Reise zum Ruhepol Europas Teil 2

Die Entfernung Duisburg-Neualbenreuth beträgt 620 km. Ich fange heute mit den Zwischenstopps auf der Hin-und Rückfahrt an. Da Bamberg auf dem Weg lag, wollten wir die Chance nutzen und uns die Stadt ansehen und übernachteten dort einmal. Die Idee war im Prinzip gut, allerdings waren Kirchen und andere öffentliche Gebäude am nächsten Morgen wegen einer großen Fronleichnamsprozession geschlossen. So bummelten wir nur durch die Stadt und bekamen einen ersten Eindruck.

Auf der Rückfahrt statteten wir Bayreuth einen Besuch ab, genauer gesagt dem „Neuen Schloss“. Dies war einst die Wirkungsstätte von Wilhelmine von Bayreuth, der Schwester Friedrich des Großen. Ich las gerade dieses Buch 

und der Buchinhalt wurde für mich dadurch sehr lebendig. (Kurze Buchbesprechung am Ende dieses Eintrags). Wir machten eine Führung mit, da man nur mit dieser in ansonsten verschlossene Räume kam.

Vom Neuen Schloss aus kommt man schnell in die Fußgängerzone. Diese war am Sonntag recht ruhig, doch machte sie einen sympathischen Eindruck.

Herr Wagner darf natürlich nicht fehlen

Auch hier wäre ein zweiter Besuch nach 2018 wünschenswert. Dann wird das alte Opernhaus (Unesco Weltkulturerbe) wieder eröffnet und es gäbe da auch noch das Alte Schloss, Museen mit außergewöhnlichen Themen und noch Einiges mehr.

Aber Neualbenreuth war ja das Hauptziel und wie gestern versprochen kommen morgen ein paar weitere Appetithappen.

Und hier nun noch die Buchbesprechung:

Ich habe bisher noch nicht viele historische Biografien gelesen. Auch ist mein geschichtliches Wissen, was das 18. Jahrhundert betrifft, ziemlich lückenhaft. Vielleicht tat ich mich deshalb am Anfang mit dem Buch schwer, denn es kommen z.B. viele Friedrichs und Sophies vor und die politische Situation in den Grenzen des heutigen Deutschlands war recht kompliziert. (Im Buch gibt es eine Ahnentafel, aber leider keine politische Landkarte der damaligen Zeit).

Aber ich habe mich durchgebissen und es hat sich gelohnt. Nicht nur wegen der Schilderungen über Wilhelmine, die ich nicht so sympathisch und toll finde, wie viele andere es tun, sondern auch wegen des Überblicks zum Leben ihres Bruders Friedrich des Großen und dessen charakterlichen Verwandlung im Laufe der Jahrzehnte, wegen der Beschreibungen der politischen Kalküle und den Darstellungen des Schlosslebens.

 

 

Reise zum Ruhepol Europas-Teil 1

Wissen Sie, wo die Mitte Europas liegt? An der deutsch/tschechischen Grenze, der nächste deutsche Ort heißt Neualbenreuth und dort verbrachten wir drei Tage. Für mich ist diese Region der Ruhepol Europas. Eine Luft, die der Meeresluft mit ihrer Würzigkeit Konkurrenz machen kann, eine Stille in fast endlosen Wäldern und sehr beschauliche Dörfer und Städtchen. Vom Tourismus ist diese Gegend noch nicht „verwöhnt“, obwohl sie für Wanderer und Naturliebhaber, aber auch für Kulturliebhaber viel bietet. Falls Sie neugiergig geworden sind: In den nächsten beiden Tagen zeige ich Ihnen noch ein paar Fotos, die vielleicht Lust auf einen Urlaub in der Region machen.

 

 

Zu leicht? Zu schwer?

Das ist mein Bilderrätsel fürs Wochenende:

Morgen Abend sehen Sie das ganze Bild und dann sagen Sie entweder „Wusste ich es doch!“ und haben ein Erfolgslebnis oder Sie sind verblüfft und dann freue ich mich, weil ich Sie verblüffen konnte. Sie können sich dann auch trotzdem freuen, schließlich haben Sie mir eine Freude bereitet und damit eine gute Tat getan. Also sind alle zufrieden ?.

Auf Wiedersehen, Juni!

Nach langer Zeit mal wieder drei Haikus zum Monatsende:

Rote Früchte dort,
Himbeeren reif und süß-
ein Gartengeschenk

In jedem Sommer
das Wählen schwieriger wird:
bei den Eissorten

Ach so königlich
ist der Anblick des Fasans-
nicht aber sein Ruf

Kommen Sie gut in den Juli!

 

Misses Ali

Ein kleines englisches Dorf im Dunstkreis von London: Hier leben der Major Ernest Pettigrew und Mrs Jasmina Ali und beide sind recht einsam. Der Major, Anfang 60, hat vor einigen Jahren seine Frau verloren und trauert jetzt um seinen Bruder. Seine Schwägerin und sein Sohn machen ihm dabei das Leben eher schwer, als dass sie ihn trösten, denn es gibt Erbstreitigkeiten wegen eines wertvollen Gewehrs und seinem Sohn geht es nur um seine eigene Karriere und er nutzt seinen Vater schamlos aus. Mrs Ali, Witwe und Mitte 50, kommt aus Pakistan und betreibt zusammen mit ihrem Neffen den einzigen Laden im Dorf, eine Art Tante Emma Laden. Zur Dorfgemeinschaft gehören die beiden nicht. Die wohltätigen Damen des Kirchenkreises haben da gewisse Bedenken und Alis Neffe sondert sich wegen seines distanzierten Verhaltens ab. Mrs Alis praktisches und mitfühlendenes Wesen merkt aber, dass der Major Zuspruch braucht und Jasmina kümmert sich ein bisschen um ihn. Dabei entdecken beide ihre gemeinsame Liebe zur Literatur und ganz zart entwicklen sich Bande zwischen den einsamen Herzen. Empörung beim Sohn und Unverständnis bei der Dorfgemeinschaft! Das Leben wird für die beiden nicht einfacher, zumal dann auch noch der Neffe und andere Familienmitglieder meinen, über Alis Zukunft bestimmen zu können und Ali aus dem Dorf weggehen muss. Der Major leidet, doch dank Grace, einer wie es sich herausstellt wahren Freundin, werden ihm die Augen geöffnet. Er schert sich nicht mehr um die Meinungen der anderen und holt Jasmina zu sich zurück.

Wer großer Englandfan ist, wird dieses Buch mögen, denn die Beschreibung des Mikrokosmos in einem englischen Dorfes ist teilweise satirisch angehaucht. Die Geschichte selbst passt zu einem längeren 5-Uhr-Nachmittagstee, mehr ist es aber auch nicht.

Mein Koffer in Berlin

Vor einigen Tagen erwähnte ich, dass ich momentan nicht viel zum Schreiben käme, da ich z.Zt. quasi noch einen Koffer in Berlin hätte. Heute verrate ich Ihnen, was dahinter steckt.

Ich bekam ein 4 Wochen Abonnement für die „Digital Concert Hall“ der Berliner Philharmoniker geschenkt. Dieses Abo löse ich gerade ein. So bin ich zwar nicht körperlich in Berlin, aber meine Gedanken schon.

Was ist das für eine Konzerthalle? In meiner Buchbesprechung zu Peter Brems Autobiografie „Ein Leben lang erste Geige“ erwähnte ich sie vor einigen Monaten schon einmal. Als Abonnent der „DCH“ kann ich live an Konzerten der Philharmoniker teilnehmen. So sahen mein Mann und ich z.B. Konzerte mit Sir Simon Rattle und Gustavo Dudamel. Natürlich kann man dies nicht mit einem Besuch in der Berliner Philharmonie  vergleichen, jedoch hat das Zusehen und Zuhören am Bildschirm auch Vorteile. Die Kameraeinstellungen sind sehr gut und so bekommt man viel besser das Können einzelner Orchestermitglieder mit, bzw. man hört intensiver auf die Musik und die Struktur der Stücke werden noch klarer. Das war Punkt 1.

Punkt 2: Als Abonnent hat man Zugriff auf alle früheren Konzert des Orchesters, dies umfasst auch Auftritte in der Berliner Waldbühne oder z.B. in Baden-Baden. Man kan im Archiv nach Dirigenten suchen und sich legendäre Konzerte noch einmal ansehen oder auch Konzerte, deren Veröffentlichungen auf CD Auszeichnungen nachzogen. Sie suchen ein bestimmtes Werk, welches Sie sich gerne anhören möchten?- Kein Problem, auch hier lässt die Suchfunktion Sie nicht im Stich. Man bekommt wirklichen Hörgenuss, was ja bei YouTube Aufzeichnungen nicht immer der Fall ist.

Punkt 3: Wenn Sie einen Dirigenten, einen berühmten Musiker, einen Komponist oder auch ein Mitglied des Orchesters kennen lernen möchten, so können Sie das mit Hilfe vieler aufgezeichneten Interviews. (z.B. ein herzerwärmendes Interview mit Kirill Petrenko, der 2018 der Nachfolger von Sir Simon Rattle sein wird).

Das Abonnement kostet 14,90 Euro für 4 Wochen. Ich finde dies einfach genial, denn man kann zur Tages- und Nachtzeit seiner Lust an klassischer Musik fröhnen und das auf hohem Niveau. Besonders dafür eingenommen hat mich auch die Tatsache, dass man auch mal Unbekanntes „in Angriff“ nehmen kann, sei es Schönbergs 12-Tonmusik oder sich einfach auf etwas Neues einlässt.