Das Böse lauert auch im äußersten Winkel Deutschlands-auf Helgoland!

Helgolandkrimi

Die Polizistin Anna wurde auf Helgoland geboren. Als Jugendliche passiert ihr Fürchterliches und sie verlässt die Insel, aber nach sechs Jahren kehrt sie wieder zurück als stellvertretene Dienstleiterin der Polizeiwache, denn sie will sich ihrer Vergangenheit stellen. Allerdings bekommt sie schon am ersten Tag  zuerst eine merkwürdige SMS und kurze Zeit später ein Päckchen zugeschickt, in dem sich ein abgetrennter Daumen befindet. Da Windstärke 8 bis 11 herrscht und der Schiffs-und Flugverkehr eingestellt sind, müssen Anna und ihre beiden Kollegen Paul und Marten ohne Hilfe vom Festland selbst ermitteln, zumal noch weitere Päckchen mit einem Marmeladenglas voller Blut und einem abgeschnittenem Ohr auftauchen. Die Untersuchungen erweisen sich als äußerst schwierig, denn es gibt auf Helgoland nicht die technischen Hilfsmittel. Die beiden Kollegen von Anna haben mit solchen „blutigen Angelegenheiten“ kaum Erfahrungen und Anna selbst quälen immer wieder fürchterliche Migräneattacken. Alles weist darauf hin, dass ein Mensch schrittweise getötet wird und dem Team läuft die Zeit davon. Und dann sind Paul und Marten plötzlich wie vom Erdboden verschwunden…

Das klassische „Setting“: Ein „geschlossener“ Raum, aus dem es kein Entrinnen gibt, in diesem Fall ist es die Insel Helgoland. Es ist aber nicht das Helgoland der Sommerfrische und der vielen Touristen, sondern die Geschichte spielt im Winter, und da fordert die Insel allen, die auf ihr zu dieser Jahreszeit wohnen, sehr viel ab: Wütende Stürme, Tristesse und Einsamkeit. Das hat mit an diesem Krimi am besten gefallen, der Plot selbst bekommt von mir eine 3.

Tim Erzberg: Hell Go Land, Harper Collins Verlag, 16 Euro.

Warnung vor zwei Büchern

Einfach nur ärgerlich:

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2 von 5 Sternchen. Ein Sternchen für das Titelbild, ein wohlmeinendes Sternchen für die „Message“ des Buches. (Man soll aus seinem Leben das Beste machen und dabei auf sein Herz hören). 3 Sternchen Abzug für den Schreibstil. Eine Mischung aus „Erzählstil a la Märchentante“ und Weinerlichkeit gepaart mit Ausdrücken aus einem blutrünstigen Psychothriller. Nicht zu ende gelesen, da unerträglich.

Not Sorry WARNUNG !!! Lesen Sie das Buch nicht, wenn Sie Wert auf eine halbwegs normale Ausdrucksweise legen! Um zu zeigen, was stilistisch in diesem Buch geboten wird, passe ich mich kurz der Schreibweise der Autorin an:

Mir geht es zwar selten, aber manchmal beschissen, wenn ich bei Dingen, die mir eigentlich scheissegal sind, nicht „NEIN“ sage. So fing ich an, dieses Buch zu lesen, um herauszufinden, wie man auf alles scheissen und Arschlöchern die Stirn bieten kann.

Das reicht, oder? Leider habe ich mit diesem Buch Zeit vergeudet, denn selbst wenn die Kernaussagen zum Nachdenken anregen, kann ich so ein Buch nicht ernst nehmen und bin von der Sprache nur genervt. Dem Ullstein Verlag gebe ich für dieses Buch die rote Karte, denn konsequent wäre es gewesen, den Untertitel des Buches z.B. „Sch… Sie auf alles und es wird Ihnen gut gehen“ lauten zu lassen, dann wäre man vorgewarnt gewesen. Oder die Übersetzerin hätte die Erlaubnis haben sollen, die vielen Möglichkeiten der deutschen Sprache anzuwenden, um zumindest 50% der Sch…-Wörter zu eliminieren.

 

Gold für…

Wer mal eine Pause vom Olympiagucken im Fernsehen machen, aber trotzdem beim Thema bleiben möchte, dem empfehle ich diesen Roman:

Gold

Kate und Zoe, beide Anfang 30, sind Radrennsportlerinnen und stehen vor ihrer letzten Qualifikation für die Olympiade. Während Kate Ehefrau und Mutter ist, die neben dem Training sich zusammen mit ihrem Mann um ihre leukämiekranke Tochter kümmern muss, lebt Zoe vereinsamt in ihrem Luxusapartment und leidet unter Dämonen aus ihrer Kindheit. Nur eine kann bei der Olympiade teilnehmen, wer wird es sein? Dabei sind die Frauen nicht nur Rivalinnen, sie verbindet privat auch eine ganz besondere Freundschaft, denn sie teilen ein Geheimnis, dass niemals in die Öffentlichkeit geraten darf. Doch wird ihre Freundschaft dieses Mal die sportliche Rivalität aushalten?

Kampf um Gold, Kampf um die Gesundheit eines Kindes, Kampf um Liebe, „Kampf“ als Thema eines Romans, der beste Unterhaltung bietet.

Chris Cleave: Gold dtv Verlag 14,90

Spannende Zeitreise in die Fünfziger

Bühlerhöhe

Bundeskanzler Adenauer macht seit Jahren im Schwarzwald im Hotel Bühlerhöhe Urlaub. Auch 1952 soll es wieder so sein, doch besteht in diesem Jahr eine besonders große Gefahr, dass ein Anschlag auf ihn verübt wird. Er setzt sich dafür ein, dass Deutschland Ausgleichszahlungen an Israel zahlen soll, und das ist für deutsche und israelische Extremisten inakzeptabel. So hat Adenauer deutsche Bewacher, aber auch Rosa Silbermann vom Mossad. Allerdings ist Rosa mit der Aufgabe anfänglich überfordert, denn ihr zugeteilter Partner Ari taucht zuerst nicht auf und die Hausdame vom Hotel, Sophie Reisacher, wird zu ihrer Gegenspielerin. Sophie merkt, dass mit Rosa etwas nicht stimmt und sie glaubt darüber hinaus, dass Rosa ihr den Mann ausspannen will, den sie sich für eine bessere Zukunft ausgeguckt hat. Doch Rosa wächst mit ihren Aufgaben, dann taucht Ari auch endlich auf und es scheint, dass der Bundeskanzler nicht in Gefahr gerät. Es scheint….

Der geschichtliche Hintergrund dieses Romans ist sehr interessant, man bekommt mit, wie sehr alte Naziseilschaften damals noch in Deutschland verankert waren und beim Lesen spürt man regelrecht die Miefigkeit der damaligen Zeit. Und dann ist da noch das außergewöhnliche Duell zwischen Rosa und Sophie.

Ein „runder“ Gesellschaftsroman, der spannend zu lesen ist.

Brigitte Glaser „Bühlerhöhe“ List Verlag 20 Euro.

Meine Buchbesprechung zur Olympiade

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Ilija Trojanow: Meine Olympiade, Fischer Verlag, 22 Euro

Nach der Olympiade in London nimmt sich der Autor Illja Trojanow, der durch seine Reisereportagen bekannt ist, ein außergewöhnliches Experiment vor: Er will bis zur Olympiade in Brasilien alle 80 Einzelsportarten so beherrschen, dass er zumindest halb so gut wie der Olympiasieger ist. Wir begleiten ihn bei seinen Erfolgen aber auch in Momenten des Scheiterns. Das Sperrwerfen ist beispielsweise, wer hätte das gedacht, für ihn die schwierigste Sportart, Pferdewettkämpfe verurteilt er vehement, dem Ringen kann er unerwartet gute Seiten abgewinnen.
Das Buch ist sehr informativ und teilweise auch humorvoll und selbstironisch geschrieben. Der Autor wünscht sich, dass wir nicht immer nur auf die Sieger schauen, sondern allen Sportlern bei der Olympiade Respekt zollen. Bei mir hat er es geschafft, denn Wettkämpfe sehe ich mir jetzt mit anderen Augen an.

Gebrauchsanweisung fürs Schwimmen

Gebrauchsanweisung 15 Euro

Ich war früher eine begeisterte Schwimmerin, doch seit einigen Jahren zieht mich nichts mehr ins Wasser. So las ich das Buch in der Hoffnung, dem Schwimmen wieder mehr abgewinnen zu können. Das schaffte das Buch teilweise. Die fast schon philosophischen Betrachtungen über das Schwimmen und das Wasser, sowie die Auswirkungen des Schwimmens auf den Menschen gefielen mir sehr gut. Der „technische Teil“ des Schwimmens war mir zu ausführlich und verschreckte mich wieder, zumal ich jetzt annehmen muss, völlig falsch und gesundheitsschädlich zu schwimmen- mit dem Brustschwimmen wird hart ins Gericht gegangen. Auch die beschriebenen Szenen im Hallenbad waren nicht gerade animierend. Und trotzdem…In der Nähe liegt ein See, heute bin ich schon mal herumgelaufen…

Ein Lieblingsbuch zum Wochenanfang

Samstag

Mark Watson: Ich könnte am Samstag, Heyne Verlag, 8,99 €
Der Australier Chris bricht, nachdem ihm ein großes Unglück passiert ist, alle Brücken ab und zieht nach England. Er nennt sich Xavier und wird Moderator einer Radiosendung, in der er Anrufern, die Probleme haben, gute Ratschläge gibt. Privat kämpft er damit, seine schlimmen Erinnerungen zu verdrängen. Er hält sich aus allem heraus und führt ein recht monotones Leben. Das ändert sich, als er die resolute Pippa trifft. Erst als Putzfrau, später als Freundin, zeigt sie Xavier, wie er sich einmischen soll, um anderen Menschen zu helfen. Vorbei ist es mit seiner Ruhe, doch Xavier lebt auf.
Jede noch so „unbedeutende“ Handlung einer Person kann sich auf das Leben anderer Menschen auswirken. In diesem Roman beweist der Autor dies virtuos und bietet damit viel Stoff zum Nachdenken. Eins der wenigen Bücher, das ich schon zum zweiten Mal gelesen habe.

Kriminell, so ein Flughafen

Ribas

Mehrere Reinigungsfrauen, die auf dem Frankfurter Flughafen die Flugzeuge nach der Landung säubern, sollen im großen Stil Drogen schmuggeln. Eine Kommissarin nimmt eine neue Identität an und es gelingt, sie in die Frauengruppe einzuschleusen. Schon bald gewinnt sie das Vertrauen der Kolleginnen und wird ebenfalls Drogenkurierin. Als sie jedoch an die Hintermänner herankommen will, beginnt sie einen schweren Fehler, denn nicht alles ist so, wie es scheint.
Dieser Krimi macht die Zeit, die Sie zukünftig auf Flughäfen verbringen, wertvoller, denn Sie lernen, hinter die Fassaden zu blicken. Für Nichtflieger: Die Figur der Kommissarin, die an dem Identitätswechsel fast zerbricht, ist keine der üblichen Powerpolizistinnen. Damit wird der Krimi noch empfehlenswerter.

Das Buch kostet 9,99 Euro.

Nichtstun leicht gemacht

Muße

Ulrich Schnabel: Muße-Vom Glück des Nichtstuns Pantheon Verlag 14,99€

Dieses Buch steht auf meinem Schreibtisch…als Ermahnung! Erinnern Sie sich noch an den Loriot Dialog „Der Feierabend“ zwischen einem Ehepaar? (Sinngemäß wiedergegeben): „Frau:“Was tust du?“ Mann:“Ich sitze.“, Frau:“Tu doch mal was, was dir Spaß macht!“ Und dabei macht der Mann etwas sehr Vernünftiges, denn er gönnt seinem Geist eine Pause… Viele kämpfen mit der Informationsflut, der Handyabhängigkeit oder dem Warenüberangebot, das uns oft überfordert. Wenn wir dann endlich frei haben, überfrachten wir die Zeit oftmals mit Freizeitaktivitäten- keine Chance für Müßiggang. Das Buch ermutigt, sich auszuklinken und anders zu sein- gegen das übliche Verhalten und der bestehenden Meinung, viel in seiner Lebenszeit erreichen zu müssen. Wem das schwerfällt, der bekommt Tipps, wie man Muße in seinem Leben zulässt. Denken Sie dabei nicht an Zeitmanagement, oder „Simplify your Life“, der Weg ist ein ganz anderer.

Slow Crime

Hunkeler

Es gibt den Begriff „Slow Food“, aber gibt es auch „Slow Crime“ in der Literatur? Wenn nicht, melde ich hiermit offiziell das Copyright an! Wie komme ich dazu?

Vor ein paar Tagen trank ich ein Glas Grüner Veltiner und hatte einen „Krimi-Flash“. Ich erinnerte mich plötzlich an die drei Hunkeler Krimis, die ich vor ein paar Jahren gelesen habe und ich habe nur gute Erinnerungen…

Die Hunkeler-Krimis von Hansjörg Schneider sind wie ein flauschiger Lieblingspullover, den man anzieht. Man macht es sich dann auf der Couch gemütlich und der Puls wird ruhig, denn die Krimis sind wunderbar unaufgeregt. Peter Hunkeler ist Hauptkommissar in Basel kurz vor der Pensionierung. Ihn kann kaum noch etwas aus der Ruhe bringen und er denkt quer, oftmals zum Ärger seiner Vorgesetzten, die Fälle lieber bequem abschließen möchten. Der Polizist ist bodenständig und hat gute Kontakte zum „niederen Volk“, er isst gerne und weiß einen guten Wein zu schätzen. Eine Freundin hat er auch, die hat aber auch ihren eigenen Kopf und mit ihr ist es nicht immer leicht.

1993 ist der erste Hunkeler Krimi erschienen, dann waren die acht Krimis lange vergriffen. Zum Erscheinen des neunten Krimis wurden alle noch einmal als Taschenbücher im Diogenes Verlag neu aufgelegt. Dafür danke ich dem Verlag sehr, denn intelligente Krimis ohne Blutströme und Gemetzel sind heute eher selten geworden. Man muss die Krimis nicht in der Reihenfolge lesen, habe ich auch nicht und das war nicht störend. Sechs habe ich noch in petto…Winter-Couch-Wein… Sehr schöne Aussichten!