Als Spione ihre heile Welt verloren

Jakob Dreiser wächst in in den 60er und 70er Jahren in einem Dorf in Norddeutschland auf. Als Schüler ist er ein Außenseiter, denn er lernt freiwillig Russisch in Zeiten des Kalten Krieges und er schreibt Gedichte. Mit fünfzehn flüchtet er aus dem dörflichen Mief, schlägt sich durch und findet tatsächlich einen Verlag, der seine Gedichte druckt. 1989 wird er dann schlagartig berühmt. Die Mauer fällt, er und eine junge Poetin aus der ehemaligen DDR werden für die Literaturwelt mit ihren Gedichten das Gegenstück zu dem Skorpions und ihrem Lied „Wind of Change“. Die beiden treten auf Festivals und Lesungen auf und reisen als Botschafter des Friedens in der Welt herum.
Jakob hat mit 25 finanziell ausgesorgt und lebt in Rom. Dort ist er sehr beliebt, da er ein guter und intelligenter Zuhörer ist und seinen Mitmenschen immer mit einem optimistischen Lächeln begegnet. An einem Nachmittag geht er zu einem Empfang der russischen Botschaft. Er ist sehr dankbar, dass er aus seinem alten Leben flüchten konnte und seine permanente Angst aus den Zeiten des Kalten Krieges vorbei ist. Allerdings langweilt er sich auch ein bisschen und hört deshalb interessiert zu, als ihm von Dieter Germershausen ein Angebot macht, für ihn eine Aufgabe zu erledigen. Germershausen ist Mitarbeiter des deutschen BND und auch ab und zu mal des KGB und ist gar nicht erfreut, dass die klaren politischen Seiten des Kalten Krieges sich inzwischen in Luft aufgelöst haben. Er sieht das Ende seines Arbeitslebens vor sich und will in einem letzten Coup landen, um sich und seine Freundin so finanziell ausstatten, dass sie den Rest ihres Lebens sorglos verbringen können. Er plant, einen Hubschrauber in Kasachstan zu kaufen. Dank der schwammigen politischen Lage gibt es Hubschrauber dort zum Schnäppchenpreis und die kolumbianischen Drogenbosse zahlen gutes Geld für diese Flugzeuge.
Germershausen hat schon lange ein Auge auf Jakob geworfen, denn dieser ist sehr kommunikativ, während Germershausen am liebsten schweigt.
Jakob hilft und zeigt dabei ungeahnte Agentenqualitäten, die weit über die Befehle von Germershausen hinausgehen. Nicht nur die Hubschraubertransaktion hält für die beiden Überraschungen bereit, denn Germershausens, der über Jahrzehnte nur eine graue Maus unter den Agenten war, gerät durch seine Aktivitäten plötzlich in den Fokus von anderen Agenten.

Ach, was waren wir in den 90er Jahren blauäugig und dachten, Kalter Krieg und andere Kriege gehörten der Vergangenheit an. Der Autor nimmt sich diesem Thema auf humorvoller Weise an und würzt sein Buch mit John le Carré-und Jules Vernes Zutaten. Sehr unterhaltend!

Ehrenamt für Pflanzen und/oder Gartenfans

Der Frühling lässt sich in den nächsten Tagen blicken. Vielleicht die richtige Zeit, sich an der frischen Luft ein bisschen ehrenamtlich zu engagieren?

Blaue Windröschen


Vor einigen Wochen erzählte ich Ihnen über die Seite mitforschen.org, auf der verschiedene Institutionen die Mithilfe von Bürgern suchen. Unter dem Oberbegriff „Citizen Science“ helfen Bürger, Daten für Forschungszwecke zu sammeln. Ich mache bei einem Forschungsprojekt der Uni Luxemburg mit, bei der die Sprache im öffentlichen Raum anhand von Fotos erforscht wird. (Siehe unten der Link zu dem Beitrag).

Inzwischen habe ich noch zwei andere Aufgaben auf der Seite entdeckt, die mir auch gut gefallen.
Studierende der Universität Bochum untersuchen die Biodiversität von Friedhöfen und brauchen Daten über Pflanzen und Tiere, die auf Friedhöfen zu finden sind. In Zeiten, in denen Friedhöfe immer häufiger aufgegeben und zu Bauland erklärt werden, will man dokumentieren, wie wichtig Friedhöfe als Naturinseln für Städte sind.


Tiersichtungen melde ich direkt auf der Seite der Universität. Mit Hilfe der App „Flora Incognita“ fotografiere ich Pflanzen auf dem Friedhof. Die App bestimmt die Pflanze und fügt den Standort hinzu. Ich ergänze das Foto noch mit dem Schlagwort „Friedhof“. So können die Studierenden auf die Daten zugreifen. Hier wird das Projekt beschrieben:

Wenn Sie einen Garten haben, können Sie die Leipziger Universität unterstützen. Hier untersucht man, welche Pflanzen in Privatgärten zu finden sind und wie sich die Auswahl verändert unter der Berücksichtigung, dass Gärten für die heimische Tierwelt immer wichtiger werden und dashalb Gartenbesitzer bewusst das Pflanzenangebot verändern. Auch hier kommt die App „Flora incognita“ zum Einsatz, nur gibt man anstatt „Friedhof“ das Wort „Garten“ ein. Nähere Informationen dazu gibt es hier:

https://www.uni-leipzig.de/newsdetail/artikel/buergerwissenschaftsprojekt-gartendiv-erforscht-pflanzenvielfalt-in-deutschlands-gaerten-2025-05-19

Ich freue mich schon auf den Bärlauch…

Wenn eine Rose ein Mauerblümchen unterschätzt

Die berühmte Schauspielerin Holly zog sich unerwartet vor sechs Jahren auf eine einsame Insel vor Helsinki zurück und hat seitdem keine Interviews gegeben. Eines Tages schreibt sie der Chefredakteurin der Zeitung „Mensch in der Natur“ einen Brief, in dem sie anregt, sie auf der Insel zu besuchen, da sie den eigentlich in Nordafrika beheimateten Blauwangenspint dort gesehen hat.

Fotomontage mit einem Blauwangenspint

Die Redakteurin ist begeistert, denn sie kann ihre Tochter Eva zu Holly schicken. Eva ist Vogelkennerin und könnte durch das von den Fans lang erwartete Interview mehr Anerkennung bekommen.
Nur einmal pro Woche hält die Fähre an der Insel und Eva graut es anfangs vor den nächsten 8 Tagen, als sie von Holly empfangen wird. Die Schauspielerin, Anfang fünfzig, ist ein blonder Vamp, der permanent spricht und eigene Regeln für ihr Leben aufgestellt hat. Eva hingegen, Anfang dreißig mit dunklem strengen Pagenkopf, liebt die Stille und hört am liebsten Menschen zu. Beim Sitzen versteckt sie dabei gerne ihre Hände unter den Oberschenkeln.
In den ersten Tagen erzählt Holly oft von ihrem durch einen Bootsunfall verstorbenen Ehemann Franz und zwingt Eva mehrmals dazu, Dinge zu tun, die sie bisher noch nie gemacht hat. Eva muss im kalten Meer schwimmen, soll rauchen, einen Kopfstand zu machen oder mehr als ein Glas Wein zu trinken. Dieser Druck macht Eva wütend auf Holly, doch sie tut alles, muss sie doch noch das Interview führen. In ihrem Notizbuch notiert sie dazu gewissenhaft alle Fragen, die sie Holly stellen möchte. Doch es kommt nicht dazu. Ganz langsam strampelt sich eine andere Eva frei, die Herausforderungen mag und eigene Pläne verfolgt.
Nach dem Aufenthalt wird es einen Zeitungsartikel über Holly geben, allerdings wird es kein Interview sein.

Die Autorin Maisku Myllymäki ist in Finnland ein Star. „Holly“ ist das erste Buch, das von ihr in Deutschland jetzt erschienen ist. Finnischer Humor gilt als teilweise skurril und einige Passagen des Buches entsprechen dieser Ansicht. Eva vergleicht sich, Holly und andere Menschen stetig mit dem Aussehen und Wesen von Vögeln. Das ist manchmal amüsant uncharmant.
In dem Buch baut sich ganz langsam eine Spannung auf. In Nebensätzen hat das Mauerblümchen Eva beispielsweise plötzlich das Lächeln einer Hyäne oder man erfährt nebenbei, dass sie schwanger ist. Dann ist da der nicht koschere Bootsunfall von Hollys Ehemann oder Hollys Gelegenheitsliebhaber Roberto erscheint plötzlich auf der Bildfläche. Hollys Wesen ändert sich daraufhin um 180 Grad und Eva kann froh sein, dass sie noch lebt, als Roberto wieder verschwindet.

Nicht alles ist im Buch logisch zu Ende gedacht, aber das störte mich nicht weiter. Die Atmosphäre der Geschichte ist eine besondere und das gefiel mir gut.


Führung durch verborgene Schlossräume

Am Samstag nahmen wir in Düsseldorf an einer besonderen Führung teil. So wurde sie beworben:
Sie möchten während Ihres Schlossbesuchs nicht nur die Prunkräume besichtigen, sondern auch die Dienergänge, Keller und Kanäle sehen? Unser Vermittlerinnen-Team gewährt in dieser Führung Einblick in das Alltagsleben und die Wege der Dienerschaft. Welche Wege musste man nehmen, um von Ost nach West zu kommen? Wo waren die Räume für den praktischen Bedarf? Außerdem erfahren Sie Interessantes über das unterirdische Wasserleitsystem: was hat das alles mit der Itter zu tun und wie gelangte das Abwasser mit den Fäkalien nach draußen? Kluge Verbindungen und verzweigte Gänge sorgen für Erstaunen darüber, was sich der Architekt beim Bau des Schlosses so alles hat einfallen lassen… Auch echte Schlosskenner:innen dürfen sich hier noch überraschen lassen.

Unten links: Warum gibt es über den Kleiderschränken eine Luke, hinter der sich ein Gang befand? Hier mussten Bedienstete mit einer Kerze hinein krabbeln und den Fußboden der Etage über ihnen kontrollieren, denn es bestand die Gefahr, dass der Holzboden schimmelte. Unten rechts: Wohin führt diese steile Treppe- die Auflösung findet sich am Ende des Textes.

Auszug aus Wikipedia: Denn hinter den Fassaden verbirgt sich in vier Geschossen (plus Keller) ein raffiniert durchkomponiertes System von 80 Räumen, zwei Lichthöfen und sieben Treppenhäusern. Dies erzeugte einen Überraschungseffekt, wie er in der barocken Bau- und Gartenkunst schon vorher beliebt war: Besucher sollten erst im Innern die Geräumigkeit bemerken.

Wir stiegen aber nicht nur Stufen rauf und runter, um den Wegen der Dienerschaft und den Abwasserkanälen unter dem Schloss zu folgen, sondern wir besuchten auch die Gästezimmer, die der Kurfürst für seine Gäste eingerichtet hatte.

Die Einrichtungen der vier Gästezimmer, waren unterschiedlich üppig. Wichtige Gäste kamen pompöser unter als Gäste, die der Kurfürst nicht so mochte. Man achte auf die empfindlichen Holzböden, darunter krochen die Diener entlang.

Blicke über das Schlossdach wurden uns auch gestattet. Hier sah man die beiden Lichthöfe, die möglichst viel Sonnenlicht in die Räume leiten sollten, um Taler für Kerzenlicht zu sparen.

Haben Sie geraten, welches Schloss wir besuchten?

Diese Tour (75 Minuten) wird in Schloss Benrath angeboten. Anschließend sahen wir uns noch die Prunkräume des Schlosses an und wärmten uns danach im Schlosscafé auf.

Oben der prachtvolle Tanzsaal. Doch wo sitzt das Orchester?
Unten: Auch die anderen Räume waren sehenswert.

Oben : Das Foto zeigt die Decke des Tanzsaals. In der Mitte ein helles „Loch“. (Links unten) Rechts unten: Die Pfeile zeigen an, wo die Musiker rund um das Loch gesessen haben.

Ein Schüttelreim- nicht aus dem Ärmel geschüttelt!

2025 erschien der zweite Band mit Schüttelreimen von Dietrich Brüggemann.

Was ist ein Schüttelreim? Hier eine Definition, gefunden bei Chat GPT:

Ein Schüttelreim ist ein Doppelreim, bei dem die Anfangsbuchstaben oder Konsonantencluster der letzten zwei betonten Silben in zwei Versen vertauscht werden, um eine komische Wirkung zu erzielen. Er ist eine Form des Nonsens und findet sich häufig in humoristischer Kurzlyrik. Ein Beispiel:

Dietrich Brüggemann beherrscht diese Sprachkunst perfekt und in seinem Buch bekommen gleich am Anfang die zehn Gebote aus der Bibel ein Update. Nr. 6 lautet dann:

Ihr sollt nicht um Keime raufen,
sondern lieber Reime kaufen.

Weitere Reimthemen sind beispielsweise „Gegen rechts“, „Aus der Tierwelt“ oder „Zweite Hälfte“. Ein weites Feld sind kulinarische Beobachtungen oder das Zusammenleben von Mann und Frau:

Wenn ich dir ein Ei bringe,
machst du mir einen Brei, Inge?

Man sollte dieses Buch nicht in einem Rutsch lesen, sondern jeden Tag nur ein paar Schüttelreime „konsumieren“. Manche sind wunderbar subversiv, oder böse, andere landen etwas unter der Gürtellinie, bieten reinen Quatsch oder kritisieren auch mal unverhohlen. Die zarten Illustrationen von Dennis Rudolph passen gut dazu.

Neben den Zweizeilenreimen gibt es auch ein paar längere Texte und ein Nachwort. Dieses sollte man unbedingt lesen, denn der Autor erzählt, welche Erfahrungen er gemacht hat, als er Chat GPT aufforderte, ihm Schüttelreime zu präsentieren. Die KI hat es bis auf eine Ausnahme nicht geschafft, einen Schüttelreim nach den Regeln zu regenerieren. Dafür bekam der Autor eine Reihe von neuen Wortkreationen präsentiert, auch nicht ganz uninteressant und vor allen Dingen großer Blödsinn. KI schüttelte es also nicht aus dem Ärmel und ich auch nicht…
Als ich mit der Lektüre anfing, hatte ich als Schüttelreimregel im Kopf, dass in der zweiten Zeile die Buchstaben der beiden letzten Wörter der ersten Zeile nur getauscht werden müssten. Da mir die Buchverse viel Spaß machten, suchte ich eigene Reime:

Auf der Party trug Gina ein nobles Kleid
und rief in die Runde „Nur kein Neid!“

Katharina wollte eine Arie von Rigoletto singen,
oh, was musste ihre Stimme ringen!

Möchtest du die Forelle essen?
Nein danke, gib dem Kater das edle Fressen.

Susanna bekommt eigentlich gerne Besuch,
doch was ist das jetzt für ein bestialischer Geruch?

Fritzi wollte im Sandkasten einen Kuchen backen,
beim Essen hörte man danach die Backenzähne knacken.

Ganz nett, aber noch nicht optimal, wie ich dann merkte, als ich später die offizielle Definition las.

Neuer Versuch:

Willst du im Park heute laufen?
Ja, aber nur rund um den Leute Haufen!

Hörst du es im Stau bellen?
Das ist wohl bei den Baustellen…

Was sollen diese schlauen Fragen?
Das werden dir die Frauen sagen!

Probieren Sie es einmal selbst, sich einen Schüttelreim auszudenken. Es liest sich leichter, als es ist!








Karneval in Rio, Las Vegas, Hamburger Elbphilharmonie an einem Tag

Lust auf eine kurze Weltreise?

Fotocollage oben links: Zu heißer Sambamusik bewegen sich verschiedene Tanzgruppen im Karneval von Rio. Rechts daneben Las Vegas bei Nacht.
Unten rechts: Eisig das Wetter, eisig der Blick auf die Elbphilharmonie. Links daneben: So sieht es innen in der Elbphilharmonie aus.

Wir waren nach ca. zehn Jahren mal wieder im Miniatur Wunderland in Hamburg. Es hat sich seitdem vieles getan, denn die Besitzer nutzen inzwischen ein zweites Haus in der Hamburger Speicherstadt. Rio de Janeiro und Patagonien sind hier neu zu bewundern, die Anden, der Regenwald und die Atacama-Wüste warten auf die Fertigstellung.

Ich weiß nicht, was ich mehr liebe…Sind es die atemberaubenden Entwürfe der Themenwelten oder die witzigen Situationen, die man entdecken kann, wenn man sich Szenen genau ansieht?

Von oben nach unten:
Monaco während des Formel 1 Rennens
Ein Konzert von DJ Bobo
Ein kleiner Abschnitt der
Schweiz-Landschaft
Der Hamburger Dom- das berühmte Volksfest
Links: Rom mit Petersdom, darunter nehmen Mönche das Auto vom Papst, das Papamobil, auseinander.
Rechts: Der Markusplatz in Venedig. Touristen können sich dort malen lassen, welche Qualität die Werke haben sei dahingestellt…
Links oben: Eine Demonstration für „Rente ab 30!“ Rechts daneben: Wird Superman den Absturz des Autos verhindern? Unten links: Ups, ein Raumschiff landet auf dem Münchener Flughafen, rechts unten: Zwei Seehunde als Haustiere auf einer Dachterrasse

Wir waren ca. 3 Stunden dort und haben nicht alles gesehen. Ein Besuch lohnt sich immer wieder. Wer das Wunderland noch nicht kennt oder sein Wissen auffrischen möchte, zum Schluss ein paar Informationen:

Der lebende Beweis

Die Ich-Erzählerin, Mitte vierzig, zog vor 15 Jahren von der Großstadt in ein kleines Dorf in der Uckermark. Sie und ihre Familie kauften damals einen alten Hof und eine alte Gärtnerei und die nächste Jahren waren geprägt durch zig Renovierungen und Verwirklichungen neuer Ideen. Inzwischen sorgt das Café in der Gärtnerei für den Lebensunterhalt, da es ein „regionaler Hotspot“ für Feierlichkeiten geworden ist.

Am Anfang des Romans nimmt die Ich-Erzählerin eine zunehmende Entfremdung gegenüber ihrer Familie wahr und auch ihre eigene Person stellt sie immer mehr in Frage. Was will sie wirklich? Warum lebt sie hier? War es richtig, in dieses Dorf zu ziehen? Sie verkriecht sich auf dem Dachboden, schreibt ihren Mitbewohnern, Mann, den zwei Söhnen und ihrer Mutter einen offiziellen Brief, in denen sie ihnen mitteilt, jegliche mütterlichen Verpflichtungen „zu kündigen“. Sie muss sich selbst retten, um nicht zu verwildern, wie sie es als Kind schon einmal erlebt hat.
In dem Dorf ist sie nur geduldete Zugezogene, möchte aber gerne zur Dorfgemeinschaft dazu gehören und beginnt, ihr eigenes Verhalten und das der Dorfbewohner vom Dachbodenfenster genau zu beobachten und zu notieren. So verfolgt sie beispielsweise die Alkoholiker, den Einsiedler, den Täglichspazierer, zwei Fremde auf der Bank oder die seltsam distanzierte Pastorin. Sie versucht darüber hinaus, mehr Kontakte im Dorf zu knüpfen und hilft z.B. zwei Dorfbewohnern, die im Archiv für Geschichte Dokumente digitalisieren. Dabei taucht die Erzählerin in die Geschehnisse im Dorf während des 30jährigen Krieges ein oder erfährt von Hexenprozessen. Sie beginnt, diese mit der Gegenwart zu verbinden und Alltagsszenen beginnen mit alten Geschichten in ihrem Kopf zu verschwimmen.
Es gibt einige wenige Momente, in denen sie in ihre alte Rolle als Ehefrau und Mutter zurückkehrt, doch immer wieder spürt sie ihre Wurzellosigkeit in dem Dorf, so dass sie beim Osterfeuerfest schließlich eine Entscheidung trifft.

Die Autorin setzt mit diesem Buch den Roman fort, für den sie 2019 für den Deutschen Bücherpreis nominiert war. Der erste Abschnitt meines Textes fasst den Inhalt kurz zusammen.


Ich habe das erste Buch nicht gelesen, was aber nicht störend war. Die Autorin schafft es nach meiner Meinung sehr gut, die Zerrissenheit der Ich-Erzählerin zu zeigen und ihren Wunsch nach wahren Verbindungen, nachdem die Familie dies ihr nicht mehr gibt. Manche Gedanken der Erzählerin erscheinen zuerst wirr, doch ergeben sie schließlich alle einen Sinn.

Frustabbau durch Brainstorming-Tagebuch

Im Jahr 2025 beschäftigte ich mich etwas intensiver mit der Duisburger Kommunalpolitik. Leider musste ich recht schnell lernen, dass man sehr viel Geduld braucht und Erwartungen herunterschrauben muss, will man sich nicht permanent aufregen. Manche Tage fand ich sehr belastend und um meinen Frust abzubauen, begann ich ein „Brainstorming-Tagebuch“. Das machte Spaß und federte meine Verärgerung ab.

Eigentlich wollte ich dieses Projekt Silvester beenden, doch im Januar wurden die finanziellen Unregelmäßigkeiten bei der Duisburger Versorgungs-und Verkehrsgesellschaft bekannt. Mehrere Zeitungsartikel befassten sich mit diesem Thema und die Leser erfuhren, dass es bereits zwei Rücktritte in der Chefetage gegeben hat und nun u.a. ermittelt wird, inwieweit der Aufsichtsrat seine Überprüfungspflichten vernachlässigte.
Also führe ich das Tagebuch 2026 weiter:

Hier eine von mehreren Seiten zum Jahr 2025:

Ich weiß, dass in anderen Städten vieles auch nicht rund läuft oder gar nicht passiert. Doch habe ich den Eindruck, dass andere Stadtverwaltungen mehr motiviert sind, ihren Bürgern die Gründe für Missstände nachvollziehbar zu erklären, bzw. sie Verbesserungsvorschläge von Bürgern eher ernst nehmen und auch umsetzten. In Duisburg wird entweder gar nicht kommuniziert oder man speist Bürger oft mit nebulösen Erklärungen ab. Gerne gaukelt man Bürgern vor, dass man sich für ihre Probleme interessiert. Politiker präsentieren sich z. B. auf Spaziergängen, in Fragestunden oder Kneipentreffen oder man bietet Bürgern Workshops oder Internetbefragungen an, bei denen Vorschläge gemacht werden dürfen. Was wird aus den Vorschlägen? Sie verlaufen gerne im Sande, es sei denn, der öffentliche Druck ist so groß, dass die Verwaltung den Vorschlag nicht mehr ignorieren kann.
Schlechte Kommunikation zwischen Politikern, Stadtverwaltung und Bürgern- dieses Thema nimmt den meisten Platz in meinem Brainstorming-Tagebuch ein. Zwei Beispiele:

Aber ich will mich nicht unterkriegen lassen und hoffe weiterhin auf:

Außen und innen „Hui!“ in Berlin

Als wir vor zwei Wochen in Berlin waren, besuchten wir u.a. auch das „Rote Rathaus“ und das „Museum für Kommunikation“ nahe „Checkpoint Charlie“. Von außen sind beide Gebäude schon sehr eindrucksvoll und man könnte sich länger mit den Details der Fassaden beschäftigen. Doch war das Wetter sehr schlecht und so flüchteten wir schnell nach innen.

Im Roten Rathaus wurden wir von mehreren Wachmännern freundlich begrüßt, einer kostenlosen Besichtigung stand nichts im Wege. Schon der Aufgang zu den repräsentativen Räumen in der ersten Etage war beeindruckend.

Überrascht wurden wir zudem von einer Ausstellung, die seit dem 11. Dezember 2025 in den verschiedenen Räumen des Rathauses gezeigt wird. Hier ein Ausschnitt aus dem Flyer:

Noch ein paar Ansichten aus anderen Räumen:

Auch die anderen Räume waren sehenswert, die Gestaltung der Fenster ist abwechslungsreich (Foto links unten). Rechts oben eine Büste zu Ehren Margot Friedländers.

Unser Besuch fiel dementsprechend länger aus als geplant, zumal es dann auch noch diese Lego-Sehenswürdigkeit zu bestaunen gab.

Ca. 78000 Legosteine wurden in ca. 200 Stunden verbaut von René Hoffmeister, dem einzig zertifizierten Legobaumeister Deutschlands. Sah man genau hin, entdeckte man beispielsweise einen kleinen Superman, der am Turm entlang kraxelt, ein Pinguin ging auf der Straße spazieren oder auf dem Dach arbeitete ein Imker. Im Hintergrund des Fotos drei Vitrinen mit Gastgeschenken.

In dem Flyer wird von einer Wunderkammer gesprochen und das war nicht übertrieben.
Eine zweite Wunderkammer bietet Berlin in dem „Museum für Kommunikation“. Betritt man dieses Gebäude ist man auch „very impressed“.

Das Museum hieß zuerst „Reichtspostmuseum“ und wurde 1872 eröffnet. In den 90er Jahren des 20. Jahrhundert wurde es restauriert und das Thema „Kommunikation“ kam dazu.
Wir sahen uns erst die Schatzkammer im Keller des Museums an. Hier trifft man im Vorraum auf eine Wechselausstellung von alten größeren Gegenständen, die in irgendeiner Form mit der Post zu tun haben. Besonders schön fand ich dieses alte Schild einer Poststation von 1754.

In der abgedunkelten Schatzkammer haben Besucher die Möglichkeit, eine der auf der Welt seltenen „Blauen Mauritius“ Briefmarken zu sehen.

Fotocollage: Unter der Blauen Mauritius unten links: 1863 erfand der Deutsche Philipp Reis das Telefon. Doch konnte zu dieser Zeit niemand etwas mit seiner Erfindung anfangen, so dass erst 1876 A.G.Bell durch sein Telefongerät bekannt wurde. In der Mitte sieht man Briefe, die mit dem Luftschiff „Hindenburg“ transportiert wurden, rechts Teile der ersten Rohrpost in Deutschland.

Im Erdgeschoss und den beiden oberen Etagen gibt es in Vitrinen viele Gegenstände, die die lange Geschichte der Post erzählen, sei es, dass es um die Zeit 5000 v. Ch. geht, wie es während der Weltkriege war oder dass auch ein Blick in die Zukunft geworfen wird.

Unten links: Wann werden uns Pakete und Briefe per Drohne zugestellt? Rechts: Auch ins Weltall zur ISS wurden bereits Briefe und Pakete geschickt.

An den Wänden findet man diverse Sammlungen, die demonstrieren, wie sich das Erscheinungsbild der Post oder die Kommunikation verändert hat.

Fotocollage aus verschiedenen Plakaten, die für die Post geworben haben.

Schreib mal wieder und benutze Briefmarken anstatt langweilige PC-Frankieraufkleber:

Links unten ein Beispiel für einen Brief, dessen Briefmarkenstempel Werbung machen. Dies war besonders nach dem Zweiten Weltkrieg sehr beliebt.

Die zukünftigen Veränderungen in der Kommunikation wird man weiterhin in diesem Museum dokumentieren, ganz nach dem das Motto:

Zum Schluss noch ein Tipp: Post kann auch Kunst sein. Eine „Mailart“-Ausstellung findet gerade in Duisburg statt:

Screenshot

Ein Trauerredner ermittelt

Mads Madsen und Patrick Schulze sind in ihrer Kindheit unzertrennliche Freunde, bis eines Tages Patrick mit seiner Mutter plötzlich aus Glücksburg verschwindet und nicht mehr zurück kehrt.
Mads, inzwischen erwachsen, ist Trauerredner geworden und lebt in Flensburg. Eines Tages liegt unter seiner Wohnungstür ein weißer Briefumschlag, darin ein unbeschriebener weißer Briefbogen. Wenig später erfährt er, dass Patrick bei einem Unfall gestorben ist. Viele Erinnerungen kommen zurück, u.a., dass sie beiden sich immer mit Geheimtinte Botschaften geschrieben haben. Mads behandelt daraufhin das Briefpapier, es ist eine Nachricht von Patrick. Er bittet Mads, seine Trauerrede zu halten und „wie ein Agent“ nachzuforschen, es würde sein Schaden nicht sein.
Schon nach den ersten Begegnungen mit Menschen aus Patricks Umfeld ist Mads der Überzeugung, dass der Unfall ein Mord war und sein ehemaliger Freund mit üblen Geschäften zu tun hatte. Mills, die leitende Kommissarin bei diesem Fall, verdächtigt Mads, mit in diesem Geschäften zu stecken, besonders, als Mads mit einem weiteren Todesfall in Zusammenhang gebracht werden kann. Doch trotz der Warnung von Mills, sich nicht weiter einzumischen, forscht Mads weiter, zumal er dabei auch einer Erklärung immer näher kommt, warum Patrick und dessen Mutter damals verschwunden sind. Damit bringt er sich, seine Familie und Freunde in Lebensgefahr und die Rettung kommt wahrhaftig erst in allerletzter Sekunde.
Mir hat dieser Krimi gut gefallen. Er ist unaufgeregt geschrieben, bei einigen Passagen und Figuren blitzt nordischer Humor durch. Ich wäre geneigt, ein Wochenende mit einem zweiten Teil zu verbringen, sollte dieser erscheinen.