Die heimlichen Helden für unsere Zukunft

Mit seinem Buch über Bäume ist Peter Wohlleben deutschlandweit bekannt geworden und hat sicherlich mit dazu beigetragen, unsere Einstellung zu Bäumen zu verändern.
Jetzt hat er ein neues Buch geschrieben. Es ist eine Mischung aus Krimi, Science Fiction, philosophischer Betrachtung, Gesundheitsratgeber, Umweltbuch und ein Aufruf, uns Menschen und unsere Welt neu zu sehen.
Wohllebens Schreibstil ist witzig, seine Hauptpersonen nennt er liebevoll „kleine Racker“, „neugierige Knilche“ oder „Winzlinge“. Er erklärt Wissenschaft in einer Art, dass jeder Laie sie versteht und bringt viele Beispiele, die seine Aussagen verdeutlichen sollen. Dabei berichtet er auch aus seinem privaten Umfeld.

Von diesem Buch ist die Rede:


Höre ich da ein „Iiiigitt-Bakterien- das lese ich nicht!“ Das wäre wirklich ein Fehler, denn wie oben schon erwähnt, erklärt Peter Wohlleben u.a. auch, wie wichtig Bakterien für unsere menschliche Existenz und damit auch für unsere Gesundheit sind.
Jeder von uns besitzt eine Bakterienmannschaft, die dafür sorgt, dass es uns gut geht. Eine Mannschaft ist immer im Einsatz und versucht, einen optimalen Zustand für seinen Menschen aufrecht zu erhalten. Allerdings gibt es zig Faktoren , die diese Arbeit erschweren. Drei von vielen Stichworten, die in diesem Buch behandelt werden: Unvernünftige Einnahme von Antibiotika bei jedem Hüsterchen, Hundehaufen auf der Straße, Mikroplastik in Lebensmitteln. Wohlleben gibt viele Anregungen, wie jeder von uns täglich seine Mannschaft unterstützen kann.
Es liegt aber auch an politischen Entscheidungen, dass Bakterien bei uns und in der Umwelt ihren Job erledigen können. Und hier kommt der Autor u.a. auch wieder auf den Wald zurück. Durch die Hitzesommer der letzten Jahre sind Fichten-und Kiefernbestände vertrocknet und nun sollen Anpflanzungen beispielsweise von Zedern oder Douglasien den deutschen Wald widerstandsfähiger machen. Das Problem: Diese Baumarten stammen alle aus kalten Hochregionen anderer Erdteile und die heimischen Bakterien können diese Bäume nicht benutzen, um Wolken zu produzieren. (Ja, Sie lesen richtig: Bakterien sind mit für das Entstehen von Regenwolken verantwortlich). Auch Roteichen sollen gepflanzt werden, eine Baumart, die u.U. die heimische Bakterienwelt sogar vernichtet. Warum fördert man nicht heimische Bäume, die resistenter bei Trockenheit sind? Fragen Sie bei der Landesforstbehörde nach.

Ich habe am Anfang das Buch mit einem Krimi, einem Science Fiction Roman oder einer philosophischer Betrachtung verglichen. Der Text ist so spannend, wenn es beispielsweise darum geht, mit welchen Tricks unsere lieben Partnerbakterien die bösen Eindringlinge (davon gibt es dummerweise auch eine Menge) bekämpfen. Science Fiction? Wann tauchte das erste Bakterium auf der Welt auf? Ist es Resultat einer chemischen Reaktion oder kam es vom Mars oder dem Jupitermond „Europa“ (Kein Scherz!)? Was hat Mundgeruch mit Raumfahrt zu tun?
Philosophisch wird das Buch, wenn man hinterfragt, ob der Mensch wirklich „die Krone der Schöpfung“ ist. In den letzten Jahren gewinnen Wissenschaftler immer mehr Erkenntnisse über Bakterien und ihre ungeheuren Fähigkeiten, sich anzupassen, zu lernen und Neues zu erschaffen. Das wirkt sich auch auf unser Wissen über Tiere und Pflanzen aus. Auch bei ihnen hat jedes Individuum eine eigene Bakterienmannschaft, die dafür sorgt, dass das Tier oder die Pflanze lernt, sich weiter entwickelt und damit Fähigkeiten besitzt, die bisher nur Menschen zugesprochen wurden. Mehr Respekt gegenüber Fauna und Flora wäre deshalb angebracht, denn wir Menschen, Pflanzen,Tiere und Tiere sitzen alle in einem Boot Erde.
Ein letztes Argument, das Buch zu lesen: Es macht Hoffnung für die Zukunft. Bakterien können die Helden für unsere derzeitigen Umweltprobleme sein. Man muss sie nur lassen (wie beispielsweise im Wald) und sollte sie nicht bekämpfen (wie beispielsweise durch Überdüngung der Landwirtschaft). Mehr Geld sollte investiert werden, um Bakterien weiter zu erforschen und sie gezielt einzusetzen, um Umweltsünden abzubauen.

Warum muss Hape Kerkeling so eine Rede halten?

Ich beneide Menschen, die solche Aussagen von Politikern mit einem Schulterzucken abtun, sei es aus Desinteresse, Naivität oder Langeweile.

Fünf Beispiele:

„Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Alexander Gauland, AfD Parteimitglied, auf einer Veranstaltung der „JA“=Jungen Alternative)

„Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte.“(Alice Weidel auf einem AfD-Parteitag)

„…neben dem Schutz unserer nationalen und europäischen Außengrenzen wird ein groß angelegtes Remigrationsprojekt notwendig sein. Und bei dem wird man, so fürchte ich, nicht um eine Politik der ‚wohltemperierten Grausamkeit‘, wie es Peter Sloterdijk sagte, herumkommen. Das heißt, dass sich menschliche Härten und unschöne Szenen nicht immer vermeiden lassen werden.“ (Björn Höcke in seinem Buch „Nie zweimal in den selben Fluss“)

„Wir verteufeln nicht pauschal die Produktion von Rüstungsgütern, weil wir bei (der) späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen.“ (Ulrich Siegmund auf einer Pressekonferenz)

„Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millionen Tote. Frauen, Kinder. Mir egal. Es wäre so schön. Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen.“ (Stephan Brandner, AfD Abgeordneter in Thüringen in mehreren sozialen Medien)

Hape Kerkeling zuckt nicht die Schultern, schaut nicht weg und hat erneut eine Rede gehalten.

Screenshot einer Seite auf Instagram.

Hier kann man sich die Rede in Teilen anhören:

https://www.instagram.com/reel/Dd9EwBeMgFl/?stkn=czBybnI4a3gxZ3Nt

:

Können wir nicht immer so miteinander sprechen, wenn es um Politik geht?

Menschen, die unterschiedliche politische Ansichten haben, schreien sich immer häufiger an, beleidigen sich oder wollen gar nicht mehr wissen, was die andere Person für eine Meinung hat. Ich habe ein Video auf Instagram entdeckt, dass ich Ihnen zeigen möchte, da sich hier ein Politiker meiner Meinung nach vorbildlich gegenüber einer AfD Wählerin verhalten hat.

https://www.instagram.com/reel/DdcK0lTuUzu/?stkn=aWF1YmZjdG5wZGNv

Das „Zauberwort“ heißt Respekt, darüber hinaus braucht man Wissen, um eine respektvolle Diskussion führen zu können. Letzteres finde ich schwierig. Wo findet man vertrauensvolle Fakten? Mein Vertrauen liegt immer noch in Büchern, in der Bundeszentrale für politische Bildung und einigen anderen Quellen. Ich nehme mir vor, Ihnen dieses Wissen nach Themen sortiert in der neuen Kategorie „Politisches Material“ Schritt für Schritt zur Verfügung zu stellen. Vielleicht hilft es Ihnen bei der Wahlentscheidung oder Gesprächen mit Verwandten, Freunden, Arbeitskollegen oder im Verein.

Wenn Düfte zu Farben werden (2)

Letzte Woche schrieb ich über ein kleines Experiment. Meine Versuche bestanden darin, nicht benannte Düfte in Farben umzusetzen. (Link zu dem Artikel siehe unten). Heute zeige ich Ihnen vier Bilder. Ich habe zu jedem Duft eine Farbpalette angelegt und mit den Farben einer Palette ein Bild gemalt, das die Eindrücke, die ich bei dem Riechen eines Dufts sammelte, darstellen sollte.


Erst nach dem Malen der Bilder sah ich nach, mit welchen Düften ich es zu tun hatte. Zwischen „Punktlandung“, völligem Versagen meiner Nase und „na ja, ist ok“ konnte ich wählen.
Dies waren die Düfte: Pfefferminze, Paprika, Magic Beeren-Tee und Malve/Hibiskustee: Welches Bild passt zu welchem Duft?

Ich fange mit der schlechten Nachricht an: Oben rechts…Nein, es sind nicht die Beeren, es ist Pfefferminze…Nix Grünes. Ich mag den Pfefferminzgeruch sehr, doch diese anonyme Mischung empfand ich als unangenehm und sie belegte meine Lunge. Deshalb unten kleine erdrückte Lungenbläschen.

Oben links: Malve- ich kam mir ein bisschen wie in einem Dschungel vor.
Unten rechts: Magic Beeren. Ich fand den Duft schneidend, deshalb habe ich im unteren Bereich zackige Eisschollen gemalt, der „Duftabgang“ war dann frisch.
Unten links: Paprika!

Mir hat dieses Experiment viel Spaß gemacht. Komme ich demnächst mal bei einem Teeladen vorbei, werde ich nicht sofort auf die Tütenbeschriftungen sehen, sondern erst einmal meine Nase arbeiten lassen und die Augen schließen.

Johnny Depp und der Bunnyman

Meinen Beitrag „Wenn Düfte zu Farben werden-Teil 2“ muss ich leider verschieben, er erscheint voraussichtlich am Montag. Durch ein Update von Word Press sind Anfang der Woche meine Seiten stark durcheinander geraten und der Schaden ist leider immer noch nicht komplett behoben.

Stattdessen gibt es heute noch einen Tipp fürs Wochenende:

Vor Wochen besuchten wir in Köln ein Konzert mit der Gruppe „Hollywood Vampires“, zu der u.a. auch Johnny Depp gehört. Bis dahin kannte ich ihn nur als Schauspieler und wusste nicht, dass er sich eigentlich als professioneller Musiker sieht, der mit der Schauspielerei nur Geld verdient, um seiner Leidenschaft nachgehen zu können. Er spielte auf dem Konzert Gitarre und sang neben Alice Cooper einige Lieder. Die Hollywood Vampires interpretieren bekannte Lieder beispielsweise von David Bowie, Velvet Underground, Metallica oder The Doors neu. Uns gefiel dieses Konzert ausgesprochen gut, Johnny Depp beeindruckte uns mit seinem Können und wir mussten unsere eher gleichgültige Meinung ihm gegenüber korrigieren.

In der Woche des Konzerts besuchte Johnny Depp auch Schloss Benrath in Düsseldorf.

Hier eröffnete er die Ausstellung mit seinen Bildern, denn auch die Kunst ist seine Passion. Am Montag sahen wir diese Ausstellung und waren erneut überrascht. Johnny Depp kann etwas. Er hat sich mit verschiedenen künstlerischen Techniken auseinandergesetzt und seine Bilder zeigen Nachdenklichkeit und Sensibilität.
Die Schlossräume in Kombination mit dem Bildern waren für mich ein besonderes Ausstellungserlebnis. Noch bis zum 27. September kann die Ausstellung besucht werden, man muss sich online anmelden:https://tickets.schloss-benrath.de/event/the-art-of-johnny-depp-kopie-kti1xn

Hier ein paar Eindrücke:

Das ist der „Bunnyman“. Er erscheint Johnny Depp immer wieder in Träumen und steht für das Gute. Als vor Jahren sein Sohn ihm erzählte, dass er auch von einem Hasenmann träume, nahm Depp das zum Anlass, die Traumfigur als Motiv für zahlreiche Bilder zu nehmen.

Wenn Düfte zu Farben werden (1)

Im Februar schrieb ich über eine Ausstellung zum Thema „Duft“, die ich zusammen mit meiner Freundin besuchte. (s. unten „ Duft-Challenge für ein Jahr). Uns beide hat das Thema seitdem nicht mehr losgelassen und so bekam ich vor Kurzem von meiner Freundin eine Duftbox zur Verfügung gestellt. Diese Box enthält zehn nummerierte Gläser, darin befindet sich jeweils ein schwarzes Säckchen mit einem unbekannten Duftträger.

Die Idee dahinter ist, an einem Glas zu riechen und dann zu versuchen, die Eindrücke in Farben darzustellen ohne zu wissen, um welchen Duft es sich handelt.(In der Box befindet sich eine Liste, auf der hinter jeder Nummer der Duft notiert ist, dieses Blatt Papier legte ich aber schnell bei Seite, um nicht beeinflusst zu werden). Auf vorbereiteten Aquarellpapierstücken kann man die verschiedenen Farbempfindungen aufmalen.

An einem Samstagnachmittag fing ich an, saß im Wintergarten bei offener Tür, die Sonne schien, ein leichter Wind wehte in den Raum. Ich griff mir wahllos ein Glas, es war die Nummer 9, schraubte es auf und roch daran. Was für ein Duft! Mein erster Eindruck: Sehr intensiv, unangenehm schneidend, etwas beißend, aber auch frisch. Mir kam der Duft bekannt vor, aber ich konnte ihn nicht zuordnen. Um ihn aufzuschlüsseln, roch ich im nächsten Schritt nur mit dem rechten Nasenloch. Der Duft war viel schwächer und es kam eine erdige Komponente dazu. Mal roch ich mit offenen, mal mit geschlossenen Auge, auch das machte einen Unterschied aus. Nur mit dem linken Nasenloch riechend, empfand ich wieder diese kratzige Schärfe und ich verband damit das Bild von scharfen Eisschollenkanten. Doch die Frische mit einem Hauch von Zitrone übernahm wieder die Oberhand und dieser Eindruck blieb dann auch bis zum Schluss.

So sieht diese Farbkarte aus. Auf der rechten Seite gehören die unteren vier Kästchen dem rechten Nasenloch, daneben dem linken, die oberen vier Felder zeigen das Ergebnis des kompletten Empfindens, wobei oben rechts das Endergebnis zu sehen ist.

Am nächsten Morgen öffnete ich erneut das Glas…Hallo Nase, bist du schon wach? Ich erlebte einen feinen Duft, bei dem ich nur mit viel Konzentration die Ingredienzien wiederfand, die ich einen Tag zuvor erschnüffelt hatte. Jetzt war das zweite Farbfeld von oben rechts das passende.

Ein neues Glas:

Die erste Wahrnehmung bei Glas Nr. 5: Meine Lungen werden zugedeckt, was ich als sehr unangenehm empfand. Aber mir kam sofort ein bräsiges dunkles Lila in den Sinn. Beim mehrmaligen Riechen ploppten dann Bilder von Himbeeren auf, in die sich aber immer mehr Blaubeeren vermischten. Konkret zuordnen konnte ich den Duft nicht.
Mein morgendlicher Eindruck am nächsten Tag war auch ein anderer. Jetzt tauchte plötzlich etwas schmierig Braunes auf und das dritte rechte Farbfeld von oben entsprach meinen Empfindungen.

Glas Nr. 7 öffnete ich am Sonntag. Der selbe Sitzplatz, aber keine Sonne und kein Wind. Der Duft war bei weitem nicht so intensiv wie am Vortag. Ich vermute, dass es mit der Wärme der Sonne zusammenhängt.
„Das ist ein Konfettiduft“, war mein erster Gedanke. Sofort sah ich mehrere Farben in Punkten, völlig ungeordnet, die Farbe Orange war etwas dominierend. So trug ich auf dieser Karte die Farben auch ungeordnet ein:

Glas Nr. 1 (Die Sonne schien wieder, ein leichter Wind wehte): Für mich ein fast eindeutiger grüner Duft, die Feldaufteilung richtet sich hier wieder nach den verschiedenen Eindrücken meiner beiden Nasenlöcher.

Ich habe bisher noch nicht auf den Zettel geguckt, was für Düfte es sind, mit denen ich mich beschäftigt habe. Vielleicht möchten Sie ja mitraten?
Über den zweiten Teil des Experiments schreibe ich am Freitag. Es besteht darin, aus den jeweiligen Farbtabellen ein abstraktes Bild zu malen, das den Duft beschreibt. Ja und dann gucke ich auf die Liste und bin schon sehr gespannt, ob die Bilder den Duft wiedergeben.

Ein Lob auf den Bleistift

Vor einigen Wochen stellte ich Ihnen aus der Reihe „Dinge des Lebens“ den Band „Stoff“ vor, heute geht es um den Bleistift.

Bevor ich das Buch las, überlegte ich mir, was mir selbst zu diesem Thema einfällt. Merkwürdigerweise kam mir zuerst das Geräusch des Anspitzens in den Sinn, gefolgt vom Ärger, wenn eine Spitze beim Anspitzen abbricht oder der Freude, wenn man beim Anspitzen nicht absetzen muss und sich eine kleine Holzgirlande bildet (siehe roter Pfeil).

Bei uns liegen zuhause überall Bleistifte herum. Keiner ist von ihnen gekauft, es sind alles Werbegeschenke oder Urlaubsmitbringsel. Einkaufszettel werde mit ihnen geschrieben oder auch kurze Notizen, wenn man etwas im Fernsehen sieht. Beim längeren Telefonieren zu kritzeln, auch dafür eignet sich der Bleistift bestens. Auf dem Nachttisch liegen ebenfalls Schreibblog und Bleistift bereit, um etwas aus Büchern abzuschreiben oder Ideen festzuhalten.


Das sind alles flüchtige Schreibmomente, einen Brief würde ich nie mit einem Bleistift schreiben, da die Schrift verblasst oder u.U. auch etwas verschmiert.

Ich schreibe mit einem Bleistift schneller als mit anderen Stiften. Habe ich einen Lieblingsbleistift? Ja, in der Tat. Er ist weich, bricht beim Anspitzen nie ab und liegt gut in der Hand. Ihn besitze ich schon lange, er war mein Stift, mit dem ich vor langer Zeit die Stenografieschrift übte. (Der blaue Stift unten auf dem Foto).

Meine Erinnerungen gehen auch zurück in die Schulzeit. Damals waren meine Bleistifte oben oft angekaut (ja, ja, als Schülerin muss man viel grübeln…). Minibleistifte bekamen eine Verlängerung, um sie weiterhin halten zu können.

Mit dem Nachdenken über den Bleistift stellen sich bei mir automatisch auch Erinnerungen an Radiergummis ein. Je weicher diese waren, desto lieber hatte ich sie. Und weiß mussten sie sein! In meinem ersten voll ausgestatteten Schreibmäppchen, das ich in der Grundschule geschenkt bekam, war ein rot-dunkelblauer „Ratzefummel“, dessen rote weiche Seite auf dem Papier nach dem Radieren immer einen roten Schimmer hinterließ. Das war für mich inakzeptabel.

Die integrierten Radiergummis habe ich nie benutzt, sie waren mit immer zu hart oder zu rot…

Durch dieses Buch lernte ich den Bleistift noch besser kennen. Die Entdeckung des Graphits 1564 in England war der Startschuss für die Entwicklung des Bleistifts. Es dauerte dann aber noch ca. 100 Jahre, bis ein Bleistift in den Handel kam, der allerdings noch ganz anders aussah und den sich nur sehr reiche Menschen kaufen konnten.
Erst Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte ein Chemiker ein Verfahren, dass Ton und Graphit verschmelzen ließ. Das Gemisch wurde dann zu Minen geformt und mit Holz ummantelt. Der Bleistift als Massenprodukt war geboren und über mehrere Generationen hinweg baute die Familie Faber ihr weltweites Bleistiftimperium auf.

Ein anderes Kapitel beschäftigt sich mit dem Bleistift in der Literatur und in der Kunst. Hier kommt ein neuer Aspekt des Schreibens mit Bleistift hinzu, denn Autoren nahmen nicht nur Papier als Unterlage. Sie verewigten sich auch auf Steinen, Manschetten oder Fliesen- sie, das sind Puschkin, Rimbaud und Byron.
Dass ein Bleistift sehr klein sein kann, war für Stefan Lorant von großem Vorteil, denn er war zur Zeiten Hitlers im Gefängnis und notierte heimlich seine Erfahrungen auf Toilettenpapier. Nach seiner Befreiung erschien sein Buch „I Was Hitler‘s Prisoner“. Der Maler Max Beckmann benutzte ebenfalls einen Minibleistift, mit dem er heimlich in einem kleinen Notizbuch seine Mitmenschen skizzierte. Der Autor Robert Walser schrieb mit einem Bleistift so klein, dass der Nachlassverwalter zuerst dachte, es sei eine Geheimschrift.
In Erzählungen und Romanen taucht der Bleistift immer wieder auf (so häufig, dass es darüber sogar ein spezielles Buch gibt mit dem Titel „Bleistiftliteratur“ von Claas Morgenroth). Mögen Franz Kafka, Vladimir Nabokov und auch Herr Goethe stellvertretend für alle Autoren stehen, die den Wert und die Einzigartigkeit des Bleistifts zu schätzen wussten.

Weitere Themen sind das physikalische Verhältnis zwischen Bleistift und Papier, die möglichen Härtegrade eines Bleistifts und das Zeichnen mit einem Bleistift. Auch diese Ausführungen des Autors gefielen mir sehr gut.

Das Buch ist eine Liebeserklärung an den Bleistift, der ich mich gerne anschließe. Sein Gewicht ist federgleich, zusammen mit seinen Kumpels Anspitzer und Radiergummi ist er überall einsetzbar und braucht kein Passwort oder Strom.

Willkommen im Bilker Bunker- Tag des offenen Denkmals

Am Sonntag fand wieder der „Tag des offenen Denkmals“ statt und wir fuhren dieses Jahr nach Düsseldorf, um dort an einer Führung teilzunehmen, die die Geschichte und die heutige Nutzung des Bilker Bunkers zum Thema hatte.

Mit Christina von Plate, der Geschäftsführerin der Bilker Bunker gGmbH, sahen wir uns mehrere unter- und überirdische Stockwerke an und erfuhren in jeder Etage etwas Neues.
In der Eingangshalle begann Frau von Plate mit der Entstehung und Verwendung des Bunkers. Er wurde 1942 gebaut, um ca. 2000 Menschen schnellen Schutz bei Luftangriffen zu bieten. Nach dem Krieg stand der Bunker Jahre leer, danach wurde er in Zeiten des Kalten Krieges als Atomschutzbunker mit Betten und anderem „Komfort“ neu ausgestattet. 1995 gestaltete man den Bunker von außen künstlerisch, bald danach endete allerdings die bisherige Nutzung und der Bunker sollte schließlich abgerissen werden. Dank einer Bürgerinitiative blieb er erhalten und 2016 kaufte die Firma „KÜSSDENFROSCH“ das Gebäude, um neue Nutzungsmöglichkeiten zu erschaffen. Es gab die geniale Idee, auf dem Flachdach mehrere Luxuseigentumswohnungen zu bauen, um durch deren Verkauf den Umbau des Bunkers zu einer kulturellen Begegnungsstätte zu finanzieren.
Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, was den Umbau teilweise schwierig machte. Es gibt gesetzliche Vorgaben für ein öffentliches Gebäude, wie beispielsweise genügend Fluchtwege oder die Luftqualität im Innenraum. Die Wände aus Stahlbeton sind meterdick, diese zu bearbeiten war eine Herausforderung, sei es beispielsweise, um Fenster einzubauen, neue Treppen einzufügen oder eine Belüftungsanlage zu installieren.


Heute findet man im Eingangsbereich eine kleine permanente Ausstellung zu der Geschichte des Bunkers und weitere Räumlichkeiten bieten Platz für eine Kunstausstellung. Wir sahen hier und auch noch auf der ersten Etage Objekte aus dem Ausstellungsfestival „soft signals“ zu zeitgenössischen Sound Art Praktiken.

In den oberen Etagen befinden sich Büros, eine Fahrradgarage, die man mit einem Aufzug erreicht, sowie mehrere Räume, die gemietet werden können. Hier ging Frau von Plate auf die Notwendigkeit ein, Geld mit dem Gebäude zu verdienen, um Kunst und Kultur überhaupt anbieten zu können. Nicht alle Künstler haben dafür Verständnis, dass Ausstellungsräume Kosten verursachen…
Dies ist die momentane Nutzung in einem Teil der Mieträume:

In der Vergangenheit wurden diese Räume aber auch schon von „Ärzte ohne Grenzen“, der Universität, Firmen oder Schulen angemietet.

Die beiden Untergeschosse hielten räumliche Überraschungen bereit:

Multifunktionsräume, die für 10-15 Euro/Stunde gemietet werden können. Drei weitere Räume werden noch dazu kommen.

Die Führung endete in den Musikräumen des Bunkers. Hier finden inzwischen regelmäßig Konzerte und andere Aufführungen statt.

Im Bunker der Anfangszeit gab es drei Schleusen, um nach draußen zu kommen, daher der Name „Schleuse 2“.

Wir waren zu viert und jeder von uns war erst überrascht und dann sehr angetan vom Bilker Bunker.
Wie in den Jahren zuvor, fand ich auch an diesem „Tag des Denkmals“ wieder viele Fotomotive. Besonders angetan haben es mir die unterschiedlichen Strukturen der Wände- was haben sie wohl schon alles gesehen und erlebt? Ich nahm sie als Hintergrund und so kam ich zu einer eigenen Fotogalerie im Bunker:

Düsseldorfer Hängung

Rhein

Bügelsymposium

Lüftungsschacht

Unbekannt

1942 bis 2026

Auf dem Hof des Bunkers wurden wir noch von einem Originalbild des sprayenden Künstlers Harald Naegeli überrascht. Wie Frau von Plate erzählte, handelte es sich um ein gerettetes Stück Mauer einer Tankstelle, die abgerissen wurde.

Wir verbrachten einen sehr schönen Nachmittag, den wir in dem Restaurant „Destille“ auf der Bilker Allee beendeten. ( Tipp: Die Wiener Schnitzel sind Anwärter auf „The Best of Town“).

Zum Schluss noch eine Bitte an das Team von KÜSSDENFROSCH: Könnten Sie vielleicht auch einmal nach Duisburg kommen? Hier gibt es auch noch viel Wachküsspotential!

Der neue Lesehafen

Gestern warf die Buchhandlung Scheuermann ihren Anker im Duisburger Innenhafen, sprich sie eröffnete ihre neuen Räume.

Als Mitarbeiterin hatte ich das große Glück, mit dabei sein zu dürfen. Um es auf den Punkt zu bringen: Es war …

Hier ein kurzes Video, das die Stimmung an diesem Tag ganz gut einfängt. Eine Kollegin ist mit ihrem Handy durch die Räume gegangen.

Punkt 10 Uhr öffneten zwei Musikerinnen der Duisburger Philharmoniker mit einem Ständchen den Lesehafen. Zu jeder vollen Stunde gab es dann eine musikalische Einlage mit Gesang-Klavier -Violoncello. Besonders die Liebeserklärung an Duisburg von Anke Johannsen ging vielen Zuhörern zu Herzen.

Menschen kamen nicht nur aus Duisburg, sondern auch aus anderen Städten in die neue Buchhandlung und entdeckten viele schöne Bücher, die man anderswo nicht so schnell findet. Unsere neuen passenden Geschenkideen zu Büchern trafen auch den Geschmack der Besucher.

Oben rechts: Nur sehr selten waren diese beiden Lieblingsplätze in der Buchhandlung leer. Mitte: Eine unserer „Kombigeschenkideen“, unten die „Zwischengalerie“. Die Buchhandlung besteht aus zwei Räumen, mit Kunst werden sie verbunden.

Mit dem Kauf zufrieden, gönnten sich unsere Kunden Kaffee und Kuchen und suchten sich ein Plätzchen auf „unserem“ Flachsmarkt. Wie fremde Menschen sich friedlich miteinander unterhalten und es sich gut gehen lassen, das hat mich sehr bewegt. Menschen aus der Nachbarschaft bedankten sich, dass die Buchhandlung ein großer Gewinn sei, denn sie würde sicherlich ein Treffpunkt für das ganze Quartier.



Eine Kundin nannte diese Stimmung magisch, sie hat nicht übertrieben. Wir alle, die im neuen Lesehafen arbeiten, werden uns bemühen, diese Magie der Begegnung in einer Bücherwelt aufrecht zu erhalten. Viele Veranstaltungen werden in den nächsten Monaten bei uns stattfinden und unsere „Ideenkiste“ für Neues ist noch bis oben hin gefüllt.

Da sind zwei Frauen stolz und glücklich: Rechts die Inhaberin Elisabeth Evertz, daneben Anke Johannsen, stellvertretende Geschäftsführerin.

Sich eine kleine Auszeit nehmen und es sich gutgehen lassen- dafür ist der Lesehafen ab sofort für Menschen an Rhein und Ruhr eine gute Adresse.

Hier geht es zu der Übersicht unserer Veranstaltungen. Eine Anmeldung empfiehlt sich:

https://www.scheuermann.de/veranstaltungen

Zu einem Beitrag über eine Buchhandlung gehört für mich noch eine Buchempfehlung. Hier ist sie:

Ein wunderschön illustriertes Büchlein mit 33 ungewöhnlichen Anfängen, die die Fantasie beflügeln. Man möchte sofort Papier und Stift zur Hand nehmen, sich bei einer Tasse Tee hinsetzen und seine Gedanken zu einem Anfang niederschreiben!

Was verrät Ihr Einkaufszettel über Sie?

Die Kunsthistorikerin und Journalistin Sandra Danicke sammelt seit dem Jahr 2000 Einkaufszettel, nachdem sie im Rinnstein auf einen Zettel aufmerksam wurde, auf dem „15 x Kohlwurst für Frau Jäger“ notiert war. Die Frage „Was macht Frau Jäger mit so viel Kohlwurst?“ schoss der Autorin durch den Kopf und sie sah sich den Einkaufszettel genauer an. Auf welchem Papier, mit welchem Stift und in welcher Handschrift war er geschrieben worden? Weitere aufgesammelte Zettel aus Einkaufswagen, auf Parkplätzen oder im Altpapier kamen dazu und ein ganz spezielles psychologisches Universum tat sich Sandra Danicke auf. Für sie ist jeder Einkaufszettel zudem ein Kunstwerk, Joseph Beuys hätte an manchen seine Freude gehabt.

In dem Buch kann man sich auf knapp 160 Seiten in dem Einkaufszetteluniversum verlieren. Der Abbildung eines Zettels auf der rechten Seite wird links eine Interpretation dieses Schriftstücks gegenüber gestellt. Das ist witzig zu lesen, beißender Spott ist der Autorin nicht fremd.

Das Papier ist meistens weiß, gefolgt von pink, grün, gelb. Alte Briefumschläge, Pappunterteller aus der Bäckerei, Zettel von einem Hotel- oder Apothekennotizblock werden gerne genommen. Auch die Größe der Zettel variiert. Mikroskopische Schnipsel messen sich mit fleckigen DIN A 5 Karoblättern.
Geschrieben wird zumeist mit Kugelschreiber, Filzstift (gerne pinke Farbe), Bleistift oder Buntstift (mal eben geklaut vom Sohnemann). Ein Zettel ist aber auch am PC verfasst worden und sticht hervor durch seine Akkuratesse.

Die Handschrift- ein ganz weites Feld für Deutungen! Romantisch, zielstrebig, chaotisch, es gibt nichts, was es nicht gibt. Auch interessant, wo auf dem Zettel Wörter geschrieben werden. Zumeist linksbündig untereinander, aber es gibt auch kreative Geister, die Wörter wild verteilen und dann im Supermarkt ihrem Gehirn direkt eine kleine Challenge anbieten. Ein Einkaufszettel sieht wie ein waagerechtes Silbenrätsel aus.

Kommen wir zu den Dingen, die eingekauft werden müssen. Das nächste Saufgelage wird geplant, am Samstag startet eine Grillorgie, hat da jemand etwa einen Putzfimmel? Die Aussagen mancher Zettel sind eindeutig. Einige notierende Personen scheinen ein schlechtes Gedächtnis zu haben, denn Wörter tauchen mehrmals auf ihrem Zettel auf. Werden Markenprodukte aufgeschrieben oder einfach nur „Schokolade“, „Klopapier“ oder „Kaffee“?
Spannend oder lustig wird es bei Abkürzungen oder Einkaufszetteln aus der Schweiz, wo man dann untereinander Müsli-Küchli-Käsli lesen kann.

Besonders interessant fand ich die Einkaufszettel, die von mehreren Personen geschrieben wurden. Mal waren die verschiedenen Handschriften vermischt, dann wieder exakt getrennt. Oder jemand hat einen Einkaufszettel geschrieben, eine andere Person kommentiert ihn mit Ausrufezeichen, verbessert, streicht durch oder macht exakte Angaben. Ein Hauch von Ehedrama haftet einigen Zetteln an.

Drei Einkaufszettelthemen werden in diesem Buch nicht besprochen. Welche Dramen können sich abspielen, wenn
a) man die Schrift nicht lesen kann, mit der der Einkaufszettel geschrieben wurde, man Abkürzungen nicht versteht oder im Laden die gewünschten Produkte nicht findet.
b) man den Einkaufszettel zuhause vergessen hat! Ein paar Stichworte: Zermartern des Gehirns, wenn man weiß, dass im Einkaufswagen noch irgendetwas fehlt, sich aber nicht erinnert, was es ist.
Vergebliche Versuche, eine Person telefonisch zu erreichen, um Auskunft zu erbitten oder erfolgreiche Versuche, die mit spitzen Bemerkungen am anderen Ende der Leitung begleitet werden.
c) Zuhause merken, dass man etwas Wichtiges vergessen hat…

Das Universum des Einkaufszettels ist bedroht, denn immer mehr Menschen starren auch beim Einkaufen auf ihr Handy. Der Einkaufszettel ist tot? Lang lebe der Einkaufszettel- Freigeister, schreibt Einkaufszettel!