Berlin erlesen und ersehen!

Letzte Woche waren wir ein paar Tage in Berlin. Der Hauptgrund war der Besuch einer Theatervorstellung: Der Schauspieler Lars Eidinger spielt seit 2008 Shakespeares „Hamlet“ in der Schaubühne auf dem Kurfürstendamm.

Screenshot der Schaubühne- Internetseite

Zweieinhalb Stunden tauchten wir ein in die Hamletwelt Eidingers, der sich die Seele aus dem Leib spielte, besonders als anscheinend wahnsinnig gewordener Prinz von Dänemark. Es war ein denkwürdiger Theaterbesuch, den ich Ihnen sehr empfehle. Wenn Sie in Berlin sind, versuchen Sie Karten zu bekommen, Restkarten werden immer wieder angeboten.
Da wir Berlin schon ganz gut kennen, las ich zuvor dieses Buch, um ein paar Anregungen für die anderen Tage zu bekommen.

In 55 ausführlichen Beiträgen werden Besichtigungstipps für Literaturliebhaber gegeben. Sortiert nach Berliner Bezirken (einige Ziele liegen auch in der näheren Umgebung von Berlin), bekommt man beispielsweise Lust, besondere Bibliotheken, Museen, Friedhöfe, Buchhandlungen, Cafés oder Autorenhäuser aufzusuchen und auf Entdeckungsreise zu gehen.
Ich lernte durch dieses Buch das „Museum für Kommunikation“ kennen und sehr schätzen. Über den Besuch werde ich demnächst berichten.

Das Wetter war sehr winterlich und grau. Ein paar Erinnerungsfotos wollte ich aber doch gerne mitnehmen und so kamen diese Nachtaufnahmen als Doppelbelichtungen mit nach Duisburg:

Beim Anhalterbahnhof
Am Checkpoint Charlie, abends um 22 Uhr – Wie ausgestorben…
Beim Görlitzer Bahnhof
Am Lausitzer Platz
Am Alex
Memoria Urbania Berlin

Das Alibi

Der mexikanische Autor Juan Pablo Villalobos lebt in Barcelona zusammen mit seiner Familie ein glückliches Leben, dass manche Bekannte schon meinen, dass das Glück der Familie „fast ekelhaft“ sei. Villalobos hat allerdings mit dem Glücklichsein ein Problem: Es inspiriert ihn nicht für einen neuen Roman, den sein Verlag einfordert. Aus lauter Verzweiflung beginnt er über seine Familie zu schreiben. Namen darf er keine nennen, denn seine Lieben halten das für keine gute Idee. So wird die Ehefrau zur Brasilianerin, der Sohn heißt „Der Halbwüchsige“, die Tochter „Das Mädchen“.
Villalobos schreibt auch über seinen Alltag und der ist dann doch recht skurril. An einem Tag glauben andere, dass er eine Dokument fälschen will, um für eine Straftat ein Alibi zu bekommen. Ein Mann fordert vehement einen Workshop bei dem Autor zu belegen, um sich besser ausdrücken zu können. In Wahrheit braucht dieser Mann ein Alibi, um die Nichtanwesenheit bei seiner hochschwangeren Frau zu erklären.
Und dann geht Villalobos nachmittags zu einen neuen Friseursalon, trifft auf eine junge Frau, die ihm mit verbundener Hand die Haare schneidet. Man unterhält sich ein bisschen und schnell merkt die junge Frau, dass Villalobos genau der Richtige ist, um ihr bei einem Betrug ein Alibi zu verschaffen…

In der Reihe „Salto“ findet man, wie der Wagenbach Verlag selbst schreibt, „Romane für eine Nacht“. Die 123 Seiten dieser Geschichte haben mich an einem Abend herrlich amüsiert, denn es geht nicht nur um Alibis, sondern auch um die Unbillen eines Schriftstellerlebens und Villalobos erzählt darüber mit einem Schalk im Nacken.

Schneespitzen

In der letzten Woche unternahm ich einige Spaziergänge im Schnee und einmal mehr faszinierten mich die verschiedenen Abdrücke von Schuhsohlen. Ob man daraus nicht auch Muster für Stoffe herstellen könnte?


Das Fotobearbeitungsprogramme liefen auf Hochtouren, hier ein paar Beispiele:

Blaustich der Fotos entfernt, Collage aus zwei Fotos
Blaufärbung verstärkt
Fotocollage auf ein Foto mit einem Rostmotiv gelegt
App „KaleidaCam“ genommen

Bei diesen beiden Fotos nahm ich auch die Blaufärbung heraus, wandte „KaleidaCam“ an und verfeinerte danach die einzelnen Linien.

Spaziergänge durch Sprachlandschaften ( mit:forschen Nr. 2)

Im letzten Beitrag erzählte ich Ihnen von der Internetseite mit:forschen. Hier werden Forschungsprojekte von Universitäten, Instituten oder Vereinen vorgestellt, bei denen die ehrenamtliche Hilfe von Bürgern gebraucht wird.

Seit zwei Wochen mache ich bei einem Projekt der Universität Luxemburg mit, das 2016 begonnen wurde. So wird es auf mit:forschen beschrieben:

“Im Projekt Lingscape erforschen wir die Vielfalt von Sprache im öffentlichen Raum. Ob Sticker, Straßenschild oder Graffiti, ob auf Deutsch oder mehrsprachig, ob in Deutschland oder auf der ganzen Welt – geh mit Lingscape auf Sprach-Safari und hilf uns dabei, Sprachlandschaften zu dokumentieren.“

Fotocollage mit Schildern zu den Themen Denkmalschutz, Nachbarschaft, Handball und Kulturfestival

Ich fotografiere gerne, mich interessieren Graffitis, öfter ärgere ich mich über Aufkleber, finde manche Schilder überflüssig- warum nicht mitmachen, um eine weitere Motivation zu haben, häufiger mal spazieren zu gehen?

Bei den letzten Spaziergängen kam ich mir ein bisschen wie auf einer Schnitzeljagd vor, was mir Spaß machte. Mein Jäger-und Sammlerinstinkt war geweckt. Ich lernte schon eine Menge über die Sprache im öffentlichen Raum. Ungefähr 60 Sprachäußerungen habe ich bisher gesammelt, es gibt so viele Unterscheidungskriterien…hier ein paar Beispiele:


Schilder:
private und installiert von einer öffentlichen Stelle

Fotocollage mit drei Bildern von Verkehrsschild, Verbotshinweis und Namensschild eines Büdchen.



Sie vermitteln:
Hinweise, Verbote, Namen, Werbung, Meinungen, Aufrufe, Erinnerungen

Fotocollage mit Schildern

Themen:
Tourismus, Sport, Politik, Kultur, Sprüche, Natur, Wirtschaft, Religion, Technik, Wissenschaft

Gültigkeit:
aus der Vergangenheit, zeitlich begrenzt, zukunftstauglich?

Wie sieht es mit der Zukunft dieser Schilder aus? Sterben „Winterdienste“ in unseren Breitengraden in ein paar Jahren aus? Auch „Fuck Jäger“ könnte an Aktualität verlieren, wenn diese Felder zum Naturschutzgebiet erklärt werden. „Alle zusammen gegen Faschismus“- diese Aufforderung verliert nicht an Bedeutung.

Materialien:
Blech, Papier, Mauer, Plastik, Holz, Metall, Stoff, Glas

Fotocollage aus Schildern aus verschiedenen Materialien

Sprachen (bisher):
Deutsch, englisch, türkisch

Gestaltung:
nüchtern, künstlerisch, handgemalt

Ich bekam schon ein kleines Gefühl von Sprachlandschaften, denn die Aufkleber in den Duisburger Stadtteilen Rumeln-Kaldenhausen, Rheinhausen und Duisburg-Mitte unterschieden sich. Nach R-K „schwappten“ schon Aufkleber von Vereinen aus dem benachbarten Krefeld, in R. fand ich die meisten türkischen Aufkleber, in Mitte stieß ich auf eine Reihe politischer Aussagen oder auf Aufkleber aus anderen Städten.

Fotocollage

Gemeinsam hatten alle Stadtteile MSV Fußball-Aufkleber, die es in diversen Ausführungen gibt und die mir leider immer wieder negativ auffielen, weil sie andere Schilder überklebten. Muss das sein?

Fotocollage mit MSV Aufklebern

In dem Projekt wurden bisher weltweit gut 140000 Fotos eingepflegt. Auf einer interaktiven Karte kann man sehen, wo wie viele Schilder bisher dokumentiert sind und nach weiteren Klicks werden diese abgebildet. Oder man gibt auf einer Seite von Lingscape ( https://lingscape.app/de/ ) als Suchbegriff eine Stadt oder ein Land ein, um sich die Schilder anzeigen zu lassen. So sieht dies z.Zt. für Duisburg aus:

https://lingscape-app.uni.lu/pin/list/?search=Duisburg&projects_set=&o=-id

Möchte man sich beispielsweise als Schule, Verein o.a. eine eigene Datenbank für Schilder aufbauen, muss man einmalig einen Nutzernamen eintragen, nach dem man auch suchen kann. Im Urlaub Schilder sammeln- eine neue Art von Souvenirs?

Diese Schilder sind nicht nur Sprachgeschichte, sondern auch ein Stück Alltagsgeschichte und zeigen, wie die Welt heute ist. Mir gefällt der Gedanke, ein bisschen dazu beizutragen, dass diese Geschichten in der Zukunft gezeigt werden können und nicht in Vergessenheit geraten.

Schil mit einem Hinweis, dass an dieser Stelle am 14.10.1779 nichts passiert ist

mit:forschen! Flexibles Ehrenamt gesucht?

Dieser Hinweis stand unter einem Artikel in der Zeitung „Chrismon“. In dem Artikel ging es um Porträts von Bürgern, die ehrenamtlich Universitäten, Vereine oder Interessengruppen bei ihren Forschungen unterstützen. Meine Neugierde war geweckt und ich besuchte die Homepage :

Screenshot

https://www.mitforschen.org

Das hatte ich nicht erwartet! Es gibt hier zig Angebote, bei denen man mitmachen kann, bzw. es werden auch abgeschlossenen Projekte angezeigt, um einen Eindruck zu bekommen, wo Bürger in der Vergangenheit mitgeholfen haben.

Man kann die Angebote nach folgenden Themen filtern:

Screenshot

Die Projekte werden genau beschrieben, d.h. wer Hilfe bei seinen Forschungen braucht, welche Ziele verfolgt werden und ob das Mitmachen auch für Kinder geeignet ist. Bei manchen Projekten bleibt man zuhause und hilft am PC mit, bei anderen geht man raus und zählt, beobachtet oder fotografiert.
Ein paar Beispiele:

Man dokumentiert, wie sich Landschaften, Natur und Dinge durch den Klimawandel ändern: https://www.changing-natures.org/de/

Recherchen zu der Geschichte der Verschickungsheime: https://verschickungsheime.de/

Man zählt nicht nur zweimal im Jahr, welche Vögel im eigenen Umfeld zu sehen sind: http://www.mitforschen.org/projekt/mitmachen-beim-monitoring-der-vogelwelt-nrw

Die Geschichte von der Firma Krupp aufarbeiten:http://www.mitforschen.org/projekt/auf-den-spuren-der-eigenen-familie-karteikarten-zu-arbeiterinnen-und-angestellten-der-firma

In alten Familienalben Landschaftsfotos abfotografieren und einsenden. Es wird erforscht, wie sich Landschaften im Laufe der Zeit verändern: https://landschaftsfotoportal.senckenberg.de/gallery

Für die Ahnenforschung hat ein Verein angefangen, Bilder von alten Grabsteinen in einer Datenbank zu sammeln: http://www.mitforschen.org/projekt/digitale-dokumentation-von-grabsteinen

Sich einen Baum aussuchen und dessen Zustand über das Jahr hin dokumentieren: http://www.mitforschen.org/projekt/mein-baum

Dokumentation des Verhaltens und der Persönlichkeit des eigenen Hundes: https://www.wau-app.com/

Ich habe mir nicht jedes Angebot angesehen, doch gewann ich den Eindruck, dass man sein ehrenamtliches Engagement sehr individuell einrichten kann bezüglich Verpflichtung und Zeitaufwand.
Während der Feiertage habe ich angefangen, mich an einem Projekt zu beteiligen, das mich ein bisschen an eine Schnitzeljagd erinnert. Ich gehe seitdem regelmäßiger spazieren, mein Handy zum Fotografieren immer parat. Mehr verrate ich Ihnen in meinem nächsten Beitrag.



Mit Labdoo fängt es an

Voller Schwung nehmen sich viele Menschen am Jahresanfang etwas vor. Mehr Sport, öfter Freunde anrufen oder vielleicht auch etwas Gutes tun?
Hier ein Tipp für die dritte Kategorie. Folgenden Zeitungsartikel entdeckte ich letzte Woche in der Rheinischen Post

Was machen Sie mit Ihren alten Laptops oder Tablets?

Recycling statt Wegwerfen – der Trend zur Wiederverwertung ist ungebrochen. Ein besonders gutes Beispiel dafür ist die Arbeit des gemeinnützigen Vereins „Labdoo“. Wie die Idee umgesetzt wird.

Übergabe der Morsbags an Labdoo: Jede Menge der bunten Taschen sind jetzt im Umlauf. Fotos (2): Nikolay Dimitrov

Die Aktion sorgt dafür, dass Laptops länger laufen und nicht so schnell im Elektroschrott landen.Foto: Fabian Sommer

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VON MIKE MICHEL

Die Taschen wurden im Rahmen einer Aktion im Stadtfenster produziert.

DUISBURG Nachhaltigkeit ist ein schönes Schlagwort – noch schöner ist es, wenn es mit Leben gefüllt wird. Und zahlreiche Repair Cafés in Duisburg zeigen, wie dieser Gedanke dank privatem Engagements ein Erfolg werden kann. Noch einen Schritt weiter gehen die Wirtschaftsbetriebe Duisburg (WBD) zusammen mit dem gemeinnützigen Verein „Labdoo“: Was für viele nur noch Elektroschrott ist, wird für andere zum Schlüssel für Bildung und Zukunft. Das ist der Grundgedanke, der hier bereits durchaus professionell umgesetzt wird – allein die Zahlen können sich sehen lassen (siehe Box).

In Duisburg werden an den vier Recyclinghöfen und im H2O-Gebäude der Wirtschaftsbetriebe Duisburg ausgediente Laptops und Tablets gesammelt, aufbereitet und weltweit an Schulen weitergegeben – und das schon seit vielen Jahren. Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen können sogar an insgesamt sieben Annahmestellen im Stadtgebiet nicht mehr genutzte Laptops und Tablets abgeben.

Möglich macht dies die erfolgreiche Zusammenarbeit der Wirtschaftsbetriebe mit dem gemeinnützigen Verein Labdoo.org, die ihr Engagement für digitale Bildung und nachhaltiges Handeln fortsetzen. Die gespendeten Geräte werden technisch a

Jede IT-Spende trage so zur digitalen Chancengleichheit bei und schone gleichzeitig wertvolle Ressourcen, so die Macher des Projekts. Die Projekte zeigten, wie lokales Engagement, Ehrenamt und nachhaltige Ideen gemeinsam dazu beitragen könnten, Bildungschancen zu verbessern und Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft zu übernehmen.

Die Annahmestellen sind Teil des internationalen Labdoo-Netzwerks. Ehrenamtlich Engagierte kümmern sich dort um die Annahme, Registrierung und Vorbereitung der Geräte für ihren späteren Einsatz in Bildungsprojekten.

Ergänzend zur IT-Spendenaktion ist auch die Initiative „Morsbags“ in Duisburg aktiv. Nach dem zweiten Nähmarathon in der „machbar“ der Stadtbibliothek im Stadtfenster an der Steinschen Gasse in der Stadtmitte wurden insgesamt 100 wiederverwendbare Stofftaschen gefertigt und an Labdoo übergeben. Sie dienen dem sicheren Transport der gespendeten Laptops und verbinden Umweltbewusstsein mit sozialem Engagement. Und dabei sehen die farbigen Behältnisse auch noch ausgesprochen gut aus.

Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen sind weiterhin eingeladen, nicht mehr genutzte, funktionsfähige Laptops und Tablets an den sieben Annahmestellen im Stadtgebiet abzugeben und so aktiv zur Förderung digitaler Bildung beizutragen. Informationen zu Standorten, Annahmezeiten und zum Projekt finden sich unter www.wb-duisburg.de sowie www.labdoo.org.

INFO

Fast 2500 Geräte für die Weiterverwertung

Bilanz Seit 2012 wurden insgesamt 2495 IT-Geräte in Duisburg gespendet, registriert oder verarbeitet. Rund 1000 dieser Geräte gingen an 47 Schulen und Bildungsprojekte in Duisburg oder mit direktem Bezug zur Stadt.

Funktion Sie unterstützen dort unmittelbar den Unterricht und den Erwerb digitaler Kompetenzen.

Goethes merkwürdige Wörter: Kannegießern, düttig, schmeicheln oder dreist

Letzte Woche diskutierte ich mit einer Bekannten über des Wandel der deutschen Sprache. Sie ist keine Freundin des zunehmenden Gebrauchs von Wörtern, die aus der englischen Sprache kommen. Ich gebe zu, dass ich manchmal auch meine Schwierigkeiten habe, die Bedeutung zuzuordnen. ( z.B. Unhinged, yappen, Yassification, slayen- Auflösung am Ende des Textes).

Winkte mir das Schicksal zu, als ich einen Tag später zufällig in einem Bücherschrank dieses Buch fand?

Ungefähr 1000 Wörter werden aufgelistet, die Goethe in seinen Werken benutzt hat. Das Wort „merkwürdig“ im Titel ist dabei dreideutig, denn in diesem Buch kann man Wörter entdecken, die aus heutiger Sicht seltsam, da vergessen, sind oder es gibt Wörter, die man sich merken kann, überraschen diese doch dadurch, dass wir sie heute zwar noch benutzen, aber dies mit einer ganz anderen Bedeutung. Merkwürdig sind dann auch noch diese Wörter, die Goethe sich quasi ausgedacht hat und die wir heute noch anwenden.

Ich gebe Ihnen gerne ein paar Beispiele. Bei jedem Wort gibt es im Buch mindestens ein Textbeispiel aus seinen Werken oder Briefen.

Von Goethe ausgedachte Wörter:

Anmut, bedenklich, Behagen, betrübt, Diät, Fabrik, Hosenscheißer, Kapitalist, lallen, Vorsatz, schauderhaft, Schicht machen

Wörter, die heute eine andere Bedeutung haben:

„dreist“ war früher positiv besetzt und meinte mutig oder beherzt

“Durchschnitt“ = Durchquerung (Er machte einen Durchschnitt des Gartens)

“Elend“ = Fremde, Heimatlosigkeit. Zitat aus dem Theaterstück „Hermann und Dorothea“: Streifen nicht herrliche Männer von hoher Geburt nun im Elend?“

„Extremität“ = Notlage Zitat aus „Götz von Berlichingen“: „Achtest du meinen Mann so wenig, dass du in dieser Extremität seine Hilfe verschmähst?“

“feiern“ = Nichts tun, ausruhen

“kompromittieren“ = jemanden zum Schiedsrichter wählen

„Penetration“ = Scharfsinn, Einsicht

“schmeicheln“ = lindern, mildern

Untergegangene Wörter und Redewendungen:

abmüßigen- Mußezeit erübrigen — Für 2026 nahm er sich vor, mindestens drei Stunden am Tag für seine Lifebalance abzumüßigen.

Affabilität- Umgänglichkeit, Leutseligkeit — Die Affabilität des neuen Chefs entsprach nicht den Vorstellungen seiner Angestellten, er war ein Muffelkopp.

Blumist/in- Blumenliebhaber/in — Bei dem Speed-Dating erzählte sie ihm, dass sie eine Blumistin sei. Er kannte den Ausdruck nicht und war erst einmal impressed.

düttig- einfältig — Sie zeigte mir stolz ihre neue Duttfrisur und erzählte dann etwas düttig, dass die Hairstylistin gesagt hätte, dass die Duttfrisur sie zehn Jahre jünger mache.

kannegießern – ohne großen Sachverstand über Politik diskutieren

Lappsack – antriebsloser Mensch — Im November begegnet man öfter Lappsäcken, die nicht aus den Puschen kommen, weil die trübe Jahreszeit sie triggert.

Murmelchen – kleines Kind — Ein Gruppe von 25 Murmelchen kam ins Schwimmbad und die schwimmende Silvergeneration hatte den Eindruck, dass ein Sack Flöhe ins Schwimmbecken sprang.

propalieren – ausplaudern, unter die Leute bringen — Wenn er diese Neuigkeit auf Social Media propalieren würde, würden seine Followerzahl explodieren.

Rätzel – Der frühere Finanzminister Theo Waigel war ein Rätzel….Er hatte zusammengewachsene Augenbrauen!

vervitzen/turlupinieren – Ich hoffe, dass ich Sie mit diesen Wörtern und Beispielsätzen nicht zu sehr vervitzt oder turlupiniert habe! (vervitzen= verwirren, turlupinieren = foppen)

Auflösung:
Unhinged= völlig übertriebenes Verhalten
yappen= Übermäßig quatschen oder tratschen
Yassification= etwas übertrieben glamourös machen, loben, dramatisieren
slayen= etwas sehr gut machen

Es war einmal ein Haufen in einem schwedischen Wald…

Bevor ich zum Inhalt dieses Romans komme, möchte ich zuerst sein äußeres Erscheinungsbild loben. Das Buch (579 Seiten stark) ist drei Zentimeter kleiner als das übliche Romanformat. Jetzt wird es vielleicht etwas seltsam, aber nahm ich es in die Hand und schlug es auf, hatte ich intensiver das Gefühl, in eine Geschichte „einzutauchen“, ja fast in eine kleine Schatzkiste zu blicken. Dazu trug auch das sehr klare und etwas größere Schriftbild bei, so dass ich das Lesen als sehr angenehm empfand. Das Bild auf dem Deckblatt erinnert auf den ersten Blick an einen Ameisenhaufen, doch sind es wirklich Ameisen?

Zum Inhalt: Die 32 jährige Emelie ist Journalistin in Stockholm. In letzter Zeit empfindet sie das Leben als ein „Hindernislauf von Sinneseindrücken“, im dem sie sich redlich Mühe gibt, es allen recht zu machen und den Alltag zu überstehen. Doch ihr schwinden dazu immer häufiger die Kräfte und sie beschließt, im Wald zelten zu gehen, um Ruhe zu finden.
Die Ruhe währt nicht lange, denn sie entdeckt ein großes Haus, in dem anscheinend mehrere „Verrückte“ leben. Sie tanzen mitten am Tag durch den Wald, haben draußen Sex und sagen andauernd „Danke“. Emilie ist von den drei Männern und Frauen fasziniert und kehrt immer wieder zum Haus zurück, um die Bewohner heimlich zu beobachten. Auch versucht sie, die Rolle eines Jungen zu verstehen, der sich von der Gruppe etwas abseits hält.
Dann steht dieser Junge eines Tages plötzlich vor ihr. Er heißt Låke und benimmt sich sehr ungewohnt im Vergleich zu Jugendlichen aus der Stadt. Er stellt viele Fragen, ist völlig arglos, weiß nicht, was ein Handy ist, liebt Bücher und möchte immer Chipse essen. Låke geht nicht zur Schule, besucht Emelie jeden Tag und langsam erfährt sie etwas mehr über die Gruppe von Aussteigern, die mit dem „Leben da draußen“ nichts zu tun haben wollen.
Als Emelie beim Beobachten erwischt wird, lernt sie schließlich die ganze Gruppe kennen. Zuerst ist diese gegenüber der Frau von draußen sehr misstrauisch, doch Sara, die in der Gruppe anscheinend das Sagen hat, bringt Emelie Vertrauen entgegen und lädt sie zum Bleiben ein.
Die Gruppe nennt sich selbst „Der Haufen“, denn sie leben seit mehreren Jahren zusammen und kennen sich so gut, dass ihr Leben dem in einer Ameisenkolonie ähnelt. Sie leben autark, habe die Einkaufsfahrten ins nächste Dorf eingestellt. Jede Person kennt ihre Aufgaben, versteht den anderen, denkt für ihn mit. Die charismatische Sara ist die Königin, auf die alle hören. Sie haben keine Pläne oder Ziele und begegnen jeden Tag mit wacher Neugierde.
Emelie fühlt sich zuerst in der Gruppe sehr geborgen, doch dann kommt es zu einem schicksalshaften Abend, an dem viel getrunken wird. Enthemmt stellt Emelie Fragen und hält der Gruppe einen Spiegel vor mit Wahrheiten, die die Gruppenmitglieder bis dahin immer verdrängt haben. Der Frieden im „Haufen“ ist vorbei, wie geht es weiter? Dramatisch, hoffnungsvoll, melancholisch. Und Emelie? Sie ist froh, wieder in die Stadt zurückzukehren. Vielleicht nicht alleine.

Wer sind die erwachsenen Mitglieder dieser Gruppe? Sechs außergewöhnliche Lebensgeschichten werden ebenfalls erzählt und man bekommt mit diesem Roman außergewöhnliche Lesestunden geschenkt. Ein Dankeschön dafür an den Kommode Verlag aus der Schweiz!

Was machen der Pinguin in Wien und die Taube in der Laube?

Zum Wochenanfang gibt es mal wieder eine kleine Auswahl an Limericks. Wie beim Haiku liebe ich die kurze Form des Gedichts und auf Spaziergängen in den letzten Wochen hatte ich da so ein paar tierische Ideen:

In einem Duisburger Schrebergarten
verirrte sich eine Taube
in eine sehr gemütliche Gartenlaube.
Auf dem Tisch pickte sie eine Keksschale leer-
sie mochte Spekulatius einfach zu sehr.
Danach machte sie sich aus dem Staube.

Im Casino von Aachen hatte ein Hase
beim Roulette eine lange Gewinnphase.
Doch dann verließ ihn sein Glück,
er verlor sein Hab und Gut Stück für Stück-
vorbei war die „Ich-bin reich-Blase“!

In Köln hatte ein Reh Lust auf Schnee
und trampte in die Alpen in einem PKW.
Doch in den Bergen war es ihm zu kalt und zu nass
und der Schnee machte ihm gar keinen Spaß.
Zurück in Köln vergaß es schnell den Schnee bei Kuchen und heißem Kaffee.

Auf einem Spielplatz in Wien
schaukelte einst ein Pinguin.
Die Anwohner staunten nicht schlecht,
mal was anderes als Amsel, Meise oder Specht.
Ätsch- so was habt ihr nicht in Berlin!

Henry, der Otter aus Ottawa,
badete gerne in einem Spa.
Das Wasser war warm,
die Otterdamen erlagen seinem Charme-
ach was war das Leben doch wunderbar!

Vielen Dank an KI für die Bilder!