Ich schneide den Lavendel und gucke zu den Schneeglöckchen…
Sommerduft und Winterblüten…
Wer nicht neugierig bleibt, wird nur noch älter (Marianne Frauchiger)
Es gibt im Garten immer so viel zu entdecken und zu tun! Es ist zwar nur ein 200qm großer Halbschattengarten, da ich aber seit drei Jahren versuche, ihn möglichst bienen- und vogelfreundlich zu gestalten, bleibt es immer spannend. Was geht, was geht nicht? Ergänzt werden die Beiträge über andere Gärten oder Blumen, die mir besonders gefallen
Ich schneide den Lavendel und gucke zu den Schneeglöckchen…
Sommerduft und Winterblüten…
Am Mittwoch war ja der Gartentag schlechthin, natürlich fiel mir da auch das Ein oder Andere auf:
Der Moment…
wenn man den ersten Mückenstich im neuen Jahr spürt
wenn man nicht mehr 50-Liter-Säcke Erde ins Auto stemmen kann, sondern sich mit einem 30-Liter-Sack begnügen muss
wenn man im Nachbargarten das erste Handygespräch im neuen Jahr zwangsweise mithört
wenn man zum ersten Mal wieder den intensiven Duft der Zaubernuss erlebt
wenn die winterharte Gartenliege sirenenhaft lockt und man seine Herbstfaulheit jetzt abarbeiten muss
wenn man nach vollbrachtem Werk draußen in der Sonne Kaffee trinken kann
So ist mein Verhältnis zu Fischreihern. Vor ein paar Tagen entdeckte ich zufällig diesen Besucher in unserem Garten:

Ich finde, dass Reiher tolle Vögel sind, aber nicht in der Nähe unseres Gartenteiches, in dem ein paar Goldfische schwimmen(=die 20%)! Also verjagte ich ihn. Das interessierte ihn aber gar nicht, eine halbe Stunde später war er wieder da, jetzt noch dreister, direkt am Teichrand stehend.

Ich konnte unsere Fische noch einmal retten und fühlte mich danach bemüßigt, im Internet nachzulesen, welche Möglichkeiten der Reiherabschreckung es gibt. Dabei entdeckte ich dann dieses sehr passende Gedicht:
Der Reiher
Wenn spazieren geht der Reiher,
Denkt er über Manches nach:
Ob sich’s besser fischt am Weiher
Oder besser noch am Bach.
Endlich hat er sich entschlossen,
Geht zum Weiher hin und fischt,
Und da weilt er unverdrossen,
Bis er einen Fisch erwischt.
Warten, das versteht er prächtig,
Langeweile kennt er nicht;
Was er thut, er thut’s bedächtig,
Und Geduld ist seine Pflicht. –
Willst du irgendwas erringen,
Lern vom Reiher mancherlei,
Und Geduld vor allen Dingen
Bestens dir empfohlen sei.
Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich, Kinderlieder, hg. von Lionel von Donop, HildesheimNew York: Georg Olms Verlag 1976
Quelle
Heute stelle ich eine Landschaft vor, die sehr außergewöhnlich ist, sie liegt im Südosten Englands. Wann immer ich in den letzten Jahren in England war, habe ich Dungeness mit meinem Fotoapparat besucht. Besonders angetan hat es mir dort ein Garten, den ich hier gerne vorstellen möchte:
Momentan bietet der Garten ja nicht so viel Abwechslung, doch ich fand noch ein Thema dank eines faszinierenden Zeitungsartikels. In dem Artikel wurde über die verschiedenen Arten von Moosen geschrieben (z.B. Glas-Haarmützenmoos, Blattloses Koboldmoos oder weiches Kamm-Moos- drei von ca. 16000 bekannten Arten). Moose gibt es auf der Erde seit ca. 400 Millionen Jahren(!), also sah ich mal nach, ob ich in meinem Garten lebendige Fossilien habe. Und ich wurde fündig:


Beim Spazierengehen entdeckte ich dann noch zwei Arten, die auch anders aussahen. Mit den Fingern vorsichtig über die Moose zu streichen oder ein bisschen zu tuffen wie Katzenpfötchen auf einer Decke ist was Schönes.

Wen wundert es- auch Moosarten sind vom Aussterben bedroht, z.B. durch den Abbau der Torfmoore oder durch die Verringerung der Feuchtgebiete durch Zubetonierung.
Moose sind jetzt auf meinem „Radarschirm“ und ich bin gespannt, welche Arten ich noch auf zukünftigen Spaziergängen entdecken werde. Im Garten werde ich jetzt achtsamer und respektvoller mit ihm umgehen-versprochen!
Meine Vorliebe für japanische Haikus wird den meisten Lesern und Leserinnen ja schon bekannt sein, aber ich bin auch große Liebhaberin von Wabi-Sabi. Um das mal wie eine Ruhrgebietsfrau auszudrücken: Dat is alles, watt ne Macke hat oder schon reichlich vergammelt oder oll aussieht und eigentlich wech kann. Hat aber trotzdem watt und wenne über wahre Schönheit nachdenken tust, dann kommse schon ins Grübeln.

Hier jetzt die wissenschaftliche Wikipedia-Erklärung:
Wabi-Sabi (jap. 侘寂) ist ein japanisches ästhetisches Konzept (Konzept der Wahrnehmung von Schönheit). Eng mit dem Zen-Buddhismus verbunden, ist es eine Entsprechung zur ersten der buddhistischen Vier Edlen Wahrheiten, Dukkha.
Ursprünglich bedeutet Wabi sich elend, einsam und verloren fühlen. Dies wandelte sich zur Freude an der Herbheit des Einsam-Stillen. Aber erst in der Verbindung mit Sabi, alt sein, Patina zeigen, über Reife verfügen, entstand die eigentlich nicht übersetzbare Begriffseinheit, die den Maßstab der japanischen Kunstbewertung bildet. Nicht die offenkundige Schönheit ist das Höchste, sondern die verhüllte, nicht der unmittelbare Glanz der Sonne, sondern der gebrochene des Mondes. Der bemooste Fels, das grasbewachsene Strohdach, die knorrige Kiefer, der leicht berostete Teekessel, das und Ähnliches sind die Symbole dieses Schönheitsideals. Es geht um die Hoheit, die sich in der Hülle des Unscheinbaren verbirgt, die herbe Schlichtheit, die dem Verstehenden doch alle Reize des Schönen offenbaren. (Wilhelm Gundert)
In den Wäldern drüben,
tief unter der Last des Schnees,
ist letzte Nacht
ein Pflaumenzweig erblüht.
In diesem berühmten Vers liest der Verständige das Sabi und Wabi.
…wenn man z.B. ein altes Buch aufschlägt und einem plötzlich gepresste Gartenblumen entgegen fallen, die man vor langer Zeit in das Buch gelegt hat. (Foto von Pinterest).
Waren Sie gestern bei dem tollen Wetter auch im Garten und haben ihn winterfest gemacht? In der Nachbarschaft war jedenfalls viel los. Ich bin allerdings nicht so die Winterfestmacherin, nur die Geranien wurden von mir herein geholt. Ansonsten lasse ich schon seit Jahren das Laub liegen als Schutz vor Kälte und Unterschlupfmöglichkeiten für Igel oder Insekten und mache den Garten erst ab März laubfrei. Bisher bin ich damit gut gefahren und mir ist kaum etwas erfroren oder vor Nässe eingegangen. So hatte ich gestern Zeit, mich um meine Ableger zu kümmern. Wenn ich im Garten arbeite steht immer einen kleinen Topf Wasser parat, in den ich abgebrochene Pflanzen oder ausgebuddelte Pflänzchen hinein tue, in der Hoffnung, dass gesunde Ableger entstehen. Hier nun meine „Stars“ von gestern:


Darüber hinaus freute ich mich noch über Wiesenknöterich, Melisse, Waldmeister, Glockenblumen und Vergissmeinicht. Wenn ich sie alle über den Winter bringe, sind sie der Grundstock für meine Pflanzentauschbörse im nächsten Jahr.

Dieser Strauch sieht vielleicht unscheinbar aus, aber ich liebe ihn heiß und innig. Als kleine Topfpflanze vor vier Jahren gekauft, entwickelt sich die Pflanze immer besser. Sie liebt die Sonne (dann blüht sie auch weiß), aber bei mir stand sie dieses Jahr im Halbschatten, was sie mir nicht übel genommen hat. Neugierig geworden? Es ist eine Zitronenverbende, deren Blätter wunderbar duften. Jedes Mal, wenn ich bei ihr vorbei gehe, berühre ich sie leicht und dann duftet meine Hand. Und diesen Sommerduft kann man mit in den Winter nehmen! Entweder man näht, ähnlich wie bei Lavendel, die trockenen Blätter in Stoff ein und hat schöne Duftkissen oder man macht sich aus den Blättern einen Tee. Diesen ein bisschen süßen- schmeckt so gut.

Mein Abschied vom September… In den letzten drei Monaten habe ich Ihnen Haikus von früher vorgestellt, dieses Mal sind es „frisch erdachte“.

Heidespaziergang
Lilafarben-doch wo sind
typische Schafe?

Ob blau oder gelb-
Wasserspiegelungen, ein
unendlicher Film

Auf der Gartenbank
sonnenbaden-was tut die
Katze noch lieber?