Meine Zeit der Collage, Hannah Höch gewidmet

In den letzten Monaten war die Künstlerin Hannah Höch bereits zweimal das Thema eines Beitrags in Form einer Buchbesprechung und einer Beschreibung über eine Museumsbesichtigung in Berlin. (Siehe unten). Mich lässt diese Künstlerin nicht los, zu sehr mag ich inzwischen ihre Werke, die zwischen Melancholie und Ironie pendeln. Sie sprach von sich als eine „Picassonatur“, „die sich immer wieder in neuen Formfindungen ausdrücken möchte.“ Veränderung, Entfaltung und Bereicherung ihrer Persönlichkeit waren ihr Herzensangelegenheiten.
Ich lieh mir in der Bibliothek dieses Buch aus, das anläßlich einer großen Werkschau in Mannheim 2016 erschien.

Unter diesen acht Überschriften kommt Hannah Höch selbst zu Wort und es werden viele Kunstwerke gezeigt.

„Bis heute versuche ich, das Foto konsequent auszubeuten. Ich benutze es wie Farbe oder wie der Dichter Worte“. Durch ihre Fotocollagen wurde sie erst bekannt, später berühmt, doch hat sie auch immer wieder andere Kunsttechniken angewandt, wie beispielsweise Aquarell- oder Ölmalerei oder kombinierte Mal-und Drucktechniken.
Besonders angetan haben es mir teilweise die Titel ihrer Werke. „Poesie um einen Schornstein“, „Propellerdisteln“ oder auch „Wenn die Düfte blühen“. Letzterer inspirierte mich zu dieser Fotodoppelbelichtung:

Doch ich wollte Hannah Höchs Tun nachspüren und fing Ende Januar an, selbst Collagen zu kleben. Gerne hätte ich mich mit Hannah unterhalten, wie sie vorgegangen ist, denn schnell merkte ich, dass ich viel Platz brauchte. Als Unterlage nahm ich weißes 280g schweres ca. A5 großes Papier. Entweder kam mir bei einem Wort eine Idee, zu der ich passende Bilder suchen musste oder bei einem Bild machte es „Klick“. So breitete ich mich erst einmal aus…

Immer wieder verwarf ich Zusammenstellungen, weil ein Fototeil plötzlich bei einem anderen Bild besser passte. Manchmal war ich „im Flow“, dann passierte einige Tage gar nichts mehr und traurig wurde ich, wenn ich plötzlich nicht mehr von einer Collage überzeugt war und sie frustriert auflöste. Wenn ich nach einer Woche immer noch Spaß an einem Bild hatte, klebte ich die Teile fest.
Diese Betätigung kann Glücksgefühle erzeugen, wenn man plötzlich das richtige Wort oder Fototeil findet. Zeitungen und Verlagsvorschauen liegen zerschnibbelt am Boden- weggeworfen wird erst einmal nichts, man weiß ja nie, wohin die Collagereise einen führt. Hier nun ein paar Bilder, die ich Hannah Höch widme.

Foto mit vier Collagen zu den Themen „Musik“,“Wohlfühlzeit“, „Lebensberatung“ und „Alltagsbewältigung“
Foto mit vier Collagen zum Thema „Rechte Gesinnung“, „Politische Forderung“, „Blick in die USA“ und „Die Wahrhaftigkeit einer Ikone“.

Berliner Geschichte in Kunstwerken

Wie in anderen Städten sind auch in Berlin montags viele Museen und andere Orte der Zerstreuung geschlossen. Aber es gibt ein paar Ausnahmen und dazu gehört u.a. die Berlinerische Galerie:

Foto vom Treppenhaus des Museums. Hinter den Wänden im oberen Stock liegen noch diverse weitere Ausstellungsräume

https://berlinischegalerie.de

Ich stellte Ihnen im letzten Herbst ein Buch über die Künstlerin Hannah Höch vor, deren Leben für sieben Jahre geprägt war durch die Liebesbeziehung zu Raoul Hausmann, er war in den zwanziger Jahren einer der führenden Kopf der Berliner Dadabewegung. Momentan zeigt die Galerie eine große Hausmann Ausstellung mit ca. 200 Exponaten und ich war natürlich gespannt, wie die Rolle Hannah Höchs dargestellt wurde.

Collage mit Fotos und Gemälden, die Hannah Höch und Raoul Hausmann zeigen.

Raoul Hausmann ist mir als Mensch nicht sehr sympathisch, aber seine für damalige Zeiten sehr innovativen Ideen zur Kunst, Sprache, Architektur oder Fotografie haben mich schon beeindruckt und letztendlich war ich am Ende der Ausstellung sehr zufrieden, sie besucht zu haben.

Ein paar Beispiele für Raoul Hausmanns Vielseitigkeit


Da ich gerade da war, sah ich mir auch die permanente Ausstellung „Kunst in Berlin. von 1880 bis 1980“ an. WOW!

Hier findet sich die Crème de la Crème deutscher Künstler wie beispielsweise Beckmann, Corinth, Kirchner oder Liebermann. Was mich aber richtig begeisterte, waren die Themen einiger Kunstwerke und die mir bisher unbekannten Künstler und Künstlerinnen.
Auf der einen Seite gab es die Bilder aus den 20er Jahren

Das Bild heißt. „Berliner Straßenszene“, es wurde 1921 von Nikolaus Braun gemalt. Auf den ersten Blick scheint es die Großstadt naiv darzustellen, doch sieht man genau hin, zeigt sich auch Kritik. ( z.B. Vor der Metzgerei mit drei Schweinen im Fenster steht ein Bettler).

Das Museum besitzt viele Dokumente zu den Bauplänen Hitlers. Fotos, Zeichnungen und ein Modell zeugen in einem anderen Raum von dem Größenwahn Hitlers und Speers.

Man beachte auf dem Foto oben links das kleine Brandenburger Tor (links unten) im Verhältnis zu der geplanten großen Halle.

Oder stellen Sie sich Folgendes vor: Am 8. Mai 1945 endet der zweite Weltkrieg, Berlin ist zerbombt. Ein Mann namens Gerd Rosen eröffnet am 2. August 1945 auf dem Kurfürstendam eine Galerie und zeigt Bilder in der Art wie unten gezeigt:

Oben zwei Originalfotos vom zerbombten Berlin, darunter zwei Bilder von Heinz Trökes und Fritz Köthe als Beispiel für Gemälde, die zur Eröffnung gezeigt wurden. Solche Kunstwerke waren kurz zuvor von dem Naziregime noch als „entartet“ eingestuft worden und dementsprechend bewegte sich die Reaktion der Galeriebesucher zwischen Begeisterung und Irritation.

Was war Gerd Rosen für ein Mensch, der so etwas leisten konnte? Welchen unmittelbaren Einfluss hatte die Galerie auf die Entwicklung der Berliner Kunstszene nach dem Krieg? Wie war die Reaktion der Alliierten auf die Galerieeröffnung? Was ist aus der Galerie geworden? Wer mehr wissen möchte: Dieses Buch erschien 1995 und man findet es noch in Antiquariaten.

In dem Museum bekommt man schließlich auch Einblicke in die Kunstszene des Berlins der DDR und Westberlins und wie unterschiedlich diese Entwicklungen waren.

Oben links: Göta Tellesch-„Ohne Titel“, 1978, unten links: Reiner Fetting-„Gelbe Mauer“, 1977- beide Westberlin
Oben rechts: Helga Paris-„Berliner Jugendlicher“, 1982, unten rechts: Cornelia Schleime-„Mädchenkopf“ 1985- beide Ostberlin

Meine „Kirsche auf dem Kuchen“ war ein Sonderausstellungsraum, den das Museum anläßlich seines 50jährigen Bestehens 2025 Hannah Höch widmet. Von diesem Raum wusste ich nichts- eine schöne Überraschung!

Das Thema „Dadaismus“ ist für mich noch nicht abgeschlossen. Ich finde, es passt sehr gut in die heutige Zeit, in der alte Gewissheiten sich auflösen und Menschen immer mehr ihren Halt verlieren.

Eine Liebe der Hannah Höch

Eigentlich mag ich keinen Roman, dessen Hauptfigur eine früher lebende Person darstellt. Aber es gibt immer die Ausnahme:

Die Autorin erzählt in dem Roman von einem Lebensabschnitt der Künstlein Hannah Höch. Sie war in den 20er Jahren des letzte Jahrhunderts die einzige Frau, die zu der Künstlergruppe gehörte, die den Dadaismus verbreitete. Hannah, die als einzige der Gruppe eine feste Arbeitsstelle beim Ullsteinverlag hatte und die Dadakollegen öfter finanziell unterstützte, war nebenbei künstlerisch sehr produktiv und entwickelte die Methode der Fotocollage. Aber in der Szene sahen viele in ihr nur die Geliebte des verheirateten Künstlers Raoul Hausmann. Die Beziehung war schwierig. Künstlerisch befruchteten beide die Arbeiten des anderen (z.T. so sehr, dass Hausmann Hannahs Werke mit seinem Namen signierte), menschlich war der Künstler launisch, fordernd und eifersüchtig und machte Hannah das Leben schwer. Irgendwann schaffte sie es, sich von ihm zu trennen.
1926 findet sie eine neue Liebe: Til Brugman, eine Autorin aus den Niederlanden. Die beiden tun sich gut, leben eine Zeit lang in Den Haag, dann in Berlin. Man lernt Hannahs Familienmitglieder kennen, die Til herzlich in ihren Kreis aufnehmen. Die Freunde aus dem Dadakreis reagieren unterschiedlich auf die Beziehung.
Die Liebe der beiden Frauen wird im Laufe der Jahre immer häufiger auf die Probe gestellt. Während Hannah als Künstlerin in Berlin mehr Anerkennung findet, wartet Til immer ungeduldiger auf ihren eigenen Durchbruch. Sie fährt häufiger über längere Zeit in die Niederlande, beansprucht für sich die Freiheit, andere Beziehungen zu Frauen einzugehen. Auch machen die politischen Verhältnisse im Berlin der 30er Jahre das Leben für die beiden nicht einfacher. Til bringt zwar ihr erstes Buch heraus, das Hannah illustriert hat, aber immer mehr Freunde gehen ins Exil und schließlich kommt es 1935 auch zur Trennung von Hannah und Til.

Für mich hat die Autorin einen ganz eigenen Schreibstil gefunden, der das beschwingte Leben in Künstlerkreisen der 20er Jahre so wiedergibt, wie ich es mir vorstelle. Der Stil ändert sich, als die Beziehung und die politischen Verhältnisse schwieriger werden. Das zu beobachten, gefiel mir sehr beim Lesen. Auch die eingestreuten Texte von Hannah und Til trugen zu der besonderen Atmosphäre des Buches bei.
Mika Sophie Kühmel beschreibt das Verhältnis zwischen den beiden Frauen, am Anfang voller Liebe und Wärme, dann immer mehr als ein Ringen darum, die Liebe zu erhalten. Das ist der zweite Grund, warum ich dieses Buch gerne gelesen habe.