Die nackte Haut

Die deutsche Jazzpianistin Jutta Hipp inspirierte den Autor bei seiner Hauptperson.

Wenn Sie sich auf den Krimi einstimmen möchte, hören Sie sich dieses Musikstück von Jutta Hipp an:

https://www.youtube.com/watch?v=Ki-qirkrvhw&list=PLpsdq8Ur_ubTeiaFAGqGbtz6eopgZxSYM&index=2

Das Buch:

Martha Kiesler ist Jazzpianistin aus Hamburg und wandert während des Krieges in die USA aus. In Deutschland wurde Jazz von den Nazis verboten und ihr Freund Willy kam durch einen Unfall ums Leben. In New York wird sie immer erfolgreicher, spielt sogar als weiße Frau in den Jazzlokalen von Harlem.
Ein O-Ton Dokument mit Jutta Hipp:

https://link.deezer.com/s/32qDvoFVrZg1vUGZPenW5

Doch dann kommt es zum großem Streit mit ihrem Manager und 1951 kehrt sie nach Hamburg zurück. Das ist die Vorgeschichte.
In St. Pauli trifft sie auf einige bekannte Gesichter. Friedhelm, ehemaliger Nazischerge, ist jetzt Polizist. Jack, der ein Jazzlokal eröffnen will, möchte, dass Martha bei ihm spielt. Martha nimmt das Angebot an unter der Bedingung, dass Jack auch den Bassisten Paul einstellt. Ihn hat Martha kurz zuvor kennengelernt. Er ist für Martha „ihr Musiker im Geiste“, hängt allerdings an der Nadel und wird als Deserteur von der US-Army gesucht. Doch Martha hält zu ihm, vielleicht weil er sie auch an Willy erinnert.
Jack stimmt schließlich zu, doch damit beginnt der Ärger, denn Paul hat noch andere Geheimnisse. Da sind Josie, ein zwölfjähriges Mädchen, das plötzlich bei Paul im Zimmer auftaucht, der gewalttätige Mike, mit dem Paul mehrmals aneinander gerät und ein Mann mit Strohhut, der auch gefährlich ist.
Über St.Pauli „thront“ darüber hinaus der Baulöwe Winter, der seine Finger nach Jacks Immobilie ausstreckt. Mit Winters Freundin Blondie ist Martha befreundet und durch sie bekommt sie die ersten Hinweise, dass Willy damals nicht durch einen Unfall gestorben ist.

St.Pauli liegt in Trümmern. Jeder Tag ist ein Kampf und alle versuchen, ihre nackte Haut zu retten und Kriegserinnerungen zu verkraften. Martha kann diese Welt vergessen, wenn sie einen gewissen Whiskypegel intus hat und auf der Bühne mit Paul und anderen Musikern Jazz spielen kann. Dann vibriert die Luft.
Leser/Leserin: Schnell auf einer Musikplattform die Musikstücke heraussuchen, die Martha spielt! Sich dann in der Musik verlieren, die damalige Atmosphäre nachspüren, das ist der große Anreiz dieses Buches. Dass es auch Krimizutaten enthält, das ist eine erfreuliche Begleiterscheinung.

Hört mein Handy mich ab?

Ich habe auf Instagram Beiträge zu Datenklau und KI gefunden, die ich für bemerkenswert halte. Das Handy hört nicht ab, aber trotzdem ist es einfach, jeden Handybenutzer zu manipulieren und z.B. punktgenaue Kaufangebote auf dem Bildschirm erscheinen zu lassen. Bei den großen Suchmaschinen stehen jetzt am Anfang immer KI generierte Texte. Es ist so praktisch, sie eben zu lesen und sich zu informieren. Aber was wird in diesen Texten gezielt weggelassen?
Wer sich die Beiträge von Alke Martens nicht direkt auf Instagram ansehen möchte, kann auf folgende Links klicken:

https://www.instagram.com/reel/DTNdBq3jFhe/?igsh=cHc2eXc2d21sb2J3

https://www.instagram.com/reel/DUnpfuyDCej/?igsh=bDEya2dpNDF6b29n

https://www.instagram.com/reel/DVdhsGbjCbH/?igsh=a3VyODJwY2JwNG16

„Duft Challenge“ für ein Jahr

Am vorletzten Sonntag besuchten meine Freundin und ich im Düsseldorfer Kunstpalast die Ausstellung „Die geheime Macht der Düfte“. Wir waren und sind von dieser Ausstellung, die wir uns 2 1/2 Stunden ansahen, derart begeistert, dass ich Ihnen einen Besuch sehr ans Herz legen möchte.
Man kann sie noch bis zum 22. März 25 besuchen. Sie ist in ihrer Konzeption auf der Welt wohl ziemlich einzigartig, das erfährt man in dem kurzen Einführungsvideo auf der Kunstpalastseite im Internet. In dem Video erklärt der Ausstellungskurator Robert Müller-Grünow, wie vielfältig das Thema Duft ist, welche Quellen er hinzugezogen hat und gibt einen Ausblick, wie der Einsatz von bestimmten Düften zukünftig immer mehr ein Thema in der Medizin sein wird.
Hier wird die Ausstellung beschrieben und das Video gezeigt:

https://www.kunstpalast.de/de/event/duefte

Ich hatte mich auf die Ausstellung nicht vorbereitet und erwartete eher eine nüchterne wissenschaftliche Darstellung über die Geschichte und die Erzeugung von Düften. So war ich überrascht, diese Ausstellung als integrierten Teil der permanenten Ausstellung des Kunstpalastes vorzufinden. In ca. 30 Räumen wurden verschiedene Aspekte von Düften dargestellt und die Kunstwerke korrespondierten mit diesen Aspekten. Dazu gab es jeweils verschiedene Duftstationen, wo Besucher Düfte „nasennah“ erfahren konnten. So toll!

Bekannte natürliche und chemische Düfte (z.B. der Duft des Waldes, 4711 versus Farina) wurden neben neu komponierten Düften präsentiert. Bei den Kompositionen waren einige alte Düfte dabei, die man anhand von historischen Quellen erstmals riechbar gemacht hat.

Hier ein paar Eindrücke zur Ausstellung:

Oben rechts: Zwei von ca. 20 berühmten Parfüms, die es heute noch gibt.
Der Duft Benzoin erinnerte mich an meine Kindheit.
Unten drei sogenannte Pomander, an denen man riechen konnte.
Wie hat sich der Duft von „Persil“ seit 1959 verändert? 1959 roch es ziemlich chemisch, 1986 eher blumig, 2000 angenehm neutral, 2025 „frisch“.

Mich lässt das Thema „Duft“ seitdem nicht mehr los, denn ich wurde durch die Ausstellung mal wieder daran erinnert, wie sehr Düfte das Leben bereichern können. Deshalb habe ich mit einer 365 Tage – Duft – Challenge angefangen: Jeden Tag einen anderen Duft bewusst wahrnehmen und notieren. Ich weiß nicht, ob ich das ein ganzes Jahr schaffe, aber wenn es drei oder sechs Monate sind, ist es auch gut, denn dann habe ich meine Nase trainiert.
Beim Riechen ist mir jetzt schon klar geworden, dass das Notieren auch etwas wie ein Tagebuch ist, denn durch Tätigkeiten tauchen plötzlich Düfte auf. Hier die Düfte der letzten achte Tage:

1.3.25: Hibiskusteeduft
2.3.25: Modriger Duft (Gartenteich entschlammt)
3.3.25: Duft einer ausgepustete Kerze (wir waren auf einer Geburtstagsfeier)
4.3.25: Duft von Pizza Funghi
5.3.25: Frische Bärlauchblätter
6.3.25: Der Duft im Innenraum eines Fahrstuhls
7.3.25: Der Duft von „Rotbäckchen“ (Ein Getränk aus meiner Kindheit)
8.3.25: Wick Vaporub

Mutpost

Kennen Sie den Podcast „COSMO Daily Good News“? So wird er auf der Homepage beschrieben:

Rechtspopulismus, Naturkatastrophen, Terrorismus: Bad News sind gut für das Geschäft. Deswegen schätzen wir die Weltlage oft düsterer ein, als sie wirklich ist. Die COSMO Daily Good News legen den Fokus auf die guten Nachrichten. Denn die Welt ist besser, als die meisten Menschen denken.

Ein Beitrag dauert jeweils ca. 2 Minuten, hier kann man ihn hören:

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/cosmo/daily-good-news/index.html

Vor einigen Tagen wurde in Cosmo über die Homepage „Mutpost“ berichtet, die vom Dresdener Werner-Felber-Institut für Suizidprävention nach einem englischen Vorbild ins Leben gerufen wurde.

Auf der Seite findet man kurze und längere Briefe, in denen Männer und Frauen anderen Menschen Mut machen möchten, weiterzuleben.
Diese Briefe können in jeder Lebenskrise Hoffnung vermitteln. Manche beschreiben anscheinend ausweglose Situationen, andere versuchen, Kraft für ein eigenes positiveres Selbstbildnis zu geben. Was diese Briefe auf jeden Fall schaffen: Sie vermitteln Mitgefühl und die Erkenntnis, nicht alleine zu sein, das ist wohl der größte Verdienst dieser Seite.

Jeder kann einen Mutbrief schreiben. Er wird geprüft und veröffentlicht, wenn er den Richtlinien entspricht. Hier geht es zu der Mutpost-Seite

Diese gute Idee verdient es, weitergetragen zu werden.

Als Spione ihre heile Welt verloren

Jakob Dreiser wächst in in den 60er und 70er Jahren in einem Dorf in Norddeutschland auf. Als Schüler ist er ein Außenseiter, denn er lernt freiwillig Russisch in Zeiten des Kalten Krieges und er schreibt Gedichte. Mit fünfzehn flüchtet er aus dem dörflichen Mief, schlägt sich durch und findet tatsächlich einen Verlag, der seine Gedichte druckt. 1989 wird er dann schlagartig berühmt. Die Mauer fällt, er und eine junge Poetin aus der ehemaligen DDR werden für die Literaturwelt mit ihren Gedichten das Gegenstück zu dem Skorpions und ihrem Lied „Wind of Change“. Die beiden treten auf Festivals und Lesungen auf und reisen als Botschafter des Friedens in der Welt herum.
Jakob hat mit 25 finanziell ausgesorgt und lebt in Rom. Dort ist er sehr beliebt, da er ein guter und intelligenter Zuhörer ist und seinen Mitmenschen immer mit einem optimistischen Lächeln begegnet. An einem Nachmittag geht er zu einem Empfang der russischen Botschaft. Er ist sehr dankbar, dass er aus seinem alten Leben flüchten konnte und seine permanente Angst aus den Zeiten des Kalten Krieges vorbei ist. Allerdings langweilt er sich auch ein bisschen und hört deshalb interessiert zu, als ihm von Dieter Germershausen ein Angebot macht, für ihn eine Aufgabe zu erledigen. Germershausen ist Mitarbeiter des deutschen BND und auch ab und zu mal des KGB und ist gar nicht erfreut, dass die klaren politischen Seiten des Kalten Krieges sich inzwischen in Luft aufgelöst haben. Er sieht das Ende seines Arbeitslebens vor sich und will in einem letzten Coup landen, um sich und seine Freundin so finanziell ausstatten, dass sie den Rest ihres Lebens sorglos verbringen können. Er plant, einen Hubschrauber in Kasachstan zu kaufen. Dank der schwammigen politischen Lage gibt es Hubschrauber dort zum Schnäppchenpreis und die kolumbianischen Drogenbosse zahlen gutes Geld für diese Flugzeuge.
Germershausen hat schon lange ein Auge auf Jakob geworfen, denn dieser ist sehr kommunikativ, während Germershausen am liebsten schweigt.
Jakob hilft und zeigt dabei ungeahnte Agentenqualitäten, die weit über die Befehle von Germershausen hinausgehen. Nicht nur die Hubschraubertransaktion hält für die beiden Überraschungen bereit, denn Germershausens, der über Jahrzehnte nur eine graue Maus unter den Agenten war, gerät durch seine Aktivitäten plötzlich in den Fokus von anderen Agenten.

Ach, was waren wir in den 90er Jahren blauäugig und dachten, Kalter Krieg und andere Kriege gehörten der Vergangenheit an. Der Autor nimmt sich diesem Thema auf humorvoller Weise an und würzt sein Buch mit John le Carré-und Jules Vernes Zutaten. Sehr unterhaltend!

Ehrenamt für Pflanzen und/oder Gartenfans

Der Frühling lässt sich in den nächsten Tagen blicken. Vielleicht die richtige Zeit, sich an der frischen Luft ein bisschen ehrenamtlich zu engagieren?

Blaue Windröschen


Vor einigen Wochen erzählte ich Ihnen über die Seite mitforschen.org, auf der verschiedene Institutionen die Mithilfe von Bürgern suchen. Unter dem Oberbegriff „Citizen Science“ helfen Bürger, Daten für Forschungszwecke zu sammeln. Ich mache bei einem Forschungsprojekt der Uni Luxemburg mit, bei der die Sprache im öffentlichen Raum anhand von Fotos erforscht wird. (Siehe unten der Link zu dem Beitrag).

Inzwischen habe ich noch zwei andere Aufgaben auf der Seite entdeckt, die mir auch gut gefallen.
Studierende der Universität Bochum untersuchen die Biodiversität von Friedhöfen und brauchen Daten über Pflanzen und Tiere, die auf Friedhöfen zu finden sind. In Zeiten, in denen Friedhöfe immer häufiger aufgegeben und zu Bauland erklärt werden, will man dokumentieren, wie wichtig Friedhöfe als Naturinseln für Städte sind.


Tiersichtungen melde ich direkt auf der Seite der Universität. Mit Hilfe der App „Flora Incognita“ fotografiere ich Pflanzen auf dem Friedhof. Die App bestimmt die Pflanze und fügt den Standort hinzu. Ich ergänze das Foto noch mit dem Schlagwort „Friedhof“. So können die Studierenden auf die Daten zugreifen. Hier wird das Projekt beschrieben:

Wenn Sie einen Garten haben, können Sie die Leipziger Universität unterstützen. Hier untersucht man, welche Pflanzen in Privatgärten zu finden sind und wie sich die Auswahl verändert unter der Berücksichtigung, dass Gärten für die heimische Tierwelt immer wichtiger werden und dashalb Gartenbesitzer bewusst das Pflanzenangebot verändern. Auch hier kommt die App „Flora incognita“ zum Einsatz, nur gibt man anstatt „Friedhof“ das Wort „Garten“ ein. Nähere Informationen dazu gibt es hier:

https://www.uni-leipzig.de/newsdetail/artikel/buergerwissenschaftsprojekt-gartendiv-erforscht-pflanzenvielfalt-in-deutschlands-gaerten-2025-05-19

Ich freue mich schon auf den Bärlauch…

Wenn eine Rose ein Mauerblümchen unterschätzt

Die berühmte Schauspielerin Holly zog sich unerwartet vor sechs Jahren auf eine einsame Insel vor Helsinki zurück und hat seitdem keine Interviews gegeben. Eines Tages schreibt sie der Chefredakteurin der Zeitung „Mensch in der Natur“ einen Brief, in dem sie anregt, sie auf der Insel zu besuchen, da sie den eigentlich in Nordafrika beheimateten Blauwangenspint dort gesehen hat.

Fotomontage mit einem Blauwangenspint

Die Redakteurin ist begeistert, denn sie kann ihre Tochter Eva zu Holly schicken. Eva ist Vogelkennerin und könnte durch das von den Fans lang erwartete Interview mehr Anerkennung bekommen.
Nur einmal pro Woche hält die Fähre an der Insel und Eva graut es anfangs vor den nächsten 8 Tagen, als sie von Holly empfangen wird. Die Schauspielerin, Anfang fünfzig, ist ein blonder Vamp, der permanent spricht und eigene Regeln für ihr Leben aufgestellt hat. Eva hingegen, Anfang dreißig mit dunklem strengen Pagenkopf, liebt die Stille und hört am liebsten Menschen zu. Beim Sitzen versteckt sie dabei gerne ihre Hände unter den Oberschenkeln.
In den ersten Tagen erzählt Holly oft von ihrem durch einen Bootsunfall verstorbenen Ehemann Franz und zwingt Eva mehrmals dazu, Dinge zu tun, die sie bisher noch nie gemacht hat. Eva muss im kalten Meer schwimmen, soll rauchen, einen Kopfstand zu machen oder mehr als ein Glas Wein zu trinken. Dieser Druck macht Eva wütend auf Holly, doch sie tut alles, muss sie doch noch das Interview führen. In ihrem Notizbuch notiert sie dazu gewissenhaft alle Fragen, die sie Holly stellen möchte. Doch es kommt nicht dazu. Ganz langsam strampelt sich eine andere Eva frei, die Herausforderungen mag und eigene Pläne verfolgt.
Nach dem Aufenthalt wird es einen Zeitungsartikel über Holly geben, allerdings wird es kein Interview sein.

Die Autorin Maisku Myllymäki ist in Finnland ein Star. „Holly“ ist das erste Buch, das von ihr in Deutschland jetzt erschienen ist. Finnischer Humor gilt als teilweise skurril und einige Passagen des Buches entsprechen dieser Ansicht. Eva vergleicht sich, Holly und andere Menschen stetig mit dem Aussehen und Wesen von Vögeln. Das ist manchmal amüsant uncharmant.
In dem Buch baut sich ganz langsam eine Spannung auf. In Nebensätzen hat das Mauerblümchen Eva beispielsweise plötzlich das Lächeln einer Hyäne oder man erfährt nebenbei, dass sie schwanger ist. Dann ist da der nicht koschere Bootsunfall von Hollys Ehemann oder Hollys Gelegenheitsliebhaber Roberto erscheint plötzlich auf der Bildfläche. Hollys Wesen ändert sich daraufhin um 180 Grad und Eva kann froh sein, dass sie noch lebt, als Roberto wieder verschwindet.

Nicht alles ist im Buch logisch zu Ende gedacht, aber das störte mich nicht weiter. Die Atmosphäre der Geschichte ist eine besondere und das gefiel mir gut.


Führung durch verborgene Schlossräume

Am Samstag nahmen wir in Düsseldorf an einer besonderen Führung teil. So wurde sie beworben:
Sie möchten während Ihres Schlossbesuchs nicht nur die Prunkräume besichtigen, sondern auch die Dienergänge, Keller und Kanäle sehen? Unser Vermittlerinnen-Team gewährt in dieser Führung Einblick in das Alltagsleben und die Wege der Dienerschaft. Welche Wege musste man nehmen, um von Ost nach West zu kommen? Wo waren die Räume für den praktischen Bedarf? Außerdem erfahren Sie Interessantes über das unterirdische Wasserleitsystem: was hat das alles mit der Itter zu tun und wie gelangte das Abwasser mit den Fäkalien nach draußen? Kluge Verbindungen und verzweigte Gänge sorgen für Erstaunen darüber, was sich der Architekt beim Bau des Schlosses so alles hat einfallen lassen… Auch echte Schlosskenner:innen dürfen sich hier noch überraschen lassen.

Unten links: Warum gibt es über den Kleiderschränken eine Luke, hinter der sich ein Gang befand? Hier mussten Bedienstete mit einer Kerze hinein krabbeln und den Fußboden der Etage über ihnen kontrollieren, denn es bestand die Gefahr, dass der Holzboden schimmelte. Unten rechts: Wohin führt diese steile Treppe- die Auflösung findet sich am Ende des Textes.

Auszug aus Wikipedia: Denn hinter den Fassaden verbirgt sich in vier Geschossen (plus Keller) ein raffiniert durchkomponiertes System von 80 Räumen, zwei Lichthöfen und sieben Treppenhäusern. Dies erzeugte einen Überraschungseffekt, wie er in der barocken Bau- und Gartenkunst schon vorher beliebt war: Besucher sollten erst im Innern die Geräumigkeit bemerken.

Wir stiegen aber nicht nur Stufen rauf und runter, um den Wegen der Dienerschaft und den Abwasserkanälen unter dem Schloss zu folgen, sondern wir besuchten auch die Gästezimmer, die der Kurfürst für seine Gäste eingerichtet hatte.

Die Einrichtungen der vier Gästezimmer, waren unterschiedlich üppig. Wichtige Gäste kamen pompöser unter als Gäste, die der Kurfürst nicht so mochte. Man achte auf die empfindlichen Holzböden, darunter krochen die Diener entlang.

Blicke über das Schlossdach wurden uns auch gestattet. Hier sah man die beiden Lichthöfe, die möglichst viel Sonnenlicht in die Räume leiten sollten, um Taler für Kerzenlicht zu sparen.

Haben Sie geraten, welches Schloss wir besuchten?

Diese Tour (75 Minuten) wird in Schloss Benrath angeboten. Anschließend sahen wir uns noch die Prunkräume des Schlosses an und wärmten uns danach im Schlosscafé auf.

Oben der prachtvolle Tanzsaal. Doch wo sitzt das Orchester?
Unten: Auch die anderen Räume waren sehenswert.

Oben : Das Foto zeigt die Decke des Tanzsaals. In der Mitte ein helles „Loch“. (Links unten) Rechts unten: Die Pfeile zeigen an, wo die Musiker rund um das Loch gesessen haben.

Ein Schüttelreim- nicht aus dem Ärmel geschüttelt!

2025 erschien der zweite Band mit Schüttelreimen von Dietrich Brüggemann.

Was ist ein Schüttelreim? Hier eine Definition, gefunden bei Chat GPT:

Ein Schüttelreim ist ein Doppelreim, bei dem die Anfangsbuchstaben oder Konsonantencluster der letzten zwei betonten Silben in zwei Versen vertauscht werden, um eine komische Wirkung zu erzielen. Er ist eine Form des Nonsens und findet sich häufig in humoristischer Kurzlyrik. Ein Beispiel:

Dietrich Brüggemann beherrscht diese Sprachkunst perfekt und in seinem Buch bekommen gleich am Anfang die zehn Gebote aus der Bibel ein Update. Nr. 6 lautet dann:

Ihr sollt nicht um Keime raufen,
sondern lieber Reime kaufen.

Weitere Reimthemen sind beispielsweise „Gegen rechts“, „Aus der Tierwelt“ oder „Zweite Hälfte“. Ein weites Feld sind kulinarische Beobachtungen oder das Zusammenleben von Mann und Frau:

Wenn ich dir ein Ei bringe,
machst du mir einen Brei, Inge?

Man sollte dieses Buch nicht in einem Rutsch lesen, sondern jeden Tag nur ein paar Schüttelreime „konsumieren“. Manche sind wunderbar subversiv, oder böse, andere landen etwas unter der Gürtellinie, bieten reinen Quatsch oder kritisieren auch mal unverhohlen. Die zarten Illustrationen von Dennis Rudolph passen gut dazu.

Neben den Zweizeilenreimen gibt es auch ein paar längere Texte und ein Nachwort. Dieses sollte man unbedingt lesen, denn der Autor erzählt, welche Erfahrungen er gemacht hat, als er Chat GPT aufforderte, ihm Schüttelreime zu präsentieren. Die KI hat es bis auf eine Ausnahme nicht geschafft, einen Schüttelreim nach den Regeln zu regenerieren. Dafür bekam der Autor eine Reihe von neuen Wortkreationen präsentiert, auch nicht ganz uninteressant und vor allen Dingen großer Blödsinn. KI schüttelte es also nicht aus dem Ärmel und ich auch nicht…
Als ich mit der Lektüre anfing, hatte ich als Schüttelreimregel im Kopf, dass in der zweiten Zeile die Buchstaben der beiden letzten Wörter der ersten Zeile nur getauscht werden müssten. Da mir die Buchverse viel Spaß machten, suchte ich eigene Reime:

Auf der Party trug Gina ein nobles Kleid
und rief in die Runde „Nur kein Neid!“

Katharina wollte eine Arie von Rigoletto singen,
oh, was musste ihre Stimme ringen!

Möchtest du die Forelle essen?
Nein danke, gib dem Kater das edle Fressen.

Susanna bekommt eigentlich gerne Besuch,
doch was ist das jetzt für ein bestialischer Geruch?

Fritzi wollte im Sandkasten einen Kuchen backen,
beim Essen hörte man danach die Backenzähne knacken.

Ganz nett, aber noch nicht optimal, wie ich dann merkte, als ich später die offizielle Definition las.

Neuer Versuch:

Willst du im Park heute laufen?
Ja, aber nur rund um den Leute Haufen!

Hörst du es im Stau bellen?
Das ist wohl bei den Baustellen…

Was sollen diese schlauen Fragen?
Das werden dir die Frauen sagen!

Probieren Sie es einmal selbst, sich einen Schüttelreim auszudenken. Es liest sich leichter, als es ist!








Karneval in Rio, Las Vegas, Hamburger Elbphilharmonie an einem Tag

Lust auf eine kurze Weltreise?

Fotocollage oben links: Zu heißer Sambamusik bewegen sich verschiedene Tanzgruppen im Karneval von Rio. Rechts daneben Las Vegas bei Nacht.
Unten rechts: Eisig das Wetter, eisig der Blick auf die Elbphilharmonie. Links daneben: So sieht es innen in der Elbphilharmonie aus.

Wir waren nach ca. zehn Jahren mal wieder im Miniatur Wunderland in Hamburg. Es hat sich seitdem vieles getan, denn die Besitzer nutzen inzwischen ein zweites Haus in der Hamburger Speicherstadt. Rio de Janeiro und Patagonien sind hier neu zu bewundern, die Anden, der Regenwald und die Atacama-Wüste warten auf die Fertigstellung.

Ich weiß nicht, was ich mehr liebe…Sind es die atemberaubenden Entwürfe der Themenwelten oder die witzigen Situationen, die man entdecken kann, wenn man sich Szenen genau ansieht?

Von oben nach unten:
Monaco während des Formel 1 Rennens
Ein Konzert von DJ Bobo
Ein kleiner Abschnitt der
Schweiz-Landschaft
Der Hamburger Dom- das berühmte Volksfest
Links: Rom mit Petersdom, darunter nehmen Mönche das Auto vom Papst, das Papamobil, auseinander.
Rechts: Der Markusplatz in Venedig. Touristen können sich dort malen lassen, welche Qualität die Werke haben sei dahingestellt…
Links oben: Eine Demonstration für „Rente ab 30!“ Rechts daneben: Wird Superman den Absturz des Autos verhindern? Unten links: Ups, ein Raumschiff landet auf dem Münchener Flughafen, rechts unten: Zwei Seehunde als Haustiere auf einer Dachterrasse

Wir waren ca. 3 Stunden dort und haben nicht alles gesehen. Ein Besuch lohnt sich immer wieder. Wer das Wunderland noch nicht kennt oder sein Wissen auffrischen möchte, zum Schluss ein paar Informationen: