuch des Museums lohnt sich also auf jeden Fall.

Und hier nun noch die Besprechung aus der RP vom 25.9.2025:

VON PETER KLUCKEN

Wie stellt man einen historischen Roman vor, bei dem eine erdachte Geschichte mit historischen Fakten verbunden sind? Dorothee Krings gelingt das vorbildlich, wie sie jetzt beim ersten Abend der neuen Saison im Duisburger Verein für Literatur bewies. Dort präsentierte die renommierte RP-Redakteurin ihren Debütroman „Tage aus Glas“ nicht nur mit einigen ausgewählten Vorlesepassagen; sie gab auch Einblicke in ihre mehrjährigen Recherchen, die das faktische Gerüst ihrer schriftstellerischen Arbeit bilden.

Es geht in „Tage aus Glas“ um den Streik der Glasmacher in der Gerresheimer Hütte im Jahr 1901. Ein Lokalhistoriker hatte Dorothee Krings vor Jahren klagend darauf hingewiesen, dass dieser Streik und die schließlich im Jahre 2005 geschlossene Gerresheimer Glashütte, deren Emblem noch heute auf vielen Gläsern zu finden ist, in Vergessenheit zu geraten droht.
Dabei war diese Glashütte einst die größte weltweit. 150 Millionen Flaschen wurden dort um das Jahr 1900 produziert, die in die ganze Welt exportiert wurden. 2000 Flaschenmacher pusteten sich ihre Lungen aus dem Leib, um bei einer Tagesschicht bis zu 230 Flaschen zu produzieren. Die Arbeit war mehr als herausfordernd. Die Hitze vor den Glasöfen war so groß, dass die Augenbrauen versengen konnten, wenn man nicht aufpasste.
Eindringlich und präzise schildert Dorothee Krings in ihrem Roman die Arbeitsvorgänge und Arbeitsbedingungen. Das Flaschenmachen kennt sie mittlerweile mindestens so gut wie Schiller das Glockengießen. Den Flaschenmachern in Gerresheim sei es vergleichsweise gut gegangen, berichtete Dorothee Krings. Ihre Informationen zum geschichtlich-industriellen Hintergrund, den sie fesselnd schilderte, illustrierte sie mit historischen Aufnahmen, die sie während ihrer aufwändigen Recherchearbeit in Archiven und Museen fand.
Flaschenmacher in Gerresheim durften in kleinen Werkshäusern wohnen, die alle kleine Gärten zur Selbstversorgung hatten. Der Lohn war für damalige Verhältnisse recht gut, es gab sogar einen Werksarzt und ein Invalidenheim für Arbeiter.
Vor diesem Hintergrund, so Dorothee Krings, habe es für die Gerresheimer Flaschenmacher, die auch „Püster“ (wegen der nötigen Puste beim Flaschenblasen) genannt wurden, eigentlich keinen Grund zum Streik gegeben. Zum Streik entschlossen sie sich dennoch aus einem ehrbaren Grund: Aus Solidarität mit Flaschenmachern in anderen deutschen Städten, denen es nicht so gut ging.
Es gab zwar auch 1901 eine Gewerkschaft und eine Streikkasse, aber kein Streikrecht wie heute. Wer sich in Gerresheim am Streik beteiligte, musste kündigen und verlor damit zugleich das Recht, in einem Werkshaus zu leben. Dennoch machten 1100 von den 2000 Flaschendrehern beim Gerresheimer Streik mit.
Was der Streik für die Arbeiter und ihre Familien bedeutet, habe sie in ihrem Roman darstellen wollen, sagte Dorothee Krings. Dabei interessierte sie besonders die Auswirkungen auf die Frauen, die zwar nicht als Püster gearbeitet hatten, die aber natürlich ebenfalls von den Auswirkungen des Streiks betroffen waren.
Zwei parallele Frauenschicksale stehen bei ihrem Roman im Mittelpunkt. Einmal Bille, Tochter eines einfachen Glasmachers, die davon träumt, mit ihrem Freund Adam nach Amerika auszuwandern. Und Leonie, Tochter des Werksarztes, für die der Vater Wege in ein großbürgerliches Leben ebnen möchte. Beide Frauen seien auf verschiedene Weise eingeengt, so die Autorin.
Dorothee Krings gelingt es, die Geschichte der Frauen lebensnah und spannend zu erzählen. Die Verbindung der historischen Fakten des letztlich vergeblichen Streiks der Glasmacher mit den „erfundenen“ Lebensgeschichten gelingt ihr wunderbar. Im Literaturverein las sie zu Beginn den Prolog vor, bei dem ein kleiner Junge, Sohn eines stolzen Glasmachers, auf einem Jahrmarkt beim Wettklettern nach einer Fleischwurst tödlich verunglückt. Die Schlagzeile in der Zeitung erscheint am selben Tag wie die Schlagzeile zum Streikbeginn der Glasmacher.
Das Lebensgefühl in den Gerresheimer Arbeiterfamilien ist fortan zerbrechlich; der Titel des Romans „Tage aus Glas“ spielt auf diese Zerbrechlichkeit an. Die Brücke vom Glasarbeiterstreik im Jahr 1901 in die Gegenwart kann geschlagen werden. Die streikenden Flaschenmacher hielten sich für unersetzlich, wussten noch nichts von der Maschine, die ein Mann namens Michael Joseph Owens in Amerika im Jahr 1903 erfinden würde, mit der so viele Flaschen produziert werden konnten wie 40 erfahrene Püster. Owens Automat von 1903 erinnere an die KI von heute, so Dorothee Krings.

Vom Schmuggelbulli im Container, der Zuckerklatsche und ISO 3103

Im Ruhrgebiet, genauer gesagt auf dem Gelände des Schiffshebewerks Henrichenburg, gibt es mal wieder eine lobenswerte Ausstellung. Das Thema: Container!

In diesem temporären Museum wurden Container im Kontext Kunst, Design und Film gezeigt.

Sie glauben, dass ist langweilig? Das dachten meine Begleitpersonen anfangs heimlich wohl auch, aber am Ende waren wir alle rundherum zufrieden mit diesem Museumsnachmittag.


Lohnt sich alleine schon die Fahrt nach Waltrop, um sich das Schiffshebewerk anzusehen, in einem Gebäude über seine Geschichte zu lesen und einen schönen Spaziergang am Kanal zu machen, vorbei an einigen historischen Schiffen, ließen wir das alles dieses Mal links liegen, um uns auf die globalen Boxen zu konzentrieren.
Was kann man über Container schreiben? Ein paar Beispiele: Wie ging es in den Häfen zu, bevor es Container gab? Wer hatte die Idee dazu? Wie kommt es, dass alle Container gleich groß sind? Wie wird ein Container beladen? Wie sähe unser Leben aus, gäbe es keine Container? Was kann man sonst noch mit Containern machen? Haben Container eine Zukunft?
Hier zu den Fragen einige passende Fotos zum Verdeutlichen und Lust machen auf die Ausstellung:

Wie war früher die Arbeit im Hafen? Chaotisch, wie man oben auf dem Bild sehen kann. Links unten Werkzeug der Hafenarbeiter, u.a. auch eine Zuckerklatsche, rechts alte Holzkisten, die heutzutage gerne noch als Dekorationsstücke hingestellt werden.
Auch hier gilt einmal mehr: Nur ein Mensch kann die ganze Welt verändern…Unten links ist der Brief ausgestellt, in dem der Erfinder Malcom McLean sich einverstanden erklärt, dass Container, auf deren Erfindung er das Patent besaß, eine einheitliche Größe bekommen. Die Verhandlungen zwischen Amerikanern und Europäern über die Größe hatten zuvor vier Jahre gedauert. So einigte man sich schließlich auch auf das Maß: Container haben Fußmaße und keine Metermaße.
Auf dem Bild rechts sind die Fußmaße umgerechnet worden, links die größten Containerfirmen der Welt. zu diesem Bild passt auch die ISO 3103.
ISO-Normen sind nicht nur für die Beschaffenheit eines Produkts zuständig, sondern auch für die Größe und erleichtern innerhalb eines Containers somit das Stapeln von Waren, und wenn es sich dabei auch „nur“ um Teebeutel handelt.
Oben sehen Sie zwei Schiffsmodelle: Das kleine stammt aus den 80er Jahren und konnte noch durch den Panamakanal (Foto rechts unten unter der Ansicht vom Suezkanal) fahren. Das große Schiffsmodell zeigt ein aktuelles Schiff, das nicht mehr durch den heutigen Panamakanal passt. Das Schiff ist über 400 Meter lang und über 60 Meter hoch.
Links die Hauptrouten der Schiffscontainer.
Oben rechts: 2014 wurde die neue Seidenstraße zwischen China und Duisburg gefeiert. Darunter: Container bringen uns neue Tierarten, was selten ein Vorteil ist. Unten: Container als schwimmende Lagerräume. Links: Container in der Bekleidungsindustrie- ein ganz spezielles Thema.
Container anders genutzt: Links als Material für ein Kunstwerk, rechts oben in London umgebaut als Appartement, darunter als Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko.

Und zum Schluss die Auflösung zu dem Schmuggelbulli:

Wie sieht die Zukunft von Containern aus? Besonders europäische Länder versuchen seit ein paar Jahren, wieder mehr vor Ort zu produzieren, um von Importen unabhängiger zu werden. Auch das Verhältnis zu asiatischer Billigware ändert sich. Zwar sehr langsam, aber das Bewusstsein der Bevölkerung für die problematischen Herstellungsmethoden scheint sich zu verbessern. Container gehören zu unserem Alltag, doch in der Zukunft vielleicht etwas weniger als bisher.

Die Ausstellung kann man noch bis zum 12.April 2026 besuchen.

Wolfgang Trepper sagt nur mal eben Danke

Heute erscheint im Kösel Verlag das neue Buch des Duisburger Kabarettisten Wolfgang Trepper.

Ich las dieses Buch aus Neugier, denn Wolfgang Trepper ist in Rheinhausen aufgewachsen und besuchte immer mal wieder meine Buchhandlung. Dort lernte ich ihn als sehr höflichen, fast schüchternen jungen Mann kennen. Irgendwann kam er nicht mehr, er war weggezogen und ich verlor ihn aus den Augen. Einige Jahre später sah ich ihn dann bei einer seiner Vorstellungen wieder und ich konnte kaum glauben, dass das Wolfgang Trepper war. Sein „harsches“ Auftreten war für mich sehr überraschend und ich erhoffte mir, in dem Buch ein paar Erklärungen zu finden, wie es zu dem Sinneswandel gekommen war.
Um es vorweg zu nehmen: Ich habe mit dem Buch aus verschiedenen Gründen herzerwärmende Lesestunden verbracht und empfehle es ohne wenn und aber.
Warum? Da geht es, wie man schon im Untertitel lesen kann, um Tante Henny. Ihr hat Wolfgang Trepper viel zu verdanken. Sie wurde zur Ersatzmutter, als die eigene Mutter immer häufiger ins Krankenhaus musste und der berufstätige Vater mit der Erziehung seiner beiden Söhne überfordert war. Tante Henny- ich habe sie auch sofort lieben gelernt. Sie war bodenständig, sagte, was sie dachte und das war fast immer sehr vernünftig und obwohl sie und ihr Mann, der Oheim, nicht viel Geld hatten, machten sie aus dem Leben ein Fest und freuten sich an kleinen Dingen wie Bolle. Eine bessere Lebenslehrmeisterin konnte Wolfgang Trepper nicht haben und das weiß er bis heute.
Seinen Lebenslauf beschreibend, taucht man in dem Buch zuerst in Duisburger Welten in den 80er und 90er Jahren ein. Trepper arbeitete bei Krupp, sehr ungern, so dass er sich immer mehr für den Rheinhauser Handball Verein OSC engagierte und dabei war, als der OSC in die Bundesliga aufstieg. War er schon zum OSC eher durch Zufall gekommen, sollten noch weitere Zufälle in seinem Leben folgen, die Trepper immer, nach Beratung mit Tante Henny, genutzt hat, um sich weiterzuentwickeln und Neues auszuprobieren. Das lobe ich mir.
Er kam zu Radio DU und das war seine wahre „Arbeitsheimat“. Der Programmdirektor war offen für die ausgefallenen Programmideen und Kommentare von Trepper, ja, stachelte ihn sogar an, noch „ durchgeknallter“ zu werden. Irre Jahre, denn beim Radio war Spontanität das A und O.
Aber ganz langsam suchte sich nach einigen Jahren eine andere Passion ihren Weg in Treppers Kopf: Der Auftritt auf der Bühne! Und wieder war Kollege Zufall vor Ort, denn Corny Littmann, Inhaber des legendären Schmidt Theaters in Hamburg, wurde auf Trepper aufmerksam und nahm ihn unter seine Fittiche. Es ging immer steiler aufwärts mit seiner Karriere als Kabarettist, so dass er beim Radio kündigte, nach Hamburg zog und dort seitdem mit Frau und Tochter lebt. ( Aber noch eine kleine Wohnung in Duisburg hat, weil hier eben seine Heimat ist).
Ja und da ist er nun, der Wolfgang Trepper mit seinen 64 Jahren. Hat alles erreicht, kann stolz auf sich sein, auch auf seine Projekte in Afrika, für die er nach jedem Auftritt sammelt. In dem Buch lernt man einen Mann kennen, der kritisch über sich und sein Leben nachdenkt und man erfährt, dass er privat immer noch ein ruhige Mensch ist, der sich um Harmonie bemüht.

Wie werden Bäume von einer Stadtverwaltung geschützt- als Beispiel in Duisburg

Letzte Woche besuchte ich in der Duisburger VHS einen Vortrag zu diesem Thema.

Ich schreibe meinen Beitrag anhand von einigen Notizen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit der Wortbeiträge von Referenten und Zuhörern haben. Mir ist es wichtig zu zeigen, wie vielfältig das Thema Baumschutz ist.

Dr. Randolph Kricke und Bassila Boshalt von der Unteren Naturschutzbehörde in Duisburg erklärten den Naturdenkmal- und Alleenschutz und darüber hinaus die Aufgaben dieser Behörde, als da wären beispielsweise der Arten- und Lebensraumschutz, Bestimmung und Pflege von Schutzgebieten, Genehmigungen für Vorhaben in Landschaftsschutzgebieten, Projekte für Naturschutz, Erhalt der Biodiversität oder Maßnahmen zur Begrünung von Gebäuden.
So wurde u.a. auch ausführlich auf die Behandlung der Landschaft in der Nähe von Strommasten eingegangen oder auf die Pflege der Hecken-und Baumbegrenzungen an Feldrändern. Natürlich hätte es sich an diesem Abend auch angeboten, den Fall „Rahmerbuschfeld“ zu behandeln, doch sprengten auch so schon viele allgemeinere Fragen der Zuhörer den Zeitrahmen von 90 Minuten.
Bei Bäumen muss bei den Aufgaben u.a. unterschieden werden zwischen dem Schutz im Außenbereich, Ernennung von Naturdenkmälern, Stellungnahmen bei Bebauungsplänen, dem Straßenbaum- und Alleenschutz. Mehrmals wurde es deutlich, dass die Untere Naturschutzbehörde bei neuen Bebauungsplänen kaum Möglichkeiten hat, auf privaten Grundstücken einzugreifen. Dies gilt ebenso bei Fällungen auf privaten Grundstücken (vielleicht besonders nach dem Wegfall der Baumschutzsatzung 2016?). Die Stadt setzt bei den Besitzern optimistisch auf deren Einsicht, ihre Bäume so wertzuschätzen, dass sie von einer Fällung absehen. Ein Zweifel an dieser Einstellung zum Naturschutz war bei den Teilnehmern nicht zu überhören.
Um Bäume zu schützen, wurde in der Vergangenheit von Duisburger Bürgern deshalb immer wieder versucht, Bäume kurzfristig als Naturdenkmal ausweisen zu lassen und diese Idee wurde auch an dem Abend sehr begrüßt. Allerdings gibt es Vorgaben, wann ein Baum unter Denkmalschutz gestellt werden kann und dazu gehört u.a. das Gesundsein des Baumes, eine gewisse Einzigartigkeit der Art, das Alter, der Wuchs und die freie Zugänglichkeit!

Foto von einer alten großen Blut-Buche

Damit fallen Bäume auf Privatgrundstücken meistens weg. Und dann ist da noch der Verwaltungsakt. Soll ein Baum Naturdenkmal werden, entscheidet dies letztendlich der Rat der Stadt. Bis es zu diesem Punkt kommt, das kann ein paar Wochen dauern oder auch mehrere Jahre.
Ich habe vorgeschlagen, einen Wettbewerb zu starten à la „Die schönste Hausfassade von Duisburg“. Wo stehen die schönsten Bäume in Duisburg? Jährlich einige Bäume auswählen und mit einer Plakette, Urkunde oder was auch immer auszeichnen. Diese Aktion würde meiner Meinung nach das Nachdenken und die Wertschätzung für Bäume in Duisburg erhöhen.

Warum müssen einzelne Bäume gefällt werden oder warum verabschiedet man sich von ganzen Alleen? Einige Gründe:
Krankheiten: Besonders schnell zu erkennen, wenn am Baum sichtbar Pilze wachsen, da dann der Baum von innen wohl schon zu sehr vom Pilzbefall betroffen ist und instabil wird.
Alter und Größe der Bäume: In Duisburg wurden ab den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts und nach dem Krieg viele Platanen gepflanzt. Diese haben inzwischen ein Alter erreicht, in dem sie schwächer werden, sei es, dass ihre Wurzeln keinen Platz mehr finden und den Halt verlieren (Bürgersteige, die durch Anhebung der Wurzeln nicht mehr begehbar sind) oder ihnen Wasser und Luft fehlen, sei es durch mangelnden Regen oder dem Zuparken von Autos über den Wurzeln. (Fassen wir uns da alle an die Nase, wer hat das mit seinem Auto noch nie gemacht?)

Foto von einer Baumreihe (Platanen), die sich schräg zu einer Häuserreihe neigt

Die Größe eines Baumes kann ein Grund dafür sein, dass er keinen sicheren Stand mehr hat und auf ein Gebäude fallen kann. Das Argument, dass Bäume Gebäuden Licht wegnehmen und deshalb gefällt werden müssen, fand ich nicht überzeugend, da das immer wichtiger werdende Thema Schatten spenden nicht angesprochen wurde.
Duisburg hat 360 Alleen, die in 553 Abschnitte eingeteilt sind. 2018 wurde für Duisburg beschlossen, ein Alleenkonzept zu erstellen. Hier zwei Links zu dem Konzept. Zuerst die „einfachen“ Erklärungen auf der duisburg.de Seite

https://duisburg.de/microsites/umwelt-natur-klima/natur/baeume/alleenkonzept.php

dann eine ausführliche Version von Mai 2022.

https://duisburg.de/microsites/umwelt-natur-klima/natur/baeume/alleenkonzept.php.media/255552/Alleenkonzept_Stadt-Duisburg.pdf

Werden in Alleen einzelne Bäume gefällt, muss untersucht werden, ob eine Neupflanzung sinnvoll ist. Einen Frischling unter eine großen alten Baum zu setzen ist wenig erfolgversprechend, denn hier ist die Beschattung für das Wachstum des jungen Baumes nicht gut. Also bleibt u. U. eine Lücke in der Allee.

Foto von einer Baumallee im Nebel, in der ein Baum abgesägt und nicht neu nachgepflanzt wurde.

Wir erfreuen uns an den Blätterdächern im Sommer, doch gibt es inzwischen Untersuchungen, dass die Luftqualität darunter u.U. schlecht sein kann, wenn es keine Zirkulation nach oben gibt. Stehen rechts und links Wohngebäude muss man auch dies im Auge behalten.

Foto von einer Platanenallee, die ein Baumdach bildet

Wenn nun eine ganze Allee gefällt wird, ist dies für uns alle ein Schock und wir reagieren mit Unverständnis, Wut und auch Frustration, weil wir zumeist nicht alle Hintergründe kennen oder unbefriedigende oder gar keine Erklärungen bekommen. Was nützen uns persönlich danach diese unscheinbaren Neupflanzungen? Gar nichts. Aber unseren Kindern und Enkeln in der Zukunft! Sie werden mit gesunden Bäume leben, die uns selbst auch in einem Teil unseres Lebens begleitet haben.

Wer meinen Blog kennt, der weiß, wie sehr mir der Erhalt von Bäumen am Herzen liegt und ich diesbezüglich ein ziemlich großes Misstrauen gegenüber der Stadt Duisburg pflege. Das hat sich nach dem Vortrag etwas geändert.
Ich glaube daran, dass die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde das Selbstverpflichtungsprogramm zum Schutz von Bäumen nach ihren Möglichkeiten einhalten. (Für die operative Arbeit sind die Duisburger Wirtschaftsbetriebe zuständig- das ist dann noch einmal ein ganz anderes Thema!)
Dass die Baumschutzsatzung nicht wieder in Kraft tritt (es könnte ja auch eine angepasste sein), für diese politische Entscheidung habe ich immer noch kein Verständnis.
Wer in Duisburg etwas für die Natur tun will, der sollte sich mit „Mehr Grün“ vertraut machen, einem Förderprogrammen der Stadt:

https://www.duisburg.de/microsites/umwelt-natur-klima/natur/landschaftspflege/foerderprogramm-fuer-mehr-gruen.php

Es gibt in Duisburg mehrere Gruppen, die sich für Natur und Klimaschutz einsetzen oder man macht sich mit Hilfe von Vorträgen schlau. (In der Duisburger VHS gibt es in den nächsten Wochen dazu noch weitere Vorträge).