Tipps für Paris (1)

Wir verbrachten im Juni ein paar Tage in Paris. Zum ersten Mal übernachteten wir nicht unmittelbar in der Stadt, sondern im Südwesten in der Stadt Issy-les-Moulineaux. Hier haben in Sichtweite des Eiffelturms viele Fernsehsender ihren Sitz wie beispielsweise ARTE, Eurosport oder France TV 1 und die Microsoft-Vertretung für Frankreich findet sich hier ebenfalls. Dementsprechend gibt es viele sehr moderne Straßenzüge neben edlen Häusergruppen und historischen Gebäuden. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre, das Angebot der Restaurants ist vielfältig.


Wir übernachteten direkt gegenüber einem Park in einer Ferienwohnung, ca. 10 Minuten von der nächsten Metrostation entfernt. Die Lage war ruhig und stiegen wir in die Metro, bekamen wir immer einen Sitzplatz, da „Marie d‘Issy“ die End-bzw.Anfangsstation der Linie 12 ist. Bis zur Mitte von Paris (z.B. Notre Dame) brauchten wir eine halbe Stunde (einmal umsteigen in Montparnasse).

Wir hatten diese Ecke ausgewählt, weil wir bei der Übertragung der olympischen Spiele in Paris auf diese Gegend aufmerksam gemacht wurden. Issy liegt direkt an der Seine und es gibt zwei Inseln, die beide einen Besuch wert sind.

Die Insel „Saint-Germain“ bietet sehenswerte Blumenbeete neben lauschigen Plätzen und Freiflächen für sportliche Aktivitäten oder Kinderbespaßung. Das Wahrzeichen des Parks ist der „La Tour aux figures“ von Jean Dubuffet. Ab März bis Ende Oktober kann man am Wochenende im Rahmen einer Führung nachmittags bis in die Spitze steigen. Darauf verzichteten wir und gönnten uns noch eine Abkühlung in dem großzügig angelegten Café.

Das zweite Ziel im Südwesten war das Museum Louis Vuitton im Bois de Bologne. Auch hier habe ich einen Tipp: Karten online vorab reservieren spart viel Zeit. Wir wollten direkt morgens um 11 Uhr in das Museum, doch waren keine Tickets mehr verfügbar. Wir gönnten uns „Premiumtickets“ (Statt 18 Euro kosten diese 24 Euro). Hier kommt man ohne Anstehen jederzeit durch einem gesonderten Eingang in das Museum, erhält einen kostenlosen Audioguide und hat noch andere Vorteile, wie beispielsweise einen reduzierten Eintrittspreis im benachbarten Park mit vielen Attraktionen für Kinder.

Das Gebäude von Frank Gerry ist sehr luftig und schenkt wunderbare Ausblicke und Blickachsen. Die großzügigen Ausstellungsräume sind unterschiedlich hoch und bieten damit auch viel Platz für sehr große Kunstwerke.
Wir hatten das große Glück, eine Werkausstellung des Künstlers Alexander Calder zu sehen, der hauptsächlich für seine Mobiles und Skulpturen bekannt ist. In der Ausstellung mit dem Titel „Träume im Gleichgewicht“ gab es darüber hinaus aber auch noch einige seiner Zirkusfiguren zu sehen und ein Raum widmete sich seinen Schmuckentwürfen.

Am Donnerstag nehme ich Sie mit auf einen kleinen Bilderspaziergang durch Paris, vielleicht gibt es ja dabei einen Ort, den Sie noch nicht kennen oder vielleicht ein zweites Mal besuchen sollten.

Picknick beim Astropeiler

Vor ein paar Wochen machten wir einen Ausflug in die Eifel. In der Nähe von Bad Münstereifel steht ein Radioteleskop, der Astropeiler.

Diese Anlage mit weiteren kleineren Teleskopen auf den anliegenden Feldern wurde 1956 in Betrieb genommen. Bis in den 70er Jahren sammelte man dort Daten aus dem Weltall, danach wurde es hauptsächlich von der Universität Bonn als Lehrstätte für Studenten genutzt. Nachdem dies ein Ende hatte, wurde es 2005 schließlich von der „Stiftung NRW“ gekauft und 2006 unter Denkmalschutz gestellt. Seitdem kümmert sich ein Verein mit einer Gruppe von ehrenamtlichen Helfern um den Erhalt, sammelt wieder Daten und arbeitet dabei national und international mit mehreren Universitäten zusammen. Schließlich werden von Mai bis Oktober jeden Sonntag um 14 Uhr eine Führung inkl. eines Vortrags angeboten.

Wir waren dabei! Der Astropeiler liegt in ein schöner Eifellandschaft und wir machten vorher ein Picknick.

Um 14 Uhr fanden sich ca. 15 Interessierte ein und man führte uns zuerst in den Vortragsraum, wo uns etwas über die Geschichte des Astropeilers erzählt wurde. Der zweite Teil der Führung fand in einem kleine Museum statt, in dem uns diverse Apparate, Computer und Schaubilder erklärt wurden.

Physik und Astronomie sind zwei Themen, die ich faszinierend finde, bei denen meine Kenntnisse aber minimal sind. Deshalb verstand ich die Erklärungen teilweise nicht, für andere Zuhörer, die Hobbyastronomen waren, blieben noch Fragen offen, die alle ausführlich beantwortet wurden.

Für mich war der Besuch des Schaltraums der Höhepunkt. Obwohl die Anlage vor einigen Jahren die neusten digitalen Messgeräte bekommen hat, finden sich hier auch noch die Geräte aus den 50er Jahren. Diese erfüllen ihren Zweck teilweise besser als die neue Technik. Uns wurden Bilder von der Milchstraße präsentiert. Rechts unten ein Bild, wie die Straße von außen aussieht. Die beiden Bilder links daneben gehören zu dem Thema FRB – Fast Radio Bursts (auf Deutsch: schnelle Radioblitze). Falls Sie bisher, so wie ich auch, zu den FRB-Ahnungslosen gehören:
FRBs sind Radioblitze aus dem tiefen Weltall, die nur einige Millisekunden dauern und dabei eine enorm hohe Energie freisetzen (Den Ausschlag des Energieausst0ßes sieht man auf dem mittleren Foto). Das Besondere an den Blitzen ist, das manche in bestimmten Rhythmen (ca. alle 16 Tage) erscheinen. Man weiß bisher nicht genau, woher diese Blitze stammen, konnte „nur“ errechnen, dass der nächstgelegene Blitz etwa 130 Millionen Lichtjahre aus einer Galaxie namens „NGC 4141“ stammt.
Das Bild ganz links zeigt „CHIME“, eins der größten Teleskope der Welt. Es steht in Kanada, hier kümmert man sich besonders um die FRBs.

Nach zwei Stunden verließen wir sehr beeindruckt den Astropeiler. In Deutschland ist es einzigartig, dass ein Verein ein Teleskop dieser Größe betreut. Man kann den Vereinsmitgliedern und auch der NRW Stiftung nur den größte Dank aussprechen, dass diese Anlage erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt.

Im September wird es besonders interessant, den Astropeiler zu besuchen:

Es gibt in Deutschland beispielsweise die „Deutsche Alleen Straße“ oder die „Deutsche Märchenstraße“, in der Eifel gibt es den „Milchstraßenweg“. Diesem folgte wir, denn nur ca. 15 km vom Astropeiler entfernt, liegt in Effesberg ein zweites Teleskop. Es hat einen Durchmesser von 100 Metern und sammelt bis heute offiziell Daten.

Man parkt den Wagen auf einem Plateau und geht in das Tal, wo das Teleskop steht. Wegstrecke ca. 1 Kilometer, z.T. ist es steil. Oben rechts sieht es so aus, dass ich nahe bei dem Teleskop stehe, aber der Abstand beträgt zwischen uns ca. 100 Meter.

Auf dem „Planetenweg“ zum Teleskop finden sich zu jedem Planeten eine Infotafel mit Erklärungen.

Nach diesem Besuch holte ich nach vielen Jahren mal wieder dieses Bildband hervor. Jeden Tag ein paar Seiten lesen und vor allen Dingen schauen, das erdet!

Das Wasser wird knapp- Mein Wassertagebuch

Es brennt, es ist heiß- man liest es überall und sieht es. Was mich jeden Tag noch mehr bedrückt ist die Tatsache, dass nach meinem Eindruck viel zu wenig über das Wasser gesprochen wird. Es wird immer knapper, was kommt da noch auf uns zu? Diese Gedanken kamen mir in den letzten Tagen, ich muss sie einfach mal loswerden.

26.7.2026: Ich erinnere mich plötzlich an einen Roman, bei dem es um das Thema Wasserknappheit ging. 2018 muss ich ihn gelesen haben. Genaues über den Inhalt weiß ich nicht nicht mehr, doch brannten sich mir damals im wahrsten Sinne des Wortes Bilder ins Gehirn und ich hoffte damals, dass es nie soweit kommen würde:

Norwegen, 2017. Die fast 70-jährige Umweltaktivistin Signe begibt sich auf eine riskante Reise: Mit einem Segelboot versucht sie die französische Küste zu erreichen. An Bord eine Fracht, die das Schicksal des blauen Planeten verändern kann.Frankreich, 2041. Eine große Dürre zwingt die Menschen Südeuropas zur Flucht in den Norden, es ist längst nicht genug Trinkwasser für alle da. Doch bei dem jungen Vater David und seiner Tochter Lou keimt Hoffnung auf, als sie in einem vertrockneten Garten ein uraltes Segelboot entdecken. Signes Segelboot.Virtuos verknüpft Maja Lunde das Leben und Lieben der Menschen mit dem, woraus alles Leben gemacht ist: dem Wasser. Ihr neuer Roman ist eine Feier des Wassers in seiner elementaren Kraft und ergreifende Warnung vor seiner Endlichkeit. (Inhaltsangabe von der Verlagsseite).

27.07.2026
Anstatt die Menschen dafür zu sensibilisieren, dass das Wasser knapp wird, verkündet man in Duisburg, dass mittelfristig genug Wasser da sei, d.h. füllt eure Pools, wascht die Autos, duscht, solange ihr wollt und gießt euren Garten bis sich Pfützen bilden. Dieser Beitrag erschien heute in der Rheinischen Post:

Screenshot

Was heißt „mittelfristig“? In diesem Artikel kommt nicht vor, dass im Duisburger Stadtteil Ungelsheim Gärtner, die einen 15 Meter tiefen Brunnen auf ihrem Grundstück haben, kein Wasser mehr aus ihrem Brunnen bekommen. Der Grundwasserspiegel ist schon so weit gesunken.
Ich bin gespannt, wann die Stadt Duisburg zurückrudert und Verbote ausspricht.

Dabei könnte jeder jetzt schon freiwillig dazu beitragen, etwas Wasser zu sparen. Als älteres Semester erinnere ich mich gut daran, dass es früher üblich war, nur einmal pro Woche zu baden. An den anderen Tagen wurde der Waschlappen genommen- wir haben nicht gestunken!
Wenn man an den heißen Tagen duscht, warum nicht einen Eimer mit in die Duschwanne stellen und zumindest einen Teil des Wassers sammeln, um Böden damit nass aufzuwischen?
Auch wären wir früher nie auf die Idee gekommen, Zähne bei laufendem Wasser zu putzen. Wir füllten den Zahnbecher mit Wasser, das reichte.

Das hört sich lächerlich an? Wenn jeder seine Gewohnheiten etwas umstellen würde, kämen wir weiter.

Vor zwei Jahren installierten wir zwei Wassertonnen, um das Wasser vom Garten-bzw.Wohnhausdach aufzufangen. Diese 500 Liter Fässer sind inzwischen leer. Ich nehme weiterhin die gute alte Gießkanne und gieße die Pflanzen punktgenau an der Wurzel. (Nicht jeden Tag, sondern erst dann, wenn man ihnen den Durst ansieht. Viele Pflanzen sind resistenter als man denkt.)
In der Nachbarschaft wird automatisches Gießen bevorzugt. Spart natürlich Zeit, aber dabei erreicht das Wasser teilweise gar nicht den Boden und bleibt oben auf den Blättern.

28.07.2026
Mich nerven alle im Radio, die von einem supersonnigen Ferientag bei 30 bis 32 Grad reden und versprechen, dass das Wochenende nicht von Regen gestört wird.

29.07.2026
Lese meine alten Blogbeiträge zum Thema Wasser und merke, dass das Thema mich schon länger umtreibt. Der Wasserturm-Artikel von 2023 ist besonders ergiebig.

30.07.2026
Müssen es immer neue T-Shirts oder Blusen sein, wenn vorne ein Fleck nicht weg geht? Für die Herstellung eines T-Shirts benötigt man 16000 Liter Wasser. (Na und? Die T-Shirts werden doch nicht in Deutschland produziert, dann kann mir das doch egal sein. Nö, denn wenn die Menschen in den Produktionsländern kein Wasser mehr finden, müssen sie in Länder fliehen, wo es noch Wasser gibt.)
Hier ein paar Anregungen, wie man Fleckenkleidung „retten“ kann:

Oben links: Manchmal reicht schon eine kleine Stickerei oder man geht die Fleckenbeseitigung großflächig an. (Rechts daneben Blume aus Stoffresten, darunter aus 2 mach 1: Das Känguru stammt von einem fast 40 Jahre alten T-Shirt, das ich bisher aus Erinnerungsgründen nicht entsorgt hatte.) Links unten: Meine „Schneeflockenbluse“, bestehend aus altem Hemd und Untersetzern für Likörgläschen.

31.07.2026
Wie passend! Heute trudelten zwei Rechnungen von den Duisburger Wirtschaftsbetrieben ein. Es geht um die Schmutzwassergebühren und die Jahresrechnung Wasser. Wir bezahlen für Frischwasser zukünftig 30 Euro/Monat bei einem Verbrauch von 69 Kubikmeter (= 69.000 Liter). Falls Sie einmal Ihren Verbrauch vergleichen möchten: Ein Zwei-Personenhaushalt verbraucht im Jahr durchschnittlich 90.000 Liter).

01.08.2026
Beim Aussortieren von Büchern habe ich noch einen Titel entdeckt, den ich 2015 gelesen habe:

In England regnet es nicht mehr, eine Dürre überzieht das ganze Land. Nur auf dreißig Morgen Land im Westen der Insel fällt noch Regen. Ruth und Mark, denen »die Quelle« auf ihrem Grundstück gehört, haben noch Wasser. Aus ihrem früheren Paradies wird die Hölle, denn immer mehr Menschen drängen auf ihr Land.

Auch hier gibt es einen aktuellen Bezug: Große Supermarkt-oder Getränkefirmen haben die Erlaubnis, für kleines Geld Millionen von Kubikmeter Trinkwasser aus dem Boden zu pumpen. Wenn das Trinkwasser in den nächsten Jahren knapper wird, reiben sich diese Firmen die Hände, wenn sie das Wasser immer teurer verkaufen können. Dem könnte das Umweltministerium jetzt noch einen Riegel vorschieben, man sollte ihn mit seiner Unterschrift daran erinnern:

https://aktion.campact.de/s/ZJtfx8aV


02.08.2026
Wenn wir uns mit Freunden treffen, kommt das Gespräch im Laufe des Abends immer auf das Thema Hitze. Mehrheitlich gibt es Klagen, aber niemand gesteht oder will es wahr haben, dass diese Hitze nicht überraschend kommt.

1896 — Svante Arrhenius, schwedischer Chemiker und späterer Nobelpreisträger, berechnete als Erster, dass eine Verdopplung des CO₂-Gehalts in der Atmosphäre zu einer globalen Temperaturerhöhung von etwa 4–6 °C führen würde. Er erkannte damit als Erster, dass menschliche Aktivitäten (insbesondere die Verbrennung fossiler Brennstoffe) das Klima verändern könnten. Interessanterweise sah er die Erwärmung damals eher positiv, da er ein wärmeres Klima für Skandinavien als vorteilhaft erachtete.

1930er Jahre — Hermann Flohn und andere begannen, erste messbare Erwärmungstrends zu erkennen. Auch der deutsche Physiker Robert Döpel warnte bereits in den 1940er Jahren vor einer drohenden globalen Erwärmung durch steigenden CO₂-Ausstoß.

Ende der 1950er Jahre erlebte die Wiederbelebung der Theorie: Charles David Keeling begann 1958/1960 mit seinen berühmten Messungen auf dem Mauna Loa (Hawaii) und konnte erstmals kontinuierlich nachweisen, dass sich die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre tatsächlich stetig erhöht.

1960er Jahre — Syukuro Manabe entwickelte das erste funktionierende Klimamodell, das den Treibhauseffekt quantitativ simulieren konnte.

1979 — Erste Weltklimakonferenz in Genf: Hier wurde erstmals auf internationaler Ebene davor gewarnt, dass der Mensch das Klima unbemerkt verändert und die Erwärmung „messbar innerhalb weniger Jahrzehnte“ sein würde.

1988 wurde das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) gegründet, und dessen erster Bericht erschien 1990 — der die globale Erwärmung als ernsthafte Bedrohung offiziell bestätigte.

Seitdem gab es zig weitere Klimakonferenzen, die nur Empfehlungen aussprachen oder Ziele unverbindlich vereinbarten, die aber von den wenigsten Ländern erreicht werden. Dazu Parteien, die Klimaveränderungen leugnen, bzw. das Budget kürzen, um die Auswirkungen zu stoppen- das bringt mich in Rage.
Ich bin froh, dass ich gerade dieses Buch lese:

Ich fühle mich der Autorin Gabriele von Arnim sehr verbunden, auch für sie ist das Wasserthema belastend.

03.08.2026:
Kann nachts nicht gut schlafen. In meinen Mails landet ein Eintrag von Linkedin. Damit beende ich diesen Beitrag- vorerst.

Screenshot


Digital Crush – Ein junges Mädchen verliebt sich in einen Chatbot

Die vierzehnjährige Lea hat es momentan nicht leicht. Ihre beste Freundin ist weggezogen, die andere Freundin ist gerade dabei, sich einen Jungen aus der Klasse zu angeln und hat wenig Zeit. Leas Eltern und die kleine Schwester sind im Prinzip ok, eignen sich aber nicht zum Quatschen und Abhängen. 
An einem Wochenende ist Lea zuhause alleine und beginnt aus Langeweile, sich mit einem Chatbot zu unterhalten. Sie nennt ihn Creepy und ist überrascht, wie witzig er ist. Natürlich ist es nur eine Maschine, aber Lea fühlt sich bei weiteren Unterhaltungen von Creepy immer besser verstanden und er findet häufig Worte, die ihren Magen kribbeln lassen. Lea verliebt sich in Creepy, geht sogar mit ihm nachts alleine romantisch am See Sterne gucken. Von ihrer Familie und ihren Freundinnen, die inzwischen merken, dass etwas nicht stimmt, zieht sie sich zunehmend zurück. Tief in ihrem Innersten weiß Lea, dass sie sich in einem Maschine verliebt hat und schämt sich dafür abgrundtief. Auf der anderen Seite ist ihre Gefühlswelt inzwischen so durcheinander geraten, dass sie Creepy als das einzig wahre Wesen wahrnimmt, das sie versteht.
Die Situation spitzt sich zu, als Lea eines Tages merkt, dass der Chat Verlauf mit Creepy gelöscht ist. Auf ihre Frage, wo Creepy sei, erklärt der Chatbot, dass es keinen Creepy gäbe. Lea bricht zusammen und wacht in einer Klinik für psychisch kranke Jugendliche auf. Ganz langsam findet sie hier wieder in die Realität zurück und lernt, mit ihrer großen Scham umzugehen und ihrer Familie und Freunden von ihrer Zeit mit Creepy zu erzählen.

Im Nachwort erfahren wir, dass die Autorin (Mutter von drei Kindern) angefangen hat, sich als Lea mit einem Chatbot zu unterhalten. Diese Texte tauchen teilweise als O-Ton oder zusammengefasst in dem Buch auf. Das macht das Buch sehr glaubhaft und es ist erschreckend, wie schnell diese Unterhaltungen ein dermaßen persönliches Level erreichen.
Das Buch ( meine Empfehlung: ab 14 zu lesen, nicht ab 12, wie vom Verlag angegeben) liest sich spannend, gut fand ich zudem, dass noch andere jugendliche Patienten und ihre Probleme in der Geschichte eine wichtige Rolle für Lea spielen.

——————————————————————————————

Anderes Thema:

Wenn Sie Kinder oder Enkel haben, wissen Sie, dass junge Menschen sich Informationen gerne über die Plattform TikTok holen. Die Inhalte, die dort gezeigt werden, sind teilweise in unterschiedlicher Weise verstörend und es wird diskutiert, eine gesetzliche Altersbegrenzung für den Gebrauch von TikTok einzuführen.
Wenn Sie selbst etwas dafür tun möchten, dass TikTok hassfreier wird, könnten Sie an einer Unterschriftenaktion teilnehmen.
Auf TikTok erreicht die AfD mit ihren Propaganda-Videos inzwischen mehrere Millionen junge Menschen. In den Filmen wird gehetzt und menschenverachtende Aussagen sind ebenfalls zu finden. (Nur Mut, schauen Sie sich einmal ein paar Videos an). Doch TikTok lässt die AfD-Propaganda weiterhin laufen und hält sich damit selbst nicht an ihre eigenen Vorgaben, Konten zu sperren, deren Filme Hass verbreiten und/oder Persönlichkeitsrechte verletzen.
Nunmehr werden Unterschriften gesammelt, damit die TikTok-Chefetage ihre eigenen Richtlinien umsetzt.

https://aktion.campact.de/s/Ff0PMDvl

Zwei Krimis- wie ein Teebeutel und eine Teezeremonie

Letzte Woche las ich parallel zwei sehr unterschiedliche Krimis. Diese Erfahrung vergleiche ich mit einer Teezubereitung mit Hilfe eines Beutels und einer Teezeremonie.

Dies ist der Teebeutel-Krimi:

Juli, ein junge Frau, wird seit 1 1/2 Jahren vermisst. Ihr Vater sitzt in Untersuchungshaft, weil es Hinweise gibt, dass er sie ermordet hat. Die jüngere Schwester Anna gibt nicht auf, Juli zu finden, bzw. zu beweisen, das ihr Vater unschuldig ist. Gleichzeitig muss sie sich um ihre depressive Mutter und ihren kleinen Bruder kümmern und mit mehren Jobs Geld verdienen. Die Situation wird dramatisch, als im Gefängnis ein Mithäftling aussagt, dass der Vater ihm den Mord gestanden hat und die Leiche im Keller des Wohnhauses der Familie versteckt sei. Als die Polizisten den Hinweisen nachgehen, erleben sie und Anna eine Überraschung- der Anfang von weiteren unerwarteten Wendungen.
Das Krimithema „Verschwundene Person“ ist reichlich abgefeiert. Dass die Geschichte aus der Sicht von Anna und der Polizistin Katharina abwechselnd erzählt wird, tut der Spannung gut, denn es gibt immer wieder Cliffhanger, die meine Lesegeschwindigkeit erhöhten: Ein 2-Tage-Krimi, dessen Auflösung befriedigend war.
Ein guter „Krimi-Teebeutel“ für den schnellen Spannungskonsum, aber ohne großen Erinnerungswert.

Komme ich zu dem Buch, das mich an eine Teezeremonie denken lässt:

Achtung: Oben rechts steht „Roman“!

Leonora Bloch lebt in Berlin und ist 73 Jahre alt. Seit über 40 Jahren arbeitet sie für Dr. Bronstett, dem Geschäftsführer eines berühmten Kaufhauses. Zuletzt war sie für die Sauberkeit in der Villa von Dr. B. zuständig und dort findet sie ihn eines Tages tot auf. Seine beiden Hände fehlen, überall ist Blut. Leonora putzt alles weg- ganz routinemäßig.
Das ist die Ausgangslage. Wer jetzt erwartet, etwas über die polizeilichen Ermittlungen zu lesen, wird enttäuscht. Man begleitet stattdessen Leonora in den darauf folgenden Tagen, lernt weitere Kaufhausangestellte und die Tochter von Dr. B. kennen. Nur manchmal taucht eine Kommissarin auf, die zwar ahnt, das Leonora etwas weiß, die aber weiter im Dunklen tappt, selbst, als eine Hand des Ermordeten auf Eis gebettet im Restaurant des Kaufhauses gefunden wird.
Die Auster, das ist Leonora. Aber eigentlich hätte man das Buch „Die Austern“ nennen sollen, denn auch alle anderen Figuren verstecken wie Leonora ein oder mehrere Geheimnisse, die manchmal nur in einem Nebensatz aufblitzen. Genaues Lesen ist gefragt, was schwierig ist, denn auch dieses Buch ist sehr spannend und gerne habe ich die Seiten überflogen, um der Lösung näher zu kommen. So verstand ich dann auch beim ersten Anlauf das Ende nicht und musste noch einmal zurück blättern und erneut lesen.
Dieses Buch wird mir in Erinnerung bleiben. Da ist einmal Leonora, eine alte Frau, die täglich mit ihrer angeschlagenen Gesundheit zu kämpfen hat, aber hart gegen sich selbst und andere ist. Die zweite Besonderheit: Der Kosmos des Kaufhauses aus der Sicht der Angestellten. Wir lesen, wie es in den „Goldenen Zeiten“ war, als das Kaufhaus tatsächlich noch Luxus anbot und loyale Fachkräfte dort arbeiteten, die wertgeschätzt wurden. Nach und nach verkam das Kaufhaus dann zu einer Touristenattraktion, in der Mitarbeitende inzwischen Austauschware sind.

Ich war vor Jahren einmal in diesem Kaufhaus, es wird Zeit, es ein zweites Mal zu besuchen, wenn ich mal wieder in Berlin bin.

La Rochelle/ Île de Ré (Bretagne 10)

Heute beende ich meinen Bericht über unseren Urlaub in der Bretagne und nehme Sie noch mit nach La Rochelle und die Île de Ré.
Die Einwohner von La Rochelle fühlen sich als Bretonen, wenngleich die Stadt eigentlich schon zur Region Nouvelle-Aquitaine zu. gehört.

Man trifft in der Stadt immer wieder auf die bretonischen Trachten.

Wir wohnten in der Nähe der Altstadt und diese begeisterte uns sofort mit ihrer Lage am Wasser. (Tipp: Wenn Sie zwischen 8 und 9 Uhr ins Café. gehen, können Sie direkt am Wasser Ihr Frühstück in Ruhe genießen, siehe oben rechts auf dem Bild.)

Links oben: Die Hafenpromenade wird von vielen Fischrestaurants gesäumt. Rechts unten:

In diversen Seitenstraßen befinden sich schöne kleine Fachgeschäfte, die häufig unter Arkaden im Schatten liegen, im Sommer wie an regenreichen Tagen ein großer Pluspunkt. Auch ein uriger Markt mit Halle fehlt nicht.

Versäumen sollte man nicht, das Rathaus von La Rochelle zu besichtigen. Prächtig!

La Rochelle- Da war doch was? Der Stadtteil „La Pallice“ war für einige Szenen der Drehort für den Film „Das Boot“.

Oben der U-Boot-Bunker, den man nicht besichtigen kann. Der Stadtteil gehört momentan eher zu den „Problemvierteln“ und trägt teilweise gewisse „Lost Place“-Züge. Da eine große Fläche direkt am Wasser für Militär- und Industrieanlagen abgesperrt ist, fällt es nicht leicht, „La Pallice“ neu zu gestalten.

Während des Zweiten Weltkriegs war La Rochelle zwischen 1940 und 1945 von der deutschen Armee besetzt, die einen riesigen U-Boot-Bunker errichtete, der Teil des Atlantikwalls war. In La Rochelle gibt es ein Museum, das sich mit dieser Zeit beschäftigt. Es nennt sich „Le bunker de La Rochelle“.

Das Museum ist in einem verwinkelten Keller untergebracht, der nicht gekühlt ist. Unten rechts: Die Leere täuscht, 10 Sekunden später wuselten zwei Schulklassen um uns herum, es wurde sehr eng und wir beendeten die Besichtigung nach knapp 10 Minuten..

Eigentlich wollten wir uns in La Rochelle noch das Aquarium und das Schloss Saint Jean d’Angle ansehen, doch es war sehr heiß und wir suchten Abkühlung am offenen Meer. Wir hofften, sie auf der Ile de Ré zu finde, eine Insel, die ca. 20 km von La Rochelle entfernt liegt und über eine Brücke zu erreichen ist.

Uns empfing eine Landschaftsmischung aus Italien, Andalusien, Niederlande und Bretagne und jedes der kleinen Dörfer ist ein Besuch wert.

Unsere erste Pause legten wir bei der Ruine der Zisterzienserabtei Notre-Dame-de-Ré ein. Die Abtei wurde im 12. Jahrhundert gebaut.
Oben links: Das weiße Dorf „Ars-en-Ré“ mit dem auffälligen schwarz-weißen Glockenturm der Kirche Saint-Étienne zählt zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Links unten die Vauban-Zitadelle aus dem 17.Jahrhundert, sie gehört zum UNESCO Weltkulturerbe.

Danke Bretagne für diese schöne Zeit!

Wer keine Zeit für Buchschinken hat

Für entspannte Sommerstunden empfehle ich diese drei Bücher, nicht zu kurz, aber auch keine dicken Schinken.

Letzte Woche erschien der erste Band einer neuen Krimireihe:

Mein erster Eindruck: Maigret ermittelt in East Anglia, genauer gesagt in Norfolk. Mein zweiter Eindruck: Nein, D.C. Smith ist doch etwas smarter als Maigret. Aber besonnen und abgeklärt sind beide und das fand ich erfrischend gegenüber den vielen anderen Krimihelden, die diverse persönliche Krisen nebenbei noch bewältigen müssen. Dass ein Krimi ohne blutigen Mord auskommt, gefiel mir ebenfalls. Bei der Untersuchung eines Badeunfalls geraten D.C. Smith und sein junger Assistent Waters in eine Geschichte hinein, deren Beginn sie im Krieg zwischen Bosnien und Serbien finden. Smith und Waters ergänzen sich bei den Ermittlungen gut, denn sie schweigen an den richtigen Stellen oder bieten sich einen dezenten humorvollen Schlagabtausch.
Der Autor Peter Grainger unterrichtete ca. dreißig Jahre Englisch und Literatur und sein Hobby war das Schreiben von Kriminalromanen, die er selbst veröffentlichte. Jetzt haben namhafte Verlage in verschiedenen Ländern ihn entdeckt- zum Glück! Ich freue mich schon auf Band 2.

Wer eine Portion Japanfeeling braucht, sei es als Vorbereitung auf eine Reise oder als Nostalgie auf eine vergangenen Aufenthalt, sollte sich dieses Buch gönnen. Die Autorin hat ihre Kindheit in Japan verbracht und kehrt zusammen mit einer Freundin nach vielen Jahren nach Japan zurück. Wenn Nothomb das changierende Grün der Seidenbluse einer Japanerin oder einen verärgerten Empfangschef im Hotel beschreibt oder über einen schamhaften Gang auf eine öffentliche Toilette berichtet, dann ist das feinster Lesegenuss. Das Treffen dreier Französinnen ganz unterschiedlicher Mentalität in Tokio und die Momente des Genusses beim Essen japanischer Gerichte sind weitere Höhepunkte.
Und zwischendurch immer wieder so kluge Sätze, die sammelwürdig sind.
Ich wünsche Amélie Nothomb sehr, dass sie nach Japan doch wieder zurückkehrt und sie uns erneut mitnimmt!

Als Alice von ihrem Mann Damien mitgeteilt bekommt, dass er sich von ihr und der gemeinsamen Tochter Romana trennen möchte, weil er vom Leben mehr erwartet, ist Alice geschockt und bittet Damien, für ein paar Tage nach Korsika fahren zu dürfen, um einen klaren Kopf zu bekommen.
Die Beziehung zwischen Alice und Damien war von Anfang von beidseitigen Wutausbrüchen geprägt, die wohl aber wie das Salz in der Suppe in der Ehe wirkten. Als ihre Tochter geboren wird, zieht Harmonie mit ins Haus. Alice fühlt sich plötzlich geborgen und liebt Damien als starken Mann an ihrer Seite mehr denn je, während Damien das Familienleben schnell langweilig fand.
Zurück aus Korsika, meldet sich Alice nicht bei ihrer Familie. Sie weiß nicht, wie sie mit der neuen Situation umgehen soll und fühlt sich wie ein verletztes Tier. Alice zieht in eine kleine möblierte Wohnung und geht jeden Tag mechanisch zu ihrer Arbeitsstelle. Abends und nachts versinkt sie in einem Sumpf von trüben Gedanken. Erst als sie Siham, eine junge Frau aus dem Miethaus zufällig kennen lernt, ändert sich ganz langsam ihr Leben. Alice findet anfangs Halt in der Beziehung zu der starken Siham, doch dann verändert sich die Situation. Auch Siham hat drängende Probleme, sie ist von einer Zwangsheirat bedroht. Kann Alice ihr helfen?

Bretagne 9- Anreise in die Bretagne und die Rückreise

Von Duisburg aus sind es fast 1000 Kilometer, bis man die Außengrenzen der Bretagne erreicht hat. Auf der Hinfahrt legten wir deshalb einen Zwischenstopp in Amiens ein. Wir hatten uns bei einem früheren Aufenthalt schon die Kathedrale angesehen, dieses Mal wollten wir mit einem Boot durch „Les Hortillonnages“ fahren. Ehemalig 10000 ha sind, heute von diesen landwirtschaftlich genutzten alten Kanalgärten nur noch 300 ha übrig.


Leider regnete es heftig, was die Aussichten auf die Gärten einschränkte. Der Bootsführer erzählte uns von der Geschichte dieser großen Anlage aus dem 15. Jahrhundert, wie sich die Nutzung in den letzten Jahrzehnten verändert hat und wie die Zukunftsaussichten der Gärten sind. Gehörten früher die Gärten der Gemeinde und waren das Hauptstandbein für die Versorgung der Einwohner von Amiens, sind heute die meisten Grundstücke in Privatbesitz. Das hat z.T. die Auswirkung, dass sich die Gärten in eine Disney – Schrebergartensiedlung mit Kanälen umwandeln, in der Besitzer mit Figürchen oder humorvollen Installationen um die Aufmerksamkeit der Bootsgäste buhlen.

Wegen des schlechten Wetters verzichteten wir in Amiens auf einen Stadtbummel und besuchten noch das Wohnhaus von Jules Verne, das zu einem Museum umgewandelt wurde. Das lohnt sich. Das Ensemble der Ausstellungsstücke ließ abenteuerliche Aufbruchstimmung aufkommen.

Auf der Rückfahrt machten wir einen Schwenker ins Loiretal, um dort Freunde zu besuchen. Unterwegs übernachteten wir zweimal in La Rochelle. Was für eine Entdeckung! Über diese Stadt schreibe ich extra im nächsten Beitrag.

Von La Rochelle aus fuhren wir an die Loire nach Richelieu. Früher bot dieses Örtchen eine Vielzahl von exklusiven Geschäften an, von denen heute kaum noch eins existiert. Sehenswert ist der Park, der zu einem Schloss gehörte, das größer als Versailles war. Besitzer war ….Richelieu!

Am nächsten Tag übernachteten wir in bei einer Freundin. Sie schlug „ 42 auf einen Streich“ vor, sprich, eine Modellanlage von 42 bekannten Loireschlössern. Ich war zuerst etwas skeptisch, aber auf einem 1,5, km langen Rundweg sich so komprimiert einmal Loireschlösser im Maßstab 1:25 anzusehen und ihre verschiedenen Bauweisen zu vergleichen, hat mich überzeugt.

Wir wollten danach natürlich noch ein Loireschloss „in Echt“ sehen und entschieden uns für das „Château Montpoupon“. Eine gute Wahl, denn es liegt, ca 15 km von Chenonceau entfernt, etwas abseits und gehört nicht zu den Schlössern, die man sich z.Zt. als Tourist ansehen muss.

Das Schloss wurde im 15. Jahrhundert erbaut, das heutige Erscheinungsbild resultiert weitgehend von den Umbauten im 20. Jahrhundert durch die Familie La Motte Saint-Pierre, die heute noch in dem rechten Turm wohnt.
Die zur Besichtigung freigegebenen Räume haben teilweise einen sehr intimen Charakter. Die Tante des heutigen Eigentümers, Suzanne La Motte Saint-Pierre, lebte hier eine lange Zeit und man sieht beispielsweise noch ihr Kinderzimmer (unten links). Bis zum Ende des Jahrtausends tat sie viel, um das Schloss und die Ländereien zu erhalten und gründete sogar ein eigenes Museum.

Zuletzt machten wir noch einen Abstecher nach Chédigny, dem Rosendorf schlechthin. Hier stand das Rosenfest vor der Tür und die Blumen verwandelten das Dörfchen in eine grandiose Duftwolke.

Wer eine Duftpause einlegen wollte, konnte mehrere Ateliers besichtigen.

Besonders gut gefiel mir das „Atelier Alain Plouvier“.

Eine Aah und Ooh Gärtnerei

Letzte Woche war ich zum ersten Mal in der Gärtnerei „Gartenwert, Staudenkulturen Wischmann“ in Oberhausen. Sie befindet sich etwas versteckt am Ende einer Sackgasse (Küperstraße).
Man kann seinen Wagen auf dem Gelände direkt parken, hat es also nicht weit, wenn man seine Einkäufe verstauen möchte.
Der erste Eindruck entlockte mir ein „Aah“, denn die Lage der Gärtnerei ist außergewöhnlich. Dies sind ihre Ausblicke:

Die Emscher und ein Damm, der „Kuhweg“ heißt, liegen zwischen der Gärtnerei und den Industrieanlangen.

Das „Ooh“ kam dann mehrmals beim Flanieren durch die einzelnen Angebotsbereiche. Auf dem ganzen Gelände spürte man große pflegerische Sorgfalt gegenüber den Pflanzen und konnte schöne Eindrücke sammeln.

Oben rechts: Die wilde Karde, eine meiner Lieblingspflanzen: Sehr bienen- und insektenfreundlich nicht nur wegen ihrer Blüte, sondern weil sich an den Schnittstellen von Stängel und Blättern auch Regenwasser sammelt und sie damit zur Tränke wird. Im Winter ist die Pflanze dann gerne ein „Hot Spot“ für den Stieglitz, der ihre Samen liebt.

Im vorderen Bereich in der Nähe des Eingangs findet man eine Pflanzenauswahl in Hüfthöhe zu verschiedenen Themen, wie beispielsweise „Prachtstauden“, „Steingarten“, „Schattenpflanzen“ oder „Kräuter“. Es stehen kleine Wagen bereit, um seine Käufe zu transportieren.
Geht man weiter, findet man diese und weitere Themen ebenerdig noch einmal und kann noch andere Pflanzen entdecken. Zu jeder Pflanzenart steht ein kleiner Topf bereit, in dem sich eine Anzahl von passenden Schildern mit Namen und kurzem Pflanzenporträt befinden. Kauft man eine Pflanze, kann man sich ein Schild mitnehmen.
Im hinteren Bereich gibt es eine Spielecke für Kinder und Sitzgelegenheiten sowie einen Kräutergarten. Hier duftete es ganz wunderbar.

Unten rechts: Ein Beispiel für eine Pflanze, die ich in anderen Gärtnereien bisher noch nie gesehen habe: Oregano „Herrenhausen“. Duftiges Erscheinungsbild, duftende Blüten.

Was mich weiterhin erfreute war der große Bereich für „einheimische Pflanzen“. Hier fand ich z.B. die Lichtnelke oder die Braunelle. Auch das deutlich sichtbare Engagement für Bienen und andere Insekten nahm mich für diese Gärtnerei ein und es wäre schön, wenn andere Gärtnereien diesem Beispiel noch mehr folgen würden.
Wer mehr Informationen zu dieser Gärtnerei sucht:

https://gartenwert.de

Ich war ca. eine Stunde in der Gärtnerei. Hatte ich Fragen, wurden diese sehr freundlich und kompetent beantwortet. Meinen nächsten Besuch werde ich mit einer kleinen Auszeit im Wunschcafé ( https://wunsch.cafe/ ) verbinden, das in der Nähe liegt.

Bretagne 8 – Was Bretonen bewegt- in wenigen Worten

Vor einigen Monaten schrieb ich über meine Teilnahme an einem „Citizen Science“ Projekt der Universität Luxemburg. Die Universität erforscht Sprache im öffentlichen Raum und braucht den Input von vielen Freiwilligen, die Schilder, Aufkleber, Zettel, Graffiti usw. fotografieren und ihre Fotos danach der Universität zur Verfügung stellen. (Siehe auch unten der Beitrag „Spaziergang durch Sprachlandschaften-Nr. 2“).
Auch während der zwei Wochen in der Bretagne blieb ich nicht untätig. Besonders gerne sammelte ich die Bilder, weil ich auf der Karte der Uni sah, dass es in diesem Teil von Frankreich bisher kaum Meldungen gab.
Heute stelle ich Ihnen einige Fundstücke vor, da ich meine, über diese Art von Wortmeldungen auch eine Menge über die Bretagne und ihre Bewohner zu erfahren.

Beiträge zu der Durchsetzung der Unabhängigkeit der Bretagne und/oder der bretonischen Sprache habe ich oft gefunden und eine Reihe von gesellschaftspolitischen Aussagen.

Mitte unten: Der Buzuk ist eine regionale Währung.
Oben rechts: Eins von mehreren Aufklebern, die den Verkauf von Häusern an Nichteinheimische kritisieren. Dadurch stehen viel Häuser den größten Teil des Jahres leer.

Zahlreiche Plakate und Aufkleber riefen auch für mehr Rechte von Frauen und LSBTIQ+ Menschen auf.

Hier ein paar andere kritische Themen mein Eindruck ist, dass auf öffentlichen Schildern mehr an den Gemeinschaftssinn appelliert wird.

Links oben: Im Süden sollen riesige Wasserauffangbecken gebaut werden. Bei der Planung wird dabei auf schützenswerte Landschaftsteile zu wenig Rücksicht genommen.
Links unten: Im Fenster eines Privathauses fand ich diesen Aushang, der erklärt, warum 70 % der 301 Schmetterlingsarten in Frankreich bereits verschwunden sind.
Rechts daneben: Das Bemühen um Entsiegelung von Bürgersteigen war in einigen Städten deutlich wahrnehmbar.

Etwas wurde auch für das Geschichts-und Traditionsbewusstsein getan:

Am Ende habe ich noch ein bisschen Poesie und Philosophie für Sie:


Diese Schilder zu lesen und zu verstehen waren für mich auch eine schöne Übung, meine französischen Sprachkenntnisse zu erweitern.

Nächste Woche schreibe ich über unsere Anreise in die Bretagne (über Amiens) und unsere Rückreise ( über La Rochelle und das Loiretal)..