Letzte Woche las ich parallel zwei sehr unterschiedliche Krimis. Diese Erfahrung vergleiche ich mit einer Teezubereitung mit Hilfe eines Beutels und einer Teezeremonie.
Dies ist der Teebeutel-Krimi:

Juli, ein junge Frau, wird seit 1 1/2 Jahren vermisst. Ihr Vater sitzt in Untersuchungshaft, weil es Hinweise gibt, dass er sie ermordet hat. Die jüngere Schwester Anna gibt nicht auf, Juli zu finden, bzw. zu beweisen, das ihr Vater unschuldig ist. Gleichzeitig muss sie sich um ihre depressive Mutter und ihren kleinen Bruder kümmern und mit mehren Jobs Geld verdienen. Die Situation wird dramatisch, als im Gefängnis ein Mithäftling aussagt, dass der Vater ihm den Mord gestanden hat und die Leiche im Keller des Wohnhauses der Familie versteckt sei. Als die Polizisten den Hinweisen nachgehen, erleben sie und Anna eine Überraschung- der Anfang von weiteren unerwarteten Wendungen.
Das Krimithema „Verschwundene Person“ ist reichlich abgefeiert. Dass die Geschichte aus der Sicht von Anna und der Polizistin Katharina abwechselnd erzählt wird, tut der Spannung gut, denn es gibt immer wieder Cliffhanger, die meine Lesegeschwindigkeit erhöhten: Ein 2-Tage-Krimi, dessen Auflösung befriedigend war.
Ein guter „Krimi-Teebeutel“ für den schnellen Spannungskonsum, aber ohne großen Erinnerungswert.
Komme ich zu dem Buch, das mich an eine Teezeremonie denken lässt:

Leonora Bloch lebt in Berlin und ist 73 Jahre alt. Seit über 40 Jahren arbeitet sie für Dr. Bronstett, dem Geschäftsführer eines berühmten Kaufhauses. Zuletzt war sie für die Sauberkeit in der Villa von Dr. B. zuständig und dort findet sie ihn eines Tages tot auf. Seine beiden Hände fehlen, überall ist Blut. Leonora putzt alles weg- ganz routinemäßig.
Das ist die Ausgangslage. Wer jetzt erwartet, etwas über die polizeilichen Ermittlungen zu lesen, wird enttäuscht. Man begleitet stattdessen Leonora in den darauf folgenden Tagen, lernt weitere Kaufhausangestellte und die Tochter von Dr. B. kennen. Nur manchmal taucht eine Kommissarin auf, die zwar ahnt, das Leonora etwas weiß, die aber weiter im Dunklen tappt, selbst, als eine Hand des Ermordeten auf Eis gebettet im Restaurant des Kaufhauses gefunden wird.
Die Auster, das ist Leonora. Aber eigentlich hätte man das Buch „Die Austern“ nennen sollen, denn auch alle anderen Figuren verstecken wie Leonora ein oder mehrere Geheimnisse, die manchmal nur in einem Nebensatz aufblitzen. Genaues Lesen ist gefragt, was schwierig ist, denn auch dieses Buch ist sehr spannend und gerne habe ich die Seiten überflogen, um der Lösung näher zu kommen. So verstand ich dann auch beim ersten Anlauf das Ende nicht und musste noch einmal zurück blättern und erneut lesen.
Dieses Buch wird mir in Erinnerung bleiben. Da ist einmal Leonora, eine alte Frau, die täglich mit ihrer angeschlagenen Gesundheit zu kämpfen hat, aber hart gegen sich selbst und anderen ist. Die zweite Besonderheit: Der Kosmos des Kaufhauses aus der Sicht der Angestellten. Wir lesen, wie es in den „Goldenen Zeiten“ war, als das Kaufhaus tatsächlich noch Luxus anbot und loyale Fachkräfte dort arbeiteten, die wertgeschätzt wurden. Nach und nach verkam das Kaufhaus dann zu einer Touristenattraktion, in der Mitarbeitende inzwischen Austauschware sind.
Ich war vor Jahren einmal in diesem Kaufhaus, es wird Zeit, es ein zweites Mal zu besuchen, wenn ich mal wieder in Berlin bin.






























































