„Die Brandung“ – Ist ein Krimi der bessere Roman?

In Paris kommt eine Frau, 49, verheiratet, eine Tochter, Synchronsprecherin, gestresst von der Arbeit an einem Novemberabend gerade nach Hause, als ihr Telefon klingelt. Die Polizei von Le Havre ist am Apparat und fordert sie auf, am nächsten Tag für eine Aussage nach Le Havre zu kommen. Man hat am Strand eine männliche Leiche ohne Papiere gefunden, in der Jackentasche war nur ein Zettel mit ihrer Telefonnummer. Kennt sie den Mann? Warum hatte er ihre Nummer?
Nach dem vergeblichen Versuch, dieser Aufforderung nicht nachzukommen, fährt sie am nächsten Tag ans Meer und je näher sie Le Havre kommt, desto mehr Erinnerungen stürmen auf sie ein. Sie lebte mit ihren Eltern während ihrer Kindheit und Jugend in Le Havre und wäre fast an ihrer ersten Liebe zerbrochen. Sie war mit Carven zusammen, einem charismatischen Jungen, der für ein paar Monate nach Montreal ging und sich nach seiner Abfahrt nie wieder bei ihr gemeldet hat.
Sie macht eine Aussage bei der Polizei, gibt an, den Toten auf den Fotos nicht zu kennen. Der Kommissar glaubt ihr nicht, auch ist es seltsam, dass sie nicht nach Paris zu ihrer Familie zurückfährt, sondern in Le Havre bleibt. Sie recherchiert auf eigene Faust, denn sie selbst möchte wissen, was es mit der Telefonnummer auf sich hat und sie weiß, dass ihr Aufenthalt eine Chance für sie ist, mit der noch nicht verarbeiteten Vergangenheit abzuschließen.
Dieser Krimi ist ein toller, sehr abwechslungsreicher Roman! Die Spannung ist rund um vielschichtige Themen gewebt. Da ist zuerst einmal die Kriegsgeschichte von Le Havre, das von den Alliierten fast völlig zerbombt wurde. Die Straßennamen sind geblieben, doch die meisten Häuser wurden in einem für damalige Verhältnisse futuristischen Betonstil gebaut und die Erinnerungen der Einwohner wurden vernichtet. Wenn diese Stadtteile auch heute zum UNESCO Weltkulturerbe gehören, so bedeuten sie auch Tristesse und die Farbe Grau, die sich im Meer widerspiegelt. Aber beim Lesen erfährt man noch so viel mehr. Beispielsweise wird die Geschichte zweier ukrainischen jungen Frauen erzählt, die in einer Kneipe auf ihr Visum via App warten, um nach England auszureisen. Man erfährt, wie eine Schiffstaufe vor sich geht, über den Fechtkampf der Tochter, die Kunst des Synchronsprechens und deren Bedrohung durch Künstliche Intelligenz wird geschrieben oder, um noch einmal auf Le Havre zurückzukommen, wie Le Havre zum zeitweise größten Umschlagplatz für Drogen wurde.
Wenn die Frau durch das kalte Le Havre im November streift, von stürmischen Wellen am Hafen nass wird, hat man das Bedürfniss, einen heißen Tee zu trinken und riecht das Meer. Mit wenigen Worten arbeitet die Autorin Stimmungen in ihr Buch ein, das ist beste Literatur.
Wie schon bei dem Krimi „Die nackte Haut“ ist hier auch mein Urteil: Krimis können bessere Romane sein, denn sie haben als roten Faden die Spannung und ermöglichen damit den Autoren, ihre Herzensthemen in die Handlung einzubringen.

Meine Zeit der Collage, Hannah Höch gewidmet

In den letzten Monaten war die Künstlerin Hannah Höch bereits zweimal das Thema eines Beitrags in Form einer Buchbesprechung und einer Beschreibung über eine Museumsbesichtigung in Berlin. (Siehe unten). Mich lässt diese Künstlerin nicht los, zu sehr mag ich inzwischen ihre Werke, die zwischen Melancholie und Ironie pendeln. Sie sprach von sich als eine „Picassonatur“, „die sich immer wieder in neuen Formfindungen ausdrücken möchte.“ Veränderung, Entfaltung und Bereicherung ihrer Persönlichkeit waren ihr Herzensangelegenheiten.
Ich lieh mir in der Bibliothek dieses Buch aus, das anläßlich einer großen Werkschau in Mannheim 2016 erschien.

Unter diesen acht Überschriften kommt Hannah Höch selbst zu Wort und es werden viele Kunstwerke gezeigt.

„Bis heute versuche ich, das Foto konsequent auszubeuten. Ich benutze es wie Farbe oder wie der Dichter Worte“. Durch ihre Fotocollagen wurde sie erst bekannt, später berühmt, doch hat sie auch immer wieder andere Kunsttechniken angewandt, wie beispielsweise Aquarell- oder Ölmalerei oder kombinierte Mal-und Drucktechniken.
Besonders angetan haben es mir teilweise die Titel ihrer Werke. „Poesie um einen Schornstein“, „Propellerdisteln“ oder auch „Wenn die Düfte blühen“. Letzterer inspirierte mich zu dieser Fotodoppelbelichtung:

Doch ich wollte Hannah Höchs Tun nachspüren und fing Ende Januar an, selbst Collagen zu kleben. Gerne hätte ich mich mit Hannah unterhalten, wie sie vorgegangen ist, denn schnell merkte ich, dass ich viel Platz brauchte. Als Unterlage nahm ich weißes 280g schweres ca. A5 großes Papier. Entweder kam mir bei einem Wort eine Idee, zu der ich passende Bilder suchen musste oder bei einem Bild machte es „Klick“. So breitete ich mich erst einmal aus…

Immer wieder verwarf ich Zusammenstellungen, weil ein Fototeil plötzlich bei einem anderen Bild besser passte. Manchmal war ich „im Flow“, dann passierte einige Tage gar nichts mehr und traurig wurde ich, wenn ich plötzlich nicht mehr von einer Collage überzeugt war und sie frustriert auflöste. Wenn ich nach einer Woche immer noch Spaß an einem Bild hatte, klebte ich die Teile fest.
Diese Betätigung kann Glücksgefühle erzeugen, wenn man plötzlich das richtige Wort oder Fototeil findet. Zeitungen und Verlagsvorschauen liegen zerschnibbelt am Boden- weggeworfen wird erst einmal nichts, man weiß ja nie, wohin die Collagereise einen führt. Hier nun ein paar Bilder, die ich Hannah Höch widme.

Foto mit vier Collagen zu den Themen „Musik“,“Wohlfühlzeit“, „Lebensberatung“ und „Alltagsbewältigung“
Foto mit vier Collagen zum Thema „Rechte Gesinnung“, „Politische Forderung“, „Blick in die USA“ und „Die Wahrhaftigkeit einer Ikone“.

Catania und Taormina (Sizilien Nr. 2)

In Catania übernachteten wir in einem Hotel nahe dem Teatro Massimo Bellini, der Oper von Catania von 1890. Sie war unser erstes Ziel und unsere erste Begegnung mit der sehr üppigen Bauweise, die man in Siziliens Städten oft antrifft. Auf dem Platz vor der Oper ( auf dem Foto oben links) frühstückten wir gegen 11 Uhr, hier herrschte eine angenehm ruhige Atmosphäre.


Unser nächstes Ziel war die Kathedrale von Catania (Foto oben rechts), in der sich normannische und barocke Baustile mischen. Innen wird die Schutzpatronin von Catania, die Heilige Agathe, gefeiert.
Leider fing es nach dem Besuch zu regnen an und wir entschieden uns, an einer einstündigen Bustour teilzunehmen. Das sollte so sein, denn wir merkten schnell, dass die Strecken zwischen den einzelnen Sehenswürdigkeiten „nicht mal eben“ zu Fuß abgegangen werden können, wie es in manchen Reiseführern steht. Allein die Via Etnea mit prachtvollen Palästen und diversen teuren Geschäften ist knapp 3 Km lang, an einem Ende liegt der botanische Garten von Catania (Foto rechts unten), am anderen Ende das große Amphitheater (Foto unten links).

Die Busfahrt führte uns auch aus Catania heraus und wir steuerten den Ort Aci Castello an. Der Ätna ist nicht weit und nach mehreren Vulkanausbrüchen sind in dieser Gegend mehrere bizarre Felsformationen entstanden.

Fotocollage: Oben rechts die Burg von Aci Castello, rechts daneben der Ätna., darunter Zeugen der Ätnaausbrüche.

In Hinterhöfen in Catania und auf der Fahrt sahen wir auch mehrere Skulpturen (oft aus Lavastein) und Wandgemälde. Kunst scheint für Catania wichtig zu sein.

Die oben gezeigte Lavaküste heißt auch „Zyklopenküste“, so verwunderte es nicht,ein Zyklopenwandbild an einem Küstenhaus zu finden. Rechts daneben die Skulptur „Die Gerechte“ vor dem Justizpalast. Die Waage der Justitia wurde durch zwei Männer ersetzt, die Augen sind nicht verbunden, das Schwert fehlt.
Links unten: Seit dem 13. Jahrhundert ist der Elefant das Wahrzeichen von Catania. Rechts unten eine Sirene, der Seefahrer widerstehen müssen.

Nach der Busfahrt zeigte sich wieder die Sonne und wir besuchten noch den Fischmarkt und die Altstadt.

Hier werden die Gassen eng und verwinkelt und man lässt seiner Neugierde am besten freien Lauf und lässt sich treiben.

Wir waren nur eine Nacht in Catania und fuhren dann nach Taormina weiter. Im Rückblick ist Catania für mich ein guter Einstieg für die Besichtigung von Palermo gewesen. Catania ist übersichtlicher und entspannter und hat für mich einen etwas moderneren Anstrich. Mit dem „aufgeräumten“ Taormina die perfekte Mischung für ein langes Wochenende.

Taormina liegt oberhalb des Meeres und 5-Sterne-Aussichten werden an vielen Punkten geboten.

Mitte März sind noch nicht viele Touristen unterwegs und so war die Haupteinkaufsstraße „Corso Umberto“ (rechts oben) noch nicht überlaufen. Hier sind teure Mode- oder hochwertige Juweliergeschäfte Nachbarn von Souvenirshops und Cafés. Verlässt man den Corso, trifft man auf diverse römische Ausgraben (oben links), lauschige Ecken und kann mehrere Kirchen besichtigen.

Auch hat Taormina einen botanischen Garten, die „Villa Communale“, angelegt Ende des 19. jahrhunderts von der schottischen Adelige Florence Trevelyan.

Um diese Jahreszeit blüht es bereits üppig und auch kleinste Fleckchen werden aufgehübscht. Und überall ein Duft von Zitronen und Orangen…

Frisch gepressten Orangensaft gibt es hier überall für wenig Geld. Oder darf es Orangenkuchen sein? Auch viele sizilianische Stoffmuster zeigen die beiden Früchte.

Nächste Woche nehme ich Sie mit nach Palermo- Ciao!

Eine Woche auf Sizilien

In den nächsten Beiträgen erzähle ich Ihnen von unseren Aufenthalten in Catania, Taormina und Palermo. Das ausführliche Abarbeiten und Bewerten der üblichen Sehenswürdigkeiten überlasse ich anderen Internetseiten, bei mir gibt es Appetithäppchen, die Ihnen Lust machen sollen, diese Städte zu besuchen.
Wir flogen direkt von Düsseldorf nach Catania (ca. 2 1/2 Stunden) und nahmen uns ein Mietauto. Tipp Nr. 1: Sparen Sie in Sizilien nicht am Mietauto! Wir hatten die Firma „Automania“ ausgesucht, da sie es kostengünstig ermöglichte, den Wagen in einer anderen Stadt, nämlich Palermo, abzugeben. Großer Fehler! Die Schalter und Autos dieser Firma liegen weitab von den anderen Vermietfirmen und ich könnte einen einzelnen Beitrag nur über die Erlebnisse mit Automania schreiben. Lasse ich aber und stimme sie lieber mit ein paar Fotos auf Sizilien ein. Keine Touristenfotos, sondern „Mosaiksteinchen“: Details, Spiegelungen, Farbe. Die Zahl von Motiven in den Städten erfreute mein Fotoherz sehr und es gibt jetzt noch viel zum Sortieren und Bearbeiten.

Fünf Fotos, die zeigen sollen, dass ein genaues Hinsehen immer lohnenswert ist.

Wir haben in Catania und Palermo kleine Busrundfahrten unternommen. Diese Motive fand ich in den Fenstern der Busse.
Ob auf den Märkten, am Meer , in den Gärten, in den Straßen oder in den Cafés und Restaurants- es lebe die Farbe!

Catania und das nicht weit davon entfernte Taormina als Ziele für ein langes Wochenende- darüber schreibe ich nächste Woche.

Die nackte Haut

Die deutsche Jazzpianistin Jutta Hipp inspirierte den Autor bei seiner Hauptperson.

Wenn Sie sich auf den Krimi einstimmen möchte, hören Sie sich dieses Musikstück von Jutta Hipp an:

https://www.youtube.com/watch?v=Ki-qirkrvhw&list=PLpsdq8Ur_ubTeiaFAGqGbtz6eopgZxSYM&index=2

Das Buch:

Martha Kiesler ist Jazzpianistin aus Hamburg und wandert während des Krieges in die USA aus. In Deutschland wurde Jazz von den Nazis verboten und ihr Freund Willy kam durch einen Unfall ums Leben. In New York wird sie immer erfolgreicher, spielt sogar als weiße Frau in den Jazzlokalen von Harlem.
Ein O-Ton Dokument mit Jutta Hipp:

https://link.deezer.com/s/32qDvoFVrZg1vUGZPenW5

Doch dann kommt es zum großem Streit mit ihrem Manager und 1951 kehrt sie nach Hamburg zurück. Das ist die Vorgeschichte.
In St. Pauli trifft sie auf einige bekannte Gesichter. Friedhelm, ehemaliger Nazischerge, ist jetzt Polizist. Jack, der ein Jazzlokal eröffnen will, möchte, dass Martha bei ihm spielt. Martha nimmt das Angebot an unter der Bedingung, dass Jack auch den Bassisten Paul einstellt. Ihn hat Martha kurz zuvor kennengelernt. Er ist für Martha „ihr Musiker im Geiste“, hängt allerdings an der Nadel und wird als Deserteur von der US-Army gesucht. Doch Martha hält zu ihm, vielleicht weil er sie auch an Willy erinnert.
Jack stimmt schließlich zu, doch damit beginnt der Ärger, denn Paul hat noch andere Geheimnisse. Da sind Josie, ein zwölfjähriges Mädchen, das plötzlich bei Paul im Zimmer auftaucht, der gewalttätige Mike, mit dem Paul mehrmals aneinander gerät und ein Mann mit Strohhut, der auch gefährlich ist.
Über St.Pauli „thront“ darüber hinaus der Baulöwe Winter, der seine Finger nach Jacks Immobilie ausstreckt. Mit Winters Freundin Blondie ist Martha befreundet und durch sie bekommt sie die ersten Hinweise, dass Willy damals nicht durch einen Unfall gestorben ist.

St.Pauli liegt in Trümmern. Jeder Tag ist ein Kampf und alle versuchen, ihre nackte Haut zu retten und Kriegserinnerungen zu verkraften. Martha kann diese Welt vergessen, wenn sie einen gewissen Whiskypegel intus hat und auf der Bühne mit Paul und anderen Musikern Jazz spielen kann. Dann vibriert die Luft.
Leser/Leserin: Schnell auf einer Musikplattform die Musikstücke heraussuchen, die Martha spielt! Sich dann in der Musik verlieren, die damalige Atmosphäre nachspüren, das ist der große Anreiz dieses Buches. Dass es auch Krimizutaten enthält, das ist eine erfreuliche Begleiterscheinung.

Hört mein Handy mich ab?

Ich habe auf Instagram Beiträge zu Datenklau und KI gefunden, die ich für bemerkenswert halte. Das Handy hört nicht ab, aber trotzdem ist es einfach, jeden Handybenutzer zu manipulieren und z.B. punktgenaue Kaufangebote auf dem Bildschirm erscheinen zu lassen. Bei den großen Suchmaschinen stehen jetzt am Anfang immer KI generierte Texte. Es ist so praktisch, sie eben zu lesen und sich zu informieren. Aber was wird in diesen Texten gezielt weggelassen?
Wer sich die Beiträge von Alke Martens nicht direkt auf Instagram ansehen möchte, kann auf folgende Links klicken:

https://www.instagram.com/reel/DTNdBq3jFhe/?igsh=cHc2eXc2d21sb2J3

https://www.instagram.com/reel/DUnpfuyDCej/?igsh=bDEya2dpNDF6b29n

https://www.instagram.com/reel/DVdhsGbjCbH/?igsh=a3VyODJwY2JwNG16

„Duft Challenge“ für ein Jahr

Am vorletzten Sonntag besuchten meine Freundin und ich im Düsseldorfer Kunstpalast die Ausstellung „Die geheime Macht der Düfte“. Wir waren und sind von dieser Ausstellung, die wir uns 2 1/2 Stunden ansahen, derart begeistert, dass ich Ihnen einen Besuch sehr ans Herz legen möchte.
Man kann sie noch bis zum 22. März 25 besuchen. Sie ist in ihrer Konzeption auf der Welt wohl ziemlich einzigartig, das erfährt man in dem kurzen Einführungsvideo auf der Kunstpalastseite im Internet. In dem Video erklärt der Ausstellungskurator Robert Müller-Grünow, wie vielfältig das Thema Duft ist, welche Quellen er hinzugezogen hat und gibt einen Ausblick, wie der Einsatz von bestimmten Düften zukünftig immer mehr ein Thema in der Medizin sein wird.
Hier wird die Ausstellung beschrieben und das Video gezeigt:

https://www.kunstpalast.de/de/event/duefte

Ich hatte mich auf die Ausstellung nicht vorbereitet und erwartete eher eine nüchterne wissenschaftliche Darstellung über die Geschichte und die Erzeugung von Düften. So war ich überrascht, diese Ausstellung als integrierten Teil der permanenten Ausstellung des Kunstpalastes vorzufinden. In ca. 30 Räumen wurden verschiedene Aspekte von Düften dargestellt und die Kunstwerke korrespondierten mit diesen Aspekten. Dazu gab es jeweils verschiedene Duftstationen, wo Besucher Düfte „nasennah“ erfahren konnten. So toll!

Bekannte natürliche und chemische Düfte (z.B. der Duft des Waldes, 4711 versus Farina) wurden neben neu komponierten Düften präsentiert. Bei den Kompositionen waren einige alte Düfte dabei, die man anhand von historischen Quellen erstmals riechbar gemacht hat.

Hier ein paar Eindrücke zur Ausstellung:

Oben rechts: Zwei von ca. 20 berühmten Parfüms, die es heute noch gibt.
Der Duft Benzoin erinnerte mich an meine Kindheit.
Unten drei sogenannte Pomander, an denen man riechen konnte.
Wie hat sich der Duft von „Persil“ seit 1959 verändert? 1959 roch es ziemlich chemisch, 1986 eher blumig, 2000 angenehm neutral, 2025 „frisch“.

Mich lässt das Thema „Duft“ seitdem nicht mehr los, denn ich wurde durch die Ausstellung mal wieder daran erinnert, wie sehr Düfte das Leben bereichern können. Deshalb habe ich mit einer 365 Tage – Duft – Challenge angefangen: Jeden Tag einen anderen Duft bewusst wahrnehmen und notieren. Ich weiß nicht, ob ich das ein ganzes Jahr schaffe, aber wenn es drei oder sechs Monate sind, ist es auch gut, denn dann habe ich meine Nase trainiert.
Beim Riechen ist mir jetzt schon klar geworden, dass das Notieren auch etwas wie ein Tagebuch ist, denn durch Tätigkeiten tauchen plötzlich Düfte auf. Hier die Düfte der letzten achte Tage:

1.3.25: Hibiskusteeduft
2.3.25: Modriger Duft (Gartenteich entschlammt)
3.3.25: Duft einer ausgepustete Kerze (wir waren auf einer Geburtstagsfeier)
4.3.25: Duft von Pizza Funghi
5.3.25: Frische Bärlauchblätter
6.3.25: Der Duft im Innenraum eines Fahrstuhls
7.3.25: Der Duft von „Rotbäckchen“ (Ein Getränk aus meiner Kindheit)
8.3.25: Wick Vaporub

Mutpost

Kennen Sie den Podcast „COSMO Daily Good News“? So wird er auf der Homepage beschrieben:

Rechtspopulismus, Naturkatastrophen, Terrorismus: Bad News sind gut für das Geschäft. Deswegen schätzen wir die Weltlage oft düsterer ein, als sie wirklich ist. Die COSMO Daily Good News legen den Fokus auf die guten Nachrichten. Denn die Welt ist besser, als die meisten Menschen denken.

Ein Beitrag dauert jeweils ca. 2 Minuten, hier kann man ihn hören:

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/cosmo/daily-good-news/index.html

Vor einigen Tagen wurde in Cosmo über die Homepage „Mutpost“ berichtet, die vom Dresdener Werner-Felber-Institut für Suizidprävention nach einem englischen Vorbild ins Leben gerufen wurde.

Auf der Seite findet man kurze und längere Briefe, in denen Männer und Frauen anderen Menschen Mut machen möchten, weiterzuleben.
Diese Briefe können in jeder Lebenskrise Hoffnung vermitteln. Manche beschreiben anscheinend ausweglose Situationen, andere versuchen, Kraft für ein eigenes positiveres Selbstbildnis zu geben. Was diese Briefe auf jeden Fall schaffen: Sie vermitteln Mitgefühl und die Erkenntnis, nicht alleine zu sein, das ist wohl der größte Verdienst dieser Seite.

Jeder kann einen Mutbrief schreiben. Er wird geprüft und veröffentlicht, wenn er den Richtlinien entspricht. Hier geht es zu der Mutpost-Seite

Diese gute Idee verdient es, weitergetragen zu werden.

Als Spione ihre heile Welt verloren

Jakob Dreiser wächst in in den 60er und 70er Jahren in einem Dorf in Norddeutschland auf. Als Schüler ist er ein Außenseiter, denn er lernt freiwillig Russisch in Zeiten des Kalten Krieges und er schreibt Gedichte. Mit fünfzehn flüchtet er aus dem dörflichen Mief, schlägt sich durch und findet tatsächlich einen Verlag, der seine Gedichte druckt. 1989 wird er dann schlagartig berühmt. Die Mauer fällt, er und eine junge Poetin aus der ehemaligen DDR werden für die Literaturwelt mit ihren Gedichten das Gegenstück zu dem Skorpions und ihrem Lied „Wind of Change“. Die beiden treten auf Festivals und Lesungen auf und reisen als Botschafter des Friedens in der Welt herum.
Jakob hat mit 25 finanziell ausgesorgt und lebt in Rom. Dort ist er sehr beliebt, da er ein guter und intelligenter Zuhörer ist und seinen Mitmenschen immer mit einem optimistischen Lächeln begegnet. An einem Nachmittag geht er zu einem Empfang der russischen Botschaft. Er ist sehr dankbar, dass er aus seinem alten Leben flüchten konnte und seine permanente Angst aus den Zeiten des Kalten Krieges vorbei ist. Allerdings langweilt er sich auch ein bisschen und hört deshalb interessiert zu, als ihm von Dieter Germershausen ein Angebot macht, für ihn eine Aufgabe zu erledigen. Germershausen ist Mitarbeiter des deutschen BND und auch ab und zu mal des KGB und ist gar nicht erfreut, dass die klaren politischen Seiten des Kalten Krieges sich inzwischen in Luft aufgelöst haben. Er sieht das Ende seines Arbeitslebens vor sich und will in einem letzten Coup landen, um sich und seine Freundin so finanziell ausstatten, dass sie den Rest ihres Lebens sorglos verbringen können. Er plant, einen Hubschrauber in Kasachstan zu kaufen. Dank der schwammigen politischen Lage gibt es Hubschrauber dort zum Schnäppchenpreis und die kolumbianischen Drogenbosse zahlen gutes Geld für diese Flugzeuge.
Germershausen hat schon lange ein Auge auf Jakob geworfen, denn dieser ist sehr kommunikativ, während Germershausen am liebsten schweigt.
Jakob hilft und zeigt dabei ungeahnte Agentenqualitäten, die weit über die Befehle von Germershausen hinausgehen. Nicht nur die Hubschraubertransaktion hält für die beiden Überraschungen bereit, denn Germershausens, der über Jahrzehnte nur eine graue Maus unter den Agenten war, gerät durch seine Aktivitäten plötzlich in den Fokus von anderen Agenten.

Ach, was waren wir in den 90er Jahren blauäugig und dachten, Kalter Krieg und andere Kriege gehörten der Vergangenheit an. Der Autor nimmt sich diesem Thema auf humorvoller Weise an und würzt sein Buch mit John le Carré-und Jules Vernes Zutaten. Sehr unterhaltend!

Ehrenamt für Pflanzen und/oder Gartenfans

Der Frühling lässt sich in den nächsten Tagen blicken. Vielleicht die richtige Zeit, sich an der frischen Luft ein bisschen ehrenamtlich zu engagieren?

Blaue Windröschen


Vor einigen Wochen erzählte ich Ihnen über die Seite mitforschen.org, auf der verschiedene Institutionen die Mithilfe von Bürgern suchen. Unter dem Oberbegriff „Citizen Science“ helfen Bürger, Daten für Forschungszwecke zu sammeln. Ich mache bei einem Forschungsprojekt der Uni Luxemburg mit, bei der die Sprache im öffentlichen Raum anhand von Fotos erforscht wird. (Siehe unten der Link zu dem Beitrag).

Inzwischen habe ich noch zwei andere Aufgaben auf der Seite entdeckt, die mir auch gut gefallen.
Studierende der Universität Bochum untersuchen die Biodiversität von Friedhöfen und brauchen Daten über Pflanzen und Tiere, die auf Friedhöfen zu finden sind. In Zeiten, in denen Friedhöfe immer häufiger aufgegeben und zu Bauland erklärt werden, will man dokumentieren, wie wichtig Friedhöfe als Naturinseln für Städte sind.


Tiersichtungen melde ich direkt auf der Seite der Universität. Mit Hilfe der App „Flora Incognita“ fotografiere ich Pflanzen auf dem Friedhof. Die App bestimmt die Pflanze und fügt den Standort hinzu. Ich ergänze das Foto noch mit dem Schlagwort „Friedhof“. So können die Studierenden auf die Daten zugreifen. Hier wird das Projekt beschrieben:

Wenn Sie einen Garten haben, können Sie die Leipziger Universität unterstützen. Hier untersucht man, welche Pflanzen in Privatgärten zu finden sind und wie sich die Auswahl verändert unter der Berücksichtigung, dass Gärten für die heimische Tierwelt immer wichtiger werden und dashalb Gartenbesitzer bewusst das Pflanzenangebot verändern. Auch hier kommt die App „Flora incognita“ zum Einsatz, nur gibt man anstatt „Friedhof“ das Wort „Garten“ ein. Nähere Informationen dazu gibt es hier:

https://www.uni-leipzig.de/newsdetail/artikel/buergerwissenschaftsprojekt-gartendiv-erforscht-pflanzenvielfalt-in-deutschlands-gaerten-2025-05-19

Ich freue mich schon auf den Bärlauch…