Herr Noilly und Herr Prat taten sich im 19.Jahrhundert zusammen und brauten den ersten trockenen Wermut in Frankreich. Als beide tot waren, übernahm die Witwe von Herrn Noilly junior die Leitung und brachte die Firma richtig auf Trapp, sprich, es wurde in andere Länder exportiert und man expandierte. Inzwischen ist die Firma nicht mehr in Familienbesitz, sondern gehört zur Barcadi-Gruppe.
In Marseille nahm alles seinen Anfang, die Firma zog dann nach Marseillan in die Nähe von Sète.
Auf dem Firmengelände kann man bei einer ca. einstündigen Führung die einzelnen Produktionsschritte kennenlernen, viel zur Firmengeschichte erfahren und Noilly Prat probieren. Ich habe die Infos abfotografiert, die wir bekamen, als wir bei einer Führung in französischer Sprache teilnahmen. (Es gibt auch deutsche Führungen, muss man vorher erfragen, wann diese stattfinden).
Schmeckt gut, rechts ein bisschen wie Martini, Mitte und links fast wie ein Sherry.
Am Wochenende gönne ich Ihnen eine Blog-Atempause. Den Montag fange ich mal nicht beschwingt an, sondern lass Dampf ab- muss auch mal sein und passt ja auch zum blauen Montag.
Wenn Sie vom Mittelmeer Richtung Carcassonne fahren, kommen Sie durch das Minervois-Weinanbaugebiet. Hier gibt es zig Gelegenheiten, an Weinverkostungen teilzunehmen. Aber nicht nur das! Auch findet man Landgute, die ihr Olivenöl anpreisen und in Villefranche ist das Thema „Trüffel“ ganz groß. Und sollten Sie ein Wanderherz haben, wird es hier höher schlagen.
Wir verbrachten den Tag leider nicht mit Probieren oder Wandern, sondern sahen uns zuerst die Altstadt von Carcassonne an. UNESCO- Weltkulturerbe, wenn man schon mal in der Gegend ist… Machen Sie nicht den selben Fehler, es sein denn, Sie stehen auf Menschenaufläufe und unzählige Neppläden. Die Burganlage ist beeindruckend, aber dank aufwendiger Renovierungen sieht sie fast wie eine neue Filmkulisse aus. Ein bisschen bröckeliger darf es schon sein.
Auch unser zweiter Ausflugsort war eher enttäuschend. Ich besuche gerne Bücherdörfer- wen wundert es? Einige in Wales, Belgien, Deutschland und den Niederlanden kenne ich und alle haben eins gemeinsam: Sie sind luftig, haben schnuckelige Cafés und es herrschte dort bei meinen Besuchen eine gute Stimmung. In Montolieu kann davon keine Rede sein. Laut Reiseführer soll man in über 20 Buchhandlungen und Antiquariaten stöbern können, wir entdeckten acht in den alten Gemäuern, bei denen man aber eher den Eindruck hatte, dass sie vergessen worden sind. Café? Fehlanzeige. Es gibt noch ein Papiermuseum, das unseren Aufenthalt aber nicht mehr retten konnte.
Aber zum Abend hin fanden wir dann doch noch eine Perle!
Le Somail, ein Minidorf am Canal du Midi gelegen. Mit Tante Emma Laden auf einem Schiff, Kunsthandwerkangeboten, Restaurants am Canal in der Abendsonne und einem Antiquariat, in dem mich der „Schließtmichheutenachthiereinwunsch“ überkam. (Es wurden auch deutsche und englische Bücher angeboten).
Auch in anderen Teilen des Roussillons locken Weingüter oder Destillerien. Einmal sind wir dann auch schwach geworden und besuchten die Heimstätte des Noilly Prat. Mein Mann kannte den Wermut vom Kochen, ich aus einigen Büchern, in denen in abendlicher gediegener Atmosphäre Noilly Prat geschlürft wurde. Das wollte ich mal probieren. Lecker oder nicht lecker? Verrate ich morgen.
Der Schriftsteller Dieter Wellershoff ist im Juni dieses Jahres gestorben. Als ich von seinem Tod las, kamen bei mir Erinnerungen zurück an seine Lesung in meiner „kleinen“ Bücherinsel Anfang der achtziger Jahre.
Herr Wellershoff war damals freundlich, ruhig, fast distinguiert und hatte für mich die Aura eines großen Gelehrten. Das schüchterte mich als Mittezwanzigjährige ein und ich habe nicht viele persönliche Worte mit ihm gewechselt. Wie sehr bedauere ich dies jetzt! Anläßlich seines Todes erschienen diverse Nachrufe und es wurden Teile von alten Interviews und Auszüge aus Büchern veröffentlicht. Einiges habe ich gelesen und manche Sätze sprachen mich sehr an. Hier ein Beispiel:
Das Leben bekommt sogar durch den Tod seinen Wert. Das Leben ist das, was wir erzählen müssen, auch weil es uns genommen wird, oder in das wir hineinkommen, weil wir es uns zu eigen machen und es dadurch zu einer eigenen Sache machen, also ein Gewinn an Erfahrung.
Trost wegen der verlorenen Chance einer Unterhaltung spendete mir sein Buch „Was die Bilder erzählen: Ein Rundgang durch mein imaginäres Museum“
Wellershoff war zeitlebens ein großer Kunstliebhaber und hat mit 87 Jahren für dieses Buch 230 Bilder von knapp 80 Künstlern ausgewählt, die für ihn etwas Besonderes darstellen.
Man begegnet nur wenigen sehr berühmten Bildern wie z.B. „Der Schrei“ von E. Munch oder „Guernica“ von Picasso. Vielmehr lädt er zum Betrachten von Gemälden ein, die entweder von unbekannteren Künstlern stammen oder aber in der Schaffensmenge angesagter Maler den Durchbruch an Bekanntheit in der großen Öffentlichkeit bisher nicht schafften, obwohl sie es verdient hätten. Je länger man in dem Buch zuerst die Bilder betrachtet, desto mehr achtet man auf Einzelheiten, macht sich seine eigenen Gedanken und ist dann gespannt, was Wellershoff zu den Bildern schreibt. Und da sind sie dann wieder, diese tollen Sätze von ihm, die man unterstreichen möchte.
Adolph Menzel, Ilja Repin, Neo Rauch und Mark Rothko- vier Künstler, zu ihnen fand ich bisher entweder keinen Zugang (Rauch und Rothko) oder wusste ihr meisterliches Können nicht richtig zu würdigen. Der Blick auf ein kleines neues Universum wurde für mich freigelegt und dafür bin ich Herrn Wellershoff sehr dankbar.
Morgen geht es mit der Rouissillon-Reise weiter und wir fahren durch die Weinberge.
Béziers war unser zweites Ausflugsziel, ca. eine halbe Stunde von Agde entfernt. Es war Montag, also waren die zwei Kunst-Museen geschlossen und leider auch die alte Markthalle. Aber da war erst einmal die Lage der Stadt, die uns schon sehr gut gefiel.
Üppige Häuser aus der Belle Époque-Zeit beeindruckten,
aber direkt daneben kann man sich auch in Gassen wie diese verlieren:
Einfach mal flanieren und gucken, was man sonst noch so entdeckt, das war die Devise. Mir fiel irgendwann dabei auf, dass es viele alte Werbeschilder in Béziers gibt. Hier einige Beispiele:
Auch über römisches Gemäuer stolpern ist möglich und dazu natürlich dann auch über die dazugehörigen Katzen.
Sehr schön waren auch verschönerte Hauswände
und letztendlich die Nähe zum Canal du Midi, dessen Erbauer in Béziers geboren wurde.
Wir haben mehrere Stunden in Béziers verbracht, Flanieren mit Kaffeepäuschen. Sehr schön!
Morgen stelle ich Ihnen meine erste Ferienlektüre vor, hat nichts mit Frankreich zu tun, eher allgemein mit Urlaub, denn zu diesem Buch brauchte ich Muße.
Mein Mann und ich waren Anfang Oktober für eine Woche in Südfrankreich in einer Gegend, in die sich deutsche Touristen noch nicht so häufig verirren, vergleicht man die Besucherzahlen mit denen der Provence oder der Côte d‘ Azur. Deshalb schreibe ich ein paar Beiträge, vielleicht ist ja die ein oder andere Urlaubsidee für Sie dabei.
Unser Standort war Cap d‘Adge am Meer, ein Ferienort in der Region Roussillon zwischen Montpellier und Narbonne, der am Reißbrett entstanden ist. Im Sommer ist dort Rambazamba, in der Nebensaison ist es steril, still, die Bürgersteige sind hochgeklappt. Was mich an diesem Teil der Stadt Adge erfreute, waren neben unserem Ferienhaus der lange und feine Sandstrand und die in die Jahre gekommenen Vergnügungsparks. Um den morbiden Charme zu unterstreichen, habe ich mit etwas Fotobearbeitung nachgeholfen.
Neben der Cap-Ferienstadt gibt es noch Grau d’Adge, früher ein Fischerdorf, jetzt ebenfalls eine Touristensiedlung, aber eher aus den 50er-70er Jahren und deshalb hat sie mehr Charme. Hier fließt der Fluss Hérault ins Meer und die beiden Leuchttürme sind die Wahrzeichen.
Man kann am Strand spazieren gehen oder auch am Fluss entlang, begleitet von vielen Möwen.
Und dann ist da noch die eigentliche Stadt Agde, die 500 v.Chr. eine bedeutende Hafenstadt war, dann aber wegen zunehmender Versandung in Vergessenheit geriet. Gegründet wurde sie einst von seefahrenden Griechen und auf diese Wurzeln ist die Stadt sehr stolz.
Die Altstadt ist sehr verwinkelt und erinnert manchmal mit der wehenden Wäsche vor den Fenstern eher an eine süditalienische Stadt. Das kommt nicht von ungefähr, denn nach den Griechen kamen glücklose italienische Fischer, die hofften, hier bessere Fänge zu machen. Die Stadt liegt ebenfalls am Hérault und auch hier kann man wie in der Altstadt schön spazieren gehen oder auch gut essen.
Rechts unten ist das Ufer des Héraults. Links schwimmen Restaurants und Cafés auf dem Wasser
Sympathisch sind mehrere kleine Plätze und fast 30 Kunstgalerien und Werkstätten. Es gibt ein schönes Museum zur Geschichte von Agde und einen „Espace Molière“. Hier wurden während unseres Aufenthalts Bilder von einheimischen Künstlern gezeigt, und es fand eine Ausstellung zum Thema „The Terrible Jungle“ statt mit ganz unterschiedlichen Exponaten wie Schmuck, Bildern oder Skulpturen.
Agde ist keine reiche Stadt, hat keine touristischen Highlights, aber die Stimmung an einem Sonntagnachmittag war sehr angenehm und entspannt. Genau richtig für einen Urlaubstag.
Ach ja, ich muss noch meine Überschrift erklären: Das Gebiet von Agde entstand durch einen Vulkanausbruch und so nennt sich Agde auch die „schwarze Perle“.
Morgen erzähle ich von Béziers, eine Stadt mit Widersprüchen.
Gestern fragte ich, wo ich dieses Brett fotografiert habe und welchen Nutzen es hat. Nun ich war in Frankreich und diese Herren benutzten es beim Boulespielen, um den Spielstand festzuhalten.
Morgen und in den nächsten Tagen erzähle ich Ihnen ein bisschen von diesem Frankreichurlaub. Zwischendurch kommen aber auch Nicht-Frankreich-Themen zum Zuge.
Im nächsten Jahr steht eine Reise nach Nizza an. Deshalb lieh ich mir dieses Buch in der Bücherei aus. Der Autor hat mehrere Jahre in der Stadt gelebt und erzählt von seinen Lieblingsplätzen und Orten, die er absolut nicht mag. Darüber hinaus macht er auch Ausflüge in die Umgebung. Wer die Côte d‘Azur schon ein bisschen kennt, dem bietet das Buch nicht viel Überraschendes. Auch seine Anmerkungen beispielsweise über Exilliteraten und Künstlerfreundschaften oder der Invasion russischer Millionäre fallen doch eher unter „Altbekanntes“.
Nichtsdestotrotz habe ich Interessantes und Schönes in dem Buch entdeckt. Beispielsweise ist das Thema „Verhältnis der Franzosen zu ihren Künstlern“ im Vergleich zu Deutschland beachtenswert. So ist es in Frankreich normal, wenn in Kaufhäusern als Hintergrundmusik Lieder alter französischer Chansonniers laufen. Können Sie sich das bei uns vorstellen. dass z.B. Reinhard May oder Hannes Wader zu hören sind? Raddatz gibt in seinem Buch diverse Namen von deutschen fast vergessenen Sängern und Sängerinnen an. Ich suchte daraufhin die Lieder auf You Tube und fand u.a. diese:
Was mir an dem Buch noch sehr gefiel, ist seine Beobachtungsgabe und seine Sprache. Während meiner Zeit als Buchhändlerin mochte ich Herrn Raddatz nicht sehr, zwei Interviews im Fernsehen gefielen mir nicht. Jetzt bin ich geneigt, mir sein Erinnerungsbuch demnächst für einen Winter-Couch-Tag auszuleihen.
Morgen habe ich ein Fotorätsel für Sie, ich glaube, Herr Raddatz hätte daran auch Spaß gehabt.
Es gibt in anderen Sprachen Wörter, für die wir im Deutschen keins haben, wie z.B. Mångata, ein schwedisches Wort, das die Reflexion der Mondes in einem Wasser beschreibt. Ein Buch über fehlende Wörter ist bereits auch schon erschienen und es gibt eine Seite im Internet,
die sich auch dieses Themas annimmt. Um Wartezeiten im Stau, an der Kasse oder in der Telefonschleife abwechslungsreicher zu gestalten, habe ich angefangen, solche fehlenden Wörter aufzuspüren. Ich suche im Kopf nach Situationen, für die es in der deutschen Sprache keinen passenden Ausdruck gibt und erfinde ein neues Wort. Das macht viel Spaß, denn man ist gezwungen, genau zu beobachten und die Beobachtungen in Worte zu fassen. Dabei entdeckt man dann manchmal sprachliche Lücken. Ein neues Wort zu erfinden, ist das zweite Vergnügen. Hier ein paar Beispiele:
Blumenmelancholie-Eine leichte Blumenmelancholie überkommt Pflanzenliebhaber(innen), wenn ein schöner Blumenstrauß verwelkt ist und man ihn entsorgen muss.
Genussmaka!- Freudiger Ausruf am frühen Morgen oder in abgekämpften Zustand nach dem ersten Schluck aus einer Tasse mit heißem und starkem Kaffee ( Alternative bei Tee: Genussmatee!)
Spinnplöda- Wenn an einem nebeligen, leicht sonnigen, Herbstmorgen aus dem Nichts hunderte von Spinnweben in den von Tau benetzten Wiesenhalmen hängen und in der Sonne glitzern, dann spricht man von dem Spinnplöda-Phänomen.
Chatmüden- das eigene Schläfrigwerden beim Streicheln einer schnurrenden Katze auf dem Schoß
Fondelistinto-Der unwiderstehliche Drang, etwas liebevoll zu berühren und zu streicheln, wie z.B. Moos oder Samt
Ich weiß, ist ein bisschen schräg, aber trotzdem sollten Sie es einmal probieren. Auf der o.g. Homepage gibt es übrigens nicht nur eine Abteilung neuerfundener Worte, es werden auch alte Wörter aufgelistet, die bereits in Vergessenheit geraten sind oder heutzutage immer seltener benutzt werden. Da wird der eigene Sprachschatz erweitert oder alte Ausdrücke retournieren in den Kopf.
Morgen erinnere ich an den verstorbenen Schriftsteller Fritz J. Raddatz und spüre vergessenen deutschen Sängerinnen nach.
die Geliebte, der Geliebte seiner Frau, die Angestellten, die Schauspieler, der Regisseur, die Drehbuchautoren oder jemand, der von ihm erpresst wurde.
Der Pariser Kommissar La Bréa muss den Mord an dem Filmproduzenten Molin aufklären. Dieser ist, nachdem er getötet wurde, noch schrecklich zugerichtet worden, wer hatte einen solchen Hass auf ihn? Die Zahl der Tatverdächtigen, siehe oben, ist groß und La Bréa und sein Team haben viele Fragen. Dabei sticht eine heraus: Wir konnte Jacques Molin noch Filme produzieren, wenn ihm niemand mehr Geld vorstreckte? Molin war früher ein erfolgreicher Regisseur, der Auszeichnungen bekam, doch dann versuchte er, die staatliche Institution für Filmförderung zu betrügen und flog dabei auf. Seitdem ist seine Reputation in der Filmbranche schlechter als schlecht und doch drehte er einen Film nach dem anderen…
An diesem Krimi gefiel mir, dass man auch hinter die Kulissen der Filmbranche sehen durfte. Für mich waren einige Zusammenhänge neu. Was den Ort der Handlung angeht, Paris, so fand ich es gut, wie die Autorin den Alltag „normaler“ Einwohner inmitten von Paris beschreibt. Hört sich vielleicht komisch an, aber für mich ist das Zentrum von Paris so abgehoben, dass ich mir nur schlecht vorstellen kann, dass dort beispielsweise Kinder zur Schule gehen, es Altenheime gibt oder volle Wartezimmer bei Ärzten.
Morgen gibt es einen Blogferientag, übermorgen stelle ich Ihnen Genussmaka, Spinnplöda und Chatmüden vor.
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