Wenn Düfte zu Farben werden (1)

Im Februar schrieb ich über eine Ausstellung zum Thema „Duft“, die ich zusammen mit meiner Freundin besuchte. (s. unten „ Duft-Challenge für ein Jahr). Uns beide hat das Thema seitdem nicht mehr losgelassen und so bekam ich vor Kurzem von meiner Freundin eine Duftbox zur Verfügung gestellt. Diese Box enthält zehn nummerierte Gläser, darin befindet sich jeweils ein schwarzes Säckchen mit einem unbekannten Duftträger.

Die Idee dahinter ist, an einem Glas zu riechen und dann zu versuchen, die Eindrücke in Farben darzustellen ohne zu wissen, um welchen Duft es sich handelt.(In der Box befindet sich eine Liste, auf der hinter jeder Nummer der Duft notiert ist, dieses Blatt Papier legte ich aber schnell bei Seite, um nicht beeinflusst zu werden). Auf vorbereiteten Aquarellpapierstücken kann man die verschiedenen Farbempfindungen aufmalen.

An einem Samstagnachmittag fing ich an, saß im Wintergarten bei offener Tür, die Sonne schien, ein leichter Wind wehte in den Raum. Ich griff mir wahllos ein Glas, es war die Nummer 9, schraubte es auf und roch daran. Was für ein Duft! Mein erster Eindruck: Sehr intensiv, unangenehm schneidend, etwas beißend, aber auch frisch. Mir kam der Duft bekannt vor, aber ich konnte ihn nicht zuordnen. Um ihn aufzuschlüsseln, roch ich im nächsten Schritt nur mit dem rechten Nasenloch. Der Duft war viel schwächer und es kam eine erdige Komponente dazu. Mal roch ich mit offenen, mal mit geschlossenen Auge, auch das machte einen Unterschied aus. Nur mit dem linken Nasenloch riechend, empfand ich wieder diese kratzige Schärfe und ich verband damit das Bild von scharfen Eisschollenkanten. Doch die Frische mit einem Hauch von Zitrone übernahm wieder die Oberhand und dieser Eindruck blieb dann auch bis zum Schluss.

So sieht diese Farbkarte aus. Auf der rechten Seite gehören die unteren vier Kästchen dem rechten Nasenloch, daneben dem linken, die oberen vier Felder zeigen das Ergebnis des kompletten Empfindens, wobei oben rechts das Endergebnis zu sehen ist.

Am nächsten Morgen öffnete ich erneut das Glas…Hallo Nase, bist du schon wach? Ich erlebte einen feinen Duft, bei dem ich nur mit viel Konzentration die Ingredienzien wiederfand, die ich einen Tag zuvor erschnüffelt hatte. Jetzt war das zweite Farbfeld von oben rechts das passende.

Ein neues Glas:

Die erste Wahrnehmung bei Glas Nr. 5: Meine Lungen werden zugedeckt, was ich als sehr unangenehm empfand. Aber mir kam sofort ein bräsiges dunkles Lila in den Sinn. Beim mehrmaligen Riechen ploppten dann Bilder von Himbeeren auf, in die sich aber immer mehr Blaubeeren vermischten. Konkret zuordnen konnte ich den Duft nicht.
Mein morgendlicher Eindruck am nächsten Tag war auch ein anderer. Jetzt tauchte plötzlich etwas schmierig Braunes auf und das dritte rechte Farbfeld von oben entsprach meinen Empfindungen.

Glas Nr. 7 öffnete ich am Sonntag. Der selbe Sitzplatz, aber keine Sonne und kein Wind. Der Duft war bei weitem nicht so intensiv wie am Vortag. Ich vermute, dass es mit der Wärme der Sonne zusammenhängt.
„Das ist ein Konfettiduft“, war mein erster Gedanke. Sofort sah ich mehrere Farben in Punkten, völlig ungeordnet, die Farbe Orange war etwas dominierend. So trug ich auf dieser Karte die Farben auch ungeordnet ein:

Glas Nr. 1 (Die Sonne schien wieder, ein leichter Wind wehte): Für mich ein fast eindeutiger grüner Duft, die Feldaufteilung richtet sich hier wieder nach den verschiedenen Eindrücken meiner beiden Nasenlöcher.

Ich habe bisher noch nicht auf den Zettel geguckt, was für Düfte es sind, mit denen ich mich beschäftigt habe. Vielleicht möchten Sie ja mitraten?
Über den zweiten Teil des Experiments schreibe ich am Freitag. Es besteht darin, aus den jeweiligen Farbtabellen ein abstraktes Bild zu malen, das den Duft beschreibt. Ja und dann gucke ich auf die Liste und bin schon sehr gespannt, ob die Bilder den Duft wiedergeben.

Ein Lob auf den Bleistift

Vor einigen Wochen stellte ich Ihnen aus der Reihe „Dinge des Lebens“ den Band „Stoff“ vor, heute geht es um den Bleistift.

Bevor ich das Buch las, überlegte ich mir, was mir selbst zu diesem Thema einfällt. Merkwürdigerweise kam mir zuerst das Geräusch des Anspitzens in den Sinn, gefolgt vom Ärger, wenn eine Spitze beim Anspitzen abbricht oder der Freude, wenn man beim Anspitzen nicht absetzen muss und sich eine kleine Holzgirlande bildet (siehe roter Pfeil).

Bei uns liegen zuhause überall Bleistifte herum. Keiner ist von ihnen gekauft, es sind alles Werbegeschenke oder Urlaubsmitbringsel. Einkaufszettel werde mit ihnen geschrieben oder auch kurze Notizen, wenn man etwas im Fernsehen sieht. Beim längeren Telefonieren zu kritzeln, auch dafür eignet sich der Bleistift bestens. Auf dem Nachttisch liegen ebenfalls Schreibblog und Bleistift bereit, um etwas aus Büchern abzuschreiben oder Ideen festzuhalten.


Das sind alles flüchtige Schreibmomente, einen Brief würde ich nie mit einem Bleistift schreiben, da die Schrift verblasst oder u.U. auch etwas verschmiert.

Ich schreibe mit einem Bleistift schneller als mit anderen Stiften. Habe ich einen Lieblingsbleistift? Ja, in der Tat. Er ist weich, bricht beim Anspitzen nie ab und liegt gut in der Hand. Ihn besitze ich schon lange, er war mein Stift, mit dem ich vor langer Zeit die Stenografieschrift übte. (Der blaue Stift unten auf dem Foto).

Meine Erinnerungen gehen auch zurück in die Schulzeit. Damals waren meine Bleistifte oben oft angekaut (ja, ja, als Schülerin muss man viel grübeln…). Minibleistifte bekamen eine Verlängerung, um sie weiterhin halten zu können.

Mit dem Nachdenken über den Bleistift stellen sich bei mir automatisch auch Erinnerungen an Radiergummis ein. Je weicher diese waren, desto lieber hatte ich sie. Und weiß mussten sie sein! In meinem ersten voll ausgestatteten Schreibmäppchen, das ich in der Grundschule geschenkt bekam, war ein rot-dunkelblauer „Ratzefummel“, dessen rote weiche Seite auf dem Papier nach dem Radieren immer einen roten Schimmer hinterließ. Das war für mich inakzeptabel.

Die integrierten Radiergummis habe ich nie benutzt, sie waren mit immer zu hart oder zu rot…

Durch dieses Buch lernte ich den Bleistift noch besser kennen. Die Entdeckung des Graphits 1564 in England war der Startschuss für die Entwicklung des Bleistifts. Es dauerte dann aber noch ca. 100 Jahre, bis ein Bleistift in den Handel kam, der allerdings noch ganz anders aussah und den sich nur sehr reiche Menschen kaufen konnten.
Erst Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte ein Chemiker ein Verfahren, dass Ton und Graphit verschmelzen ließ. Das Gemisch wurde dann zu Minen geformt und mit Holz ummantelt. Der Bleistift als Massenprodukt war geboren und über mehrere Generationen hinweg baute die Familie Faber ihr weltweites Bleistiftimperium auf.

Ein anderes Kapitel beschäftigt sich mit dem Bleistift in der Literatur und in der Kunst. Hier kommt ein neuer Aspekt des Schreibens mit Bleistift hinzu, denn Autoren nahmen nicht nur Papier als Unterlage. Sie verewigten sich auch auf Steinen, Manschetten oder Fliesen- sie, das sind Puschkin, Rimbaud und Byron.
Dass ein Bleistift sehr klein sein kann, war für Stefan Lorant von großem Vorteil, denn er war zur Zeiten Hitlers im Gefängnis und notierte heimlich seine Erfahrungen auf Toilettenpapier. Nach seiner Befreiung erschien sein Buch „I Was Hitler‘s Prisoner“. Der Maler Max Beckmann benutzte ebenfalls einen Minibleistift, mit dem er heimlich in einem kleinen Notizbuch seine Mitmenschen skizzierte. Der Autor Robert Walser schrieb mit einem Bleistift so klein, dass der Nachlassverwalter zuerst dachte, es sei eine Geheimschrift.
In Erzählungen und Romanen taucht der Bleistift immer wieder auf (so häufig, dass es darüber sogar ein spezielles Buch gibt mit dem Titel „Bleistiftliteratur“ von Claas Morgenroth). Mögen Franz Kafka, Vladimir Nabokov und auch Herr Goethe stellvertretend für alle Autoren stehen, die den Wert und die Einzigartigkeit des Bleistifts zu schätzen wussten.

Weitere Themen sind das physikalische Verhältnis zwischen Bleistift und Papier, die möglichen Härtegrade eines Bleistifts und das Zeichnen mit einem Bleistift. Auch diese Ausführungen des Autors gefielen mir sehr gut.

Das Buch ist eine Liebeserklärung an den Bleistift, der ich mich gerne anschließe. Sein Gewicht ist federgleich, zusammen mit seinen Kumpels Anspitzer und Radiergummi ist er überall einsetzbar und braucht kein Passwort oder Strom.

Willkommen im Bilker Bunker- Tag des offenen Denkmals

Am Sonntag fand wieder der „Tag des offenen Denkmals“ statt und wir fuhren dieses Jahr nach Düsseldorf, um dort an einer Führung teilzunehmen, die die Geschichte und die heutige Nutzung des Bilker Bunkers zum Thema hatte.

Mit Christina von Plate, der Geschäftsführerin der Bilker Bunker gGmbH, sahen wir uns mehrere unter- und überirdische Stockwerke an und erfuhren in jeder Etage etwas Neues.
In der Eingangshalle begann Frau von Plate mit der Entstehung und Verwendung des Bunkers. Er wurde 1942 gebaut, um ca. 2000 Menschen schnellen Schutz bei Luftangriffen zu bieten. Nach dem Krieg stand der Bunker Jahre leer, danach wurde er in Zeiten des Kalten Krieges als Atomschutzbunker mit Betten und anderem „Komfort“ neu ausgestattet. 1995 gestaltete man den Bunker von außen künstlerisch, bald danach endete allerdings die bisherige Nutzung und der Bunker sollte schließlich abgerissen werden. Dank einer Bürgerinitiative blieb er erhalten und 2016 kaufte die Firma „KÜSSDENFROSCH“ das Gebäude, um neue Nutzungsmöglichkeiten zu erschaffen. Es gab die geniale Idee, auf dem Flachdach mehrere Luxuseigentumswohnungen zu bauen, um durch deren Verkauf den Umbau des Bunkers zu einer kulturellen Begegnungsstätte zu finanzieren.
Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, was den Umbau teilweise schwierig machte. Es gibt gesetzliche Vorgaben für ein öffentliches Gebäude, wie beispielsweise genügend Fluchtwege oder die Luftqualität im Innenraum. Die Wände aus Stahlbeton sind meterdick, diese zu bearbeiten war eine Herausforderung, sei es beispielsweise, um Fenster einzubauen, neue Treppen einzufügen oder eine Belüftungsanlage zu installieren.


Heute findet man im Eingangsbereich eine kleine permanente Ausstellung zu der Geschichte des Bunkers und weitere Räumlichkeiten bieten Platz für eine Kunstausstellung. Wir sahen hier und auch noch auf der ersten Etage Objekte aus dem Ausstellungsfestival „soft signals“ zu zeitgenössischen Sound Art Praktiken.

In den oberen Etagen befinden sich Büros, eine Fahrradgarage, die man mit einem Aufzug erreicht, sowie mehrere Räume, die gemietet werden können. Hier ging Frau von Plate auf die Notwendigkeit ein, Geld mit dem Gebäude zu verdienen, um Kunst und Kultur überhaupt anbieten zu können. Nicht alle Künstler haben dafür Verständnis, dass Ausstellungsräume Kosten verursachen…
Dies ist die momentane Nutzung in einem Teil der Mieträume:

In der Vergangenheit wurden diese Räume aber auch schon von „Ärzte ohne Grenzen“, der Universität, Firmen oder Schulen angemietet.

Die beiden Untergeschosse hielten räumliche Überraschungen bereit:

Multifunktionsräume, die für 10-15 Euro/Stunde gemietet werden können. Drei weitere Räume werden noch dazu kommen.

Die Führung endete in den Musikräumen des Bunkers. Hier finden inzwischen regelmäßig Konzerte und andere Aufführungen statt.

Im Bunker der Anfangszeit gab es drei Schleusen, um nach draußen zu kommen, daher der Name „Schleuse 2“.

Wir waren zu viert und jeder von uns war erst überrascht und dann sehr angetan vom Bilker Bunker.
Wie in den Jahren zuvor, fand ich auch an diesem „Tag des Denkmals“ wieder viele Fotomotive. Besonders angetan haben es mir die unterschiedlichen Strukturen der Wände- was haben sie wohl schon alles gesehen und erlebt? Ich nahm sie als Hintergrund und so kam ich zu einer eigenen Fotogalerie im Bunker:

Düsseldorfer Hängung

Rhein

Bügelsymposium

Lüftungsschacht

Unbekannt

1942 bis 2026

Auf dem Hof des Bunkers wurden wir noch von einem Originalbild des sprayenden Künstlers Harald Naegeli überrascht. Wie Frau von Plate erzählte, handelte es sich um ein gerettetes Stück Mauer einer Tankstelle, die abgerissen wurde.

Wir verbrachten einen sehr schönen Nachmittag, den wir in dem Restaurant „Destille“ auf der Bilker Allee beendeten. ( Tipp: Die Wiener Schnitzel sind Anwärter auf „The Best of Town“).

Zum Schluss noch eine Bitte an das Team von KÜSSDENFROSCH: Könnten Sie vielleicht auch einmal nach Duisburg kommen? Hier gibt es auch noch viel Wachküsspotential!

Der neue Lesehafen

Gestern warf die Buchhandlung Scheuermann ihren Anker im Duisburger Innenhafen, sprich sie eröffnete ihre neuen Räume.

Als Mitarbeiterin hatte ich das große Glück, mit dabei sein zu dürfen. Um es auf den Punkt zu bringen: Es war …

Hier ein kurzes Video, das die Stimmung an diesem Tag ganz gut einfängt. Eine Kollegin ist mit ihrem Handy durch die Räume gegangen.

Punkt 10 Uhr öffneten zwei Musikerinnen der Duisburger Philharmoniker mit einem Ständchen den Lesehafen. Zu jeder vollen Stunde gab es dann eine musikalische Einlage mit Gesang-Klavier -Violoncello. Besonders die Liebeserklärung an Duisburg von Anke Johannsen ging vielen Zuhörern zu Herzen.

Menschen kamen nicht nur aus Duisburg, sondern auch aus anderen Städten in die neue Buchhandlung und entdeckten viele schöne Bücher, die man anderswo nicht so schnell findet. Unsere neuen passenden Geschenkideen zu Büchern trafen auch den Geschmack der Besucher.

Oben rechts: Nur sehr selten waren diese beiden Lieblingsplätze in der Buchhandlung leer. Mitte: Eine unserer „Kombigeschenkideen“, unten die „Zwischengalerie“. Die Buchhandlung besteht aus zwei Räumen, mit Kunst werden sie verbunden.

Mit dem Kauf zufrieden, gönnten sich unsere Kunden Kaffee und Kuchen und suchten sich ein Plätzchen auf „unserem“ Flachsmarkt. Wie fremde Menschen sich friedlich miteinander unterhalten und es sich gut gehen lassen, das hat mich sehr bewegt. Menschen aus der Nachbarschaft bedankten sich, dass die Buchhandlung ein großer Gewinn sei, denn sie würde sicherlich ein Treffpunkt für das ganze Quartier.



Eine Kundin nannte diese Stimmung magisch, sie hat nicht übertrieben. Wir alle, die im neuen Lesehafen arbeiten, werden uns bemühen, diese Magie der Begegnung in einer Bücherwelt aufrecht zu erhalten. Viele Veranstaltungen werden in den nächsten Monaten bei uns stattfinden und unsere „Ideenkiste“ für Neues ist noch bis oben hin gefüllt.

Da sind zwei Frauen stolz und glücklich: Rechts die Inhaberin Elisabeth Evertz, daneben Anke Johannsen, stellvertretende Geschäftsführerin.

Sich eine kleine Auszeit nehmen und es sich gutgehen lassen- dafür ist der Lesehafen ab sofort für Menschen an Rhein und Ruhr eine gute Adresse.

Hier geht es zu der Übersicht unserer Veranstaltungen. Eine Anmeldung empfiehlt sich:

https://www.scheuermann.de/veranstaltungen

Zu einem Beitrag über eine Buchhandlung gehört für mich noch eine Buchempfehlung. Hier ist sie:

Ein wunderschön illustriertes Büchlein mit 33 ungewöhnlichen Anfängen, die die Fantasie beflügeln. Man möchte sofort Papier und Stift zur Hand nehmen, sich bei einer Tasse Tee hinsetzen und seine Gedanken zu einem Anfang niederschreiben!

Was verrät Ihr Einkaufszettel über Sie?

Die Kunsthistorikerin und Journalistin Sandra Danicke sammelt seit dem Jahr 2000 Einkaufszettel, nachdem sie im Rinnstein auf einen Zettel aufmerksam wurde, auf dem „15 x Kohlwurst für Frau Jäger“ notiert war. Die Frage „Was macht Frau Jäger mit so viel Kohlwurst?“ schoss der Autorin durch den Kopf und sie sah sich den Einkaufszettel genauer an. Auf welchem Papier, mit welchem Stift und in welcher Handschrift war er geschrieben worden? Weitere aufgesammelte Zettel aus Einkaufswagen, auf Parkplätzen oder im Altpapier kamen dazu und ein ganz spezielles psychologisches Universum tat sich Sandra Danicke auf. Für sie ist jeder Einkaufszettel zudem ein Kunstwerk, Joseph Beuys hätte an manchen seine Freude gehabt.

In dem Buch kann man sich auf knapp 160 Seiten in dem Einkaufszetteluniversum verlieren. Der Abbildung eines Zettels auf der rechten Seite wird links eine Interpretation dieses Schriftstücks gegenüber gestellt. Das ist witzig zu lesen, beißender Spott ist der Autorin nicht fremd.

Das Papier ist meistens weiß, gefolgt von pink, grün, gelb. Alte Briefumschläge, Pappunterteller aus der Bäckerei, Zettel von einem Hotel- oder Apothekennotizblock werden gerne genommen. Auch die Größe der Zettel variiert. Mikroskopische Schnipsel messen sich mit fleckigen DIN A 5 Karoblättern.
Geschrieben wird zumeist mit Kugelschreiber, Filzstift (gerne pinke Farbe), Bleistift oder Buntstift (mal eben geklaut vom Sohnemann). Ein Zettel ist aber auch am PC verfasst worden und sticht hervor durch seine Akkuratesse.

Die Handschrift- ein ganz weites Feld für Deutungen! Romantisch, zielstrebig, chaotisch, es gibt nichts, was es nicht gibt. Auch interessant, wo auf dem Zettel Wörter geschrieben werden. Zumeist linksbündig untereinander, aber es gibt auch kreative Geister, die Wörter wild verteilen und dann im Supermarkt ihrem Gehirn direkt eine kleine Challenge anbieten. Ein Einkaufszettel sieht wie ein waagerechtes Silbenrätsel aus.

Kommen wir zu den Dingen, die eingekauft werden müssen. Das nächste Saufgelage wird geplant, am Samstag startet eine Grillorgie, hat da jemand etwa einen Putzfimmel? Die Aussagen mancher Zettel sind eindeutig. Einige notierende Personen scheinen ein schlechtes Gedächtnis zu haben, denn Wörter tauchen mehrmals auf ihrem Zettel auf. Werden Markenprodukte aufgeschrieben oder einfach nur „Schokolade“, „Klopapier“ oder „Kaffee“?
Spannend oder lustig wird es bei Abkürzungen oder Einkaufszetteln aus der Schweiz, wo man dann untereinander Müsli-Küchli-Käsli lesen kann.

Besonders interessant fand ich die Einkaufszettel, die von mehreren Personen geschrieben wurden. Mal waren die verschiedenen Handschriften vermischt, dann wieder exakt getrennt. Oder jemand hat einen Einkaufszettel geschrieben, eine andere Person kommentiert ihn mit Ausrufezeichen, verbessert, streicht durch oder macht exakte Angaben. Ein Hauch von Ehedrama haftet einigen Zetteln an.

Drei Einkaufszettelthemen werden in diesem Buch nicht besprochen. Welche Dramen können sich abspielen, wenn
a) man die Schrift nicht lesen kann, mit der der Einkaufszettel geschrieben wurde, man Abkürzungen nicht versteht oder im Laden die gewünschten Produkte nicht findet.
b) man den Einkaufszettel zuhause vergessen hat! Ein paar Stichworte: Zermartern des Gehirns, wenn man weiß, dass im Einkaufswagen noch irgendetwas fehlt, sich aber nicht erinnert, was es ist.
Vergebliche Versuche, eine Person telefonisch zu erreichen, um Auskunft zu erbitten oder erfolgreiche Versuche, die mit spitzen Bemerkungen am anderen Ende der Leitung begleitet werden.
c) Zuhause merken, dass man etwas Wichtiges vergessen hat…

Das Universum des Einkaufszettels ist bedroht, denn immer mehr Menschen starren auch beim Einkaufen auf ihr Handy. Der Einkaufszettel ist tot? Lang lebe der Einkaufszettel- Freigeister, schreibt Einkaufszettel!

Herr Wüst, erinnern Sie sich an Ihre Worte zum Erhalt des Waldes?

2022 erklärte NRW Ministerpräsident Hendrik Wüst den Wald zum Klimaschützer Nr. 1 und rief auf, unserer Wälder zu erhalten und zu stärken.

Screenshot

Vielleicht haben Sie es schon in den Medien gelesen oder gehört, welche Baumrodungen in Duisburg geplant sind:

Eine Pipeline soll CO2 zur Nordsee transportieren, wo es am Meeresgrund verpresst werden soll (Was allerdings umstritten ist). Die Planung sieht vor, dass die Pipeline quer durch Duisburg gebaut werden soll, genauer gesagt durch das Naturschutzgebiet Rheinaue mit Seeadlern und Störchen und durch den Stadtwald. Bis zu 17 ha Wald sollen gefällt werden, darunter bis zu 200 Jahre alte Bäume. Letzte Woche (in den Sommerferien!) gab es eine „Infoveranstaltung“. Nun sammelt die Deutsche Waldjugend Unterschriften, damit eine walderhaltende Strecke für die Pipeline gewählt wird. (Diese Streckenalternativen gibt es).
Die Unterschriften werden an Landtagsabgeordnete übergeben.

Hier der Link zur Petition und weiteren Infos: 

https://linktr.ee/Keine_Pipeline_im_Wald

Es dürfen auch Nicht-Duisburger unterschreiben, bitte nur einmal, entweder online oder schriftlich.

Möchten Sie mehr über die Deutsche Waldjugend wissen? Ich habe diese Verlinkung bewusst gewählt, um eventuelle Vorbehalte direkt zu entkräften. Wenn Sie unten weiterlesen, kommen Sie von dort aus auch zu der Startseite:

Besuch in der Kulturraffinerie K714

Den Pianisten Vikingur Ólafsson einmal live erleben, das stand auf unserer Wunschliste Mein Mann entdeckte im Frühjahr, dass Ólafsson nach Monheim kommen sollte und kaufte im März zwei Karten.
Letzte Woche, als das Konzert in unsrem Kalender näherrückte, sahen wir nach, in welcher Halle der Pianist auftreten sollte. „Kulturraffinerie K714“- irgendetwas klingelte dabei mir …Hatte ich nicht schon Plakate in Hamburg und Köln gesehen, wo das Konzerthaus abgebildet war und man dafür warb, den modernsten Saal Europas zu besitzen? Im Internet erkannte ich das Konzerthaus wieder und las, dass das „Pre-Opening“ des Konzerthauses am 2. September sei. Wow, wir sind anwesend bei der Voreröffnung des modernsten Konzertsaals Europas, das kommt ja nicht alle Tage vor…

Sehr gespannt fuhren wir also nach Monheim. Uns empfing das Konzerthaus mit einer Dixitoilette vor der Tür. (Ob das blaue Häuschen dort stehen bleibt? Das wäre bestimmt schon das erste Alleinstellungsmerkmal im Kampf um den Platz 1 bei den europäischen Konzerthäusern…)

Die Biergartenbänke standen bereit für die eigentliche Eröffnung, auch Getränkewagen warteten auf ihren Einsatz, für die „Pre-Besucher“ blieben sie allerdings geschlossen.

Auch die Lage der Kulturraffinerie verdient Sternchen. Man blickt auf den Rhein und freut sich des Lebens unter den Augen von Monheims Wahrzeichen, der Gänseliesel von Markus Lüpertz.

Wir gingen ein bisschen spazieren und wollten noch etwas essen. In Sichtweite liegt das italienische Restaurant „Fiume“. Wir trafen gegen 18 Uhr da, das Restaurant war zur Hälfte besetzt. Nach einer Viertelstunde bekamen wir eher zufällig die Speisekarte, da der für uns zuständige Kellner einen Blick in seinen toten Winkel gewagt hatte. Nachdem wir weitere 20 Minuten vergeblich hofften, unsere Bestellung abgeben zu können, verließen wir den Ort, gingen 5 Minuten weiter und kamen zum Hotel „Zum Vater Rhein“. Hier gibt es ebenfalls ein Restaurant mit europäischer Speisekarte. Schnelle Bedienung, gutes Essen.

Warum heißt ein Konzertsaal eigentlich „Kulturraffinerie K714“? Die Außenwände gehören zu einer alten Fassabfüll- und Mineralöl-Raffinerieanlage von Shell. Das K steht für Kultur, die 714 bezieht sich auf den Rheinkilometer.

Das Gebäude sieht tagsüber schon recht chic aus, aber bei Dunkelheit wird das Haus beeindruckend illuminiert.

Kommen wir zum wichtigsten Teil, der Innenausstattung des Gebäudes.

Rote Teppiche erwarten die Gäste und führen sie in eine ehemalige Fabrikationshalle. Die Vorstellung war ausverkauft und es wurde kurz zunehmend enger, obwohl bei dieser Veranstaltung nur ca. 1400 Besucher anwesend waren. Wo gehen die Menschen hin, wenn im Winter ein Stehplatzkonzert mit über 4000 Besuchern in der Halle stattfindet? Vielleicht in den Keller, da war noch ziemlich viel Platz. Hier irrten nur einige Besucher umher, die sich fragten, hinter welcher der nicht näher gekennzeichneten Türen sich wohl die Toiletten verstecken. (Hinweis an den Hausherren: Die Wasserversorgung in den Waschbecken der Damentoilette ist äußerst schwankend).
Die Zahl der Sitzplätze (vorwiegend Barhocker an kleinen Stehtischen) ist übersichtlich, die schwarze Sitzsackgruppe zwischen Garderobe und Bar sollte wieder entfernt werden, bevor sich noch jemand den Ischiasnerv einklemmt und die Stadt verklagt.
Der Konzertsaal: Er wurde als neuer Raum mitten in die alten Mauern gebaut. Düster kommt er daher und in den letzten Reihen stolperten diverse ältere Herrschaften zu ihren Sitzen, da die Beleuchtung hier nur als „funzelig“ bezeichnet werden kann. Deshalb mein Rat: Falls Sie planen, dieses Schmuckstück der deutschen Konzertsaallandschaft zu besuchen, sollten Sie sich Karten leisten, die bis zu der Reihe 23 gehen. Neben der Dunkelheit ist in den letzten Reihen die Akustik zwar noch gut, aber durch einen Überbau gedämpft. Zudem staut sich hier die Wärme, wie mehrere mit dem Programmheft wedelnde Zuhörer bewiesen. Sollten Sie zu zweit ein Konzert besuchen, überprüfen Sie, ob ihre Sitze wirklich nebeneinander liegen. Die Plätze 8 und 9 werden hinten durch einen Gang getrennt, wie wir feststellen mussten.

Das Konzertprogramm:


Vikingur Òlafsson war im ersten Teil zu sehen. Er spielte seine Passagen sehr einfühlsam, aber der Funke sprang bei mir nicht über. Das lag eventuell an der Musik von Beethoven, die ich nur bedingt mag oder auch an der Orchesterbesetzung. Ca. dreißig Musiker saßen auf der Bühne. Die Akustik war glasklar, aber es gab kein Volumen.
Das änderte sich nach der Pause. Nunmehr präsentierten sich ca. 80 Musiker des berühmten Amsterdamer Royal Concertgebouw Orchesters und die Symphonie war für den Konzertsaal bestens als Feuertaufe geeignet. Hier wurde es teilweise bombastisch und beim Einsatz mehrerer Blechinstrumente konnten die Ohren schon einmal klingeln. Am Ende wurde frenetisch applaudiert, wir gehörten dazu.

Das modernste Konzerthaus Europas? Von der Technik her mag das stimmen, das kann ich nicht beurteilen, aber ansonsten wird es aus meiner Sicht keine Pilgerstätte für Musikfreunde. Hier das Programm der nächsten Monate, machen Sie sich selbst ein Bild:

https://www.kulturraffinerie-k714.de/de/kalender

Braucht Monheim so einen Konzertsaal, der beträchtlich zu der Verschuldung der Stadt beigetragen hat? Mein erster Monheim-Artikel von 2021 (Unten Beitrag Nr. 2) und dessen Aktualisierung hilft Ihnen vielleicht bei der Einordnung.

Deutschland liest ein Buch: Ein ganz normales Wunder

Der Verlag Kiepenheuer&Witsch hat letztes Jahr erstmalig die Aktion „Deutschland liest ein Buch“ durchgeführt. Ein Titel aus dem Verlagsprogramm wird sehr stark beworben und auf der Verlagsseite im Internet finden Literaturkreise, Lehrer und andere lesefreudige Zusammenschlüsse viele Ideen, wie man dieses Buch besprechen oder mit welchen Aktionen man das Buch begleiten kann.
Die Titelauswahl im letzten Jahr fand ich nicht überzeugend, aber
dieses Jahr bin ich begeistert!

Der Autor Woody Brown ist nicht sprechender Autist, der als erster in den USA einen Abschluss an einer Universität erlangt hat und damit in seinem Heimatland viel Aufsehen erregte.
„Ein ganz normales Wunder“ ist sein erster Roman. Um es direkt zuzugeben: Ich war überrascht, mit wie viel trockenem Humor dieses Buch geschrieben wurde!
Wir lernen Walter kennen, einen jungen Autisten, der eigene Gedanken verbal nicht äußern kann. Er hat einen liebevollen Vater und eine Mutter, die alles dafür tut, dass ihr Sohn gefördert wird und ein möglichst „normales“ Leben mit der dazugehörenden Bildung führt. Dafür kämpft sie wie eine Löwin, bzw. Kriegerin, wie Walter sie einmal nennt.
Der plötzliche Tod des Vaters wirft alle Bemühungen über den Haufen, denn die Mutter muss arbeiten gehen und Walter, der nicht über eine längere Zeit alleine bleiben kann, besucht unter der Woche die Tagesstätte „Upward Bound“. Hier trifft er auf andere junge autistischen Erwachsene, die von mehreren Betreuern mit Aktivitäten durch den Tag gebracht werden. Walter erzählt von seinen Beobachtungen in der Gruppe und stellt andere Mitglieder vor, wie den schönen Tom oder den gutmütigen Jorge, der gerne ausreißt. Auch Carlos, der einfühlsamste Betreuer, Ann, eine Praktikantin, und Dave, der Chef dieser Einrichtung, werden von Walter vorgestellt. Sie kommen in dem Roman aber teilweise auch selbst zu Wort und man liest von schwierigen Lebensbedingungen, Ängsten und kleinen Freuden. Und dann ist da noch Avery, Verkäuferin in einem Einkaufszentrum, das von der Gruppe einmal pro Woche besucht wird. Averys Blick auf die Gruppe wird von Woche zu Woche geschärft und immer häufiger stellt sie sich die Frage, ob sie aus ihrem Leben mehr machen kann.

Woody Browns Buch gibt Lesern viel Stoff zum Nachdenken. Die Leser erfahren, was es bedeutet, autistisch zu sein. Walter beschreibt es als „ADHS mal tausend“: Es ist, als stünde eine riesige Monitorwand im Gehirn und die Monitore zeigen unterschiedliche Eindrücke mit voller Lautstärke und das muss das Gehirn jede Sekunde verarbeiten. Für andere Handlungen, die man für die Bewältigung des Alltags braucht, sind im Gehirn nicht mehr viele Kapazitäten übrig.
Wie geht es einem autistischen Menschen, wenn er merkt, dass über ihn geredet wird, als sei er gar nicht anwesend, weil die anderen denken, dass er eh nichts versteht. Wie geht es ihm, wenn er gute oder schlechte Gefühle hat, Mitgefühl zeigen möchte, aber nichts äußern kann? Es ist wie eine Zwangsjacke, aus der man sich nicht befreien kann.
In dem der Autor auch über Betreuer und Außenstehende schreibt, hält er im positive Sinne der Leserschaft einen Spiegel vor. Man erkennt, wie man sich falsch verhält und welche Vorurteilsfallen es gibt, es wird aber auch gezeigt, wie jeder von uns es besser machen kann, wenn man einem Menschen mit einer Behinderung begegnet.

Fünf Sterne für dieses Buch!

Meine Duisburger Vorfreude im September

In den letzte Monaten hat es sich so ergeben, dass ich montags und donnerstags einen neuen Beitrag in meinem Blog veröffentlicht habe. Diese Regelmäßigkeit wird im September voraussichtlich unterbrochen werden, da in den nächsten Wochen mein Augenmerk auf der Arbeit liegt.
Ich arbeite mehrere Tage pro Monat in der Duisburger Buchhandlung Scheuermann. Wer in Duisburg oder den anliegenden Städten wohnt, hat durch Zeitungs- oder Fernsehbeiträge in den letzten Monaten u.U. mitbekommen, dass die Buchhandlung wegziehen wird, da die Situation auf der Einkaufsstraße „Sonnenwall“ sich in den letzten fünf Jahren zunehmend verschlechtert hat. Ich bin darauf in meinem Blog kaum eingegangen, da in den Medienbeiträgen dazu schon alles geschrieben, bzw. gesagt wurde. Stattdessen möchte ich Sie lieber mit an den neuen Standort nehmen. Hier werde ich ab dem 12. September arbeiten:

Oben links: Der Anleger der „Weißen Flotte“, daneben Spaziergang an der Stadtmauer, rechts Herbststimmung beim Archivturm des „Landesarchiv NRW“
Mitte: Ein anderer Blick auf den Hafen
Unten: Links: Turmspitze vom Rathaus, daneben: ein weiterer Blick auf das Landesarchiv, rechts die Seilscheibe von Schacht V in Duisburg-Walsum. Sie steht auf dem Flachsmarkt.


“Flachsmarkt Nr. 12“ ist die neue Adresse und hier kann man in Duisburg tatsächlich ein bisschen Urlaubs- oder zumindest Entspannungsgefühle bekommen. Und das nicht nur wegen der Nähe zum Wasser und zu den Grünflächen.
Meine Kolleginnen und ich trafen uns am letzten Freitag vor der neuen Buchhandlung zu einem abendliche Pizzaessen um 18.30 Uhr. Zuerst haben wir gegessen und erzählt…

Doch dann wurde es langsamer dunkler, der Ort wurde stiller und auch wir hingen schweigend halb liegend in unseren Sitzsäcken und guckten in den Sonnenuntergangshimmel.

War das da gerade eben ein Turmfalke? Ja, wir sind uns sicher! Und dann huschten Fledermäuse am Himmel vorbei…Fledermäuse in der Duisburger Innenstadt ?! Und dann ein Sonnenuntergang…Wir sind wirklich in Duisburg?
Drei von uns fuhren nach Hause, meine beiden Chefinnen blieben noch und zeigten mir am anderen Tag dieses Foto von der Duisburger Marina, keine hundert Schritte von der Buchhandlung entfernt:

Elisabeth Evertz genießt die abendliche Stimmung.

Meine Vorfreude auf die Eröffnung am 12. September wächst von Tag zu Tag, wenn ich daran denke, wo ich überall im Innenhafen meine Pause verbringen kann. Im Sommer ist es sogar möglich, hier zu schwimmen und an nicht so schönen Tagen könnte ich auch in eins der beiden nahen Museen gehen:

Oben und Mitte die Küppersmühle- ein Museum, das für mich ein Stück Heimat bedeutet. Unten das stadthistorische Museum, in das ich auch immer mal wieder gerne gehe, um mein Wissen über Duisburg aufzufrischen. Auch gibt es hier, wie in der Küppersmühle, großartige Wechselausstellungen.

Als ich am Freitag vor der Buchhandlung saß und auf meine Kolleginnen wartete, kamen einige Touristen an mir vorbei. Es ist sicherlich eine der interessantesten Ecken von Duisburg und ich wünsche mir sehr, dass nicht nur Touristen, sondern auch viele Duisburger diese Ecke ihrer Heimatstadt noch besser kennen und schätzen lernen.

So, jetzt habe ich vielleicht ein bisschen weit ausgeholt…Der Umzug steht vor der Tür und auch nach dem 12. September wird es noch viel zu tun geben, bis in den neuen Räumen alles passt. Sie wissen jetzt, wo mein Gedanken im September sein werden, mal sehen, wie viele Blogbeiträge da noch „rausspringen“😉
Donnerstag habe ich aber schon eine neue Buchbesprechung für Sie vorbereitet!

Beinahe hätte ich noch etwas vergessen…

Hier noch ein vereinfachter Stadtplan:

Es gibt diverse Parkmöglichkeiten, beispielsweise auf dem Rathausparkplatz, vor dem B&B Hotel und in den kleinen Seitenstraßen. (Alle mit Parkgebühren, zwischen 1 und 2 Euro/Stunde). Die nächste Bushaltestelle ist „Rathaus“.

Sie sind neugierig auf die Buchhandlung geworden? Hier geht es zu einer Bildergalerie:

https://www.scheuermann.de/umzug

Farbrausch im Norden

Letztes Wochenende waren wir erstmalig in Oldenburg und Bad Zwischenahn. Drei farbenfrohe Tage!

Bei einem ersten Bummel durch die Oldenburger Innenstadt fiel uns zuerst das Schloss auf, das mich sofort an ein von mir heißgeliebtes Zitronentörtchen erinnerte.

Fotocollage: Unten rechts das Zitronentörtchen, darüber das alte Rathaus (Nussschnitte?). Links: In den zahlreichen kleinen und großen Einkaufsstraßen tauchte immer wieder auffällig Buntes auf.

Auch im Schloss und den Nebengebäuden konnte man durch die Gestaltung der Räume in Farben schwelgen.

Nur ein paar Schritte vom Schloss entfernt befindet sich die St. Lamberti Kirche. Von außen eine wunderschöne Backsteinkirche, überrascht sie innen mit einer strahlend weißen Einrichtung und weißen Wänden. Wenn da nicht das Kreuz wäre…

Das „Lichtkreuz“, das nur zwischen Aschermittwoch und Advent aufgehängt wird, hat mich fasziniert. Es changierte in zig Farbe, begünstigt dadurch, dass die Kirchenkuppel ein kreisrundes Fenster hat, durch das Tageslicht mit vorbeiziehende Wolken zu sehen ist.

Der Grund unserer Reise nach Oldenburg war der Besuch des Horst Janssen Museums.

Mir gefallen die Kunstwerke von Horst Janssen sehr. Ich habe diese drei Bücher und wünschte mir schon lange, einige Werke einmal live zu sehen.

Dem Museum gehören über 2000 Kunstwerke, doch enttäuschte mich die Präsentation. Es gibt eine Dauerausstellung in einem überschaubarem Raum, in dem einige seiner künstlerischen Tätigkeiten, wie beispielsweise Holzschnitt oder Kupferstich, erklärt werden. Doch sind nur wenige passende Bilder ausgestellt, die teilweise noch schlecht ausgeleuchtet waren. Einige Fotos und Zitate mit Erklärungen geben einen kleinen Einblick in das Leben von Horst Janssen. Auf zwei weiteren Etagen finden Sonderausstellungen statt, bei denen Bilder von Horst Janssen in Beziehung zu Werken anderen Künstlern gesetzt werden. Wir sahen Textilarbeiten der Künstlerin Andrea Ziegler, bei denen sich mir die Verbindung zu den Bildern von Janssen nicht immer erschlossen hat.

Schade, aber ich wurde durch einen anderen Ort getröstet, dem „Park der Gärten“ in Bad Zwischenahn. In diesem Park wird in 40 Schaugärten der Garten als Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen gefeiert.
Noch bis zum 13. September 26 findet in diesem Park zusätzlich der „Lichtzauber“ statt, in dem die Anlage in traumhafte Landschaften verwandelt wird.
Wir hätten schon am frühen Nachmittag den Park besuchen sollen, um uns alles auch bei Tageslicht anzusehen, doch kamen wir erst gegen 19 Uhr an. Für alle Einzelheiten der Schaugärten war es jetzt zu spät, aber wir erfreuten uns noch an den schönen Beeten.

Und dann wurde es dunkel…

War das schön! Im Grugapark von Essen gab es in der Vergangenheit ähnliche Veranstaltungen, doch diese gefiel mir besser, da die Motive sich zumeist an Vorbildern aus der Natur anlehnten (Keine Mickey Mouse oder Eiffelturm). Der Park schloss um 23 Uhr, wie nutzten die Zeit bis zum Ende. Trotz vieler Besucher war es eine entspannte Atmosphäre, da es in dem Park zig Sitzmöglichkeiten ganz unterschiedlicher Art gibt und hier wurde in kleiner oder auch größerer Runde gepicknickt.

Das war mein nördlicher Farbrausch. An grauen Herbst-und Wintertage werde ich mich gerne an ihn erinnern.

Außer der Reihe erscheint morgen am Dienstag aus persönlichen Gründen ein Beitrag.