Dieses Buch ist wie eine Aspirintablette bei Kopfschmerzen. Man ist froh, dass es in der Nähe ist und sofort hilft, wenn es nötig ist.
Die amerikanische Lyrikerin Mary Oliver ( 1935-2019) lebte in Neu England und später in Florida und reiste nur sehr wenig. Ihre Inspirationen für ihre zwanzig Gedichtbände fand sie manchmal in Alltagssituationen, aber hauptsächlich bei Aufenthalten in der Natur. Dieses Buch ist eine Gedichtauswahl aus allen Bänden, die die Autorin zwei Jahre vor ihrem Tod selbst zusammenstellte. Liest man die Texte, hat man das lebendige Gefühl, durch einen Wald zu gehen, auf einer Parkbank zu sitzen, am Meer zu stehen oder eine Aussicht zu genießen. Die Gedichte zu lesen tut sooo gut! Gerade jetzt im Winter bringen sie uns Erinnerungen an schöne Sommertage zurück, machen Vorfreude auf die nächste helle Jahreszeit und lassen uns alles um uns herum vergessen. Sie animieren uns, genau hinzusehen und auf die nächsten Beobachtungen neugierig zu sein. Dabei ist Mary Oliver nicht unkritisch und einige Gedichte sind eine dringende Mahnung, sich Gedanken um den Umgang mit der Natur zu machen. Mary Olivier ist keine Sprachakrobatin, sie schreibt klar und eindeutig. Das macht ihre Gedichte für jeden gut lesbar, selbst wenn man normalerweise keine große Lyrikzuneigung hat. Es gibt kurze und längere Gedichte, dazwischen sind auch kurze Prosatexte gestreut. Genau richtig, um zwischendurch sich ein bisschen „Olivermedizin“ zu gönnen. Mary Oliver drückt eine tiefe Dankbarkeit aus, ein Teil der Natur sein zu dürfen. Dabei ist ihr durchaus klar, dass sich die Natur kein Deut darum kümmert, ob und wie der Mensch sie wahrnimmt. Sie hat ihre eigenen Gesetze und ihre eigene Macht.
Das Leben in der Natur hat Mary Oliver gelehrt, Vergangenes ruhen zu lassen und sich nicht zu viele Gedanken um die Zukunft zu machen. Sie ist eine überzeugte Botschafterin, im Jetzt zu leben und das Beste aus jedem Tag zu machen.
Doris Dörrie hat ein sehr persönliches Vorwort zu diesem Buch geschrieben. Im Nachwort von Jürgen Brôcan erfahren wir mehr über Mary Oliver und ihr Werk wird interpretiert. Mit Wissen dieser Texte kann man das Buch noch einmal lesen, entdeckt Neues, bewertet die Erfahrungen im ersten Lesedurchgang. Oder man macht sich gar keine Gedanken über das Wie und Warum und liest Mary Olivers Gedichte, wenn man sich mal wieder etwas Gutes tun möchte.
Haben Sie ein Konto bei Facebook und /oder Instagram?
Folgender Text ist ein Auszug von der Seite „Good News“ vom 17.11.25. Es geht darum, dass META, die Firma, der Facebook, Instagram und auch Whats App gehört, nicht nur Nutzerdaten auf ihren eigenen Seiten sammelt, sondern auch beispielsweise auf Apotheken-Seiten oder anderen Onlinehandel-Seiten. Nun gibt es dagegen eine deutschlandweite Sammelklage, der man sich anschließen kann.
Symbolbild für das Sammeln aller Daten
Textauszug: Das Ausmaß des Datensammelns durch Meta ist für Nutzer kaum zu erkennen. Möglich machen es die sogenannten Business Tools – winzige Tracking-Codes, die auf zahlreichen anderen Webseiten und Apps, die nichts mit Facebook oder Instagram zu tun haben, verbaut sind. Sobald ein Nutzer eine solche Seite besucht, werden die getrackten Daten an Meta gesendet – selbst dann, wenn man auf dem Gerät gar nicht in seinem Facebook- oder Instagram-Konto eingeloggt ist. Meta kann so unter anderem nachvollziehen, wo sich die Nutzer im Internet bewegen, welche Produkte sie sich wie lange ansehen und über welche IP-Adresse sie unterwegs sind.
Für die Weitergabe der Daten an Meta braucht es eigentlich das Okay der Nutzer. Doch viele Websites lassen Besuchern bei den Cookies-Einstellungen kaum echte Wahlmöglichkeiten, beziehungsweise verstecken die Tragweite der Zustimmung im Kleingedruckten. In Einzelfällen wurden Daten nachweislich sogar ohne Einwilligung an Meta weitergegeben. Der Konzern selbst kontrolliert nicht, ob Nutzer auf der Drittseite wirklich eingewilligt haben – er verarbeitet die Daten so oder so.
Wie Sie sich der Sammelklage kostenlos anschließen können
Bei der Sammelklage mitmachen kann grundsätzlich jeder mit einem Facebook- oder Instagram-Konto. Das sind schätzungsweise 50 Millionen Menschen in Deutschland. Die Sammelklage bündelt gleichgelagerte Ansprüche vieler Betroffener – ähnlich den Sammelklagen in den USA.
Die Anmeldung ist derzeit über die Webseite meta-klage.de möglich. Je nach Erfolgsfall könnten Minderjährigen bis zu 10.000 Euro, Erwachsenen bis zu 5.000 Euro zugesprochen werden. Das offizielle Klageregister vom Bundesamt für Justiz soll im Dezember eröffnet werden. Ein Prozessfinanzier trägt sämtliche Kosten. Er erhält im Erfolgsfall dafür rund zehn Prozent des zugesprochenen Schadensersatzes. Das sei ein gängiges Modell, sagt Hannah Ruschemeier, Rechtswissenschaftlerin an der Uni Osnabrück.
Streitwert in Milliardenhöhe
Selbst wenn sich nur ein Prozent aller Klageberechtigten anmeldet, könnte das einen Streitwert in Milliardenhöhe ergeben. Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamburg wird die Sammelklage sehr wahrscheinlich auch noch dem Bundesgerichtshof vorgelegt werden. Ein Urteil dort dürfte frühestens Ende 2026 fallen.
Ein Erfolg der Kläger könnte erheblichen finanziellen Druck auf Meta ausüben, so Ruschemeier. „Gerade, wenn sich viele Verbraucher dieser Sammelklage anschließen, werde es für den Konzern deutlich teurer.“ Für die Verbraucher wäre der Erfolg vor Gericht ein Schritt hin zu mehr Datenhoheit und digitaler Selbstbestimmung.
Haben Sie ein Konto bei LinkedIn?
Seit dem 3. November 2025 füttert LinkedIn seine KI mit den Daten der Nutzer, um seine KI zu trainieren. Hier ein Auszug aus einem Text vom „ZDF heute“:
Das Icon von LinkedIn
Textauszug: Christine Steffen, Juristin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW), weist darauf hin, „dass alles, was an Text, Bild und Kommentaren auf LinkedIn gepostet wird, als Trainingsdaten in der LinkedIn-KI landet“. Sie gibt zu bedenken, dass Daten, die einmal zum Training der KI verwendet wurden, sich im Nachhinein nicht einfach löschen ließen. Damit seien die Betroffenenrechte wie das Recht auf Löschung oder Korrektur infrage gestellt.
Nutzung von Daten widerrufen
LinkedIn setzt voraus, dass die Nutzer mit der Verwendung ihrer Daten einverstanden sind – das bedeutet: Wer nicht aktiv widerspricht, akzeptiert das. Wer widersprechen will, muss eine Einstellung zurücksetzen. Das funktioniert folgendermaßen:
Bei LinkedIn einloggen
Auf das Profilbild klicken, dann auf „Einstellungen & Datenschutz“ gehen
Im Menü den Bereich Datenschutz auswählen
Unter der Überschrift „So verwendet LinkedIn Ihre Daten“ den Abschnitt „Daten zur Verbesserung generativer KI“ (oder ähnlicher Wortlaut) auswählen. Diese Option ist standardmäßig aktiviert.
Funktion / Button zur Zustimmung zur Nutzung Ihrer Daten für KI-Training ausschalten
Weniger Transparenz bei LinkedIn
LinkedIn kündigt außerdem an, dass zukünftig weniger vorab über Änderungen an den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und der Datenverarbeitung informiert wird. Das bedeutet, dass neue Funktionen ohne umfassende Vorankündigung eingeführt werden könnten. Umso wichtiger für Nutzerinnen und Nutzer, alle Mitteilungen zu Änderungen – vor allem, wenn sie Datenschutz, Datennutzung und KI-Funktionen betreffen – besonders aufmerksam zu lesen und zu prüfen, ob Einstellungen selbst aktiviert beziehungsweise deaktiviert werden können.
Jan Rose ist 1,75 m groß und wiegt 147 kg, als bei einem Vorstellungsgespräch sein Stuhl unter ihm zusammenbricht und er die Stelle nicht bekommt. Das ist für ihn der Auslöser, für sechs Wochen in eine Klinik zu gehen, um abzunehmen. Endlich wieder die sportliche Figur von früher bekommen!
Die Sport- und Ernährungskurse auf dem Butterberg hält Jan für zielführend, mit den Gesprächsstunden und kreativen Workshops kann er nicht viel anfangen. Mit den anderen Patienten versteht er sich gut, ja man kann schon fast vor einer eingeschworenen Gemeinschaft sprechen und er fühlt sich immer wohler. Auch nimmt er wöchentlich ein paar Kilo ab. Doch dann beginnt der Chefarzt Dr. Holthausen sich mehr um Jan zu kümmern, denn er ist der einzige, der kaum etwas über sich verrät. Die anderen Patienten haben zumeist eine erschütternde Vorgeschichte, die sie dazu gebracht hat, unkontrolliert zu viel zu essen. Doch Jan weiß nichts zu erzählen. Er ist Single und sein Beruf im Verlag macht ihm Spaß, wenn es auch oft stressig ist oder er deswegen vielleicht ab und zu mal zu viel isst. Nur langsam gelingt es dem Chefarzt, zu Jans verdrängten Problemen durchzudringen. Das wirkt sich am Anfang auf Jan verheerend aus, doch letztendlich beginnt er Schritt für Schritt, sein Leben und Verhalten zu hinterfragen. Allein zuhause viel zu essen war für ihn bisher ein Rückzugsort, an dem seine Seele Frieden fand und geschützt war vor Demütigungen und Ängsten beim Umgang mit anderen Menschen. Jan verlässt die Klinik in dem Wissen, dass er nie mehr der alte sportliche Jan werden wird und sich auf einen Weg machen muss, auf dem er lernt, sich zu akzeptieren und im Umgang mit Menschen mehr Selbstvertrauen zu zeigen.
Der Autor Sven Weiss hat in diesem Roman seine eigenen Klinikerfahrungen eingearbeitet. Mich hat seine Ehrlichkeit sehr beeindruckt und nachdenklich gemacht.
Vielleicht ist ja die Mimikama Homepage für Sie ein alter Hut, ich kannte sie nicht und bekam den Tipp von einer jungen Frau, die bei einer Firma arbeitet und mit der Fütterung von KI ihren Lebensunterhalt als Studentin verdient.
Mimikama ist der Name einer Internetseite, auf der fast täglich Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht werden. Diese Nachrichten tauchen frisch in den sozialen Medien oder in Printmedien auf. Dabei wird unterschieden, ob es sich um reine Fake-News handelt oder inwieweit eine Aussage stimmt, aber verfälscht wurde.
So sieht die Eingangsseite aus:
Klickt man auf die blauen „Mimikama“ Felder, öffnet sich eine neue Seite. Dazu ein Beispiel. Die Fotos 1-5 zeigen an, in welcher Reihenfolge die Informationen kommen, wenn man auf der Seite nach unten scrollt.
Diese Informationen stehen kostenlos zur Verfügung. Wenn man zusätzliches Hintergrundmaterial lesen möchte und Artikel, die zu diesem Thema passen, gibt es drei Versionen, bei denen man eine Gebühr bezahlt.
Wenn ich diese Berichte gelesen habe, brauche ich manchmal einen Ausgleich und lese “Good News“. Auch hier werden fast täglich neue Nachrichten verkündet. Diese verbessern die Laune und es ist toll zu sehen, welche Möglichkeiten Menschen haben und was sie schaffen können, wenn der Mut und der Wille zur Veränderung da ist. So werden diese Nachrichten präsentiert:
Beide Seiten haben mir in den letzten Wochen bereits geholfen, bei Diskussionen neue Fakten und Ideen in die Runde zu werfen und das Interesse war geweckt.
Anfang Oktober erkrankte ich zum zweite Mal an COVID. Neben Kopf-, Glieder- und Halsschmerzen tauchten, während ich im Bett lag und darauf wartete, dass mein Körper sich wieder berappelt, dieses Mal ungewohnt düstere Gedanken auf, gegen die ich mich nicht wehren konnte. Was passierte da in meinem Kopf? Dies war die Motivation, dass ich einige Tage später dieses Buch las:
Rachel Barr ist Mitte dreißig und auf TIKTOK ein Star. Sie ist Doktorin der Neurowissenschaften und erklärt dort, wie unser Gehirn funktioniert. Das macht sie mit viel Humor, ohne wissenschaftlichen Dünkel und mit viel persönlichem Engagement. Und genau diese drei „Zutaten“ findet man auch in ihrem Buch. Auch hier zeigt sie zuerst, wie die Abläufe in unserem Gehirn sind. Sie benutzt dabei das Bild einer Zeitungsredaktion (z.B. Chefredakteur, Klatschkolumnistin, Ressortleiter). Das fand ich genial, denn endlich verstand ich die Zusammenhänge und werde diese auch behalten. Warum ist unser Gehirn nun unser bester Freund, kann aber auch unser ärgster Feind sein? Sehr kurz zusammengefasst: Unser Gehirn sorgt dafür, dass alle Körperteile ihre Aufgaben erfüllen und miteinander funktionieren. Es liefert uns eine grobe Einschätzung der Welt und ist für unser Selbstwertgefühl, das Selbstbewusstsein, das Selbstgefühl und dem wichtigen Selbstmitgefühl zuständig. Das alles macht das Gehirn ganz freundschaftlich nach bestem Wissen und Gewissen. Und da genau liegt das Problem: Es orientiert sich leider immer noch sehr oft an seinem Wissen, das aus der Zeit stammt, in der wir alle in kleinen Gruppen noch als Sammler und Jägern durchs Land zogen. Hier kann das Gehirn dann zum ärgsten Feind werden. Nur ein Beispiel: Aus Urzeiten ist das Gehirn immer darauf bedacht, allem Gefährlichen mehr Aufmerksamkeit zu schenken und das abzuspeichern. Positives gefährdet nicht unser Leben, nur Schlechtes wird behalten. Das ist auch heute noch wichtig, aber eben nicht mehr überall. (Dem Umgang mit den heutigen Sozialen Medien wird deshalb ein eigenes wichtiges Kapitel gewidmet). Unser Gehirn saugt schlechte Nachrichten ein und behält sie, es könnte ja mal wichtig sein. Das ist für unser Gemüt aber reines Gift. Wir werden gestresst, depressiv und unser Selbstgefühl verschlechtert sich zunehmend, wenn man nicht gegensteuert und „der Bestie“ (ja, so nennt die Autorin tatsächlich das Gehirn an mehreren Stellen) die schlechten Nachrichten vorenthält und es beruhigt, dass keine Gefahr besteht. Das Gehirn immer wieder mit Kleinigkeiten positiv zu entzücken heißt das Gebot der Stunde. Aber Vorsicht: Auch hier lauert eine Gefahr: Das Gehirn fühlt sich verpflichtet, uns dabei zu helfen und liefert uns Vorschläge für schnelles Wohlgefühl: Alkohol, Essen, Shopping. Wenn es geht, arbeitet unser Gehirn mit dem kleinst möglichen Aufwand, aber auf längere Sicht tun uns solche Vorschläge nicht gut. Wir müssen dem Gehirn also zeigen, dass es darüber hinaus auch andere Möglichkeiten gibt, gute Gefühle zu erzeugen. Lesen, Musik hören, Bewegung, Naturaufenthalte und kein Multitasking mehr! Beim Essen den Roman lesen und über Kopfhörer Musik hören. Gar nicht gut für das Gehirn, denn es braucht für jede Aufgabe Nahrung, um alles ordentlich zu verarbeiten. Bei drei Aufgaben kommen alle zu kurz bei der Nahrungsverteilung, das Gehirn ist gestresst, gute Gefühle kommen nur begrenzt auf. (Auch kein Multitasking mehr auf der Arbeit, das ist noch schlimmer: Telefonieren, dabei gleichzeitig Mail schreiben, aufploppende Nachrichten lesen, kurz in sein Brötchen beißen). In zwei Kapiteln widmet sich die Autorin der Wichtigkeit von gutem Schlaf und täglicher Bewegung. Auch hier fließen ihre eigenen Erfahrungen mit ein und sie weiß, dass es nicht einfach ist, dem Gehirn angemessen etwas Gutes zu tun. Sie plädiert für ganz kleine Schritte zur Verbesserung und zeigt bei „mehr Bewegung“, wie man kreativ dies umsetzen kann. Besonders lesenswert fand ich das Kapitel über die zunehmende Einsamkeit. Unser Gehirn braucht Umgang mit Menschen, aber Rachel Barr definiert dabei die Notwendigkeit von sozialem Umgang sehr viel weiter und eröffnet damit neue Wege, der Einsamkeitsfalle zu entgehen.
Ich lese das Buch gerade zum zweiten Mal und merke, dass die erste Lektüre schon ein bisschen Früchte getragen hat. Ich rede mit meinem Gehirn- klar, hört sich lächerlich an, aber es beispielsweise mal in seine Schranken zu weisen, wenn es wieder ein Problem wälzt, das tut gut. Auf meinem Handy habe ich ein Album mit meinen Lieblingsfotos angelegt, hat mir schon zweimal bei Frust geholfen. Ich lese gerade ein Science-Fiction Buch, obwohl ich dieser Richtung nicht viel abgewinnen kann. So folge ich dem Tipp, das Gehirn aus seiner Komfortzone zu holen. Und ich setzte mich hin und höre nur Musik, tue nichts anderes. Was kann man in Musik alles entdecken, wie schön kann man tagträumen…
Am Samstag fand die Premiere von Verdis Oper „Nabucco“ im Duisburger Stadttheater statt. Ich durfte als „Opernscout“ wieder mit dabei sein und war wie immer völlig unvorbereitet, um als Scout nicht von anderen Meinungen beeinflusst zu sein.
Der Abend begann mit einer Rede der Duisburger Dezernentin Linda Wagner. U.a. lobte sie die Schnelligkeit und Professionalität des Bauherrn, der während der Sommerpause das Duisburger Theater so schnell wieder auf Vordermann gebracht hat, dass ab sofort wieder Aufführungen stattfinden können. Frage: Könnte man diesen Bauherrn nicht einmal für den U-Bahn-Zugang „Steinsche Gasse“ ausleihen?
Der hier zuständige Bauherr ist ein professioneller Vertröster und kann nichts bezüglich Fertigstellung versprechen. Deshalb gibt es jetzt eine „Geburtstagsparty“, auf der ein weiterer Versuch gestartet werden soll, um mit der Stadt Duisburg ins Gespräch zu kommen, die sich bezüglich der Angaben der Gründe für diese zweijährigen Sperrung sehr zurück hält.
Sorry, ich weiche ab…
Kurz zum Inhalt von Nabucco: Es ist die Geschichte der Gefangennahme des hebräischen Volkes durch den babylonischen König Nabucco. Da gibt es die Kämpfe zwischen dem König und dem Hohepriester der Hebräer und zwischen den Töchtern des Königs, Abigaille und Fenena, nachdem Nabucco den Verstand verliert.
Der Vorhang geht auf und die Zuschauer sehen einen Film von einem Tagungstisch mit Namenskärtchen der Hauptdarsteller. Danach wird auf ein hohes modernes Haus umgeschwenkt und wir sehen friedliche Alltagsszenen in Wohnungen. Plötzlich eine Bombe, der Tagungsraum löst sich in Netflixvorspannmanier auf und plötzlich taucht die Bühne mit dem zerstörten Haus und vielen der Bewohner vor unseren Augen auf. Das lässt niemanden kalt und ist sehr beeindruckend.
Aber:
Schnell merkte ich, dass ich ein grundsätzliches Problem mit Verdis Oper „Nabucco“ habe. Im 1. Akt erklingen fast alle Lieder in C-Dur, für mich gleichbedeutend mit heiter und hell. In der deutsche Textanzeige, (die Oper wird in italienischer Sprache gesungen), war von „Blutmeer“, „Todesqual“ oder „Mord“ zu lesen. Im 2. Akt bricht eine Frau über einem Grab zusammen, auch hier erklingt ein beschwingter 3/4 Takt. Dieser eklatante Widerspruch empörte mich. Befeuert wurde dieses Gefühl vom Bühnenbild, dem zerbombten Haus, das auf die Aktualität dieser Oper hinweisen soll. Hätte es nicht etwas subtiler sein können? Die technischen Raffinessen des Bühnenbildes konnten dies nicht wettmachen.
Viele Chormitglieder erzählten eine eigene Geschichte. Da irrt eine Frau mit einem leeren Katzenkorb herum, ein verwirrter Mann trägt einen zerbeulten Radhelm, ein kleiner Junge hat eine Flöte gerettet. Wohin sollte ich meine Aufmerksamkeit zuerst lenken?
Nach der Pause nehmen diese zwiespältigen Gefühle ab, denn immer mehr zog mich die starke Figur der Abigaille in ihren Bann. Die uneheliche Tochter von Nabucco konnte nie die Liebe ihres Vaters gewinnen. Darüber singt sie in einer herzergreifenden Arie. Ihr Gefühlsleben als Kind wird dabei von einem ca. 12 jährigen Mädchen überzeugend dargestellt. Aus dem Kind ist eine zornige und machthungrige Frau geworden, die nicht davor zurückschreckt, ihre eigene Mutter zu ermorden. Die gesanglichen Leistungen des Ensembles waren großartig, doch möchte ich russische Sängerin Svetlana Kasyan als Abigaille besonders hervorheben. Alle wurden von einem hervorragenden Orchester, den Duisburger Philharmonikern, begleitet.
Nach 2 1/2 Stunden kam ich aufgewühlt zuhause an und wollte wissen, ob ich bei anderen Aufführungen von Nabucco ähnliche Bedenken hätte. Auf YouTube fand ich Aufführungen aus vier verschiedenen Ländern. Bei allen sah ich mir drei meiner Schlüsselszenen an und kam zu einem Ergebnis. Nabucco spielt 586 v. Chr. und in Rotterdam wurde dies im Bühnenbild und im Auftritt des Chores berücksichtigt. Die Szenen waren ruhiger, der Focus meiner Aufmerksamkeit war beim Gesang. Auch hier wurde der italienische Text ins Deutsche übersetzt, aber die Zusammenfassung des Librettos war teilweise eine ganz andere, viel weniger gewalttätig. Das gab mir, was die Duisburger Aufführung angeht, zu denken. Mit der Darstellung der Abigaille hat Duisburg großes Glück, die Sängerinnen der anderen Aufführungen hatten nicht diese Ausstrahlung. Und noch einen Pluspunkt für Duisburg gab es zu entdecken: Die Oper wurde in einem kompakten Raum dargestellt! Bei den anderen Aufführungen, (drei davon unter freiem Himmel), war viel mehr Platz und die über 100 Mitwirkenden liefen über die Bühne, das erinnerte mich manchmal an aufgescheuchte Hühner und das Geschehen zerfaserte. Das ist in Duisburg nicht möglich. Und ich muss noch etwas loswerden: Meine Befürchtungen, dass die gute Akustik der Duisburger Stadttheaters sich bei diesem monumentalen Werk verabschieden würde, traten nicht ein- voller Hörgenuss!
Mein letzter Satz zur Oper: Nabucco weckt Emotionen und das ist ihr Hauptverdienst.
Der Mensch ist ein soziales Wesen, das seinen Seelenfrieden findet, wenn es zu einer oder mehreren Gruppen gehört. So die festverankerte Meinung in der Gesellschaft. Doch es gibt Menschen, die zwar von den anderen geschätzt werden, weil sie empathisch sind, oftmals frische Ideen haben und selbst über sich lachen können, die aber trotzdem lieber alleine sind und denen Aktivitäten in einer Gruppe (Teambildung auf der Arbeit, Betriebsfeste, Partys, Familienfeste, Gruppen-Freizeitaktivitäten) fast immer ein Graus sind. Sie langweilen sich, definieren sich nicht über ihre Arbeit, hassen Smalltalk und können Festen, die mit Traditionen verbunden sind, nichts abgewinnen. Diese Menschen sind weder extro- noch introvertiert, der amerikanische Psychiater Rami Kaminski nennt sie otrovertiert.
Kaminski hat in seiner jahrzehntelangen Berufspraxis viele Menschen betreut, die teilweise von anderen Ärzten als „nicht therapierbar“ abgestempelt wurden. Nach vielen Gesprächen erkannte er ein Verhaltens-und Wesensmuster bei seinen Patienten. Hier ein typischer Lebenslauf eines Otrovertierten: Als Kleinkind wird von den Erwachsenen freudig bemerkt, dass das Kind sich stundenlang alleine beschäftigen kann. Beginnt die Kindergartenzeit, tauchen erste Irritationen auf. Das Kind lässt sich in eine Gruppe eingliedern, kapselt sich aber immer wieder ab. Die Schuljahre werden dann mit zunehmendem Alter oftmals zu einer Horrorzeit. Das Kind weiß inzwischen, dass Gruppenzugehörigkeit wichtig ist. Es möchte von einer Gruppe anerkannt werden, macht in der Gruppe mit und übernimmt auch die dort gängigen Meinungen und Interessen. Dabei verbiegt es sich derart, dass es zu psychischen Störungen kommen kann. Auch spürt das Kind, das es niemals wirklich zur Gruppe gehören wird. Verstärkt wird das seelische Dilemma oftmals von den Eltern, die ihre Kinder zu Gruppenaktivitäten zwingen oder von mitfühlenden Mitschülern, die nicht möchten, dass jemand ausgeschlossen wird. Endlich ist die Schulzeit vorbei! Entweder ist ein Otrovertierter dann psychisch so angeschlagen, dass nur noch Alkohol oder Drogen helfen und/oder er eine Therapie braucht, um die gesellschaftlichen Erwartung vom Leben als „Gruppentier“ zu erfüllen oder er findet seinen eigenen Weg, sich so zu akzeptieren, wie er ist und sein Leben nach seinen eigenen Werten zu gestalten. Wie sieht so ein Leben aus? Eine otrovertierte Person hat einige wenige gute Freunde, die sich gegenseitig ihre Freiheit lassen. In einer Gruppe verankert ist er höchstens dann, wenn diese sich mit etwas beschäftigt, das ihn interessiert. Da ein „Otro“ sich nicht an Gruppenmeinungen beteiligt, ist sein Selbstwertgefühl von anderen nicht abhängig, sein Selbstbewusstsein ist gesund. Gegenüber anderen Menschen ist er meistens unvoreingenommen und an ihren Geschichten wirklich interessiert. Er hinterfragt vieles, ist lieber stiller Beobachter und macht sein eigenes Ding. Jeder Tag ist wichtig für ihn, denn er ist kreativ und seine Ideen sind für Gruppenmenschen manchmal etwas spleenig oder so unerwartet, dass die Zeit für die Durchsetzung noch nicht reif ist. Ein Otro ist zufrieden, wenn er alleine sein Wohlfühlleben gestalten kann. Er schafft sich viele schöne Erinnerungen, denn diese kann man ihm niemals wegnehmen. Seine Lebenseinstellung kommt ihm im Alter zu gute. Während Gruppenmenschen unter dem fortschreitenden Verlust von Freunden leiden, u.U. vereinsamen und merken, dass sie ihr Leben zu sehr an eine Gruppe angepasst haben, genießt der Otro, sofern er gesund ist, bis zum letzten Atemzug sein Leben.
Die Meinung über dieses Buch ist im Internet geteilt. Kaminski wird vorgeworfen, dass er den Begriff der Otroversion nur zu Marketingzwecken erfunden hat und die beschriebenen Wesenszüge in der Forschung schon lange bekannt sind. Das kann ich nicht beurteilen, doch dieses Buch erreicht erstmals betroffene Menschen, die keinen Therapeuten haben und bisher alleine versuchten, mit ihren Zweifeln zurecht zu kommen und ihr Leben zu wuppen.
“Wie schön es ist, nicht dazugehören zu müssen“- Ein passender Buchtitel…
Einen weiteren Regentag an der Mosel verbrachten wir in zwei außergewöhnlichen Museen. In Traben-Trabach eröffnete 2019 Peter Rogoz sein Museum, um die Geschichte des Schuhputzens zu dokumentieren und einen Teil seiner Sammlung historischer und besonderer Schuhe zu zeigen. Das „Schuh-Styling-Museum“ ist ein Teil der Räumlichkeiten seines Ladens „Rares für Bares“, in dem Menschen fündig werden, die auf der Suche nach ausgefallenen Objekten sind. Wir hatten Glück, dass Herr Rogoz Zeit für uns hatte, denn er gab uns eine ca. 45 Minuten dauernde Führung durch seine Sammlung – ich hätte ihm gerne noch viel länger zugehört! Das Kunsthandwerk des Schuhputzens – nach dieser Führung weiß ich, dass es wirklich ein edles Handwerk ist – gibt es seit ca. Mitte des 17. Jahrhundert. Bis dahin waren alle Schuhe matt und reiche Menschen versuchten, ihre Schuhe durch besonders kostbare Schnallen zu verschönern und drückten damit auch ihren Stand innerhalb der Gesellschaft aus.
Zwei sehr wertvolle Schuhschnallen aus dem 17. Jahrhundert
Als nun die Idee aufkam, die matten Schuhe zum Glänzen zu bringen, war die Begeisterung groß und gute Schuhputzer waren in den nächsten Jahrhunderten angesehen und wurden gut bezahlt.
Künstler nahmen Schuhputzer gerne als Motiv für ihre Werke
In mehreren Vitrinen wurden historische Schuhe gezeigt, um zu verdeutlichen, wie die Schuhmode sich verändert hat, bzw. welche „Schuhspezialitäten“ es gab.
Fotocollage oben links: Schuhe wurden gerne bestickt und es wurden die unterschiedlichsten Lederarten (Foto oben rechts) und andere Materialien benutzt. Foto unten rechts: Schuhe aus Silber, entworfen von Salvator Faragammo für Marlene Dietrich. Foto unten links: Hush Puppies, eine von vielen bekannten Schuhmarken.
Herr Rogoz war viele Jahre lang auch professioneller Schuhputzer und begegnete auf offiziellen Anlässen vielen berühmten Persönlichkeiten. Alle saßen auf diesem historischen Holzstuhl aus Salamanca. In diesem Moment waren sie Menschen wie du und ich (so Peter Rogoz), sahen geduldig zu und erfreuten sich an dem Können des Schuhputzmeisters.
Fotocollage:Fotos oben: „Wellness“- Zubehör für Schuhe Unten links: Achten Sie auf den Pinsel! Eine japanische Tradition: Der Pinsel wurde in Rosenwasser getränkt und damit wurde der Rand der Geta Holzschuhe bestrichen, um beim Gehen einen Rosenduft zu verstömen. Rechts unten: Sehen Sie den Damenschuh in der Mitte des Bildes und den vor dem Schild liegenden Schlüssel? Der Pfennigabsatz des Schuhs war in einem Kugellager verankert. So brach er nicht so schnell ab, die Trägerin musste nur manchmal das Kugellager mit dem Schlüssel nachziehen.
Ca. 200 Exponate geben einen Einblick in die Kultur des Schuhputzens. Ein Exponat fehlte mir allerdings (oder habe ich es übersehen?). Eine Vitrine widmet sich der Werbung rund um dieses Thema. Mecki habe ich gesehen, aber mir fehlte Lurchi, der Salamander von den Kinder- Salamander-Schuhen…Ihn und seine Abenteuergeschichten habe ich als kleines Mädchen geliebt. Vielleicht sieht Herr Rogoz noch einmal in seinem Privatbestand nach ( es besitzt ca. 1000 potentielle Ausstellungsstücke) und findet für Lurchi noch ein Plätzchen im Museum?😉
Das zweite Museum war das Zylinderhaus in Bernkastel-Kues, eröffnet 2017.
Das Gebäude ist neu, erinnert aber an Fabrikhallen aus der Gründerzeit.
Wir haben uns schon öfter Oldtimer angesehen, doch in diesem Museum werden die ca. 300 alte Autos und Zweiräder umrahmt von passenden Geschäften aus der selben Zeit. Das gab einen „Atmosphärenkick“ und war abwechslungsreicher als ein Besuch in reinen Automuseen.
„Weißt du noch?“ Diese Frage hörte man häufig.
Bei den Fahrzeugen gab es Schönheiten und Raritäten wie diese beiden Beispiele zeigen:
Aber es wurden auch Autos in ihrem „Habitat“ gezeigt:
Campingglück auf kleinstem Raum/ Nachbildung eines berühmten Autoschrottplatzes in der Schweiz. Wer mehr darüber wissen möchte:
Ich beginne mit einem Zitat aus dem Buch:“ Auf Sark gedeihen viele Feindschaften, wenn es wenig anderes zu tun gibt.“ Das gilt besonders dann, wenn die Touristensaison auf der kleinen Insel im Ärmelkanal vorbei ist und sich in den Wintermonaten die Bewohner wieder mit sich selbst beschäftigen. 1933 ist es allerdings ein bisschen anders, denn eines Tages findet man am Rand einer Klippe zuerst eine ausgebreitete Jacke und dann zwei ordentlich zusammengelegte Kleiderstapel von einem Mann und einer Frau. Schnell wird klar, dass diese teuren Kleidungsstücke nicht Inselbewohnern gehören und langsam erinnert man sich, ein fremdes Paar in der Kleidung an mehreren Stellen gesehen zu haben. Doch wo ist dieses Paar? Ist es bei einem Unfall ums Leben gekommen? Oder handelt es sich um Selbstmord? Die lokale und bald auch die Presse des gesamten Königreichs überschlägt sich in Vermutungen und als eine junge Frau tot im Meer gefunden wird, während der Mann verschwunden bleibt, gibt es die ersten Mordspekulationen. Könnte jemand von der Insel damit zutun haben? Die Autorin macht mehrmals einen Zeitsprung zum Jahr 1923 und widmet sich den o.g. Feindschaften. Besonders involviert sind u.a. Elise Carey und ihre Tochter Phyllis. Elise will alles kontrollieren und das Postgeheimnis ist für sie als Poststellenleiterin nur eine Empfehlung. Auch leitet sie nicht unbedingt alle Briefe weiter, was das Leben einiger Bewohner eine andere Richtung gibt. Die pubertierende Phyllis liebt es, Erwachsenen Streiche zu spielen und bedient sich bei alten Sarker Geschichten, in denen es um Geister und andere ungeklärte Phänomene geht. Dass sie mit diesen Streichen viel Leid auslöst, wird ihr erst 1933 richtig klar. Nebenfiguren wie Maud, die Hebamme, die vieles weiß, John, der Chief Constable als Fels in der Brandung, Paul und Ann Cecil, Sommergäste, die ungesund für die Insel sind oder der stets betrunkene Arzt Stanhope sind nur einige, die den Mikrokosmos der Insel bevölkern. Am Ende des Romans sind einige geheime und mysteriöse Geschichten, Geistersichtungen und Verletzungen aus der Vergangenheit geklärt und vielleicht wird das Leben auf Sark nun ein bisschen leichter. Die Leserschaft wird von der ersten Seite an von einer nicht näher benannten Person mit in die Handlung gezogen. „Wir“ rätseln zusammen mit den Inselbewohnern, „uns“ macht man nichts vor und „Wir stellen mal eine Vermutung an.“ Das ist lebendig geschrieben und macht Spaß. Zuerst scheint es sich um einen Kriminalroman zu handeln, denn die Berichterstattung über das Paar wird immer brisanter. Doch die alten Inselgeschichten übernehmen nach und nach die Handlung und das Spektrum menschlicher Tragödien und besonders dem damit verbundenen Leid der Frauen ist groß. Doch irgendwann beginnen die Frauen, zusammen zu halten und sich zu wehren. Das Buch beruht auf einem authentischen Fall und vielen alten Quellen, die die Autorin in der Bibliothek von Guernsey gefunden hat. Auch orientieren sich einige Romanfiguren an ehemaligen Inselbewohnern. Ein weiteres Leseargument für das Buch!
Um die Herbstfarben in der Natur auszukosten, fuhren wir für ein paar Tage an die Mosel. Wir übernachteten in Beilstein, einem kleinen Ort in der Nähe von Cochem. Das war eine gute Wahl, denn abends, wenn die vielen Tagestouristen wieder weg waren, hatten wir den Ort fast für uns alleine.
Romantisches Beilstein, in der Mitte die Fähre, rechts oben Beilstein am Abend.
Am erste Tag durften wir direkt „in Farben baden“.
Die Weinberge legen sich ins Zeug…Unten rechts der heilige Castor von Karden.
Wir machten eine kleine Landpartie und schlenderten durch Bruttig, besuchten das Kloster Maria Engelport und aßen in Treis-Karden zu Mittag.
Bruttig hat lauschige Ecken und ist ein Ort für Menschen, die die Ruhe bevorzugen.
Oben links der Klostergarten, rechts daneben das 800 Jahre alte Kloster Maria Engelport. Unten: In Karden kann man die eindrucksvolle Kirche St. Castor besichtigen (habe schlichtweg vergessen, ein Foto zu machen). Aber wenn man in Karden mit wachem Auge durch die Straßen streift, kann man an Häusern oder in Ladenlokalen auch kleine Besonderheiten entdecken. Auch scheinen die Menschen „entschleunigt“.
Service der Deutschen Bundesbahn
Am Nachmittag sahen wir uns die Weinberge von der Mosel aus an, eine Bootsfahrt von Beilstein nach Cochem dauert ca. 50 Minuten.
Das Wahrzeichen von Cochem, die Reichsburg.
Kleiner Stadtspaziergang in Cochem
Hier merkte man, dass die Herbstferien in NRW begonnen hatten. Viele Familien waren unterwegs, an den Ufern lagen mehrere Flusskreuzfahrtschiffe.
„Souvenirs“ eines abgefahrenen Kreuzfahrtschiffes…
Manche Kneipen würden auch gut zum Ballermann-Abschnitt auf Mallorca passen, wir fanden glücklicherweise eine Weinbar, die nicht so überlaufen war und probierten ein paar Moselweine.
Tag 2 und 3 waren dann leider Nebel- und Regentage. Wir waren vorbereitet und besuchten in Cochem den Bundesbank Bunker, der gebaut wurde, um eine Ersatzwährung für die D-Mark zu lagern. Klingt wie ein Agententhriller? Hier die Geschichte: In der Vergangenheit war versucht worden, die Wirtschaft von Großbritannien und Portugal durch sogenannte Falschgeldteppiche zu destabilisieren. Die BRD hatte in den 50er Jahren Befürchtungen, dass der Ostblock dies auch bei uns versuchen würde und so wuchs der Plan, eine Ersatzwährung zu erschaffen, die im Notfall eingesetzt werden könnte. Zu einem Tag X wäre die alte D-Mark für ungültig erklärt worden und die neue Währung hätte man in Umlauf gebracht.
Links die Ersatzwährung, rechts die damals gültigen D-Mark Scheine
So der Plan. Aber wohin mit den Scheinen im Wert von 15 Milliarden? In Cochem, strategisch gut in einem Tal gelegen, nahe bei Bonn und mit Schienen und Möglichkeiten des Schiffsverkehrs ausgestattet, fand man ein ideales Gelände inmitten eines Wohngebietes. Offiziell wurde ein Schulungsgebäude bzw. Urlaubsunterkunft für Angestellte der Bundesbank eingerichtet. Dass man bei dem Bau über zwei Jahre so viele Sprengungen im Fels vornehmen musste erklärte man den Anwohnern damit, dass ein Bunker Vorschrift bei offiziellen Gebäuden sei und sie im Notfall auch im Bunker Schutz finden würden. Als die Anlage fertig war, wurde das Geld in Kleintransportern angeliefert und ab 1964 arbeiteten nur drei Menschen an dem Ort mit dem großen Geheimnis. Sie waren hauptsächlich dafür zuständig, dass die Haustechnik funktionierte und die Geldscheine damit geschützt waren, sei es vor Zugriff von außen oder klimatischen Einflüssen. Bei einer Besichtigung begeht man fast alle Räume und kann seiner Fantasie freien Lauf lassen.
Oben links: Im Bunker auf dem Weg zu den Lagerungsstätten (oben rechts). Unten links: Die Anlieferung der Geldscheinpakete, rechts ein Beispiel für ein Paket.
Die Ersatzwährung kam nie zum Einsatz und in den 80er Jahren wurde den Verantwortlichen nach und nach klar, dass diese Idee gar nicht durchführbar war. 15 Milliarden waren inzwischen viel zu wenig, dank wachsender Bevölkerung und Inflation. Auch war die Logistik des Verteilens nicht bis zu Ende durchdacht worden. So wurde der Bunker 1988 geschlossen und die Ersatzwährung vernichtet. 1994 eröffnete die Volksbank einen Tresorraum für ihre Kunden. Ein Misserfolg, sodass schließlich ein privater Busunternehmer die Anlage kaufte und ein Museum mit einer kleinen Theaterbühne daraus machte.
Links sieht man noch einen Teil der Schließfächer der Vereinsbank.
In einer Woche folgt ein zweiter Moselbeitrag, in dem ich Ihnen von zwei weiteren sehenswerten Museen erzähle.
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