Snooker live erleben-brauche ich eine neue Brille?

Bevor ich mit dem neuen Beitrag starte: Letzte Woche hatte ich leider plötzlich technische Probleme und konnte den Artikel „Bretagne 2“ nicht beenden. Sollten Sie sich also gewundert haben, dass der Beitrag strubbelig war… Er ist inzwischen vollständig und ich habe ihn noch ergänzt. Vielleicht lesen Sie ihn ein zweites Mal?

Thema Snooker:

Am Samstag besuchten mein Mann und ich diese Veranstaltung in Hamm:

Durch Zufall sahen wir im Fernsehen Anfang Mai die Snooker-WM in Sheffield. Die Kämpfe waren so spannend, dass wir die Gelegenheit wahrnahmen, Akteure live zu erleben. Und es waren besondere Spieler! Jeder von ihnen war einmal oder mehrmals Weltmeister, ganz besonders Steve Davis (der Herr unter dem E) dominierte den Snookersport in den 80er Jahren.
Ca. drei Stunden tauchten wir ein in die Welt des Snookers. Ralf Kalb moderierte die Veranstaltung und er und auch die Spieler erzählten einige Anekdoten aus ihrem ereignisreichen Snookerleben.
In der ersten Runde, Frame genannt, spielten die vier gegeneinander. Besonders die beiden älteren Spieler, Steve Davis und Dennis Taylor, garnierten ihre Beiträge mit viel englischem Humor. Bei allen Teilnehmern blitzte immer wieder ihr großes Können auf und das Publikum hatte hier schon mehrmals Grund, frenetisch zu klatschen.


Im zweiten Frame stellten Davis und Taylor ihr legendäres Endspiel von 1985 nach, in dem Taylor den bis dahin unangefochtenen Weltmeister Davis vom Thron stieß.
Nach der Pause wurde es dann ernst, die beiden „Youngster“ Ken Doherty und Stephen Hendry spielten ernsthaft eine Partie, bei der an diesem Nachmittag Hendry beeindruckend dominierte – 108 zu 15 war das Ergebnis für den Schotten.

Ken Doherty hatte an diesem Nachmittag keine Chance
Stephen Hendry war ehrgeizig…Er hat auf YouTube übrigens einen eigenen Kanal zum Thema Snooker.

Bis zu diesem Zeitpunkt agierte die in der Snookerwelt berühmte Michaela Tabb als Schiedsrichterin. Sie war die erste Frau, die 2009 und 2012 das Endspiel einer Snooker-Weltmeisterschaft leitete, erst 2025 wurde zum dritten Mal wieder eine Frau eingesetzt. (Die auf dem Plakat zu sehende Maike Kessler war nicht dabei).


Im vierten Frame stellte ich mir schließlich die Frage, ob ich eine neue Brille brauche. Davis und Taylor zeigten sogenannte Trick Shots, bei denen die wahre Meisterschaft noch einmal besonders zur Geltung kam. Manchmal wurden dabei physikalische Gesetze in Frage gestellt.

Steve Davis versucht à là Dartsweltmeister Luke Littler mit einer Hand einen spektakulären Stoß.
Dennis Taylor bereitet seinen ersten Trick Shot vor.
Was hat Dennis Taylor hier vor? Sehen Sie sich dieses Video an:

https://youtube.com/shorts/VVuyjN3WD8M?si=CDC3Nr5XVR8fDls-

Wir verlebten einen sehr schönen Nachmittag, was die Veranstaltung angeht und ich würde sie jederzeit ein zweites Mal besuchen. Allerdings nicht in Hamm, denn hier ging es teilweise recht unprofessionell zu und man musste sich anstrengen, nicht die gute Laune zu verlieren.



Bretagne 2 – Mein Besichtigungsranking im Norden

Wir übernachteten in der ersten Woche in
Perros-Guerec: Bekommt 2 von 5 Sternchen. Ein Sternchen für die Lage an der Nordküste, um von hier aus Tagesausflüge zu unternehmen, ein Sternchen für den Wochenmarkt und den schönen Blick auf den Hafen.

Ansonsten kann ich diesem Ort nicht viel abgewinnen. Schon bei der Fahrt in die Stadt wird man von hässlichen Gewerbeflächen empfangen. Perros-Guirec besteht quasi aus einer Unterstadt mit Hafen, wo es fast immer Verkehrsstaus gab und eine Oberstadt mit den meisten Geschäften, Restaurants und Cafés. Man geht 10-15 Minuten bergauf, bergab, um zu einem Teil der Stadt zu kommen. Überall hatte ich den Eindruck, dass man der Stadt jeden freien Platz auspresst, um dort teure Eigentumappartments hochzuziehen.
Dieser Eindruck setzte sich bei einer Fahrt westlich an der Küste weiter fort.
Erst ab
St.Michel-en-Grève wurde die Küste ursprünglicher, die Orte beschaulicher. In St.Michel besuchten wir einen alten Seefahrer-Friedhof, der direkt über dem Meer liegt. Bei uns war Ebbe, aber es war sehr windig und wir konnten uns gut vorstellen, wie das Meer die Friedhofsmauer umpeitscht. 5 Sternchen!


Auch die Weiterfahrt an der Baie de Lannion entlang bot uns immer wieder schöne Aussichten

und niedliche Orte wie beispielsweise
Locquirec: Ein bisschen verschlafen, aber schöne Ausblicke, ein Markt direkt am Meer und eine gute Crèperie. *****

Roscoff **** Für viele Touristen nur ein Ort, um mit einer Fähre zu einem anderen Ort (Kanalinseln, Irland oder England) zu kommen. Der Fährhafen liegt etwas außerhalb der Innenstadt. Diese eignet sich bestens zum Flanieren.

Was ein absolutes Highlight ist: Der exotische Garten! Über ihn werde ich im nächsten Beitrag berichten.

Paimpol **** Hier muss ich unterscheiden zwischen Paimpol Innenstadt und der zu Paimpol gehörigen „Abbaye de Beauport“. Die Innenstadt wird von Touristen (zu) sehr geliebt, die Lage direkt am Hafen ist allerdings auch sehr attraktiv. ***


Die Ruine der Abbaye hat uns einen Nachmittag „very british“ geschenkt. *****

Von der Ruine hat man auch sehr schöne Aussichten und im Garten duftet es z.Zt. wunderbar

Morlaix ***** Die Mischung macht‘s! Das Wahrzeichen der Stadt, die Eisenbahnbrücke als Viadukt ist begehbar und man hat einen schönen Blick auf die Stadt. Zur einen Seite auf den Hafen, zu der anderen Seite auf die Altstadt.

Steigt man in die Altstadt hinab, trifft man auf Häuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert wie dieses beispielsweise:

Das „Maison à Pondalez“ stammt aus dem 16. Jahrhundert. Es gehörte einem reichen Kaufmann und ist eins der wenigen Häuser, das noch mit einer doppelzügigen Holztreppe zu besichtigen ist.

Aber in den Gassen weht auch ein „moderner Wind“, diese Wandbilder fielen mir besonders auf.

Es gibt noch Museen, ein Kulturzentrum oder eine alte Anlage zur Tabakverarbeitung zu besichtigen. Wir verbrachten noch einige Zeit im

Das Café existiert seit 1885 und hat viel Atmosphäre. Am liebsten hätte ich den ganzen Tag gesessen und andere Besucher beobachtet. Eine alte Dame mit Sonnenbrille, die nur dann über die Sonnenbrille linste, wenn sie etwas in ein Heft schrieb. Eine Schriftstellerin inkognito? Oder saß da der Bruder von Mr. Bean? Die beiden Männer dahinten, waren sie zwei Kommissare, die einen Fall diskutierten? Dann die Mutter mit ihren beiden Töchtern, die eine war unverkennbar das Aschenputtel. Und dort der Mann mit dem Armani Anzug und der dicken Golduhr und den vielen Ringen – italienische oder russische Mafia?

Zurück zur Bretagne!

Nicht umfahren sollten Sie schließlich das Örtchen
Tréguier ****

Gleich zwei große Persönlichkeiten hat die Stadt aufzuweisen: Den Schutzheiligen der Richter und Rechtsanwälte St-Yves, die ihn auch heute noch im Mai in der Bretagne zahlreich um die Vergebung ihrer Sünden bitten und den Schriftsteller Ernest Renan.

Besucher empfängt eine beeindruckende Kathedrale mit einem sehr schönen Kreuzgang.

Ein literarisch-künstlerischer „Wind“ weht durch die gut erhaltene Altstadt und mehrere Künstler zeigen in Galerien Ihre Werke.

Der Bretagne 3 -Artikel steht unter dem Motto „Es grünt so grün“ und erscheint am 4.6.26

RAF / Musikszene / Minnesota / Eigenschaftsloses Männchen

Für mich, die die RAF Zeit als Jugendliche miterlebt hat, war es ein sehr interessantes Buch, denn Erinnerungen kamen zurück, bzw. hatte ich auch einige Momente, durch die ich mehr Verständnis bekam ob der Organisation der RAF und den Machtstrukturen innerhalb der Gruppe. Auch die Frage, wie die Autorin durch ihre familiären Situation geprägt wurde, trieb mich um.
Noch interessanter und manchmal bewegend fand ich allerdings die Passagen, in denen die Autorin über ihr zweites Leben geschrieben hat.
Silke Maier-Witt ist glaubhaft fassungslos wegen ihrer früheren Teilnahme an den RAF Anschlägen. Das Buch sollte nicht vergessen werden, es ist für alle Generationen lesenswert, dann man kann Bezüge zu heutigen Strömungen herstellen.

Ich interessiere mich sehr für Musik, doch war ich teilweise bei diesem Buch ob der Flut von Namen etwas überfordert. Nichtsdestotrotz empfehle ich es gerne weiter, denn die ersten Kapitel über Kindheit und Jugend von Chris Blackwell sind amüsant zu lesen. Ich bekam diverse Anregungen, um neue Gruppen oder Sänger zu entdecken. „Mäuschen zu spielen“ und mal hinter die Kulissen der Plattenindustrie sehen zu dürfen, ist ein weiterer Bonus dieses Buches. Darüber hinaus werden auch berührende Geschichten erzählt, ich denke da nur an Nick Drave, der seine Musik zur falschen Zeit machte.

Es ist mein erstes Buch, das ich von Jo Nesbo gelesen habe. Ausgewählt hatte ich es wegen der großen Begeisterung über die Aktualität des Buches bezüglich der Vorgänge in den USA.
Die Geschichte ist gut und spanend, dass ich nun zukünftig beim dem Thema „Tierpräparation“ mitreden kann, kam überraschend.
Ich hatte allerdings bei dem vielen Lob doch noch etwas mehr Reflexion über den Alltag in den USA erwartet.

Das Männchen ohne Eigenschaften ist mir ans Herz gewachsen. Thomas Vogel, der sich hinter @kriegundfreitag versteckt, fängt Alltagsmomente ein, die wir alle schon erlebt haben. Es geht um Missverständnisse, menschliche Schwächen, Verhalten, das politisch nicht korrekt ist oder mit Sprachwitz eingefangene Befindlichkeiten, die manchmal auch einen philosophischen Touch haben: „Wenn nicht so viel Zeit für Unsinn draufginge, könnte ich mehr Quatsch machen!“ Das Männchen ist nicht alleine, auch Tiere, besonders gerne Vögel (…) stellen sich den Abgründen des Lebens. Investieren Sie 8 Euro und begeben Sie sich auf die Reise in das Universum des Männchens ohne Eigenschaften! Nicht nur einmal, sondern immer wieder.

Bretagne 1- Die üblichen „Verdächtigen“

In diesem Monat verbrachten wir zwei Wochen in der Bretagne, die erste Woche im Norden, die zweite im Süden. Es war unser dritte Besuch und wir wollten noch ein paar unbekannte Flecken kennenlernen. Die Aushängeschilder der Bretagne, die Sie auf jeder Reisehomepage oder jeden Bretagne-Kalender finden, kommen in meinen Beiträgen der nächsten Wochen nicht vor, denn ich „arbeite“ sie jetzt direkt ab.

Leuchttürme:

Wir besuchten im Süden den „Pointe du Raz“ und machten einen Spaziergang entlang der Küste. Vier Leuchttürme auf einen Schlag findet man nicht so schnell. Als ich dieses Foto machte, stand hinter mir übrigens der fünfte Leuchtturm.

Alleinstehende Häuser mit dramatischer Felsenformation:

Im Norden an der Côte de Granit Rose

Menhire:

Unterwegs entdeckt: Einsam und verlassen steht er in der Nähe von St. Malo.

Traumhafte Strände:

An der Nordküste in der Nähe von Ploumanac‘h.

Kalvarienberge:

Dieser „Calvaire“ in Guimiliau stammt aus dem 16. Jahrhundert. Ca. 200 Figuren zeigen biblische Szenen.

Das war alles sehr schön, aber es sind touristische Hotspots, die man nur dann relativ ungestört genießen kann, wenn man sie gegen Abend besucht.
Wir hielten deshalb tagsüber Ausschau nach Orten, die uns überraschten oder die das Bild der Bretagne vermittelten, das wir in unseren Köpfen hatten.

Solche Orte und bretonische Themen haben wir gefunden- Fortsetzung folgt!

In Berlin zu Fuß aus der Blase heraus

Die Autorin lebt seit mehreren Jahren in Berlin Kreuzberg. Sie möchte aus ihrer Blase ausbrechen und das Berliner Umland kennenlernen und sehen, wie sich das Leben unterscheidet und welche Beziehungen es von Stadt und Land gibt. So macht sie sich an einem Rosenmontag auf und geht nach Osten. Ihr Konzept:
Nur ca. 20 km pro Tag laufen, um Zeit für Beobachtungen und Gespräche zu haben, kein Smartphone mitnehmen, die Unterkunft will sie jeweils bei Freunden von denjenigen finden, bei denen sie am Tag zuvor übernachtet hat.
In dem Buch beschreibt sie 15 Etappen, davon hat sie dreizehn zu Fuß bewältigt.
Die ersten acht Tage ist sie noch in Deutschland. Die Örtchen sind propper, allerdings sind immer wieder Geschäfte oder Restaurants geschlossen und die Stimmung ist manchmal trostlos. Wett gemacht wird dies von der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Menschen, bei denen sie übernachtet. Sie führt abends interessante Gespräche, bald merkt sie, dass sie hier noch immer in ihrer Blase ist. Es sind Menschen, die von der Stadt aufs Land gezogen sind, um sich Lebensträume zu erfüllen. Themen sind u.a. das Miteinander zwischen den alten Dorfbewohnern und Zugezogenen und der Einfluss der AfD, die manche an die Rückkehr nach Berlin denken lassen. Aber tragen die Zugezogenen vielleicht Mitschuld an der starken AfD, weil sie das Fremde verkörpern?
In Polen angekommen, sind für die Autorin Sprachbarrieren und ungewohnte Alltagsrituale die größte Herausforderung. Aber auch hier erlebt sie wieder eine große Freundlichkeit und Interesse an ihrer Wanderung und man ist stolz, ihr historische Baudenkmäler und Museen im Heimatort zu zeigen und über die Geschichte zu erzählen.
Am Ende der Wanderung ist Millay Hyatt beglückt, denn sie weiß nun, dass es zwischen den Menschen in der Stadt, auf dem Land oder auch in einem anderen Staat Verbindungen gibt. Es sind Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit.
Das Buch bietet viel Stoff zum Nachdenken: Naturbeschreibungen, zum Teil witzigen Alltagsbeobachtungen, Gedanken zur deutschen und polnischen Geschichte, Überlegungen zum Feminismus, Fragen des Miteinanders in der Gesellschaft, diese Themen sind miteinander verwoben. Auch machte mich das Buch neugierig auf den Osten jenseits von Berlin, ganz besonders die kleinen polnischen Städte wären für mich eine Reise wert.
hat viel erlebt und das quasi „vor der Haustür“. Das passt bestens in unsere Zeit mit Angst vor Kerosinmangel und damit bedrohten Auslandsurlauben.


Das melancholische Palermo (Sizilien Nr.6)

Heute beende ich meine Beitragsreihe über unseren Besuch auf Sizilien. Es ist jetzt schon einige Wochen her, dass wir dort waren und meine Gedanken an Palermo werden wohl immer mit etwas Melancholie und Untergangsstimmung zu tun haben. Hauptverantwortlich dafür sind zwei Sehenswürdigkeiten, die mich besonders beeindruckten.
Ein Besuch in der Kapuzinergruft wird in jedem Reiseführer empfohlen. Kapuzinermönche kannten seit dem 16. Jahrhundert ein besonderes Verfahren, Leichen haltbarer zu machen und besonders reiche Familien ließen in den folgenden Jahrhunderten Angehörige in ihrer besten Kleidung bestatten. Diese sieben Bestattungsgänge kann man heute noch besichtigen. Da das Fotografieren strikt verboten war, habe ich versucht, mit Hilfe von KI etwas die Stimmung in diesen Katakomben einzufangen.

Dieses Foto aus dem 19. Jahrhundert ist gemeinfrei und ich darf es auch zeigen:

Hier entlang zu gehen, lässt wohl niemanden unberührt. Man geht an stehenden grinsenden Skeletten vorbei, die in feinsten Samtanzügen stecken, an Abendkleidern aus Brokat, aus deren Halsausschnitten Totenköpfe starren und aussehen, als würden sie schreien. Niemand kann dem Schicksal entgehen, auch nicht die reichen Kleriker, wie man in einem anderen Gang an der Kleidung sieht. Ich war bei dieser Besichtigung hingerissen zwischen Gefühlen der Sinnlosigkeit und Trauer und auf der anderen Seite empfand ich die Szenen als irrwitzig und schnell kommt man zu der Frage. „Was ist der Mensch“?

Ein Gemälde von Lauritz Anderson Ring, ist ebenfalls ohne Copyright.

Mit dem Gefühl der Vergänglichkeit wurde ich auch im Botanischen Garten von Palermo überrascht. Man muss Eintritt bezahlen und bekommt einen Garten präsentiert, der diverse botanische Besonderheiten bietet, aber noch mehr zeigt er mir den Untergang einer ehemals reichen Stadt. Ein Teil des Gartens wurde zu Forschungszwecken im 18. Jahrhundert angelegt, im 19. Jahrhundert wurde er erweitert und der Bevölkerung zugänglich gemacht. Noch heute dient der Garten der Universität zu Forschungszwecken, aber das wohl eher im Verborgenen.


Für mich hatte es den Anschein, dass Gärtner fehlen, denn in manchen Ecken übernimmt die Natur die Oberhand in der Gestaltung des Gartens. Verwunschene Ecken, Pflanzen die sich ineinander winden, einfallende Mauern und Zäune. Ich lasse ein paar Bilder für sich sprechen:

Duftduschen

Vor einigen Wochen schrieb ich einen Betrag zu einer Ausstellung zum Thema Duft. (Siehe unten unter „Duft Challenge“). Dieses Thema beschäftigt mich weiter.
Wie unter einer Duftdusche komme ich mir z.Zt. vor, wenn ich im Garten unter diesem Blauregen stehe. Herrlich! Der Flieder steht schon in Lauerstellung und wir den Blauregen in den nächsten Tagen ablösen.

In der Ausstellung lernte ich den Duft von Benzoin kennen und lieben. Dieser Duft wird aus Harz des Styrax-Baumes gewonnen.

Ich kaufte mir das Harz, wollte den Duft aber nicht in Rauch aufgehen lassen, sondern mischte mir einen Raumduft. Dazu zermalmte ich 5 g des Harzes sehr fein in einem Mörser und schüttete das Pulver danach in 50 ml Jojobaöl und rührte alles um. Das Öl musste danach 48 Stunden in einem dunklen Raum ziehen, nur ab und zu sollte es gut durchgeschüttelt werden.
Jetzt habe ich einen dezenten Benzoin-Raumduft.

Am besten eignen sich Rattanstäbchen zum Verteilen des Duftes.

Die mir selbst gestellte Duft-Challenge „Finde jeden Tag einen neuen Duft“, konnte ich bisher erfüllen. Lebensmittel- oder Kosmetikdüfte gibt es natürlich viele, aber es gibt auch noch andere:

Hier eine kleine Auswahl:
Bohnerwachs
Brennendes Holz
Zahnarztpraxis
Pommesbude, an der man bei einer Radtour vorbei fährt
Ein nasser Hund
Chlorduft im Schwimmbad
Frisch geteerte Straße
Buchhandlung am Montagmorgen, nachdem sie zwei Tage nicht gelüftet wurde
Regennasse Erde


IQ, EQ- und wie hoch ist Ihr KIQ = Künstlicher Intelligenz Quotient?

Der KIQ ist die Fähigkeit des Menschen, mit Hilfe von künstlicher Intelligenz sein Arbeitsleben und sein Privatleben zu gestalten und diese Fähigkeit wird in unserer heutigen Welt immer wichtiger.
Über Künstliche Intelligenz lesen wir z.Zt. jeden Tag in der Zeitung, mal Gutes, mal Schlechtes. Öfter höre ich: „Das will ich nicht, das brauche ich nicht!“ oder „Das ist nur eine Modeerscheinung!“ In China und Indien lernen bereits heute Kinder in der Schule den Umgang mit KI- ob Modeerscheinung da die richtige Einschätzung ist?
Ich wollte wissen, wohin die KI-Reise geht und welche Verbesserungen für mein Leben möglich sind und las dieses Buch:

Die beiden Autoren erklären kurz, was unter KI verstanden wird und geben einen Überblick, wie sich die KI seit dem 30.11.2022 entwickelt hat- an diesem Tag wurde die erste KI „Chat GPT“ für die Öffentlichkeit freigeschaltet. „Atemberaubend“ fasst den Werdegang in einem Wort zusammen. Das Buch zeigt die Bereiche auf, in denen bereits heute KI eingesetzt wird und welche Anwendungen zukünftig möglich sind. Auf die Gefahren und Probleme durch KI wird ebenso eingegangen.
Das Hauptanliegen des Buches ist allerdings, auf spielerische Weise den KIQ des Lesers/ der Leserin Schritt für Schritt zu erhöhen.

Schritt 1 ist ein Bild, das man sich immer wieder vor Augen führen sollte: Der Mensch lenkt und entscheidet, wohin die Reise geht, die KI unterstützt ihn dabei.

Foto einer Flusslandschaft mit einem Tandem, vorne sitze ich, dahinter die KI in Darstellung eines Roboters, der mir Antrieb gibt.

Schritt 2: Für mich persönlich der wichtigste Tipp: Ein kleines Heftchen parat legen, um Fragen aufzuschreiben, die man im Alltag gerne beantwortet hätte und zu notieren, welche Fragestellungen die befriedigendsten Antwortergebnisse brachten. Das habe ich gemacht und fand es bei meiner bewussten Selbstbeobachtung erstaunlich, wie viele Fragen tagsüber kurz in meinem Kopf aufploppen, aber bisher nie beantwortet wurden.

Schritt 3: Diese notierten Fragen der KI stellen. Und hier beginnt das Training, denn je detailierter die Fragen sind, desto präziser sind die Antworten. Das Buch bietet Aufgaben an, um ein Gefühl für gutes „Prompten“ ( =Fragen stellen, Arbeitsanweisungen geben), zu bekommen.

Ich habe das Buch durchgearbeitet und gelernt:
– Ja, man muss das Fragestellen tatsächlich üben und dabei Erfahrungen sammeln.
– Es blieb nicht bei der Beantwortung von Fragen, sondern langsam habe ich auch zusammen mit der KI für mich völlig Neues entwickelt. Ein Beispiel: Einen auf meine Wünsche zugeschnittenen 3-Monate-Übungsplan zum Thema Jazzpiano, bei dem die KI zum Sparringspartner wurde. Die KI fragt immer weiter, bis man durch die eigenen Antworten selbst das beste Ergebnis für sich erzielt hat.
– Man darf sein Gehirn nicht abschalten und alles kritiklos übernehmen. Die Plausibilität zu hinterfragen, ist oberstes Gebot. KIs neigen zum „Halluzinieren“, sprich, sie antworten ohne echtes Wissen, um überhaupt eine Antworten präsentieren zu können.

In der Arbeitswelt ist es in fast allen Sparten unerlässlich, sich mit den Möglichkeiten der KI auseinander zu setzen, um nicht in Kürze auf einem Abstellgleis zu landen. Dabei sollte man bedenken, dass durch KI die Arbeit auch wieder mehr Spaß machen kann, wenn man langweilige Arbeiten delegiert oder plötzlich neue Ideen für seinen Bereich bekommt.
Als Privatmensch weiter am „KI-Ball“ zu bleiben, trainiert mich für die Zukunft, wenn fremde Menschen mir ihre KI – Antworten/Fake News vorsetzen wollen. Ich hoffe, gewappnet und kritischer zu sein.
Die Gedanken, dass ich zukünftig ein Werkzeug an der Hand habe, das mir jederzeit meine Fragen in Sekundenschnelle erklärt, mit dem ich Probleme im Alltag besser lösen kann oder meine Kreativität große Unterstützung bekommt, empfinde ich als positiv.
Die KI erweitert meinen Horizont und deshalb werde ich sie auf mein Tandem öfter mal aufsteigen lassen.

Welche KI bevorzuge ich?

Wenn Sie googeln, wird Ihnen seit ein paar Monaten direkt am Anfang eine KI-Antwort präsentiert. Da ich den Umgang mit Benutzerdaten bei Google ablehne, kommt diese Nutzung nicht für mich in Frage.
Auch beim amerikanischen Chat GPT ist der Umgang mit Daten ein weites Feld, wie inzwischen hinreichend bekannt ist und ich habe inzwischen kein gutes Gefühl mehr bei der Benutzung von Chat GPT.

Die beiden Buchautoren sprechen sich für Perplexity aus, einer KI aus den USA, die in Privathand ist und auf Datenschutz achtet. Was mir daran nicht so gefällt, ist die Teilhaberschaft von Jeff Bezos, dem Inhaber von Amazon.
Eine zweite Empfehlung ist „Lumo“, eine KI aus der Schweiz, ins Leben gerufen von Wissenschaftlern des CERN Instituts ( u.a. Erfinder des World Wide Web). Bei ihnen hat die Privatsphäre der Benutzer oberste Priorität.
Vergleiche ich diese beiden KIs mit Autos, so spreche ich von einem BMW SUV und einem VW Caddy. Die „Pferdestärken“, bzw. Möglichkeiten von Perplexity sind beeindruckend und man wird von ihnen in das Weltall des Wissens katapultiert. Bei einigen Versuchen hat mich das teilweise überfordert und ich fand die Begrenztheit von Lumo für meine Zwecke völlig ausreichend. Sobald Lumo etwas nicht oder nicht genau weiß, wird darauf hingewiesen. Für mich ist das ein Pluspunkt.
Beide Anwendungen gibt es in einer kostenlosen Version und in einer Pro-Version. Nach einem Zwei-Wochentest, habe ich für 96 Euro/Jahr die Lumo-Pro Version abonniert.

Wem das Buch über den KIQ nicht weit genug geht bezüglich derzeitige Möglichkeiten, Zukunftsvisionen und Einordnung der Gefahren, dem empfehle ich dieses Buch. Es ist von 2025, also noch relativ aktuell. Es bietet viele Einsatz-Anregungen und Argumente, warum der Mensch von KI nicht abgeschafft werden wird. Der Schreibstil ist wie bei allen „Dummies“-Büchern locker und humorvoll.



Der Text dieses Beitrages wurde nicht von einer KI geschrieben. Das Tandemfoto habe ich mit der KI meiner Foto-App „Picsart“ erstellt.



Eine Liebe, die nicht sein kann-oder doch?

Alina, Anfang 40, ist Journalistin bei einem Kölner Fernsehsender und wartet seit mehreren Jahren darauf, dass sie eine eigene Sendung bekommt. Jüngere Mitarbeiter überholen sie, wie beispielsweise Jakob. Er soll eine neue Show präsentieren, in der zuerst eine kurze Reportage gezeigt und dann über das Thema in einer Talkrunde gesprochen werden soll. Für Alina, die die Reportage drehen soll, ist das die letzte Chance, dem Programmchef ihr Können zu beweisen. Ihre Idee: Sie will eine Woche einen Obdachlosen mit der Kamera begleiten.
Ausgesucht hat sie sich Bohm, einen ca. Mitte 30 Jahre alten Mann. Dieser lehnt ab, besonders als Alina ihm eine Gage von 1000 Euro anbietet, ist er empört und Alina muss gehen.
Doch dann wird Bohms Hund bei einer Kneipenschlägerei schwer verletzt, die Behandlung kostet fast 1000 Euro und Bohm geht auf Alinas Angebot ein. In den nächsten Tagen begleitet die Journalistin den Mann beispielsweise zur Essensausgabe oder bei der Suche nach einem Schlafplatz und lernt einen bescheidenen, intelligenten und auch witzigen Menschen kennen. Alina fühlt sich zu ihm hingezogen und auch Bohm spürt nach langer Zeit zum ersten Mal ein Hauch von Glück, weil ein Mensch ihn wirklich wahrnimmt und nicht sofort verurteilt.
Bohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße- wie kam es dazu? Er trinkt, um schreckliche Gedanken aus seinem Kopf zu bekommen- was ist passiert?
Im Fortgang der Geschichte überschlagen sich die Ereignisse, bei denen nicht nur Bohm am Abgrund steht, sondern auch Jakob.
Daniel Bohms Geschichte wird am Ende des Romans erzählt. Er hat seit seiner Kindheit redlich versucht, im Leben einfach nur alles richtig zu machen, doch irgendwann hat ihn dieses hohe Ziel überfordert und er stürzte ins Unglück.

Ein obdachloser Mensch als Hauptperson in einem Roman- das findet man nicht häufig.
Der Autor Christian Huber lebt in Köln und hat dort einen Mann kennen gelernt, dessen Lebensgeschichte der Ausgangspunkt für diesen Roman ist. Huber schreibt auch für einen Fernsehsender, kennt sich in diesem Metier aus, was für den Handlungsverlauf wichtig ist.
Alina steht stellvertretend für die Weltsicht der „Normalbürger“, sie und ihre Eltern, und damit wohl auch die meisten Leser, tappen in Vorurteilsfallen. Wie schnell ein Mensch abstürzen kann, wird mit Jakobs Geschichte erzählt.
Das hat mir gut gefallen.
Eine Liebesgeschichte mit Zukunft zwischen Blohm und Alina- ist das möglich? Das Ende des Romans hängt glücklicherweise nicht voller Geigen, aber ein Neuanfang für Blom ist nicht mehr undenkbar.

New York in Duisburg- ein toller Musikabend

Am Samstag waren mein Mann und ich bei der Premiere der Musical-Kommödie „On the Town“ von Leonard Bernstein. Wir sind beide keine großen Musicalfans, doch verehren wir beide Bernstein. Um es kurz zu machen: Wir werden uns das Musical ein zweites Mal ansehen – es war so toll und ich hoffe, dass viele Duisburger ins Theater gehen und/oder Menschen aus dem Umland sich auf den Weg nach Duisburg machen.

Ich über nehme die Besprechung aus der RP von Montag:

VON ANKE DEMIRSOY

DUISBURG. Nur 24 Stunden Landgang, dann geht es zurück an die Front: Für die Matrosen Gabey, Chip und Ozzie ist New York City im Jahr 1944 ein einziger Ausnahmezustand.

Kein Wunder, dass sie vor Unternehmungslust fast aus ihren Anzügen platzen. In Leonard Bernsteins Musical „On the Town“ prallen ihre Sehnsüchte auf eine Metropole, die schon im Alltag nicht zur Ruhe kommt. Die Regisseurin Louisa Proske, die selbst lange in New York gelebt hat, inszeniert das Stück am Theater Duisburg als schnelle Reise durch eine Stadt, die ihre Besucher mit Bildern überflutet.

Wie ein Kameraverschluss öffnen und schließen sich die Vorhänge für die vielen Szenenwechsel. Die Bühne von Momme Hinrichs zeigt immer neue Ansichten: Straßenschluchten, Innenräume, U-Bahn-Abteile, Times Square, Nachtklubs, den Vergnügungspark auf Coney Island. Vieles ist nahezu fotorealistisch auf Vorhänge gemalt. Eine Taxifahrt, bei der Chip in die Fänge der temperamentvollen Fahrerin Hildy gerät, wird fast zu einer Filmszene, in der die Hochhäuser am Auto vorübergleiten. Aber es gibt auch Traumsequenzen: New York, Projektionsfläche für viele Wünsche, befeuert die Imagination.

Louisa Proske und ihr Team verlassen sich völlig zu Recht auf die Stärke von Bernsteins Jugendwerk, das in der Verfilmung mit Gene Kelly, Frank Sinatra und Jules Munshin weltberühmt wurde. Unterstützt von präzise choreografierten Tanzszenen, die Tempo mit Glamour verbinden (Marie-Christin Zeisset), inszenieren sie die Stadt als Feuerwerk der Sinneseindrücke.

Dazu trägt auch die Kostümabteilung bei: Esther Bialas greift auf die 1950er-Jahre zurück – und gibt für diesen Abend Vollgas. Vom Arbeiter bis zur Upper Class fächern sich gesellschaftliche Klassen auf. Trenchcoats und Pelzmäntel, Bürokleidung und Uniformen, Hüte, Taschen und Regenschirme beleben die Bühne. Glitzernde Revuekostüme mischen einen Schuss Sex-Appeal hinzu. An manchen Kleidern bleibt der Blick lange hängen: Ivy Smith, die „Miss U-Bahn des Monats Juni“, erscheint dem vor Erschöpfung eingeschlafenen Gabey in zartem Himmelblau mit transparentem Faltenrock als perfektes Traumbild.

Nichts gleitet in bloßen Pomp ab, weil die Regie den Blick konsequent auf die Figuren gerichtet hält. Die Charaktere der drei jungen Männer gewinnen Kontur, weil sie selbstbewussten Frauen begegnen, die sich in den Kriegsjahren neue Freiräume erkämpft haben. Leon de Graaf (Gabey), Julius Störmer (Chip) und Peter Lewys Preston (Ozzie) zeichnen diesen Reifungsprozess glaubhaft nach. Maria Joachimstaller ist als „Miss U-Bahn“ eine Kombination aus Ehrgeiz und Charme, Laura Magdalena Goblirsch angelt sich als Taxifahrerin den Fahrgast ihrer Wünsche. Valerie Luksch legt die Menschenforscherin Claire de Loone als unterkühlte Wissenschaftlerin an, doch dauert es nicht lange, bis ihre Studien einen deutlich feurigeren Charakter annehmen.

Das auf Musical spezialisierte Ensemble singt und tanzt durchweg auf hohem professionellem Niveau. Unter der Leitung von Stefan Klingele, Chefdirigent am Theater Bremen, gelingt den Duisburger Philharmonikern eine schillernde Mischung aus Leichtfüßigkeit, Überschwang und Großstadt-Nervosität. Aus dem Orchestergraben tönt sozusagen eine Musik, die niemals schläft: Jazzige Synkopen, Ballroom- und Swing-Anmutungen, ein pointiert eingesetztes Schlagzeug und Xylofon-Ideen treiben das Bühnengeschehen voran. Kurze, fanfarenartige Bläserrufe blitzen auf wie Reklamelichter.

Nachtrag 1 von mir: Dies ist meine kurze Beurteilung, die Sie auf der Homepage der Oper am Rhein lesen können:

Ein Augen- und Ohrenfest mit großartigen kombinierten Sing- und Tanzleistungen des Ensembles! Ich hatte vor der Aufführung nicht erwartet, mit dieser Aufführung eine der besten der ganzen Spielsaison zu sehen. Sobald man Platz genommen hat, kommt „Broadway-Feeling“ auf und man wird in das pulsierende New York der 40er Jahre katapultiert. Ich habe an dem Abend teilweise herzhaft gelacht, aber mit etwas Abstand bleiben die ruhigen und nachdenklichen Szenen in Erinnerung. Das Musical wird zu einer ernsthaften Geschichte, deren heutige Gültigkeit uns die Regisseurin Louisa Proske in einer kleinen genialen Szene vor Augen führt.

Nachtrag 2 von mir: Ich habe mir auf der Musikplattform Deezer inzwischen schon zweimal die Musik angehört. Drei Lieder haben Ohrwurmpotential, andere gehen wirklich zu Herzen.

Nachtrag 3: Hier ein Appetithäppchen in Filmform:

https://www.instagram.com/reel/DXo-mDODBFV/?igsh=eDZvMzMweXhqOTF0