Misses Ali

Ein kleines englisches Dorf im Dunstkreis von London: Hier leben der Major Ernest Pettigrew und Mrs Jasmina Ali und beide sind recht einsam. Der Major, Anfang 60, hat vor einigen Jahren seine Frau verloren und trauert jetzt um seinen Bruder. Seine Schwägerin und sein Sohn machen ihm dabei das Leben eher schwer, als dass sie ihn trösten, denn es gibt Erbstreitigkeiten wegen eines wertvollen Gewehrs und seinem Sohn geht es nur um seine eigene Karriere und er nutzt seinen Vater schamlos aus. Mrs Ali, Witwe und Mitte 50, kommt aus Pakistan und betreibt zusammen mit ihrem Neffen den einzigen Laden im Dorf, eine Art Tante Emma Laden. Zur Dorfgemeinschaft gehören die beiden nicht. Die wohltätigen Damen des Kirchenkreises haben da gewisse Bedenken und Alis Neffe sondert sich wegen seines distanzierten Verhaltens ab. Mrs Alis praktisches und mitfühlendenes Wesen merkt aber, dass der Major Zuspruch braucht und Jasmina kümmert sich ein bisschen um ihn. Dabei entdecken beide ihre gemeinsame Liebe zur Literatur und ganz zart entwicklen sich Bande zwischen den einsamen Herzen. Empörung beim Sohn und Unverständnis bei der Dorfgemeinschaft! Das Leben wird für die beiden nicht einfacher, zumal dann auch noch der Neffe und andere Familienmitglieder meinen, über Alis Zukunft bestimmen zu können und Ali aus dem Dorf weggehen muss. Der Major leidet, doch dank Grace, einer wie es sich herausstellt wahren Freundin, werden ihm die Augen geöffnet. Er schert sich nicht mehr um die Meinungen der anderen und holt Jasmina zu sich zurück.

Wer großer Englandfan ist, wird dieses Buch mögen, denn die Beschreibung des Mikrokosmos in einem englischen Dorfes ist teilweise satirisch angehaucht. Die Geschichte selbst passt zu einem längeren 5-Uhr-Nachmittagstee, mehr ist es aber auch nicht.

Mein Koffer in Berlin

Vor einigen Tagen erwähnte ich, dass ich momentan nicht viel zum Schreiben käme, da ich z.Zt. quasi noch einen Koffer in Berlin hätte. Heute verrate ich Ihnen, was dahinter steckt.

Ich bekam ein 4 Wochen Abonnement für die „Digital Concert Hall“ der Berliner Philharmoniker geschenkt. Dieses Abo löse ich gerade ein. So bin ich zwar nicht körperlich in Berlin, aber meine Gedanken schon.

Was ist das für eine Konzerthalle? In meiner Buchbesprechung zu Peter Brems Autobiografie „Ein Leben lang erste Geige“ erwähnte ich sie vor einigen Monaten schon einmal. Als Abonnent der „DCH“ kann ich live an Konzerten der Philharmoniker teilnehmen. So sahen mein Mann und ich z.B. Konzerte mit Sir Simon Rattle und Gustavo Dudamel. Natürlich kann man dies nicht mit einem Besuch in der Berliner Philharmonie  vergleichen, jedoch hat das Zusehen und Zuhören am Bildschirm auch Vorteile. Die Kameraeinstellungen sind sehr gut und so bekommt man viel besser das Können einzelner Orchestermitglieder mit, bzw. man hört intensiver auf die Musik und die Struktur der Stücke werden noch klarer. Das war Punkt 1.

Punkt 2: Als Abonnent hat man Zugriff auf alle früheren Konzert des Orchesters, dies umfasst auch Auftritte in der Berliner Waldbühne oder z.B. in Baden-Baden. Man kan im Archiv nach Dirigenten suchen und sich legendäre Konzerte noch einmal ansehen oder auch Konzerte, deren Veröffentlichungen auf CD Auszeichnungen nachzogen. Sie suchen ein bestimmtes Werk, welches Sie sich gerne anhören möchten?- Kein Problem, auch hier lässt die Suchfunktion Sie nicht im Stich. Man bekommt wirklichen Hörgenuss, was ja bei YouTube Aufzeichnungen nicht immer der Fall ist.

Punkt 3: Wenn Sie einen Dirigenten, einen berühmten Musiker, einen Komponist oder auch ein Mitglied des Orchesters kennen lernen möchten, so können Sie das mit Hilfe vieler aufgezeichneten Interviews. (z.B. ein herzerwärmendes Interview mit Kirill Petrenko, der 2018 der Nachfolger von Sir Simon Rattle sein wird).

Das Abonnement kostet 14,90 Euro für 4 Wochen. Ich finde dies einfach genial, denn man kann zur Tages- und Nachtzeit seiner Lust an klassischer Musik fröhnen und das auf hohem Niveau. Besonders dafür eingenommen hat mich auch die Tatsache, dass man auch mal Unbekanntes „in Angriff“ nehmen kann, sei es Schönbergs 12-Tonmusik oder sich einfach auf etwas Neues einlässt. 

 

Doppellebewesen in Rheinhausen

Vorletzte Woche nahm ich an einer Führung von der Duisburger VHS teil, deren Inhalt so spannend war, dass man gut einen Krimi schreiben könnte. Oder einen Science Fiction Roman. Oder eine Piratengeschichte. Es ging u.a um Parmelia sulcata, Xanthoria parietina oder Hypogymnia physodes und hier fing alles an:

Der Parkplatz vor dem Toepperhallenbad

Die Teilnehmer der Führung gruppierten sich in 2 Stunden um 2 Bäume und hörten Herrn Dr. Randoph Kricke zu, der über diese Doppellebewesen referierte:

Ja, es handelt sich um Flechten. Warum Doppelwesen? Außen sieht man die Flechte, einen Pilz, innen lebt eine Alge. Eine fast immer perfekte Symbiose, denn die Flechte schützt die Alge vor Angreifern wie z.B. Schnecken, dafür muss die Alge aber auch Schutzgeld in Form von Zucker an die Flechte abgeben. Manche Flechten übertreiben es allerdings mit ihren Zuckerforderungen und dann türmt die Alge, sofern genügend Stickstoff vorhanden ist.

Weltweit gibt es ca. 25000 Flechtenarten, in NRW ca. 200, im Ruhrgebiet z.Zt. ca. 50. Dies war im 19. Jahrhundert schon einmal besser (ca. 250 Arten), während der Hochzeit des Kohlebergbaus fand man im Ruhrgebiet nur noch 5 Arten.

Die Flechten sind somit ein Indikator für die Luftqualität, aber zeigen auch noch andere Qualitätsmerkmale für eine intakte Umwelt an. Außerdem schützen sie Bäume oder Steine und sollten deshalb auch im Garten nicht entfernt werden.

Alle Teilnehmer waren sich nach zwei Stunden darüber einig, dass Flechten ein sehr spannendes Thema sind und man in eine fremde Welt eintaucht, sieht man sich Flechten einmal genauer an und beschäftigt sich mit ihnen. Deshalb schreibe ich an dieser Stelle auch nicht mehr und empfehle Ihnen lieber, mal eine Führung mitzumachen. Oder falls Sie jetzt schon Interesse haben und Flechten entdecken möchten: Der archäologische Park in Xanten ist fast schon ein Eldorado, da beim Bau der verschiedenen Parkteile verschiedene Arten von Steinen benutzt wurden und sich deshalb viele verschiedene Flechten (die z.T. sogar auf der Roten Liste stehen) hier wohl fühlen.

 

Wenig ist so viel

Dies war die Tischdekoration in einem  Café, das ich kürzlich besucht habe. Es war „Liebe auf den ersten Blick“. Ich ziehe dieses „Arrangement“ jedem aufwendigen Blumenbouquet vor und schenkte meiner Mutter zum Muttertag eine ähnliche Schale mit drei Gänseblümchen. Es wachsen immer wieder welche nach und meine Mutter freut sich immer noch.

Dry

Dieser Krimi ist das Erstlingswerk einer jungen Australierin und ich sage ???. Aaron Falk, Polizist für Steuervergehen in Melbourne, fährt zu einer Beerdigung ins Outback zu seiner Heimatstadt, wo sein Freund Luke mit seiner Frau und seinem Sohn auf ihrer Farm ermordet wurden. Aaron war viele Jahre nicht dort, denn sein Vater und er wurden aus dem Ort gejagt, weil man Aaron verdächtigte, ein sechzehnjähriges Mädchen ertränkt zu haben. Allein das Alibi seines Freundes Luke rettete ihn damals vor Schlimmerem. Als er nun wieder zurückkehrt, erkennen ihn viele Bewohner wieder und der Hass gegen ihn und die Verdächtigungen kommen erneut hoch. Haben der (Selbst?)mord von damals und der Tod der Drei auf der Farm etwas miteinander zu tun? Oder mussten die Drei wegen der katastrophalen Dürre und Hitze sterben, die seit Monaten herrschen und alle Einwohner von Kiewarra kirre machen? Die Eltern des toten Freundes und Raco, der Polizist vor Ort, bitten Aaron nach der Beerdigung noch etwas zu bleiben und bei der Aufklärung der Morde zu helfen. Aaron geht widerwillig auf die Bitte ein, worauf sich das Städtchen in einen Hexenkessel verwandelt…