Hamburger Momente

Letzten Mittwoch bekam ich eine Mitfahrgelegenheit nach Hamburg. Da ich nichts Bestimmtes vorhatte, bummelte ich so vor mich hin.

Gegen Mittag wurde es dann selbst in Hamburg sehr warm und ich entschied mich für ein klimatisiertes Museum. Ich war noch nie im Museum für Kunst und Gewerbe  und seine Größe erstaunte mich. Schon etwas müde, schaffte ich es dann nur noch, mir die Art Deco- und Jugendstilabteilung anzusehen. 

Das Museum wird für mich zukünftig eine Anlaufstelle, wenn ich in Hamburg mal einen Tag mit Schietwetter erwische.

 

 

Glück ist nicht gleich Glück (Demenz im Alltag Nr. 3)

Bei dem monatlichen Treffen von pflegenden Angehörigen bekamen wir die Aufgabe, jeden Tag in ein kleines Buch zumindest einen Moment aufzuschreiben, in dem wir trotz aller Belastung durch die Pflege so etwas wie ein Glücksgefühl hatten oder zumindest Zufriedenheit oder Freude verspürten. Das habe ich gemacht und dabei wurde mir erstmals sehr deutlich bewusst, wieviele Möglichkeiten es gibt, sich täglich selbst ein bisschen Freude zu bereiten. Hier meine elf gefundenen „Glückskategorien“:

Glück durch

eigene Dankbarkeit für „Selbstverständliches“
liebe Mitmenschen
schöne Erinnerungen
draußen in der Natur sein
den inneren Schweinehund überwinden
etwas lernen und dann können
überraschende Geschenke
Musik hören oder ein Buch lesen
Hilfe leisten für andere Menschen oder Tiere
etwas Leckeres essen oder trinken
sich ein bisschen Zeit für ein Hobby nehmen

 

Haben Sie noch andere Kategorien?

Ich fand das total interessant

Vor ein paar Tagen hatte ich in Rheinhausen einen Termin, war aber zu früh dran. So setzte ich mich in ein kleines Café, um noch eine Tasse Kaffee zu trinken und ein bisschen zu lesen. Aus dem Lesen wurde nichts, denn zwei Tische weiter saßen drei junge Frauen (Ca. Anfang 20) und unterhielten sich recht lautstark- man musste einfach zuhören. Hier ein paar Gesprächsbrocken, die mir in Erinnerung geblieben sind, die Wortwahl ist dabei sehr wahrheitsgetreu:

“Die kocht total lecker, isst aber selber nur Pommes und Pizza. Wie kann die dann so total gut kochen? Und dann ist die auch noch total dünn! Ich finde das total gemein!“

“Der Lehrer….ist total gaga. Bei dem verstehe ich nichts. Gucke mir dann auf YouTube immer die Videos an, da wird das total gut erklärt.“ (Es handelte sich dabei um Lernstoff für die Buchhaltung).

„ Ich will ein total harmonisches Leben führen, wenn ich den Abschluss habe. Aber nicht in so einer 40qm Wohnung und nicht mit so einem sch….Polo vor der Tür.“

Das ist für mich ein Paralleluniversum…

Es gibt Momente….beim Träumen

….wenn man im Traum zwischen den Wolken geflogen ist, dann aufwacht und sich für eine Sekunde lang noch ganz leicht fühlt

….wenn man im Traum an einer Quizshow teilnimmt, eine Antwort nicht weiß und diese fällt einem am nächsten Morgen beim Frühstück ein

….wenn man im Traum die perfekte Kurzgeschichte über das Glück schreibt und weiß, dass man nur träumt und alles vergessen haben wird, sobald man aufwacht (nach der Lektüre des Buches „Die Stecknadeln des  Herrn Nabokov“ -siehe die Buchbesprechung von gestern)

Und dann ist da noch eine stille, mondlose Nacht, in der plötzlich eine Krähe krächzt-Hat sie auch geträumt?

Lyrische Gartentage

Ich liebe meinen Garten sehr, doch wurde aus Zeitmangel und auch, weil ich nicht gerne bei Minusgraden oder Schnurregen gärtnere, der Garten in den letzten Jahren nicht optimal gepflegt. So entschlossen sich mein Mann und ich, einem Fachmann mal freie Hand zu lassen, zu stutzen, zu schneiden, auszugraben, umzusetzen, eben freie Hand-Arbeiten. Drei Männer waren an zwei Tagen jeweils 10 Stunden mit einem ca. 200qm kleinen Garten beschäftigt… Aus einem Halbschatten-Schattengarten ist ein Sonnen-Halbschatten-Garten geworden, ich habe jetzt tatsächlich die Chance, dass Dahlien und Klatschmohn bei mir blühen werden. Von den Bodendeckern sieht man z.Zt. außer Bärlauch (Braucht noch jemand Bärlauch? Gerne verschenke ich wie letztes Jahr wieder Bärlauchtöpfe!) nichts mehr, aber ich bin sicher, einige werden wiederkommen. Ich muss jetzt erst einmal beobachten und abwarten bevor ich zu den Gärtnereien pilgere. Aber darüber wollte ich eigentlich gar nicht so ausführlich schreiben.

Einer der drei Gärtner war früher Schauspieler (spielte z.B. mit Eva Matthes im Kleist Stück „Prinz von Homburg“). Er hatte wohl Spaß daran, auf eine Ex-Buchhändlerin zu treffen, die mit Gottfried Benn, Fontane, aber auch Chris Carter (Krimiautor von der „brutalen Sorte“) etwas anfangen konnte. Und so rezitierte er in seiner Mittagspause und zum Abschied Gedichte in unserem Garten. Wunderbar, ich hätte ihm noch gerne länger zugehört. Damit Sie von meinen poetischen Gartentagen auch etwas haben, hier zwei seiner Lieblingsgedichte:

Gottfried Benn: Blaue Stunde

Ich trete in die dunkelblaue Stunde –
da ist der Flur, die Kette schließt sich zu
und nun im Raum ein Rot auf einem Munde
und eine Schale später Rosen – du!

Wir wissen beide, jene Worte,
die jeder oft zu anderen sprach und trug,
sind zwischen uns wie nichts und fehl am Orte:
Dies ist das Ganze und der letzte Zug.

Das Schweigende ist so weit vorgeschritten
und füllt den Raum und denkt sich selber zu
die Stunde – nichts gehofft und nichts gelitten –
mit ihrer Schale später Rosen – du.

2 Dein Haupt verfließt, ist weiß und will sich hüten,
indessen sammelt sich auf deinem Mund
die ganze Lust, der Purpur und die Blüten
aus deinem angeströmten Ahnengrund.

Du bist so weiß, man denkt, du wirst zerfallen
vor lauter Schnee, vor lauter Blütenlos,
todweiße Rosen Glied für Glied – Korallen
nur auf den Lippen, schwer und wundergroß.

Du bist so weich, du gibst von etwas Kunde,
von einem Glück aus Sinken und Gefahr
in einer blauen, dunkelblauen Stunde
und wenn sie ging, weiß keiner, ob sie war.

3 Ich frage dich, du bist doch eines andern,
was trägst du mir die späten Rosen zu?
Du sagst, die Träume gehn, die Stunden wandern,
was ist das alles: er und ich und du?

„Was sich erhebt, das will auch wieder enden,
was sich erlebt – wer weiß denn das genau,
die Kette schließt, man schweigt in diesen Wänden
und dort die Weite, hoch und dunkelblau.“

 

 

 

Unfreiwillige Erfahrung

Mein Mann und ich besuchen ab und zu auch klassische Konzerte. In der Vergangenheit berichtete ich auch schon über einige, doch vorgestern erlebten wir ein Konzert, das mich wohl so schnell nicht wieder loslässt.

Wir gingen in ein Klavierkonzert in der Düsseldorfer Tonhalle mit Daniil Trifonov und dem London Philharmonic Orchestra. Karten hatten wir für die dritte Reihe ergattert, als wir ankamen, war allerdings aus der dritten Reihe die erste geworden, da das Orchester außergewöhnlich groß war und man die ersten beiden Reihen deshalb entfernt hatte.

 Einige Karteninhaber waren gar nicht erfreut und verlangten andere Plätze. Mein Platz war direkt vor dem Pianisten, also, dachte ich mir, guckst du ihm mal ganz nah bei der Arbeit quasi über die Schulter.

Meine Sicht auf die Bühne

Das Konzert begann mit Tschaikovskys Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b-Moll op. 23. Unsere Befürchtungen, dass die Akustik auf diesen Plätzen schlechter sei, waren unbegründet. Die Sicht auf das Orchester war eingeschränkt, was besonders beim zweiten Stück (Der Kuss der Fee von Strawinsky) schade war, Bläser, Flötisten und Cellisten spielen bei dieser Komposition eine wichtige Rolle. (Dafür hatten wir eine interessante Sicht auf das Schuhwerk der Musiker, aus den Fotos hätte man eine nette Collage machen können- aber ich schweife ab…). 

Daniil Trifonov spielte grandios, wie nicht anders zu erwarten war, doch ich  konnte mich nicht richtig an der Musik erfreuen, beobachtete ich doch eher unfreiwillig seine Mimik beim Spielen. Die berühmte Pianistin Martha Argerich hat über den Anschlag Trifonovs gesagt: „Hinzu kommt sein Anschlag – er hat Zartheit und auch das dämonische Element. Ich habe so etwas noch nie gehört.“ Das ist vielleicht auch eine ungefähre Beschreibung seiner vielen Gesichtsausdrücke während des Spielens. Ich musste immer wieder wegsehen, weil ich das Gefühl hatte, seine Privatshäre zu verletzen, ja, fast eine Voyeuristin zu sein. 

Das hatte ich am Anfang des Abends nicht erwartet und ich möchte so einen Platz nicht ein zweites Mal haben. Es gibt Momente…

Wer einen kleinen Einblick in die Virtuosität Daniil Trifonovs bekommen möchte, hier ein ca. 15 minütiges Video:

 

 

 

Die Antwort auf meinen Schnee-Beitrag von gestern war heute…

… dieser niedliche Frühlingsgruß:

Meine Freundin, die meinen Blog auch liest, brachte ihn mir heute mit. Sie ist auch so eine „Kreativtante“ wie ich und hat dieses Väschen selbst gemacht.  Ist das nicht purer Frühling? Von dieser Stelle aus nochmal ein liebes Dankeschön!

P.S.: Sie hat übrigens auch diese aparten Kissen gemacht, die ich in einem anderen Beitrag schon beschrieben habe…

Momente, wenn ein Stein vom Herzen fällt

…wenn es kein gebrochener Fuß, sondern nur ein verstauter ist

…wenn man den Schlüssel doch noch wiederfindet

…wenn man denkt, man hätte den 70sten Geburtstag einer Tante vergessen und dann  feststellt, dass man sich im Monat vertan hat und der Geburtstag  erst 4 Wochen später ist

Frühling…er kommt!

Vor ein paar Tagen war ich im Schwimmbad. In der Umkleidekabine nebenan waren zwei kleine Mädchen (den Stimmen nach zu urteilen), die in einer Dauerschleife sangen:

Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald.
Lasset uns singen, tanzen und springen!
Frühling, Frühling wird es schon bald.

Das war wohl der aktuelle Kindergartenhit.

Dann begrüßte mich jetzt (!) diese Sonnenhut-Blüte (mal abgesehen von den Schneeglöckchen-Kissen). 

Und ich tue selbst noch etwas, um den Frühling zu locken. Dieser Schal begleitet mich schon einige Jahre, seine knalligen Farben stämmen sich gegen das Grau.

Und wie locken Sie den Frühling herbei?