Nabucco in Duisburg

Am Samstag fand die Premiere von Verdis Oper „Nabucco“ im Duisburger Stadttheater statt. Ich durfte als „Opernscout“ wieder mit dabei sein und war wie immer völlig unvorbereitet, um als Scout nicht von anderen Meinungen beeinflusst zu sein.

Der Abend begann mit einer Rede der Duisburger Dezernentin Linda Wagner. U.a. lobte sie die Schnelligkeit und Professionalität des Bauherrn, der während der Sommerpause das Duisburger Theater so schnell wieder auf Vordermann gebracht hat, dass ab sofort wieder Aufführungen stattfinden können. Frage: Könnte man diesen Bauherrn nicht einmal für den U-Bahn-Zugang „Steinsche Gasse“ ausleihen?

Der hier zuständige Bauherr ist ein professioneller Vertröster und kann nichts bezüglich Fertigstellung versprechen. Deshalb gibt es jetzt eine „Geburtstagsparty“, auf der ein weiterer Versuch gestartet werden soll, um mit der Stadt Duisburg ins Gespräch zu kommen, die sich bezüglich der Angaben der Gründe für diese
zweijährigen Sperrung sehr zurück hält.

Sorry, ich weiche ab…

Kurz zum Inhalt von Nabucco: Es ist die Geschichte der Gefangennahme des hebräischen Volkes durch den babylonischen König Nabucco. Da gibt es die Kämpfe zwischen dem König und dem Hohepriester der Hebräer und zwischen den Töchtern des Königs, Abigaille und Fenena, nachdem Nabucco den Verstand verliert.

Der Vorhang geht auf und die Zuschauer sehen einen Film von einem Tagungstisch mit Namenskärtchen der Hauptdarsteller. Danach wird auf ein hohes modernes Haus umgeschwenkt und wir sehen friedliche Alltagsszenen in Wohnungen. Plötzlich eine Bombe, der Tagungsraum löst sich in Netflixvorspannmanier auf und plötzlich taucht die Bühne mit dem zerstörten Haus und vielen der Bewohner vor unseren Augen auf. Das lässt niemanden kalt und ist sehr beeindruckend.

Aber:

Schnell merkte ich, dass ich ein grundsätzliches Problem mit Verdis Oper „Nabucco“ habe. Im 1. Akt erklingen fast alle Lieder in C-Dur, für mich gleichbedeutend mit heiter und hell. In der deutsche Textanzeige, (die Oper wird in italienischer Sprache gesungen), war von „Blutmeer“, „Todesqual“ oder „Mord“ zu lesen. Im 2. Akt bricht eine Frau über einem Grab zusammen, auch hier erklingt ein beschwingter 3/4 Takt. Dieser eklatante Widerspruch empörte mich. Befeuert wurde dieses Gefühl vom Bühnenbild, dem zerbombten Haus, das auf die Aktualität dieser Oper hinweisen soll. Hätte es nicht etwas subtiler sein können? Die technischen Raffinessen des Bühnenbildes konnten dies nicht wettmachen.

Viele Chormitglieder erzählten eine eigene Geschichte. Da irrt eine Frau mit einem leeren Katzenkorb herum, ein verwirrter Mann trägt einen zerbeulten Radhelm, ein kleiner Junge hat eine Flöte gerettet. Wohin sollte ich meine Aufmerksamkeit zuerst lenken?

Nach der Pause nehmen diese zwiespältigen Gefühle ab, denn immer mehr zog mich die starke Figur der Abigaille in ihren Bann. Die uneheliche Tochter von Nabucco konnte nie die Liebe ihres Vaters gewinnen. Darüber singt sie in einer herzergreifenden Arie. Ihr Gefühlsleben als Kind wird dabei von einem ca. 12 jährigen Mädchen überzeugend dargestellt. Aus dem Kind ist eine zornige und machthungrige Frau geworden, die nicht davor zurückschreckt, ihre eigene Mutter zu ermorden. Die gesanglichen Leistungen des Ensembles waren großartig, doch möchte ich russische Sängerin Svetlana Kasyan als Abigaille besonders hervorheben. Alle wurden von einem hervorragenden Orchester, den Duisburger Philharmonikern, begleitet.

Nach 2 1/2 Stunden kam ich aufgewühlt zuhause an und wollte wissen, ob ich bei anderen Aufführungen von Nabucco ähnliche Bedenken hätte. Auf YouTube fand ich Aufführungen aus vier verschiedenen Ländern. Bei allen sah ich mir drei meiner Schlüsselszenen an und kam zu einem Ergebnis.
Nabucco spielt 586 v. Chr. und in Rotterdam wurde dies im Bühnenbild und im Auftritt des Chores berücksichtigt. Die Szenen waren ruhiger, der Focus meiner Aufmerksamkeit war beim Gesang. Auch hier wurde der italienische Text ins Deutsche übersetzt, aber die Zusammenfassung des Librettos war teilweise eine ganz andere, viel weniger gewalttätig. Das gab mir, was die Duisburger Aufführung angeht, zu denken. Mit der Darstellung der Abigaille hat Duisburg großes Glück, die Sängerinnen der anderen Aufführungen hatten nicht diese Ausstrahlung. Und noch einen Pluspunkt für Duisburg gab es zu entdecken: Die Oper wurde in einem kompakten Raum dargestellt! Bei den anderen Aufführungen, (drei davon unter freiem Himmel), war viel mehr Platz und die über 100 Mitwirkenden liefen über die Bühne, das erinnerte mich manchmal an aufgescheuchte Hühner und das Geschehen zerfaserte. Das ist in Duisburg nicht möglich. Und ich muss noch etwas loswerden: Meine Befürchtungen, dass die gute Akustik der Duisburger Stadttheaters sich bei diesem monumentalen Werk verabschieden würde, traten nicht ein- voller Hörgenuss!

Mein letzter Satz zur Oper: Nabucco weckt Emotionen und das ist ihr Hauptverdienst.

Passen Sie nicht in das Schema F?

Der Mensch ist ein soziales Wesen, das seinen Seelenfrieden findet, wenn es zu einer oder mehreren Gruppen gehört. So die festverankerte Meinung in der Gesellschaft. Doch es gibt Menschen, die zwar von den anderen geschätzt werden, weil sie empathisch sind, oftmals frische Ideen haben und selbst über sich lachen können, die aber trotzdem lieber alleine sind und denen Aktivitäten in einer Gruppe (Teambildung auf der Arbeit, Betriebsfeste, Partys, Familienfeste, Gruppen-Freizeitaktivitäten) fast immer ein Graus sind. Sie langweilen sich, definieren sich nicht über ihre Arbeit, hassen Smalltalk und können Festen, die mit Traditionen verbunden sind, nichts abgewinnen. Diese Menschen sind weder extro- noch introvertiert, der amerikanische Psychiater Rami Kaminski nennt sie otrovertiert.

Kaminski hat in seiner jahrzehntelangen Berufspraxis viele Menschen betreut, die teilweise von anderen Ärzten als „nicht therapierbar“ abgestempelt wurden. Nach vielen Gesprächen erkannte er ein Verhaltens-und Wesensmuster bei seinen Patienten. Hier ein typischer Lebenslauf eines Otrovertierten:
Als Kleinkind wird von den Erwachsenen freudig bemerkt, dass das Kind sich stundenlang alleine beschäftigen kann. Beginnt die Kindergartenzeit, tauchen erste Irritationen auf. Das Kind lässt sich in eine Gruppe eingliedern, kapselt sich aber immer wieder ab. Die Schuljahre werden dann mit zunehmendem Alter oftmals zu einer Horrorzeit. Das Kind weiß inzwischen, dass Gruppenzugehörigkeit wichtig ist. Es möchte von einer Gruppe anerkannt werden, macht in der Gruppe mit und übernimmt auch die dort gängigen Meinungen und Interessen. Dabei verbiegt es sich derart, dass es zu psychischen Störungen kommen kann. Auch spürt das Kind, das es niemals wirklich zur Gruppe gehören wird. Verstärkt wird das seelische Dilemma oftmals von den Eltern, die ihre Kinder zu Gruppenaktivitäten zwingen oder von mitfühlenden Mitschülern, die nicht möchten, dass jemand ausgeschlossen wird.
Endlich ist die Schulzeit vorbei! Entweder ist ein Otrovertierter dann psychisch so angeschlagen, dass nur noch Alkohol oder Drogen helfen und/oder er eine Therapie braucht, um die gesellschaftlichen Erwartung vom Leben als „Gruppentier“ zu erfüllen oder er findet seinen eigenen Weg, sich so zu akzeptieren, wie er ist und sein Leben nach seinen eigenen Werten zu gestalten.
Wie sieht so ein Leben aus? Eine otrovertierte Person hat einige wenige gute Freunde, die sich gegenseitig ihre Freiheit lassen. In einer Gruppe verankert ist er höchstens dann, wenn diese sich mit etwas beschäftigt, das ihn interessiert. Da ein „Otro“ sich nicht an Gruppenmeinungen beteiligt, ist sein Selbstwertgefühl von anderen nicht abhängig, sein Selbstbewusstsein ist gesund. Gegenüber anderen Menschen ist er meistens unvoreingenommen und an ihren Geschichten wirklich interessiert. Er hinterfragt vieles, ist lieber stiller Beobachter und macht sein eigenes Ding. Jeder Tag ist wichtig für ihn, denn er ist kreativ und seine Ideen sind für Gruppenmenschen manchmal etwas spleenig oder so unerwartet, dass die Zeit für die Durchsetzung noch nicht reif ist. Ein Otro ist zufrieden, wenn er alleine sein Wohlfühlleben gestalten kann. Er schafft sich viele schöne Erinnerungen, denn diese kann man ihm niemals wegnehmen.
Seine Lebenseinstellung kommt ihm im Alter zu gute. Während Gruppenmenschen unter dem fortschreitenden Verlust von Freunden leiden, u.U. vereinsamen und merken, dass sie ihr Leben zu sehr an eine Gruppe angepasst haben, genießt der Otro, sofern er gesund ist, bis zum letzten Atemzug sein Leben.

Die Meinung über dieses Buch ist im Internet geteilt. Kaminski wird vorgeworfen, dass er den Begriff der Otroversion nur zu Marketingzwecken erfunden hat und die beschriebenen Wesenszüge in der Forschung schon lange bekannt sind. Das kann ich nicht beurteilen, doch dieses Buch erreicht erstmals betroffene Menschen, die keinen Therapeuten haben und bisher alleine versuchten, mit ihren Zweifeln zurecht zu kommen und ihr Leben zu wuppen.

“Wie schön es ist, nicht dazugehören zu müssen“- Ein passender Buchtitel…

Zeigt her eure Schuhe und Autos (Mosel 2)

Einen weiteren Regentag an der Mosel verbrachten wir in zwei außergewöhnlichen Museen.
In Traben-Trabach eröffnete 2019 Peter Rogoz sein Museum, um die Geschichte des Schuhputzens zu dokumentieren und einen Teil seiner Sammlung historischer und besonderer Schuhe zu zeigen.
Das „Schuh-Styling-Museum“ ist ein Teil der Räumlichkeiten seines Ladens „Rares für Bares“, in dem Menschen fündig werden, die auf der Suche nach ausgefallenen Objekten sind.
Wir hatten Glück, dass Herr Rogoz Zeit für uns hatte, denn er gab uns eine ca. 45 Minuten dauernde Führung durch seine Sammlung – ich hätte ihm gerne noch viel länger zugehört!
Das Kunsthandwerk des Schuhputzens – nach dieser Führung weiß ich, dass es wirklich ein edles Handwerk ist – gibt es seit ca. Mitte des 17. Jahrhundert. Bis dahin waren alle Schuhe matt und reiche Menschen versuchten, ihre Schuhe durch besonders kostbare Schnallen zu verschönern und drückten damit auch ihren Stand innerhalb der Gesellschaft aus.

Zwei sehr wertvolle Schuhschnallen aus dem 17. Jahrhundert

Als nun die Idee aufkam, die matten Schuhe zum Glänzen zu bringen, war die Begeisterung groß und gute Schuhputzer waren in den nächsten Jahrhunderten angesehen und wurden gut bezahlt.

Künstler nahmen Schuhputzer gerne als Motiv für ihre Werke

In mehreren Vitrinen wurden historische Schuhe gezeigt, um zu verdeutlichen, wie die Schuhmode sich verändert hat, bzw. welche „Schuhspezialitäten“ es gab.

Fotocollage oben links: Schuhe wurden gerne bestickt und es wurden die unterschiedlichsten Lederarten (Foto oben rechts) und andere Materialien benutzt. Foto unten rechts: Schuhe aus Silber, entworfen von Salvator Faragammo für Marlene Dietrich. Foto unten links: Hush Puppies, eine von vielen bekannten Schuhmarken.

Herr Rogoz war viele Jahre lang auch professioneller Schuhputzer und begegnete auf offiziellen Anlässen vielen berühmten Persönlichkeiten. Alle saßen auf diesem historischen Holzstuhl aus Salamanca. In diesem Moment waren sie Menschen wie du und ich (so Peter Rogoz), sahen geduldig zu und erfreuten sich an dem Können des Schuhputzmeisters.

Fotocollage:Fotos oben: „Wellness“- Zubehör für Schuhe
Unten links: Achten Sie auf den Pinsel! Eine japanische Tradition: Der Pinsel wurde in Rosenwasser getränkt und damit wurde der Rand der Geta Holzschuhe bestrichen, um beim Gehen einen Rosenduft zu verstömen.
Rechts unten: Sehen Sie den Damenschuh in der Mitte des Bildes und den vor dem Schild liegenden Schlüssel? Der Pfennigabsatz des Schuhs war in einem Kugellager verankert. So brach er nicht so schnell ab, die Trägerin musste nur manchmal das Kugellager mit dem Schlüssel nachziehen.

Ca. 200 Exponate geben einen Einblick in die Kultur des Schuhputzens. Ein Exponat fehlte mir allerdings (oder habe ich es übersehen?). Eine Vitrine widmet sich der Werbung rund um dieses Thema. Mecki habe ich gesehen, aber mir fehlte Lurchi, der Salamander von den Kinder- Salamander-Schuhen…Ihn und seine Abenteuergeschichten habe ich als kleines Mädchen geliebt. Vielleicht sieht Herr Rogoz noch einmal in seinem Privatbestand nach ( es besitzt ca. 1000 potentielle Ausstellungsstücke) und findet für Lurchi noch ein Plätzchen im Museum?😉

https://de.wikipedia.org/wiki/Lurchi

Ein Nachdruck einer Geschichte in der Pixi-Reihe

Das zweite Museum war das Zylinderhaus in Bernkastel-Kues, eröffnet 2017.

Das Gebäude ist neu, erinnert aber an Fabrikhallen aus der Gründerzeit.

Wir haben uns schon öfter Oldtimer angesehen, doch in diesem Museum werden die ca. 300 alte Autos und Zweiräder umrahmt von passenden Geschäften aus der selben Zeit. Das gab einen „Atmosphärenkick“ und war abwechslungsreicher als ein Besuch in reinen Automuseen.

„Weißt du noch?“ Diese Frage hörte man häufig.

Bei den Fahrzeugen gab es Schönheiten und Raritäten wie diese beiden Beispiele zeigen:

Aber es wurden auch Autos in ihrem „Habitat“ gezeigt:

Campingglück auf kleinstem Raum/ Nachbildung eines berühmten Autoschrottplatzes in der Schweiz. Wer mehr darüber wissen möchte:

https://de.wikipedia.org/wiki/Historischer_Autofriedhof_Gürbetal

Und schließlich gab es viele Motive, mit denen man im Fotoprogramm herumspielen kann:

Roboter oder Mopedmotoren?
Rundes als Fotomotiv, angereichert mit einem Hauch Halloween

In einem der nächsten Beiträge bespreche ich den Roman „Mr. Saitos reisendes Kino“, in denen Schuhe eine nicht unwichtige Rolle spielen.

Das Geheimnis von Little Sark

Ich beginne mit einem Zitat aus dem Buch:“ Auf Sark gedeihen viele Feindschaften, wenn es wenig anderes zu tun gibt.“
Das gilt besonders dann, wenn die Touristensaison auf der kleinen Insel im Ärmelkanal vorbei ist und sich in den Wintermonaten die Bewohner wieder mit sich selbst beschäftigen. 1933 ist es allerdings ein bisschen anders, denn eines Tages findet man am Rand einer Klippe zuerst eine ausgebreitete Jacke und dann zwei ordentlich zusammengelegte Kleiderstapel von einem Mann und einer Frau. Schnell wird klar, dass diese teuren Kleidungsstücke nicht Inselbewohnern gehören und langsam erinnert man sich, ein fremdes Paar in der Kleidung an mehreren Stellen gesehen zu haben. Doch wo ist dieses Paar? Ist es bei einem Unfall ums Leben gekommen? Oder handelt es sich um Selbstmord? Die lokale und bald auch die Presse des gesamten Königreichs überschlägt sich in Vermutungen und als eine junge Frau tot im Meer gefunden wird, während der Mann verschwunden bleibt, gibt es die ersten Mordspekulationen. Könnte jemand von der Insel damit zutun haben?
Die Autorin macht mehrmals einen Zeitsprung zum Jahr 1923 und widmet sich den o.g. Feindschaften. Besonders involviert sind u.a. Elise Carey und ihre Tochter Phyllis. Elise will alles kontrollieren und das Postgeheimnis ist für sie als Poststellenleiterin nur eine Empfehlung. Auch leitet sie nicht unbedingt alle Briefe weiter, was das Leben einiger Bewohner eine andere Richtung gibt. Die pubertierende Phyllis liebt es, Erwachsenen Streiche zu spielen und bedient sich bei alten Sarker Geschichten, in denen es um Geister und andere ungeklärte Phänomene geht. Dass sie mit diesen Streichen viel Leid auslöst, wird ihr erst 1933 richtig klar. Nebenfiguren wie Maud, die Hebamme, die vieles weiß, John, der Chief Constable als Fels in der Brandung, Paul und Ann Cecil, Sommergäste, die ungesund für die Insel sind oder der stets betrunkene Arzt Stanhope sind nur einige, die den Mikrokosmos der Insel bevölkern. Am Ende des Romans sind einige geheime und mysteriöse Geschichten, Geistersichtungen und Verletzungen aus der Vergangenheit geklärt und vielleicht wird das Leben auf Sark nun ein bisschen leichter.
Die Leserschaft wird von der ersten Seite an von einer nicht näher benannten Person mit in die Handlung gezogen. „Wir“ rätseln zusammen mit den Inselbewohnern, „uns“ macht man nichts vor und „Wir stellen mal eine Vermutung an.“ Das ist lebendig geschrieben und macht Spaß. Zuerst scheint es sich um einen Kriminalroman zu handeln, denn die Berichterstattung über das Paar wird immer brisanter. Doch die alten Inselgeschichten übernehmen nach und nach die Handlung und das Spektrum menschlicher Tragödien und besonders dem damit verbundenen Leid der Frauen ist groß. Doch irgendwann beginnen die Frauen, zusammen zu halten und sich zu wehren.
Das Buch beruht auf einem authentischen Fall und vielen alten Quellen, die die Autorin in der Bibliothek von Guernsey gefunden hat. Auch orientieren sich einige Romanfiguren an ehemaligen Inselbewohnern. Ein weiteres Leseargument für das Buch!








Herbstglück an der Mosel mit Farbrausch und einem Geheimschatz der BRD

Um die Herbstfarben in der Natur auszukosten, fuhren wir für ein paar Tage an die Mosel. Wir übernachteten in Beilstein, einem kleinen Ort in der Nähe von Cochem. Das war eine gute Wahl, denn abends, wenn die vielen Tagestouristen wieder weg waren, hatten wir den Ort fast für uns alleine.

Romantisches Beilstein, in der Mitte die Fähre, rechts oben Beilstein am Abend.

Am erste Tag durften wir direkt „in Farben baden“.

Die Weinberge legen sich ins Zeug…Unten rechts der heilige Castor von Karden.

Wir machten eine kleine Landpartie und schlenderten durch Bruttig, besuchten das Kloster Maria Engelport und aßen in Treis-Karden zu Mittag.

Bruttig hat lauschige Ecken und ist ein Ort für Menschen, die die Ruhe bevorzugen.
Oben links der Klostergarten, rechts daneben das 800 Jahre alte Kloster Maria Engelport.
Unten: In Karden kann man die eindrucksvolle Kirche St. Castor besichtigen (habe schlichtweg vergessen, ein Foto zu machen). Aber wenn man in Karden mit wachem Auge durch die Straßen streift, kann man an Häusern oder in Ladenlokalen auch kleine Besonderheiten entdecken. Auch scheinen die Menschen „entschleunigt“.
Service der Deutschen Bundesbahn

Am Nachmittag sahen wir uns die Weinberge von der Mosel aus an, eine Bootsfahrt von Beilstein nach Cochem dauert ca. 50 Minuten.

Das Wahrzeichen von Cochem, die Reichsburg.
Kleiner Stadtspaziergang in Cochem

Hier merkte man, dass die Herbstferien in NRW begonnen hatten. Viele Familien waren unterwegs, an den Ufern lagen mehrere Flusskreuzfahrtschiffe.

„Souvenirs“ eines abgefahrenen Kreuzfahrtschiffes…

Manche Kneipen würden auch gut zum Ballermann-Abschnitt auf Mallorca passen, wir fanden glücklicherweise eine Weinbar, die nicht so überlaufen war und probierten ein paar Moselweine.

Tag 2 und 3 waren dann leider Nebel- und Regentage. Wir waren vorbereitet und besuchten in Cochem den Bundesbank Bunker, der gebaut wurde, um eine Ersatzwährung für die D-Mark zu lagern. Klingt wie ein Agententhriller? Hier die Geschichte:
In der Vergangenheit war versucht worden, die Wirtschaft von Großbritannien und Portugal durch sogenannte Falschgeldteppiche zu destabilisieren. Die BRD hatte in den 50er Jahren Befürchtungen, dass der Ostblock dies auch bei uns versuchen würde und so wuchs der Plan, eine Ersatzwährung zu erschaffen, die im Notfall eingesetzt werden könnte. Zu einem Tag X wäre die alte D-Mark für ungültig erklärt worden und die neue Währung hätte man in Umlauf gebracht.

Links die Ersatzwährung, rechts die damals gültigen D-Mark Scheine

So der Plan. Aber wohin mit den Scheinen im Wert von 15 Milliarden?
In Cochem, strategisch gut in einem Tal gelegen, nahe bei Bonn und mit Schienen und Möglichkeiten des Schiffsverkehrs ausgestattet, fand man ein ideales Gelände inmitten eines Wohngebietes. Offiziell wurde ein Schulungsgebäude bzw. Urlaubsunterkunft für Angestellte der Bundesbank eingerichtet. Dass man bei dem Bau über zwei Jahre so viele Sprengungen im Fels vornehmen musste erklärte man den Anwohnern damit, dass ein Bunker Vorschrift bei offiziellen Gebäuden sei und sie im Notfall auch im Bunker Schutz finden würden.
Als die Anlage fertig war, wurde das Geld in Kleintransportern angeliefert und ab 1964 arbeiteten nur drei Menschen an dem Ort mit dem großen Geheimnis. Sie waren hauptsächlich dafür zuständig, dass die Haustechnik funktionierte und die Geldscheine damit geschützt waren, sei es vor Zugriff von außen oder klimatischen Einflüssen.
Bei einer Besichtigung begeht man fast alle Räume und kann seiner Fantasie freien Lauf lassen.

Oben links: Im Bunker auf dem Weg zu den Lagerungsstätten (oben rechts). Unten links: Die Anlieferung der Geldscheinpakete, rechts ein Beispiel für ein Paket.

Die Ersatzwährung kam nie zum Einsatz und in den 80er Jahren wurde den Verantwortlichen nach und nach klar, dass diese Idee gar nicht durchführbar war. 15 Milliarden waren inzwischen viel zu wenig, dank wachsender Bevölkerung und Inflation. Auch war die Logistik des Verteilens nicht bis zu Ende durchdacht worden. So wurde der Bunker 1988 geschlossen und die Ersatzwährung vernichtet. 1994 eröffnete die Volksbank einen Tresorraum für ihre Kunden. Ein Misserfolg, sodass schließlich ein privater Busunternehmer die Anlage kaufte und ein Museum mit einer kleinen Theaterbühne daraus machte.

Links sieht man noch einen Teil der Schließfächer der Vereinsbank.

In einer Woche folgt ein zweiter Moselbeitrag, in dem ich Ihnen von zwei weiteren sehenswerten Museen erzähle.

Eine Liebe der Hannah Höch

Eigentlich mag ich keinen Roman, dessen Hauptfigur eine früher lebende Person darstellt. Aber es gibt immer die Ausnahme:

Die Autorin erzählt in dem Roman von einem Lebensabschnitt der Künstlein Hannah Höch. Sie war in den 20er Jahren des letzte Jahrhunderts die einzige Frau, die zu der Künstlergruppe gehörte, die den Dadaismus verbreitete. Hannah, die als einzige der Gruppe eine feste Arbeitsstelle beim Ullsteinverlag hatte und die Dadakollegen öfter finanziell unterstützte, war nebenbei künstlerisch sehr produktiv und entwickelte die Methode der Fotocollage. Aber in der Szene sahen viele in ihr nur die Geliebte des verheirateten Künstlers Raoul Hausmann. Die Beziehung war schwierig. Künstlerisch befruchteten beide die Arbeiten des anderen (z.T. so sehr, dass Hausmann Hannahs Werke mit seinem Namen signierte), menschlich war der Künstler launisch, fordernd und eifersüchtig und machte Hannah das Leben schwer. Irgendwann schaffte sie es, sich von ihm zu trennen.
1926 findet sie eine neue Liebe: Til Brugman, eine Autorin aus den Niederlanden. Die beiden tun sich gut, leben eine Zeit lang in Den Haag, dann in Berlin. Man lernt Hannahs Familienmitglieder kennen, die Til herzlich in ihren Kreis aufnehmen. Die Freunde aus dem Dadakreis reagieren unterschiedlich auf die Beziehung.
Die Liebe der beiden Frauen wird im Laufe der Jahre immer häufiger auf die Probe gestellt. Während Hannah als Künstlerin in Berlin mehr Anerkennung findet, wartet Til immer ungeduldiger auf ihren eigenen Durchbruch. Sie fährt häufiger über längere Zeit in die Niederlande, beansprucht für sich die Freiheit, andere Beziehungen zu Frauen einzugehen. Auch machen die politischen Verhältnisse im Berlin der 30er Jahre das Leben für die beiden nicht einfacher. Til bringt zwar ihr erstes Buch heraus, das Hannah illustriert hat, aber immer mehr Freunde gehen ins Exil und schließlich kommt es 1935 auch zur Trennung von Hannah und Til.

Für mich hat die Autorin einen ganz eigenen Schreibstil gefunden, der das beschwingte Leben in Künstlerkreisen der 20er Jahre so wiedergibt, wie ich es mir vorstelle. Der Stil ändert sich, als die Beziehung und die politischen Verhältnisse schwieriger werden. Das zu beobachten, gefiel mir sehr beim Lesen. Auch die eingestreuten Texte von Hannah und Til trugen zu der besonderen Atmosphäre des Buches bei.
Mika Sophie Kühmel beschreibt das Verhältnis zwischen den beiden Frauen, am Anfang voller Liebe und Wärme, dann immer mehr als ein Ringen darum, die Liebe zu erhalten. Das ist der zweite Grund, warum ich dieses Buch gerne gelesen habe.

Schnuckelige Örtchen: St. Davids und Tenby (Wales 2)

„Welcome to the Smallest City in Britain“! St. Davids, benannt nach dem Schutzheiligen von Wales, ist ein kleiner Ort mit einer eigenen Kathedrale (deswegen City) und den Ruinen eines Bischofpalastes. Das Städtchen verfügt darüber hinaus über einige schöne Einkaufsstraßen, viel Natur und…(Wird später verraten), hat also beste Voraussetzungen, ein Touristenmagnet zu sein. Hier ein paar Eindrücke:

Oben zwei Fotos von der Kathedrale, unten zwei Eindrücke von den Ruinen des Bischofspalasts aus dem 14. Jahrhundert.
„Charakterköpfe“ schmücken die Außenfront der Kathedrale

Die Kathedrale war für uns eine Überraschung, denn wir beide waren uns einig, dass sie eine der schönsten ist, die wir bis da dato gesehen haben. In der Kirche, deren Bau im 11. Jahrhundert begann und die man im 14. und 19. Jahrhundert veränderte, wurde neben Stein auch viel Holz verarbeitet. Die Böden, die Wände und teilweise auch die Fenster streiten um den ersten Preis für das schönste Muster. Das Besondere aber ist die Tatsache, dass innerhalb der Kirche ein Höhenunterschied von 4 Metern ausgeglichen werden musste. So besteht die Kathedrale nicht nur aus einem gradlinigen Schiff, sondern erinnert an einigen Stellen fast an ein Labyrinth mit kleineren Räumen.

Fotocollage aus Bildern mit den schönen Decken, Fenstern, Böden, Bänken und einem Altar.

Vielleicht ist bei mir aber auch die kircheneigene Bibliothek der Grund, dass mich St. David‘s Cathedral so beeindruckt hat.

Rechts oben: Nur über diese Wendeltreppe kam man in die Bibliothek und dort werden die Besucher von Buchschätzen erwartet. Eine sehr nette Bibliothekarin zeigte uns einige besonders ausgefallene Exemplare.

Unser zweites Ziel war der Besuch der Dr. Beynon’s Bug Farm, etwas außerhalb von St.Davids gelegen. Eine Insektenfarm hatten wir noch nie gesehen, bzw. besucht. Es gab dort ein weitläufiges Außengelände, schön geeignet für einen Spaziergang, auf dem man viel über das Leben von Insekten erfuhr. Andere Informationstafeln widmeten sich den Möglichkeiten, gegen das Insektensterben vorzugehen.

In mehreren Räumen bestaunten wir danach viele exotische Insekten. Mag vielleicht abgedroschen klingen, aber es waren Wunder des Natur.

Im Museum waren viele Kinder unterwegs und es war schön zu sehen, wie sehr Kinder noch staunen können.

Von St. Davids fuhren wir nach Tenby quer durch den Pembrokeshire Coast National Park. Wanderer, Camper, Surfer, Landschaftsgenießer- hier kommen alle auf ihre Kosten!

Das Klima meint es gut mit Tenby und dieser Ecke von Südwales und wir bekamen an manchen Stellen mediterrane Gefühle.

Die bunten Häuser können es mit den Farben in der Theke einer Eisdiele aufnehmen.
Habe ich die Fotos vielleicht doch in Nizza gemacht? Nein, es sind „Tenby Originals“.

Tenby wird für mich immer die Stadt der Bänke sein. An keinem anderen Ort habe ich so viele Sitzmöglichkeiten gesehen, von denen man immer eine wunderschöne Aussicht hatte oder auf denen man es sich in einer Nische gemütlich machen konnte.

Wales Nr. 3 nimmt Sie mit nach Cardiff und Bristol. Doch zuerst stelle ich Ihnen noch den Roman „Hannah“ vor und schreibe noch über ein langes Moselwochenende.

Einmal den Tod ausprobieren

2018: Amélie arbeitet im französischen Außenministerium. Als ihren Vertrauten hat sie ihren ehemaligen Mitschüler Éric eingestellt und sie beide sind ein erfolgreiches Team, wenn es darum geht, ausländische Firmen davon zu überzeugen, in Frankreich zu investieren.
Eine Reise nach Seoul verändert alles, denn Éric bricht bei der ersten Präsentation zusammen und bei der zweiten Chance, die Samsung den beiden gibt, lässt er Amélie im Stich und taucht unter. Was war geschehen?
Éric, Mitte 40, gibt sich immer noch die Schuld an dem Unfalltod seines Vaters vor fast zwanzig Jahren. Da half es danach auch nicht, dass er eine liebe Frau und einen tollen Sohn hatte und erfolgreich im Beruf war. Inzwischen ist er geschieden, seine Mutter befeuert seine Schuldgefühle, bei der neuen Arbeit mit Amélie stößt er an seine körperlichen und mentalen Grenzen. Er ist ausgebrannt, als er in Seoul, ein paar Stunden vor der zweiten Präsentation, in ein Geschäft geht, das „Happy Life“ heißt. Hier lernt er eine für ihn sehr befremdliche Geschäftsidee kennen: Auf Probe sterben. Eine Expresszeremonie dauert eine Stunde, beinhaltet die Gestaltung des Grabsteins, das Verfassen der letzten Worte und das überwachte Liegen in einem geschlossenen Sarg. Éric bucht diese Stunde, die ihm einen Erweckungsmoment beschert. Im Sarg stürzen so viele wichtige Gedanken auf ihn ein, dass er merkt, wie sehr er noch an seinem Leben hängt und dass sich vieles ändern muss. Nach der Stunde ist er euphorisiert und zugleich zu verstört, um zusammen mit Amélie bei Samsung aufzutreten.
Er fliegt zurück nach Frankreich, kündigt und ist beseelt von der Idee, den Service des Probesterbens auch in seinem Heimatland anzubieten. Endlich hat er eine Lebensaufgabe gefunden, mit der er anderen Menschen helfen kann.
Und tatsächlich finden sich immer mehr Menschen, die seinen Laden besuchen und fast alle machen ähnliche Erfahrungen wie Éric. Die Mundpropaganda wird immer größer, Éric eröffnet Filialen, wird wieder sehr erfolgreich. Doch dieses Mal zieht er die Reißleine und gibt alles ab. Er wird etwas Neues suchen und vielleicht spielt dabei Amélie eine Rolle, denn deren Leben lief nach Seoul alles andere als rund.

Das Thema Tod in einen leichten Unterhaltungsroman zu verpacken und das mit einer Portion Tiefgang, der die Leserschaft zum Nachdenken bringt, dazu gehört schriftstellerisches Können. Dass David Foenkinos das besitzt, stellte er schon in früheren Romanen unter Beweis.

Wer noch mehr über die südkoreanische Therapie der Toderfahrung wissen möchte, auf der Seite abschieds.com fand ich diesen Text:

https://www.abschieds.com/simulierter-tod-in-sudkorea-ein-ungewohnlicher-weg-das-leben-neu-zu-schatzen

Das schwarze Manuskript

Ashok Oswald wird in jungen Jahren in Wien von einem entfernten Bekannten gebeten, für ihn ein schwarzes Manuskript aufzubewahren. Es beinhaltet seinen Roman „Hunger“ und ist so brisant, dass er Ashok warnt, die Seiten zu lesen. Oswald nimmt das Manuskript an sich, kurz danach begeht sein Bekannter Selbstmord.
Oswald wird in den darauf folgenden Jahren der sehr erfolgreiche CEO eines Weltkonzerns, zieht nach Köln und vergisst das Manuskript, das irgendwo im Keller seiner riesigen Villa liegt.
41 Jahre später stehen an einem Morgen zwei Männer und eine Frau an Oswalds Pool, als dieser gerade seine Bahnen zieht und verlangen von ihm unter Gewaltandrohung und ohne Erklärung das Manuskript zurück. Oswald findet es glücklicherweise und händigt es den Fremden aus, die darauf wieder verschwinden.
Oswald ist inzwischen 64 Jahre alt und hat sich vorgenommen, sich von seinem alten Leben zu verabschieden, da er merkt, dass er als CEO nicht mehr richtig „funktioniert“. Dieser Vorfall ist für ihn der Auslöser, seinen Plan in die Tat umzusetzen, denn er will unbedingt wissen, was es mit dem schwarzen Manuskript auf sich hat. Er entlässt seine Hausangestellten, entledigt sich seines Handys – seine Reise beginnt… Mehr darf und will ich nicht verraten!
Ich lese die Bücher von Heinrich Steinfest sehr gerne, denn er schafft es immer wieder, Geschichten zu erzählen, die wohltuend anders sind als 80% der heutigen Neuerscheinungen. (Keine Familiengeschichte, keine Buch über Kind/Elternteilbeziehung, Kriegserfahrungen, dunkles Geheimnis, sie findet ihren Prinzen-Geschichte). „Das schwarze Manuskript“ kann man als Mischung lesen aus Krimi mit irischen Einsprengseln, Geschichte über ältere Männer und auch als Hommage an Gabriel Garcia Marquez und seinem magischen Realismus. Und alles ist erzählt mit einem Hauch Augenzwinkern und dem speziellem österreichischen Humor, wie man ihn beispielsweise auch bei Wolf Haas findet.

Urlaub in Wales (1)

Vor einigen Monaten berichtete ich über unseren Urlaub in Nordirland. Nun kommt die Fortsetzung.
Von Belfast aus fuhren wir mit der Fähre nach Liverpool zurück und von dort aus ging es direkt nach Südwales. Wir legten zwei Pausen auf dem Weg ein, die Küste von Nordwales empfanden wir teilweise als ein bisschen bizarr.

Zwischen Liverpool und Aberystwyth: Oben ein gekentertes Schiff, das sich dem Verrosten hingab, in der Mitte links ein Theater, das uns eher an ein Teil einer Kernspaltungsanlage erinnerte. Rechts daneben: So sehen viele Ferienhausanlagen aus. Unten : Sechs verschreckte Bäumchen sind auf dem Pier dem Meeressturm ausgesetzt. Rechts unten der alte Uhrturm von Aberystwyth.

Wir hatten für mehrere Tage eine Ferienwohnung in Milford Haven, unser Ausgangspunkt für mehrere Ausflüge. Der erste Ausflug führte uns nach „Skomer Island“.
Ich liebe Papageientaucher, auch Puffins genannt, und auf dieser unbewohnten Insel leben ab Mitte April und Ende Juli ca. 40000 Tiere.

Für ein Schwätzchen immer zu haben! Puffins kommen zum Brüten in Höhlen auf die Insel, bevor sie wieder aufs Meer fliegen und die restlichen Monate dort verbringen.

Es gibt nur wenige Bootsfahrten zu der kleinen Insel und wir hatten uns schon im November des Vorjahres um Tickets bemüht. Zu recht, denn bei nochmaligem Besuch der entsprechenden Internetseite waren im Februar schon alle Fahrtmöglichkeiten ausgebucht.
Als wir an dem Fähranleger ankamen, erwarteten uns Nebel und Regen, die Stimmung der Besucher war etwas bedrückt. Doch nach ca. 40 Minuten Fahrt empfing uns eine Insel im Sonnenschein.

Die meisten Besucher waren wegen der Puffins da, doch es gibt noch viele andere Vogelarten und auch Seeschildkröten, Wale und Delfine zu beobachten. Auf streng vorgegebenen Wegen kann man die Insel alleine erkunden, eine Einkehrmöglichkeit gibt es nicht.

Vogelbestimmung ohne Gewähr: Links eine Heckenbraunelle, daneben im Felsen Tordalks, darunter eine Heringsmöwe, oben rechts eine Rauchschwalbe, darunter ein Hänfling.


Wir verbrachten fünf Stunden auf Skomer Island, die sehr schnell vorbei gingen, denn neben den Tierbeobachtungen waren auch die Ausblicke aufs Meer sehr abwechslungsreich und wunderschön. Ein wissenschaftliches Forschungsteam und einige Wildhüter leben auf der Insel, letztere freuten sich darüber, wenn man ihnen Fragen stellte.

Uns fiel der Abschied sehr schwer, die Puffins hatten nun endgültig unsere Herzen erobert!



In nächsten Beitrag stelle ich Ihnen zwei kleine malerische Städte vor, die eine „very british“, die andere könnte auch am Mittelmeer liegen.