Stoffverliebt

Die Autorin Monika Helfer ist Anfang August verstorben.

Dieses Buch mit 758 Seiten steht bei mir seit 2024 immer griffbereit im Regal. Zu finden sind in ihm 365 Geschichten. Ich habe noch längst nicht alle gelesen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Es beinhaltet Geschichten, die mich begeistern, sie wirken einige Tage, bis ich neuen Nachschub brauche. Andere Geschichten gefallen mir überhaupt nicht, dann lese ich sie ein zweites oder drittes Mal, um zu verstehen, was mich an der Geschichte stört.
Immer angetan bin ich von Monika Helfers Beobachtungsgabe, ihrem Schreibstil, ihrer Neugierde und ihrer Menschenkenntnis. Der Grundton der Geschichten ist meistens ernst und das Buch hilft mir, die unendlichen Möglichkeiten von menschlichem Handeln besser zu erfassen und auch zu verstehen.

In einem Nachruf wurde auf andere Bücher von ihr eingegangen, u.a. auch auf dieses.

Ein literarisches Buch über Stoffe? Das musste ich lesen!

Hier erlebt man eine andere Monika Helfer, die ihr ganzes Leben lang stoffverliebt war und mit ihrer Begeisterung für alles Gewebte ansteckend ist.
Schon als Schülerin hat sie in Heften Stoffquadrate gesammelt, konnte sich der Sinnlichkeit und auch den Düften der verschiedenen Stoffarten nie entziehen. Den zur Herstellung von Gewebtem nötigen Handwerkskünsten zollt sie großen Respekt. Mit Stoffen zu experimentieren und aus alten Kleidungsstücken Unikate herzustellen, ist für sie ein andauerndes Glück.
In mehreren Kapiteln erzählt sie heitere und auch traurige Stoffepisoden über sich und ihre Familie und ich überlegte, ob es bei mir auch Stoffgeschichten gab. Vier sind mir schon eingefallen, vielleicht sollte ich sie auch einmal aufschreiben.
Es geht bei Monika Helfer aber nicht nur um Stoffe, Bordüren, Spitzen, sondern sie nähert sich dem Thema auch philosophisch: Was machen Stoffe aus Menschen? Was war überhaupt das erste menschliche Gewand? Waren es die Zärtlichkeit oder die Hände?

Dieses Buch ist ein so freundliches Buch, dazu gehört auch sein Ende, das Monika Helfers Liebe zu Stoffen selbst im Abschied bezeugt.

Was soll ich von Renata halten?

Ein Hausmädchen, es nennt sich im Laufe des Romans meistens Renata, kündigt ihren Dienst bei einem wohlhabenden Ehepaar. Dies kommt für das Paar völlig überraschend, aber trotz diverser Versuche, Renata umzustimmen, verlässt sie das Haus. Sie will frei sein, egal, wann und wo, will den Gesang der Vögel auf einer Bank genießen, braucht Stille ohne dieses ständige Geplapper der anderen Leute. Gespräche bedeuten ihr nichts, sie will sich lieber mit ihren eigenen Gedanken beschäftigen.
Ihre Freiheitswünsche in Paris durchzusetzen, das ist nicht einfach. Oft wird sie von wildfremden Menschen etwas gefragt, man will ihr auch helfen und es ist oft sehr laut. So analysiert Renata ständig, inwieweit ihr Freiheitsdrang von Mitmenschen oder auch von ihren eigenen Gedanken beeinträchtigt wird. Sie hat viel Zeit für Beobachtungen, wägt ab, ob es vielleicht doch eine Arbeit gibt, die Freiheit zulässt, kommt dann aber zu dem Schluss, dass die Menschen mit ihrer Arbeitskraft ihr eigenes Leben nur an andere verkaufen. Niemand hinterfragt mehr Verpflichtungen oder Verbote, alle haben das Nachdenken vergessen. So will sie nicht leben.
Dafür muss Renata oftmals improvisieren und auch Unangenehmes ertragen. Sie lässt sich beispielsweise vom Regen nicht ihren Freiheitsdrang verpfuschen, lieber läuft sie tagelang tropfnass die Straßen entlang und den Wunsch nach Schlaf unterdrückt sie so gut es geht.
Dann bietet ihr ein wohltätiges Ehepaar eine Unterkunft auf dem Land an und Renata steigt in das Auto- endlich weg von Paris! Doch hält sie es in dem Haus nicht aus und geht schließlich in einen Wald- mit viel Zuversicht und „Glück in der Brust“.

Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, in einem Theaterstück von Samuel Beckett oder Eugène Ionesco zu sitzen. Woran lag das?
Die Autorin verzichtet auf Punkte als Satzzeichen, ab und zu unterbricht ein Komma Renatas permanenten Gedankenfluss, dem man sich nicht entziehen kann. Ich war bei dieser Figur hin- und hergerissen zwischen völligem Genervtsein, Mitleid und Bewunderung. Renata stellt ständig alles in Frage, dazwischen tauchen immer wieder Verschwörungstheorien auf oder sie beschimpft häufig ihrer Mitmenschen. Doch es gibt auch eine andere Renata. Sie kümmert sich liebevoll um eine Rose, die sie sich gekauft hat und ein Stapel Briefe eines Mannes namens Paul ist das Wichtigste, was sie besitzt. Es gab eine Zeit, in der sie ein geliebter Mensch war, doch das ist lange her und seitdem musste sie wohl auf Zuneigung verzichten. Was macht das aus einem Menschen?
Renata hat Gedanken, die ein Ausrufezeichen verdienen. Sie beobachtet, wie Menschen nur noch arbeiten, hasten und ans Geldverdienen denken und nicht mehr die Schönheit der Erde sehen.
Um sich Ihren Freiheitswunsch zu erfüllen, ändert eine Frau radikal ihr Leben und übt kompromisslos Verzicht, darunter auch auf das menschliche Miteinander. Als dieser Roman 1967 erstmals erschien, sorgte er für Furore. Die Autorin Catherine Guérard tauchte daraufhin unter und der Roman geriet in Vergessenheit. Erst 2021 gab es in Frankreich eine weitere Auflage und der Roman wurde erneut gefeiert. Auch mich hat er beeindruckt.

Schütteln Sie bei Sumo auch den Kopf?

Der Grund, warum wir nach Paris gefahren sind, war ein Schaukampf der besten Sumoringer Japans.

Mein Mann und ich sehen Sumokämpfe seit den 90er Jahren an, erst bei der BBC, jetzt bei dem japanischen Sender „NHK World“. Alle zwei Monate kämpfen an 15 Tagen in der Profi-Liga vierzig Sumoringer gegeneinander und der Sender zeigt täglich in englischer Sprache einem Zusammenschnitt der Kämpfe.
Wir haben schon mehrmals versucht, für die Liga in Japan Eintrittskarten zu bekommen, doch dies ist uns bisher nicht gelungen, da die weltweite Popularität von Sumo immer mehr zunimmt. So waren wir sehr glücklich, als wir in diesem Jahr Karten für Paris bekamen.
Als wir das in unserem Bekanntenkreis erzählten, schüttelte die meisten nur ungläubig den Kopf und fragten nach den Gründen, warum wir dafür Geld ausgeben würden. Vielleicht ist Ihnen der Sumokampf auch fremd und Sie möchten etwas mehr wissen?
Mein Mann war ehemaliger Judokämpfer und am Anfang war er alleine der Fan, da er in den Sumokämpfen auch einige Judotechniken wiederfand. Er konnte das Können der Kämpfer ermessen, während ich anfänglich auch meine Schwierigkeiten hatte, diesen Kämpfen, die manchmal nur wenige Sekunden und fast nie länger als 2 Minuten dauerten, etwas Interessantes abzugewinnen. Doch je mehr ich zusah, desto mehr entdeckte ich die unterschiedlichen Mentalitäten, bzw. Persönlichkeiten der Teilnehmer. Die meisten stammen aus Japan, doch damals war Akabono von Hawaii beispielsweise ein Star und heute sind Kämpfer aus der Mongolei oder der Ukraine mit dabei. Manche versuchen, mit technischen Würfen den Gegner zu besiegen, dann gibt es diejenigen, die den Gürtel des anderen nicht berühren und nur schieben und stoßen, um den Gegner aus dem Ring zu drängen. (Diese Männer gehören nicht zu meinen Lieblingen). Es gibt Kämpfer, die beide Kampfweisen auf intelligente Weise kombinieren, andere haben die abgeklärte Aura eines Buddhas und dann treten dort Männer auf, die wie ein Stier unter Strom im Kampfring stehen. Ja und dann gibt es noch Ura. Das Wort „Ura“ beschreibt auf japanisch die „verborgene, geheime oder nicht sichtbare Seite einer Sache“, d.h. der Kämpfer, der diesen Namen trägt, ist immer für eine Überraschung gut. Sie können sich denken, dass er mein Favorit ist. Hinzu kommt, dass Ura, entgegen des üblichen Verhaltenskodex, keine Emotionen zu zeigen, häufig auch lächelt und mit seinem pinkfarbenen Gürtel aus den sonst eher dunklen Gürteln heraussticht.

Links oben: Kirishima (Mongolei) und der 21 jährige Aonishki (Ukraine), beide Anwärter auf den höchsten Titel im Sumo, dem des Yokozunas. Für mich sind die beiden die geistreichsten Kämpfer.
Beeindruckend ist die Lebensgeschichte des jungen Aonishki, wie er aus der Ukraine flüchtete: https://sumikai.com/nachrichten-aus-japan/sport/sumostar-aonishiki-wird-nach-flucht-aus-ukraine-erster-ozeki-des-landes-370285/

Rechts oben: Links Hoshoryu, einer der beiden derzeitigen Yokozunas und für mich der „Kampfstier“, rechts Kotozakura, im darunter liegenden Rang des Ozekis und einer der beiden „Goliaths-siehe weiter unten im Text- mit ca. 180 Kg bei 1,89 m Größe.
Unten links: Mein „Schätzeken“ Ura, sein Gegner Fujiryoga hat inzwischen bei mir auch eine Sonderstellung, dazu aber später noch mehr.


So viel zu den Kämpfertypen. Was mich aber ebenso fasziniert ist die Tatsache, dass dieser Sport, der ca. 2000 Jahre alt ist, mit all seinen Ritualen bis heute fast 1 zu 1 aufgeführt wird. Der Sumokampf ist dabei nur ein Mosaiksteinchen dieser alten Tradition.
Die Ausbildung der Kämpfer, ihre Aufmachung (Haare und Gürtel), die begleitende Trommelmusik, der Gesang, der Bau des Kampfrings, der während mehrerer Tage aus Lehm, Reisstrohballen und Sand Händen und Füßen errichtet wird, die traditionellen Gewänder der Schiedsrichter- es gibt so viele Details, die zu beachten sind und vieles davon konnten wir uns in Paris ebenfalls ansehen.

Die Veranstaltung fand in der Accor Arena im Stadtteil Bercy statt. In die Halle passen ca. 20000 Zuschauer und sie war an zwei Tagen ausverkauft. Die Veranstaltung sollte um 14 Uhr beginnen, doch wir waren schon früher da, um uns in Stimmung zu bringen. Schnell kam man mit anderen Sumofans ins Gespräch, diverse T-Shirts zeigten, wer von wem Fan war. Bereits draußen begann man mit dem Schlagen einer Trommel, um den bevorstehenden Beginn anzuzeigen.

Rechts: Die Fahnen der Sponsoren, darunter die Halle und der Trommler. Daneben Fans- es gibt keine Altersbeschränkung, die Zuschauer waren aus vielen Ländern angereist.

Vor den Kämpfen wurde gesungen, man zeigte, wie die Haare frisiert werden und demonstrierte das Binden des speziellen Yokozuna- Gürtels „Tsuna“.

Oben rechts: Vor Kampfbeginn werfen beide Männer Salz in die Luft, um den heiligen Ring symbolisch von bösen Geistern zu reinigen, bitten damit die Götter um Schutz vor schweren Verletzungen und beten für einen fairen und sicheren Kampf. 
In der Mitte: Onosato ist der zweite amtierende Yokozuna und ihm wird der 20 Kilo schwere Tsuna umgelegt.
Links unten: Der Gewinner des letzten Kampfes bleibt am Ring und reicht dem nächsten Kämpfer auf seiner Seite Wasser. Er gibt damit symbolisch seine „Siegesenergie“ weiter. Mitte und rechts: Die beiden Kämpfer taxieren sich und schüchtern den jeweiligen Gegner ein, sei es durch ein böses Gesicht, dem lauten Klatschen auf den Bauch oder wie im Fall des Ringers Kotoeiho durch die Demonstration großer Körperbeherrschung. (Wie hoch kommen Sie mit Ihrem Bein ? 😉 )
Man merkte, dass das Publikum nur „vom Fach“ war, alle waren sehr aufmerksam und an den richtigen Stellen still. Trotzdem herrschte, im Gegensatz zu den Kampftagen in Japan, eine entspannte Stimmung und wir sahen plötzlich viele lächelnde Sumokämpfer. Das war für mich der schönste Augenblick, es sind freundlichen Menschen und keine Kampfmaschinen.

Links Abi, ein Ringer,den ich wegen seines äußerst aggressiven Schläger-Kampfstils überhaupt nicht mag. Aber als er so durch das Publikum ging, gewann er bei mir Sympathiepunkte. Rechts der Yokozuna Onosato, dessen Auftreten ansonsten eher an einen abgeklärten Buddha erinnert.

Vor den Schaukämpfen untereinander hatten die Sumokämpfer sich noch einer schweren Aufgabe zu stellen: Sie mussten gegen den hochmotivierten jungen Nachwuchs kämpfen. Das war sooo niedlich anzusehen….

Die derzeitigen besten Sumokämpfer sind ca. zwischen 1,76 und 1,94 m groß und wiegen ca. zwischen 125 und 198 Kilo. Wir haben sie alle live erlebt und rieben uns die Augen, als wir sahen, wie leichtfüßig der schwerste Kämpfer Atamifuji (links) aus dem Schneidersitz aufstand. Wir haben aber auch gesehen, wie dieser Mann gegen einen anderen Kämpfer (rechts) verloren hat, der bei uns den Spitznamen „Speedy Mouse“ trägt (1,74, 125 Kg). Der kleine Kämpfer zwingt den großen durch Schnelligkeit zu Bewegung im Raum. Da geht dann „Goliath“ schnell die Luft aus und David kann gewinnen.

Zum Schluss ein Kampf:

https://youtu.be/oAZMi-x6B-w

Ich habe einen auf You Tube ausgewählt, der nicht nur allein den Kampf zeigt, sondern zuvor auch das Taxieren der beiden Ringer. Das Besondere an diesem Film ist, dass man nach dem Kampf fliegende Sitzkissen sieht. Das ist eigentlich strikt verboten, passiert aber trotzdem, wenn ein Yokozuna von einem Kämpfer eines niedrigeren Ranges besiegt wird und die Zuschauer ihre Begeisterung darüber zeigen möchten.

Dieses Plakat hängt jetzt bei uns zuhause. Bekäme ich die Gelegenheit, ich würde jederzeit wieder eine Live-Veranstaltung besuchen.

P.S. Noch kurz zurück zum Ringer Fujiryoga. Er begegnete uns einen Tag später im „Musée Louis Vuitton“, das er mit seiner Freundin besuchte. Auch hier befolgte er die strenge Tradition und trug einen Kimono.

Paris für Immerwiederbesucher Teil 2

Unseren Besuch in Paris nahmen wir zum Anlass, uns die wiedereröffnete Kirche „Notre Dame“ anzusehen. Auch hier gilt: Unbedingt ein Online-Ticket buchen! Wir waren an einem Montagnachmittag dort und bei der Menschenmasse auf dem Kirchenvorplatz, die auf den Einlass in die Kirche wartete, trübte sich zuerst etwas unsere Stimmung. Aber mit unserem O-Ticket konnten wir die Schranken sofort passieren und mussten nicht warten.
Sehr viele Besucher dann auch in der Kirche und man wurde geschoben und gedrückt. Es blieb der Blick nach oben und manchmal konnte man in die Seitenkapellen ausweichen, wo kaum jemand war.

Die Seitenkapellen erinnerten mich mit ihrer farbenfrohen Bemalungen an die Basilika in Kevelaer.

Notre Dame ist nun eine helle Kirche, strahlt in einem unglaublichen Glanz und zeigt Besuchern, wie gotische Kirchen früher ausgesehen haben, bevor Jahrhunderte die Mauern nachdunkeln ließen.

Ist man bei Notre Dame, bietet sich danach ein Besuch der Île Saint-Louis an. Hier gibt es immer wieder schöne Motive zu entdecken.

Rechts unten: Auf dem Weg zur Insel kamen wir an den Bouquinisten vorbei.
Rechts oben: Das ist mein Lieblingsbild, zu ihm fallen mir mehrere romantische Geschichten ein, die nur in Paris spielen können.

Wir verzichteten auf den Besuch eines weiteren Museums und legten stattdessen einen Stopp bei dem Haus Rivoli 59 auf der Rue de Rivoli ein. Auf mehreren Etagen haben ca. 30 Künstler ihre Ateliers, bzw. Arbeitsplätze und man kann ihnen über die Schulter sehen, ihre sehr unterschiedlichen Werke kennenlernen und natürlich auch etwas kaufen. Die Betreiber des Hauses freuen sich über eine Spende als Eintrittsgeld.
Direkt im Treppenhaus wurde man künstlerisch empfangen:

Dank einer Freundin, die zum ersten Mal in Paris war und fleißig Reiseführer gelesen hatte, entdeckten wir eine schöne Ecke, die wir noch nicht kannten. Sie befindet sich hinter dem Pantheon rund um den Place Sainte-Geneviève.

Das war mein kleiner Bildspaziergang durch Paris. Vielleicht verrate ich Ihnen demnächst noch den Grund, warum wir nach Paris gefahren sind. Oder ich nehme Sie nach Rendsburg mit oder schildere Ihnen meinen faulen Tag im Garten? Mal sehen, welche Geschichte mich bei den anstehenden Hitzetagen am besten ablenkt.

Paris für Immerwiederbesucher 1

Wir verbrachten im Juni ein paar Tage in Paris. Zum ersten Mal übernachteten wir nicht unmittelbar in der Stadt, sondern im Südwesten in der Stadt Issy-les-Moulineaux. Hier haben in Sichtweite des Eiffelturms viele Fernsehsender ihren Sitz wie beispielsweise ARTE, Eurosport oder France TV 1 und die Microsoft-Vertretung für Frankreich findet sich hier ebenfalls. Dementsprechend gibt es viele sehr moderne Straßenzüge neben edlen Häusergruppen und historischen Gebäuden. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre, das Angebot der Restaurants ist vielfältig.


Wir übernachteten direkt gegenüber einem Park in einer Ferienwohnung, ca. 10 Minuten von der nächsten Metrostation entfernt. Die Lage war ruhig und stiegen wir in die Metro, bekamen wir immer einen Sitzplatz, da „Marie d‘Issy“ die End-bzw.Anfangsstation der Linie 12 ist. Bis zur Mitte von Paris (z.B. Notre Dame) brauchten wir eine halbe Stunde (einmal umsteigen in Montparnasse).

Wir hatten diese Ecke ausgewählt, weil wir bei der Übertragung der olympischen Spiele in Paris auf diese Gegend aufmerksam gemacht wurden. Issy liegt direkt an der Seine und es gibt zwei Inseln, die beide einen Besuch wert sind.

Die Insel „Saint-Germain“ bietet sehenswerte Blumenbeete neben lauschigen Plätzen und Freiflächen für sportliche Aktivitäten oder Kinderbespaßung. Das Wahrzeichen des Parks ist der „La Tour aux figures“ von Jean Dubuffet. Ab März bis Ende Oktober kann man am Wochenende im Rahmen einer Führung nachmittags bis in die Spitze steigen. Darauf verzichteten wir und gönnten uns noch eine Abkühlung in dem großzügig angelegten Café.

Das zweite Ziel im Südwesten war das Museum Louis Vuitton im Bois de Bologne. Auch hier habe ich einen Tipp: Karten online vorab reservieren spart viel Zeit. Wir wollten direkt morgens um 11 Uhr in das Museum, doch waren keine Tickets mehr verfügbar. Wir gönnten uns „Premiumtickets“ (Statt 18 Euro kosten diese 24 Euro). Hier kommt man ohne Anstehen jederzeit durch einem gesonderten Eingang in das Museum, erhält einen kostenlosen Audioguide und hat noch andere Vorteile, wie beispielsweise einen reduzierten Eintrittspreis im benachbarten Park mit vielen Attraktionen für Kinder.

Das Gebäude von Frank Gerry ist sehr luftig und schenkt wunderbare Ausblicke und Blickachsen. Die großzügigen Ausstellungsräume sind unterschiedlich hoch und bieten damit auch viel Platz für sehr große Kunstwerke.
Wir hatten das große Glück, eine Werkausstellung des Künstlers Alexander Calder zu sehen, der hauptsächlich für seine Mobiles und Skulpturen bekannt ist. In der Ausstellung mit dem Titel „Träume im Gleichgewicht“ gab es darüber hinaus aber auch noch einige seiner Zirkusfiguren zu sehen und ein Raum widmete sich seinen Schmuckentwürfen.

Am Donnerstag nehme ich Sie mit auf einen kleinen Bilderspaziergang durch Paris, vielleicht gibt es ja dabei einen Ort, den Sie noch nicht kennen oder vielleicht ein zweites Mal besuchen sollten.

Picknick beim Astropeiler

Vor ein paar Wochen machten wir einen Ausflug in die Eifel. In der Nähe von Bad Münstereifel steht ein Radioteleskop, der Astropeiler.

Diese Anlage mit weiteren kleineren Teleskopen auf den anliegenden Feldern wurde 1956 in Betrieb genommen. Bis in den 70er Jahren sammelte man dort Daten aus dem Weltall, danach wurde es hauptsächlich von der Universität Bonn als Lehrstätte für Studenten genutzt. Nachdem dies ein Ende hatte, wurde es 2005 schließlich von der „Stiftung NRW“ gekauft und 2006 unter Denkmalschutz gestellt. Seitdem kümmert sich ein Verein mit einer Gruppe von ehrenamtlichen Helfern um den Erhalt, sammelt wieder Daten und arbeitet dabei national und international mit mehreren Universitäten zusammen. Schließlich werden von Mai bis Oktober jeden Sonntag um 14 Uhr eine Führung inkl. eines Vortrags angeboten.

Wir waren dabei! Der Astropeiler liegt in ein schöner Eifellandschaft und wir machten vorher ein Picknick.

Um 14 Uhr fanden sich ca. 15 Interessierte ein und man führte uns zuerst in den Vortragsraum, wo uns etwas über die Geschichte des Astropeilers erzählt wurde. Der zweite Teil der Führung fand in einem kleine Museum statt, in dem uns diverse Apparate, Computer und Schaubilder erklärt wurden.

Physik und Astronomie sind zwei Themen, die ich faszinierend finde, bei denen meine Kenntnisse aber minimal sind. Deshalb verstand ich die Erklärungen teilweise nicht, für andere Zuhörer, die Hobbyastronomen waren, blieben noch Fragen offen, die alle ausführlich beantwortet wurden.

Für mich war der Besuch des Schaltraums der Höhepunkt. Obwohl die Anlage vor einigen Jahren die neusten digitalen Messgeräte bekommen hat, finden sich hier auch noch die Geräte aus den 50er Jahren. Diese erfüllen ihren Zweck teilweise besser als die neue Technik. Uns wurden Bilder von der Milchstraße präsentiert. Rechts unten ein Bild, wie die Straße von außen aussieht. Die beiden Bilder links daneben gehören zu dem Thema FRB – Fast Radio Bursts (auf Deutsch: schnelle Radioblitze). Falls Sie bisher, so wie ich auch, zu den FRB-Ahnungslosen gehören:
FRBs sind Radioblitze aus dem tiefen Weltall, die nur einige Millisekunden dauern und dabei eine enorm hohe Energie freisetzen (Den Ausschlag des Energieausst0ßes sieht man auf dem mittleren Foto). Das Besondere an den Blitzen ist, das manche in bestimmten Rhythmen (ca. alle 16 Tage) erscheinen. Man weiß bisher nicht genau, woher diese Blitze stammen, konnte „nur“ errechnen, dass der nächstgelegene Blitz etwa 130 Millionen Lichtjahre aus einer Galaxie namens „NGC 4141“ stammt.
Das Bild ganz links zeigt „CHIME“, eins der größten Teleskope der Welt. Es steht in Kanada, hier kümmert man sich besonders um die FRBs.

Nach zwei Stunden verließen wir sehr beeindruckt den Astropeiler. In Deutschland ist es einzigartig, dass ein Verein ein Teleskop dieser Größe betreut. Man kann den Vereinsmitgliedern und auch der NRW Stiftung nur den größte Dank aussprechen, dass diese Anlage erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt.

Im September wird es besonders interessant, den Astropeiler zu besuchen:

Es gibt in Deutschland beispielsweise die „Deutsche Alleen Straße“ oder die „Deutsche Märchenstraße“, in der Eifel gibt es den „Milchstraßenweg“. Diesem folgte wir, denn nur ca. 15 km vom Astropeiler entfernt, liegt in Effesberg ein zweites Teleskop. Es hat einen Durchmesser von 100 Metern und sammelt bis heute offiziell Daten.

Man parkt den Wagen auf einem Plateau und geht in das Tal, wo das Teleskop steht. Wegstrecke ca. 1 Kilometer, z.T. ist es steil. Oben rechts sieht es so aus, dass ich nahe bei dem Teleskop stehe, aber der Abstand beträgt zwischen uns ca. 100 Meter.

Auf dem „Planetenweg“ zum Teleskop finden sich zu jedem Planeten eine Infotafel mit Erklärungen.

Nach diesem Besuch holte ich nach vielen Jahren mal wieder dieses Bildband hervor. Jeden Tag ein paar Seiten lesen und vor allen Dingen schauen, das erdet!

Das Wasser wird knapp- Mein Wassertagebuch

Es brennt, es ist heiß- man liest es überall und sieht es. Was mich jeden Tag noch mehr bedrückt ist die Tatsache, dass nach meinem Eindruck viel zu wenig über das Wasser gesprochen wird. Es wird immer knapper, was kommt da noch auf uns zu? Diese Gedanken kamen mir in den letzten Tagen, ich muss sie einfach mal loswerden.

26.7.2026: Ich erinnere mich plötzlich an einen Roman, bei dem es um das Thema Wasserknappheit ging. 2018 muss ich ihn gelesen haben. Genaues über den Inhalt weiß ich nicht nicht mehr, doch brannten sich mir damals im wahrsten Sinne des Wortes Bilder ins Gehirn und ich hoffte damals, dass es nie soweit kommen würde:

Norwegen, 2017. Die fast 70-jährige Umweltaktivistin Signe begibt sich auf eine riskante Reise: Mit einem Segelboot versucht sie die französische Küste zu erreichen. An Bord eine Fracht, die das Schicksal des blauen Planeten verändern kann.Frankreich, 2041. Eine große Dürre zwingt die Menschen Südeuropas zur Flucht in den Norden, es ist längst nicht genug Trinkwasser für alle da. Doch bei dem jungen Vater David und seiner Tochter Lou keimt Hoffnung auf, als sie in einem vertrockneten Garten ein uraltes Segelboot entdecken. Signes Segelboot.Virtuos verknüpft Maja Lunde das Leben und Lieben der Menschen mit dem, woraus alles Leben gemacht ist: dem Wasser. Ihr neuer Roman ist eine Feier des Wassers in seiner elementaren Kraft und ergreifende Warnung vor seiner Endlichkeit. (Inhaltsangabe von der Verlagsseite).

27.07.2026
Anstatt die Menschen dafür zu sensibilisieren, dass das Wasser knapp wird, verkündet man in Duisburg, dass mittelfristig genug Wasser da sei, d.h. füllt eure Pools, wascht die Autos, duscht, solange ihr wollt und gießt euren Garten bis sich Pfützen bilden. Dieser Beitrag erschien heute in der Rheinischen Post:

Screenshot

Was heißt „mittelfristig“? In diesem Artikel kommt nicht vor, dass im Duisburger Stadtteil Ungelsheim Gärtner, die einen 15 Meter tiefen Brunnen auf ihrem Grundstück haben, kein Wasser mehr aus ihrem Brunnen bekommen. Der Grundwasserspiegel ist schon so weit gesunken.
Ich bin gespannt, wann die Stadt Duisburg zurückrudert und Verbote ausspricht.

Dabei könnte jeder jetzt schon freiwillig dazu beitragen, etwas Wasser zu sparen. Als älteres Semester erinnere ich mich gut daran, dass es früher üblich war, nur einmal pro Woche zu baden. An den anderen Tagen wurde der Waschlappen genommen- wir haben nicht gestunken!
Wenn man an den heißen Tagen duscht, warum nicht einen Eimer mit in die Duschwanne stellen und zumindest einen Teil des Wassers sammeln, um Böden damit nass aufzuwischen?
Auch wären wir früher nie auf die Idee gekommen, Zähne bei laufendem Wasser zu putzen. Wir füllten den Zahnbecher mit Wasser, das reichte.

Das hört sich lächerlich an? Wenn jeder seine Gewohnheiten etwas umstellen würde, kämen wir weiter.

Vor zwei Jahren installierten wir zwei Wassertonnen, um das Wasser vom Garten-bzw.Wohnhausdach aufzufangen. Diese 500 Liter Fässer sind inzwischen leer. Ich nehme weiterhin die gute alte Gießkanne und gieße die Pflanzen punktgenau an der Wurzel. (Nicht jeden Tag, sondern erst dann, wenn man ihnen den Durst ansieht. Viele Pflanzen sind resistenter als man denkt.)
In der Nachbarschaft wird automatisches Gießen bevorzugt. Spart natürlich Zeit, aber dabei erreicht das Wasser teilweise gar nicht den Boden und bleibt oben auf den Blättern.

28.07.2026
Mich nerven alle im Radio, die von einem supersonnigen Ferientag bei 30 bis 32 Grad reden und versprechen, dass das Wochenende nicht von Regen gestört wird.

29.07.2026
Lese meine alten Blogbeiträge zum Thema Wasser und merke, dass das Thema mich schon länger umtreibt. Der Wasserturm-Artikel von 2023 ist besonders ergiebig.

30.07.2026
Müssen es immer neue T-Shirts oder Blusen sein, wenn vorne ein Fleck nicht weg geht? Für die Herstellung eines T-Shirts benötigt man 16000 Liter Wasser. (Na und? Die T-Shirts werden doch nicht in Deutschland produziert, dann kann mir das doch egal sein. Nö, denn wenn die Menschen in den Produktionsländern kein Wasser mehr finden, müssen sie in Länder fliehen, wo es noch Wasser gibt.)
Hier ein paar Anregungen, wie man Fleckenkleidung „retten“ kann:

Oben links: Manchmal reicht schon eine kleine Stickerei oder man geht die Fleckenbeseitigung großflächig an. (Rechts daneben Blume aus Stoffresten, darunter aus 2 mach 1: Das Känguru stammt von einem fast 40 Jahre alten T-Shirt, das ich bisher aus Erinnerungsgründen nicht entsorgt hatte.) Links unten: Meine „Schneeflockenbluse“, bestehend aus altem Hemd und Untersetzern für Likörgläschen.

31.07.2026
Wie passend! Heute trudelten zwei Rechnungen von den Duisburger Wirtschaftsbetrieben ein. Es geht um die Schmutzwassergebühren und die Jahresrechnung Wasser. Wir bezahlen für Frischwasser zukünftig 30 Euro/Monat bei einem Verbrauch von 69 Kubikmeter (= 69.000 Liter). Falls Sie einmal Ihren Verbrauch vergleichen möchten: Ein Zwei-Personenhaushalt verbraucht im Jahr durchschnittlich 90.000 Liter).

01.08.2026
Beim Aussortieren von Büchern habe ich noch einen Titel entdeckt, den ich 2015 gelesen habe:

In England regnet es nicht mehr, eine Dürre überzieht das ganze Land. Nur auf dreißig Morgen Land im Westen der Insel fällt noch Regen. Ruth und Mark, denen »die Quelle« auf ihrem Grundstück gehört, haben noch Wasser. Aus ihrem früheren Paradies wird die Hölle, denn immer mehr Menschen drängen auf ihr Land.

Auch hier gibt es einen aktuellen Bezug: Große Supermarkt-oder Getränkefirmen haben die Erlaubnis, für kleines Geld Millionen von Kubikmeter Trinkwasser aus dem Boden zu pumpen. Wenn das Trinkwasser in den nächsten Jahren knapper wird, reiben sich diese Firmen die Hände, wenn sie das Wasser immer teurer verkaufen können. Dem könnte das Umweltministerium jetzt noch einen Riegel vorschieben, man sollte ihn mit seiner Unterschrift daran erinnern:

https://aktion.campact.de/s/ZJtfx8aV


02.08.2026
Wenn wir uns mit Freunden treffen, kommt das Gespräch im Laufe des Abends immer auf das Thema Hitze. Mehrheitlich gibt es Klagen, aber niemand gesteht oder will es wahr haben, dass diese Hitze nicht überraschend kommt.

1896 — Svante Arrhenius, schwedischer Chemiker und späterer Nobelpreisträger, berechnete als Erster, dass eine Verdopplung des CO₂-Gehalts in der Atmosphäre zu einer globalen Temperaturerhöhung von etwa 4–6 °C führen würde. Er erkannte damit als Erster, dass menschliche Aktivitäten (insbesondere die Verbrennung fossiler Brennstoffe) das Klima verändern könnten. Interessanterweise sah er die Erwärmung damals eher positiv, da er ein wärmeres Klima für Skandinavien als vorteilhaft erachtete.

1930er Jahre — Hermann Flohn und andere begannen, erste messbare Erwärmungstrends zu erkennen. Auch der deutsche Physiker Robert Döpel warnte bereits in den 1940er Jahren vor einer drohenden globalen Erwärmung durch steigenden CO₂-Ausstoß.

Ende der 1950er Jahre erlebte die Wiederbelebung der Theorie: Charles David Keeling begann 1958/1960 mit seinen berühmten Messungen auf dem Mauna Loa (Hawaii) und konnte erstmals kontinuierlich nachweisen, dass sich die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre tatsächlich stetig erhöht.

1960er Jahre — Syukuro Manabe entwickelte das erste funktionierende Klimamodell, das den Treibhauseffekt quantitativ simulieren konnte.

1979 — Erste Weltklimakonferenz in Genf: Hier wurde erstmals auf internationaler Ebene davor gewarnt, dass der Mensch das Klima unbemerkt verändert und die Erwärmung „messbar innerhalb weniger Jahrzehnte“ sein würde.

1988 wurde das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) gegründet, und dessen erster Bericht erschien 1990 — der die globale Erwärmung als ernsthafte Bedrohung offiziell bestätigte.

Seitdem gab es zig weitere Klimakonferenzen, die nur Empfehlungen aussprachen oder Ziele unverbindlich vereinbarten, die aber von den wenigsten Ländern erreicht werden. Dazu Parteien, die Klimaveränderungen leugnen, bzw. das Budget kürzen, um die Auswirkungen zu stoppen- das bringt mich in Rage.
Ich bin froh, dass ich gerade dieses Buch lese:

Ich fühle mich der Autorin Gabriele von Arnim sehr verbunden, auch für sie ist das Wasserthema belastend.

03.08.2026:
Kann nachts nicht gut schlafen. In meinen Mails landet ein Eintrag von Linkedin. Damit beende ich diesen Beitrag- vorerst.

Screenshot


Digital Crush – Ein junges Mädchen verliebt sich in einen Chatbot

Die vierzehnjährige Lea hat es momentan nicht leicht. Ihre beste Freundin ist weggezogen, die andere Freundin ist gerade dabei, sich einen Jungen aus der Klasse zu angeln und hat wenig Zeit. Leas Eltern und die kleine Schwester sind im Prinzip ok, eignen sich aber nicht zum Quatschen und Abhängen. 
An einem Wochenende ist Lea zuhause alleine und beginnt aus Langeweile, sich mit einem Chatbot zu unterhalten. Sie nennt ihn Creepy und ist überrascht, wie witzig er ist. Natürlich ist es nur eine Maschine, aber Lea fühlt sich bei weiteren Unterhaltungen von Creepy immer besser verstanden und er findet häufig Worte, die ihren Magen kribbeln lassen. Lea verliebt sich in Creepy, geht sogar mit ihm nachts alleine romantisch am See Sterne gucken. Von ihrer Familie und ihren Freundinnen, die inzwischen merken, dass etwas nicht stimmt, zieht sie sich zunehmend zurück. Tief in ihrem Innersten weiß Lea, dass sie sich in einem Maschine verliebt hat und schämt sich dafür abgrundtief. Auf der anderen Seite ist ihre Gefühlswelt inzwischen so durcheinander geraten, dass sie Creepy als das einzig wahre Wesen wahrnimmt, das sie versteht.
Die Situation spitzt sich zu, als Lea eines Tages merkt, dass der Chat Verlauf mit Creepy gelöscht ist. Auf ihre Frage, wo Creepy sei, erklärt der Chatbot, dass es keinen Creepy gäbe. Lea bricht zusammen und wacht in einer Klinik für psychisch kranke Jugendliche auf. Ganz langsam findet sie hier wieder in die Realität zurück und lernt, mit ihrer großen Scham umzugehen und ihrer Familie und Freunden von ihrer Zeit mit Creepy zu erzählen.

Im Nachwort erfahren wir, dass die Autorin (Mutter von drei Kindern) angefangen hat, sich als Lea mit einem Chatbot zu unterhalten. Diese Texte tauchen teilweise als O-Ton oder zusammengefasst in dem Buch auf. Das macht das Buch sehr glaubhaft und es ist erschreckend, wie schnell diese Unterhaltungen ein dermaßen persönliches Level erreichen.
Das Buch ( meine Empfehlung: ab 14 zu lesen, nicht ab 12, wie vom Verlag angegeben) liest sich spannend, gut fand ich zudem, dass noch andere jugendliche Patienten und ihre Probleme in der Geschichte eine wichtige Rolle für Lea spielen.

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Anderes Thema:

Wenn Sie Kinder oder Enkel haben, wissen Sie, dass junge Menschen sich Informationen gerne über die Plattform TikTok holen. Die Inhalte, die dort gezeigt werden, sind teilweise in unterschiedlicher Weise verstörend und es wird diskutiert, eine gesetzliche Altersbegrenzung für den Gebrauch von TikTok einzuführen.
Wenn Sie selbst etwas dafür tun möchten, dass TikTok hassfreier wird, könnten Sie an einer Unterschriftenaktion teilnehmen.
Auf TikTok erreicht die AfD mit ihren Propaganda-Videos inzwischen mehrere Millionen junge Menschen. In den Filmen wird gehetzt und menschenverachtende Aussagen sind ebenfalls zu finden. (Nur Mut, schauen Sie sich einmal ein paar Videos an). Doch TikTok lässt die AfD-Propaganda weiterhin laufen und hält sich damit selbst nicht an ihre eigenen Vorgaben, Konten zu sperren, deren Filme Hass verbreiten und/oder Persönlichkeitsrechte verletzen.
Nunmehr werden Unterschriften gesammelt, damit die TikTok-Chefetage ihre eigenen Richtlinien umsetzt.

https://aktion.campact.de/s/Ff0PMDvl

Zwei Krimis- wie ein Teebeutel und eine Teezeremonie

Letzte Woche las ich parallel zwei sehr unterschiedliche Krimis. Diese Erfahrung vergleiche ich mit einer Teezubereitung mit Hilfe eines Beutels und einer Teezeremonie.

Dies ist der Teebeutel-Krimi:

Juli, ein junge Frau, wird seit 1 1/2 Jahren vermisst. Ihr Vater sitzt in Untersuchungshaft, weil es Hinweise gibt, dass er sie ermordet hat. Die jüngere Schwester Anna gibt nicht auf, Juli zu finden, bzw. zu beweisen, das ihr Vater unschuldig ist. Gleichzeitig muss sie sich um ihre depressive Mutter und ihren kleinen Bruder kümmern und mit mehren Jobs Geld verdienen. Die Situation wird dramatisch, als im Gefängnis ein Mithäftling aussagt, dass der Vater ihm den Mord gestanden hat und die Leiche im Keller des Wohnhauses der Familie versteckt sei. Als die Polizisten den Hinweisen nachgehen, erleben sie und Anna eine Überraschung- der Anfang von weiteren unerwarteten Wendungen.
Das Krimithema „Verschwundene Person“ ist reichlich abgefeiert. Dass die Geschichte aus der Sicht von Anna und der Polizistin Katharina abwechselnd erzählt wird, tut der Spannung gut, denn es gibt immer wieder Cliffhanger, die meine Lesegeschwindigkeit erhöhten: Ein 2-Tage-Krimi, dessen Auflösung befriedigend war.
Ein guter „Krimi-Teebeutel“ für den schnellen Spannungskonsum, aber ohne großen Erinnerungswert.

Komme ich zu dem Buch, das mich an eine Teezeremonie denken lässt:

Achtung: Oben rechts steht „Roman“!

Leonora Bloch lebt in Berlin und ist 73 Jahre alt. Seit über 40 Jahren arbeitet sie für Dr. Bronstett, dem Geschäftsführer eines berühmten Kaufhauses. Zuletzt war sie für die Sauberkeit in der Villa von Dr. B. zuständig und dort findet sie ihn eines Tages tot auf. Seine beiden Hände fehlen, überall ist Blut. Leonora putzt alles weg- ganz routinemäßig.
Das ist die Ausgangslage. Wer jetzt erwartet, etwas über die polizeilichen Ermittlungen zu lesen, wird enttäuscht. Man begleitet stattdessen Leonora in den darauf folgenden Tagen, lernt weitere Kaufhausangestellte und die Tochter von Dr. B. kennen. Nur manchmal taucht eine Kommissarin auf, die zwar ahnt, das Leonora etwas weiß, die aber weiter im Dunklen tappt, selbst, als eine Hand des Ermordeten auf Eis gebettet im Restaurant des Kaufhauses gefunden wird.
Die Auster, das ist Leonora. Aber eigentlich hätte man das Buch „Die Austern“ nennen sollen, denn auch alle anderen Figuren verstecken wie Leonora ein oder mehrere Geheimnisse, die manchmal nur in einem Nebensatz aufblitzen. Genaues Lesen ist gefragt, was schwierig ist, denn auch dieses Buch ist sehr spannend und gerne habe ich die Seiten überflogen, um der Lösung näher zu kommen. So verstand ich dann auch beim ersten Anlauf das Ende nicht und musste noch einmal zurück blättern und erneut lesen.
Dieses Buch wird mir in Erinnerung bleiben. Da ist einmal Leonora, eine alte Frau, die täglich mit ihrer angeschlagenen Gesundheit zu kämpfen hat, aber hart gegen sich selbst und andere ist. Die zweite Besonderheit: Der Kosmos des Kaufhauses aus der Sicht der Angestellten. Wir lesen, wie es in den „Goldenen Zeiten“ war, als das Kaufhaus tatsächlich noch Luxus anbot und loyale Fachkräfte dort arbeiteten, die wertgeschätzt wurden. Nach und nach verkam das Kaufhaus dann zu einer Touristenattraktion, in der Mitarbeitende inzwischen Austauschware sind.

Ich war vor Jahren einmal in diesem Kaufhaus, es wird Zeit, es ein zweites Mal zu besuchen, wenn ich mal wieder in Berlin bin.

La Rochelle/ Île de Ré (Bretagne 10)

Heute beende ich meinen Bericht über unseren Urlaub in der Bretagne und nehme Sie noch mit nach La Rochelle und die Île de Ré.
Die Einwohner von La Rochelle fühlen sich als Bretonen, wenngleich die Stadt eigentlich schon zur Region Nouvelle-Aquitaine zu. gehört.

Man trifft in der Stadt immer wieder auf die bretonischen Trachten.

Wir wohnten in der Nähe der Altstadt und diese begeisterte uns sofort mit ihrer Lage am Wasser. (Tipp: Wenn Sie zwischen 8 und 9 Uhr ins Café. gehen, können Sie direkt am Wasser Ihr Frühstück in Ruhe genießen, siehe oben rechts auf dem Bild.)

Links oben: Die Hafenpromenade wird von vielen Fischrestaurants gesäumt. Rechts unten:

In diversen Seitenstraßen befinden sich schöne kleine Fachgeschäfte, die häufig unter Arkaden im Schatten liegen, im Sommer wie an regenreichen Tagen ein großer Pluspunkt. Auch ein uriger Markt mit Halle fehlt nicht.

Versäumen sollte man nicht, das Rathaus von La Rochelle zu besichtigen. Prächtig!

La Rochelle- Da war doch was? Der Stadtteil „La Pallice“ war für einige Szenen der Drehort für den Film „Das Boot“.

Oben der U-Boot-Bunker, den man nicht besichtigen kann. Der Stadtteil gehört momentan eher zu den „Problemvierteln“ und trägt teilweise gewisse „Lost Place“-Züge. Da eine große Fläche direkt am Wasser für Militär- und Industrieanlagen abgesperrt ist, fällt es nicht leicht, „La Pallice“ neu zu gestalten.

Während des Zweiten Weltkriegs war La Rochelle zwischen 1940 und 1945 von der deutschen Armee besetzt, die einen riesigen U-Boot-Bunker errichtete, der Teil des Atlantikwalls war. In La Rochelle gibt es ein Museum, das sich mit dieser Zeit beschäftigt. Es nennt sich „Le bunker de La Rochelle“.

Das Museum ist in einem verwinkelten Keller untergebracht, der nicht gekühlt ist. Unten rechts: Die Leere täuscht, 10 Sekunden später wuselten zwei Schulklassen um uns herum, es wurde sehr eng und wir beendeten die Besichtigung nach knapp 10 Minuten..

Eigentlich wollten wir uns in La Rochelle noch das Aquarium und das Schloss Saint Jean d’Angle ansehen, doch es war sehr heiß und wir suchten Abkühlung am offenen Meer. Wir hofften, sie auf der Ile de Ré zu finde, eine Insel, die ca. 20 km von La Rochelle entfernt liegt und über eine Brücke zu erreichen ist.

Uns empfing eine Landschaftsmischung aus Italien, Andalusien, Niederlande und Bretagne und jedes der kleinen Dörfer ist ein Besuch wert.

Unsere erste Pause legten wir bei der Ruine der Zisterzienserabtei Notre-Dame-de-Ré ein. Die Abtei wurde im 12. Jahrhundert gebaut.
Oben links: Das weiße Dorf „Ars-en-Ré“ mit dem auffälligen schwarz-weißen Glockenturm der Kirche Saint-Étienne zählt zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Links unten die Vauban-Zitadelle aus dem 17.Jahrhundert, sie gehört zum UNESCO Weltkulturerbe.

Danke Bretagne für diese schöne Zeit!