Ein Fotonachmittag in Köln

Vorletzten Sonntag fuhren wir nachmittags nach Köln, um uns zum ersten Mal den Kölner Skulpturenpark anzusehen. Er liegt in der Nachbarschaft vom Zoo, fast direkt am Rhein (dort kann man sonntags kostenlos parken und hat direkt eine schöne Aussicht).

Jeden ersten Sonntag um 15 Uhr gibt es eine ca. einstündige Führung im Park, die wir allerdings verpassten. Eine Broschüre gab es am Eingang, bzw. Beschilderungen an den Kunstwerken mit QR-Codes oder Texten standen jedoch meistens mit Erklärungen bereit.

Der Park ist ca. 3 ha groß und zeigt seit den 90er Jahren im zweijährigen Wechsel Kunstwerke von deutschen und internationalen Künstlern. So findet noch bis Ende Juni die „KölnSkulptur Nr. 11“ statt. Danach werden ca. Zweidrittel der Kunstwerke abgebaut und 2027 durch neue ersetzt.
Der Park ist sehr gepflegt, sich neben den Skulpturen den sehr schönen Baumbestand anzusehen, war ebenso eine Freude. Diese begehbare Installation gefiel mir besonders gut:

Wir verbrachten ca. 1 1/2 Stunden im Park. Vom Park aus zugänglich ist das Restaurant Fux, das aber an unserem Sonntag geschlossen war. Wir fuhren deshalb vom Park direkt zu einem zweiten Park, dem Medien Park von Köln.

Auch diese Besichtigung war für uns eine Premiere. Nach dem Kaffeetrinken im großen Kino besuchten wir die Photographische Sammlung, die noch bis zum 12.7.26 die Ausstellung „Lebensräume- Zeitgenössische Perspektiven aus NRW“ zeigt. Zu sehen sind Fotos aus den Jahren 1990 bis 2024 von vierzehn verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern. Die Ausstellung lohnt sich!
(Eintritt 7,50 Euro)

Sehenswert sind auch die einzelnen Stockwerke des Gebäudes. (Könnte sein, dass der Hausmeister etwas grummelt, aber mit Freundlichkeit bekommt man das hin). Hier gibt es Fotomotive zu entdecken!

Das Treppenhaus
Blick nach außen
Blick nach innen
Spiegelung I
Spiegelung II

Wir machten zum Abschluss nur einen kurzen Spaziergang durch den Medienpark. Ich bin mir sicher, dass ich dort noch einmal mit dem Fotostativ und viel Zeit hinfahren werde, dieses Viertel ist sehr fotogen!
Noch ein Tipp: Unter dem Medien Park befindet sich eine Tiefgarage mit mehreren Parkebenen. Nehmen Sie PZ.

Bretagne 4 – Feine Steine und Vögel

Wer im Norden der Bretagne an der „Côte de Granit Rose“ nicht von den Felsen beeindruckt ist, dem kann man nicht mehr weiterhelfen.

Trotz der Touristenströme gingen wir den Weg „Sentier des Douaniers“ zwischen Trestraou und Ploumanac‘h entlang und in einigen Momenten hatte ich die Felsen sogar für mich alleine.

In Ploumanac’h gibt es einen Skulpturenpark, in dem man sich aus diesem Granit angefertigte Figuren ansehen kann. Sie haben alle einen Bezug zu bretonischen Mythen. Uns gefiel diese Ausstellung gut, wenngleich ich mich fragte, welche großartigen Felsen eventuell dafür gesprengt worden sind und inwieweit Menschen das Recht dazu haben, auf der Erde etwas unwiederbringlich zu zerstören, selbst, wenn es „nur“ ein Stein ist.

Solche Gedanken kamen mir, da ich zuvor dieses Buch gelesen habe:

Möchte man ähnlich beeindruckende Steinformationen ohne zu viele Touristen besuchen, empfehle ich eine Fahrt nach Port Blanc, nördlich von Plevénan:

Das Thema Steine bezieht sich bei mir auch auf die vielen kleinen Inseln, die vor den Küsten der Bretagne lagern. Wir machten eine kleine Bootsfahrt entlang der „Sept Îles“ im Norden, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie schwierig es für Schiffe ist, in diesen Gewässern zu manövrieren.

Ein anderer Grund waren die möglichen Vogelbeobachtungen auf diesen Inseln. Basstölpel fühlten sich hier sehr wohl.

Aber auch Kormorane wählen die Inseln als Brutgebiet und wir sahen tatsächlich auch einige wenige Papageientaucher! Das war ein schönes Wiedersehen, nachdem wir Stomer Island im letzten Jahr in Wales besucht hatten, eine Lieblingsinsel dieser niedlichen Vögel.

Das ist ein guter Übergang zu einem weiteren meiner Ferienbücher in der Bretagne.

Zwei Tage, bevor wir gen Frankreich aufbrachen, habe ich mir dieses Buch noch zugelegt in der Annahme, es könnte gut zu den französischen Steinkreisen passen, die wir uns ansehen wollten. Das tat es auch, sofern es die Stimmungen wiedergibt, die an solchen Orten herrschen können. Ansonsten wurde ich von dem Inhalt überrascht, da die Autorin ihren Megalithenführer mit der Geschichte der Krebserkrankung ihres Mannes verbindet- ich hatte nur die Vorderseite des Buches gelesen.
Bis ca. zur Hälfte des Buches fand ich diese Kombination recht gelungen, denn es tauchen einige kluge Sätze in den Schilderungen auf. Doch dann kippte es irgendwann bei mir, da sich die Berichte wiederholten über die Wirkung der Steinkreise, Dolmen und Megalithen auf das Ehepaar. Auch die wiederkehrenden Erwähnungen, dass ihre beiden Kinder nur selten wirklich Lust hatten, ihre Eltern bei solchen Begehungen zu begleiten, nervten mich ein bisschen.
Für enthusiastische GB-Urlauber, die immer wieder auf die Insel fahren, kann dieses Buch aber eine schöne Ergänzung zum Reiseführer sein. Die Beschreibungen der geschichtsträchtigen Orte sind fundiert, eine Karte gibt es jedes Mal dazu und man bekommt durchaus eine weitere Facette dieses Landes „geschenkt“. Ich wünschte, ich hätte das Buch vor zwei Jahren bei einem Urlaub auf den Orkney-und Hebrideninseln mit dabei gehabt.

Der „Cairn von Barnenez“ liegt bei Plouezoc’h im Département Finistère. Barnenez entstand etwa 4500 v. Chr. und gilt als eine der ältesten Megalithanlagen der Welt.
Mehr Infos unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Cairn_von_Barnenez

Fotografieren im botanischen Garten von Palermo (Sizilien Nr. 7)

Diesen Artikel habe ich aus Versehen unter 2027 abgespeichert, er hätte schon im Mai erscheinen sollen…
Aber im Anschluss zu dem Bretagne Artikel von letzter Woche passt er ja vielleicht ganz gut. Die ersten acht Fotos sind aus Palermo, die anderen aktuell aus der Bretagne.

Fortsetzung des Artikels „Das melancholische Palermo“-
Alte und außergewöhnliche Pflanzen boten mir im Botanischen Garten eine Spielwiese für Fotoexperimente. Hier eine kleine Auswahl:

Natürlich habe ich auch noch etwas für Puristen:

Fotomotive aus der Bretagne:

Bretagne 3 – Eine Blumenliebhaberin bedankt sich beim Golfstrom

Wenn man Mitte Mai in die Bretagne fährt, hat man, sofern man sich für die Vegetation der Bretagne interessiert, zwei Nachteile: Die Hortensien blühen noch nicht und manche Schlösser und deren Gärten öffnen erst im Juni.
Die Vorteile dieser Jahreszeit überwiegen aber eindeutig. Alle Farben sind noch frisch und die Farbpalette der Blüten könnte kaum größer sein. Da blüht der rosa Rhododendron neben oranger Kapuzinerkresse, spanische Gänseblümchen neben blauen Glockenblumen, garniert mit Mohn oder Rosen. Großzügigen Schatten bieten u.a. die Palmen, auf die man überall trifft. .

Lieben Sie Gärten, dann empfehle ich Ihnen, nach dieser Karte Ausschau zu halten. Sie ist kostenlos und lag in Touristeninformationen oder an anderen touristischen Hotspots aus.

Und wenn Sie nach der Karte suchen, nehmen Sie sich noch dieses Büchlein mit. Dank ihm bekamen wir zwei schöne Museumstipps.

Ich gerate ins Schwärmen, wenn ich an den “Jardin Exotique et Botanique de Roscoff“ denke, der 1986 gegründet wurde. Eine Gruppe von Pflanzenenthusiasten erwarb damals ein felsiges Grundstück, das zuvor teilweise als Mülldeponie genutzt worden war. Der Garten hat heute eine Größe von ca. 1,6 Hektar und zeigt rund 3500 Pflanzen aus verschiedenen Teilen der Welt. Dem Golfstrom sei Dank, sorgt er doch für einen milden Winter mit einem ozeanischen Klima.

Oben links: Australische Eukalyptusbäume sind Nachbarn von Riesenfarnen (unten links)

In dem Garten gibt es verschiedene Rundwege. Wenn Sie alles sehen und genießen möchten, müssen Sie ca. 2-3 Stunden einrechnen, denn man kann auch einen Berg erklimmen, mehrere Brücken über Seen überqueren, verschiedene Blicke auf das Meer genießen oder sich von installierter Kunst überraschen lassen.

In einem anderen Blütenmeer können Sie baden, wenn Sie an die Steilküsten im äußersten Südwesten fahren. Hier blühte der duftender Stechginster, ich wollte gar nicht mehr weg und hätte stundenlang an der Küste weiterlaufen können.

Jetzt denken Sie vielleicht: „Ach, Linda /Frau Broszeit hatte wohl immer schönes Wetter, aber wie sieht es bei Nebel oder Regen aus?“ So:

oder so:

Bei uns war nicht immer eitel Sonnenschein, aber so ein trübes Wetter gehört bei der Bretagne mit dazu. An diesen Tagen fotografierte ich gerne die alten Bäume und abends passte dieses Buch als Lektüre besonders gut:

Noch einmal zurück zu der Vegetation in der Stadt. In Frankreich wird aktiv viel dafür getan, mehr Grün in die Städte zu bringen, sei es, dass kahle Plätze in grüne Oasen umgewandelt werden oder Bürger aktiv dazu aufgerufen werden, sich beim Entsiegeln von Bürgersteigen zu engagieren.

Einer von mehreren neu gestalteten Plätzen- gesehen in Morlaix.
Die Übersetzung des Schildes:
Machen Sie aus Ihrer Straße einen Garten
Schutz der Anpflanzungen
Um die neuen Pflanzungen vor Tieren und möglichen Beschädigungen zu schützen, wurden Zäune (Absperrungen) aufgestellt, damit diese neue Vegetation Zeit hat, zu wachsen und sich zu entwickeln.
Die Zäune werden entfernt, sobald die Vegetation ausreichend robust ist.
Respektieren wir den natürlichen Lebenszyklus der Pflanzen!
(Unten stehen die Logos von „Nature pour tous!“ – „Natur für alle!“ – und der Stadt Poitiers.)

Hier könnten sich viele deutsche Städte inspirieren lassen…

Das Thema „Vegetation in der Bretagne“ hat noch viele andere Facetten, mit denen ich auch in Berührung kam, doch würden diese Schilderungen zu weit führen.

In der nächsten Woche heißt es „Feine Steine in der Bretagne“- Salut!

Snooker live erleben-Wettkämpfe und „Zaubertricks“

Bevor ich mit dem neuen Beitrag starte: Letzte Woche hatte ich leider plötzlich technische Probleme und konnte den Artikel „Bretagne 2“ nicht beenden. Sollten Sie sich also gewundert haben, dass der Beitrag strubbelig war… Er ist inzwischen vollständig und ich habe ihn noch ergänzt. Vielleicht lesen Sie ihn ein zweites Mal?

Thema Snooker:

Am Samstag besuchten mein Mann und ich diese Veranstaltung in Hamm:

Durch Zufall sahen wir im Fernsehen Anfang Mai die Snooker-WM in Sheffield. Die Kämpfe waren so spannend, dass wir die Gelegenheit wahrnahmen, Akteure live zu erleben. Und es waren besondere Spieler! Jeder von ihnen war einmal oder mehrmals Weltmeister, ganz besonders Steve Davis (der Herr unter dem E) dominierte den Snookersport in den 80er Jahren.
Ca. drei Stunden tauchten wir ein in die Welt des Snookers. Ralf Kalb moderierte die Veranstaltung und er und auch die Spieler erzählten einige Anekdoten aus ihrem ereignisreichen Snookerleben.
In der ersten Runde, Frame genannt, spielten die vier gegeneinander. Besonders die beiden älteren Spieler, Steve Davis und Dennis Taylor, garnierten ihre Beiträge mit viel englischem Humor. Bei allen Teilnehmern blitzte immer wieder ihr großes Können auf und das Publikum hatte hier schon mehrmals Grund, frenetisch zu klatschen.


Im zweiten Frame stellten Davis und Taylor ihr legendäres Endspiel von 1985 nach, in dem Taylor den bis dahin unangefochtenen Weltmeister Davis vom Thron stieß.
Nach der Pause wurde es dann ernst, die beiden „Youngster“ Ken Doherty und Stephen Hendry spielten ernsthaft eine Partie, bei der an diesem Nachmittag Hendry beeindruckend dominierte – 108 zu 15 war das Ergebnis für den Schotten.

Ken Doherty hatte an diesem Nachmittag keine Chance
Stephen Hendry war ehrgeizig…Er hat auf YouTube übrigens einen eigenen Kanal zum Thema Snooker.

Bis zu diesem Zeitpunkt agierte die in der Snookerwelt berühmte Michaela Tabb als Schiedsrichterin. Sie war die erste Frau, die 2009 und 2012 das Endspiel einer Snooker-Weltmeisterschaft leitete, erst 2025 wurde zum dritten Mal wieder eine Frau eingesetzt. (Die auf dem Plakat zu sehende Maike Kessler war nicht dabei).


Im vierten Frame stellte ich mir schließlich die Frage, ob ich eine neue Brille brauche. Davis und Taylor zeigten sogenannte Trick Shots, bei denen die wahre Meisterschaft noch einmal besonders zur Geltung kam. Manchmal wurden dabei physikalische Gesetze in Frage gestellt.

Steve Davis versucht à là Dartsweltmeister Luke Littler mit einer Hand einen spektakulären Stoß.
Dennis Taylor bereitet seinen ersten Trick Shot vor.
Was hat Dennis Taylor hier vor? Sehen Sie sich dieses Video an:

https://youtube.com/shorts/VVuyjN3WD8M?si=CDC3Nr5XVR8fDls-

Wir verlebten einen sehr schönen Nachmittag, was die Veranstaltung angeht und ich würde sie jederzeit ein zweites Mal besuchen. Allerdings nicht in Hamm, denn hier ging es teilweise recht unprofessionell zu und man musste sich anstrengen, nicht die gute Laune zu verlieren.



Bretagne 2 – Mein Besichtigungsranking im Norden

Wir übernachteten in der ersten Woche in
Perros-Guerec: Bekommt 2 von 5 Sternchen. Ein Sternchen für die Lage an der Nordküste, um von hier aus Tagesausflüge zu unternehmen, ein Sternchen für den Wochenmarkt und den schönen Blick auf den Hafen.

Ansonsten kann ich diesem Ort nicht viel abgewinnen. Schon bei der Fahrt in die Stadt wird man von hässlichen Gewerbeflächen empfangen. Perros-Guirec besteht quasi aus einer Unterstadt mit Hafen, wo es fast immer Verkehrsstaus gab und eine Oberstadt mit den meisten Geschäften, Restaurants und Cafés. Man geht 10-15 Minuten bergauf, bergab, um zu einem Teil der Stadt zu kommen. Überall hatte ich den Eindruck, dass man der Stadt jeden freien Platz auspresst, um dort teure Eigentumappartments hochzuziehen.
Dieser Eindruck setzte sich bei einer Fahrt westlich an der Küste weiter fort.
Erst ab
St.Michel-en-Grève wurde die Küste ursprünglicher, die Orte beschaulicher. In St.Michel besuchten wir einen alten Seefahrer-Friedhof, der direkt über dem Meer liegt. Bei uns war Ebbe, aber es war sehr windig und wir konnten uns gut vorstellen, wie das Meer die Friedhofsmauer umpeitscht. 5 Sternchen!


Auch die Weiterfahrt an der Baie de Lannion entlang bot uns immer wieder schöne Aussichten

und niedliche Orte wie beispielsweise
Locquirec: Ein bisschen verschlafen, aber schöne Ausblicke, ein Markt direkt am Meer und eine gute Crèperie. *****

Roscoff **** Für viele Touristen nur ein Ort, um mit einer Fähre zu einem anderen Ort (Kanalinseln, Irland oder England) zu kommen. Der Fährhafen liegt etwas außerhalb der Innenstadt. Diese eignet sich bestens zum Flanieren.

Was ein absolutes Highlight ist: Der exotische Garten! Über ihn werde ich im nächsten Beitrag berichten.

Paimpol **** Hier muss ich unterscheiden zwischen Paimpol Innenstadt und der zu Paimpol gehörigen „Abbaye de Beauport“. Die Innenstadt wird von Touristen (zu) sehr geliebt, die Lage direkt am Hafen ist allerdings auch sehr attraktiv. ***


Die Ruine der Abbaye hat uns einen Nachmittag „very british“ geschenkt. *****

Von der Ruine hat man auch sehr schöne Aussichten und im Garten duftet es z.Zt. wunderbar

Morlaix ***** Die Mischung macht‘s! Das Wahrzeichen der Stadt, die Eisenbahnbrücke als Viadukt ist begehbar und man hat einen schönen Blick auf die Stadt. Zur einen Seite auf den Hafen, zu der anderen Seite auf die Altstadt.

Steigt man in die Altstadt hinab, trifft man auf Häuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert wie dieses beispielsweise:

Das „Maison à Pondalez“ stammt aus dem 16. Jahrhundert. Es gehörte einem reichen Kaufmann und ist eins der wenigen Häuser, das noch mit einer doppelzügigen Holztreppe zu besichtigen ist.

Aber in den Gassen weht auch ein „moderner Wind“, diese Wandbilder fielen mir besonders auf.

Es gibt noch Museen, ein Kulturzentrum oder eine alte Anlage zur Tabakverarbeitung zu besichtigen. Wir verbrachten noch einige Zeit im

Das Café existiert seit 1885 und hat viel Atmosphäre. Am liebsten hätte ich den ganzen Tag gesessen und andere Besucher beobachtet. Eine alte Dame mit Sonnenbrille, die nur dann über die Sonnenbrille linste, wenn sie etwas in ein Heft schrieb. Eine Schriftstellerin inkognito? Oder saß da der Bruder von Mr. Bean? Die beiden Männer dahinten, waren sie zwei Kommissare, die einen Fall diskutierten? Dann die Mutter mit ihren beiden Töchtern, die eine war unverkennbar das Aschenputtel. Und dort der Mann mit dem Armani Anzug und der dicken Golduhr und den vielen Ringen – italienische oder russische Mafia?

Zurück zur Bretagne!

Nicht umfahren sollten Sie schließlich das Örtchen
Tréguier ****

Gleich zwei große Persönlichkeiten hat die Stadt aufzuweisen: Den Schutzheiligen der Richter und Rechtsanwälte St-Yves, die ihn auch heute noch im Mai in der Bretagne zahlreich um die Vergebung ihrer Sünden bitten und den Schriftsteller Ernest Renan.

Besucher empfängt eine beeindruckende Kathedrale mit einem sehr schönen Kreuzgang.

Ein literarisch-künstlerischer „Wind“ weht durch die gut erhaltene Altstadt und mehrere Künstler zeigen in Galerien Ihre Werke.

Der Bretagne 3 -Artikel steht unter dem Motto „Es grünt so grün“ und erscheint am 4.6.26

RAF / Musikszene / Minnesota / Eigenschaftsloses Männchen

Für mich, die die RAF Zeit als Jugendliche miterlebt hat, war es ein sehr interessantes Buch, denn Erinnerungen kamen zurück, bzw. hatte ich auch einige Momente, durch die ich mehr Verständnis bekam ob der Organisation der RAF und den Machtstrukturen innerhalb der Gruppe. Auch die Frage, wie die Autorin durch ihre familiären Situation geprägt wurde, trieb mich um.
Noch interessanter und manchmal bewegend fand ich allerdings die Passagen, in denen die Autorin über ihr zweites Leben geschrieben hat.
Silke Maier-Witt ist glaubhaft fassungslos wegen ihrer früheren Teilnahme an den RAF Anschlägen. Das Buch sollte nicht vergessen werden, es ist für alle Generationen lesenswert, dann man kann Bezüge zu heutigen Strömungen herstellen.

Ich interessiere mich sehr für Musik, doch war ich teilweise bei diesem Buch ob der Flut von Namen etwas überfordert. Nichtsdestotrotz empfehle ich es gerne weiter, denn die ersten Kapitel über Kindheit und Jugend von Chris Blackwell sind amüsant zu lesen. Ich bekam diverse Anregungen, um neue Gruppen oder Sänger zu entdecken. „Mäuschen zu spielen“ und mal hinter die Kulissen der Plattenindustrie sehen zu dürfen, ist ein weiterer Bonus dieses Buches. Darüber hinaus werden auch berührende Geschichten erzählt, ich denke da nur an Nick Drave, der seine Musik zur falschen Zeit machte.

Es ist mein erstes Buch, das ich von Jo Nesbo gelesen habe. Ausgewählt hatte ich es wegen der großen Begeisterung über die Aktualität des Buches bezüglich der Vorgänge in den USA.
Die Geschichte ist gut und spanend, dass ich nun zukünftig beim dem Thema „Tierpräparation“ mitreden kann, kam überraschend.
Ich hatte allerdings bei dem vielen Lob doch noch etwas mehr Reflexion über den Alltag in den USA erwartet.

Das Männchen ohne Eigenschaften ist mir ans Herz gewachsen. Thomas Vogel, der sich hinter @kriegundfreitag versteckt, fängt Alltagsmomente ein, die wir alle schon erlebt haben. Es geht um Missverständnisse, menschliche Schwächen, Verhalten, das politisch nicht korrekt ist oder mit Sprachwitz eingefangene Befindlichkeiten, die manchmal auch einen philosophischen Touch haben: „Wenn nicht so viel Zeit für Unsinn draufginge, könnte ich mehr Quatsch machen!“ Das Männchen ist nicht alleine, auch Tiere, besonders gerne Vögel (…) stellen sich den Abgründen des Lebens. Investieren Sie 8 Euro und begeben Sie sich auf die Reise in das Universum des Männchens ohne Eigenschaften! Nicht nur einmal, sondern immer wieder.

Bretagne 1- Die üblichen „Verdächtigen“

In diesem Monat verbrachten wir zwei Wochen in der Bretagne, die erste Woche im Norden, die zweite im Süden. Es war unser dritte Besuch und wir wollten noch ein paar unbekannte Flecken kennenlernen. Die Aushängeschilder der Bretagne, die Sie auf jeder Reisehomepage oder jeden Bretagne-Kalender finden, kommen in meinen Beiträgen der nächsten Wochen nicht vor, denn ich „arbeite“ sie jetzt direkt ab.

Leuchttürme:

Wir besuchten im Süden den „Pointe du Raz“ und machten einen Spaziergang entlang der Küste. Vier Leuchttürme auf einen Schlag findet man nicht so schnell. Als ich dieses Foto machte, stand hinter mir übrigens der fünfte Leuchtturm.

Alleinstehende Häuser mit dramatischer Felsenformation:

Im Norden an der Côte de Granit Rose

Menhire:

Unterwegs entdeckt: Einsam und verlassen steht er in der Nähe von St. Malo.

Traumhafte Strände:

An der Nordküste in der Nähe von Ploumanac‘h.

Kalvarienberge:

Dieser „Calvaire“ in Guimiliau stammt aus dem 16. Jahrhundert. Ca. 200 Figuren zeigen biblische Szenen.

Das war alles sehr schön, aber es sind touristische Hotspots, die man nur dann relativ ungestört genießen kann, wenn man sie gegen Abend besucht.
Wir hielten deshalb tagsüber Ausschau nach Orten, die uns überraschten oder die das Bild der Bretagne vermittelten, das wir in unseren Köpfen hatten.

Solche Orte und bretonische Themen haben wir gefunden- Fortsetzung folgt!

In Berlin zu Fuß aus der Blase heraus

Die Autorin lebt seit mehreren Jahren in Berlin Kreuzberg. Sie möchte aus ihrer Blase ausbrechen und das Berliner Umland kennenlernen und sehen, wie sich das Leben unterscheidet und welche Beziehungen es von Stadt und Land gibt. So macht sie sich an einem Rosenmontag auf und geht nach Osten. Ihr Konzept:
Nur ca. 20 km pro Tag laufen, um Zeit für Beobachtungen und Gespräche zu haben, kein Smartphone mitnehmen, die Unterkunft will sie jeweils bei Freunden von denjenigen finden, bei denen sie am Tag zuvor übernachtet hat.
In dem Buch beschreibt sie 15 Etappen, davon hat sie dreizehn zu Fuß bewältigt.
Die ersten acht Tage ist sie noch in Deutschland. Die Örtchen sind propper, allerdings sind immer wieder Geschäfte oder Restaurants geschlossen und die Stimmung ist manchmal trostlos. Wett gemacht wird dies von der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Menschen, bei denen sie übernachtet. Sie führt abends interessante Gespräche, bald merkt sie, dass sie hier noch immer in ihrer Blase ist. Es sind Menschen, die von der Stadt aufs Land gezogen sind, um sich Lebensträume zu erfüllen. Themen sind u.a. das Miteinander zwischen den alten Dorfbewohnern und Zugezogenen und der Einfluss der AfD, die manche an die Rückkehr nach Berlin denken lassen. Aber tragen die Zugezogenen vielleicht Mitschuld an der starken AfD, weil sie das Fremde verkörpern?
In Polen angekommen, sind für die Autorin Sprachbarrieren und ungewohnte Alltagsrituale die größte Herausforderung. Aber auch hier erlebt sie wieder eine große Freundlichkeit und Interesse an ihrer Wanderung und man ist stolz, ihr historische Baudenkmäler und Museen im Heimatort zu zeigen und über die Geschichte zu erzählen.
Am Ende der Wanderung ist Millay Hyatt beglückt, denn sie weiß nun, dass es zwischen den Menschen in der Stadt, auf dem Land oder auch in einem anderen Staat Verbindungen gibt. Es sind Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit.
Das Buch bietet viel Stoff zum Nachdenken: Naturbeschreibungen, zum Teil witzigen Alltagsbeobachtungen, Gedanken zur deutschen und polnischen Geschichte, Überlegungen zum Feminismus, Fragen des Miteinanders in der Gesellschaft, diese Themen sind miteinander verwoben. Auch machte mich das Buch neugierig auf den Osten jenseits von Berlin, ganz besonders die kleinen polnischen Städte wären für mich eine Reise wert.
hat viel erlebt und das quasi „vor der Haustür“. Das passt bestens in unsere Zeit mit Angst vor Kerosinmangel und damit bedrohten Auslandsurlauben.


Das melancholische Palermo (Sizilien Nr.6)

Heute beende ich meine Beitragsreihe über unseren Besuch auf Sizilien. Es ist jetzt schon einige Wochen her, dass wir dort waren und meine Gedanken an Palermo werden wohl immer mit etwas Melancholie und Untergangsstimmung zu tun haben. Hauptverantwortlich dafür sind zwei Sehenswürdigkeiten, die mich besonders beeindruckten.
Ein Besuch in der Kapuzinergruft wird in jedem Reiseführer empfohlen. Kapuzinermönche kannten seit dem 16. Jahrhundert ein besonderes Verfahren, Leichen haltbarer zu machen und besonders reiche Familien ließen in den folgenden Jahrhunderten Angehörige in ihrer besten Kleidung bestatten. Diese sieben Bestattungsgänge kann man heute noch besichtigen. Da das Fotografieren strikt verboten war, habe ich versucht, mit Hilfe von KI etwas die Stimmung in diesen Katakomben einzufangen.

Dieses Foto aus dem 19. Jahrhundert ist gemeinfrei und ich darf es auch zeigen:

Hier entlang zu gehen, lässt wohl niemanden unberührt. Man geht an stehenden grinsenden Skeletten vorbei, die in feinsten Samtanzügen stecken, an Abendkleidern aus Brokat, aus deren Halsausschnitten Totenköpfe starren und aussehen, als würden sie schreien. Niemand kann dem Schicksal entgehen, auch nicht die reichen Kleriker, wie man in einem anderen Gang an der Kleidung sieht. Ich war bei dieser Besichtigung hingerissen zwischen Gefühlen der Sinnlosigkeit und Trauer und auf der anderen Seite empfand ich die Szenen als irrwitzig und schnell kommt man zu der Frage. „Was ist der Mensch“?

Ein Gemälde von Lauritz Anderson Ring, ist ebenfalls ohne Copyright.

Mit dem Gefühl der Vergänglichkeit wurde ich auch im Botanischen Garten von Palermo überrascht. Man muss Eintritt bezahlen und bekommt einen Garten präsentiert, der diverse botanische Besonderheiten bietet, aber noch mehr zeigt er mir den Untergang einer ehemals reichen Stadt. Ein Teil des Gartens wurde zu Forschungszwecken im 18. Jahrhundert angelegt, im 19. Jahrhundert wurde er erweitert und der Bevölkerung zugänglich gemacht. Noch heute dient der Garten der Universität zu Forschungszwecken, aber das wohl eher im Verborgenen.


Für mich hatte es den Anschein, dass Gärtner fehlen, denn in manchen Ecken übernimmt die Natur die Oberhand in der Gestaltung des Gartens. Verwunschene Ecken, Pflanzen die sich ineinander winden, einfallende Mauern und Zäune. Ich lasse ein paar Bilder für sich sprechen: